sprechen verb
Fundstelle: Lfg. 15 (1905), Bd. X,I (1905), Sp. 2798, Z. 23

Unterbegriffe in diesem Artikel

loqui.
I.
formales.
1)
sprechen ist ein verbum, das sich in allen westgerm. sprachstufen findet, im ostgerm. dagegen unbezeugt ist. (isl. spreka Cleasby-Vigfusson 584ᵃ ist lehnwort aus dem deutschen.) ahd. sprehhan Graff 6, 369 ff., mhd. sprechen Lexer handwb. 2, 1112 f.; as. sprekan, mnd. spreken Schiller-Lübben 4, 342—4; anfr. sprecan, mnl. holl. spreken, vgl. Franck 945; altfries. spreka Richthofen 1042ᵇ f. (westfries. auch spraka, s. Siebs in Pauls grundr.² 1, 1369, nordfries. jetzt auch sprêʒə 1398). ags. sprecan, daneben formen ohne r: specan Bosworth-Toller 904ᵇ f. diese formen haben später im engl. gesiegt: mittelengl. speken, neuengl. speak, s. Skeat 578ᵇ, der den verlust des r um 1100 ansetzt. doch ist dieser nicht ausschlieszlich englische sonderentwicklung, denn auch im ahd. finden sich hie und da formen wie spehhan u. ähnl., s. Graff 6, 369, und dieselbe erleichterte stammform erscheint in ableitungen wie spechten sprechen, schwatzen, sp. 2028 f. (daneben sprächten 2782 f.) und spacht, lauter sprechen, sp. 1829, die man nicht wird von sprechen trennen wollen.s. ferner sprache (wovon wiederum das verb. sprachen) und spruch.
2)
als nächste verwandte stellen sich zu sprechen nord. wörter: isl. spraka krachen Cleasby-Vigfusson 584ᵃ (nur einmal), norw. schwed. spraka knistern, knacken, prasseln (Aasen 737ᵇ), dän. sprage. die neuern sprachen kennen auch ein starkes verb, das die wurzel durch einschub eines (später assimilierten) n erweitert zeigt und vielleicht durch springa beeinfluszt ist, mit der bedeutung 'springen, bersten, reiszen': norw. sprekka (-sprakk -sprokket) Aasen 738ᵃ, schwed. spricka, dän. sprakke. die grundbedeutung der wurzel wird demnach eine allgemeine geräuschbezeichnung sein. unter dieser voraussetzung ist es möglich, weiterhin wörter wie sprick, sprock, und, mit demselben wechsel wie oben, spack, spache(n), dürres holz u. s. w., s. sp. 1826 ff., hier anzuknüpfen.in derselben allgemeineren bedeutung ist die wurzel in den verwandten sprachzweigen nachzuweisen. idg. *spherag-, präs. *sphragéyô 'rausche', skr. sphûrjati donnern, dröhnen, gr. σφάραγος geräusch, lit. spragė́ti prasseln, lett. sprahgt und sprehgt bersten, platzen, knallen, sprehgaht platzen, prasseln, knistern. s. Fick³ 3, 355. ⁴1, 149. 573. dagegen zeigt das kelt. *srag- aus *sprag- dieselbe specialisierung wie das germ. in cymr. ffrec geschwätzigkeit, ffregod geschwätz, ffraeth beredt, s. 2, 317, und sichert dadurch die obige zusammenstellung. sie findet sich auch bei Skeat 578ᵇ und Franck 945, während Kluge⁶ 372 und Weigand 2, 775 sich ablehnend oder zweifelhaft verhalten. die zusammenstellung mit ahd. sprâchulla, siliqua, und nd. sprok(ware) späne, äste, schon bei J. Grimm kl. schr. 3, 132 (s. auch 301).
3)
form und flexion bieten sonst wenig anlasz zu bemerkungen. (gelegentlich im ältern nhd. mit ä geschrieben, z. b.: spraͤchen, reden, auszsprächen, effari, proloqui. Maaler 381ᵈ.)
a)
im ältern nhd. wirkt noch die mhd. flexionsweise nach, namentlich auf oberd. boden. besonders häufig findet sich die 1. sing. ich sprich, und zwar auch bei mitteldeutschen autoren: mein herre und vater nun spriche ich wol das ich es nit lenger leyden noch vertragen mage. decam. 182, 3 Keller (3, 3); darumb ich spriche. 184, 32; da las ich viel mehr das gesetz faren, und sprich, liebes gesetz, hab ich die werck nicht gethan, so thue du sie. Luther 5, 476ᵇ; ich sprich gröszlich zuͦverwundren waͤr, wo man solcher bruͦder ... finden solt. Galmy (1540) 14ᵃ; eben (sprich ich) ein solche mainung hat es auch mit der lere von der fürsehung gottes. Gretter erkl. der ep. Pauli an die Römer (1566) 601; wie wollen wir uns da (sprich ich) für Christo versprechen? 816; aber die warheit zu sagen, so sprich ich, dasz mir kein menschenbildt mein lebenlang fürkommen ist, das ich liber sihe, ... denn e. keys. mayest. buch der liebe 20ᵃ; ich sprich, so du so hoch werst an geburt als Philomena, ich kein zweiffel dran haben wolt. 235ᵈ; ich sprich aber, dasz mich jr weise und wandel nimmermehr betriegen mag. 239ᵃ; so sprich ich von wegen meiner jungfrauwen und mein, dasz wir euch beyde dermassen auszerkoren haben. 239ᵈ; antwortet er: proximus egomet mihi; so seye dann, sprich ich dein und nicht mein nechster. Schuppius 408;
sie munckt und redt denn nichts mit mir
so meul ich mich und sprich nichts zu jr.
H. Sachs 1, 476ᵇ;
was ist der arme mensch, alsz dan bey mir sprich ich.
Weckherlin 26 (ps. 8, 4);
der höchst, sprich ich, dem das hertz wie der mund,
und dem das hirn wie die stirn klar und kund,
der pfleget nu die frommen zu bewehren.
42 (ps. 11, 5).
vereinzelt mit ü geschrieben: also sprüch ich, es ist ain grosse dorheit, das man das frawenzimmer uf die hirssplan hinauss fürt. Zimm. chron.² 3, 60, 28.
b)
im prät. kann der alte wechsel zwischen kurzem und langem a in der schreibung nicht zu tage treten. der sing. mit anorganischem end - e: darumb der münche in grössern czorn fiele und sprache. ... nun sich ob du sy kennest. der erber man ... sprache ia ich kenne sy wol. decam. 181, 18. 21 Keller (3, 3). so neben einander: die künigin sich mit einem züchtigen lachen gegen Pamphilio keret und zuͦ im sprache; nun wol an iunger man Pamphilio es trifft euch an; der anhube und sprach. 184, 29—31 (3, 4). — 2. plur. sprachen im alemann.: es ist euwer gnaden wol kundt, dasz ich euch nichts mer schuldig bin; dann jr zum neheren mal im essen sprachen zum edelmann, der neben euch sasz: der baur ist mir nichts mer schuldig. rollwagenb. 22, 22 Kurz.das perfective prät. gesprach ist unter gesprechen behandelt, s. theil 4, 1, 4167. — im conj. giebt Schottel 597: ich spröche, statt des heutigen spräche, das bereits Stieler 2099 hat.
c)
in neuerer zeit dringt im imp. die schwache bildung spreche ein (vgl. Andresen sprachgebr. 85): sei elend, meide dein vaterland, übergieb deine familie der dürftigkeit, oder spreche mir andächtig nach! Sturz 1, 82; o gute! reiche mir deine hand ... und weine nicht, sondern spreche. J. Paul unsichtb. loge 2, 133; (neben der richtigen form:)
o siehs, o freund! sieh und spreche mir weisheit,
doch von der welten besten nur nichts:
sprich : alles ist gut, ob uns gleich verborgen.
Creuz 1, 147;
eile denn zu meinem lieben,
spreche sanft zu seinem herzen.
Marianne v. Willemer bei Göthe 5, 185;
bleib' nur innig,
treu und sinnig,
wie dich auch der engel grüszt.
spreche: deine magd, herr! bin ich.
Brentano 1, 111.
so auch in den zusammensetzungen: daher verspreche mir, meine tochter, nicht hochzeit zu machen, ohne die nadel an dein stattliches brautkleid zu heften. Platen 348ᵃ (Rosensohn 5).
4)
sprechen ist namentlich im ältern nhd. auszerordentlich häufig. jetzt ist es dagegen in der alltäglichen umgangssprache etwas zurückgetreten zu gunsten von sagen, und hat einen etwas feierlicheren character angenommen. doch verhalten sich darin die landschaften verschieden. im oberd. scheint es der eigentlichen volkssprache fremd geworden zu sein; dafür die denominativbildung sprachen (s. d.) oder reden. erhalten ist es in gewissen offiziellen gebrauchsweisen, unter einflusz der schriftsprache, oder in prägnanteren bedeutungen: schweiz. sprechen 'in der kirche einen spruch, lied aufsagen'. Stalder 2, 386; šprëche mit dem nebenbegriff des groszsprechens, affectierten sprechens, und vom richter. Hunziker 248; 'sprecha ist nicht eig. volksgemäsz, nur in der geflissenern rede, z. b. was hed-er gsprocha?' Tobler 381ᵃ, ebenso in Basel spräche, meist nur im part. g'sproche (in dieser redensart und vom richter). Seiler 275ᵇ; bair. spréchə ̃ (cond. spréchət und spráhh). 'jedoch hat die einfache form im munde des volks fast durchgängig den nebenbegriff des groszsprechens, affectierten sprechens, indem für das gewöhnliche das verb reden vorgezogen wird.' Schm. 2, 697; in demselben sinne tirol. Schöpf 692, kärnt. spréchn, spréchet, sprâch; gsprochn, 'doch dafür gewöhnlich: rödn'. Lexer 237, auch cimbr. sprechen unüblich (in Foza für beten), dafür prechten, kallen. cimbr. wb. 235ᵃ (auch ung. sprechen für beten Schröer 2, 290ᵇ). auch in Handschuhsheim findet sich sprechen nur in zusammensetzungen, sonst dafür rerə, plaurɐn, ſwɛtsə, saaöə. Lenz 67ᵃ. die synonymen von sprechen in Vorarlberg sind verzeichnet Frommann 3, 297—301 (sprechen selbst unbekannt, aber sprócha), die im henneb. 2, 462—7 (sprechen fehlt, doch belegt es Spiess 238 mit einer redensart). sonst ist es im mitteld. besser erhalten: köln. spreche (sprōch, sprȫch, gesproche) Hönig 149ᵇ, in Groszen-Buseck bei Gieszen špräɐxə (šbreΧsd, šbreΧd, šbrax, šbreeΧ, gəšbroxə), s. zeitschr. f. hochd. mundarten 1, 15, sächs. sprechen Anton 13, 4. Albrecht 214ᵇ. Bruns 23ᵇ (prov. Sachsen, in der volkssprache vor sagen bevorzugt). nd. spreken brem. wb. 4, 965 (du sprikst; ik sprak und sprook; part. spraken). Mi 85ᵇ (sprek, spreckst, spreckt; prät. sprok), spreeken Schütze 4, 175, sprëken Schambach 206ᵃ (sprëke, sprekst, spreket, pl. sprëket; prät. sprôk, pl. sprôken und sprö͏̂ken, conj. sprö͏̂ke; part. esprôken), spre̜ken (sprak, sproken) Woeste 252ᵃ, spräken Dähnert 453ᵇ. Danneil 205ᵃ (spräk, sprickst; prät. sprack, sprôk und spräk; part. spraokn). Stürenburg 255ᵇ (sprook und sprakk, spraken und sproken), spreken, spräken ten Doornkaat Koolman 3, 287ᵇ. (in Waldeck scherzhaft špriΧen, hochdeutsch sprechen. Bauer-Collitz 98ᵃ.)
II.
bedeutung.
1)
absolut und im allgemeinen: sprechen, sagen, parler, dire. Hulsius 304ᵃ; loqui, fari Schottel 1419; dire, prononciare, orare, perorare in publico, it. dire in generale. Kramer dict. 2, 878ᵃ.
a)
sprechen bezeichnet zunächst das hervorbringen von sprachlichen gebilden (wörtern, sätzen) schlechthin:
thô uuard himil offan,   then fater hôrt er sprechan.
Otfrid 1, 25, 15;
wer's (das mädchen) sprechen hört, ist lauter ohr,
sein sprechen ist gesang.
Gleim 2, 221.
mit bezug auf die dauer: er sprach lange; er spricht schon seit einer viertelstunde u. ähnl. verdoppelt in dem sinne 'er spricht fortwährend, zum überdrusz lange':
er spricht und spricht,
mir widert's!
Grillparzer⁴ 4, 23 (gastfr.).
kaum hatte er angefangen zu sprechen, so geschah etwas unerwartetes. sô er thô bilan zi sprehhane (ut cessavit autem loqui). Tat. 19, 6. weiter sprechen, fortfahren:
das glücke wollte weiter sprechen.
Günther bei Steinbach 2, 638;
sprich weiter, Ruprecht, jetzt, mein sohn.
Kleist zerbr. krug 7.
so auch: ich habe gesprochen, d. h. ich bin fertig mit sprechen: ich habe gesprochen, sagt herr präsident Höseli. Gotthelf bei Wander 4, 737, 12. weniger gut dafür:
ich sprach!
Grillparzer⁴ 6, 200 (tr. ein leb. 4).
b)
so im substantivierten inf. (von der eigentlichen lautbildung): deutlichkeit, freyheit und anmuth sind unerreichbar wenn der redner mehr zeit und kraft zum athmen als zum sprechen braucht. Zelter an Göthe 2, s. 164; nd. als scherzhafte redensart: de kann dat spräken nig liden, er ist über jedes wort mürrisch. Dähnert 453ᵇ.
c)
in bezug auf die blosze fähigkeit; der stumme kann nicht sprechen: nicht sprechen können, non poter parlare, esser muto ò haver perduto la parola (favella). Kramer dict. 2, 878ᵇ; inti nu uuirdist thû suîgênti inti ni maht sprehhan. ... her ûʒ gangenti ni mohta sprehhan zi in, inti ... thuruhuuonêta stum. Tat. 2, 9. 10; und ob es (das 'Marienkind') gleich nicht sprechen konnte, so war es doch schön und holdselig. Grimm märchen 10 (nr. 3). der geheilte stumme kann wieder sprechen, wofür auch blosz er spricht. so im part.: touba teta hôrente inti stumma sprechente. Tat. 86, 2;
thô uuard mund sînêr   sâr sprechentêr,
joh uuas sih lôsenti   theru zungûn gibenti.
Otfrid 1, 9, 29.
das kind lernt sprechen; mädchen lernen meistens eher sprechen als jungen. in diesem sinne auch von vögeln, die menschliche sprache nachahmen: der staar spricht oder kann sprechen, lernt sprechen, spricht dein papagei? u. s. w. Adelung (1, 2, 1).
d)
nicht sprechen ist gleichbedeutend mit schweigen: er ist heute abend so still und spricht nicht; was hast du denn, dasz du gar nicht sprichst?
dô er kom gegangen,
weder si ensprach noch enneic.
dô sî alsô stille sweic,
daʒ begund im starke swâren.
Iwein 2249.
in Hamburg-Altona sprichwörtlich he wull nig spreeken un nig schieten 'er war still, übel aufgeräumt'. Schütze 4, 176, vgl. Wander 4, 742, 150. — sprechen und schweigen zusammen oder in gegensatz gestellt: mêr sprak endi mêr suîgoda than ik scoldi. Wadstein kl. as. sprachdenkm. 17, 11 (beichtsp.); sprik unde swych, wan dat tyt is! ut locus exposcit, profer vel supprime voces. Tunnicius 959; sprich und schweig, wenn es zeit ist. Wander 4, 738, 40; sprechen ist silber, schweigen ist gold, sagte der candidat, als er in der predigt stecken blieb. 737, 27.
e)
sprechen im gegensatz zu andern arten, seine gedanken auszudrücken: wir fragten nach dem wege. er sprach kein wort und wies mit einer stummen handbewegung die richtung; er sprach nicht, aber seine miene verriet, was in ihm vorging;
thô uuas er bouhnenti,   nales sprechenti,
thaʒ menigî thes liutes   fuari heimortes.
Otfrid 1, 4, 77;
sie sprach nicht, nein, sie nickte mit dem kopf blosz,
wenn man sie, ob's der Ruprecht war, befragte.
Kleist 1, 445 Schmidt (zerbr. krug 12, var.).
doch werden auch diese andern weisen der mittheilung und verständigung als sprechen bezeichnet (vgl.sprache 9, a). besonders in dichterischer rede:
du sprichst
mit deinen wimpern, deinem zeigefinger;
ich höre dir mit blicken zu.
Schiller 5, 2, 214 (don Karlos 2, 4).
weiteres s. unten 13, d.
f)
sprechen geht also zunächst auf die sprache als äuszere thätigkeit, die lautbildung, und unterscheidet sich dadurch von sagen, bei dem die rücksicht auf den inhalt im vordergrunde steht (s.sagen 3, theil 8, 1652) und das darum im allgemeinen nicht absolut gebraucht wird. darauf beruhen redewendungen wie: er sprach viel, ohne viel zu sagen (machte viel worte, worin wenig inhalt war). Varnhagen v. Ense denkwürdigk. 5, 61; man kann lange sprechen, ohne etwas zu sagen. Wander 4, 737, 16. anders in der nd. redeweise: dat kan ik ane spreken nig seggen 'das kann ich nicht sagen, ohne ein unvorsichtiger plauderer zu seyn'. brem. wb. 4, 965.
g)
doch bezeichnet auch sprechen zumeist das aussprechen eines bestimmten inhalts: er hätte sie nur fragen dürfen: was hast du gegen mich Lisbeth? ... dann hätte sie gesprochen und er hätte gesprochen und aus dem sprechen wäre wahrscheinlich ein lachen über die unnützen kümmernisse geworden. Immermann Münchh. 4, 76 (7, 10); 'schweigen ist hier ehrensache', versetzte Waser. ... 'bei gott', rief er .., 'sprichst du nicht, so erwürg' ich dich, Waser!' C. F. Meyer Jürg Jenatsch 53. — insbesondere ist der sehr häufig absolut gebrauchte imper. wol nie eine aufforderung, überhaupt worte hervorzubringen, sondern verlangt stets worte bestimmten inhalts, bestimmte angaben: sprich, oder lauf, loquere, aut abi. Stieler 2099;
herzoge ûʒ Ôsterrîch Liupolt, nû sprich.
Walther v. d. Vogelweide 32, 5;
jezt herold sprich und sage deinen auftrag.
Schiller 13, 223 (jungfr. v. Orl. 1, 11);
der junge rief zum zweitenmal 'was willst du hier? sprich wenn du ein ehrlicher kerl bist!' Grimm märchen s. 13 (nr. 4); wer hat mir diese schmach angethan? sprich, Hildebrand, denn dein ist die sorge für die mahlzeiten der gäste. Freytag ahnen 1, 116. gern mit nachfolgender frage, s. unten 6, k.zum richtigen sprechen gehört daher auch, dasz es den hörenden verständlich sei; daher: ihm (dem knaben) erschienen die menschen, die so (französisch) redeten als fremde schreckhafte wesen, während die eltern sich verfremdet und tiefverletzt vorkamen, da man in ihrem beisein und gewisz über sie sprach und doch nicht sprach, sie waren wie taube menschen. Auerbach neues leben (1852) 1, 127.
h)
doch werden sprechen und sagen keineswegs immer scharf unterschieden, wie sie ja mit einem groszen theile ihrer gebrauchssphäre zusammenfallen. so stehen sie als gleichbedeutend (vgl.sagen 10, theil 8, 1660): der herr sprach zu Mose, gehe hin ein zu Pharao, und sprich zu jm, so sagt der herr. 2 Mos. 8, 1; sagt der gantzen gemeine Israel, und sprecht. 12, 3; warumb sollen die Egypter sagen, und sprechen, er hat sie zu jrem unglück ausgefürt. 32, 12; 'aller guten dinge sind drei', sprach sie (die katze) zu der maus. ... 'da sitzest du daheim in deinem dunkelgrauen flausrock und deinem langen haarzopf', sprach die katze. ... 'wenn erst alles aufgezehrt ist, so hat man ruhe', sagte sie zu sich selbst. ... 'er wird dir wohl auch nicht gefallen', sagte die katze. Grimm märchen s. 6 (nr. 2). über feinere unterschiede dabei s. unten 3 und 6, d.
i)
noch weniger unterscheidet sich sprechen von andern synonymen: sprechen ... idem est quod sagen, reden, melden, erwehnen, licet usu haec quoque inter se differant. Stieler 2099. insbesondere von reden ist sprechen zumeist nur dadurch unterschieden, dasz jenes der gewähltere ausdruck ist und einen etwas feierlicheren klang hat, vgl.reden 3, theil 8, 464. (in mundarten umgekehrt, s. oben I, 4.) als gleichbedeutend zusammengestellt:
mit reden und mit sprechen
thut man die eher abbrechen.
bergr. s. 44, 28 neudr. (21, 11).
ebenso mhd. sprechen und jehen:
ich hœre sprechen unde jehen, ...
daʒ mîn vater welle
ze ritter machen alzehant
des küneges sun ûʒ Engellant.
Konr. v. Würzburg Engelh. 2346.
im wechsel:
ist's edel, so zu reden, wie du sprichst?
Göthe 9, 233 (Tasso 5, 4).
sehr gewöhnlich wird im ältern nhd. (besonders in der bibelübersetzung) sprechen mit andern synonymen wörtern in der weise verbunden, dasz es zur unmittelbaren einführung der (directen) rede dient, s. unten 6, e.
k)
infolge dieser unterscheidung erhält sprechen zuweilen einen bestimmteren sinn. so in oberd. mundarten für 'groszsprechen' oder 'affectiert sprechen' Hunziker 248. Schm. 2, 697, s. oben I, 4. andre specialisierungen und prägnanten gebrauchsweisen s. unten 10—12.
2)
sprechen mit adverbialen bestimmungen.
a)
in akustischer hinsicht; laut, leise sprechen:
Volkêr der küene   vil lûte sprechen began.
Nib. 1740, 4;
da sie ziemlich laut sprach, kam der pfarrer an's fenster. Göthe 25, 355; zulezt ergrif er meine hand und sprach leise mit tränen. Schiller 2, 54 (räuber 1, 3 schausp.); still, Ellen! sprich nicht so laut! Storm 1, 183. dafür: sprach er mit lauter stimme. apostelgesch. 14, 10; und ich sahe, und höret eine stimme vieler engel umb den stuel, ... und sprachen mit grosser stim. offenb. 5, 12; im pey seinem rechten namen rüffet und mit hocher stymme sprach. decam. 355, 20 Keller (5, 7). (diese wendungen veraltet). — langsam, geschwinde, deutlich, undeutlich sprechen. Adelung (1, 2, 2, a). von der stimmlage: hoch, tief, im tiefsten basz, ferner mit brustton, heiser, mit einer knarrenden bierstimme sprechen. geläufig, flieszend, stockend, stotternd sprechen.
b)
in linguistischer hinsicht; deutsch, französisch, schwäbisch sprechen:
si sprach hin zim en franzoys.
Parz. 314, 20;
und Tristan der begunde dô
britûnisch sprechen wider in.
Trist. 10741;
da aber das volck sahe, was Paulus gethan hatte, huben sie jre stimme auff, und sprachen auff lycaonisch. apostelgesch. 14, 11; da wir aber alle zur erden nider fielen, höret ich eine stimme reden zu mir, die sprach auff ebreisch. 26, 14 (vgl. 7, d). mit weiterer bestimmung: er spricht gut französisch, schlecht deutsch. Adelung (1, 2, 2, a). s. ferner 7, d.
c)
mit bezug auf das auftreten des sprechenden: da sprach Matathias frey er aus. 1 Macc. 2, 19; vielleicht hätte man viel mehr dank und vortheil vom leben, wenn man sich wechselsweise gerade heraus spräche was man von einander erwartet. Göthe 28, 283. mhd. in diesem sinne:
dô sprach für den munt
von Wildon her Herrant.
Ottokar reimchron. 9871;
nhd. dafür gern:
frei von der leber weg zu sprechen.
Göckingk 1, 137;
nehmt mirs nicht übel junger herr.   es ist
weisz gott! die pure liebe und erbarmnisz,
die mich so frei läszt von der leber sprechen.
Schiller 13, 380 (Turandot 2, 3);
mein seel', 's ist schwer, frau Marthe, dreist zu sprechen,
wenn das gewissen an der kehl' uns sitzt.
Kleist 1, 384 Schmidt (zerbr. krug 9).
zugleich mit hinblick auf die äuszern umstände: Paulus aber und Barnabas sprachen frey öffentlich. apostelgesch. 13, 46. sonst von der längern, feierlichen rede vor einem publicum: offentlich sprechen, dire, pronontiare un sermone ò oratione in publico, perorare, declamare. Kramer dict. 2, 878ᵃ. das gegentheil: heimlich sprechen, clam mussitare. Stieler 2099;
als ich
von dem gemach der königin herauskam,
stand der infant bei einem ihrer pagen,
sie sprachen heimlich.
Schiller 5, 1, 149 (dom Karlos 2, 15).
anderes: er spricht wie ihm der schnabel gewachsen ist. Wander 4, 742, 143, vgl.schnabel 2, a, theil 9, 1142. unvorbereitet, aus dem stegreif, frei sprechen (vom redner): heut früh war ich mit Malle bei Büchsel; er predigte über 10 aussätzige ... recht schön, wenn er sich nur etwas vorbereiten wollte, er spricht immer so aus dem ärmel. Bismarck br. an seine gattin s. 152. — mit bezug auf begleitende geberden und bewegungen: et ys eyn gemeyne bysproeck, wan eyner wath haͤstigen oder mit thornigen moͤde spreckt und dan syne worde myt handen, vyngeren offte myt voͤten wyset, so secht men, hey spreckt myt handen, vyngeren offte mit voͤthen. Dan. v. Soest ketterspegel 59 bei Schiller - Lübben 6, 269. — von mehreren, die zugleich und gleichlautend sprechen, sie sprachen einstimmig, (wie) aus einem munde; so schon ahd.: sprâchen eînstimme (uno consilio). Notker ps. 40, 7;
sî sprâchen mit eim munde.
Iwein 4568;
dô sprach ûʒ einem munde
der sieche unt der gesunde.
Parz. 17, 15;
si sprâchen ûʒ einem munde.
Ottokar reimchron. 450;
die man des râtes sach walten ...,
die sprâchen mit gelîchem munde,
eʒ wære nû ze spât.
30139.
d)
mit bezug auf die verwendeten ausdrucksformen: und er rieff sie zusamen, und sprach zu jnen in gleichnissen. Marc. 3, 23;
rappelts der majestät? was kömmt sie an,
dasz sie in versen mit sich selber spricht?
Schiller 13, 440 (Turandot 4, 5).
in rätseln sprechen, vgl. 7, e.
e)
die allgemeinsten adverbien sind gut, schlecht sprechen, die in verschiedenen beziehungen verwendet werden; 'gut, schön sprechen, sowol in ansehung der aussprache der wörter, als auch in ansehung des inhalts.' Campe (II, 1). so schon ahd. und mhd.: furhtendo nîo ih ubelo nesprâche, fermêid ih daʒ ih uuola nesprah. Notker ps. 38, 3;
sie wegitun iro houbit   joh sprâchun ubilo thârmit.
Otfrid 5, 30, 7 (praetereuntes autem blasphemabant eum. Matth. 27, 39);
eʒ ist umb iuch (Keii) alsô gewant
daʒʒ iu niemen merken sol,
sprecht ir anders danne wol.
Iwein 192.
so besonders gut von einem sprechen, s. 5, b, α. — sonst mhd. wol sprechen auch für 'recht haben':
der wirt sprach 'hêrre, ir sprechet wol'.
Parz. 468, 1.
ähnlich, den inhalt der rede billigend: nun! das war wohl gesprochen. Schiller 2, 117 (räuber 3, 2 schausp.). auch blosz: wol gesprochen! nd. in unpersönlichem gebrauche (vgl. 14, g): dat sprikt woll, gut gesprochen. Schütze 4, 176. — so ferner:
ir heiʒet allaʒ thaʒ jâr   mih druhtîn inti meistar;
rehto sprechet ir thâr,   ih bin ouh sô, thaʒ ist wâr.
Otfrid 4, 11, 46;
den argwohn kannst du leicht betrügen:
sprich wahr; so wird er sich selbst belügen.
W. Müller ged. (1868) 2, 179.
andre bestimmungen, die auf den inhalt der rede gehen: der greis entgegnete strafend: 'du sprichst thöricht'. Freytag ahnen 1, 37;
und wenn sie richtig fühlt und weise spricht,
so fehlt noch viel dasz sie gemessen handle.
Göthe 9, 286 (nat. tochter 2, 1);
weise sprichst du, nicht handelst du so.
40, 354 (Achill. 1).
ohne überlegung sprechen. Campe (II, 1). sprichwörtlich: sprechen unbedacht, hat manchen in noht gebracht. Schottel 1135ᵇ. — nd. se sprikt bister wie se sleit över oder se sprikt över sik 'sie spricht irre, phantasiert'. Schütze 4, 177 (irre sprechen nicht üblich, dafür irre reden). ähnlich in übertragenem gebrauche:
ihr sprecht im fieber, einer wie der andre.
wie kann mir unglück kommen von den Schweden?
Schiller 12, 383 (Wallensteins tod 5, 5).
formale charakterisierung der rede: Alberten war das zu allgemein gesprochen. Göthe 16, 69. einfach, schlicht sprechen:
einfältiglîch ze sprechen,
daʒ wær daʒ allerbeste.
Hadamar v. Laber 199.
durch die blume sprechen, in umschreibungen und zarten andeutungen; nd. dör de bloom spreeken 'verblümt sprechen'. Schütze 4, 176. — von der stimmung der rede oder des sprechenden: sprechen wir alle vlegeliche (dicamus omnes cernui). Kehrein kirchenl. 53, 5 (12. jahrh.);
die liebe macht bey dir sehr klägliche geberden:
sie spricht so weinerlich, dass mir's unmöglich scheint
in diesen ton jemals gestimmt zu werden.
