spotten verb
Fundstelle: Lfg. 15 (1905), Bd. X,I (1905), Sp. 2696, Z. 48
spott treiben. ahd. als spottôn nach der milderen wie nach der schärferen bedeutung des substantivs (vgl.spott 2 und 4) bezeugt, mhd. mnd. mnl. spotten; auch ins altnordische als spotta eingedrungen (vgl.spott 1). eine umgelautete nebenform spötten hat sich ganz vereinzelt heraus gebildet: wie man die handtwerck soll vertrucken, fretten und spötten. Garg. (1590) 369;
bespöttet eines jeden fürm,
treibt sie ins bad, schneidt ihnen die würm.
Göthe 13, 129 (aber bespottet d. j. Göthe 3, 704).
bedeutung und gebrauch.
1)
scherz treiben, scherzen: spottôn jocare, jocundare Graff 6, 328; jocari spotten Dief. 307ᶜ; als technischer ausdruck bei spielleuten (vgl. unter spott 1):
ich was ein hövescher spileman
und kunde genuoge
höfscheit und vuoge:
sprechen unde swîgen,
lîren unde gîgen,
harphen unde rotten,
schimphen unde spotten,
daʒ kunde ich alleʒ alse wol,
als sô getân liut von rehte sol.
Tristan 191, 12;
nhd.: du wänst ich spotte oder speye, es ist mir ernst dabei, ludere me putas, serio puto. Maaler 381ᶜ; von Adelung als veraltet und nur noch in einigen gemeinen mundarten üblich bezeichnet: ich spotte nicht, es ist mein wahrer ernst;
noch wünschest du den tod? das geht dir wohl von herzen?
nur schade, dasz er dich vorhin so spotten sah:
sonst wär er warlich längst auf dein ersuchen da.
Lessing 1, 126 (von 1747);
auch in der nach 2 hinüber leitenden bedeutung 'ehrwürdige oder ernsthafte dinge zum scherze miszbrauchen, besonders mit dem vorworte mit': damit ist nicht zu spotten. mit der religion, mit der bibel spotten. Adelung. vgl. einen ähnlichen übergang von scherzen theil 8, 2599.
2)
häufiger, schon in alter sprache, nach der schärferen bedeutung des substantivs, spotten, hohn äuszern in worten, gebärden, verhalten: qui habitat in celis irridebit eos, et dominus subsannabit eos, ter in himile bûet, ter spottet iro, unde nasesnûdet an sio. Notker ps. 2, 4; irridere spotten Dief. 309ᶜ; blasphemare honen, spotten, spoten, spatten. 76ᵇ; subsannare spoten, spotten. 561ᵇ.
a)
absolut gebraucht:
nû habent si (die priester) haʒ unt nît,
missehellunge und strît.
wol chunnen si spoten unt grînen.
H. v. Melk erinnerung 201;
nû was der herre Keiî vrô
daʒ er ze spottenne vant.
Iwein 2455;
mit denen die da heuchlen und spotten umb des bauchs willen. ps. 35, 16; las sich nicht uber mich frewen, die mir unbillich feind sind, noch mit den augen spotten, die mich one ursach hassen. 19; die hoffertigen hönen und spotten, aber die rache lauret auff sie, wie ein lewe. Sir. 27, 31; (er) lest die welt wol hönlachen und spotten. Luther 24, 371, 7 Weim. ausg.; du darffst nicht spotten, es kan dir dergleichen wieder fahren, non tibi hoc sit ridiculum, idem tibi evenire posset. Steinbach 2, 636; nun soll ich, bis an mein ende, die demüthigung erdulden, dasz die reisenden auswendig spotten und die gäste inwendig klagen. Göthe 11, 276;
man seh sich für mit allem fleisz,
das sich niemandt an dem bescheisz,
der nichts dann höhn und spotten kan,
und nur vexieren jederman.
E. Alberus fab. 22, 37, s. 107 Braune;
lasz sie spotten, lasz sie lachen!
gott mein heil   wird in eil
sie zu schanden machen.
P. Gerhardt 123, 34 Gödeke;
ihr spottet, sir — zur härte fügt ihr noch
den bittern hohn!
Schiller 12, 404 (Maria Stuart 1, 1);
schauen!
gellt ihm ein langes echo spottend nach.
11, 52 (bild zu Sais 78);
und zu ritter Delorges spottender weis
wendet sich fräulein Kunigund.
229 (handschuh 50);
und geschaffen hätte gott
dieses alles nur zum spott?
nein nicht spottend, nicht vergebens
schufst du, gott, dein bild.
