spitz m
Fundstelle: Lfg. 14 (1904), Bd. X,I (1905), Sp. 2568, Z. 50
spitzes ende, spitzer gegenstand, spitzes wesen, wahrscheinlich eine substantivierung des vorigen, jünger als spiʒ, spiesz, bratspiesz u. dgl. (s. spiesz II), zu dem es sich im auslaut verhält wie ritz zu risz. unter den bei Graff 6, 366 für die beiden wörter (die handschriften unterscheiden die affricata selten von der spirans. vgl. spiesz II oben sp. 2449) angeführten belegen gehören wol hierher spiz, cacumen, jugum, dat. sing. spize, jugo, spizze, vertice, gen. plur. spizzo, vallorum (exstructione), dat. plur. spitzzin, spizzin, spizen, pinnis, acc. plur. spizza, capita (montis), falls diese form nicht einen rest alter starker flexion des im ahd. sonst schwach flectierten spizza, f. darstellt (vgl. spitze unten), vielleicht auch acc. plur. spizzi (perges), juga (montis), apices (saxorum), sudes. 366. 367, das dort als zu einem sonst ahd. nicht bezeugten spizzî, f. gehörig gefaszt wird. alle diese formen auszer spizza können von der i-declination aus erklärt werden, auf die bestimmt die dative plur. auf -in weisen, während der acc. plur. auf -a bei der auffassung als form eines masc. flexion nach der a-declination voraussetzt, von der aus sich auch andere formen erklären lassen. mhd. spiz, spitz, gen. spitzes Lexer mhd. handwb. 2, 1104, im reim spitze : sitze Flore 4259, nhd. der spitz eines yeden dings. Maaler 381ᶜ, in der schriftsprache später eingeschränkt auf verwendung in besonderem sinne vgl. unten 4 und 7, mundartlich, besonders obd., noch in allgemeiner bedeutung üblich, vgl. unten 1, gelegentlich, wol durch einflusz von spitze, f. und schwach flectierenden männlichen substantivierungen von adjectiven, in schwache flexion übertretend, am spitzen Paracelsus 1 (1616), 312 C (vgl. unten 1, b), spitsɐ, m. spitze Lenz Handschuhsheimer dial. 67ᵃ, in besonderem sinne der spitze Frisch 2, 304ᵃ (vgl. unten 1, b, β), acc. sing. spitzen Schiller Wallensteins lager 6 (vgl. unten 1, b, α). veränderungen im wortinnern zeigen die mundartlichen formen schwitz, m. spitze (Heanzenmundart). Frommanns zeitschr. 6, 344 und spets, m. Tobler 377ᵃ (vgl. unten 1, a, α u. 8). über gelegentliche neuere vermischung mit spisz, spiesz s. unten 10. das wort ist gleich dem adj. auch ins nd. gedrungen, hier aber anscheinend nur in besonderer verwendung bekannt (vgl. unten 4 u. 7). das schwed. kennt dagegen spets im allgemeinen sinne von spitze. vgl. auch dän. spids, en, ndl. spits, n.
1)
im anschlusz an die gewöhnliche sinnliche anwendung von spitz, adj. (1) spitzes ende, spitzer gegenstand, früher in allgemeinem, weit verzweigtem gebrauch, heute nur mundartlich. Schm.² 2, 692. Schöpf 690. Lexer kärnt. wb. 237. Zingerle 52ᵇ. cimbr. wb. 235ᵃ. Hunziker 247. vgl. auch Lenz 67ᵃ oben. besondere mundartliche gebrauchsarten sollen unten erwähnt werden.
a)
dem unter spitz, adj. 1, a abgegrenzten gebrauchsumfange des adj. gemäsz.
α)
auf gegenstände bezogen, die verfertigt oder bearbeitet sind: spizzo, vallorum [zu vallus, pfahl, palissade] (exstructione). Graff 6, 366; man vestente ouch die bedekente bruke und maht die spitze (palissaden) vor den türnen und anders gebuwes vil an der stat. d. städtechron. 8, 124, 25 (Straszburg, Closener); ire pfeil sindt gemacht von roren unnd zinten sie fornen am spiz an. Schmidel reise 10 Langmantel; scharpffer spitz oder wol gewetzt, asper mucro. Maaler 381ᵃ; der spitz an eynem eysen oder spiesz, aculeus sagittae, spiculum. ebenda; der spitz ... an einem mässer, schwerdt, oder geschnittenen schreybfäderen, mucro, cuspis, acumen. ebenda; es hat ... ein gauckelsmann ein artliches probstück gethan, indem derselbe auf den spitz einer gegenwährts gesteckten spanischen nähnadel erbeskörner dermassen künstlich geworffen, dasz selbe an dem spitz klebend verblieben seyen. Abele gerichtshändel (1654) 297; er trug ein spiesz in der hand, auff welchem er mit auff die erden gekehrtem spitz sich leinete. Schuppius 717; dann hat man (zum oculieren) ein kleines instrumentlein, so von helfenbein, oder buchsbaum, oder sonst harten holtz .. gemacht ist, das musz aber am spitz breitlecht, klein subtil, doch nicht allzuscharff seyn. Hohberg 1, 404ᵃ;
er kêrte gegen den brüsten
den griffel an dem (lesart, im text der) spitze.
er pflac niht guoter witze.
er wolte hân erstochen sich.
Fleck Flore 2389;
des swertes spitz.
Heinr. v. Neustadt Apoll. 5426. 18470;
(im bilde:)
bie (wie) der (gott) vergaͤss seins zornes val
und stiess durch parmung în sein veintlîch waffen,
das er über uns gezogen hât
mit scharffer sneid und grauss(e)lîchem spitze
umb unser grôsse missetât.
Oswald v. Wolkenstein 18, 8, 6;
den spitz des pfeils sah man darneben
am andern theil des harnischs kleben.
J. Spreng Aeneis 84ᵇ.
redensart: dein leben stet am spitz meines speres. Octavian Q 3 (im drucke von 1675 an der spitz, s. spitze, f.). die spitze des schwertes bezeichnet das wort wol eigentlich in der bildlich gebrauchten verbindung knopf oder spitz, spitz und knopf, wofür oben theil 5, 1474 unter knopf 9, b belege aus älterer sprache beigebracht sind. obd. noch gebräuchlich: einem spitz und knopf zugleich bieten, ihn möglichst bedrängen. Sigl Münchner geiseln p. 62 bei Schm.² 2, 692; daheim habe der meister so nötlich gethan, wie wenn alles bei ihm auf spitz und knopf stehe, und kaum auf den markt gekommen, kaufe er wie besessen ein. Auerbach dorfgesch. 4, 18; das gefiel der gemeinde schlecht, der rat stellte ihm spitz und knopf zusammen und liesz ihm die wahl. Pichler gesch. aus Tirol (1897) 1, 32. zu grunde liegt anscheinend das bild einer notwendigen entscheidung zwischen der entgegen gehaltenen schwertspitze, womit man sticht, und dem entgegen gehaltenen schwertknauf, womit man siegelt, s. oben a. a. o. bei Schm.² 2, 692 wird auch hierher gezogen: einem den spitz bieten, adstringere necessitate. voc. v. 1618. vgl. einem die spitze bieten unter spitze, f. 1, a, γ. in besonderer anwendung spitz so in ein klimsen gehört, cardo. Maaler 381ᵃ, appenz. spetz, spitz, der eiserne stift unten an der spindel, z. b. der obstpresse, der in ein eisernes grübchen des untergelegten preszbalkens greift, damit dieser weniger ausgleite und der druck gleichförmiger geschehe. Tobler 377ᵇ. aarg. s̹piz, keilförmiges werkzeug zum graben, verschieden von der breiteren s̹pizhouwe (vgl. spitzhaue unten). am gewöhnlichsten ist der zweus̹piz (vgl. zweispitz unten). Hunziker 247.