Wieland 9, 95 (Musar. 3);
zürnend sprach sie und hoch, die einzige, würdiges wesens.
Göthe 40, 353 (Achill. 1);
du sprichst mit ernst.
Seume ged. (1826) 26.
so auch:
waʒ ob von Tronge Hagene   deste wirs getar
gein iu mit spotte sprechen?
Nib. 2188, 3.
groszsprechen, dire cose grandi, cioè millantarsi, vantarsi. v. pralen. Kramer dict. 2, 878ᵇ:
und Raufbold spricht zwar grosz, allein er ist verzagt.
Zachariä 85 (renomm. 5, 50).
ähnlich jetzt etwas veraltet: oder dasz wir sagen könnten mit einem kirchenvater ..: man gebe uns einen weinsäufer, wir machen ihn zu dem mäszigsten menschen; einen wollüstigen, er soll bald keusch werden. ... nein, so hoch können wir nicht sprechen, sondern müssen ... klagen, dasz die guten nicht besser und die schlechten nicht gut werden wollen. Cl. Harms pastoralth. 1, 64. im Münsterlande sprichwörtlich: hauge spreäken un wît strîen (schreiten) helpet manchen uͤäwer de rîen (den bach). Frommann 6, 428, 113, vgl. s. 431. — in einem tone sprechen:
der Deutsche kennt den Deutschen bald
am offenen gesicht,
am feuer, das vom auge wallt,
am ton, worinn er spricht.
Miller im Göttinger musenalm. 1773, 179 (vgl. unter 8, h, γ).
f)
häufig wird die art des sprechens durch einen vergleich näher bestimmt. so ganz eigentlich: du sprichst wie unsere alten. Freytag ahnen 1, 10. meist freier, als redewendung, gern mit scherzhaftem, tadelndem, ironischem nebensinn: nun, das nenn' ich gesprochen, wie ein ehrlicher viehhändler: so endigt man einen ochsenhandel. Shakespeare viel lärm. 2, 1; 'sie sprechen ja wie ein mordbrenner', sagte herr Hummel miszbilligend. Freytag verl. handschr.⁷ 1, 19. so auch:
top! riefen die ritter, der alte wassermann spricht
wie ein orakel!
Wieland 4, 175 (Am. 8, 5).
häufig er spricht wie ein buch, nd. he sprikt as en book oder ut dem booke 'er spricht bücherklug, altklug'. Schütze 1, 126, vgl. Wander 4, 742, 148: 'richtig', sagte Fink, 'gesprochen wie ein buch'. Freytag soll u. haben 2, 296. — daneben in anderm sinne du sprichst wie ein mann, wie es einem manne gemäsz ist oder zukommt, zeigst dich als mann in dem, was du sprichst:
das ist gesprochen wie ein mann!
Schiller 12, 163 (Piccol. 4, 4);
jetzt gefallt ihr mir, jäger! ihr sprecht
wie ein Friedländischer reitersknecht.
27 (Wallensteins lager 6).
ebenso (in tadelndem sinne):
ir sprechet als ein wîp.
Iwein 1921.
3)
in der angabe der angesprochenen person unterscheidet sich sprechen (dem sich die meisten andern sinnverwandten ausdrücke anschlieszen) von sagen dadurch, dasz sagen die engere fügung mit dem bloszen dativ vorzieht (s.sagen 3, theil 8, 1652), sprechen, reden u. s. w. dagegen eine präposition verlangen, s. J. Grimm kl. schr. 4, 236.
a)
sprechen mit dem dativ ohne weitere bestimmung findet sich im ahd. Tat., offenbar in nachahmung des lat.: thô antlingita in ther heilant: ih sprih iu (loquor vobis) inti ir ni giloubet. 134, 3; uuir uuiʒumês thaʒ Moysese sprah got. 132, 17; thô quad imo Pilatus: mir ni sprihhis (mihi non loqueris)? 197, 8. doch begegnet ähnliches auch im mhd.:
nu ist daʒ mînes herzen ger
gewesen dise lange wochen,
daʒ ir mir hêtet gesprochen
und gekôset mit mir.
Heinr. v. Freiberg Tristan 1050;
antworten:
phie dich an, du bosewicht,
dasz du mim herren wilt sprechen nicht!
Alsf. passionssp. 4113.
nhd. ganz vereinzelt im sinne eines anrufs und befehls (als poetischer ausdruck, wol der ähnlichen verwendung von rufen nachgebildet, s. das. II, 2, a, theil 8, 1403 f.):
er spricht der sonne und sie geht nicht auf.
Herder 11, 250 Suphan.
b)
in neuerer sprache ist der dativ üblich, wenn eine angabe über den gegenstand des gesprächs (s. unten 5) steht, einem von etwas sprechen: ich musz ihnen von ihm sprechen, eh' sie ihn gesehen haben. Göthe 23, 189 (wanderj. 3, 13); ich säumte daher nicht lange, sprach ihm von der sache. 25, 6 (dicht. u. wahrh. 6);
denkend schaute Hermann zur erde; dann hob er die blicke
ruhig gegen sie auf, und sah ihr freundlich in's auge,
fühlte sich still und getrost. jedoch ihr von liebe zu sprechen,
wär' ihm unmöglich gewesen.
40, 307 (Herm. u. Dor. 7);
sprich mir von allen schrecken des gewissens,
von meinem vater sprich mir nicht.
Schiller dom Karlos 1, 2;
ich spreche dir von sturm und meeresflammen
und schmücke dich mit perlen und korallen.
Hebbel 6, 308 Werner;
nur dann, wenn ihr mir von dem aufenthalt eurer jugend spracht, mich von dem glück eurer kindheit unterhieltet, heiterte sich meine seele auf. Klinger 4, 124. daneben, seltner: der könig hatte mich oft am hofe gesehen, zu meinem vater von mir gesprochen. 119; sie hob ihn auf und küszte ihn, und sprach zu ihm von hochzeit und königthum. Freytag bilder 1, 201. so auch, sprichwörtlich: wer dir von andern schlecht spricht, spricht auch andere (andern?) schlecht von dir. Simrock 9071. diesen gebrauch auf franz. einflusz zurückzuführen, wie Andresen sprachgebr.⁷ 436 will, geht doch nicht an.an stelle der wendung mit von kann die ergänzung auch in andrer form gegeben werden:
also sprach er mir.
Herder 23, 249 Suphan (Adr. 2, 82).
mit directem object:
kurz, wie ers auch versuchte,
so sprach die Echo doch (var.: nach), was ihr Vulkanus sprach.
Lichtwer 74 (fab. 2, 24).
auch mit reciprokem sich, s. Göthe 28, 283 unter 2, c, und:
was meinte da der dumme feind?
er meint es wäre flucht;
spricht sich einander, was er meint.
Gleim preusz. kriegsl. s. 75 (9, 71).
c)
anderer art ist das sich, das in volksthümlichen dichtungen der spätmhd. und frühnhd. zeit so häufig neben sprach wie neben andern erzählenden praet. sich findet. vgl. J. Grimm gramm. 4, 36. 943 (s. 38 neudr.), wo zahlreiche belege zusammengestellt sind. z. b.: Maria sprach sich, ich bin ein dirne dez herren. quelle des 14. jahrh. bei Dief.-Wülcker 859;
dô sprach sich meister Hiltebrant.
Sigenot 23, 1, Ecken liet 44, 1;
sprach sich ein schöne jungfraue.
s. Haupt Neidh. 115, 7;
Vrauwe, sprach sich Morant.
Karlmeinet 251, 61;
da sprach sich der fürste millte.
Wyssenhere 5;
der geiste sprach sich dar gar eben.
70;
da sprach sich ausz Lamparten
der burggraff lobesan.
heldenb. 21, 32 Keller (und sehr oft);
'ich wil zu land usriten',   sprach sich meister Hiltebrant.
Hildebrandsl. 1 (nach Müllenhoff-Scherer denkm.³ 2, 26);
'das ensoltu nicht tun',   sprach sich von Bern her Dieterich.
4;
ach mutter liebste mutter mein,
sprach sich ein zartes jungfrewlein.
Ambr. liederb. 65, 1;
do sprach sich der schlemmer.
Uhland volksl. nr. 212, 2.
Schm. 2, 697 giebt an, dasz sprach sich noch in Ingolstädter reimen von 1562 und in einem katholischen gesangbuch von 1660 vorkommt. im volkslied hat es sich bis in die neuere zeit gehalten:
warum soll ich nicht frisch und fröhlich sein,
(sprach sich des kaufmanns töchterlein)
wol hie zu diesen jahren?
Schade handwerksl. 208.
dasz sich hier als 'ethischer dativ' zu fassen ist, bestätigt das alts.:
thuo sprak im eft the hêlago Crist.
1067;
than sprikid im eft uualdand god.
4408.
d)
die gewöhnliche construction ist zu einem sprechen. so ahd. durchweg (mit der unter a angeführten ausnahme), s. J. Grimm a. a. o.: sô her sprah zi unsên faterun. Tat. 4, 8;
'ni wildû sprechan', quad er, 'zi mir?   ni weistû, waʒ ih sagên thir?'
Otfrid 4, 23, 35;
sô er zen wîbon thâr thô sah   joh liublîcho zi in ouh sprah.
37, 19.
mhd.:
er sprach zuo Ortwîne.
Nib. 119, 1;
dô sprâchen sî ze dem gaste.
Iwein 6692;
zuo den râtgeben
sprach si mit witzen.
Ottokar reimchron. 36658.
nhd. zu einem sprechen, alicui dicere. Steinbach 2, 637; und gott segenet sie, und sprach zu jnen, seid fruchtbar und mehret euch. 1 Mos. 1, 28; da sprach das weib zu der schlangen, wir essen von den früchten der bewme im garten. 3, 2; und der engel des herrn sprach zu jr. 16, 9; und einer sprach zu dem andern, wer hat das gethan? richter 6, 29; der wächter rief einen knaben und sprach leise zu ihm. Freytag ahnen 1, 15; stolz meinte ich im federkleid über die männererde zu schweben, wenn er zu mir sprach. 213;
herr bruder, sprach der eine
zum andern, laszt uns ziehn.
Hölty 10 Halm.
zu einem von etwas sprechen, s. oben b.den unterschied von sagen erläutern folgende stellen: Mose sprach zu gott, sihe, wenn ich zu den kindern Israel kome, und spreche zu jnen, der gott ewer veter hat mich zu euch gesand, und sie mir sagen werden, wie heisst sein name? was sol ich jnen sagen? 2 Mos. 3, 13; und der ertzschencke sprach zu jnen, lieber sagt dem könig Hiskia, so spricht der grosse könig der könig von Assyrien. 2 kön. 18, 19. s. auch das volkslied unter 13, e.
e)
für zu können andre präpositionen eintreten, besonders in der ältern sprache (mhd.), vgl. J. Grimm a. a. o.
α)
wider. so schon alts. und ahd.:
huî uuili thû sô uuiđ thit uuerod sprecan,
mahlian uuid thesa menigi?
Hel. 4432;
Abraham thuo gimahalda ...   endi uuider is uualdand sprak.
alts. gen. 190;
(Jacob,) der hin ze himele sah
ein leiter von der erde gerihte,   dâ got ze sîner gesihte
selbe wider in sprah.
Wernher Maria 12 (fundgr. 2, 150, 6);
wider sîne muoter   er güetlîchen sprach.
Nib. 62, 2;
done sprach er niht wider mich.
Iwein 734;
weder den (bischof der) wever her Geirlaich
und Willem van der Hundesgassen sprach.
Hagen boich v. Colne 1231 (d. städtechron. 12, 56).
s. auch Trist. 10741 unter 2, b.in der bedeutung 'sich mit jemand unterhalten':
dise sprâchen wider diu wîp.
Iwein 65 (vgl. die anm. von Benecke);
wand eʒ die ritter ie vertreip,
die gerne sprâchen widr diu wîp.
Parz. 29, 13.
β)
dafür mhd. auch gein einem, vgl. Nib. 2188, 3 unter 2, e
nu hilf mir, frouwe, unde sprich
gein Artûse dînem man.
Parz. 285, 26;
Parzivâl sprach 'wârt ir dâ?'
der wirt sprach gein im 'hêrre, jâ'.
468, 18.
auch nhd. noch üblich mit einer ergänzenden bestimmung: Paul ... hatte ihr noch unter der thüre empfohlen, gegen niemand von seinem besuche zu sprechen. Mörike erz. 302.
γ)
die präpositionen können verstärkt werden; so mhd. hin ze:
Parzîvâl hin zim dô sprach.
Parz. 464, 1;
ir süeʒer munt hin zim dô sprach.
523, 5;
hin zal den frouwen zi dô sprach.
574, 27;
s. auch 314, 20 unter 2, b und Helmbr. 1232 unter 9, b. wider ze:
der wirt sprach aber wider zim.
Parz. 464, 7—467, 19;
Gâwân sprach aber wider zir.
555, 10.
δ)
für die präpositionen können präpositionaladverbien (also sogenannte trennbare zusammensetzungen von sprechen) eintreten. so schon alts.:
grôtid hê than thea gôdun   endi im tegegnes sprikid.
Hel. 4391;
thô sprak im eft Kain angegen.
gen. 34.
mhd. einem zuo sprechen, zu ihm sprechen, ihn anreden: du weist wol daz die armen dem kunige wol mugen zu sprechen in dem wege. Schönbach altd. pred. 1, 11, 41;
der pabis sprach dem boten zuͦ.
Trierer Silv. 510;
ze hant dô sprach ein pilgerîn   der schœnen Uoten zuo.
Kudr. 149, 1 (vgl. die anm. von Martin);
der künec von Bergen sprach duo
dem sune Botelunges zuo.
Bit. 1194 (vgl. die anm. von Jänicke);
lachende und mit witzen
sprach er der schœnen maget zuo.
Heinr. v. Freiberg Trist. 387;
her umme ir sprach di swiger zuͦ.
Elis. 931;
daʒ er vil dicke lise
in fruntlicher wise
sprach ir heimeliche zu.
1217;
(Herodes dicit ad Jhesum.)
wîltu mer nit sprechen zu?
Alsf. passionssp. 4072.
ε)
nhd. zuweilen mit an: in der figur ... wieder vor Friedriken hinzutreten, die gestern abend an mein verkleidetes selbst so freundlich gesprochen hatte, das war mir ganz unmöglich. Göthe 25, 350; so auch:
dein wort ist donnerhall von oben;
sprich du an unsres königs ohr!
Uhland ged. (1864) 99 (gebet eines Würtembergers).
(neben sagen mit dat., s. Göthe 36, 21 unter 15, c.)
ζ)
auch mit auf (?): die dritte war mondsüchtig; wenn ich in der nacht hab' etwas auf sie sprechen wollen, ist sie auf dem dache oben g'sessen. Raimund 2, 238 (alpenk. u. menschenf. 1, 12).
f)
indirecter und feierlicher als zu einem sprechen ist vor einem sprechen, das stets eine officielle erklärung, eine aussage vor gericht, die botschaft eines gesandten oder ähnl. bezeichnet: und die priester und propheten sprachen fur den fürsten und allem volck, dieser ist des todes schüldig. Jerem. 26, 11; und sprich fur dem engel nicht, ich bin unschüldig. pred. Sal. 5, 5; der vertraute sprach als gesandter vor herzog Garibald. Freytag bilder 1, 200.
g)
andre angaben drücken auf eine unpersönlichere, unbestimmtere weise aus, wohin eine rede gerichtet ist. so mhd.:
gotes sun Jesu Christ
hete in sîner gotheit
ein menschlich bilde angeleit,
daʒ man in hôrte unde sach,
wie er in die liute sprach (ihnen predigte).
Lamprecht v. Regensburg tohter v. Syon 727.
mit richtungsadverbien: der fremde ... streckte die geöffnete rechte vor sich und sprach hinüber. Freytag ahnen 1, 4; vgl. auch: Theodulf ... sprach über die schulter zu dem fremden. 28. — bildlich in den wind sprechen, umsonst, ohne erfolg, sodasz die worte gleichsam nicht in die ohren des angeredeten eindringen, sondern daran vorbei in die luft gehen, vgl. in den wind reden, s.reden 7, f, theil 8, 468, nach 1 Cor. 14, 9 (Büchmann²¹ 84):
so in wind zu reden!
ihr habt in wind gesprochen, alter meister.
tod oder Turandot!
Schiller 13, 380 (Tur. 2, 3).
h)
mit jemand sprechen, parlare, favellare, abboccarsi con uno. Kramer dict. 2, 878ᵇ; mit einem sprechen, cum aliquo sermonem facere. Steinbach 2, 637; colloqui Frisch 2, 306ᵇ; mit einem sprechen wollen, aditum conveniendi, oder colloquium alicujus petere. ebenda; ich will deszwegen mit ihm sprechen, io ne parlarò con esso seco. Kramer a. a. o.; ich habe mit ihm sprechen müssen, convento eo opus fuit. Steinbach a. a. o. auch dies schon ahd.:
thaʒ bin ih, giloubi mir,   ih hiar sprichu mit thir!
Otfrid 2, 14, 80;
joh ist, giloubi thû mir,   ther hiar sprichit nû mit thir.
3, 20, 178.
der ausdruck bezeichnet natürlich zunächst ein wechselgespräch oder eine unterredung:
ich wollte
mit ihnen sprechen — doch es eilt ja nicht.
Schiller 5, 1, 133 (dom Karlos 2, 13).
er läszt mit sich sprechen (gewöhnlich reden), ist nicht eigensinnig; egli lascia parlare seco. Kramer dict. 2, 878ᵇ. auch sprechen allein begegnet zuweilen für gespräch, unterhaltung; so nd. ût sprëken gân 'ausgehen um zu plaudern'. Schambach 206ᵃ. dazu mit activischem part. prät.: ungesprochen von einander gehen, spartirsi senza essersi abboccato insieme. Kramer dict. 2, 878ᶜ. doch sagt man mit einem sprechen auch sehr häufig, wo es auf die betheiligung des andern am gespräche gar nicht ankommt; es unterscheidet sich dann kaum von zu einem sprechen, auszer dadurch, dasz nach ihm nicht die rede selbst folgen kann: warte ein bischen, ich habe mit dir zu sprechen (= ich habe dir etwas zu sagen); er schwang sich vom pferde und sprach leise mit seinem gefährten. Freytag ahnen 1, 8;
ihr götter, ist sie's doch,
die mit dir spricht und deiner sich erbarmt?
Göthe 9, 236 (Tasso 5, 4).
sprichwörtlich:
traue nicht
dem, der viel mit vielen spricht.
Simrock 9777;
sprich wenig mit andern, viel mit dir selbst. 9775. dasz es sich nur um ein einfaches sprechen handelt, ist besonders deutlich in stellen wie: Boccard erwiederte begütigend, wie man mit einem kranken spricht. C. F. Meyer nov. 1, 101. ebenso natürlich, wenn ein lebloser gegenstand angesprochen wird, vgl. unten 13, c.bei pluralischem subject mit oder unter einander sprechen, letzteres auch zur einleitung der directen rede: wir haben lange mit einander gesprochen; und sprachen unternander, wolauff lasst uns ziegel streichen und brennen. 1 Mos. 11, 3; und sie furchten sich seer, und sprachen unternander, wer ist der? Marc. 4, 41. dafür ahd.: thô sprâchun thie hirtâ untar in zuisgên. Tat. 6, 4; inti sprâhun untar zuisgên (conloquebantur ad invicem). 135, 34. eine häufige redensart ist: unter uns gesprochen! 'd. h. im vertrauen sei es gesprochen!' Campe (II, 1); unter uns und niemanden zu nahe gesprochen. Adelung (1, 2, 2, c).
i)
eine besondere art des sprechens ist das selbstgespräch, das nicht eine gedankenmittheilung, sondern nur ein lautes denken und überlegen, eine unwillkürliche sprachliche äuszerung ist. die ausdrücke dafür sind den vorhergehenden analog gebildet. absolut (ohne dasz die rede selbst folgt) gewöhnlich: mit sich selbst sprechen: bey dem meisten theil ist bis dahin (bis zum 25. jahr) das hertz noch wenig bebauet worden, man hat noch nicht mit sich selbst sprechen gelernt. Lichtenberg nachl. 37. s. ferner Schiller 13, 440 unter 2, d. früher vereinzelt auch mit folgender directer rede: wenn ir ein sölches bedecht eüer gewissen und gemüte sich ze zeiten betrüben würde das ir ye ein sölches gethon hette und mit euch selbes sprechen würt awe awe was grossen übels ich begangen han. decam. 191, 16 Keller (3, 5). gewöhnlicher bei oder zu sich selbst sprechen: das den margraffen ein seltsam und fremde sache sein dauchte seiner frawen grosse bestendickeit zuͦ im selbes sprache; für war kein frawe der welt das gethon hett. decam. 662, 7 Keller (10, 10); etliche unter den schrifftgelerten sprachen bey sich selbs, dieser lestert gott. Matth. 9, 3; als am nächsten morgen der erste dämmerschein in das dunkle gemach fiel, erhob sich Irmgard leise vom lager ... und sprach bei sich selbst: 'mir träumte, oben am gieszbach steht der eine, der mich erwartet'. Freytag ahnen 1, 109; zuweilen sprach er zu sich selbst: 'dieser ritter kann von keinem niedern geschlechte seyn'. Schwab volksb. 1, 50. früher auch wider: der edelman stuͦnd still und sahe jm nach und sprach wider sich selbs: 'alafe de diu!' Wickram rollwagenb. 42, 18 Kurz;
wider sich selben er dô sprach.
arm. Heinr. 1242. Iwein 3508, vgl. 5542.
andre wendungen; 'für sich hinsprechen, was man denkt, laut sagen, ohne die worte an jemand zu richten.' Campe (II, 1): der junge ... gieng hinaus auf die grosze landstrasze und sprach immer vor sich hin 'wenn mirs nur gruselte! wenn mirs nur gruselte!' da kam ein mann heran, der hörte das gespräch. Grimm märchen 14 (nr. 4); in sich sprechen ('zu sich, bei sich sprechen, d. h. denken' Campe): was sprichst du, geliebte mutter, in dich?' Klinger 2, 216. in den beiden letzten stellen handelt es sich deutlich um lautes, hörbares sprechen; bei den andern kann es sich auch blosz um ein inneres sprechen, ein stummes, nicht in lauten kundgegebenes denken handeln, und in einigen fällen ist diese auffassung vorzuziehen (Matth. 9, 3). vgl. dazu 13, f.
4)
sprechen kann indessen auch mit dem acc. der person construiert werden. diese fügung, wozu die synonymen verben keine analogien bieten, ist noch unerklärt. einen sprechen ist officieller als mit einem sprechen und bezeichnet gewöhnlich eine unterredung zu einem bestimmten zwecke.
a)
so schon ahd.: sênu sîn muoter inti sîne bruoder stuontun ûʒe, suohtun inan zi gisprehhanne (quaerentes loqui ei). Tat. 59, 1. ziemlich häufig im mhd., gern von der unterredung mit einem herrscher (audienz):
niht half daʒ si gebâten,   unz daʒ Rüedigêr
gesprach heinlîche   die küniginne hêr.
Nib. 1195, 2;
urre alre here doit (laszt) sprechen mich,
sait eme, koninc Ezzel heischet dich.
Hagen boich v. Colne 176 (d. städtechron. 12, 27).
so auch:
dô sprach ich den künec von ir.
Iwein 1183 ('richtete den auftrag, den sie mir an ihn gegeben hatte, aus').
häufig liegt darin zugleich, dasz man jemand aufsucht, um mit ihm zu sprechen:
einen juncherrn si sprechen bat
den burcgrâven von der stat.
Parz. 361, 1 (vgl. die anm. von Martin);
die küneginne soltu dâ
sprechen eines morgens fruo.
626, 17;
hie vone eins dages also quam,
daʒ der here Andreas ...
herliche boden sande ...
deme fursten Lodewige,
daʒ si in solten sprechen.
Elis. 2499.
umgekehrt vom herrscher gesagt:
Kriemhilt diu vrouwe   si (die boten) sunder sprechen began.
Nib. 1349, 4.
besonders von beratungen mit den lehnsmannen und ratgebern:
alsô thie rethe was getân,
thie herren sprâchen ire man.
sie berieten sich besunder.
Rolandsl. 134;
er (papst Gregor IX.) sprach ieso zu male
di sine cardenale
umme zitlichen rat,
alse er gewonheit ufte hat.
Elis. 9787.
(vgl. zu der letzten stelle 10, e.) von privatgespräch:
ir herze ist rehter fröiden vol, ...
erdringest dû (Minne) dâ dîne stat,
sô lâ mich in, daʒ wir si mit ein ander sprechen.
Walther v. d. Vogelweide 55, 24;
vor einer klôsen ich die (Sigune) sprach.
Parz. 500, 7;
diu hövesche marschalkîn gie dan
und sprach vil tougenlîche ir man
und frâgte in, wie er wolte,
daʒ man eʒ (das kind) nennen solte.
Trist. 1978.
selten ist transitives spreken im mnd.: dat dar brodere kamen weren, de ene spreken wolden. Korner bei Schiller-Lübben 4, 343ᵃ.
b)
noch stärker und bestimmter als durch einen sprechen wird der begriff der besprechung und beratung ausgedrückt durch die reflexive fügung sich mit einem sprechen, die in der ältern sprache (nur hier) einige male begegnet. sprechen ist hier also ganz wie besprechen construiert (vgl. auch sprachen 6): hir umme wille wy uns myt en spreken. Korner bei Schiller-Lübben 4, 343ᵇ;
dô gienc Îsengrîn sich sprechen (var.: besprechen)
mit sînem wîbe und mit sîner süne zwein.
Reinhart fuchs 402;
drauff sprachen (sie) sich in der eintracht.
B. Waldis Esop 4, 94, 221.
(mit dieser wendung ist nicht zu verwechseln die unter 3, c besprochene, die nur uneigentlich reflexiv ist.)
c)
im nhd. ist einen sprechen seit dem 18. jahrh. sehr gewöhnlich: einen allein sprechen, remotis arbitris loqui cum aliquo. Steinbach 2, 637; einen gerne sprechen wollen, aditum aliquem conveniendi petere. ebenda; jemanden sprechen, 'ihm persönlich gegenwärtig seyn, und mit ihm sprechen'. kann ich ihn nicht sprechen? ich konnte ihn nicht zu sprechen bekommen. Adelung (I, 2, 2, c); ich wünschte sie auf ein wort zu sprechen. Campe (II, 1); doch hoffe ich, vielleicht bald, ihn zu sprechen. Lessing 1, 565 (Minna v. Barnh. 4, 2); machen sie, Marinelli, machen sie, dasz ich ihn bald spreche, den prinzen; sonst bin ich es wohl gar nicht im stande. 2, 167 (Emilia Galotti 4, 3); ich musz sie durchaus im vertrauen sprechen, herr amtsbruder! Immermann Münchh. 4, 15 (7, 1);
mein geist geht in der jrr' und kennt sich selbst nicht wol,
weil ich nicht weisz, mein lieb, wenn ich euch werde sprechen.
Königsberger dichterkr. 90 (arien 3, 17, 1);
wir sehn uns also wieder,
eh' ich den könig spreche.
Schiller 5, 1, 150 (dom Karlos 2, 15);
kein sterblicher
darf wissen oder nur vermuthen, wen
ich hier gesprochen und geheim.
153 (3, 1);
sie haben ja den herrn gesprochen herzog
wie fanden sie ihn aufgelegt?
196 (3, 9);
den boten will ich selber sprechen.
12, 236 (Wallensteins tod 1, 7).
weniger officiellen charakter hat das prät., das auch von zufälligen gesprächen gilt: ich erinnere mich einen armen schelm gesprochen zu haben ... der im taglohn arbeitet. 2, 204 (räuber 5, 2 schausp.); ich selbst sah das land und sprach die männer. Freytag ahnen 1, 147. vgl. die Berliner redensart, die als scherzhafter beweis für die wahrheit einer mittheilung gesagt wird: ick habe ja den mann selber jesprochen, dert mir erzählt hat. Hans Meyer der richt. Berliner⁶ 117ᵇ.
d)
mit reciprokem pronomen: wir sprachen einander nur heimlich. Adelung (I, 2, 2, c). dafür gewöhnlich sich sprechen: sie sehen, wir sollen uns sprechen; wir müssen uns sprechen. Lessing 2, 167 (Emilia Galotti 4, 3);
o Rodrigo, seitdem
wir uns zum leztenmale sprachen, was
hab' ich erlebt!
Schiller 5, 1, 157 (dom Karlos 3, 2).
so sagt man, um die fortsetzung eines gesprächs zu vertagen: wir sprechen uns weiter. ähnlich:
wir sprechen uns noch.
Schiller 12, 238 (Wallensteins tod 2, 1).
diese und ähnliche wendungen werden häufig im sinne einer drohung gebraucht: wir werden uns sprechen, 'wir werden die sache noch mit einander abmachen, uns schlagen etc.'. Campe (2, 1); nd. wi willen uns spräken 'ich will dich schon für die unart strafen'. Dähnert 453ᵇ. so im scherz:
komm' doch, glück mir zu wünschen, Amalia! schämst du dich jetzo,
dasz du mich also belistet? geduld! wir sprechen uns weiter.
Voss 1, 70 Hempel (Luise 3, 1, 452).
vgl. auch: in der hölle sprechen wir uns einander wieder, apud orcum te videbo. Steinbach 2, 637.
e)
die bedeutung 'einen aufsuchen zu einer unterredung' ist der neuern sprache fremd geworden; daher ist der imp. selten. ebenso ist eigentlich reflexive fügung (anstatt der passivischen) ungewöhnlich. beides vereinigt die stelle:
ich sage dir, sprich lieber Medeen nicht.
ob der ereignung zürnt sie der heut'gen nacht,
und sie spricht sich nicht gut, wenn sie zürnt.