Voss 4, 84;
der infinitiv substantivisch:
dô bütet ir niwan spotten   den mînen recken her zetal.
Nib. 2271, 4;
daʒ er (Christus) durch uns gegeiselt wart
und nâch spotlîcher art
durch uns von in (den juden) spoten leit.
Barlaam 170, 35;
du fragest, was spotten sei? spotten ist ein unordentliche red von dem gebresten des menschen umb schimpffs willen, das sich ein mensch schamme. Keisersberg narrensch. 86ᵃ; so lasset nu ewer spotten. Jes. 28, 22; das spotten der lesterer wird nicht verborgen bleiben. weish. Sal. 1, 10; dasz die satire nur die laster der menschen und das lästerliche einer thörichten aufführung durch spotten kennbar zu machen sucht. Rabener satiren 1 (1761), 4; in die bedeutung eines gegenstands des verspottens übergreifend:
von ferne bist du (nachtigall) viel, und in der nähe nichts;
ein wunder des gehörs, ein spotten des gesichts.
Logau bei Lessing 5, 245;
particip der gegenwart: spottende mienen, blicke, gebärden, bewegungen; die bankgenossen hatten auf ihn gewiesen und spottende worte getauscht. Freytag ahnen 1, 54; die spottende bühne. Tieck 1, vii.
b)
mit genitiv der person, eines spotten:
er sprach: wie redet ir nu sô?
ir spottent mîn âne nôt.
Erec 966;
sîn wart gespottet harte vil
mit grôʒem schalle sunder zil
und mit schimpfworten scharfen.
Heinr. v. Freiberg Tristan 2185;
dâ was ouch meister Otte,
des man vil dicke spotte
durch den hover, den er het.
Ottokar 330;
der im himel wonet lachet jr, und der herr spottet jr. ps. 2, 4; alle die mich sehen, spotten mein, sperren das maul auff und schütteln den kopff. 22, 8; sie spotteten der boten gottes. 2 chron. 30, 16: man hat bisher der Beyer mit den sewen gespottet. Luther 15, 125, 15 Weim. ausg.; sihe aber, ob gott nicht des zornigen Pharaonis noch darzu in die faust spottet. 1⁶, 19, 134 (vgl. dazu unter faust theil 3, 1381); die wirdtin .. holheupt jn gut ding darzu aus und ward nur seiner dapffer spotten. Wickram rollwagenbüchl. 143, 27 Kurz; wer eines andern spottet, dem kommt es wieder zu haus. Reineke fuchs (Rostock 1662) s. 149; (krieger) spotten der könige und lachen der fürsten. 175; das wunder des heiligen bischofs brachte doch die gute frucht, dasz sie sich schämten eines solchen mannes gespottet zu haben. Wieland 30, 267; wie ich im anfange mich zu ihnen (kindern) gesellte, sie freundschaftlich fragte über diesz und das, glaubten einige ich wollte ihrer spotten, und fertigten mich wohl gar grob ab. Göthe 16, 10; müsse der trostlos umkommen, der eines kranken spottet. 138;
und spotteten des armen gecken,
der auch nicht kont ein frosch erschrecken.
froschmeus. Hh 5ᵇ;
man drückt sie (die Muse) in der stadt, man spottet ihr bey hofe,
und nennt sie nur aus schertz die abgedankte zofe.
Günther 717;
da sie, ohne sein
zu achten, ihres weges zogen. spottet' er
zu einem ritter von der tafelrunde. der
zur seite stand, der beiden schwarzen knechte,
und sprach so laut. dasz sie es hören mochten.
Wieland 18, 43 (Geron d. adl. 587);
sie lachten des fürsten,
und der könige spotteten sie.
Klopstock Mess. 11, 618;
da nickten, spottend mein, die schwanken tannen,
und höhnend sah das niedre moos empor.
Keller 10, 67;
in der verstärkten bedeutung verachtungsvollen spottens:
was that dir, thor, dein vaterland?
dein spott ich, glüht dein herz dir nicht
bei seines namens schall!