β)
von natürlich gewordenem: spitz an einem blat, als stächpalmen, distel, aculeus. Maaler 381ᵃ; der spitz an einem schnabel, rostri acies. ebenda.
b)
der unter spitz, adj. 1, b behandelten anwendung des adj. gemäsz.
α)
der oberest spitz unnd gipffel eines gebeüws, fastigium. Maaler 381ᵃ, an einem turm:
dâ ist ein man von êre
ûf den pfîlære gegoʒʒen,
dâ der turn ist besloʒʒen
oben in dem spitze,
dem glîche als er sitze
mit offnem munde.
Fleck Flore 4259;
vetter, ich răt, wir setzend den adler uff den spitz des grossen thurns, damit daʒ inn Karly und all sin volck gsächen mögend. Haimonskinder 191, 6 Bachmann; ich eylle den gantzen thurn von dem obristen spitz an bisz zu tieffist unter die erden noch einmahl auf ds newe durchsuechen. quelle v. 1701 in der zeitschr. Bayerns mundarten 1, 138, 9. an einem schiffe: nun die schiffleut daʒ guͦt weter vernomen hetten ire segel aufgericht zuͦ Allexandria auszfuren gegen dem nidergang der sunnen, den spicz des schiffes richten, vil manchen tag mit freüden säliglichen segelten. Bocc. 106, 19 Keller; wie wol es dem knechte müesam waʒ doch darauf (auf ein gestrandetes schiff) kam und die edeln schönen iunckfrawen alleine mit czweyen andern frawen under dem spicze (sotto il becco della proda) des schiffes kläglich weynent verporgen fande. 108, 4; (in einer allegorie:) die schiffknecht verkünden den schifleüten haimliche ding die sy gesehen haben, im spitz, und denen verborgen sind die im schiff sitzen. Keisersberg schiff d. pen. 60ᵃ. am schilde:
ich nam des drytten schildes war
nach der panıͤr geheret,
der was auch gar vercheret,
recht sam dise tzwen hie vor,
der ort zu tal, der spitz enpor.
Suchenwirt 3, 161;
sein schilt von golt gab lichten schein
in manigem streit und auch in sturm;
von tzobel hat dar in ein wurm
den badel in den spitz gepogen.
12, 109.
am schuh. quelle im mhd. wb. 2, 2, 514ᵇ; so wol auch: ain vogtherr mag och lassen verbietten die langen schnäbel an denen schuchen, und och das kurtz gewand an v β D und höcher, und sol der spitz nit lenger sin dann zwayer glaich lang, und das häss, als ver ainer mit siner nider gelassnen hand geraichen mag. weisth. 1, 202 (St. Gallen, v. 1469). an der kopfbedeckung: κεραία offendix, knopff des spitzes. Frischlin nomencl. (1586) 181ᵇ (cap. 139);
und swer sîn gugel nû niht miʒʒet,
daʒ der spiz hab spanne lenge
und daʒ si niden sî sô enge,
daʒ daʒ houbt kûm hin durch kumt,
diu gugel niht enfrumt.
Ottokar 77624 Seemüller.
in besonderem sinne als bezeichnung einer gezackten verzierung an kleidungsstücken u. dgl. vgl.spitze, f. 2, a: silberne spiz, kögelspiz u. borten an schürzen, bortenwürkerspiz, brüstlen mit spizen, zizenspiz. quelle v. 1668 bei Birlinger 408ᵇ; der spitz an der hauben. Schm.² 2, 692; mit schwacher flexion:
ir habt da einen saubern spitzen
am kragen.
Schiller Wallensteins lager 6.
obd. ein brot von spitzer form. Schm.² 2, 692. Birlinger 408ᵇ, auch eine weinflasche, die die hälfte von einer dreiquartflasche, d. i. drei achtel von einer masz hält, doch wol auch wegen der form (vgl. spitz, adj. 3). ebenda, weiter ein röhrchen zum aufstecken der zigarre beim rauchen, zigarrenspitze.
β)
von natürlich gewordenem: spiz, jugum Graff 6, 366; der spitz eines bergs, jugum. Maaler 381ᵃ; Palma ist so ein hohe insel so man auff erden finden mag, dise kan man so es heytter ist, bisz in zweyhundert und fünfftzig meil sehen, dann der höchst spitz diser insel ist gleich als ein diamant, und brennet stätigs, der obgenant spitz ist bisz in .lx. welscher meil hoch. Franck weltb. 212ᵃ; von der hintern eggseil (ecksäule) auf die vorder, von der derselben auf alle höch zue dem spicz auf den Sulczperg wie sich das regenwasser von einander schaidt. Salzb. taid. 165, 31 (v. 1585); auf bair.-österr. sprachgebiet vielfach in bergnamen, so bair. der Zugspitz Schm.² 2, 692, tirol. der Brechtspitz, Haselspitz Schöpf 690, kärnt. der Wetterspitz, Schoberspitz, Lasarnspitz, Raggarspitz. Lexer kärnt. wb. 237, hier auch noch jetzt so in freiem gebrauch. ebenda. in allegorien:
ich sprach hin auff (einen felsen hinauf) sich ich kein strasz,
er sprach lasz dich nit irren das
sie steigen von dem spitz herunder.
H. Sachs 1 (1558), 236ᵇ;
zu öberst sah ich auff dem spitz (des Lügenbergs)
ein man der het darauff sein sitz
schray uber euch hab ich mit lügen
mich also auff den spitz verstiegen.
542ᶜ.
rein bildlich: ja nichts grosz unter den menschen ist sicher, als das aintweder durch die zeit, oder durch den neidt mag umbgestürtzt werden, nach dem ainer uff den spitz des glücks kummen ist. Frölich Stob. 499;
(er) meint es hab erreichet jtzt
die seligkeit den höchsten spitz.
H. Sachs 2 (1570), 2, 85ᵃ.
wol von hier aus freier von dem oberen (früher vielfach wirklich erhöhten) ende einer tafel, wo die personen sitzen, die besonders geehrt werden sollen, eine anwendung, die die folgenden bildlichen wendungen voraussetzen: welcher wolte die nicht allein loben unter andern Römern, sonder auch an den spitz zu Lucretia setzen. buch d. liebe 313ᵃ;
trunckenheit sitz oben am spitz.