Grillparzer⁴ 4, 58 (Argon. 2, anf.).
ganz gewöhnlich ist dagegen: sich nicht sprechen lassen, non affabilem esse; sermonem alicujus defugere. Frisch 2, 306ᵇ; er läszt sich nicht sprechen, man kann ihn nicht zu sprechen bekommen. Campe (2, 1). in demselben sinne noch gewöhnlicher: er ist nicht zu sprechen. ebenda; nicht zu sprechen seyn. er ist seit drey tagen nicht zu sprechen. Adelung (I, 2, 2, c); ist der könig zu sprechen? Schiller 5, 2, 112 (dom Karlos 4, 15).
f)
daran schlieszt sich die redeweise gut zu sprechen, nicht gut zu sprechen seyn, (nicht) guter laune sein. Adelung (I, 2, 2, c, 'in der vertraulichen sprechart'); nicht gut zu sprechen sein, 'nicht gut bei laune, nicht gut aufgelegt sein zu sprechen'. Campe (II, 1). doch gewöhnlich nur mit näherer bestimmung: er ist nicht gut über dich zu sprechen 'er ist ungehalten, aufgebracht über dich, und spricht dieser empfindung gemäsz über dich'. ebenda, wo also zu sprechen sein nicht stark verschieden ist von dem bloszen sprechen (vgl. unten 5, b, α. e): es sei das beste wirtshaus in ganz Italien, sagten mir einige bekannte, die ... über italienische gastwirte und flöhe sehr schlecht zu sprechen waren. Heine 2, 269 Elster (Italien 1, kap. 27). üblicher als über ist auf: auch bin ich auf zwey Braunschweiger nicht gut zu sprechen, die mir von diesem meisterstück nicht eher nachricht gaben. Gleim bei Lessing 13, 376; sollte es solche liebhaber geben, so werden sie vermuthlich nicht wohl auf uns zu sprechen seyn, dass wir ihnen nicht auch einen auszug der geschichte der schönen Laura mittheilen. Wieland 11, 275 (Sylvio v. Ros. 1, 3, 11); es hiesz auch, Rhadamanth sey nicht wohl auf ihn zu sprechen, und habe ihm schon öfters gedroht, ihn aus der insel hinaus zu jagen. Luc. 4, 199; dasz O-Tuh, des gestrigen vorfalls wegen, ... übel auf uns zu sprechen sey. Forster reise um die welt 1, 269; und seit der zeit ist der doctor Calmus nicht gut auf den herzog zu sprechen. Hauff 1, 580 Reclam. nd. he is up mi nig good to spräken 'er hat einen groll auf mich'. Dähnert 453ᵇ. auffällig ist die (gleichbedeutende?) ausdrucksweise: woraus man ... schlieszen musz, dasz die Sachsen den gantzen krieg vor sich allein nicht angefangen, sondern viele andere fürsten und völcker mit ihnen heimlich colludiret, und auf Henricum eben so wenig zu sprechen gewesen. Hahn hist. 3, 49. vgl. auch: dem sey aber wie ihm wolle, sie moegen darauf zu sprechen seyn, oder nicht, und meine meynung mag gegründet seyn, oder nicht, so habe ich doch solche niemahls aus meinem gemüthe verbannen können. ang. zeitv. 158.
5)
der gegenstand des gesprächs wird mit hilfe von präpositionen angegeben.
a)
am gewöhnlichsten ist von. so schon ahd.: fon erdu ist inti fon erdu sprihhit. Tat. 21, 7; vvuo her nu gisehe ni uuiʒunmês, ... inan frâgêt, ... her sprehe fon imo selbemo (ipse de se loquatur). 132, 12;
zaltun missilîh gimah,   uuio ther liut fon imo sprah.
Otfrid 3, 12, 10.
mhd.:
alhie wil (ich) beginnen
ze sprechenne von einem man.
Barl. u. Jos. 4, 11.
mnd.:
dâr dat holt lach dâr ik von spreke.
van d. holte des hill. cruzes 618;
in dem hilgen ewangelio, dâr Jesus Cristus unse here
van dessen unde van allen dogeden mere
heft gesproken.
des dodes danz 227 Bäthcke.
nhd.:
sie sprechen von entdekungen?
Schiller 5, 1, 147 (dom Karlos 2, 15);
wir sprachen von allerley. wir sprechen eben von der sache. Adelung (I, 2, 2, c).
b)
mit weitern bestimmungen.
α)
mit adverbialen und modalen bestimmungen: wenn sie von ihrem bräutigam spricht, mit solcher wärme, solcher liebe von ihm spricht. Göthe 16, 53 f.; dann lagerten sie und sprachen bedächtig von dem guten weideland, das sie am Idisbach hofften und von dem endlosen wald im süden der berge. Freytag ahnen 1, 203; der Byzantiner Procop spricht von den Ostgoten, den feinden seines herrn, mit offenbarer vorliebe. bilder 1, 128. besonders gut, schlecht, lobend, tadelnd, spöttisch, verächtlich u. s. w. von einem sprechen: und da du freundlich gesinnt bist, sprich gut von mir. ahnen 1, 12. s. auch Simrock sprichw. 9071 unter 3, b.
β)
einem oder zu einem von etwas sprechen, s. 3, b.
γ)
mit einem pronominalen ausdruck oder ähnl. als object (vgl. 7, a):
eʒ tet den fürsten allen   mit dem künege wê,
daʒ Hagne von dem kinde   hete gesprochen ê.
Nib. 1857, 2;
waʒ mag ich dâ von sprechen mê.
d. arme Heinr. 1429;
daʒ was ein kus den Jûdas truoc,
dâ von man sprichet noch genuoc.
Parz. 634, 20
('der noch jetzt sprichwörtlich erwähnt wird.' Martin, vgl. 6, i). — hievon sey genug gesprochen, verborum satis dictum sit ejus rei. Stieler 2099; er sprach so vieles von ihr. Göthe 16, 22; er sprach viel von seinem alten vater und von bessern vergangenen tagen. Schiller 2, 69 (räuber 2, 2 schausp.);
man spricht von seinem stolze viel.
15, 1, 33 (Phädra 2, 1).
δ)
es wird das, was gesagt wird, mitgetheilt, als directe rede (vgl. 6, a): denn David spricht von jm, ich habe den herrn allezeit furgesetzt fur mein angesichte. apostelgesch. 2, 25; von den engeln spricht er zwar, er macht seine engel geister, und seine diener fewerflammen. aber von dem son, gott, dein stuel weret von ewigkeit zu ewigkeit. Ebr. 1, 7 f.
ε)
dafür ein inhaltssatz mit dasz: es ist ... von der gottlosen wesen gesprochen, das kein gottes furcht bey jnen ist. ps. 36, 2; von dem spreche ich, das ein unzeitige geburt besser sey denn er. pred. 6, 3;
an der tugent sîn lop als unverhouwen
als des kunigs Artûses ist.
von dem man sprichet unde list,
daʒ alliu zuht ist ungewegen,
gegen der er hât gephlegen.
Ottokar reimchr. 22963.
(dafür transitive fügung, s. ebenda 9469 unter 8, d.)
ζ)
der inhalt der rede kann auch in gestalt einer prädicativen bestimmung angedeutet werden: die ältesten geschichtschreiber sprechen von dem reisbau als einer der ältesten arten des feldbaues. Schiller 9, 132.
c)
auch die bedeutung weist zuweilen besondre nuancen, nebenvorstellungen oder gefühlswerte auf. vom nachruhm: ist doch schon manches universal-genie, das die welt hätte reformiren können, auf dem schind-anger verfault, und spricht man nicht von so einem jahrhunderte, jahrtausende lang? Schiller 2, 43 (räuber 1, 2 schausp.). im sinne der üblen nachrede:
denn ob man ihn gleich schiltt, ob gleich in allen zechen
die leute rund heraus von diesem schinder sprechen,
so achtet ers doch nicht.
Rachel bei Steinbach 2, 638
(hier offenbar in dem sinne: 'von ihm als einem schinder sprechen, ihn einen schinder nennen'). sprichwörtlich: es wird selten von jemand gesprochen, es ist etwas daran. Simrock 9778. andre sprichwörter im nd. sprechen im gegensatz zum thun: de êne sprekt dervan, un de ander deit deran. Frommann 4, 143, 366; holst. he sprikt vun hoogen dingen, er überhebt sich. Schütze 4, 177. sprechen für gewöhnliches sagen in der wendung: sie (die von der flut überraschten seetorfgräber) stürzen sich ... unbedenklich in den sich heranwälzenden meeresstrom und haben von glück zu sprechen, wenn sie ... watend endlich das ufer wieder erreichen. C. P. Hansen das schleswigsche wattenmeer (1865) 49. zuweilen bedeutet von etwas sprechen auch etwas in vorschlag bringen oder befürworten:
der sei gestoszen aus dem recht der Schweitzer,
wer von ergebung spricht an Oesterreich!
Schiller 14, 330 (Tell 2, 2).
nicht zu sprechen von — (ähnlich wie von ... zu geschweigen, theil 4, 1, 3989 f.) kann eine steigerung ausdrücken: ein wahres elite-corps ... alles leute, die in der Krim, in Italien und Mexiko mitgefochten hatten, von Algier und Kabylien gar nicht zu sprechen. Fontane kriegsgefangen 156.
d)
für von können andre präpositionen eintreten. in den ältern dialekten zumeist umbi: bigunston auh êrist umbi sînan namun (de nomine ejus) sprehhan. Is. 30, 23 Hench;
sie bigunnun im thô umbi thena uuîh sprekan
thie gumon umbi that godes hûs.
Hel. 4274.
dafür bi:
that thû sô ford gisprâki
sô diapo bi drohtîn thînan.
3065.
im mhd. hat sprechen umbe einen etwas stärkeren sinn:
nû sprechet (sagt eure meinung) umbe die nahtegalen.
Trist. 4772.
den umfang der geltung einer aussage angebend, in bezug auf:
ich ensprich eʒ umbe unsech alle niht.
spec. eccles. 148, 147.
e)
nhd. gewöhnlich über etwas sprechen, s. Auerbach unter 1, g: mit fertigkeit, geläufigkeit, bestimmtheit über eine sache sprechen. Campe (II, 1). vgl. ferner 4, f. nach Adelung (I, 2, 2, c) sagt man 'im gemeinen leben' auch mit jemanden aus einer sache sprechen, was Campe (II, 1) als 'ungut' bezeichnet.
f)
eine entschiedenere stellungnahme drückt sprechen zu etwas aus, doch begegnet das nur mit einem object (s. 7), in der regel mit dem fragepronomen was: was sprichst du darzu? Kramer dict. 2, 878ᶜ. Adelung (I, 2, 2, b); was spricht man zu meinem roman mit der gräfin Imperiali? Schiller 3, 50 (Fiesko 2, 4);
was würde mein papa zu solchen enkeln sprechen?
Wieland 4, 184 (Am. 8, 18).
gebräuchlicher ist in diesem falle sagen, vgl. das. 6, b, th. 8, 1657.
6)
sehr gewöhnlich wird zu sprechen das gesprochene selbst mitgetheilt; und zwar wird gerade sprechen zur einführung der directen rede mit vorliebe verwendet, erst in neuerer zeit ist es hier theilweise durch sagen zurückgedrängt, vgl. oben 1 und Adelung (I, 2, 2, b).
a)
sprechen die directe rede einleitend schon ahd.:
thô sprah ther biscof,   harto foraht er mo thoh, ...
'chûmîg bin ih jâro   jû filu manegero'.
Otfrid 1, 4, 47;
sprâchun thô thie hirtâ ...:
'îlemês nû alle   zi themo kastelle'.
13, 1.
während hier also sprach von der rede selbst durch zwischensätze getrennt ist, stellt man es später gern möglichst unmittelbar vor den anfang der rede:
do sprach der man drate
'ir muget lîhte dar nach komen'.
Kraus ged. des 12. jahrh. VII, 116 (vgl. die anm. und XI, 114);
dô sprach der küene Sîfrit   'sô wil ich Kriemhilden nemen'.
Nib. 49, 4;
dô sprach er 'wie mac daʒ wesen?'
d. arme Heinr. 188;
er sprach 'ir herren, nû nemt war'.
Ottokar reimchron. 634;
si sprach 'var hin mit siten'.
Oswald v. Wolkenstein 17, 17 Schatz;
und gott sprach, es werde liecht, und es ward liecht. 1 Mos. 1, 3; vorzeiten in Israel, wenn man gieng gott zu fragen, sprach man, kompt lasst uns gehen zu dem seher. 1 Sam. 9, 9; und da er zu jr kam, sprach die frawe, bistu Joab? er sprach, ja. sie sprach zu jm, höre die rede deiner magd. er sprach, ich höre. 2 Sam. 20, 17; und der könig sprach, diese spricht, mein son lebt und dein son ist tod, jene spricht, nicht also, dein son ist tod und mein son lebt. 1 kön. 3, 23; ich wollte umkehren und zu meinem vater gehn, aber der im himmel sprach, es soll nicht seyn. Schiller 2, 199 (räuber 5, 2). s. ferner die belege unter I, 3, a. II, 5, b, δ. — in mhd. handschriften ist häufig er, si sprach am eingang einer rede von den schreibern zur verdeutlichung hinzugesetzt, im widerspruch zum versmasz, s. Lachmann zu Iwein 3637. Haupt zu Erec 3259. Edzardi zu klage 2016. Germ. 18, 392.
b)
im mhd. steht sprach in solchen eingangsformeln nicht selten mit inversion am satzanfange (= dô sprach):
sprach ein maget 'ich wil sî gerne hœren'.
Neidhart v. Reuental 23, 17 (vgl. die anm.);
sprach diu juncvrouwe dô:
'daʒ tæte ich gerne und wær' es vrô'.
sperw. 137 (Lambel erz. u. schw. 316);
sprâchen die vrouwen wol getân
'vür eines keisers werdekeit
wolde ich die vröude hân'.
Virg. 799, 11 (vgl. die anm. von Zupitza);
sprach diu maget 'hân ich wâr?'
Pleier Meleranz 959;
sprach Meleranz 'nu wiʒʒet daʒ'.
4985.
ebenso frühnhd.: spricht zu jnen Nicodemus. Joh. 7, 50; sprechen zu jm seine jünger. 16, 29; spricht des hohenpriesters knecht einer. 18, 26; sprach der pfarrherr, so hab ich kein kind mehr getaufft, das solchen namen gehabt. Kirchhof wendunm. 2, 153 Österley (2, 103). in folgender stelle eher als vordersatz zu fassen: du solt vor betrachten ob es nütz sei oder unnütz. sprichestu ee daz ich mich bedenck so bin ich herusz, ursach ist, der schlüssel zuͦ dem mul der ist dir zenahe. Keisersberg sünden des munds 52ᵃ. ähnlich mit auslassung des pronomens: detent ir aber eins als ander stett thuͦnd, und suͦchtent gelert guͦt frum leut und citiertent mich zuͦ verantwurten das ich gesagt hab, und sprechest dan zuͦ mir das und daz hastu geredt, nun wellen wir hören ob du daran recht oder unrecht hast gesagt ... das welt ich gern. 79ᵃ.
c)
in der bibelübersetzung ist das subject zu sprach nicht selten aus einem vorhergehenden gen. (des herrn) zu entnehmen: nach diesen geschichten begab sichs, das zu Abram geschach das wort des herrn im gesicht, und sprach. 1 Mos. 15, 1; da aber Jesaja noch nicht zur stad halb hin aus gegangen war, kam des herrn wort zu jm, und sprach. 2 kön. 20, 4 (vgl. 1 chr. 23, 8); da geschach des herrn wort zu mir, und sprach, so spricht der herr. Jerem. 13, 8; dis ist das wort, das zu Jeremia geschach vom herrn, und sprach. 11, 1. in diesen fällen das wort als subject zu nehmen, scheint folgende stelle zu empfehlen: nach der zal der stemme der kinder Jacob (zu welchem das wort des herrn redet, und sprach, du solt Israel heissen). 1 kön. 18, 31. doch spricht Luthers sonstige syntax für die erstere auffassung. auch in folgender stelle ist aus geschrei wol ein unbestimmtes persönliches subject zu entnehmen: wens denn geschehe, das das erst mal ubel geriete, und keme ein geschrey, und sprech, es ist eine schlacht geschehen. 2 Sam. 17, 9.
d)
durch den vorzüglichen gebrauch zu einführung der directen rede unterscheidet sich sprechen von andern verben des sagens, besonders auch von dem lieber absolut gesetzten reden; vgl.: und der engel, der mit mir redet, sprach zu mir. Sacharja 1, 9; du soltest nicht ehr rede[n] die küe fiste denn; denn soltestu sprechen: liebe grosmutter. Luther sprichw. 398, vgl. s. 363 ('gegen solche, die unberufen reden und zuhören'); dasz ihr menschen, rief ich aus, um von einer sache zu reden, gleich sprechen müszt: das ist thöricht. Göthe 16, 65; da trat Alektryo hervor und sprach mit gebeugtem haupt: 'Alektryo klagt, dein edelknecht!' ach! wie fuhr das der frau Hinckel und der kleinen Gackeleia durch das gewissen, als sie hörten, dasz der hahn reden konnte. Brentano 5, 80. s. auch 1 kön. 18, 31 unter c. — sprechen und sagen, s. oben 1, f.; daneben unterschiedslos wechselnd, s. 1, h. es begegnen auch feinere unterschiede. so z. b. in dem märchen vom 'Marienkind' (Grimm nr. 3) in der weise, dasz zur einleitung einer rede sprach dient, dagegen bei nachsetzung und einschub (s. f, g) sagte gebraucht wird: da sprach sie noch einmal 'hast du es gewis nicht gethan?' 'nein' sagte das mädchen zum zweitemal. ... (sie) sprach zum drittenmal 'hast du es nicht gethan?' 'nein' sagte das mädchen zum drittenmal. da sprach die jungfrau Maria 'du hast mir nicht gehorcht'. s. 8 f.
e)
die nähere beziehung zur directen rede zeigt sich auch darin, dasz in der ältern sprache, besonders in Luthers bibelübersetzung, sprechen sehr gewöhnlich nach andern verben des sagens steht, um die rede selbst einzuführen: sprechen ... ist von sagen und reden, von antworten und andern durch das ausdrückliche ausbrechen in die rede unterschieden, und folgt gern auf solche verba als er antwortet und sprach. Frisch 2, 307ᵇ. nach reden: da redet gott mit Noah, und sprach. 1 Mos. 8, 15; die jungen aber ... redeten mit jm, und sprachen, so soltu sagen zu dem volck, das mit dir geredt hat, und spricht, dein vater hat unser joch zu schweer gemacht, mach du unser joch leichter, und sprich zu jnen, mein kleinester finger sol dicker sein, denn meines vaters lenden. 2 chron. 10, 10. (nach sagen, s. 1, h.) nach antworten: Satan antwortet dem herrn, und sprach. Hiob 1, 7; da antwortet Simon Petrus, und sprach, du bist Christus, des lebendigen gottes son. und Jhesus antwortet und sprach zu jm, selig bistu Simon. Matth. 16, 16 f. nach schreien, rufen: da schrien die kinder Israel zu dem herrn, und sprachen, wir haben an dir gesündiget. richt. 10, 10; (David) schrey das volck an, und Abner .., und sprach, hörestu nicht Abner? aber Abner antwortet, und sprach, wer bistu, das du so schreiest gegen dem könige? 1 Sam. 26, 14; und wenn jn die unsaubern geister sahen, fielen sie fur jm nieder, schrien und sprachen, du bist gottes son. Marc. 3, 11;
vil lûte rief er unde sprach.
Iwein 710.
nach beten, bitten, gebieten: und Hanna betet, und sprach. 1 Sam. 2, 1; und die teufel baten jn alle, und sprachen, las uns in die sew faren. Marc. 5, 12; Mose aber flehet fur dem herrn seinem gott, und sprach. 2 Mos. 32, 11; da gebot Pharao alle seinem volck, und sprach, alle söne die geborn werden, werfft ins wasser. 1, 22; Jacob aber schicket boten fur jm her ... und befalh jnen, und sprach, also sagt meinem herrn Esau. 1 Mos. 32, 4; anderes: und sie zeigeten jm an, und sprachen, sihe, er ist zu Dothan. 2 kön. 6, 13; und des herrn zorn ergrimmet zur selbigen zeit, und schwur, und sprach. 4 Mos. 32, 10; und Jhesus fraget jn, und sprach, wie heissestu? Luc. 8, 30; und er that seinen mund auff, leret sie und sprach. Matth. 5, 2; da es nu mittag ward, spottet jr Elia, und sprach, rufft laut. 1 kön. 18, 27; da murret das volck wider Mose, und sprach, was sollen wir trincken? 2 Mos. 15, 24; drumb ob du schon beweisest, ... haben sie nicht gnug dran, sondern mümelen und sprechen ja lieber, wer weis. Luther 23, 96, 35 Weim. ausg. sogar nach singen (vgl. unten 12, c): da sang Mose und die kinder Israel dis lied dem herrn, und sprachen. 2 Mos. 15, 1; und die weiber sungen gegen einander, und spieleten, und sprachen, Saul hat tausent geschlagen, aber David zehen tausent. 1 Sam. 18, 7 (vgl. 21, 11); und sungen ein newlied, und sprachen. offenb. 5, 9. — an stelle des parataktischen und sprach steht im deutschen selten das part.: als nun die pilgre so vil guͦts der liebe Marie veryehen, redt er auch das sein darzuͦ, sprechende. Wickram rollwagenb. 18, 15 Kurz. (s. ferner Schuppius 406 unter m.) vgl. auch: Ruben antwortet jnen, und sprach, sagt ich euchs nicht, da ich sprach, versündiget euch nicht an dem knaben? 1 Mos. 42, 22. im gegensatz zu diesem gebrauche steht Otfrid, der sprach gern von der rede selbst trennt (s. a zu anfang), und nicht selten synonyme ausdrücke dazwischen schiebt:
sprah ther gotes boto thô, ...
was er mo avur sagênti   thaʒ selba ârunti:
'ih bin ein thero sibino'.
1, 4, 57;
thiu thiarna filu scôno,   sprah zi boten frôno,
gab si imo antwurti.
5, 33.
so auch sonst ahd.: ibu Christ got nist, sagheen nu dhea unchilaubun uns, zi huuemu got uuâri sprehhendi in genesi dhâr ir quhad: 'duoemês mannan uns anachiliihhan'. Is. 7, 13 Hench.
f)
sprechen am schlusz der directen rede: 'das leben der heiligen Hildegard ...' — sprach er, und sah den freund fragend an. Freytag 6 (verl. handschr. 1), 7; 'er sieht aus, wie einer, der sich ehrlich hält gegen freund und feind', sprach der wächter. ahnen 1, 13;
'daʒ sult ir lâʒen hœren',   sprach der künic guot.
Nib. 141, 3.
so bei kurzen entgegnungen:
er sprach 'wes bilde ist hie ergraben?'
'des keisers', sprâchen dô die merkære.
Walther v. d. Vogelweide 11, 25 f.;
'zürne ich, vrouwe?' 'jâ!' sprach sie.
Heinr. v. Freiberg Tristan 1009.
(dafür sagte, s. Grimm unter d.) sprichwörtlich: ich auch, sprach der hund scilicet ad portionem. Luther sprichw. 53, s. s. 79 f.so auch, wenn jemandes worte angeführt oder mitgetheilt sind: die gottlosen wird er dem schwert ubergeben, spricht der herr. Jerem. 25, 31; die rache ist mein, ich wil vergelten, spricht der herr. Röm. 12, 19;
he is godes rikes nicht werdich, sprikt unse leve here.
des dodes danz 1222 Bäthcke.
in derselben nennt sich der (fingierte) verfasser selbst: schaw das hab ich funden, spricht der prediger. pred. 7, 28 (vgl. unten 13, c). selbständiger und feierlicher ist der abschlusz mit so, also sprach: es ist besser kinderlos gen himmel, als wenn beyde vater und sohn in die hölle fahren. so spricht die gottheit! Schiller 2, 21 (räuber 1, 1 schausp.). s. ferner 13, b. so endet Heinr. d. Teichner jedes gedicht mit der schluszformel:
alsô sprach der Tîchnær,
s. Wackernagel gesch. der d. lit.² 1, s. 375, 92. auch in der gewöhnlichen erzählung:
also sprach der jüngling und wandte sich.
Voss 1, 30 (Luise 1, 212);
also sprach und winkte mit schwärzlichen brauen Kronion.
Il. 1, 528;
also sprach er und schwieg.
Göthe 40, 352 (Achill. 1).
auch:
also sprechend erhub er vom thron sich nach seinen gemächern.
354.
mit absolutem particip: unnd also gesprochen das hercze unnd kopf zuͦ irem mund nächnet lieplichen küsset. decam. 254, 23 Keller (4, 1). andrerseits ist zum abschlusz einer rede und übergang zur erzählung auch das kurze sprach's mit ausgelassenem subjecte beliebt:
sprachs; und die tochter enthüllt' aus dem deckelkorbe die tassen.
Voss 1, 38 (Luise 1, 278);
sprachs; da lachten sie all'.
ebenda (283);
sprach's, und am silbernen heft hemmt' er die gewaltige rechte.
Il. 1, 219;
sprach's; doch der gerenische Nestor versetzt.
Leuthold ged.⁴ 265;
sprach's; trieb das gespann mit der geiszel.
275.
seltner mit ausgedrücktem subject:
jene sprach's, und führte den lieben gemahl in die kammer.
Voss 1, 17 (Luise 1, 87);
jener sprach's; da gebot die alte verständige hausfrau.
34 (247).
g)
in die rede eingeschaltet:
'die rede lât belîben',   sprach si, 'vrouwe min'.
Nib. 17, 1;
'ir müeʒt sî nemen', sprach ter wirt,
'ode ir sît gevangen'.
Iwein 6812;
wente waket, sprikt Jesus, unde weset bereit.
des dodes danz 818 Bäthcke;
wol her, sprechen sie, lasst uns sie ausrotten. ps. 83, 5; zu der zeit, spricht der herr, wird dem könige und den fürsten das hertz entfallen. Jerem. 4, 9; was, sprach er, solte das möglich seyn? Kramer dict. 2, 878ᶜ;
was? sprach er, kann ich nicht ein jahr wo anders leben?
Lichtwer 87 (fab. 3, 4);
wohl, sprach der rehbock, saget mir,
was ist ein tieger für ein thier?
104 (17);
und dieser vorfall einzig, sprach der bauer,
sei schuld, dasz der gerichtsrat noch nicht hier.
Kleist 1, 330 Schmidt (zerbr. krug 1).
s. ferner Schuppius 408 unter I, 3, a. Hölty 10 unter 3, d.im mhd. wird eine solche wendung oft in eine längere rede eingeschaltet, auch wenn diese in alter form eingeführt ist, besonders in den volksepen, und gern in der feierlichen form sô, alsô sprach:
dô sprach von Troneje Hagne   'daʒ endunket mich niht guot.
Liudgast und Liudgêr   die tragent übermuot:
wir mugen uns niht besenden   in sô kurzen tagen':
sô sprach der küene recke:   'ir sult eʒ Sîfride sagen'.
Nib. 150;
ebenso steht:
alsô sprach dô Hagne.
87, 1;
'ob uns gelinge wol',
sprach Wate der wîse,   'sô sul wir vaʒʒen vol
unser schif diu guoten   mit edelem gesteine'.
Kudr. 1131, 2
(vorher:
dô sprach Wate der alte.
1127, 2);
sus sprach der künec hêr.
Parz. 6, 29,
vgl. die anm. von Martin und besonders Jänicke zu Bit. 10625, wo zahlreiche belege beigebracht sind.im ältern nhd. wird zuweilen spreche (sprich) ich eingeschaltet, um eine aussage, ein wort hervorzuheben, zu unterstreichen; s. die belege aus Gretter und Weckherlin unter I, 3, a. noch nachdrücklicher mit wiederholung: ob wol solche wunderzeichen herrlich, grosz und fürtrefflich gewesen, dardurch auch das ansehen und warheit der lehr und predig Christi, gnugsam bestetiget, jedoch seyen solche nicht also wichtig gewesen, dasz sie für sich selbs, ja für sich selbs (sprich ich) gnugsamlichen darthun und beweisen hetten mögen, dasz Christus warer natürlicher gott sein müsse. Gretter erkl. der ep. Pauli an die Römer (1566) 19.
h)
ähnlich wie in diesen stellen steht ich spreche zur einleitung einer aussage als betheuerung. doch scheint dieser gebrauch auf das östliche mitteldeutsch beschränkt, während im allgemeinen dafür ich sage gilt. so mhd., mit weitern zusätzen:
ich sprechen in den druwen min,
du soldest ir genoʒe sin.
Elisab. 1193;
ich sprech uff min ere,
es vordrisszet mich gar sere.
Alsf. passionssp. 7415.
so noch mundartlich in der Lausitz: 'sprechen, mit besonderem nachdruck für censere, seine stimme geben, z. b.: ich spreche, das wird schlecht ablaufen.' Anton 13, 4; in Leipzig 'behaupten, meinen, finden': ich spreche, der hund hat treue augen; ich spreche, die leute ham e eichenen dîlect, aw'r scheene klingt's. Albrecht 214ᵇ.
i)
man spricht u. ähnl. dient oft zur einführung eines sprichworts. die mhd. wendungen, wie man sprichet, die wîsen sprechent, die wîsen hôrt ich sprechen sô, eʒ ist dicke gesprochen, stellt W. Grimm einl. zu Vrid. s. 89 zusammen. s. ferner zeitschr. f. d. alterth. 8, 380 f. so auch:
so hœre wîse liute jehen
und si gemeine sprechen.
troj. krieg 13059.
statt der directen rede kann auch indirecte folgen, z. b.:
genuoge sprechent, armuot
daʒ diu sî ze nihte guot.
Parz. 116, 15,
vgl. die anm. von Martin und Singer bemerk. zu Wolframs Parz. (1898) s. 67. im mnd.:
men spreket, it si ok en man,
de to tiden vlen kan.
Gerhard v. Minden 32, 33 Leitzmann (daneben men secht, s. die anm.).
ähnlich auch mit nachstellung:
gel sî gewert, si sprechen.
Laber jagd 247.
im nhd. durchgehends man spricht (oder man sagt, es heiszt): da her spricht man, das ist ein gewaltiger jeger fur dem herrn, wie Nimrod. 1 Mos. 10, 9; da her spricht man, ist Saul auch unter den propheten? 1 Sam. 19, 24; da her spricht man, las keinen blinden und lamen ins haus komen. 2 Sam. 5, 8;
man spricht wer basz mag der thut basz
wer fleisch zuessen, iszt nit grasz.