werke 1, 212. 213;
aber auch in der abgeblaszten des hochmütigen oder verächtlichen übersehens, wobei ein hervorheben der worte oder gebärde zurücktritt: der toden spott ich. Schiller 2, 134 (räuber schausp. 4, 2); und diese verblasztere bedeutung tritt gewöhnlich hervor, wenn das verbum mit sächlichem genitiv steht: mit frœlîchem herzen spottotend si der pîn. Züricher jahrb. 47, 36 Ettmüller; den hamer achtet er wie stoppeln, er spottet der bebenden lantzen. Hiob 41, 20; er ... spottet der anfechtung der unschüldigen. 9, 23; ein loser zeuge spottet des rechts. spr. Sal. 19, 28; denn sie selbs zu Rom der fasten spotten. Luther 1, 338ᵃ; wir aber wissen und verstehens nicht, und wöllens doch lachen und spotten. 6, 71ᵃ; jene spotteten der sokratischen weisheit, die nur in einem schlechten mantel aufzog. Wieland 1, 77; du spottest der religion und der tugend? 205; ich bin nicht hier, deines unglücks zu spotten. 3, 171; (wenn er) morgen hingeht und eurer schwachheit spottet im arm seiner huren? Schiller 2, 23 (räuber schausp. 1, 1); meiner ratlosigkeit zu spotten. Keller 1, 200;
es sind
nicht alle frei, die ihrer ketten spotten.
Lessing 2, 311 (Nathan 4, 4);
unsre dränger bald
werden auch mit ihren rotten
nun nicht mehr der unschuld spotten.
Stolberg 2, 49;
er (der landvogt) sitzt zu Sarnen
auf seiner hohen herrenburg und spottet
ohnmächtgen zorns in seiner sichern veste.
Schiller 14, 301 (Tell 1, 4);
jahrlang zählt er (der Perser) sie schon, der waffen menge, der knechte,
spottend des griechischen lands und seiner wenigen inseln.
Hölderlin 172;
so spotte jeder der gefahr!
die freiheit ruft uns allen.
Fr. Schlegel gelübde, in Wackernagels leseb. 2 (1867), 1381.
c)
die neuere sprache setzt zu spotten in dieser fügung auch ein sächliches subject, womit die bedeutung: sich weit über etwas und gleichsam spielend erheben an macht und stärke, erwächst: dasz ein einziger unerwarteter nachtfrost oder irgend ein andrer zufall aller seiner sorge und pflege spottet. Wieland 35, 100; das übel nahm im ganzen zu, und spottete unserer kräfte. Schiller 1, 10; ich baute den Genuesern ein haus, das der vergänglichkeit spotten sollte. 3, 65 (Fiesko 2, 13); eine mächtige naturkraft ... die zur zerstörung bewaffnet ist, und jedes widerstandes spottet. 10, 163; jener alte ächte choralgesang, der aller musikalische kunsthöhe des tages spottet. Gervinus gesch. der d. dichtung³ 3, 8; diese zustände spotten jeder beschreibung;
wann der sonnenwagen höher steigt,
und abendlich der trüben lampen spottet.
Keller 9, 230.
d)
der ursächliche genitiv (oben b) erscheint durch eine prä position aufgelöst; in alter sprache bisweilen durch umbe:
den (herzog Otte) hort man dô vil spotten
umbe sîne trâcheit.
Ottokar 87285;
die neuere sprache braucht über mit dem acc., eine fügung, die der täglichen sprache des lebens angehört und besonders auf das spotten mit ausdrücklichen worten zielt: es ist wahrlich keine sache, worüber man spotten sollte. Möser patr. phant. 3, 269; ich habe sie wohl niemals über das schwören spotten hören? Lessing 1, 400; habt ihr im sinne. über die religion zu spotten? Schiller 2, 181 (räuber 5, 1); diejenigen kritischen köpfe, welche ... die ganze welt gern in prosa auflösen möchten, spotten über die mährchen der alten ehrwürdigen chronisten. Wackenroder 40; es sey ferne von mir, dasz ich über dich spotten könnte. 58; Herder spottete oft über mich, dasz ich all mein latein aus dem Spinoza lerne. Göthe 27, 153; dafür über mit dem dativ: Pamphilus spottet über dieser pflicht, die sie an ihrem vergnügen hindere. Lessing 4, 395; mit ob und dativ:
aber husch! entspringt sie (Venus) seinen armen,
spottet ob dem matten kämpfer hin.
Schiller 1, 191 (Venuswagen).
e)
selten mit einem spotten, gebildet nach spott treiben mit einem (s.spott 5, b, sp. 2692): item des neisten godestages darna zo avent, doe quamen der Berschen eindeil zo Duitz ind spotten mit in (verhöhnten sie), also dat Kruwels knecht Louff ward doit geschossen van den van Duitz. d. städtechr. 13, 58, 32; ein jeder ist sich selbst so viel schuldig, dasz er ... die maske eines ehrlichen mannes vor das gesicht halte, dasz er nicht öffentlich mit der ehrlichkeit spotte. Rabener sat. 4, 68.
f)
mit persönlichem dativ, einem spotten: auch werden die Frantzosen dir nimmer spotten. b. d. liebe 15ᵃ; höllische geister welche ... dem ganzen menschlichen geschlecht durch solch leichtfertig geläuff und affenspiel spotteten. Simpl. 1, 110 Kurz; Franz Sickingen, Hans Selbiz mit einem fusz, Gottfried von Berlichingen mit der eisernen hand, spotten in diesen gegenden dem kaiserlichen ansehn. der junge Göthe 2, 73;
er hat gewendet seine macht
auf einen schwachen mann;
gespottet dem, und dem gelacht,
der sich nicht wehren kann!