Wickram Obsopoeus E 1ᵃ.
der spitz an einem ey, cacumen ovi. Maaler 381ᵃ. Hunziker 247: das ai aber soll man oben am spitz ufthon, damit die überig schal ganz und unzerbrochen bleib. Zimm. chron.² 2, 340, 8; nimm ein ey, öffne es am spitz. Hohberg 2, 281ᵇ; im Aargau fragen die kinder: spiz oder gupf (dickeres ende)? wenn sie tüpfen (eier gegen einander schlagen, als spiel) wollen. Hunziker 247. spitz am animalischen körper: wiewol ich offtmals gemelt hab, wie dasz der tartarus auch generiert werde in den gleychen, wo dieselbigen im leibe sind, auch in den spalten da zwey bein an einander stossen; darzwischen legt er sich: zwischen das ohr und der kopffschalen, zwischen der nasen und hirnschalen, zwischen der nasen unnd krösplen am spitzen, und dergleichen auff den rasteten der händen und füssen. Paracelsus 1 (1616), 312 C; die ader am spitz des huͤffs (beim pferde), so man nennt die stralader, derer ein jeder stral zwo hat, die soll geschlagen werden, wann der fuͦsz oder schenckel mit ubrigem bluͦt ist angeloffen. Seuter roszarzn. (1599) 58; es gschicht gmeinlich dasz einem ein gschwärlein wachset vornen an dem spitz der kniescheiben. Würtz wundarzn. (1612) 184; in besonderem sinne spitz, das mennlich glidle an knäblinen und jungen kinden, gib mir den spitz, ich wil dir den spitz auszhauwen, testiculi. Maaler 381ᵃ, der spitze, membrum virile. Frisch 2, 304ᵃ, als veraltet bezeichnet, aber noch schweiz. spiz, das männliche glied. Seiler 275ᵃ. Hunziker 247.
2)
kein spitz wie kein bischen, nichts:
ja, köng, opffer ein ochssen nein,
darzu sechs grosser krüg mit wein,
dasz deiner pfaffen fauler hauffen
haben zu fressen und zu sauffen.
den göttern wirt kein spitz darvon.
H. Sachs 16, 156, 17 Keller-Götze.
3)
spitz, das ist, ein kriegsordnung, oder ein hauffen fuͤszknächt die vornen spitzig und hindenausz ye lenger ye breiter, wie ein holtzwegken, cuneus, cornua in praelio. Maaler 381ᵃ, auch allgemeiner vorderer theil des heeres, schlachtordnung (vgl. lat. acies), in älterer sprache:
der rotmeister schuof
umbe den spiz vorn:
darzuo gehôrten niht tôrn,
si muosten manheit walten,
die den spiz solden halten,
unde haben vesten muot.
Ottokar 15839 Seemüller
nu wol auf, es ist zeit,
das wir auch ziehin an den streyt ...
da mit so richt er seine schar
in einen spicz und macht sich dar.
Wittenweiler ring 54ᵈ, 29;
mit manhait und mit guter witz
bestelt er panir und spitz
mit piderben helden fruet.
Suchenwirt 28, 226;
do hieltent sü stille und ordetent und mahtent iren spitz. d. städtechron. 8, 82, 15 (Straszburg, Closener); hie zwüschent hettent die Switzer iren spitz gemaht und sich wol geordent zuͦ strite. 9, 827, 25 (Straszburg, Königshofen); sy hieltent by Gundeldingen an dem rein und hatent einen spitz gemacht. Basler chron. 4, 178, 7 (v. 1444); Spartacus ... ward von den Römern übereilt; doch wert er sich redlich, ward erschlagen, nam ein êrlichen tod vorn am spitz im ersten glid. Aventin 1, 530, 12 Lexer; (Cäsar) ordnet den spitz. Ringmann Cäsar (1530) 13ᵃ bei Schmidt els. wb. 333ᵇ; sy künden die pfeil meisterlich und gwisz werffen, seind fertig, gschwind, brauchsame kriegszleüt, die an keinem spitz weichen. Franck weltb. 70ᵇ; der spitz oder die vorderist ordnung unsers zeügs, exercitus nostri acies. Maaler 381ᵃ; den spitz der ordnung gegen dem feynd richten, dem feynd in die augen ston, dirigere frontem. ebenda; gegen dem mittelsten spitz der Persen ordnet er seine helffanten mit den thürnen, darinn moren wol gerüst waren. buch d. liebe 220ᶜ. in wendungen wie am spitz sein, an den spitz stellen und ähnlichen kann, besonders wenn sie in beziehung auf einzelne kämpfer gebraucht werden, die allgemeinere bedeutung 'vorderste stelle' hervortreten: dô schickt Joab Uriam an den spitz. historienbib. 363 Merzdorf; also tet nit künigs David schreiber, der da schraib von Davids hayssen ain brief über Urias, wie in der hauptman Joab solt schaffen vornan an den spitz des streitz, das er erschlagen würd. Ingold goldn. spiel 39, 22 Schröder; ich (der feldhauptmann) will zuvorderst am spitz vor euch allen sein. d. städtechron. 5, 277, 30 (Augsburg, v. 1462); in disem streit zuͦvorderost am spitz ist umkomen graff Urlich, graff Eberhards suͦn. 23, 31, 24 (Augsburg, 16. jahrh.); da solichs der behertzt fürst hat gesechen, hat er die ordnung under seinen dienern gemacht und sich zuͦforderst an spitz gestelt und ist auff seinen feind dargerindt. 45, 21; sy steen am spitz steiff und hurtig, doch mer im angriff dann in die länge freydig und bständig. Franck weltb. 70ᵃ. freier: seitenmal sye gar nah täglich in iren übpredigen zum groben volck ire hauffen zuͦm spitz füren und ordenen und mit schelten und geschrey yederman zuͦm streit erfordern. M. Bucer B 2ᵃ.
4)
von thieren.
a)
eine hundeart mit einem langen in eine besonders spitze schnauze auslaufenden kopfe, der Pommer. Adelung, auch wolfshund, canis pomeranus. Nemnich 1, 719. Oken 7, 1564, angeblich, wie eine der dafür üblichen bezeichnungen andeutet, aus Pommern stammend, dort unter dem namen spitz bekannt und so schon bei Dähnert 449ᵃ verzeichnet, der als characteristisches merkmal die 'spitzig stehenden ohren' hervorhebt. vgl. weiter Bauer-Collitz 97ᵇ. Woeste 250ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 279ᵇ. Schm.² 2, 693. Schöpf 690. Hunziker 247, spitsɐ Lenz 267: ein getreuer kleiner spiz, mit welchem sie redlich das brod ihrer armuth theilte, war dann gewöhnlich ihr begleiter. deutsche erzähler des 18. jahrh. 72, 5 (A. G. Meiszner) Fürst; wenn ich sah, dasz sogar deines bruders spitz ... unbeschreiblich freudig um dieses menschen knie sprang, sobald er in die stube trat. H. v. Kleist br. an s. braut 154; bemerken sie wohl, wie gut sich das braune holz gegen den fahlen wasserspiegel absetzt, und dahinter die sonnenblitze und der weisze spitz, der auf der kajütentreppe steht und drüben im andern kahn die kleine graue katze anbellt? Heyse kinder d. welt 1, 60; in bildern und vergleichen:
die hündchen bellen! — wie so viel
der hündchen um dich (Lessing) her:
dachs, möpschen, pudel, spitz, Isländer und windspiel,
fällt an und läuft beiher! ...
die hündchen mögen bellen, geh,
du dogge deinen gang!