A. Meyenbrunn trag. Joh. (1575) Hᵃ;
man spricht ...
der rock so nach nit ist alsz hembdt.
ebenda.
es werden damit also nicht nur eigentliche sprichwörter, sondern auch festgeprägte, stehende redeweisen angeführt. dafür auch wie man spricht eingeschoben: mit der tauben, als der geringsten aber, ... spieleten sie als die sterckisten, wie man spricht, der untreuw. Kirchhof wendunm. 1, 299 Österley (1, 246); denn haddern, und umb ein liederliches (umb ein ziegenhaar) wie man spricht, zancken (katzbalgen) [de lana caprina (quod ajunt) rixari] stehet den bawren ... zu. Comenius sprachenth. 917; er konnte, wie man spricht, von keinem berg sein unglück übersehen. Mörike erz. 205;
es mag noch wol sein wie man spricht,
o grawer kittel reis ja nicht:
dann herren hult ist kein erbgudt.
Omich com. v. Dion. (1578) L 1ᵇ.
k)
auch der imp. kann in demselben sinne vor der directen rede stehn; theils, indem man jemand befiehlt, vorgesagte worte nachzusprechen:
Satanns. so tret dry vote achter rucke!
sprek: ik versake godes gâr.
Theophilus. ik versake godes gâr.
Theoph. 732,
theils, indem man ihn mit einer botschaft beauftragt:
frunt min bode, gangk widder zu en
und spriche, ir wille musz volngehen!
Alsf. passionssp. 2138.
sehr viel häufiger aber leitet sprich eine frage ein, die der angeredete nicht wiederholen, sondern beantworten soll:
nu sprechet, was duncket uch gut?
Alsf. passionssp. 3579;
halt, rief er, ritter! und sprich, wie kommst du zu dieser dame?
Wieland 4, 172 (Am. 8, 2);
sprich! ob dann besser angewandt
dir einer deiner tage dünket?
Thümmel reise 1, 229;
doch sie sagten ja
den pfad zum tempel; sprich, wie sagten sie?
Stolberg 5, 78;
ihr, die ihr triebe des herzens kennt,
sprecht, ist es liebe, was hier so brennt?
Figaros hochz. 2, 4, s. Büchmann²¹ 359;
so sprich! wer wars?
Kleist 1, 366 Schmidt (zerbr. krug 7);
sprich Ingo selbst, wie willst du, dasz wir dich halten? Freytag ahnen 1, 24. auch mit indirectem fragesatz:
nu sprechet wie oder wâ
die helde des nahtes megen sîn.
Parz. 271, 14.
zuweilen auch neben behauptungssätzen, um die zustimmung des hörers zu fordern, also etwa zu vervollständigen: sprich, bist du nicht auch meiner meinung?, und gleichsam ein nachdrücklicheres nicht wahr? so: ein solcher gedanke, sprecht selber! konnte nur aus einem verschmizten, politischen kopfe springen. Schiller 2, 234 (räuber 1, 6 trauersp.).
l)
oft besteht die rede nur in einem worte, wie ja, nein, willkommen, ach u. ähnl. dadurch entstehen formelhafte verbindungen, die sich den unter 7, c behandelten nähern und auch in freierem sinne verwendet werden. auch in diesem gebrauche kommt sprechen im allgemeinen nur in der ältern sprache vor und ist jetzt durch sagen verdrängt:
du sprichest iemer neinâ nein ...
maht du doch etswan sprechen jâ?
minnes. frühl. 137, 21. 24;
obe ich rehte râten künne
waʒ diu minne sî, sô sprechet denne jâ.
Walther v. d. Vogelweide 69, 9;
gein sîme lobe sprach niemen nein.
Parz. 308, 9;
ir sult sprechen willekomen.
Walther 56, 14;
in nomine dumme ich wil beginnen: sprechent âmen!
31, 33;
nû spreket 'âmen' alle gâder.
van d. holte des hill. cruzes 775;
sprich ich gein den vorhten och.
Parz. 1, 29;
mit siuften ach gesprochen
wirt dick von mînem munde.
Laber jagd 496 (vgl. 494).
beim schachspiel (einem) mat sprechen, häufig bildlich, z. b.:
swer allen frouwen sprichet mat
durch sîn eines frouwen.
Parz. 115, 6.
ähnlichen sinn scheint das nd. bût spreken zu haben, vgl. nd. korrespondenzbl. 12, 7. 41. nhd. besonders: ich spreche ja, ich spreche nein, io dico di sì, io dico di nò. Kramer dict. 2, 878ᶜ;
o seufzt Vulkan zuletzt, kind! sprichst du denn zu allem
sonst weiter nichts, als ja?
Lichtwer 74 (fab. 2, 24).
uneigentlich, zustimmen, segnen:
der (höchste) spreche ferner ja zu unsern hohen sachen.
Fleming 83.
nicht recht klar ist: wir wollen beten und hoffen, bis ganz gut werde, und nicht für den hamen fischen, noch bey (dabei) huy sprechen (schnell darüber hin gehen? oder: 'gewonnen' rufen?) ehe wir recht gründlich eins werden. Luther br. 4, 220 (vgl. hui 1, b, theil 4, 2, 1883).
m)
statt der directen kann die indirecte rede eintreten. dies ist zwar minder häufig, doch geht Paul 429ᵃ zu weit, wenn er es als 'nicht üblich' bezeichnet:
thû sprâchi in uuâr nû, sô zam,   thû ni habês gomman.
Otfrid 2, 14, 51;
joh sprechent hiar in rîche   thie liuti ouh sumilîche,
thû sîs giuuisso heilêr   thero forasagôno einêr.
3, 12, 17;
joh sprâchun ouh in rihtî,   uuio thaʒ uuesan mohti.
16, 70;
dô sprâchen die daʒ sâhen,   er wær ein kreftic man.
Nib. 904, 1;
er spricht er welle vehten.
Iwein 4774;
die zwîvelære sprechent, eʒ sî alleʒ tôt.
Walther v. d. Vogelweide 58, 21;
sprach si mit witzen,
si müest daran entsitzen
des herzogen gæhe.
Ottokar reimchron. 36658 (s. auch 30139 unter 2, c);
der sich nennet alsus
Jhesus von Nazarenus,
und spricht, hie sij ein konig gebornn.
Alsf. passionssp. 1265;
dasz Jhesus der ungetruwe man
vor sim tode also sprache,
hie wolde erstan an dem dritten tage.
6847.
s. auch d. städtechron. 4, 47, 10 unter 10, b. im mhd. gilt zuweilen das subject des hauptsatzes auch für den nebensatz ohne wiederholung:
si sprach gerne vuͦre.
fundgr. 2, 35, 16 (genes.);
(sie) sprachen daʒ gerne taten.
50, 19.
mnd.:
he sprêke, se wêre sô ein ander wîf.
s. vruwenlof s. 7, 307;
he sprikt, it si ein duvel und gein got.
Daniel v. Soest s. 213 Jostes (gem. bicht 3102).
nhd.: warum sprachstu denn, sie were deine schwester? 1 Mos. 12, 19; und spricht, er sey Christus ein könig. Luc. 23, 2; die leute sprechen, er habe es getahn, auctorem hujus sceleris edunt illum. Stieler 2099; der vater sprach, das tauge nicht viel. Adelung (I, 2, 2, b);
ich selber passe schon, bis jemand kommt, und spricht:
du seyst in unsrer näh.
Günther bei Steinbach 2, 638;
ihr spracht, ihr wärt gefallen, wiszt ihr nicht?
Kleist 1, 337 Schmidt (zerbr. krug 2);
er spricht, es hab' ein anderer den krug
vom sims' gestürzt.
366 (7).
nach andern verben (vgl. e), so mit frage: gehe dem man gottes entgegen, und frage den herrn durch jn, und sprich, ob ich von dieser kranckheit müge genesen? 2 kön. 8, 8. im part.: Phyllis schreyet und klaget den gantzen tag, es seye nichts schwerer als der ehestand. die gantze nacht aber durch widerrufft sie dieses, sprechende, es seye nichts süsser und anmutiger dann der todt. Schuppius 406. mit unpersönlichem subject (vgl. 14, i): spricht nicht die schrifft, von dem samen David ... solle Christus komen? Joh. 7, 42. — mit indirectem fragesatz, s. k.
n)
ebenso ein durch dasz eingeleiteter inhaltssatz:
alle sie mid uuordun sprekad
that thû ênhuilîc sîs   edilero manno.
Hel. 3047;
daʒ ich vür wâr wol sprechen mac
daʒ ich sô grôʒ arbeit
nie von ungeverte erleit.
Iwein 270;
wir sprechin ouch, daʒ wir umme unser gevencnisse getan han eyn rechte oirveyde. urk. von 1308 bei Haltaus 1708; nu sprach der vorgenante Zorn der schultheisse, das die alte pfaltze in dem fronhofe were den von Mülnheim nohe gelehen und den Zörnen zuͦ verre. d. städtechron. 9, 743, 10; ja, der geist spricht, das sie rugen von jrer erbeit. offenb. 14, 13; dann wann ich sprich, dasz durch das gesetz die sündliche lüste erreget werden, ... gemaine ichs nicht also, dasz es uns zu newen sünden ... treibe. Gretter erkl. der ep. Pauli an die Römer (1566) 387; die leute sprechen, dasz unser könig der frömmeste, liebreichste herr in der welt ist. Weisze bei Adelung (1, 2, 2, b);
und die, die sprach, ... dasz ich's gewesen.
Kleist 1, 379 Schmidt (zerbr. krug 7).
ich spreche als betheuerung hinzugefügt:
ach! sum mer der wernde gott ...
sprechen ich, dasz ich den Jhesum nie men gesach.
Alsf. passionssp. 3593.
syntaktisch notwendig ist diese construction in relativsätzen wie: wie wir gelestert werden, und wie etliche sprechen, dasz wir sagen sollen. Röm. 3, 8. s. ferner 5, b, ε; Engelh. 2346 unter 1, i; decam. und buch d. liebe 20ᵃ unter I, 3, a.
o)
ganz vereinzelt findet sich im 15.—16. jahrh. auch die undeutsche fügung des acc. cum inf.: dz jhr aber sprechet, uns ein gehülffen von nöten seyn, beduͦnckt mich warlich ein fast sorglichs ding seyn. buch d. liebe 240ᶜ;
Christus Jhesus Marien sone,
den aller Juden man
sprochen von Joseph geborn sin.
Alsf. passionssp. 1692.
p)
formeln, die auf eine vorhergehende rede zurückweisen:
iʒ ist irgangin als ih ê sprah.
Kraus ged. des 12. jahrh. VI, 67;
und lâ mich beʒʒern lôn enpfân
dan ich dich hœre sprechen.
d. arme Heinr. 635:
sit daʒ got den menschen in also hoher werdecheit geschaffen hat, als hie vor gesprochen ist. Schwabensp. 4, § 4; es soll geschehen, wie er gesprochen hat. Kramer dict. 2, 878ᶜ. — sonst auch, wenn ein gerücht, eine allgemeine rede u. s. w. angeführt wird: man findet nachricht, dasz der apostel Thomas in dem königreiche China soll geprediget haben ... sie ehren ... ein bild einer frauen, so ein kind auf den armen trägt, welche frau, wie sie sprechen, eines gewaltigen königes tochter gewesen. Sperling Nicodemus quaerens 2, 90;
(er war) menlich ein ritter uʒerwelt,
als man spricht, ein warer helt.
Ludw. kreuzf. 280.
wieder etwas anderer art sind die unter i zu ende behandelten fälle, wo es auf den wortlaut, die ausdrucksform ankommt.
7)
sprechen kann indessen auch den acc. der sache nach sich haben. doch kommen als object nur bestimmte arten von wörtern vor, wonach auch die bedeutung von sprechen theilweise besondere nuancen entwickelt. (in den meisten fällen ist jetzt sagen üblicher. vgl. Adelung 1, 2, 2, b.)
a)
am gewöhnlichsten stehen die neutra von pronominen und ähnliche allgemeine ausdrücke.
α)
das: das sprachen sie aber, jn zuversuchen. Joh. 8, 6;
daʒ sprich endelîche.
Walther v. d. Vogelweide 69, 18;
das sprechen ich sicher vorwar.
Alsf. passionssp. 473;
das sprecht ihr so! das scheint euch sonnenklar.
Göthe 41, 254 (Faust II, 4);
das lasze ich ungesprochen, ista proferre non audeo. Stieler 2099; mit dem absoluten part.: das gesprochen (er) sich gen der frawen keret zuͦ ir sprach. decam. 607, 16 Keller (10, 4). — so: dat hetet di god spreken 'es ist dein glück, dasz du so redest: diesz wort rettet dich'. brem. wb. 4, 965; dat heet em gott spreeken. Schütze 4, 176 ('eine art drohung und billigung'); dat hulp juw godd spräken 'das war euer glück'. Dähnert 453ᵇ. auch nhd.:
zum henker! fluchte Polt zu Velten,
muszt du mich einen lügner schelten?
zum henker! fluchte Velt zu Polten,
ich einen lügner dich gescholten?
das leugst du, Polt, in deinen hals,
das leugst du als ein schelm, und als — — —
ha! das hiesz gott dich sprechen, Velten!
denn lügner lasz ich mich nicht schelten.
Lessing 1, 16.
es: ih spricho iʒ in preterito. Notker ps. 43, 8; er hats einmal gesprochen, egli l'hà detto pure. Kramer dict. 2, 878ᶜ. kann auch als subject ausgelassen werden:
Stauffacher. wir überraschen ihn, eh er sich rüstet.
Meier. ist bald gesprochen, aber schwer gethan.
Schiller 14, 333 (Tell 2, 2).
β)
häufig mit dem fragewort was: was soll ich sprechen, quid respondendum mihi erit? Stieler 2099; Am. ich bitte er nehme es wieder, was würden die leute sprechen. St. sie mögen sprechen was sie wollen, sie sprechen nur alles gutes dazu. Weise erzn. s. 77 neudr. sprichwörtlich: mund wat sprekst du, hart wat denkst du? ten Doornkaat Koolman 3, 287ᵇ. als rhetorische frage oder ausruf:
waʒ spriche ich tumber man durch mînen bœsen zorn?
Walther v. d. Vogelweide 124, 32.
besonders was sprichst du dazu, s. 5, f.
γ)
mit dem relativpronomen: was ich einmal gesprochen, will ich nicht widerruffen. Kramer dict. 2, 878ᶜ;
er überhôrte und übersach
swaʒ man dâ tete unde sprach.
Iwein 3094;
kurz, wie ers auch versuchte,
so sprach die Echo doch (var.: nach), was ihr Vulkanus sprach.
Lichtwer 74 (fab. 2, 24);
ich war zu sehr betroffen,
zu wissen was ich sprach.
Wieland 9, 95 (Musar. 3);
allem, was die eltern sprechen,
widerspricht das volle herz.
Novalis 1, 157 Meiszner.
δ)
ein relativsatz ist object zu sprechen: sprecht, vater, was ihr noch zu sagen habt. Storm 7, 193;
zweydeutigkeit und schmutz und schand' und sünde,
sprecht was ihr wollt: sie winkt euch zu, und lacht.
Lessing 1, 3 (auf Lucinden).
s. auch Weise unter β. sprichwörtlich:
sprich was wahr ist,
trink was klar ist,
isz was gar ist.
Simrock 11124.
ε)
etwas; in gewöhnlicher sprechweise was:
bedenkt euch einen tag, eh ihr uns was versprecht,
auf dasz ihr kein versprechen brecht;
und dasz kein unnütz wort euch fall aus euerm munde,
eh ihr was sprechet, eine stunde.
Wernike überschr. 145 ('sprechen u. versprechen').
in älterer sprache iht; so noch: darnach zehand ... auf ir pete gieng ... und on icht gesprochen des leydigen todes warten was. decam. 255, 31 Keller (4, 1). — nichts, noch getrennt:
uuant er uuiht zin ni sprah.
Otfrid 1, 4, 80.
sprichwörtlich:
wer nichts spricht,
wer weist, was jhm gebricht.
Henisch 490, 32.
henneb. nun sprech' ich aber nichts mehr! als ausruf des erstaunens, der verwunderung. Spiess 238.
ζ)
viel, wenig sprechen. besonders in sprichwörtern: vele spreken is neine kunst de 't wol kan. Tunnicius 504, hd. bei Wander 4, 738, 53; wer viel spricht, musz viel wiszen oder lügen. wer wenig spricht, hat wenig zu verantworten. Simrock 9775ᵃ f. (s. auch unter 3, h); man spricht oft vil, und denkt wenig dabei. Eiselein 575 (aus Shakespeare);
man spricht vergebens viel, um zu versagen.
Göthe 9, 21 (Iphig. 1, 3).
η)
anderes:
thô quad druhtîn: 'sage mir,   sprichis sulîh thû fon thir,
odo andere iʒ thir sagêtun?'
Otfrid 4, 21, 8;
wiewol sie nicht   dergleichen spricht.
Forster frische t. liedlein s. 28 neudr. (1, 40, 2).
θ)
besonders auch mit dem subst. neutr. von adj.: die ganze sache ist durch mich gegangen. ich war zum diner beim minister Gutschmidt, wo wir langes und breites darüber sprachen. Schiller 4, 186; ich habe etwas wichtiges mit ihnen zu sprechen. Campe (II, 1). ahd. arges tâhton siê, arch sprachen siê. Notker ps. 72, 8. — alles gute von einem sprechen, optimum judicium de aliquo facere; er hat alles gutes von dir gesprochen, bene de te existimavit. Steinbach 2, 637, vgl. Weise unter β; als er etwas freundliches gesprochen ... hatte. Göthe 25, 355.
b)
besonders häufig ist wort als object in mannigfachen verbindungen. (nach Adelung 1, 2, 2, c käme sprechen nur mit wort transitiv vor.) ein wort sprechen, mit betonung: sprich nur ein wort. Adelung (1, 2, 2, b); sondern sprich nur ein wort so wird mein knecht gesund. Matth. 8, 8;
ein einniges wort zu mer sprich!
Alsf. passionssp. 4075
(dafür:
ach liebes kint, sprich mer zu ein wort!
6105);
mit einem: ich habe ein wort mit ihnen zu sprechen, 'ein weniges'. ich möchte gern ein wort mit ihm allein sprechen. Adelung; ich hätte ein wörtchen mit ihnen allein zu sprechen. Campe (II, 1);
indesz, wenns euch bequem ist, möcht ich gern
ein wort mit euch von dieser sache sprechen.
Schiller 13, 41 (Macb. 2, 2).
ee denn einer hette mögen ein wort sprächen, schnäller dann ein wort, dicto citius. Maaler 381ᵈ; ich kondt vor grosser forcht nit ein wort sprächen, mein zung mocht nit reden, lingua torpuerat retenta metu. ebenda; er kunte kein wort vor furcht sprechen. kein wort mit einem sprechen. Frisch 2, 306ᵇ; doch hatte er noch kaum ein wort mit ihr gesprochen. Storm 7, 167;
sus saʒ si nâch ir leide ...   wol vierdhalp jâr,
daʒ si ze Gunthêre   nie kein wort gesprach.
Nib. 1046, 3;
solt ich das nit wol an im rechen,
ee wolt ich nimer wort mit frauen sprechen.
fastn. sp. 758, 9;
mein seel', sie sprach kein wort.
Kleist 1, 445 Schmidt (zerbr. krug 12, var.);
der könig Karl am steuer sasz;
der hat kein wort gesprochen.
Uhland ged. (1864) 349;
wir waren eine kleine viertelmeile gegangen ... keiner von uns sprach ein wort. Schiller 4, 77; 'still', rief er gebietend, 'keiner spreche ein wort'. Freytag ahnen 1, 21; ich werde heute abend auch ein paar worte sprechen;
Abraham thuo gimahalda ...   filo uuorda gisprac.
alts. gen. 225.
von bestimmten worten, also vor oder nach einer (directen) rede:
und er sprach das wort: es werde!
Göthe 5, 187;
'wir sind auf dem schlachtfelde von Marengo.' wie lachte mein herz, als der postillon diese worte sprach! Heine 3, 274 Elster (Italien 1, cap. 29); die erste rede eines Deutschen, welche uns zufällig erhalten blieb, waren die worte, welche ein mann aus dem heutigen Mecklenburg im jahr 109 v. Chr. zu Rom sprach. Freytag bilder 1, 28. dem griechischen nachgebildet ist die epische eingangsformel:
und er begann zu jener und sprach die geflügelten worte.
Voss Il. 1, 201 (ἔπεα πτερόεντα προσηύδα),
vgl.geflügelt 2, b, theil 4, 1, 2148. — mit charakterisierenden beiworten, in bezug auf die art, wie sie gesprochen werden:
sie sprach ein halb gehauchtes wort.
Keller 10, 142.
von den worten selbst, ihrem gehalt und ihrer würde: da sprichst du ein wahres wort;
dich heiʒet vater maneger vil:
swer mîn ze bruoder niht enwil,
der spricht diu starken wort ûʒ krankem sinne.
Walther v. d. Vogelweide 22, 8.
meist von ton, stimmung der worte: en good woord spreeken. Schütze 4, 176;
er sprach scarfere worte.
fundgr. 2, 21, 42 (gen.);
sprich doch ein süsses wort, benenne stell und stunde.
Hofmannswaldau bei Steinbach 2, 637;
sein mund spricht rauhe worte, doch sein herz
ist treu wie gold.
Schiller 13, 207 (jungfrau v. Orl. 1, 5);
doch der vater fuhr auf und sprach die zornigen worte.
Göthe 40, 256 (Herm. u. Dor. 2);
als der fuhrmann vor ihm erschien,
sprach er schmeichelnde wort' an ihn.
Rückert (1882) 12, 94 (Nal 23).
in bezug auf die wirkung: flehentlich bat er den könig, das von allen ersehnte befreiende wort zu sprechen. Treitschke d. gesch. 1, 427. im altdeutschen steht in solchen fällen meist der (instrumentale) dativ:
that hê ina an Hierusalem   te them godes uuîhe
alles oƀanuuardan   up gisetta
an allaro hûso hôhost   endi hoscuuordun sprac.
Hel. 1083;
Simon Petrus thô
thegan uuiđ is thiodan   thrîstuuordun (Cott.: thristuuord) sprac.
4674;
sprâchun thâr thô herton   missilîchên uuorton.
Otfrid 3, 15, 40.
im particip; sprichwörtlich: ein gesprochenes wort und ein geworffener stein ist nicht wieder zurück zu ziehen. Kramer dict. 2, 878ᶜ;
wie das wort so wichtig dort war,
weil es ein gesprochen wort war.
Göthe 5, 3.
mit adverbialem oder adjectivischem zusatz:
o weh der lüge! sie befreiet nicht,
wie jedes andre wahrgesprochne wort,
die brust.
9, 63 (Iphig. 4, 1).
so altgesprochen wort für sprichwort, mhd. altsprochen und altgesprochen wort, s. W. Grimm Vridanc s. lxxxix: es ist ein alt gesprochen wort, das einem sollichen grytigen menschen bristet das das er hott, und auch das das er nitt hott. Keisersberg post. 2, 5ᵃ. — das wort sprechen im seewesen, durch einen zuruf das zeichen geben, dasz alle, die an einem taue ziehen, zugleich anziehen sollen; auch aufsingen. Campe (II, 2). Bobrik 653ᵃ (66ᵇ). — einem das wort sprechen, s. 11, g, β.
c)
ein einzelnes bestimmtes wort als object zu sprechen. es aussprechen: so hiessen sie jn sprechen, schiboleth, so sprach er, siboleth, und kunds nicht recht reden, so griffen sie jn und schlugen jn. richt. 12, 6. gewöhnlich in dem sinne 'sich eines ausdrucks bedienen', wo allerdings heute ausschlieszlich sagen gilt: sprechen, für sagen ... wir sprechen auch chorda, ein kurdel oder schnur, an statt wir sagen. Frisch 2, 306ᵇ;
die jr forthin nicht saufet meh,
(verzeicht mir, das ich saufen sprech,
wüst trünk ich für kain trinken rech).
Fischart dicht. 2, 93 Kurz (flöhhaz 3529);
Venus soll man nicht mehr sprechen, nur Lustinne soll man sagen.
Logau 2, 168, 47;
ein irrlicht heiszts, kein irrwisch nicht;
so spricht man ja mein lebetage.
V(elten). so spräche man? nein, Kunz, ich sage,
dasz alle welt ein irrwisch spricht.
Gellert 1, 275.
vgl.:
eclypsis, als ich spreche,
daʒ heiʒet ein gebreche.
Heinr. v. Freiberg Tristan 239;
betrüebet? sprach ich alsô?
465.
nd. he kan nig brood spreken, 'er hat das liebe brodt nicht im hause'. brem. wb. 4, 965. — dafür: durch ich sprechen, s. Kant unter sprechart.
d)
ähnlich eine sprache sprechen, sich derselben bedienen, meistens von der allgemeinen fähigkeit, sich in einer sprache auszudrücken, eine sprache beherrschen: eine sprache fertig, ohne anstosz sprechen. Adelung (1, 2, 2, a); seine muttersprache wenigstens sollte jeder gebildete mensch rein und richtig sprechen. Campe (II, 1). um auszudrücken, dasz man sich im einzelnen falle einer sprache bedient, werden in der regel adverbiale ausdrucksweisen angewandt, s. 2, b. bei dem einfachen französisch sprechen fällt natürlich beides äuszerlich zusammen, doch faszt auch hier das sprachgefühl französisch als acc. (= die französische sprache), wenn es sich um die sprachfertigkeit im allgemeinen, als adv. (= auf französisch), wenn es sich um die einzelne rede handelt. die bemerkung von Frisch: sprechen, für reden, er spricht gut französ. hört man annoch vulg. für er redet gut französisch, linguam Gallicam loquitur. 306ᵇ, entspricht dem heutigen sprachgebrauche nicht, der vielmehr gerade in diesen verbindungen sprechen entschieden vorzieht. belege, s. auchsprache 7, n: und begonde sente Peter zu predigen und alle die von manigen landen dar warn cuͦmen die vornamen sine sprache als wol, als ob er ir aller sprache spreche. Schönbach pred. 1, 201, 20; die krieger, welche dort an den thoren stehen .., sprechen unsere sprache. Freytag ahnen 1, 162;
alle sprâche si wol sprach,
latîn, heidensch, franzoys.
Parz. 312, 19;
dichterisch dafür:
und dein nattergezisch, schlaue Chikane, du
misgeschöpfe des arglistigen fremdlinges,
ungenannt von dem volk, welches die zunge spricht,
die Thuiskon und Mana sprach!
Stolberg 1, 8.
e)
das, was einer sagt, wird durch allgemeine ausdrücke bezeichnet, im anschlusz an b: einen satz sprechen. er konnte keinen satz sprechen, ohne zu stocken. eine rede:
die rede die ir habent getân
die wold ich gesprochen hân.
Iwein 7436.
einen spruch: dar uͦf (darüber) spricht sente Bernhart einen suͦʒen spruch. Schönbach pred. 1, 51, 21. frage, antwort u. ähnl., in den ältern mundarten:
der deheine vrâge sprach.
Parz. 488, 18;
thô sprak eft uualdand Krist
theru idis anduuordi.
Hel. 4039;
wander ime eine lugene zû sprah.
Lampreht Alex. 265 Kinzel;
der lugin sprichit fone imo selbemo sprichit. ... der uuâr sprichit fone gotes kelâʒʒe sprichit. gl. zu Notker ps. 91, 5; ther iu uuâr sprah (qui veritatem vobis locutus sum). Tat. 131, 16; ich spreche die reine wahrheit. anderes:
sie sprâchun alle, sô man uueiʒ,   sô samalîchan urheiʒ,
bihiaʒun sih zi nôti   thera selbûn kuanheiti.
Otfrid 4, 13, 29;
wente de lupard sprack dessen rad.
Reinke de vos 3613;
dazu: der würdigste vater mag sich bei der wohlgemeintesten und wohlgesprochensten ermahnung an seine mannbare tochter ja davor in acht nehmen, dasz irgend ein sonderbar mithandelnder zipfel ihm ein durchaus komisches ansehen leihe. Immermann Münchh. 4, 77 (7, 11). rätsel sprechen: andera râtissa sprah her zi in. Tat. 74, 1. häufig freier, rätsel sprechen oder in rätseln sprechen, in unverständlicher weise: besinne dich, dasz du mir räthsel sprichst! Schiller kab. u. liebe 4, 5, vgl. Campe (II, 1). ähnlich:
jetzt, wo geheimniszvoll und dunkel
nur unser herz orakel spricht.
Novalis 1, 199 Meiszner.
ganz ungewöhnlich und nur durch eine verschiebung der construction zu erklären ist die verbindung eine stimme sprechen: owe, wie selich der ist der danne die werk hat getan, dar umme er vornemen sol die suͦʒʒe stimme unsers herren die er da sprechen wirt (var.: die suͦʒʒen wort da er wirt sprechen) zu den seligen: venite, benedicti patris mei. Schönbach pred. 1, 181, 16. in anderm sinne nhd. als poetische kühnheit:
denn es war nicht mehr die stimme des fluchs, die stimme von stürmen
furchtbar verkündiget, und in donnernden wettern gesprochen,
die die erde vernahm. sie hörte des segnenden rede.
Klopstock Mess. (1748) 1, 76,
vgl. den spott Schönaichs ästh. in einer nusz s. 340, 33 ff. Köster.
f)
gewöhnlich ist sprechen vom aussprechen gewisser formeln. den grusz sprechen, im nhd. nicht häufig: sie sprachen ihren grusz. Göthe 17, 155;
si sprâchen gruoʒ nâch zühte kür.
Parz. 84, 9;
Gâwân sîn grüeʒen sprach
zuo dem krâmer.