Gleim 4, 76.
g)
spotten als transitives verbum mit acc. der person, einen spotten, jetzt durch verspotten ersetzt: swaʒ dir leit sî, daʒ man dich haʒʒe oder schelte oder spotte, des soltu in erlâʒen. Br. Berthold 1, 360, 10; dasz wir mit dem mund sprechen, dein wille geschehe, mit dem herzen aber, mein wille geschehe, und also gott und uns selbs spotten. Luther 1, 80ᵃ; also schreibt man von s. Vincentio und andern, das sie mit freuden und lachen zum tod gangen sind, und jre richter und hencker dazu gespottet. 6, 85ᵇ; ey spotten sie mych denn alle, ist denn niemant, der mich trostet? 5, 617, 25 Weim. ausg.; das alles wird man mit freuden von dir singen, dich dazu noch spotten und dein lachen. 19, 419, 18; sie nach teufelischer art, noch zu solchem yhrem iamer spottet und nerret. 23, 80, 22; kamen kleine knaben zur stad er aus, und spotteten jn, und sprachen zu jm, kalkopff kom er auff. 2 kön. 2, 23; er wird die spötter spotten, aber den elenden wird er gnade geben. spr. Sal. 3, 34; beugeten die knie fur jm, und spotteten jn, und sprachen, gegrüszet seiestu, Jüden könig. Matth. 27, 29; ja spot mich gnueg, mich alten man. Thurneiszer erklärung der archidoxen 9; darumb will ich niemanden je spotten. pers. baumg. 7, 22; wer stark vom leibe ist, und frisch auf den beinen, der danke gott, und spotte nicht diejenigen, so langsam gehen. 8, 5; einen spotten, deridere aliquem, er spottet die leute, homines deridet, er spottete mich, me ludum faciebat. Steinbach 1, 636; spotte mich nicht, wenn ichs auch verdienet hätte. Göthe brief, oct. 1767, nr. 25;
man spotte, wie man will, den weisen Epicur.
Günther 443;
wie? du spottest mich noch obendrein?
Wieland übersetzung der Acharner, 4. act;
er (Amor) spottet löwen, spielt mit drachen.
Gotter 1, 360;
zugleich mit ursächlicher angabe: hie ist Sebah und Zalmuna, über welchen jr mich spottet. richter 8, 15;
Charlotte kömmt, und von Charlotten
läszt du dich gern der kinderspiele spotten.
Gellert 2, 76;
mit acc. der sache: aber nu er dahin ist, singet mans frey und spottet seinen geitz mit aller sicherheit. Luther 3, 271ᵃ (19, 402, 16 Weim. ausg.);
er spottet selbst den neid, der ihm nicht folgen kan.
Günther 525;
in der formel sich spotten lassen: irret euch nicht, gott leszt sich nicht spotten. Gal. 6, 7.
h)
spotten zugleich mit angabe der wirkung: man hat sich schon so lange über die leute aufgehalten, die ein unerklärbares inneres licht zum leitstern ihres glaubens und lebens machen, man hat sie in schimpf und ernst bestritten, zu boden gespottet und zu boden räsonniert. Wieland 24, 46; er ... versprach, sie in kurzem aus diesem langweiligen, düstern wesen heraus zu spotten. Klinger 8, 328; lasz sehen, ob ich mich munter spotten kann. theater 3, 277; deine schwärmerische dissertation ... spottet er dir zu schanden. C. F. Meyer novellen 1, 124. sprichwörtlich ein loch in einen spotten, proterve illudere alicui. voc. von 1618 bei Schmeller 2², 691.
3)
spotten, als spottrede hervorbringen: 'wenn der wolf tanzt, fliegen die gänse auf den baum und lachen', spottete Frida. Freytag ahnen 1, 14;
schmücke dich, spott ich, mein kind! dein bräutigam harret mit inbrunst!
Voss 1, 103;
spottend nennen: weil du mich herzog spottest. Schiller 3, 154 (Fiesko 5, 14).
Zitationshilfe
„spotten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/spotten>, abgerufen am 25.08.2019.

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