Gleim 5 (1812), 111;
so will der spitz aus unserm stall
uns immerfort begleiten,
und seines bellens lauter schall
beweis't nur, dasz wir reiten.
Göthe 2, 219;
seitdem er zuerst, zu gefechten bereit, wie ein leu voll trotziger weltscheu
vortretend (es liebt der energische muth des bewuszten gefühls
die metapher)
durch wirklichen witz urkräftig erlegt den proceszanspinnenden witzbold,
der kleinlichen geists und der zanksucht voll, wie ein spitz an der kette, gebelfert.
Platen 282ᵃ;
und wenn sies nun wüszt und möcht mich doch nicht und thät sich grosz damit, der Holders-Fritz ist wie dem Herrnmüller sein spitz; er thut was ich will, aber einen spitz nehm ich doch nicht? Ludwig 2 (1891), 131; sprichwörtlich: sich amüsiren wie ein spitz im rosengarten, im theegarten, im tischkasten. korrespondenzbl. d. vereins f. nd. sprachf. 3, 51; mit komisch-phantastischer steigerung: mir (einem frohen wanderburschen) war zu muthe wie einem geflügelten spitz. Freytag ges. werke 7 (1897), 294. wenn einer spitze bemerkungen macht, sagt man scherzend, wol mit beziehung auf solchen gebrauch des adj. spitz (s. dies 2, d, α), nd.: spits kuəm! he stichelt. Woeste 250ᵇ oder nu fangt he an to sticheln. auch auszerhalb der anrede (wie hier) gelegentlich ohne artikel. J. Paul leben Fibels 193.
b)
die spitzmaus, wol wegen des spitzen rüssels, in älterer sprache, ahd. spicz, spiz neben spizo, spiza, spizza, sorex. Graff 6, 367: oder (man) soll jm (dem rosz) die kleinen schrollen erden, welche ein spitz, oder schurmaus vorgraben einflöszen. Zechendorfer zwei bücher von gebrechen der rosz (1571) 1, 95 (falls hier nicht -maus auch zu spitz gehört).
5)
die folgende frühnhd. stelle deutet auf eine anwendung im sinne von kunstgriff oder dgl. (vgl. spitz, adj. 2, a): der meister sagt jm (dem lehrling) nit vor unnd ehe ers angreifft, all griff, spitz und heymlicheyt des handwercks. Franck sprichw. 1 (1541), 91ᵃ.
6)
in älterer sprache von menschlichem wesen, das einem spitzigen stachel gleicht:
wo ich (Heinz Widerborst) in einer gassen sitz,
sicht die gantz nachparschafft mein spitz.
H. Sachs fabeln u. schwänke 1, 120, 68 Götze.
ähnlich, mit betonung des abnormen, wobei sich die vorstellung eines spitzigen auswuchses einstellt (vgl. einen sparren haben u. ähnl.):
er redet in der aberwitz.
ich glaub, er hab ein guten spitz.
er thut uns je beyd wol stumpffiern.
fastn. sp. 1, 113, 423 Götze.
damit berührt sich dann eng die folgende anwendung.
7)
'ein geringerer grad des rausches, da man nur bis zur fröhlichkeit getrunken hat.' Adelung, leichter rausch Campe. Kluge studentenspr. 127ᵇ. Hunziker 247. Schm.² 2, 693. Hügel 153. Schöpf 690. Sartorius 116. Ruckert 173. Spiesz 237. Gangler 425. Jecht 106ᵃ. Albrecht 215. Frommanns zeitschr. 5, 73, 112 (nd.). Bauer-Collitz 97ᵇ. d. richt. Berliner 77ᵇ. Mi 85ᵃ. Frischbier 2, 353ᵇ. vgl. franz. il a une pointe (18. jahrh.). zeitschr. f. d. wortforschung 3, 234ᵇ. man hat dabei die vorstellung eines spitzen, kleinen ansatzes, auswuchses (vgl. einen haarbeutel, einen zopf haben), der in gegensatz zu einem gröszeren gestellt werden kann und darum weniger bedenklich erscheint, wie es die folgende stelle veranschaulicht: mein Karl hielt mir am morgen vor, ich hätte einen kleinen zacken gehabt. 'Karl,' entgegnete ich, 'es war nicht einmal ein spitz; nur die freude, die pure freude'. Stinde fam. Buchh. 1, 160. es heiszt: einen spitz haben. Adelung, sich einen spitz trinken. auch, vielleicht mit anlehnung an die unter 4 erwähnte gebrauchsart, sich einen spitz kaufen. Albrecht 215ᵃ. vgl. sich einen affen kaufen.
8)
appenz. spitz, spetz, m. stichelwort, prickelnde rede. Tobler 377ᵇ: er hed-em wider en spetz ggeh, er hat ihm wieder ein stichelwort zugeschleudert. ebenda; i mag meh spitz tträga, as bachschitter, worte stechen und drücken nicht zu boden. ebenda. wortspiel: i brucha ke spetz, i ha schnüer im sack, was dann anwendung findet, wenn man sich der sticheleien ordentlich entledigen oder den worten ihren stachel nehmen will. ebenda.
9)
in der gaunersprache polizeiagent, vigilant. Avé-Lallemant 4, 610, wol weil er gleichsam die ohren spitzt um zu lauschen. Weigand⁴ 2, 769. vgl. spitzel unten.
10)
spitz für spisz, bratspiesz u. dgl. (vgl. spiesz II). Schm.² 2, 692. Lexer kärnt. wb. 237. cimbr. wb. 235ᵃ, brâtspitz, küechelspitz Schm. a. a. o., vielleicht im sinne von spiesz II, 4, splitter, span: nun solle sie selbst sehen, wie sie sich an den spitz gewöhne, den sie sich zwischen die finger stiesz. Felder sonderlinge 2, 155, anscheinend mit formeller vermischung der etymologisch verwandten wörter. in älterer sprache für spiesz, speer (vgl. spiesz I), wobei sich entweder die obige vermischung voraussetzen oder ein gebrauch als pars pro toto (vgl. 1, a, α) annehmen läszt: dissecabo gladio cor eorum ein hesz (s.hesse, waffenart oben theil 4, 2, 1269) oedder spitz vel gladium significat verbum hebraeum. Luther 13, 62, 21 Weim. ausg.; und es hat Abner zum Joab auffgeschryen, und gesagt: wird dann dein spitz bisz zum völligen untergang wüten? (2 Sam. 2, 26, Luther: schwert). Schuppius 692;
alsz dan soll jhr gerechter zorn
des mohns zwey-spizig stolzes horn,
wie auch den getriplierten cronen,
in beedem caesarischem sitz
zu gottes ehr gar nicht verschonen
mit jhrer wöhr und langen spitz.