563, 13.
die meisten dieser wendungen gehören dem geistlichen sprachgebrauch an und sind auch heute ganz gewöhnlich. ein gebet sprechen: zer kirchen gên und got flîʒeclîchen dâ an ruofen und iuwer gebet gar andæhteclîche dâ sprechen. Berthold v. Regensburg 1, 269, 1; der geistliche sprach am sarge ein stilles gebet;
sô dat nêmant scholde mogen
dâr in gân unde spre̜ken sîne be̜de.
van d. holte des hill. cruzes 649.
so bestimmter: das gebet, das vatter unser etc. sprechen, dire la preghiera, il pater nostro. das tisch-gebet sprechen. Kramer dict. 2, 878ᵃ; doch das kleine häuflin, die liebe christenheit, spricht ihm ein deo gratias dafür. Luther tischr. 2, 94; ein vaterunser, 10 avemaria sprechen;
an welichem tag er nicht ensprach
sein tagtzeit, ee di sunn aufprach,
des males aʒ er chainen fisch.
Suchenwirt 10, 217;
ich stand und hörte zu, sie aber sprachen
ihr nachtgebet und schliefen wieder ein.
Schiller 13, 47 (Macb. 2, 4).
von andern kirchlichen formeln: und da sie den lobgesang gesprochen hatten, giengen sie hinaus an den oleberg. Matth. 26, 30; nach der predigt sprach der pastor den glauben oder das glaubensbekenntnis;
swer âne vorhte, hêrre got,
wil sprechen dîniu zehen gebot.
Walther v. d. Vogelweide 22, 4.
die beichte, die absolution sprechen:
swer die gebot verbrichet
und dâ von niht ensprichet
sîne bîhte in andâht.
erlösung 6471;
dat yk moghe spreken vor yw
myne bycht myt allem vlyt.
Reinke de vos 1964;
münch Albrechte ir zuͦ der stund nit mer betrüben wolt ir die buͦsz sprache sein segen gab unnd geen liesz. decam. 259, 7 Keller (4, 2); ich habe euch heut gebeicht, und jr habt mir ein absolution gesprochen. Luther 3, 404ᵇ. auch seine schuld sprechen wol zunächst vom kirchlichen sündenbekenntnis; freier: die fraw gedacht du muͦst hüt sterben, und kart sich umb, und fiel uff das erdtreich nider für den man, und sprach ir schuld, sie wolt sich bessern. Pauli schimpf u. ernst 98 Österley (c. 134). — einen segen sprechen, ursprünglich eine zauberformel: einen zaubersegen sprechen, dire, prononciare un' incanto; far' incantesimi. Kramer dict. 2, 878ᵇ; seegen sprechen, wann es heimlich und im aberglauben geschieht, incantare, incantamentis uti. Frisch 2, 306ᵇ; so noch:
ich kenne hier
im kloster einen bruder dominikaner
aus unsrer landsmannschaft, der soll mir schwert
und pike tauchen in geweihtes wasser,
und einen kräft'gen segen drüber sprechen.
Schiller 12, 370 (Wallensteins tod 5, 2).
den segen sprechen, die kirchliche segensformel, gewöhnlich vom priester: sprechen, mit deutlichen worten ausreden ... den seegen sprechen, publice benedicere populo. Frisch 2, 306ᵇ; den segen über etwas sprechen, dire la benedittione sopra qualche cosa, cioè benedirla. Kramer dict. 2, 878ᵇ;
ir segen si vil dicke sprach
uber lude unde uber kint.
Elis. 592;
komm, pfaff', und sprich den segen,
eh' wir zu bett' uns legen!
Bürger 14ᵇ (Lenore).
dafür:
so wolde ik de benedygynge spreken
over Reynken, yuwen pelegrym.
Reinke de vos 2732.
vgl. auch:
kein könig ist zwar Veit, von Gerar, hat auch nicht,
dasz Abraham für jhn gebet und segen spricht.
Logau 1, 146, 30.
von gott selbst:
sprich deinen milden segen
zu allen unsern wegen.
Gerhardt nr. 7, 41 Gödeke.
einen fluch sprechen. die acht, den bann worüber sprechen (oder aussprechen): sie (die groszen von Venedig) befürchteten irgend einen heimlichen vorbehalt, nach welchem der über die republik gesprochene kirchenbann in der meinung seiner heiligkeit noch wie vorher bestünde. Schiller 4, 120. mhd. auch zuweilen eine messe sprechen für das gewöhnliche lesen:
up einen gueden Cristus daich
zo allen drin [hei] misse spraich.
Hagen boich v. Colne 129 (d. städtechron. 12, 26).
beides verbunden: vier erber priester, die alle tag 4 messen lesent und sprechent. quelle bei Schöpf 692 (zum j. 1404).
g)
von diesen verbindungen, wo sprechen auf das laute aussprechen bereits vorhandener formeln geht, unterscheiden sich die juristischen ausdrücke das urtheil, recht sprechen dadurch, dasz hier das urtheil erst durch das sprechen, die laute, öffentliche und amtliche verkündigung zu stande kommt. ein urteil sprechen, jus dicere, sententiam pronunciare, decernere. Stieler 2099; das urteil sprechen, prononciare la sentenza. Kramer dict. 2, 878ᵇ; das gesprochene urteil vollziehen. 878ᶜ; so were sein wille und meinung daz die gesprochen urteyle iren gang hette. decam. 356, 38 Keller (5, 7);
daʒ urteil sprechent uber al.
erlösung 504.
s. auch Notker unter 14, b. häufig in freierer weise: und sind sie nicht tunckele noch deuteldürfftige wort, sondern dürre und helle, spricht gott selbs ein urteil daher, und frey heraus. Luther 8, 1ᵇ;
du wagtest
nur leise noch, das urtheil ganz zu sprechen.
Schiller 5, 1, 167 (dom Karlos 3, 2).
in einer sache das urtheil sprechen (oder blosz sprechen, vgl. unten 11, a. b und Adelung II): und weil der könig gen Tyro komen war, liessen jr drey, des rats gesandten, den handel fur jn gelangen, das er darin solt urteil sprechen. 2 Macc. 4, 44. über einen: sie aber griffen den könig und füreten jn hin auff zum könig von Babel gen Riblath, und sie sprachen ein urteil uber jn. 2 kön. 25, 6; der sprach ein urteil uber jn. Jerem. 39, 5; sprecht das urteil uber ewr mutter, sie sey nicht mein weib. Hosea 2, 2. auch gern mit dem dativ, besonders mit dem bestimmten artikel: die sollen dir das urteil sprechen. 5 Mos. 17, 9. mhd. auch: wan dû im (gott) urteil ûf dich selben gesprochen hâst. Berthold v. Regensburg 1, 282, 21. jetzt in diesem sinne ferner: und als es getauft war, sprach er 'was gehört einem menschen, der den andern aus dem bett trägt und ins wasser wirft?' 'nichts besseres', antwortete die alte, 'als dasz man den bösewicht in ein fasz steckt, das mit nägeln ausgeschlagen ist und den berg hinab ins wasser rollt.' da sagte der könig 'du hast dein urtheil gesprochen'. Grimm märchen 59 (nr. 13). ähnliches häufig in freierem sinne; dafür ungewöhnlich:
du sprichst dir selber dein gericht.
Hebbel (1891) 8, 100.
mit unpersönlichem subject, im bilde: deine gebrechlichkeit spricht dir das urtheil, und sie ist es auch, die es vollziehet. Schiller 4, 287. auch einen spruch sprechen:
ob sich mit triuwen flehten
zwei herz gesament haben sunder bâgen,
dar über hât diu Stæte ir spruch gesprochen.
Laber jagd 521, 5.
über den angeklagten das 'schuldig' sprechen. das raͤcht spraͤchen, einen raͤchtspruch thuͦn, jus dicere. Maaler 381ᵈ; dire, prononciare, definire il giusto. Kramer dict. 2, 878ᵇ. gewöhnlich ohne artikel recht sprechen, sententiam ferre. Stieler 637, und in der regel nicht von dem einzelnen falle, sondern zusammenfassend für die thätigkeit des richters überhaupt: einem yeden raͤcht spraͤchen und ordnen oder auszteilen, describere jura. Maaler 381ᵈ; den partheyen recht sprechen 'ihre streitigkeiten durch gesprochene urtheile schlichten'. Adelung (II); einen tüchtigen braven mann zu haben, der den leuten recht sprechen soll. Göthe 21, 168. mhd. mit gen.:
man sprach dâ wênic rîters reht.
Parz. 78, 10.
in diesen ausdrücken ist sprechen stehend und kann nicht durch die synonymen verben vertreten werden. man sagt also nicht (in gutem deutsch) ein urtheil sagen oder reden, wol aber ein urtheil fällen, einen spruch thun, recht ertheilen.
h)
daran schlieszen sich formelhafte redeweisen, wie lob, hohn sprechen, die den inhalt einer rede im allgemeinen nach tendenz, gesinnung und stimmung charakterisieren. hier handelt es sich noch deutlicher um festgeprägte verbindungen, die der zusammensetzung nahe kommen: das object steht durchweg ohne artikel oder sonstige bestimmungen, und sprechen kann nicht mit sagen, reden u. s. w. wechseln. man sagt also weder einen hohn sprechen, noch hohn sagen, andrerseits stets einem dank sagen (nicht sprechen). doch heiszt es nhd. gewöhnlich lob sagen, während die ältere sprache hier sprechen gebraucht; ahd. mit dem gen.:
joh lob ouh druhtînes (var.: druhtîne) sprah.
Otfrid 1, 16, 16;
joh selben gotes lob sprah.
4, 15, 61.
vgl. dazu:
dâ man gotes êre sprach.
Parz. 461, 5.
mnd. mit präposition (ungewöhnlich):
dat he spreke lof uppe de frôwen.
vruwenlof s. 7, 304.
in der regel mit dem dativ:
ze Joseph sprach Jacob   'gesprochen si got lop
daʒ ich dich gesehen han'.
genes. 101, 33 Diemer;
Rudiger, du wolst mich han gerochen:
des wirt dir lop und er gesprochen.
fastn. sp. 551, 9.
so noch nhd. dichterisch:
und ihm und euch wird hohes lob gesprochen.
Chamisso 2, 60 Koch (Mat. Falcone).
trost sprechen: einem trost sprechen etc. v. zusprechen, trösten. Kramer dict. 2, 878ᵇ;
es sprachen trost, die um mein bette sassen.
Claudius 3, 158.
am gewöhnlichsten jetzt (im mhd. noch nicht bekannt) einem hohn sprechen, dispeltare, bravar' uno. Kramer dict. 2, 878ᵇ, contumeliosas voces in aliquem mittere. Frisch 2, 306ᵇ. eigentlich, von herausforderung des gegners im kriege: habt jr den man gesehen erauff tretten? denn er ist erauff getretten Israel hohn zu sprechen. 1 Sam. 17, 25; nach jm war Eleasar ... unter den dreien helden mit David, da sie hohnsprachen den Philistern. 2 Sam. 23, 9. so auch: ob vieleicht der herr dein gott hören wolt alle wort des ertzschencken, den sein herr, der könig von Assyrien gesand hat, hohn zu sprechen dem lebendigen gott. 2 kön. 19, 4;
wer will in meiner lust mich stören?
ich grins' ihn an, ich sprech' ihm hohn!
Freiligrath⁵ 1, 140.
freier mit unpersönlichem subject, im sinne eines schroffen widerspruches oder gegensatzes, der wie hohn empfunden wird:
straflose frechheit spricht den sitten hohn.
Schiller 12, 8 (Wallenst. prol.);
so spricht des stückes ganzer ton
zu sehr dem gegenstande hohn.
Seume ged.⁵ (1826) 26.
s. auch Miller unter 8, h, γ. — trotz sprechen jetzt wenig gebräuchlich (dafür trotz bieten); mhd., freier:
sie gebârte, als ob sie sprêche tratz
allem dem, daʒ schônheit
in diser werlt von wîben treit.
Heinr. v. Freiberg Trist. 4468.
anderes nur in der ältern sprache:
man sal û dar umbe sprechen
laster unde scande.
Lampreht Alex. 3729 Kinzel (vgl. die anm.);
ich weiʒ wol, hêrre, ich sprach iu leit.
Parz. 614, 6;
we sik des kan vorsinnen,
de spreke nummer vrûwen leit.
vruwenlof 31.
diese stellen bieten eine andre nuance; der acc. geht hier weniger auf den inhalt, als auf die wirkung der rede. noch deutlicher ist das in mhd. wendungen mit reflexivem charakter, wie sîne êre sprechen, was nicht bedeutet 'sich preisen' (wie gotes êre sprechen, s. oben), sondern 'etwas sagen, was einem zur ehre gereicht':
der wirt sprach sîn êre.
Parz. 173, 11.
wieder anders ist sîne zuht sprechen, in seiner rede zeigen:
hêrre, ir sprechet iwer zuht ('das ist artig von euch gesprochen').
Willeh. 343, 3;
ir sprechet iuwern gewalt.
Erec 9033
('ihr sprecht so tyrannisch wie ihr seid, ihr zeigt durch euere rede euern gewaltthätigen sinn', s. die anm.).
i)
vernunft, philosophie, litteratur sprechen u. ähnl. (wol unter einflusz des franz. parler raison, politique, proverbe u. s. w.): alle leute sprachen philosophie. Wieland Agath. 1, 210;
sie ist nicht häszlich, wie ihr seht,
und spricht moral trotz euerm Epiktet!
4, 177 (Am. 8, 9);
seyd ihr nicht wie die weiber, die beständig
zurück nur kommen auf ihr erstes wort,
wenn man vernunft gesprochen stundenlang!
Schiller 12, 250 (Wallensteins tod 2, 3).
so auch: einem, der sich mit einem feinen weltmanne und einem steifen pedanten zugleich in gesellschaft findet: wenn jener erfahrungen spricht, die auf allgemeine wahrheiten leiten; so spricht dieser sentenzen, zu denen die erfahrungen in dieser welt wohl gar noch erst sollen gemacht werden. Lessing 8, 433.
k)
anderes findet sich vereinzelt und gehört mehr der ältern oder der poetischen sprache an. so, wenn nicht das, was einer sagt, sondern, was er damit ausdrücken will, als object zu sprechen tritt; etwas aussprechen, in worte fassen:
ihr mund wagt ihre wünsche nicht zu sprechen,
doch vielbedeutend fragt ihr stummer blick.
Schiller 12, 442 (M. Stuart 1, 8);
wie damals der jünger (Johannes) ...
an der brust des Messias der vollen seele gefühl sprach.
Klopstock Mess. 4, 1069;
sprâchun thô zi nôti   thaʒ iro heiʒmuati.
Otfrid 4, 30, 8.
etwas mit worten aussprechen, schildern:
nein man kan spreken ere gûtlicheit.
vruwenlof s. 4, 227.
l)
mhd. auch vom gegenstande einer erzählung, eines berichtes; etwas verkündigen:
sîn (des priesters) munt die marter (Christi) sprichet.
Parz. 502, 15;
ôwol dich, Kanvoleiʒ,   wie man spricht dîn stæte!
Tit. 46, 1.
m)
dichterische kühnheiten sind ausdrücke wie:
denn was er sinnt, ist schrecken, und was er blickt, ist wuth,
und was er spricht, ist geiszel, und was er schreibt, ist blut.
Uhland ged. (1864) 390.
hier ist wol der sinn 'was er spricht, hat geiszelung zum zweck und zur wirkung, ist ein befehl zur geiszelung'. dagegen liegt in fällen wie er spricht dolche nur ein vergleich vor, seine worte wirken wie dolche, sind so scharf, stechend und schmerzbringend, wie dolchstiche: sie spricht lauter dolche, und jedes wort durchbohrt. Shakespeare viel lärm 2, 1;
er spricht kanonen, feuer, dampf und knall,
er giebt mit seiner zunge bastonaden.
könig Joh. 2, 2.
dazu (vgl. 8, h, γ): frau v. Morgan hat wie ein mann gesprochen, sie sprach skorpionen in die herzen frecher söldner. Heine 3, 266 Elster (Italien 1, cap. 26).
8)
zum object kann eine prädicative bestimmung treten, am gewöhnlichsten ein adj., sodasz sprechen einen doppelten acc. regiert. in der bedeutung sind zwei hauptclassen zu scheiden, 'etwas wofür erklären' (s. ae) und 'etwas (durch sprechen) wozu machen' (s. c. fi).
a)
im ältern nhd. ist häufig etwas gut sprechen, wofür jetzt gut heiszen, erklären, dasz es gut ist, billigen: etwas gut sprechen, approvare qualche cosa. v. heissen. Kramer dict. 2, 878ᵇ; laudare, rectum pronunciare, approbare. Frisch 2, 306ᵇ; vil tapffere leute, haben das balgen (den zweikampf) nicht gutt gesprochen, wird auch annoch unter allen gutgesäzten regimentern nicht zugelassen. Butschky hochd. kanz. s. 220;
ich suche gott allein mit eifrigem gemütte,
und gebe mich ihm auf. was er mir jmmer thut
in zeit und ewigkeit, dasz sprech' ich alles gut.
Silesius cher. wandersm. 6, 4.
ein urtheil, einen beschlusz bestätigen, anerkennen:
also dasz nach dem jedermann solt sprechen dies sein urtheil
gut.
Reinike fuchs (Rostock 1652) 233;
und Themis spricht disz gut, was nechst der musen-chor
in vollem rath beschlosz, dasz auf gedoppelt wachen
ruhm, ehre, lob und recht zwiefache cronen machen.
Chr. Gryphius poet. wälder 1, 650.
in anderm sinne: aber es mangelte ihm hingegen mitnichten an entschuldigungen, sein böses beginnen zu beschönen und gut zu sprechen. Simpl. 2, 154, 15 Kurz (6, 6). für gut sprechen auch recht sprechen: gut-sprechen, recht-sprechen, approvare, comprovare, ratificare, giustificare, lodare, v. gut-heissen ... etwas gutsprechen ò rechtsprechen. nicht gutsprechen, disapprovare. ich kan es nicht gutsprechen. Kramer dict. 2, 883ᶜ; ich spreche das recht, hanc rem probo. Steinbach 2, 637; etwas recht sprechen, für recht erklären. Adelung (II); und diejenigen, welche seinen (Heinrichs des löwen) fall erzählen, thun es meistentheils so behutsam, dasz sie denselben weder recht noch unrecht zu sprechen scheinen. J. E. Schlegel 4, 291. (einen recht sprechen, s. c.) weniger formelhaft:
so wenig achtet ihr die groszmuthsvolle pflicht,
dasz man die tugend auch an feinden löblich spricht,
und dasz man einen held noch mit bewundrung ehret,
der für sein vaterland sich gegen euch gewehret?
1, 201 (Trojan. 5, 2).
etwas übel sprechen, disapprovare qualche cosa. Kramer dict. 2, 878ᵇ: offenbar nicht eins andern heimligkeit, auff das dirs nicht ubel spreche, der es höret. spr. Sal. 25, 10.
b)
einen glücklich sprechen (gewöhnlich preisen):
dich kann mein mund nicht glücklich sprechen,
so lang des feindes auge wacht.
Schiller 11, 230.
in der ältern sprache dafür einen selig, glückselig etc. sprechen, dire, prononciare, dichiarare uno beato, fortunato. Kramer dict. 2, 878ᵇ; des ir euch ob allen frawen diser welt sälig sprechen mügt. decam. 260, 20 Keller (4, 2); so auch: im antwort und sprache wo das geschehe sy sich die seligest frawe spreche aller welte. 357, 14 (5, 7); ist sie also weysse als sy schöne ist, dez mir nicht czweyfelt ir euch den seligisten hern sprechen müget aller welte. 665, 35 (10, 10). sprichwörtlich:
sprich niemand selig für seinem end.
unglück kompt unversehens behend.
Petri Tt 1ᵃ.
jetzt gehört selig der geistlichen sprechweise an. von den sog. seligpreisungen (Matth. 5, 3—10): ich bekenne zwar, dasz viel arme durch alle species oder gestallten der mühseligkeiten dieser zeit gezogen werden, und dannoch nicht in der jenigen zahl seyn, die Christus selig spricht. Schuppius 749. in bezug auf das schicksal nach dem tode:
druͤmb werden saͤlig gsprochen dj,
so inn dem herren sterben hj.
Schwartzenberg Cic. 151ᵈ;
das verhüte gott,
dasz ich des fürchterlichen mannes spotte,
der meinen vater selig sprechen und
verdammen kann.
Schiller 5, 2, 147 (don Karlos 1, 1).
jetzt selig sprechen als technischer ausdruck in der katholischen kirche für einen officiellen act, da der papst auf grund einer untersuchung einem verstorbenen einen geringern grad der heiligkeit zuerkennt. häufiger noch einen heilig sprechen, dichiarare uno santo, canonizzare uno [per santo]. Kramer dict. 2, 878ᵇ, 'ihn feyerlich für einen heiligen erklären'. Adelung (II). ebenso gilt von einer officiellen erklärung durch priestermund der alttestamentliche ausdruck einen (aussätzigen u. ähnl.) rein, unrein sprechen, s. ebenda: wenn aber der grind weiter frisst in der haut, nach dem er vom priester besehen, und rein gesprochen ist, ... wenn denn da der priester sihet, das der grind weiter gefressen hat in der haut, sol er jn unrein urteilen. 3 Mos. 13, 7 f.; so ist er aussetzig und unrein, und der priester sol jn unrein sprechen. 44, s. ferner 34. 35. 37. 59. 14, 48. jetzt in freierem sinne: er wird freywillig wiederkehren, wenn ihn sein gewissen rein gesprochen hat. Schiller 2, 23 (räuber 1, 1 schausp.).
c)
in allen diesen geistlichen gebrauchsweisen liegt die vorstellung zu grunde, dasz einer das, was das prädicat besagt, von vorn herein ist, und dasz dieser sein charakter durch das sprechen nur allgemein bekannt und officiell gemacht wird. doch tritt dafür im allgemeinen volksbewusztsein leicht die vorstellung ein, dasz z. b. bei der heiligsprechung einer vom papst erst zum heiligen ernannt wird, es also vorher noch nicht war (vgl. Schiller 5, 2, 147 unter b), was ja insofern zutrifft, als er vorher nicht als heiliger gegenstand kirchlicher verehrung war. diese zweite auffassung ist dagegen zutreffend in juristischen redeweisen, die heute allgemein üblich sind und in denen sprechen als technischer ausdruck fest ist. in der mitte zwischen beiden bedeutungen steht einen schuldig sprechen; dazu:
er sage dem Canut: nur mein sey das verbrechen!
mich schimpft das bitten nicht, ich will mich schuldig sprechen.
J. E. Schlegel 1, 228 (Canut 1, 2).
das gegentheil heiszt in Luthers bibelübersetzung einen recht sprechen: wenn ein hadder ist zwisschen mennern, so sol man sie fur gericht bringen und sie richten, und den gerechten rechtsprechen, und den gottlosen verdamnen. 5 Mos. 25, 1; so wollestu hören im himel, und recht schaffen deinen knechten, den gottlosen zu verdamnen, ... und den gerechten recht zu sprechen. 1 kön. 8, 32; er ist nahe, der mich recht spricht, wer wil mit mir haddern? Jes. 50, 8. ungewöhnlich: denn alle diebe werden nach diesem brieve from gesprochen, und alle meineidigen werden nach diesem brieve form gesprochen. Sacharja 5, 3. später dafür: einen los (ledig) sprechen, pronunciare, dichiarare uno assolto. Kramer dict. 2, 878ᵇ; lossprechen, frey-sprechen, quitt-sprechen, assolvere, dichiarare, it. mandare assolto, libero et innocente. einen gerichtlich lossprechen. 884ᵃ; einen los sprechen, aliquem absolvere. Steinbach 2, 637; verstärkt jemanden los und ledig sprechen. Adelung (II). auch geistlich: jemand von seinen sünden lossprechen. Kramer dict. 2, 884ᵃ. ledig sprechen ist im 16. jahrh. bezeugt: der burgermeister aber, nach dem er die sachen, wie sie geschaffen, vernommen, sprach er den armen ledig. Kirchhof wendunm. 1, 331 Österley (1, 285); geistlich, mit gen.: dieser (gott) spricht uns umb Christi willen, an den wir gleuben, der sünden ledig. Gretter erkl. der ep. Pauli an die Römer (1566) 537. jetzt ist der gewöhnliche ausdruck einen frei sprechen: klagschrift und rechtfertigung sind noch vorhanden; jedes unbefangne tribunal würde sie (Egmont und Hoorn) auf eine solche vertheildigung frei gesprochen haben. Schiller 9, 20. auch hier mit näherer bestimmung:
der ort der anlasz wo ich es (das geheimnis) erfahren,
das siegel unter dem ich es erfahren,
spricht wenigstens von dieser schuld mich frei.
Schiller 5, 1, 185 (dom Karlos 3, 5).
in anderm sinne jemanden von einer pflicht frey sprechen. Adelung (II);
gebt den gesetzen neue kraft, die jeden
der ehre, wie des lebens, ledig sprechen,
der mit dem feinde, mit dem fremden sich
zu heimlichen verbindungen gesellt.
Göthe 7, 243 (Tancr. 1, 1).
freisprechen absolut ferner von der entlassung aus der knechtschaft, freilassen, (für) frei erklären: einen frey sprechen, aliquem emancipare. Steinbach 2, 637. — so auch einen mündig sprechen; übertragen:
der ausbund eines schönen katers,
den muth und alter mündig sprach.
Lichtwer 57 (fab. 2, 11).
d)
auszerhalb dieser festen verbindungen begegnet diese gebrauchsweise von sprechen in der ältern sprache zuweilen:
dann eine dame kan man mehr erzürnen nicht,
als damit, wann man sie alt, oder heszlich spricht.
Dietr. v. d. Werder Ariost 20, 116, 8;
wer sie besitzen soll, musz sie durch ihre liebe
bestimmen, und ihr herz spricht sie schon lange mein.
Nicolai verm. ged. 8, 253.
im wechsel mit einem nebensatz: daz ir euch das so gancz eygen sprechen mügt als ich mit allem dem meinen pin und daz euer sey sprechen müget. decam. 190, 35 Keller (3, 5). der präd. acc. kann auch ein subst. sein: dih alliu cascaft uueralti sprichit tru[h]tînan (fatetur dominum). Murb. hymn. 7, 4, 2; kan nu hie die einigkeit der natur und des wesens machen, das unterschiedliche personen, dennoch einerley und ein wesen gesprochen werden, so mus es freilich nicht wider die schrifft noch artikel des glaubens sein, das zwey unterschiedliche ding, einerley oder ein wesen gesprochen werden, als brot und leib. Luther 3, 486ᵃ. merkwürdig ist der präd. gen.:
man spricht dich alsô kindes (erklärt dich für so jung).
Frauenlob 266, 3.
die prädicative bestimmung durch einen inhaltssatz vertreten:
dô wart diu buoʒ (der flagellanten) gesprochen,
daʒ si niht andæhtic wære.
Ottokar reimchron. 9469.
mhd. findet sich sprechen mit doppeltem acc. auch in der bedeutung 'nennen', s. Lexer handwb. 2, 1112: ich hân iuch gesprochen mîne friunde. d. mystiker 2, 60, 29. doch ist in diesem sinne der dativ üblicher, s. 9, b.
e)
anstelle des präd. acc. findet sich die präposition für, also etwas wofür sprechen, wie wofür erklären, halten, ausgeben u. a. so mnd.: dar sprak do Tydericus, de eddel helt, Gnanalonium vor enen vorreder. Korner bei Schiller-Lübben 4, 343ᵇ. nhd. einem was vor gut sprechen, alicui aliquid laudi ducere. einem was nicht vor gut sprechen, vitio aliquid alicui vertere. Steinbach 2, 637;
schaustu nicht,
dasz dis des himmels geist
erzörnt vor übel spricht,
dasz du dich ohne lieb und welt zu seyn befleisst!
Hoffmannswaldau getr. schäfer 137 (4, 9).
auch noch in neuerer zeit: Schoppe sagte, das sprech' er für recht. J. Paul Titan 3, 138. üblicher ist wofür ansprechen: da unsere freunde dieses mineral für interessant ansprachen. Göthe 60, 154.
f)
andre, ähnlich gebildete verbindungen haben deutlich den sinn 'durch sprechen etwas bewirken'. so besonders einen zufrieden sprechen, durch reden besänftigen, solange auf ihn einsprechen, bis er sich zufrieden giebt; demulcere aliquem, animum alicujus delinire. Stieler 2099:
ich bin's von lang her
gewohnt sie zu entschuldigen, zufrieden
zu sprechen die entrüsteten gemüther.
Schiller 12, 98 (Piccol. 2, 2);
kommt Lionel, helft mir die stolzen geister
zufrieden sprechen und versöhnung stiften.
13, 229 (jungfrau v. Orl. 2, 2).
so auch:
ihr guten Deutschen! laszts nur seyn,
und sprecht den tapffern zorn zufrieden!
Günther 133;
weinend liesz sich die kleine frau ... vom ende ihrer ... herrin erzählen und wollte sich anfangs auf keine weise zufrieden sprechen lassen. Rabe leute aus dem walde 3, 169. andre adjective scheinen in dieser fügung nicht üblich zu sein (auszer in den unter c behandelten fällen und in reflexivem gebrauche, s. i); vereinzeltes bei Luther: ich wil jr gewissen hiemit nicht frey noch sicher sprechen, sie mag es wagen auff jr eigen ebenthewr. 5, 250ᵃ; er sendet sein wort, und macht sie gesund, das ist, er spricht, sey gesund, so wird man gesund, also, dz er keiner ertzney bedarff, sondern spricht sie mit seinem wort gesund. 467ᵇ.
g)
anstelle des prädicativen adj. können andre bestimmungen, besonders präpositionale ausdrücke, treten.
α)
einen wozu sprechen, ernennen, befördern: künftigen montag werde ich ihn (meinen sohn) zum gesellen sprechen und dann hat er den blauen himmel vor sich und mein gebot hinter sich. Zelter an Göthe 1, 32.