Weckherlin 352.
spitz adj
Fundstelle: Lfg. 14 (1904), Bd. X,I (1905), Sp. 2562, Z. 76
acutus, mhd. spitz, spiz, spitze Lexer mhd. handwb. 2, 1104, ahd. spizzi Graff 6, 366, in andern altgerm. dialecten nicht bezeugt, etymologisch verwandt mit spiesz, bratspiesz, spitze, älter spisz, mhd. ahd. spiʒ, wie dies wol gleicher wurzel mit lit. spitélè, nadel in der schnalle, lat. spica, spina, skr. sphyá, spahn. Fick⁴ 1, 574 (vgl. oben spiesz II). wegen der ags. entsprechung dieses subst.: spitu nimmt man an, dasz das adj. ursprünglich u-stamm ist. Kluge nom. stammbildungsl.² § 181. Wilmanns gramm. 2, s. 397. 409, wobei auffällig bleibt, dasz der danach zu grunde liegende gleiche nominale stamm nur im hd. adjectivische function gewahrt oder entwickelt hat. adjectivische u-stämme nähern sich in der flexion allerdings schon im got. den ja-stämmen. jedenfalls ist ahd. spizzi ja-stamm, setzt die westgermanische consonantengemination vor j voraus (einfaches t nach einem vocal wird ahd. ʒʒ, im auslaut ʒ, vgl. spiʒ). die form spitz beruht auf verkürzung von spitze. nach stimmlosen lauten pflegt auslautendes e eines adj. nhd. und zum theil schon mhd. abzufallen. Wilmanns gramm. 1, s. 264; spitz herrscht nhd. durchaus. vgl. auch:
nach wunsche waren ir die bein,
weder zu groʒ, noch zuo clein,
smale füeʒ und da bi spitz.
die wiʒe gab da widergliz.
Altswert 25, 29.
in adverbialem gebrauch ist vereinzelt noch aus dem 18. jahrh. spitze bezeugt:
schon horchten all' mit offnem maul,
die ohren standen spitze.
Leipziger almanach d. deutschen musen 1779 s. 207.
in der älteren schriftsprache, anscheinend schon mhd., zweifellos nhd. bis in die zweite hälfte des 18. jahrh. tritt spitz im gebrauch hinter dem jüngeren spitzig zurück. Dasypodius, Maaler 381, Hulsius (1616) 303ᵇ, Stieler 2064, Steinbach 2, 630 verzeichnen nur spitzig. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 873ᵇ führt spitz als zusammengezogene nebenform zu spitzig an, gebraucht aber in den belegen nur dies. Frisch 2, 304ᵃ bietet 'spitz, abgekürzt für spitzig' mit einem beleg aus Keisersberg (s. unten 1, a). Adelung nennt spitz 'ein nur im gemeinen leben für spitzig übliches wort.' erst bei Campe erscheinen beide wörter als gleichwertig neben einander mit dem versuch einer bedeutungsdifferenzierung (vgl. unten spitzig). spitz ist auch ins nd. gedrungen, mnd. spis Schiller-Lübben 4, 329ᵇ, spitz (in zusammensetzungen) 333ᵇ. 334ᵃ, nnd. spitz, spits brem. wb. 4, 956. Dähnert 449ᵃ. Danneil 204ᵃ. Woeste 250ᵇ. ten Doornkaat Koolman 3, 279ᵇ; ebenso gehen nndl. spits, dän. spids auf hd. spitz zurück (wobei wol das nd. vermittelt). vgl. weiter schwed. spetsig. spitz wird im allgemeinen als gegensatz zu stumpf empfunden.
1)
als eigentliche anwendung gilt sinnlicher gebrauch, in dem es gefaszt werden kann als: schmal in einen punkt zusammenlaufend.
a)
von dingen, die stechen, leicht in etwas eindringen. so von waffen, geräten und zubereiteten gegenständen überhaupt, die eine solche wirkung haben sollen: ûfer den grabohûfen. saztôn sie (die Römer beim aufwerfen des lagers) sine uuelbe spizze bouma. sô sie gedrungenôst mahtôn. daʒ man dâr dureskîeʒen nemahti. Notker 1, 46, 23 Piper (Boeth. 1, 29); wann man ein höltzlin zuviel spitz will machen, so macht man es stumpf. Keisersberg post. 12ᵇ bei Frisch 2, 304ᵃ; ein spitzes messer. Adelung; dieser dolch ziemt keiner schauspielerin; spitz und scharf wie nadel und messer! Göthe 19, 94; bei einer unvorsichtigen bewegung des sträubens, die er gemacht, hatte der spitze stahl (ein dolchmesser) seinen hals geritzt. C. F. Meyer Jenatsch 54; aus der schleuder, die Berthar auf die treppe des eingangs gestellt hatte, flogen die spitzen baumpfeile in ihre reihen. Freytag ges. werke² 8, 201;
Vriʒper unte Hiltebolt
wolten, daʒ her Amelgôʒ
unt sîn veter Lanze
vor ir spizzen snallen hüeten sich.
minnes. 3, 221ᵇ Hagen;
heiʒe mit guoter witze
haggen nemen spitze
gemachet ûʒer îsen
und heiʒe die veigen wîsen
ab der frouden strâʒe.
Hugo v. Langenstein Mart. 161, 70;
ein ander rechnet aus der winckel maasz und zahl,
und sucht den mittelstrich mit einem spitzen stahl.
Rachel 56.
ebenso von zubereiteten gegenständen, die andern zwecken dienen, aber solche wirkung haben können: eine spitze schreibfeder, bleifeder. auch von zufällig entstandenem und natürlich gewordenem: spitze holzsplitter; auch hatt' ich die meiste zeit wunden oder beulen an ein paar gliedern, und wenn eine blessur heil war, macht' ich mir richtig wieder eine andre, sprang entweder auf einen spitzen stein auf, verlor einen nagel oder ein stück haut an einem zehen, oder hieb mir mit meinen instrumenten eins in die finger. Bräker 27 Reclam. von theilen des animalischen körpers: syn (eines meerungeheuers) steert was groth unde langh alse en husbalke unde echafftich scharp alse en swert und spiis also ein borstspeet. quelle bei Schiller-Lübben 4, 329ᵇ; ich will den unterirrdischen schatz aus den klauen des zauberhundes reissen, und wenn er tausend rothe flammen auf mich speyt, und seine spitzen zähne gegen meinen degen bleckt. Schiller räuber trauersp. 4, 17;
ir zene ze stumpf noch ze spiz
und wîʒer den ein helfenbein.
Myller fragm. ⅩⅩⅤⅠᵇ
entsprechend: das spitze ende eines messers, eines zahns. sprichwörtlich:
allzu spitz nicht immer sticht.
Kirchhof wendunm. 3, 70 Österley.
b)
von andern dingen. so von theilen der rüstung, kleidung: beyngewant (beinschienen), buchblecher, spitze huben und lange scheken (enge leibröcke) kument us in Elsas von den ersten Engelendern 1365. d. städtechron. 9, 876, 10 (Königshofen); von der kopfbedeckung des jüdischen priesters:
im (gott) liebet vür ein herwîn tuoch
ein messekappe sîdîn,
und vür ein spitzeʒ hüetelîn
ein infel schœne und ûʒ erwelt.
Konrad v. Würzburg goldene schmiede 1418;
spitze hüte als vorgeschriebene tracht der juden im mittelalter: die iuden suln hüte tragen, die spiz sin; da mit sint si uʒ gezeichent von den cristen, daʒ man si für iuden haben sol. Schwabensp. cap. 214, § 10; vgl. auch: dar wart angehenget (an eine urkunde) der stad grote ingeseggel, unde aller gilde ore ingeseggele ock, unde der hovetlude desgeliken, unde nigeden unde hogeden an dem breyve alse de jodden an dem spissen hoͤde. d. städtechron. 16, 360, 18 (Braunschweig, v. 1488); als tracht geistlicher würdenträger der katholischen kirche:
und wer der haufen noch so grosz
vol breiter roter spitzer hüt,
der ieder bsonders in mich (Luther) wüt
mit schreiben, schreien, lesterwort.
Schade sat. u. pasqu. 3, 117, 32.
als bauerntracht, vgl.hut oben theil 4, 2, 1979:
so saget (der bauer) Kunz, schlägt in die hand,
und rückt den spitzen hut die queere.
Gellert 1 (1775), 41.
seit dem 17. jahrh. ist der spitze hut characteristisch für den aus dem plumpen bauer entwickelten hanswurst, auch für einen intriguanten, verläumder, vgl.hut a. a. o. und spitzhut, -hüter unten, wozu beitragen mag, dasz er als welsche (italienische) tracht auch in Deutschland sehr bekannt ist. mit bezug auf seitliche spitzen, ecken eines hutes:
er starb, und liesz bey seinem sterben
den dreyfach spitzen hut dem erben.
Gellert 1 (1775), 10.
vgl. dreispitz 5 oben theil 2, 1392. spitze schuhe, s.schuh 1, c, β oben theil 9, 1841. ebenso von andern menschlichen erzeugnissen: die spitzen thürme (einer burg) mit ihren glänzenden knöpfen und die tiefen schwarzen dächer schwankten. Novalis 2, 176 (Heinr. v. Oft. 1, 9) Meiszner. von natürlich gewordenem: es waren aber an dem wege, da Jonathan sucht hinüber zu gehen zu der Philister lager, zween spitzen felsen. 1 Sam. 14, 4; spitze blätter einer pflanze. Behlen 5, 657. auch von pflanzen mit solchen blättern: creutzsalbey, edle salbey, spitze salbey, salvia minor pinnata, salvia auricularis. Henisch 621, 19; spitz wegerich, plantago angustifolia, lanceolata. Frisch 2, 428ᵇ, vgl. spitzwegerich unten. von theilen des animalischen körpers: spitze schnauze, spitze ohren eines hundes; auch des menschlichen:
ihr zur seite ritt ein zwerg, phantastisch
aufgeputzt, mit einem spitzen höcker.
Platen 325ᵃ.
spitze füsze Altswert 25, 29 (s. das formale), heute kaum üblich; spitze knie; spitze backenknochen, backen, hier in die allgemeinere bedeutung schmal, mager verlaufend. Hunziker 247. Seiler 275ᵃ, vgl. unten 3, a; spitzes kinn, schlimme innere art anzeigend:
dein Pandus, der so zu dir schleicht,
hat eulenaugen, und sie schielen;
sein kinn ist spitz; ...
wenn dieser rothkopf ehrlich ist,
so ist er wahrlich ein betrüger.
Hagedorn 1, 111;
sprichwörtlich:
im spitzen kinn,
sitt de düwel in.
Dähnert 449ᵃ;
lange nas und spitzes kinn,
da sitzt der satan leibhaft drin.
Simrock 349, 7421;
spitzes kinn,
böser sinn.
461, 9759;
dafür auch:
spiz am kinn:
böser sinn.
Eisenhart sprichw. (1823) bei Eiselein 574
(vgl. myth. 1029 [von hexen]); spitze nase, mit gleicher auffassung:
spitze näse, un spitzen kinn,
daar sitt de levendige düvel in.
brem. wb. 3, 219;
nach volksmäsziger anschauung besonders alten jungfern eigen, worin die myth. 1029 erwähnten vorstellungen von hexen nachklingen mögen; bei unmutigem gesichtsausdruck, mit dem herabziehen der mundwinkel schärfer hervortretend: werden die blicke der mütter besorgt, die nasen vieler tanten spitz. Freytag soll u. haben 1, 191; vom zusammengezogenen, vorgeschobenen munde: einen spitzen mund machen, z. b. beim küssen; es spizes müli mache, vor frost, aus eszgierde. Hunziker 247; spitze finger machen, mit spitzen fingern anfassen u. ähnl., bei vorsichtigem oder zierlichem anfassen: ligurio, ich greif mit spitzen fingern zu (beim essen). Alberus dict. ff 1ᵃ; den meydleinschleck, den man mit spitzen fingern und meszern fürlegt. Garg. 54ᵇ; das papier ... mit zwei spitzen fingern in den papierkorb sinken lassen. Keller nachl. 29; auch bei diebischem erfassen; als jüdische geberde der habgier: 'hast du? hast du?' schrien sie dem neuangekommenen entgegen und machten finger so spitz wie krallen gegen seine festgeschlossene faust (worin er den gestohlenen ring hatte). Brentano 5, 142. spitzer bart: er spielte mit seinem jungen spitzen kinnbarte. C. F. Meyer Jenatsch (1801) 131. vgl. auch die unter dem formalen angeführte stelle Leipziger almanach d. deutschen musen 1779 s. 207. spitzes ende in entsprechender anwendung (vgl. a):
daʒ herze (des hirsches) sneit er halbeʒ abe
hin gein dem spitzen ende
und namʒ in sîne hende
und begunde eʒ teilieren.
Gottfried Trist. 2973.
auch in bezug auf flächen: an der spitzen vrechten (ackerstück). quelle v. 1281 bei Kehrein sammlung alt- u. md. wörter aus lat. urkunden (1863) 61ᵇ; spitzer winkel.
2)
im anschlusz an die unter 1, a abgegrenzte gebrauchssphäre in mannigfacher übertragener anwendung.
a)
genau treffend, erfassend, scharf, vom gesicht, in älterer sprache, doch nur in stellen bezeugt, wo geistiges vorstellen oder erschauen gemeint ist:
mit des (Morolts) gewæfene wil ich
noch mit sîner sterke
mînes herzen merke
noch mînes sinnes spitze sehe
mit nâhe merkender spehe
nit stümphen noch lesten.
Gottfried Trist. 6509;
syt das sant Augustinus spricht, der doch gar spitz ougen het zuͦsehen denn wir, wenn im kum yeman glichet, was wolten wir denn hie zuͦ künnen gesagen, dann als er seyt. Keisersberg bilgersch. 19ᶜ. wie klug, scharfsinnig:
deʒ slangen drittiu witze
diu ist vil spitze.
er ist niht gar ein tôre.
Hugo v. Langenstein Mart. 46, 22;
ich darff nit fill spitzer vernunfft,
das ich beschreib die schelmen zunfft:
der deglich brauch lernt mich das wol,
wie ich eyn schelmen kennen sol.
Murner schelmenz. 1. vorrede 41 neudr.;
der könig hat gar ein spitzen kopff. Hedio Com. 152. auch so veraltet. aber noch adverbial in mundartlich gefärbter sprache: wie spitz sie die sache auch überschlug, ins klare kam sie nicht. Gotthelf Hans Joggeli (1893) 19. nd. von wissen und aussagen wie scharf, klar, genau: dat kann'k spits wiəten. Woeste 250ᵇ; dat kann'k so spits nitt seggen. ebenda. vgl. spitz kriegen unter e.
b)
dann mit dem tadelnden beisinne des unabsichtlich oder absichtlich trügerischen wie überklug, tüftelnd, wol wegen der von der kirche früh betonten gefahr eines blosz verstandesmäszigen speculierens und handelns, in älterer sprache:
spitze künste, die gên nu vür,
die maneger einveltiger herzen tür
sô sêre verzwickent und verslieʒent,
daʒ manege sêle ir niht genieʒent.
renner 2034;
du maht mit dînen witzen
valschen unde spitzen
mîn herze niht geneigen
daʒ ich dem tievil veigen
mitt opphir hie iht bringe.