β)
einen wohin sprechen, durch sprechen treiben: ich höre meinen bruder aus einem munde reden, der mich in die klause eines eremiten sprechen konnte. Klinger 1, 49. in besonderem sinne, durch zauberspruch wohin bannen: der geist war von dem zauberer in diese flasche gebannt; wer kann mir beweisen, dasz der schmerzliche blasenstein unsers nachbars nicht der rest eines ungeschickten arztes ist, der nunmehr zur strafe die ehmals miszhandelten gänge des harns ein ungebethener pförtner hütet, so lang in diesen schimpflichen kerker gesprochen, bis die geweihte hand eines wundarztes den verwünschten prinzen erlöszt? Schiller 2, 350. von gerichtlichen urtheilssprüchen: das gericht sprach den dieb auf 2 jahre ins zuchthaus. daher auch, als indirecte folge, mit sächlichem subject: ha spizbube! in's zuchthaus spricht dich deine vermessene meynung. Schiller 3, 416 (kab. u. liebe 2, 6). ähnlich in noch freierer weise: aber wenn mich auch nicht mein noch fortdaurender husten ins haus spräche, so fehlte es mir doch gänzlich an stimmung für irgend einen geistesgenusz. briefe 5, 369. — vgl. auch: Johannes ist an den orden gesprochen, antequam natus. Luther 27, 212, 1 Weim. ausg.
γ)
unsinnlichere gebrauchsweisen bietet die ältere, besonders die nd. sprache. einen zu etwas sprechen, überreden, bewegen, verleiten: unde der vurgeschreben grebe Johan der bericht si mit suszen worten unde sprach si darzu, daz si di wapen uszdaden. Limburg. chron. 58, 26 Wysz (c. 84); wie sein obgenanter sune ein jung törrot gesell sey und das in die Waldenfelser zu den dingen gesprochen ... haben. d. städtechron. 2, 75, 15; dat se den pawes dar to spreken, dat he in dudesche lant queme. Korner bei Schiller-Lübben 4, 343ᵃ. — einen von etwas sprechen, durch reden abbringen, abwendig machen, abhalten: unde alse se de (Holländer) anlegghen (angreifen) wolden, quam de hovetman van Berghen, unde ... sprak se daraff, dat se den Hollanderen nicht en deden. Lübecker chron. 2, 88. auch in Malagis, s. Lexer handwb. 2, 1112. ähnlich einen zurück sprechen: de Holsten sint vorsammelt ... unde de wil ik myt eme worde to rugge spreken. Korner bei Schiller - Lübben 4, 343ᵃ; es waren auch etzliche fast in etzlichen pfarren und innungen, die gar grossen vleis ankereten, das sie das volck hetten mögen zurucke sprechen, uff das sie alle uffs rathaus nicht weren kommen. Spittendorff 362. auch: gewonnen auch unser manne, diener und hoffegesinde zusammen zusprechenn. urk. von 1467 bei Haltaus 1708.
δ)
einen um etwas sprechen, darum bringen, den verlust von etwas bewirken; freier, wobei die vorstellung des sprechens ganz verschwinden kann, mit sächlichem subject: schweige! aufs herz. dieser goldne reif spricht dich um das vorrecht, schwach zu seyn! Klinger 2, 18.
h)
ähnliches mit sächlichem object.
α)
etwas wozu sprechen, worin verwandeln:
umsonst, ihr herrn! kein halten mehr! ihr sprecht den lenz zum winter nicht,
und hat das eis einmal gekracht, so glaubt mir! dasz es bald auch bricht!
Freiligrath⁵ 3, 124.
als poetische kühnheit findet sich vereinzelt doppelter acc.:
'sieh diesen stein' (der Satan sprachs)
'und sprich den stein dir — brot'.
Herder 29, 481 Suphan (versuchung Jesu).
der folgenden gruppe näherstehend: dar wart dat orloch twisschen deme greven unde der stad to eneme vrede sproken. Lappenberg geschichtsquellen von Bremen s. 110.
β)
etwas wohin sprechen: das wir lernen, gott hab im anfang auch gold und silber, in klufft und geng, unnd fliessende wasser gesprochen unnd eingeschaffen. Mathesius Sarepta 5ᵇ. an 7, f anknüpfend:
was wird sie (Thalia) thun? —
... über seine blumenflur
der dürre fluch, der raupen plage sprechen?
Gotter 1 335.
γ)
so in neuerer zeit häufig auf seelisches angewendet: ich glaub auch das er der einige mittler und tröster ist, der ... allen büssern jre sünde schencket ... und mit seinem heiligen geist, trost und leben in jr betrübt hertz spricht. Mathesius Sarepta 4ᵇ; er fühlte die wahrheit seiner worte, und dasz er sich selbst dadurch einen ganz erneuten muth in das herz gesprochen habe. Fouqué ausgew. werke 8, 100 (Undine 14);
der unbeseelte thon sprach in das aug entzücken.
Zachariä bei Adelung (II);
sey mir gesegnet, stimme meines heils,
die neuen trost in meine seele spricht.
Gieseke, s. ebenda;
so kannt' ich dich! es sprach dein ton
in wenig worten viel;
dem leeren Franzen sprach er hohn,
und in mein herz gefühl.
Miller im Göttinger musenalm. 1773, 179;
o theurer mann, den ich in dieser öde
so still und glücklich fand, der manche stunde
mir frieden in das herz gesprochen.
Göthe 10, 313 (Erw. u. Elm. 2, 1).
s. auch Heine 3, 266 unter 7, m.
δ)
das, was gesprochen wird, ist object: etwas herum sprechen, eine nachricht, ein gerücht durch weitererzählen verbreiten: die nachricht von seinem unglück hatte sich blitzschnell im dorfe herum gesprochen; so etwas spricht sich im augenblick herum. sich etwas vom herzen, von der seele (los, weg, herunter) sprechen: willst du diese (botschaft) nun gleich wissen, mein holder herr und gemahl, so brauchst du nur zu gebieten, und ich spreche mir alles vom herzen los. Fouqué ausgew. werke 8, 74 (Undine 10).
i)
häufig sind reflexive wendungen in dem sinne 'sich durch sprechen in einen zustand versetzen', s. Campe (II, 3). so zunächst von der physischen wirkung der sprechthätigkeit: sich heiser sprechen. dafür:
was hilft's? wir predigen und sprechen uns
die lungen heiser.
Schiller 13, 374 (Turandot 2, 2).
noch stärker, übertreibend: sich die lunge aus dem leibe sprechen. Campe. auch: zähle ich seine titel her, so spreche ich mich ausser athem. Klinger 1, 7. sich müde sprechen, theils von körperlicher ermüdung, theils in dem sinne 'die lust am sprechen verlieren', besonders in bezug auf einen bestimmten gesprächsgegenstand: die menschen sprechen sich bald müde, der zorn eines vaters erschöpft sich. Spielhagen platt. land 3, 19. sonst von der seelischen wirkung: ich war voll seufzens, da ich anfing dir zu schreiben, mein geliebter! jetzt bin ich lauter freude. so spricht man über dir sich glücklich. Hölderlin 2, 135 Köstlin. sich in eifer, hitze, feuer, leidenschaft, wut u. a. (hinein) sprechen: sie (Liane) sprach sich ins feuer durch das gemälde (die schilderung), wie die grosze brust des greises der klage- und der sieggesang über dem aschengehäuse des fürstliehen freundes grosz bewegen werde. J. Paul Titan 2, 210. — von äuszern wirkungen, sich um etwas sprechen, vgl. g, δ: sich um den kopf sprechen 'durch freies sprechen es dahin bringen, dasz man den kopf verliert, d. h. hingerichtet wird'. Campe. mnd. auch: ore vorsprake Johan Drake de sprack sick myt behenden reden van den elven (los). d. städtechron. 16, 308, 30.
9)
daran schlieszen sich constructionen, wo die besprochene person im dativ zu sprechen tritt. sie gehören der ältern sprache (mhd. — 16. jahrh.) an.
a)
mit adverbialer bestimmung. einem wol sprechen, gutes von einem sagen, ihn loben (vgl. 5, b, α. 7, a, θ). mhd. überaus häufig:
ich hân ir sô wol gesprochen.
Walther v. d. Vogelweide 40, 19;
daʒ riht der furste junge,
daʒ man im hernâch
darumbe wol sprach.
Ottokar reimchron. 74394;
wûr me bî gûden vrûwen sî,
mit tuchten scal me wesen dâr bî
unde spreken on wol tô aller stunt.
vruwenlof 45;
so sint sumeliche, die almousen gebent, daʒ in diu werlt wol spreche. spec. eccles. 99; vil waren in der stat, die sprachen den metzlern wol und lobten die. d. städtechron. 3, 151, 19;
dan ider yr nach muͦtwiln frei erlaubt
den boͤswicht lobt, wi æs seim luͦst behagt:
aim geitzhals spricht ær wôl.
Melissus ps. (1572) D 3ᵇ (39 neudr., ps. 10, 3).
so auch:
swer nu wîben sprichet baʒ.
Parz. 114, 5;
datz dem tanze, datz dem wîn
dâ würde im michels baʒ gesprochen,
dan ob er væhte ein ganze wochen.
Teichner 290;
den wîben allen schône sprich.
Winsb. 10, 7;
diu im in heimlîche   vil dike güetlîchen sprach.
Nib. 131, 4.
dafür auch:
dâ von man im daʒ beste sprach.
Mai 86, 34.
das gegentheil ist übel sprechen:
alsô rett dô Alphart   'eʒ stüend mir übel an,
slüege ich nû zegelîchen   ein werlôsen man.
des wurd mir übel gesprochen'.
Alph. tod 245, 3;
dasz ich kein freude gehaben kan,
es enwerde dan an em gerochen,
dasz hie mer so ubbel hot gesprochen.
Alsf. passionssp. 711;
wil dir dein hals darumb abstechen,
solt mir all werlt darumb ubel sprechen.
fastn. sp. 253, 30.
vgl. auch:
daʒ ich dem herzen sô nâhen gesprochen hân.
zeitschr. f. d. alterth. 20, 348, 74.
b)
mit prädicativem subst., nennen: sprechen, hiesz daher vor diesem so viel als nennen, mit einem namen oder gewissen wort ausdrücken. Frisch 2, 306ᵇ. so mhd. sehr häufig (daneben der doppelte acc., s. 8, d zu ende), und zwar sowol von personen wie von sachen, sowol bei individualnamen wie bei gattungsbezeichnungen, vgl. J. Grimm Reinh. fuchs s. 112: drî persônen, den man sprichet heimburgen (quas heimburgen dicimus). Straszb. stadtr. (um 1270) bei Hoffmann fundgr. 1, 392ᵃ; Johannes Kotze, dem man sprichet der schæfein rittere. ebenda (urk. von 1333); der walt dem man sprichet daʒ banholz. quelle von 1275 bei Schm. 2, 697; das lît by dem tor dem man sprichet hûsztor oder müllertor. Wackernagel leseb. 1², 840, 17; also waren die neue pfenning den man sprach angster besorget. verordn. von 1362 bei Ochs gesch. von Basel 2, 397;
der burc sprichet man noch,
sô man sie nennet, Übelloch.
Reinhart fuchs 1521;
sô sprechents einem wuocher.
Walther v. d. Vogelweide 26, 18;
dem gouche sprechen wir ein gouch.
Vrid. 143, 19;
ouch gienc Îsôt, Tristandes trût,
die mit dem namen was ein brût
und noch der werke was ein maget,
als ir benachtet noch betaget
wêre der dinge ichtes icht,
dâ von man brût den briuten spricht.
Heinr. v. Freiberg Tristan 872;
des kunigs sun, dem man dô sprach
marcgrâf von Merhæren.
Ottokar reimchron. 1718;
alls ritter Peter von Brunndrut
der will das man jm ritter sprech.
Brant narrensch. 76, 21,
vgl. die anm. von Zarncke; so noch im 16. jahrh.: der herr spricht. hör dochter min, die ich hab mir selbs erwelt, die du mir sprichest vatter. Keisersberg bilg. 24ᵈ; so einer ein probst ist, und abgesetzt würt, der behalt dennocht den nammen, das man jm spricht, probst. und wenn ein ammeister schon nymme ammeister ist, dem spricht man dennocht, altammeister. post. 2, 114ᵃ; die Schwaben sprechent jm (dem dienstag) afftermontag. 3, 163; die man sprechen ietzt iren frawen meister, etwan hiessen die man meister, und müssen thuͦn was die frawen wöllen. Pauli schimpf u. ernst 95 Österley (c. 131). neben sprechen ist auch sagen in derselben verwendung üblich, s. das. 3, theil 8, 1652, und die angezogene anm. von Zarncke, und hier hat sich der gebrauch in der oberdeutschen volkssprache noch heute erhalten. die prädicative bestimmung ist wol eigentlich als voc. zu fassen (nicht acc., vgl. die stelle aus Vrid.); so besonders deutlich: hilf, Marîâ, obersteu kaiserinne, dem gesprochen ist in seim slâf: dû greiffalk! Megenberg 186, 12. ähnlich, mit der präposition zu anstatt des dativs, und in dieser form noch heute möglich: der spricht zu dem herrn, meine zuversicht, und meine burg, mein gott, auff den ich hoffe. ps. 91, 2. diese stelle liesze sich auch unter 3, d einreihen, indem man die anrede als eine directe rede faszt; und so läge es nahe, die entstehung dieser construction im ganzen von da aus zu erklären, wenn nicht gerade bei sprechen der dativ der angeredeten person wenig üblich wäre (s. 3, a. b).
c)
mhd. auch sonst zuweilen einem etewaʒ sprechen, von ihm oder über ihn sagen, zugleich so, dasz man es ihm selbst ausspricht:
vrowe, mirn ist niht ungemach
swaʒ mir her Keii sprichet.
Iwein 857;
ern ruochte waʒ er im sprach.
6183;
daʒ ich dir hie nu spriche ('das behaupte ich von dir') ûʒ mînem munde.
Frauenlob 388, 12.
mit folgender rede:
mancher gelobt jn kranckheyt vil
wie er syn leben bessern will
dem spricht man, do der siech genasz
do wart er boͤser dann er was.
Brant narrensch. 38, 91 ('auf den wendet man das sprichwort an' Zarncke).
10)
in manchen verwendungen erhält sprechen einen specielleren und prägnanteren sinn. so schon zuweilen, wo es nicht einfach eine mittheilung bezeichnet, sondern eine praktische tendenz einschlieszt.
a)
sprechen für versprechen:
dû maht mich des niht wol gewern
daʒ dû dâ gesprochen hâst.
der arme Heinr. 941;
vertraute liebe weichet nicht,
hält allzeit, was sie einmahl spricht.
Fleming 531.
b)
befehlen, anordnen: darnach schraib er ainen prieff und pat Hansen Priol, daz er in versigelti, und sprach, ez hett der burgermaister gesprochen. d. städtechron. 4, 47, 10; denn so er spricht, so geschichts, so er gebeut, so stehets da. ps. 33, 9, s. ferner Herder 11, 250 unter 3, a.ähnlich mit sächlichem subject: gleichgültig gegen alle beschwerden und gefahren, wo die menschlichkeit sprach und die ehre gebot, erwählte er (Gustav Adolph) ohne bedenken das erste. Schiller 8, 268;
ich solte billich zwar für andern mich erfreuen,
von wegen eurer zier, die heute sich vom neuen
bey uns hat eingestellt, in dem das schöne licht,
das euch den nahmen giebt (euer namenstag), euch anzubinden
spricht.
P. Fleming 63.
ähnlich ist wol auch zu verstehen:
der hypochonder sasz, und krümmte sich für schmerzen,
und die melancholie sprach selbstmord in dem herzen.
Zachariä 45 (renomm. 3, 86).
c)
so früher (im 17.—18. jahrh.) in der verbindung etwas, nichts zu sprechen haben, wo man jetzt sagen gebraucht, s. das. 1 zu ende, theil 8, 1651; ein wort sprechen dörfen: er darf ein wort sprechen, dire una parola: egli osa dire una parola; cioè hà autorità di farlo, li suoi ufficii sono validi ed efficaci. Kramer dict. 2, 878ᵇ; etwas ò ein wort zu sprechen haben, haver da dire una parola cioè autorità di decidere etc. v. sagen. nichts zu sprechen haben. ebenda; du hast nichts zusprechen, tuum nomen in hoc loco nullum est, tu nullo hic numero es. Stieler 2099; sprechen mit autorität für befehlen, imperare, praecipere. er hat da nichts zu sprechen, nulla hic est ei auctoritas. Frisch 2, 306ᵇ; 'in einigen fällen, besonders der vertraulichen sprechart wird es so wie sagen auch für befehlen gebraucht.' Adelung (1, 2, 2, d); zuvor her hatte das weib so viel zu sprechen als der mann ... nachdem sich aber Eva dieser freyheit und herrschafft gemiszbrauchet, und ihren willen zum bösen geneiget, so hat gott den weibern das mit dem manne zugleich gehabte regiment genommen. Carpzov leichpred. (1698) 99.
d)
sprechen zu einem zwecke: Eugen, der das alles bemerkt hatte, betheuerte, dasz die baronin nur zu ihrem guten gesprochen habe. Auerbach neues leben 1, 127;
sprächest du mich zu reizen etwa? und dich zu ergötzen,
wenn ich zürne, mir so vor den himmlischen schmach zu bereiten?
Göthe 40, 353 (Achill. 1).
mhd. darzuo sprechen antreiben:
der meide muoter Hilde   diu sprach wol dar zuo.
Kudr. 691, 1 Martin.
e)
mhd. nâch etewaʒ sprechen, danach verlangen, es fordern:
und verdûht in sêre, daʒ Tristan
sô vaste nâch dem kampfe sprach.
Trist. 6227;
wie sêre und wie genôte
er spræche nâch Îsôte.
9578;
nâch sînem harnasch er sprach.
Parz. 196, 20 (vgl. die anm. von Martin);
swer dâ nâch werder minne sprach.
641, 6;
guot wîp man nie gezürnen sach,
ob wert man nâch ir helfe sprach.
766, 10;
dô ich nâch mînem gelte sprach.
pf. Amis 2443.
in ähnlichem sinne wird um gebraucht:
darna de kran sprak üm sin lon.
Gerhard v. Minden 8, 13 Leitzmann.
nhd. um sein leben sprechen, um es zu retten, da es um das leben geht:
einer, der um sein leben spricht,
hat gewalt.
Göthe 13, 100 (Satyros 5).
11)
daran schlieszen sich gebrauchsweisen und mehr oder weniger feste wendungen, die der rechtssprache angehören und sich zumeist in der ältern sprache finden.
a)
am gewöhnlichsten sprechen vom richter, den urtheilsspruch aussprechen, vgl. unten spruch, also gleichbedeutend mit das urtheil sprechen (s. 7, g): decernieren, urtheilen, sprechen, urtheil fellen, decernere, iudicare, ferre sententiam. Henisch 666, 59; sprechen, urtheil fällen, prononcer sentence. Hulsius 304ᵃ; sprechen als urtheil, sententiam pronunciare, vor gericht. Frisch 2, 306ᵇ. mundartlich in der Schweiz: 's g'richt het g'sproche. Hunziker 248, vgl. Seiler 275ᵇ. sprichwörtlich: übel gesprochen ist wohl appelliert. Simrock 394, 'denn ungerechter spruch rechtfertigt und unterstützt den gebrauch der berufung gegen denselben'. Wander 4, 738, 48. von der thätigkeit des richters im ganzen:
ihr habt zulängst hier auf dem stuhl gesprochen.
Kleist 1, 384 Schmidt (zerbr. krug 9).
b)
mit näheren bestimmungen.
α)
man sagt sprechen in einer sache, sententiam ferre. Frisch 2, 306ᵇ, vgl. Adelung (II): sprich du in meiner sache, und schaw auffs recht. ps. 17, 2; könig Ludwig war geordnet das er in dem zanck unnd zwispalt sprechen solt und schiedman sein. Hedio Comines 48ᵇ.
β)
über eine sache:
was der und der verübt, da muszt du drüber sprechen
und hast mit nichts zu thun als sünden und gebrechen.
Dan. v. Czepko in Wagners archiv 1, 202.
mit angabe des inhalts der erkenntnis:
diu lobesam und rîch herzoginne
über die sach alle sprach,
daʒ für die minnejâch (versprechen der versöhnung),
die der grâve het getân
dem herzogen und sînen man,
sold in der herzoge drât
behûsen hinz der Niwenstat.
Ottokar reimchron. 63078.
um etwas sprechen, de aliqua re sententiam ferre: wer aber, das sich der rat umb unfugen zweite, so sol der meister darumb sprechen als das harkomen ist, und welhem teil der volget, das sol daby bleben one intrag. Straszburger statuten bei Scherz-Oberlin 1542; noch waisz niemant, wie es schlecht wirt, der pfaltzgraff hat noch nit darumb gesprochen. d. städtechron. 5, 234, 11; dieselben sach alle die sind gesetzt auf unsern herrn den cardinal und bischoff zu Augspurg, was der darumb spricht, darbei soll es beleiben und stett sein. 290, 7. — in anderm sinne, von der strafbefugnis eines gerichts: mich sendet die hohe obrigkeit, die über leben und tod spricht. Schiller 2, 100 (räuber 2, 3 schausp.).
γ)
über einen sprechen:
nicht zweifl' ich dran, es sitzen neben euch
noch edle männer unter meinen richtern.
doch sie sind protestanten, eiferer
für Englands wohl, und sprechen über mich,
die königin von Schottland, die papistin!
Schiller 12, 433 (M. Stuart 1, 7)
allgemeiner, mit unpersönlichem subject:
da sah man millionen ketten fallen,
und über sklaven sprach jetzt menschenrecht.
6, 276 (künstler 376).
in bezug auf zwei parteien auch: 'er wünscht daher .., du möchtest kraft deiner groszen erleuchtung und weisheit sprechen zwischen dem mann aus Balsora und ihm.' 'ich will richten', erwiderte der kalif. Hauff 2, 715 Reclam.
δ)
nach einem recht, gesetzbuch sprechen: und wo eine sache fur sie kompt, sollen sie stehen und richten, und nach meinen rechten sprechen. Hesek. 44, 24. freiere wendungen:
umsonst,
dasz wir, die richter, nach gewissen sprachen!
Schiller 12, 442 (M. Stuart 1, 8);
wer wagt ein herrschendes zu läugnen, das
sich vorbehält, den ausgang unsrer thaten
nach seinem einz'gen willen zu bestimmen?
doch wer hat sich zu seinem hohen rath
gesellen dürfen? wer gesetz und regel,
wornach es ordnend spricht, erkennen mögen?
Göthe 9. 287 (nat. tochter 2, 1).
c)
die entscheidung, der inhalt der sentenz wird angegeben
α)
durch einen inhaltssatz mit dasz: wie wir daz sprechen oder ervinden, daz si an bayden taylen da bey beleiben sulln. nu sprechen wir bey dem ersten, daz die stat gemainlich zuͤ Auspurg ... und Jacob der Pütreich ... guͤt frewͤnd sein sullen. d. städtechron, 4, 181, 11 f., s. auch Ottokar unter b, β.
β)
durch den acc., zunächst durch das neutr. eines pron. u. ähnl.: darumb sullen sie die partheien mit irem rechtlichen spruch entscheiden; und waz do gesprochen wirt, sol von beiden teilen aufgenomen und gehalten werden getreulich. d. städtechron. 2, 237, 3; und waz nach beider teil fürbringen und verhorung zu recht gesprochen wirdet, sol von beiden teilen aufgenomen und dem nachgangen werden. 10; also hat sich der pfaltzgraff zwischen hertzog Ludwigs und der von Augspurg angenommen und von baiden tailen von hand genommen: was er darumb spräche das solt stett sein. 5, 234, 6; mit sächlichem subject:
was die gerechtigkeit gesprochen, furchtlos,
vor aller welt wird es die macht vollziehn.
Schiller 12, 410 (M. Stuart 1, 2).
γ)
als bestimmtes object steht die vom gericht einem verurtheilten zuerkannte strafe: eine buͦsz sprechen, eine straaff auflegen, multam dicere. Maaler 381ᵈ; 's g'richt het em só und só fil g'sproche. Hunziker 248;
sprich dem Nazaräer den tod!
Klopstock Mess. 4, 296.
δ)
doch auch etwas, was einem als besitz, entschädigung u. ähnl. zugesprochen wird (z. b. im civilprocesz): dagegen dem pischoff dritt halb tausent gulden gesprochen. d. städtechron. 15, 47, 20. ferner, was die entscheidung eines herrschers einem als eigenthum, amt u. s. w. zuweist, besonders von der bestimmung gottes: betet an vor dem, der euch dis erhabene loos gesprochen, ... der euch gewürdiget hat, die schröckliche engel seines finstern gerichtes zu seyn! Schiller 2, 171 (räuber 4, 5 schausp.);
daʒ ist diu zît, die got dir hât gesprochen.
Wartburgkr. 35, 3.
d)
daneben gilt sprechen in der ältern sprache von allen möglichen andern arten gerichtlicher oder öffentlicher rede. so als kläger sprechen; sprichwörtlich: judicat deus, quum nemo accusat, gott richt, wann niemand spricht. Dentzler 1, 364ᵃ; der zorn gottes ist langsam zur raach, aber er ersetzt die langsamkeit mit der schwäre der straff: gott richt, da niemand spricht. 390ᵃ. vom ratgeber eines herren (?):
gy scholt vor my spreken unde dagen.
Reinke de vos 6688.
gewöhnlich begegnen in diesem sinne ausdrucksweisen mit präpositionen.
e)
für anklage oder anschuldigung finden sich folgende wendungen.
α)
auf einen sprechen, mit zusatz kamplike, unter herausforderung zum kampfe: do clageden de vorsten alle over den hertogen Heinrike, unde de marcgreve Dideric van Landesberch sprac up ene kamplike dur dat de Wenede hadden gebrant de marke to Lusiz mit des hertogen rade. deutsche chron. 2, 230, 18. der grund der klage dazu im gen.: dat concilium wart grot; de keiser ne quam dar nicht unde sande dar sine boden, de ... untsculdegeden ene des de paves up ene sprac. 255, 32. hd. gewöhnlich im acc.: daʒ der leide vient icht uf uns zu sprechene habe und uns mit ichte geruͦgen muͦge. Schönbach pred. 1, 239, 28;
ob sî niht grôʒ herzeleit
ûf in ze sprechenne hât.
Iwein 5479;
swaʒ der Salzpurger bischolf
ûf den herzogen Heinrich
het ze sprechen vor dem rîch
unde er ûf in hinwider,
daʒ wart alsô verrihtet sider.
Ottokar reimchron. 23993.
dafür (?):
der kunic undienstes wenken (das vergehen der undienstbarkeit)
sprach hinz des rîches schenken
und hinz der Beier herzogen.
13050.
β)
einen an sprechen: do wurden die Pharisei ... des in ein wie sie unsern herren got hie mit gevingen, wane als daʒ sie taten, daʒ was niht wan daʒ sie in mit ettelichen dingen mochte an sprechen. Schönbach pred. 1, 383, 39; mit näherer bestimmung (vgl. α; umschreibung der dort mitgetheilten stelle):
und dher marchreve Thyderich
von Landesberch harte khemphlich
sprach in mit worten an.
Braunschw. reimchr. 3088.
einfaches spreken in der unter 8, e angeführten stelle aus Korner.
γ)
redeweisen mit der präposition an im mhd.-mnd. einem an die êre sprechen, etwas, was ihm an die ehre geht, seine ehre antasten:
im (Keii) was des mannes êre leit,
unde beruoft in drumbe sêre
unde sprach im an sîn êre.
Iwein 112;
ir sprechet alze sêre
frumen knaben an ir êre.
Helmbr. 1273.
auch einem in seine ehr und gut gerücht sprechen ... famam alicujus verbis lœdere, atterere. Frisch 2, 306ᵇ. so noch neund. enem andern an oder in sine ere spreken 'ehrenrührige reden gegen einen andern ausstossen'. brem. wb. 4, 965. einem an die treue sprechen, incusare aliquem de fide violata. Haltaus 1708; vgl. Germ. 4, 216:
swaʒ iu nû mê von mir geschiht,
dar umbe dürfet ir mir niht
an mîne triuwe sprechen,
diech nimmer wil zerbrechen.
Erec 4374;
eʒ lûtet übele, swer dem man
an sîne triuwe sprichet.
ir aller keiner brichet
weder triuwe noch eit.
Trist. 6365.
so auch: wer auch also gefordert würd, unnd nicht kem, hiet ihn das nicht ehehafft not gesaumpt, ... so söllen und mögen wir ... ihm wol an sein aid und insigel sprechen, das er das nicht gehalten hat. urk. von 1416 bei Haltaus 1708.
δ)
in anderm sinne einem an den lîp sprechen, so dasz es ihm an das leben geht, auf tod und leben anklagen:
der künic begonde selbe clagen
unde sprach in an den lîp.
Heinr. v. Freiberg Trist. 3139.
in demselben sinne: deme borgen ne mach men darumme an den hals nicht spreken, off he rades unde dades unschüldig is. quelle bei Haltaus 1708.
f)
der anklage entspricht beim civilprocesz der anspruch, die rechtliche forderung. auch in diesem sinne ist sprechen in der ältern sprache häufig. beide verwendungen lassen eine ganz scharfe scheidung nicht zu. (in der neuern sprache nicht mehr gebräuchlich.)
α)
an etwas sprechen, darauf anspruch machen: willet se na des vader dode oder na der muder dode an ir erve deil spreken. Sachsensp. 1, 13, § 1; da zwene sprechent an ein gut. (überschr.) ob zwene man sprechent uf eines mannes gut nach sinem tode, der rihter sol daz gut in sine gewalt nemen âne ir schaden, und si suln dar umbe vor im rehten. Schwabensp. 224;
an Gahmuretes lîp si sprach.
Parz. 94, 3.
so jetzt noch etwas ansprechen (gewöhnlicher in anspruch nehmen, beanspruchen); schon mhd., in freierer weise:
die du ze freunden sprichest an (var.: wænest hân).
Heinr. v. Neustadt Apollon. 15331.
β)
ebenso üblich auf etwas sprechen: of sie tvene up en gut spreken na deme drittegesten (30. tage), jene de't under ime hevet, die ne sal't ir neneme antwerden, sie ne verenen sik mit minnen, oder ir en ne wise den anderen af vor gerichte mit rechte. Sachsensp. 3, 15, § 1;
ûf rœmisch krône spriche ich sus.