Hugo v. Langenstein Mart. 92, 112;
der meister von den spitzen sinnen (Duns Scotus, doctor subtilis)
hat ser geholfen 's grab gewinnen,
dan er geschriben hat so vil,
so hoch verstendig und subtil,
dasz die da gwesen sind gelert,
ir meiste zeit drin hand verzert.
Schade sat. u. pasqu. 2, 243, 1738;
sage mir, ob der nicht ein unsinniger narr were? der die leute von der einfeltigen weise zu reden, auff seine spitze, scharffe, sophistische weise wolt füren, so doch die einfeltige sprache nichts mehr wil mit dem spruch (das eisen ist eitel fewr) denn das sie deuten wil, wie das eisen und fewr in einander sind, das wo eisen ist, da auch fewr sey. Luther 3, 79ᵇ; so hette sie die einfeltige art der sprachen leichtlich können entrichten, die durch jre spitze und ersuchte scherffe der vernunfft, jnen selbs und andern so viel unnütze mühe und arbeit machen. ebenda; weil sie auff der bahn gehen, das sie gottes wort wöllen nicht mit dem glauben ehren, oder nach einfeltiger weise der sprachen annemen, sondern mit der sophistischen vernunfft und spitzer subtiliteten messen und meistern, werden sie gar fein dahin komen, das sie auch leugnen werden, Christus sey nicht gott. ebenda; und also wider alle vernunfft und spitze logica, halte ich, das zwey unterschiedliche wesen, wol ein wesen sein und heissen mügen. 485ᵇ. häufiger frühnhd. spitzer fund, spitzes fündl(e)in, überklug, trügerisch ersonnenes, ausgedachtes: die gnade helt gott dennoch allzeit steiff uber der welt, das er keinen falschen propheten lesst anders fürnemen, denn etwas eusserlichs, als da sind, werck, und subtile, spitze fündlin, von eusserlichen dingen. Luther 3, 36ᵃ; und (das 9. und 10. gebot) ist nach (am rande: auch) ein schutz wider die spitzen fündlin, und rencke der weltweisen, die doch auch jre straffe zu letzt kriegen. 6, 313ᵇ;
dan sie (Duns Scotus und Thomas v. Aquino) mit iren spitzen fünden,
mit den sies als hand wöln durchgründen,
uns so vil hand zuͦ schaffen geben,
dasz wir die bibel nit dar neben
lesen konten ein einich mol.
Schade sat. u. pasqu. 2, 243, 1761;
sy wölten (wählten) ein schlechten prelaten
mit listen und mit spitzem fundt,
der ir liedlin singen kundt
und liesz es gon, recht wie es gieng.
Murner narrenbeschw. 15, 41 neudr.
vgl. spitzfund, spitzfündig-, findig. in entsprechender anwendung auch von personen: also hetten diese sophistische und spitze klüglinge an diesem ort auch mügen das gantze stück, als brot und leib, da Christus von redet, deuten allein auf den leib, da er spricht, das ist mein leib, unangesehen das brot. Luther 3, 80ᵃ; ob hie nu der spitze Vigelph und sophisten wolten fürgeben die prædicatio identica, das zwey unterschiedliche wesen nicht mügen ein ding sein, noch eins das ander gesprochen werden. 486ᵇ; denn man mus nicht achten, was solche spitze sophisten gauckeln, sondern auff die sprache sehen, was da für eine weise, brauch und gewonheit ist zu reden. 488ᵃ; lasz die spitzen und glawblosen sophisten nach solchen ungründtlichen dingen trachten und die gottheytt yns sacrament betzaubern. 11, 450, 13 Weim. ausg.
c)
spitze fragen können spitzfindig ersonnene sein oder solche, deren lösung scharfsinn erfordert: es war mir so ziemlich gelungen, mich in seine gunst zu setzen; denn ich wusste ihm die spitzesten fragen, die sonderbarsten fälle aus dieser für uns Teutschen so wichtigen wissenschaft vorzulegen. Klinger 9, 62. in älterer sprache dann auch von geschäften, die geistiges geschick erfordern, wie schwierig, heikel: ein diener soll in spitzen geschäfften die krebs mit seines herrn handschuch aus den löchern ziehen. Lehmann 139.
d)
die empfindung scharf treffend, verletzend, in bestimmten gebrauchsarten.
α)
in bezug auf innere, seelische empfindung, meist mit dem nebensinne des absichtlichen und versteckten, von worten: eben so gehets der tyrannen pracht auch zu letzt, das sie nicht allein macht und gut verlieren .., sondern das man auch yhr dazu spottet und lachet mit spitzen und bundten, hönischen worten 'wo bistu nu, juncker? wo ist dein zorn'. Luther 19, 400, 13 Weim. ausg.; Serlo schmeichelte zwar jedermann im einzelnen, aber seine spitzen reden über das ganze waren doch auch öfters herumgetragen und wiederholt worden. Göthe 19, 244; da klangen schon in der ersten viertelstunde so spitze reden herauf, dasz die arglose frau Hahn dem weinen nahe war. Freytag ges. werke 6 (1897), 125; spizi rede füere. Hunziker 247; nd. spitse worden, 'n spitsen antwôrd. ten Doornkaat Koolman 3, 279ᵇ;
wʒ halffs, ich druckte (meine untergebenen) gleichwol fort,
acht keiner red, noch spitzen wort.
Ringwaldt tr. Eck. Hᵇ.
entsprechend auch spitz zünglin. Luther sprichw. 354 Thiele, spitze zunge, eine verbindung, die durch den anklang an fügungen wie spitze zähne u. dgl. (vgl. 1, a) eine besondere sinnliche kraft erhält:
nichts mocht' ihm (im turnier) seine vorsicht (dasz er den schwersten speer gewählt hatte) frommen, nichts
sein frecher muth und seiner spitzen zunge
behendigkeit.
Wieland 18, 19 (Geron 118);
'... wiewol ich wirklich etwas bin beklommen,
wie dir (der perle) in deinem hohen wellenschwunge,
ich's nachthun soll aus meiner dunklen tiefe.'
so sprach der edelstein mit spitzer zunge.
Rückert ges. ged. 1, 165;
hand will lieber worte kritzeln,
aber nur zum nothbedarf;
zunge liebet mehr zu witzeln,
karg zu sein und spitz und scharf.
Hoffmann v. Fallersleben ged.⁹ 41;
in ausgeführtem bilde, das an die thätigkeit des kupferstechers oder dgl. anzuknüpfen scheint: er stach ihm mit seiner spitzen zunge ein schönes bild der höfe aus (schilderte ihm das hofleben als schön). J. Paul unsichtb. loge 2, 42. nd. auch von personen, die zu solchen worten neigen: 'n spits wîf. ten Doornkaat Koolman 3, 279ᵇ. in adverbialer fügung, sinnlicher anwendung im ausdruck nahe:
ihr
setzt eure worte sehr — sehr gut — sehr spitz —
ich bin betreten — allerdings — ich hätte ... (anders handeln sollen).