Willeh. 338, 25;
wie eʒ umme Revele was komen,
daʒ konic Waldemâr dar ûf sprach.
livländ. reimchron. 2041.
mit hinzugefügtem acc.:
ouch sprach der selbe wîgant
erbeschaft ze Bertâne ûfeʒ lant.
Parz. 145, 14.
in (vgl.δ): dor nach tedt heron (der papst könig Ludw. v. Baiern) zu banne dorumbe das her yn etzliche landt unde stete sprach, die her meynete sie gehorten zu dem reiche. Bothe düring. chron. 633.
γ)
sprechen zu einem, eine rechtliche forderung an ihn haben, gegen ihn erheben (auch, ihn verklagen): seit dasz nyemant da wer, der hintz in und hintz seinen guettern zesprechen hiet, was nu recht were. urk. von 1373 bei Haltaus 1708; und wolten im vor etlichen fürsten, mit den der marggrave verbunten was, unverzogenlich rechtens gewesen sein ümb waz sach er zu in het ze sprechen gehabt. d. städtechron. 2, 126, 19; des wolten die von Nürmberg nit thon, wann sie warn im nichtz schuldig, und puten im aber fölliglich recht, wes er zu in zu sprechen het. 199, 12; hett dann der Aunsorg zuͦ dem Püttrich ichtz zuͦ sprechen, daz möcht er tuͦn als dann recht wär. 4, 100, 7; und ob er zu gemeiner stat oder zu dehainem purger besunder ainem oder mer ichtes zu sprechen hett oder gewünne, das er als darumb recht nemen und vordern sülle vor des reychs vogt. 5, 100, anm. 1; umb alle ander ansprach, vorderung und muetung von baiden tailen, was der bischof und sein pfaffhait gen den von Augspurg zu sprechen hetten und was die von Augspurg zu dem bischoff und seiner pfaffhait zu sprechen hetten, des was sicher vil. 213, 9—12; wer zu mir zu sprechen hett ..., dasz die vor ratte offenlich klagten. 299, 1; hette er aber dar über ichtes hintz uns zuͦsprechen, darumb wölten wir im gern recht halten an den stetten, da wir daz pillichen tuͦn söllten. 341, 19; daz er ... sich vertzeich aller vordrung, ... auch was er sunst zu unns vermaint zu sprechen ze haben. urk. Max. s. 77 (nr. 81, 30. juli 1495); zum ersten haben wür oder unser richter an unser statt zwischen den unsern alles das ze richten und zu handlen, das sie zu einander ze sprëchen haben, es betrëffe der unterthannen persohnen oder güeter an. Salzb. taid. 5, 3; item wo ain gotzhausman zu dem andern zu sprechen hat und kommen mit clag und antwort für mein gn. herrn. 50, 33; welicheu redlicheu noturft oder voderung daz si hinz im ze sprechen hieten. 340, 38;
wand eʒ gestuont unlanc darnâch,
daʒ herzog Fridrih sprach
nâch Wehseneck hinz dem von Ort
und umb alleʒ, daʒ darzuo gehôrt,
und behabte im daʒ an.
Ottokar reimchron. 27019.
unbestimmter ausgedrückt:
mir biutet kampf ein man,
des ich neheine künde hân:
ine hân och niht ze sprechen dar.
Parz. 324, 5, vgl. 608, 24.
für zu einem sprechen auch einem zusprechen: und der purkgraff Fridreich tratt fur di kurfursten mit unsern purgern hi von der stat und sprach der stat hi zu: si heten im sein purk umb mawrt. d. städtechron. 1, 27, 3; do teidingten gemayn stet etlich stück zwischen dem von Wirtenberg und den von Rewtlingen, daz die von Rewtlingen niht stet wolten halten, waz man in darumb zu sprach oder si mant. 163, 8; darnach sol er uns geben einen brief von der juden schulde wegen, als man fürsten, herren und stete irr schulde ledig gesagt hat, daz uns fürbaz darumb nyemant zuspreche, und daz wir der nicht schuldig sein ze gelten. 195, 25. ungewöhnlich ist die construction: und ob ymand were, der wider di selben von Nüremberch zu ir leib oder gut sprechen wollet, dem sult ir richten wider sye unverzogenlichen. 3, 330, 4.
δ)
vgl. noch: einem in etwas sprechen, expostulare cum aliquo de aliqua re: in das lehen sollen wir jne (senatui) noch nymanst von unser wegen nicht reden noch sprechen mit geystlichen rechten noch werntlichen. urk. von 1398 bei Haltaus 1708.
g)
vom vertheidiger, anwalt, fürsprecher.
α)
für einem sprechen, parlare etc. per uno, cioè portarlo, difenderlo, passare buoni ufficii per uno; portare le di lui diffese. v. vertheidigen. annehmen. Kramer dict. 2, 878ᵇ; für einen sprechen, verba facere pro aliquo, causam alicujus gerere. Frisch 2, 306ᵇ. so auch jemandes sache führen, als vertreter: kommt sie sonsten zu unfall und wird geschimpfet, so mus ihr mann, als ihr herr, billig vor sie sprechen unnd nach müglichkeit, den ihr angethanen schimpf rechen. Reinike fuchs (Rostock 1652) 233. oft in freierem sinne, für jemanden sprechen, zu seinem besten reden. Adelung (1, 2, 2, b), vgl. unten 15, g.
β)
dafür auch: einem das wort sprechen, dire la parola ad uno cioè, difenderlo, sostentar le sue ragioni; essergli patrono, auvocato, intercessore etc. Kramer dict. 2, 878ᵇ, vgl. Adelung (1, 2, 2, b). bei Campe als 'ungut' bezeichnet, doch auch heute in freierem, nichtofficiellen gebrauche noch durchaus üblich: ich will ihm, seinem leichtsinn nicht das wort sprechen; aber, dasz er in diesem falle seltenen muth bewiesen hat, musz ich anerkennen. in der ältern sprache mit gen.: den ('vorsprechern') sall im der richter gebenn unnd her soll durch recht der stadt oder des burgers wort sprechenn vor gerichte. Behrend Magdeb. fragen s. 227.
h)
in der ältern sprache (15.—16. jahrh.) kann für einen, etwas sprechen auch bedeuten 'dafür bürgen, bürgschaft leisten': für einen sprechen, fidejubere pro aliquo: ich Hans Stange burger zu Str. erkenne mich mit urkunde dis briefes, das ich gesprochen habe dem erbern H. Ad. Ryffen alter ammeister der stat zu Str. für H. von Rynowe ein underkoiffer des kremer hantwerckes. (Straszburger) urk. von 1433 bei Scherz - Oberlin 1542; für eine schuld sprechen, fidejubere pro debito aliquo: als er die Reinhart Frien von St. und Obreht Harst geliehen, und im aber derselbe H. Steffan dofür gesprochen habe. p. p. er loükne nit, er habe dafür gesprochen. Straszburger ratsbeschl. von 1429, s. ebenda; daz derselbe D. zu zyten ime für etlich gelt gesprochen hat für einen erbern man. ebenda (vom j. 1425); wir sprechen in auch fure keynen schaden, waz in geschehen möcht, ... waz in gsche, darumb schult wir in gar nicht schuldig sein. d. städtechron. 2, 88, 34; da hat man im selber getrawt, wann er gar lang in fencknusz lag und nymant für in sprechen wolt. 499, 10. — später sagt man dafür gutsprechen: für jemand gut sprechen, rispondere, esser cautione, entrar mallevadore per uno. v. bürg. Kramer dict. 2, 878ᵇ; gutsprechen (gut-seyn). ... für einen gutsprechen: ich will für ihn gut sprechen. ... für etwas gutsprechen: ich will nicht dafür gutsprechen. 883ᶜ; der alte ... gab darauff seinen dienern befelh, mich in ein wirthshaus zuführen und dem wirth gutzusprechen vor alles, was ich dieselbe nacht über verzehren würde. Simpl. 2, 199, 12 Kurz (6, 15). jetzt ist auch das auszer gebrauch gekommen, dafür gut sagen (oder gut sein, gut stehen u. a.).
i)
andre ausdrücke gehen mehr auf beratende verhandlungen.
α)
verschiedene präpositionen (an, ûf, nâch, umbe) finden sich mhd. in dem sinne 'einen antrag stellen, worauf antragen, etwas vorschlagen, verlangen':
dô der künec Artûs ersach
daʒʒ niemen an die suone sprach.
Iwein 6930;
er lieʒ si sprechen nâch dem vride.
Willeh. 325, 20;
dô sprâchen sie umme einen vride.
livl. reimchron. 177, vgl. 2156;
um ein capitel er dô sprach.
8606.
(vom richter:)
swelch rihter rât und vürspreche ist, ...
wil der niht rehte rihten, ...
noch sprechen ûf ein slihten.
minnes. 2, 389ᵇ Hagen.
β)
für, gegen etwas sprechen, einen antrag unterstützen oder bekämpfen; sehr gewöhnlich. dafür mit kühner und ungewöhnlicher verschiebung:
so halte man's noch, und alle die sache,
wie man sie für und wider gesprochen, sie werde getreulich
solcherweise geführt und gerichtet.
Göthe 40, 185 (Reineke fuchs 10).
mit unpersönlichem subject, s. 15, g.
γ)
wider etwas sprechen sonst in verschiedenem sinne; gegen etwas protestieren, sich wehren:
ik (der tod) wil ju up de erden nedderstrecken ...
hîr en mach nemant wedder spreken.
des dodes danz 1609 Bäthcke;
andrer meinung sein, anders verfahren:
also wel ich mich seczen nidder;
min tochter sprichet nit da widder:
sie seczt sich auch al her bi mich.
Alsf. passionssp. 913.
k)
endlich sind transitive ausdrucksweisen zu behandeln, in denen sprechen 'etwas bestimmen, festsetzen' bedeutet. sie finden sich nur mhd.-mnd. so einen hof, tac sprechen, als anordnung des herrn:
einen hof sir landes hêrren sprach.
Parz. 824, 22;
mit angabe des ortes, wo die versammlung stattfinden soll; wohin berufen:
in diz lant hât er gesprochen
einen angeslîchen tac.
Walther v. d. Vogelweide 16, 8;
von denen, die zusammenkommen, verabreden:
dô wart ein tac gesprochen
für den kunic hinze Prâge.
Ottokar reimchron. 10029;
si ... kômen dar gesprochen was
zwischen in hinz Trebensê
ein tac.
1368.
mit zeitangabe, anberaumen:
nâch der fursten râte
wart der ander hof gesprochen
über zwelf wochen.
12907.
eine vart sprechen:
gesprochen von den herren wart
ein lobeliche mervart.
Elis. 4117;
dô diu zît was versliʒʒen.
ûf die gesprochen was diu vart.
Ottokar reimchron. 2827;
unz an die zît, ûf die was gesprochen
sîn hervart gegen Ungarn.
29773.
einen kampf:
sus wart der kamph gesprochen
über sehs wochen
und wart diu stat dar zuo benant.
3923.
einen vride sprechen, verabreden, schlieszen; so auch mnd.: langhe Heyne unde de andern voͤrlude van Honkesbutle de spreken mid dissen sulven roͤveren eynen vrede. d. städtechron. 6, 53, 24; so dat eyn frede gesproken wart, dat eyn part deme anderen lovede. 16, 455, 3. ungewöhnlich von der einen seite allein gesagt, ihn gewähren:
Gotfrit den heyden fride sprach,
als si des baten.
Ludw. kreuzf. 37.
12)
sprechen wird ferner von dem vortrage von dichtungen gesagt. es bezeichnet dann ein deutliches, abgemessenes und sinngemäszes hersagen, recitieren und hat fast technischen charakter.
a)
sprüche sprechen, dire sentenze. verse, reimen sprechen, dire versi, rime. Kramer dict. 2, 878ᵃ; 'im oberdeutschen sagt man auch reime sprechen, sprüche sprechen, reime oder gelernte sprüche mit deutlicher stimme hersagen.' Adelung (II). so in oberd. mundarten, schweiz. in der kirche einen spruch, ein lied aufsagen. Stalder 2, 386; in südlichen sprachinseln, wie in Foza (cimbr.) und umgegend sogar für beten. cimbr. wb. 235ᵃ. Schröer nachtr. 290ᵇ. — doch ist verse sprechen u. ähnl. allgemein üblich: zum schlusz sprach der redner ein gedicht von Göthe; beym sprechen der verse und beym singen entsteht eine für die production unbequeme collision der zunge mit dem freyen gebrauche der luft. Zelter an Göthe 1, 93. — so im mittelalter als kunstwort von den vorträgen der spielleute, besonders bei und nach tisch (vgl. Wackernagel gesch. d. d. litt.² 1, 131, anm. 20):
ich was ein hövescher spileman
und kunde genuoge
hövescheit unde fuoge:
sprechen unde swîgen.
Trist. 7567;
varndes mannes swîgen,
dem sprechen gezæme,
daʒ was dâ ungenæme.
Flore 7611;
mit sprechen und mit prugels weis
han ich verdient herberg und speis.
fastn. sp. 560, 20.
b)
wie die ausdrücke für den vortrag und die abfassung von dichtungen meistens nicht geschieden werden, so gilt mhd. sprechen auch von der thätigkeit des dichters:
ze machen nem diz mære ein man,
der âventiure prüeven kan
und rîme künne sprechen.
Parz. 337, 25;
ich spræche iu d'âventiure vort.
115, 24.
s. auch Barl. 4, 11 unter 5, a. mit tihten zusammengestellt: do hatte der vorgenante lantgrave Herman (von Thüringen) zu hofegesinde in sinem pallacio sechs ersame wol geborne di da sprechins unde tichtins uff meisterschaft wol ervarn warn. Ködiz 9, 13;
tichten, sprechen und gesangk.
Mondsee-Wiener handschr. 85, 43.
so auch in den namensnennungen, unterschriften u. s. w. der dichter, vgl. unter 6, f und sp. 1087:
also sprich ich der Büheler
wie es der edelen kunigin gieng.
königst. v. Frankr. 1236.
als dichterischer ausdruck zuweilen noch nhd.:
des todten haupt im arme,
spräch' ich mein klagelied.
Uhland ged. (1864) 39 (Tells tod).
c)
sprechen bezeichnet in diesen gebrauchsweisen eine gehobene, feierlichere und ausdrucksvollere art des gewöhnlichen sprechens und unterscheidet sich vom singen, dem rhythmisch geregelten gesangsvortrag nach einer bestimmten melodie. so werden beide neben einander genannt:
waʒ sol lieblich sprechen? waʒ sol singen?
Walther v. d. Vogelweide 112, 10;
man siht der meister wênic leben,
die singen oder sprechen wol.
troj. krieg 7;
noch was da maniger leige diet.
die sprachen, dise sungen liet.
Elis. 188;
du salst vertyen van allen dingen,
de men van gode plecht to singen,
spreken, denken edder lesen!
Theoph. 670.
der gegensatz fällt theilweise zusammen mit dem der epischen und der lyrischen dichtung:
ich kunde wîben sprechen baʒ
denne als ich sanc gein einer maʒ.
Parz. 337, 5,
theils mit dem von spruch und liet innerhalb der lyrik. so in dem epitaphium Fridanci:
hye leit Freydanck ...
der alweg sprach und nie sanck,
s. W. Grimm kl. schr. 4, 1 ff. (s. 2 und 7 wird der unterschied zwischen sprechen und singen für das 13. jahrh. geleugnet). — für sprechen kann auch sagen eintreten. doch wird singen und sagen sehr gewöhnlich ohne unterscheidung als einheitliche formel für das verfassen oder vortragen von dichtungen gebraucht, s.sagen 9, theil 8, 1659, und singen 7, sp. 1084 ff. in dieser formel tritt niemals sprechen für sagen ein; doch kann sie gelegentlich durch sprechen erweitert werden; so in freierem gebrauche: als du wol sichest wenn wir (frauen) alte sein das weder unsere manne noch ander mere weder sechen noch hörenn wöllen uns stäcz in die küchen iagen das feüer zuͦ schürn märe und pater noster mit den kaczen ze sagen die alten heffen und schüsseln zuͦ zelen, auch noch vil mere und erger sy von uns singen sagen und sprechen. decam. 372, 19 Keller (5, 10). — nhd. zusammengestellt:
sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm.
Göthe 1, 185 (der fischer).
anders ist es zu verstehen, wenn in Luthers bibelübersetzung sprechen nach singen steht als allgemeine einführungsformel für den wortlaut einer rede, s. 6, e.
13)
wenn in den letzten gruppen (10—12) die bedeutung von sprechen in gewisser weise specialisiert, eingeschränkt erscheint, so wird sie in andern fällen über die gewöhnliche sphäre hinaus erweitert. am wenigsten weichen die gebrauchsweisen ab, wo der mensch subject bleibt.
a)
durch jemandes mund, durch jemand sprechen, wenn man sich eines boten oder gesandten bedient, um eine mittheilung an abwesende gelangen zu lassen:
Johanna (zum herold).
wer sendet dich und spricht durch deinen mund?
herold. der Britten feldherr, graf von Sal'sbury.
Johanna. herold du lügst! der lord spricht nicht durch dich.
nur die lebend'gen sprechen, nicht die todten.
Schiller 13, 223 (jungfrau v. Orl. 1, 11).
so auch von gott (vgl. b):
das sprichet got durch sinen (des Jerem.) mont.
Alsf. passionssp. 4646.
dafür:
und alle Moises gebott,
die gott usz sim monde sprach.
3592.
hieran schlieszen sich die unter 14, a behandelten redeweisen.das gegenstück dazu ist in jemandes namen sprechen, da man in dem, was man spricht, die meinung eines andern ausdrückt, so als ob dieser selbst spräche: ich spreche hier im namen meines auftraggebers; ich glaube im namen aller anwesenden zu sprechen, wenn ich dem redner für seinen lehrreichen vortrag unsern wärmsten dank ausspreche. so auch:
die wahrheit drang sich hitzig durch und sprach darauf in aller nahmen.
Günther bei Steinbach 2, 638.
b)
ähnlich sind auch fälle, wo in der bibelübersetzung ein prophet eine rede mit so spricht der herr einführt, z. b.: so spricht der herr, soltestu mir ein haus bawen? 2 Sam. 7, 5; denn also spricht der herr herr, es sol nicht bestehen noch also gehen. Jes. 7, 7. dafür spricht der herr als schluszformel, s. 6, f. denn hier ist die meinung nicht, dasz eine frühere rede gottes berichtet werden soll, sondern die folgende (bezw. voranstehende) rede soll als von gott kommend verstanden werden. ähnlich von einer königlichen botschaft: so spricht Cores der könig in Persen. 2 chr. 36, 23.
c)
der mittheilung durch boten steht die schriftliche mittheilung nahe, vgl. auch 12, b. namentlich wird bei der anführung von schriftwerken ohne unterschied sprechen und schreiben gebraucht: Göthe spricht (redet, schreibt, handelt u. s. w.) von den vorgängen bei der kaiserkrönung im 5. buche von 'wahrheit und dichtung'. so in der bibelübersetzung: da ist erfüllet das gesagt ist von dem propheten Jeremia, der da spricht. Matth. 2, 17; darumb spricht er auch am andern ort, du wirst es nicht zugeben, das dein heiliger die verwesung sehe. apostelgesch. 13, 35.
d)
in allen diesen fällen geschah die mittheilung durch das mittel des wortes. es giebt aber andre mittel, wie zeichen, geberden, blicke u. s. w., um andern kenntnis von seinen gedanken zu geben, und auch dafür wird zuweilen in freier übertragung sprechen gebraucht, s. Schiller 5, 2, 214 unter 1, e und vgl.sprache 9, a. so auch: sie (die götter) sprachen zu ihm (dem Deutschen) durch zeichen, welche sie sendeten, durch donnerschlag, hagel und fallende sterne, durch gesang und flug der vögel, welche ihnen heilig waren, durch das wiehern der rosse und den angang der thiere im felde. Freytag bilder 1, 192; er lauschte in der fremde ängstlich auf die mahnung seiner heiligen, wie sie durch den donnerschlag, den fallenden stern, den raben, der in der haide vor ihm herflog, zu ihm sprachen. 212. (mit füszen, händen sprechen von eigentlichem sprechen, s. Dan. v. Soest unter 2, c.)
e)
nicht eigentliches sprechen ist es auch, das sich an leblose oder des verständnisses für menschliche sprache beraubte wesen richtet. so kann man wol zu einem hunde sprechen, nicht aber zu einer pflanze. nur in der dichtung ist das möglich, die ja auch allen möglichen dingen sprachfähigkeit beilegt (s. 14):
sprichst du zum vogel: 'komm in mein haus!'
wird er dir sagen: 'ich musz hinaus ...'
sprichst du zur blume: 'lasz ab vom licht!'
wird sie dir sagen: 'das kann ich nicht! ...'
sprichst du zum herzen: 'sei kalt wie eis!'
wird es dir sagen: 'um keinen preis ...'
Böhme volksthüml. lieder nr. 282.
eine dichterische vorstellung, die leblosen dingen beseelung giebt, liegt auch im folgenden zu grunde: und er stund auff, und bedrawete den wind, und sprach zu dem meer, schweig und verstumme. Marc. 4, 39; bistu gottes son, so sprich zu dem stein, das er brot werde. Luc. 4, 3; darumb weissage von dem land Israel, und sprich zu den bergen und hügeln, zu den bechen und thalen, so spricht der herr. Hes. 36, 6; nur hypothetisch: weh dem, der zum holtz spricht, wach auff, und zum stummen steine, stehe auff. Hab. 2, 19. andres ist ganz uneigentlich gemeint: ich sprach zum lachen, du bist toll, und zur freude, was machstu? pred. 2, 2;
glücklich macht die gattin nicht,
die sich selbst nur liebet,
ewig mit dem spiegel spricht,
sich in blicken übet.
Schiller 4, 9.
vgl. auch Günther 133 unter 8, f und: darnach aber was nicht den füssen zusprechen (fliehen) mag, wirdt entweder erstochen oder gefangen. Kirchhof milit. discipl. 161.
f)
zuweilen steht auch sprechen, wo von einer mittheilung der gedanken gar keine rede ist, also gleichbedeutend mit denken, meinen u. ä., doch finden sich solche fälle nur in der bibelübersetzung. das entspricht dem character einer naiveren zeit, die laut zu denken liebt und den gedanken weniger vom sprachlichen ausdruck sondert. zu vergleichen ist der häufige gebrauch von φημί in demselben sinne bei Homer. des abends sprecht jr (λέγετε), es wird ein schöner tag werden, denn der himel ist rot, und des morgens sprecht jr, es wird heute ungewitter sein, denn der himel ist rot und trübe. Matth. 16, 2 f.; denn sie sprach (ἔλεγεν γάρ), wenn ich nur sein kleid möcht anrüren, so würde ich gesund. Marc. 5, 28. mit denken, meinen zusammengestellt: das auge des ehebrechers hat acht auff das tunckel, und spricht, mich sihet kein auge, und meinet er sey verborgen. Hiob 24, 15; da dachten sie bey sich selbs, und sprachen (διελογίζοντο ἐν ἑαυτοῖς λέγοντες), das wirds sein, das wir nicht haben brot mit uns genomen. Matth. 16, 7, ebenso 21, 25. sonst verdeutlicht durch den zusatz in seinem herzen sprechen: wenn nu der herr dein gott sie ausgestossen hat fur dir her, so sprich nicht in deinem hertzen, der herr hat mich ereingefüret das land ein zunemen. 5 Mos. 9, 4; warumb sol der gottlose gott lestern, und in seinem hertzen sprechen, du fragest nicht darnach? ps. 10, 13; die thoren sprechen in jrem hertzen, es ist kein gott. 14, 1; aber die gerechtigkeit aus dem glauben, spricht also, sprich nicht in deinem hertzen, wer wil hin auff gen himel faren? Römer 10, 6. — auch die unter 3, i behandelten redeweisen gehören zum groszen theile hierher.
14)
weiterhin wird sprechen auch von andern subjecten als dem menschen ausgesagt.
a)
keinen unterschied macht es, wenn (ein) gott oder ein engel spricht. ganz ebenso: da gieng ein geist eraus und trat fur den herrn, und sprach, ich wil jn uberreden. 1 kön. 22, 21. etwas weniger concret sind fälle wie: indem aber Petrus sich besinnet uber dem gesichte, sprach der geist zu jm, sihe, die menner suchen dich. apostelgesch. 10, 19; da sie aber dem herrn dieneten und fasteten, sprach der heilige geist, sondert mir aus Barnabam und Saulum. 13, 2. durch einen (vgl. 13, a): druhtînes gheist ist sprehhendi dhurah mih endi siin uuort dhurah mîne zungûn. Is. 10, 9 Hench. wenn es heiszt, ein geist spricht aus jemand, so ist das vielleicht ursprünglich ganz eigentlich und sinnlich zu verstehen (wie bei den besessenen in den evangelien), gewöhnlich wird es in abgeblaszterem sinne gesagt und nähert sich dann den unter 13, a besprochenen fällen. dazu auch:
ih (Jesus) bin selbo ze thiu   joh thâr ouh sprîchu ûʒar iu.
Otfrid 4, 7, 25;
wie beiszt der teufel, der aus ihm spricht? Schiller 2, 106 (räuber 2, 3 schausp.); oh ich fühl es tief was mir Amalia sagte, der geist der rache sprach aus ihrem munde. 192 (5, 2). eine ähnliche vorstellung liegt zu grunde der wendung der wein spricht aus jemand: unter andern hatte er einen jungen von 11 jahren, der eine sonderbare aufmercksamkeit bey allem bezeigte, was der wein aus dem vater sprach. Lichtenberg nachlasz 13;
was für redner sind wir nicht,
wenn der Rheinwein aus uns spricht!
Lessing 1, 44.
hier ist überall die voraussetzung, dasz einer thatsächlich spricht; in anderen fällen fällt diese fort, und die bedeutung nähert sich dann den unter 15, d besprochenen wendungen, so: in Albano sprach ein anderer geist als in Schoppe, aber beide begegneten sich bald. J. Paul Titan 2, 82.
b)
an stelle des menschen wird zuweilen das glied genannt: der mund, die zunge, die lippe spricht: gottes mund hat gesprochen, la bocca di Dio hà parlato. Kramer dict. 2, 878ᶜ. so gewöhnlich nur, wenn das sprechen irgendwie dem denken, meinen gegenübergestellt und dadurch das wesen des menschen in zwei theile zerlegt wird. so im sinne der übereinstimmung; sîn zunga sprichet dia urtêilda (et lingua eius loquetur indicium). si irtêilet nâh demo uuîstuôme des herzen. Notker ps. 36, 30. sprichwörtlich:
eʒn sprichet niemannes munt
wan als in sîn herze lêret.
Iwein 194;
iwer herze twinget sî (die zunge) derzuo ...
nû muoʒ sî sprechen swaʒ eʒ wil.
846;
mund wat sprekst du, hart wat denkst du? drunken mund, sprekt hartensgrund. ten Doornkaat Koolman 2, 287ᵇ. oder als gegensatz:
sie weisz nicht, was die zunge spricht.
Bürger 14ᵃ (Lenore).
in anderm sinne liegt derselbe gegensatz zu grunde:
warum kann der lebendige geist dem geist nicht erscheinen!
spricht die seele so spricht ach! schon die seele nicht mehr.
Schiller 11, 179 (tab. vot. 84 'sprache').
c)
andern gliedern legt sprache bei die alte vorstellung vom jüngsten gerichte:
dâr scal denne hant sprehhan,   houpit sagên,
allero lido uuelîh   uuzi in den luzîgun vinger.
Musp. 91.
nur hypothetisch:
thoh mir megi lidolîh   sprechan wortogilîh,
ni mag ih thoh mit worte   thes lobes queman zi ente.
Otfrid 1, 18, 5.
häufig von den augen, insofern sie empfindungen, seelenvorgänge u. s. w. ausdrücken (vgl. 13, d): auch er redete nicht, aber seine augen sprachen. Immermann Münchh. 3, 43 (5, 5);
gesteht sein stolz nicht ein, dasz er dich liebe,
sein auge sprichts, wenn es sein mund nicht sagt.
Schiller 15, 1, 34 (Phädra 2, 1).
von den händen, z. b. beim schauspieler; seine hände sprachen eine ausdrucksvolle sprache, vgl. unten. noch freier von den gliedern überhaupt: laszet uns die vorher gezeigte menschengestalt in handlung setzen, und wir werden gewahr. jedes glied spreche und je mehr es seinem zweck entspricht, um so vollkommener und schöner sei es. Herder 8, 56 Suphan.
d)
die dichtung legt auch thieren, pflanzen und leblosen dingen sprache bei, vgl.sprache 10. besonders ist dies das vorrecht der fabel: es waren etliche ilcken oder hüner-fresser, welche, weil sie vermercketen, dasz die hennen nicht wohl auf waren, ... kahmen die krancken zu besuchen, redeten ihnen freundlich zu, und sprachen. Lokmans fab. 32;
ich? sprach die maus, ein dieb?
Lichtwer 48 (fab. 2, 5);
was suchst du? sprach der kater leise.
58 (11);
der rehbock stutzte zwar, doch er erholte sich
und sprach: das ist er nicht.
104 (3, 17);
die bewme ... sprachen zum olebawm, sey unser könig. richt. 9, 8. in sage und legende: da sprach die schlang zum weibe, jr werdet mit nicht des tods sterben. 1 Mose 3, 4; da that der herr der eselin den mund auff, und sie sprach zu Bileam. 4 Mose 22, 28. irgend welche äuszerungen von thieren werden als sprechen bezeichnet und mit worten gedeutet: wenn die dromete fast klingt, spricht es (das rosz), hui, und reucht den streit von ferne. Hiob 39, 25. (sprechen in eigentlichem sinne von thieren, die menschliche sprache nachahmen, s. 1, c.)
e)
von leblosen dingen, hypothetisch (im sinne einer negation): gleich als wenn des töpffers thon gedechte, und ein werck spreche von seinem meister, er hat mich nicht gemacht, und ein gemechte spreche von seinem töpffer, er kennet mich nicht. Jes. 29, 16; daher als sprichwort: spricht auch der thon zu seinem töpffer, was magstu? Petri Tt 1ᵃ. uneigentlich, der personification nahe kommend: kanstu die blitzen auslassen, das sie hin faren, und sprechen, hie sind wir? Hiob 38, 35; der abgrund spricht, sie (die weisheit) ist in mir nicht, und das meer spricht, sie ist nicht bey mir. 28, 14; die erde wird nicht wassers sat, und das fewr spricht nicht, es ist gnug. spr. Sal. 30, 16; das verdamnis und der tod sprechen, wir haben mit unsern ohren jr gerücht gehöret. Hiob 28, 22.
f)
sprechen wird zuweilen von musikinstrumenten gebraucht (wie auch singen, vgl. das. 5, sp. 1083), besonders von pfeifen: daʒ schalmeien sprach suʒleich. cod. germ. Mon. 99, 48 bei Graff 6, 370; darumb wenn der luft fäuht ist, sô sprechent die orgeln und die saitenspil niht sô süeʒleich sam wenn daʒ weter haiter ist. Megenberg 16, 1; mit object:
spräche gleich in meinen händen
eine flöte Quanzens ton.
Göckingk 1, 170.
so jetzt noch als technischer ausdruck: 'man braucht es noch in ansprechen von den pfeiffen, und den ihnen ähnlichen musikalischen instrumenten. eine flöte spricht nicht rein, wenn sie keinen reinen ton hat.' Adelung (I, 1); 'sprechen, ansprechen (orgelbauer) bey den orgel- und andern pfeifen der laut, ton oder die stimme, die sie von sich geben. die pfeife will in diesem klavis nicht sprechen, heiszt: sie will nicht klingen oder lauten wie sie soll.' Jacobsson 4, 234ᵃ. seltner und mehr in freier dichterischer übertragung von andern instrumenten; von saiteninstrumenten: dar umb spricht ain rauheu videl niht sô wol sam ain wol palierteu (polierte) fidel. Megenberg 16, 8 (vgl. Adelung a. a. o.);
liebe, die der sprachen schönste sprache fand.
was der mund zu sagen sich nicht unterwand,
sprach die goldne cither.
Herder 29, 124 Suphan;
dazu:
was spricht in euch, ihr saiten?
was singt in eurem schall ...
es spricht mit stärkrer stimme.
92.
von glocken:
wolt jhr ... regieren mit glocken leuten,
und wist nicht, was zur glock gehort,
das sie ohn kneppel spricht kein wort?
froschm. Bb 7ᵇ (2, 2, 11);
alle wurden still — die abendglocke sprach über das schweigende dorf hinüber und tönte klagend auf und nieder. J. Paul unsichtb. loge 2, 185. vgl.: im morgengeläute spricht die zukünftige, wie im abendgeläute die vergangene zeit (jenes weckt hoffnungen, dieses erinnerungen). Titan 2, 49. im allgemeinen: ob sie (die tonkunst) zwar durch lauter empfindungen ohne begriffe spricht. Kant 7, 193 (kritik der urtheilskraft 1, 1, 2, § 53).
g)
zuweilen tritt der verbalbegriff (oder das resultat) selbst als subject zu sprechen; den übergang bildet die wendung eine stimme spricht: es spricht eine stimme, predige, und er sprach, was sol ich predigen? Jes. 40, 6; und sihe, eine stimme vom himel her ab sprach, dis ist mein lieber son. Matth. 3, 17; und höret eine stimme, die sprach zu jm. apostelgesch. 9, 4; und es wurden grosse stimme im himel, die sprachen. offenb. 11, 15. wie es scheint, findet sich in der bibelübersetzung auch die auffällige wendung: das wort (des herrn) spricht, s. 6, cd; so sicher: wie das göttliche antwort zu Mose sprach, da er solte die hütten volenden. Ebr. 8, 5. wenn sonst vorkommt dein ton spricht (s. Miller unter 8, h, γ, vgl. auch Seume unter 7, h), deine sprache spricht (s. 15, g), so hat die bedeutung von sprechen dabei eine andre nuance angenommen.
h)
ähnlich von andern geräuschen, mit derselben verschiebung:
dir glaub' ich mehr als diesen zeichen allen,
als diesem donner selbst, der droben spricht.
Schiller 13, 308 (jungfrau v. Orl. 4, 12);
und die hügel umher hörten mein flötend lied!
und des baches gespräche
sprachen leiser am ufer hin.
Klopstock 1, 44.
daneben: die Rosana (der flusz) sprach allein mit dem brausenden wald und frasz schäumend an felsenstücken. J. Paul Tit. 2, 220.
i)
häufiger als vom gesprochenen worte, sagt man vom geschriebenen, dasz es spricht, wie es thatsächlich den lesenden seinen inhalt mittheilt (vgl. oben 13, c). so allgemein: denn es spricht die schrifft, du solt nicht dem ochsen das maul verbinden, der da dreschet. 1 Tim. 5, 18; da sie jm also gleubten, lies er sechzig aus jnen fahen, und tödtet sie alle auff einen tag, wie die schrifft spricht. 1 Macc. 7, 16; das einzelne buch wird zitiert: der erste Moses spricht, ich wil euch eivern machen uber dem, das nicht mein volck ist. Röm. 10, 19. von andern schriftwerken: ouch sprichit daʒ bêbistlîche recht (jus canonicum). d. myst. 1, 93, 29; de statuten spreket men, bestimmen nur. Woeste 252ᵃ. mit nähern bestimmungen: daʒ erste buch sprichit von den edeln eldern des vorgenanten lantgraven. Ködiz 1, 19; auch der böhmische majestätsbrief sprach nur von den ständen und von den königlichen städten. Schiller 8, 67. so auch:
jegliches rosz war von dem andern gesondert,
und ein dorischer pfeiler sprach seinen bedeutenden namen.
Zachariä 307 (Phaeton 2, 41).
wenn der wortlaut der schrift mitgetheilt wird, so ist jetzt dafür 'lauten' üblich:
er neic, dô er die schrift ersach.
welt ir nu hœren wie diu sprach?
Parz. 76, 22;
diu schrift (am gral) sprach 'habt ir daʒ vernomn?
483, 29;
alsus sprack de schrift der boekstaven.
Reinke de vos 436;
sô gern ich ê nie brief gesach.
nu sült ir hœren, wie er sprach.
Ulrich v. Liechtenstein 32, 8;
do hub der sangmeister an zu singene den vers des salters der also spricht 'herre, du hast genidirt unde gedemutigit den hoffertigen von Salza'. Ködiz 50, 32. von dichtungen:
nu hœret: diu liet sprechent sô.
Ulrich v. Liechtenstein 113, 12;
der bedeutung f nahe kommend:
lopliedel man im sanc,
deu sprâchen gar schône
in manegem süeʒen dône.
Heinrich v. Neustadt Apollon. 3385.
so auch:
als daʒ sprichwort dâ spricht.
Heinr. v. Freiberg Tristan 154.
auch ohne bestimmtes subject eʒ sprichet, 'es heiszt':
als uns diu schrift hât geseit.
eʒ spricht an einer stete dâ:
'mêdiâ vîtâ
in morte sûmus'.
der arme Heinr. 91.
k)
sprechen ist ferner im mhd. sehr gewöhnlich bei der erklärung fremder wörter, oder der übersetzung aus einer sprache in eine andre (jetzt bedeuten, heiszen): 'pax vobis', daʒ sprichet: 'der fride sî mit iu'. Schwabensp. 1; die haiʒent ze latein caprimulgi, daʒ spricht ze däutsch gaiʒmelk. Megenberg 206, 22; er (der sittich) grüeʒt den menschen und spricht: ave chere, daʒ spricht in wälhisch: got grüeʒ dich, lieber. 221, 34; platos, daʒ ist ain kriechisch wort und spricht prait. 338, 10; tu saphirus sancte spei; daʒ spricht: dû pist ain saphir der hailigen hoffenung. 458, 32;
die frouwe heiʒet Maria,
daʒ quît: maris stella,
daʒ sprihit: meris sterre.
Hartman v. glouven 751;
geloube sprichet fides,
zuoversiht daʒ sprichet spes.
Lampreht v. Regensburg tohter v. Syon 535 f.;
den stein bescheide ich ouch sa
einer togunt geheiʒen prudentia,
daʒ sprichit zu duze wisheit.
Brun v. Schonebeck 1746;
rerum exitus metitur prudentia.
daʒ sprichet sus sundir missewende:
di wisheit miʒʒit e daʒ ende.
2277;
pater mendacii filius iniquitatis.
daʒ bedute ich uch algater,
iʒ sprichet: der tubel ist der logene vater
und ein son aller bosheit.
3181;
rotunde daʒ spricht schîbelecht.
Heinr. v. Freiberg Tristan 1328;
weise sprichet eine.
Krolewiz 1328.
mit erklärendem inhaltssatz: der überval haiʒt ze latein epiglotis und spricht daʒ puoch, daʒ ich ze deutsch hie mach, daʒ eʒ niht anderʒ sei wann daʒ plat, dâ von ietzunt gesait ist. Megenberg 17, 12. zuweilen reflexiv:
er ruͦfte ... mit luter stimme
in jüdschem: heli, heli,
und ouch, lama zabachtani.
daʒ spricht in tiusche sich:
min got, min got, wie hast du mich
verlan.
Mone schausp. des mittelalters 1, 236, 791.
eine andre, häufige ausdrucksweise dafür ist: vespertilio haiʒt ain fledermaus und ist sô vil gesprochen ze latein sam ain vespervliegerinne. Megenberg 226, 27; quercus haiʒt ain aich und ist als vil gesprochen als quernus, daʒ spricht ain klagpaum. 343, 3 f.
l)
ähnliche wendungen leiten auch sonst eine erläuterung sachlicher art ein: wirt ein man sines genoʒes man, ... sinen herschilt hat er da mit genidert. daʒ ist also gesprochen. die leien fürsten sint in dem dritten herschilde; und wirt ir einer eins leien fürsten man, so hat er den dritten herschilt verloren, und vellet in den vierden. Schwabensp. 121. — sprechen für unser bedeuten (auch sagen) in bezug auf den sinn einer handlung u. ähnl.: schöne iunckfraw waz bedeut daz was will das sprechen, daz ihr euch laszt wee haben? decam. 623, 22 Keller (10, 7).
15)
während in den besprochenen fällen zumeist noch irgend eine beziehung zur lautsprache vorhanden war, fehlt diese in andern. sprechen drückt dann aus, dasz eine sache sich in irgend einer weise offenbart, geltend macht, äuszert, wirkt u. ähnl. auch hier handelt es sich meist um feste verbindungen mit präpositionen.
a)
absolut. das herz spricht, im gefühl:
so müszt' auch ich an seiner liebe zweifeln,
denn seine (Wallensteins) gütigen hände schmückten mich,
noch eh' das herz des vaters mir gesprochen.
Schiller 12, 103 (Piccol. 2, 4);
hätt' ich vorher gewuszt, was nun geschehn,
dasz es den liebsten freund mir würde kosten,
und hätte mir das herz, wie jetzt gesprochen —
kann seyn, ich hätte mich bedacht.
384 (Wallensteins tod 5, 5).
vom gefühl der blutsverwandtschaft: die natur, die stimme des bluts spricht: der kleine rest der hofnung in Marfas herzen schwindet ganz beim anblick des Demetrius. ein unbekanntes tritt zwischen beide, die natur spricht nicht, sie sind ewig geschieden. Demetr. 158 Kettner; die stimme der natur ist heilig und frei ... hätte dein herz bei meinem anblick gesprochen, so hätte das meinige geantwortet. ebenda;
das blut wird sprechen!
dram. nachl. 2, 184, 79 (Warbeck);
dafür:
er ists, im innern eingeweide spricht
es laut! er ists!
178, 11.
s. auch Gellert unter g.von abstracten: so spricht die pflicht und das gewissen zu uns. hören sie, was die erfahrung spricht! Campe (II, 1), vgl. Schiller 8, 268 unter 10, b;
die furcht
war schon besiegt, die furcht, die sonst das erste
geständnisz zu begleiten pflegt und kühner
sprach die verführung in vertrauten bildern
erlaubter rükerinnerung.
5, 1, 183 (dom Karlos 3, 4).
gründe, thatsachen sprechen. die sache spricht:
von unserm denken ist hier nicht die rede.
die sache spricht, die kläresten beweise.
12, 184 (Piccol. 5, 1).
so spricht die jetzige neue zeit, die eine andere aufgabe hat. Heine 3, 282 Elster (Italien 1, 32), vgl. J. Paul Tit. 2, 49 unter 14, f.auch: das geheimnisz musz heraus (bei Shakespeare) und sollten es die steine verkünden. selbst das unbelebte drängt sich hinzu, alles untergeordnete spricht mit, die elemente, himmel-, erd- und meer-phänomene, donner und blitz. Göthe 45, 42. — besondere verbindungen sind schon an ihrer stelle behandelt, s. z. b. 2, e (Wieland 9, 95), 7, h (Schiller 12, 8), 8, c (Schiller 5, 1, 185. Lichtwer 57), 8, g, β (Schiller br. 5, 369), 11, c, β (Schiller 12, 410).
b)
zu einem sprechen, von leblosen dingen, eindruck auf das gemüt machen, gedanken, betrachtungen, erinnerungen erregen u. ähnl.: wie alle gebäude im abendlichte ihren inwohnenden geist am anschaulichsten offenbaren, so sprachen auch diese mauern zu mir, in ihrem fragmentarischen lapidarstil, tiefernste dinge; sie sprachen von den männern des alten Roms. Heine 3, 262 Elster (Ital. 1, 24); es ist kein ort in der welt, wo die vergangene zeit so unmittelbar und mit so mancherlei stimmen zu dem beobachter spräche, als Rom. Göthe 38, 174;
und spricht in jener ersten stadt der welt
nicht jeder platz, nicht jeder stein zu uns?
9, 232 (Tasso 5, 4).
zum herzen sprechen, s. auch Göthe 5, 185 unter I, 3, c: so gewisz ich den menschen vor allem andern zuerst im Shakespear aufsuche, so gewisz weisz ich im ganzen Shakespear kein stück, wo er wahrhaftiger vor mir stünde, wo er lauter und beredter zu meinem herzen spräche, ... als im Timon von Athen. Schiller 3, 516. so ferner: das bild spricht blosz zu dem auge, ohne die imagination anzuregen. 10, 529; von abstracten, der personification nahe kommend: wenige augenblicke gelassenen nachdenkens würden hingereicht haben, ihn die grösze des wagestücks und den geringen werth des preises zu zeigen — aber die aufmunterung sprach zu seinen sinnen, und die warnung nur zu seiner vernunft. 8, 84.
c)
dafür nicht selten an. vgl. das jetzt üblichere und nachdrücklichere ansprechen, th. 1, 469. von druckwerken, vgl. 14, i:
freilich an viele
spricht die gedruckte columne.
Göthe 1, 336 (1. epist.).
das etwas, das hier an mich spricht, sagt mir: Rameau, du möchtest gern die beiden stücke gemacht haben. 36, 21. — an das herz:
kann uns die jugend, uns die schönheit rühren,
ein edles wesen spricht's an unser herz.
9, 367 (nat. tocht. 5, 4);
der erste gegenstand spricht an das herz. Schiller 10, 527. ferner: Shakspeare nun spricht durchaus an unsern innern sinn. Göthe 45, 40;
heilig ist die frühlingszeit,
soll an jünglingsseelen sprechen,
Uhland ged. (1864) 11.
ganz ungewöhnlich ist dafür: nun sinds hundert und einer, die alle um mich freyn, und alle um mich sterben wollen. noch hört ich keinen, der in meine seele ganz gesprochen hätte. kommt diamanten, ich zähl euch, bis der mann mag kommen, der mir gefalle. Klinger theater 3, 168.
d)
aus einem sprechen, an 14, a anschlieszend, 'figürlich und in der höhern schreibart, vermittelst der worte andern merklich gemacht werden. die feurigste zärtlichkeit spricht aus ihm'. Adelung (1, 2, 1); der hasz spricht aus ihm, aus seinen worten;
lieb und verzweiflung spricht aus beiden.
Gellert bei Adelung;
ich fürcht, Achat, dasz meine schwäche nicht,
wenn ich sie sprechen will, aus jeder sylbe spricht.
Schlegel, s. ebenda;
gram und verzweiflung sprach aus meinem irren munde.
Wieland 9, 94 (Musar. 3).
in bezug auf dichtungen: dieses biedere herz, das, man möchte sagen, aus jeder zeile spricht. Schiller 6, 330 (über Bürger's ged.). auch, wenn etwas sich anders als durch worte zu erkennen giebt: der blasse neid sprach aus seinen mienen; ernste traurigkeit sprach aus ihrem gesicht. Wieland 1, 361 (Agath. 6, 4);
o gott, aus diesen zügen spricht kein herz!
Schiller 12, 494 (M. Stuart 3, 4);
eil' spricht aus aller blick.
Shakespeare Cymbel. 5, 5;
mit seiner trippelnden, kleinen, hohläugigen Französin, der die auszehrung aus allen gliedern spricht. Göthe 10, 100; die gesinnung des ersten märkischen Hohenzollern ... waltet in allen enkeln; ... sie spricht aus dem fieberischen diensteifer des soldatenkönigs. Treitschke d. gesch. 1, 46.
e)
umgekehrt von etwas sprechen, zeugen: seine ganze erscheinung sprach von seiner traurigen lage (inhaltlich gleichbedeutend mit: seine traurige lage sprach aus seiner ganzen erscheinung); dieser ritter kann von keinem niedern geschlechte seyn; all sein wesen spricht vom gegentheil. Schwab volksb. 1, 50.
f)
dichterisch mit dem accusativ: sein brief, o sein brief! jede zeile sprach den ehrlichen, edlen mann. Lessing 1, 563 (Minna 3, 12);
Laura war jugendlich schön, ihre bewegungen
sprachen alle die göttlichkeit
ihres herzens.
Klopstock 1, 38;
und die ruh des empfindenden, unbefleckten gewissens
sprach sein ganzes gesicht.
Mess. 4, 238;
der geist erwacht in gottes schoos,
und er erblickt das angesicht,
das unbegrenzte gnade spricht.
Lavater handbibl. (1790) 3, 24.
g)
für etwas sprechen, zunächst wofür plädieren, an 11, i, β anschlieszend:
du sprichst mit ernst, und deine sprache ...
spricht für die sache der vernunft.
Seume ged.⁵ 26.
zu a: ja, mein ganzes herz hat für sie gesprochen. Gellert bei Adelung (1, 2, 2, b); dazu gehöret ja gar keine tugend, einer person etwas zu gönnen, für welche das blut in mir spricht. ebenda. bei abstimmungen: acht und zwanzig stimmen waren gesammelt. vierzehn sprachen für mich, eben so viel für Lomellino! Schiller 3, 53 (Fiesko 3, 5). gewöhnlich, als grund wofür ins gewicht fallen: die ältern militärischen vermuthungen sprachen allerdings dafür, dasz, wenn der sechsundsechziger krieg schon 1850 geführt worden wäre, unsre aussichten bedenklich gewesen sein würden. Bismarck ged. u. erinn. 1, 335;
ob sich ein umstand endlich vorgefunden,
der für des königs wünsche spricht.
Schiller 5, 1, 144 (dom Karlos 2, 14).
so auch: was man gegen diesen karakter (Posa) aus dem zeitalter einwendet, in welchem ich ihn auftreten lasse, dünkt mir vielmehr für als wider ihn zu sprechen. 6, 37. sonst bedeutet für einen sprechen meist 'für ihn einnehmen, eine günstige meinung von ihm erwecken': dasz er auf dieses verlockende anerbieten nicht einging, spricht sehr für ihn (für seinen charakter, seine uneigennützigkeit). dafür: eine sprechende bildung wird also von dem menschen gefodert, sobald man sich seiner sittlichen bestimmung bewuszt wird; aber es musz zugleich eine bildung seyn, die zu seinem vortheile spricht, d. i. die eine, seiner bestimmung gemäsze empfindungsart. ... ausdrückt. Schiller 10, 92. — entsprechend natürlich wider, gegen etwas oder einen sprechen.
16)
übersicht der häufigeren constructionen: sprechen absolut s. oben 1. 2. 11, a. d. 14. 15, a.mit dem dat., s. 3, ac. 7, h. 9. (als instrum. 7, b.) — mit dem acc. der person, s. 4; der sache, s. 7. 5, b, γ. 10, ac. 11, c, β. g, β. k. 12. 15, f; reflexix, s. (3, c.) 4, b. d. (e.) 14, k; mit doppeltem acc., s. 8 (ad. f. i); mit acc. und dat., s. 3, b. 7, h. 9, b. 11, c, γ. δ. — mit präpositionen: an, s. 3, e, ε. 11, e, β—δ. f, α. i, α. 15, c. auf, s. 3, e, ζ. 4, f. 11, e, α. f, β. i, α. aus, s. 5, e. 14, a. 15, d. bei, s. 3, i. durch, s. 13, a. d. für, s. 8, e. 11, g. h. i, β. 15, g. gegen, s. 3, β. 15, g (vgl. wider). in mit acc., s. 3, g. i. 8, g, β. γ. i. 11, e, γ. f, β. δ; in mit dat., s. 11, b, α. 13, f. mit, s. 3, h. i. 4, b. 7, b. nach, s. 10, e. 11, b, δ. i, α. über, s. 4, f. 5, e. 7, g. 11, b, β. γ. um, s. 5, d. 8, g, δ. i. 10, e. 11, b, β. i, α. unter, s. 3, h. von, s. 3, b. 5, ac. 8, g, γ. h, δ. 15, e. vor, s. 3, f. (i.) wider, s. 3, e, α. 11, i, β. γ (vgl.gegen). zu, s. 3, b. d. (e, δ.) i. 5, f. 8, g, α. γ. h, α. 10, d. 11, f, γ. 13, e. 15, b. (mhd. hin ze, wider ze, s. 4, e, γ.) — mit folgender (directer) rede, s. 6. 5, b, δ; mit indirecter rede, s. 6, m; mit fragesatz, s. 6, h; mit inhaltssatz (nebensatz mit dasz), s. 5, b, ε. 6, n. 11, c, α.
17)
das part. präs. ist nicht häufig in verbaler function; dagegen ist es sehr gewöhnlich in adjectivischer (bezw. adverbialer) verwendung.
a)
sprechendt, parlant. Hulsius 304ᵃ; sprechend, dicente, parlante, perorante. Kramer dict. 2, 878ᶜ. dem roman. gerundium entsprechend, vgl. 6, e. f. m:
aber es saszen die drey noch immer sprechend zusammen.
Göthe 40, 277 (Herm. u. Dor. 5).
substantiviert der sprechende (oder sprecher):
und er stellte sich hinter den sprechenden, ihn zu verhöhnen.
Mörike ged.⁸ 91.
b)
attributiv: ratio eyn sprechende rede o. crafft ... nd. eyn sprekende craft. Dief. gloss. 485ᵃ. so ungewöhnlich und veraltet; vgl. dazu: so ists alsdann wieder in mysterio, an der natur ende, wie es war ehe es ins geschöpff eintratt, verstehet die essentialische begierde, der auszgesprochene Mercurius, der musz also wieder ans ende seiner selbheit gehen, und ins sprechende wort sich ergeben. J. Böhme de signat. rer. s. 149 (cap. 14, 98). — jetzt sagt man noch sprechende rolle im schauspiel, im gegensatz zu den stummen rollen: auch musz ich noch bemerken, dasz dieses stück (Tell) des zahlreichen personals wegen, welches gegen 36 sprechende rollen umfasst, manche schwierigkeiten ... mit sich führt. Schiller briefe 7, 127; wir haben mit 17 männlichen schauspielern 30 männliche einzeln sprechende rollen besetzt. 133.
c)
gewöhnlich in freierem sinne; zu 14, f:
dank sey dem mann, der dich erfand,
du sprechendes klavier!
Philippine Engelhard ged. 2, 16.
in der regel zu 15, was einen geistigen inhalt zu deutlichem ausdruck bringt: ein sprechender ausdruck, eine sprechende bezeichnung. zumeist von dem, was zum auge spricht, ausdrucksvoll: sprechend (im weitesten sinne) nenne ich jede erscheinung am körper, die einen gemüthszustand begleitet und ausdrückt. in dieser bedeutung sind also alle sympathetische bewegungen sprechend, selbst diejenigen, welche bloszen affektionen der sinnlichkeit zur begleitung dienen. Schiller 10, 87 (vgl. das folgende); wir nennen eine gesichtsbildung gemein, wenn sie die intelligenz im menschen durch gar nichts kenntlich macht, wir nennen sie sprechend, wenn der geist die züge bestimmte, und edel, wenn ein reiner geist die züge bestimmte. 156. (von dem wechselnden gesichtsausdruck:) Mathilde sah ihn mit stiller aufmerksamkeit an. sie schien sich über seine rede zu freuen, die sein gesicht mit den sprechendsten mienen noch mehr erklärte. Novalis 2, 138 Meiszner;
sein sprechendes gesicht
verräth das alter, wo des unglücks unterricht
der weisheit früchte trägt.
Gotter 2, 42;
lieblicher als alles dieses habe
stets vor augen, wie sich kleiner gabe
dürft'ge hand so hübsch entgegen dränget,
zierlich dankbar was du reichst empfänget.
welch ein blick! ein grusz! ein sprechend streben!
Göthe 5, 68.
so auch vom auge: stumm und einsam stand ich und sah nichts als die geliebten züge und die süszen blitze der sprechenden augen. Fr. Schlegel Lucinde 251;
seht ihr der seele wiederschein
in schönen blicken leuchten,
und thränen süszer sympathie,
entlockt durch süsze harmonie,
ihr sprechend auge feuchten.
Schiller 6, 8.
übertragen: Herders herrliche 'legenden' haben als christliche romantik noch kein sprechendes auge gefunden. J. Paul vorsch. der ästh. 1, 128. häufig in bezug auf bildende kunst u. ähnl.: man wählte dazu die hieroglyphen, eine sprechende bilderschrift, die einen allgemeinen begriff in einer zusammenstellung sinnlicher zeichen verbarg. Schiller 9, 109; der erfolg hat die wahl der beiden süjets gerechtfertigt, denn aus beyden sind wirklich, unter geschickten händen, sprechende, selbstständige und anmuthige bilder geworden. 10, 527; da seine einbildung so fruchtbar und reich an allerley bedeutenden und sprechenden bildern war. Wackenroder herzenserg. 67; so ist es sehr unwürdig und leichtsinnig, sich von den sprechenden und lehrreichen menschenfiguren unsers alten Albrecht Dürers hinwegzuwenden. 117; so trug er (Leonardo) die sprechenden reize des antlitzes lebendig auf die tafel über. 83. übertragen: sprechende gemälde der sitten und der denkart jener zeiten. Becker weltgesch. 1, 290. was sich an den verstand wendet, deutlich, augenfällig: Ackermann's benehmen in dieser gesellschaft schien Murray recht ein sprechender beweis für den charakter, den er in ihm schon am Missouri erkannt hatte. Gutzkow ritter v. g. 7, 260; die thatsache, dasz ich, nachdem ich diese äuszerung des thronfolgers erhalten hatte, auf dem eingeschlagenen wege beharrte, war ein sprechender beweis dafür, dasz mir nichts daran lag, nach dem thronwechsel ... minister zu bleiben. Bismarck ged. u. erinn. 1, 319.
d)
in diesem sinne bildet sprechend auch steigerungsformen, besonders den superlativ (im sinne des elativs): die sinnbilder der drei ersten grade (der freimaurerei) entzifferten wir uns ... als aber im inneren die sinnbilderei sprechender ward, trat ich zurück. Voss wie ward Fr. St. ein unfreier 10; an einigen orten in seinem buche giebt er (Leonardo) anleitung, wie man eine schlacht, einen seesturm ... mahlen solle; und da ist seine einbildung so thätig und wirksam, dasz sie schnell die deutlichsten und sprechendsten züge in worten zu einem auffallenden ganzen zusammenträgt. Wackenroder herzenserg. 71; mit dieser kriegerischen hast .. hat der sinnvolle künstler die langsam bedächtige eleganz eines halb abgewendeten jünglings ... in den sprechendsten contrast gesetzt. Göthe 35, 310; die sprechendsten, lachendsten gegenbeweise wurden ... vorgebracht. Mörike erzähl. 414.
e)
so auch adverbial in der verbindung: das porträt sieht ihm sprechend ähnlich. (danach ferner: die sprechende ähnlichkeit.) auch er sieht seinem vater sprechend ähnlich.
f)
selten das neutrum substantiviert: (zu 15, c:) das an das gefühl sprechende, die letzte wirkung aller poetischen organisationen ... sieht der dilettant als das wesen derselben an. Göthe 44, 271.
18)
der inf. begegnet nicht häufig in substantivischem gebrauche.
a)
handlung des sprechens, s. 1, b. mit objectsgenitiv, s. Zelter unter 12, a.
b)
das, was einer spricht, in der älteren sprache:
ach, daʒ mîn stæteʒ sprechen
ist ach!
Hadamar v. Laber 494;
als nû an dem krûze hînc
Christ, swaʒ des volkes vur gînc,
ir houbt si wegten und spotten sîn,
'vah' si spráchen. zander pîn
wart er gesmêcht mit sulchem sprechen:
'der wil gotes tempel brechen'.
kreuziger 94, 5.
c)
so specieller, urtheilsspruch, schiedsspruch, vgl. 11, a: sprechen judicum et arbitrorum est ... ertzebischop Baldewin von Trire, uf des sprechen wir gegangen waren. urk. v. 1334 bei Haltaus 1708; of welchem dage wir und solich geordent zcusetze unnsers sprechens und erkentnisz nit eynhellig sin worden. 1709.
d)
zusammensetzungen dazu:
sprechenlernen
auch da entwickelt sich im schüler selbst aus einiger übung bald das gefühl einer regel, ganz wie beim natürlichen sprechenlernen doch auch. Hildebrand sprachunterr.⁸ 81;
sprechenswert
sie wollten nur nicht gezwungen sein, über den 'bösesten der menschen' (Napoleon I.) immer wieder und wieder zu sprechen, als wäre nichts sprechenswerthes in der welt als dieser eine. Fontane vor dem sturm 1, 51.
Zitationshilfe
„sprechen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/sprechen>, abgerufen am 15.10.2019.

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