Lessing 2, 248 (Nathan 1, 5);
unmittelbar neben verben der aussage: 'schade', rief Clelia nach dieser erörterung spitz, 'dasz sie sich nicht selbst als niederschlagendes pulver verschreiben können ...' Immermann 4, 97 Boxberger (Münchh. 8, 2); der alte herr .. sagte spitz. C. F. Meyer nov. 1, 36; ihr umgangskreis, den Berndt ziemlich spitz als 'allerlei freunde' bezeichnete, war nicht darnach gewählt worden, ob er anderen, sondern lediglich darnach, ob er ihr gefiele. Fontane vor dem sturm 2, 17. jemand spitz kommen, ihn mit worten verletzen. Borchardt-Wustmann redensarten (1894) 447, 1117; nd. he brukt mi nig so spizz antokamen, sei er nur nicht so spöttisch. Schütze 4, 171. etwas spitz nehmen, übel nehmen, versteckte bosheit, versteckten spott, tadel darin finden: der junge mensch gefiel ihm, weil er nicht alles 'so spitz nahm' wie sein vater, bei dem er nie ganz in seinem feuchten elemente war. J. Paul heiml. klagel. 35.
β)
selten in bezug auf körperliche empfindung, mit einschlusz der inneren von der wirkung, die im 5. akte von Göthes Faust die äuszere berührung mit den rosen der engel auf Mephistopheles hat:
selbst der alte satans-meister
war von spitzer pein durchdrungen.
Göthe 41, 337.
es sind flammen. die ihn durchdringen. auf rein körperliches hitzegefühl geht die folgende fügung, die unmittelbar an 1, a anknüpft: der mittag ist glühheisz, die sonne sticht so spitz. Auerbach dorfgesch. 3, 124. adverbial wie hier in der folgenden stelle von der wirkung kalter, rauher witterung auf die haut, durch eine art personificierung in engstem zusammenhange mit α:
das zarte lippchen ist gesprungen,
weil nun über reif und frost die winde
spitz und scharf und lieblos mir begegnen.
Göthe 2, 96.
mundartlich auch in allgemeiner anwendung wie frostig. Frischbier 2, 353ᵇ.
e)
häufig ist in der neueren umgangssprache, besonders Nord- und Mitteldeutschlands, die verbindung spitz kriegen mit acc.-object. sie ist wol auf nd. boden erwachsen. die ursprüngliche sinnliche kraft des ausdrucks erscheint am deutlichsten erkennbar in der folgenden anwendung: wo willen wi dat ding spitz kriegen? wie wollen wir leicht mit der sache durchkommen. Dähnert 449ᵃ, eigentlich: wie wollen wir das ding so zuspitzen, dasz sich die hindernisse damit leicht durchdringen lassen. so auch: dat kann ik nig spitz kriegen, ich kann nicht damit zu meinem zweck kommen. brem. wb. 4, 956; ich kann die sache nicht spitz kriegen, ich kann damit nicht zum ziele, zum zwecke kommen. Hennig preusz. wb. (1785) bei Frischbier 2, 353ᵇ, ebenso positiv: wunderbar ist meine gabe, die lüge spitz zu kriegen, wenn·s darauf ankommt, mich herauszulügen. Hebbel 9 (1891), 24. meist wird es dann auf verstehen, geistiges erfassen bezogen, mit anlehnung an 2, a: dat kann ik nig spitz kriegen, ich kann es nicht ausfindig machen oder ergründen. brem. wb. 4, 956; ich kann es nicht spitz kriegen, ich kann den grund davon nicht einsehen, kann mich nicht darein finden. Adelung; beim höchstseligen herrn (Friedrich Wilhelm I.) gings zuweilen in diesem stück bunt über eck — und da konnte man manches nicht spitz kriegen. Hippel 2, 115; wiewohl ich nicht spitz kriege, wie sie das kumpabel sind. J. G. Müller Siegfr. v. Lindenberg 1 (1784), 98; so wenig ich, wie du dich erinnern wirst, bey meinem vorgestrigen einzuge, und so lange ich nur die alte tante gesehn hatte, die guten absichten des zufalls mit meinem individuum spitz kriegen konnte. Thümmel reise 3 (1794), 140; zeitungs-geträtsch, zeitschriften-geschwätz, theegewäsch ist ihm (dem volk) eine fremde welt, und den schrannenmischmasch kann es kaum zusammenstaben, aber nie spitzkriegen. Jahn 2, 634 Euler; vgl. auch Anton 13, 4. ebenso, obschon weniger häufig, positiv etwas spitz kriegen, sich über etwas klar werden, auch: etwas gewahren, bemerken. Albrecht 214ᵇ. Jecht 106ᵃ, nd.: hê hed dat gau spits kregen (gelernt, begriffen), wo hê dat maken mut. ten Doornkaat Koolman 3, 279ᵇ. heute auch einen spitz kriegen, ihn durchschauen, hinter seine schliche kommen.
3)
im anschlusz an den unter 1, b erwähnten weiteren gebrauch in freierer anwendung wie: der fülle ermangelnd.
a)
in bezug auf aussehen, gestalt, schmal, dünn, sich vorbereitend in wendungen gleich den folgenden:
myt den konden se hoveren,
dat on de budel (geldbeutel) wart al spys.
d. städtechron. 16, 198, 3044 (Braunschweig, v. 1490);
spitze backen, ein spitzes gesicht, nach dem kinn zu spitz verlaufend, dann in obiger art empfunden. entsprechend: spitz aussehen, mager, abgefallen, kränklich. Anton 4, 11. der richtige Berliner 77ᵃ; spiz dri-luege, mager. Hunziker 247. auch: ein spitzes mädchen, ein schmächtiges. Stalder 2, 385.
b)
auch sonst in bezug auf mangel an stofflicher fülle, knapp, kärglich, geizig, landschaftlich: spitz wiegen; es got spiz zue. Hunziker 247.
c)
von tönen, dünn, fein: spitzer ton einer geige; dann kamen dumpfe töne, die murmelten etwas wie: krumm, oder: lump! dann spitze, die thaten wie wicht! wicht! Vischer auch einer 1 (1900), 223. vom regen, wol zunächst in bezug auf das geräusch beim anschlagen an die fensterscheiben: erst wollt ich noch zu ihnen, nun heist mich das wetter häuslich seyn, am caminfeuer drück ich mich und höre dem sausen zu und dem spizzen regen. Göthe br. 4, 28 (24. april 1779, an frau v. Stein) Weim. ausg.
4)
technisches.
a)
seemännisch ein tau spitz machen, nach und nach kabelgarn aus einem tau nehmen, damit es gegen das ende zu allmählich dünner wird. Bobrik 650ᵇ.
b)
weidmännisch spitz schieszen, gerade von vorn oder hinten. Kehrein weidmannsspr. 278.
c)
weidmännisch spitzes korn, feines, gegensatz zum vollen. 277. vgl. 3, b.
5)
abseits steht ein mundartlicher gebrauch von der milch, die anfängt sauer zu werden. Kehrein 1, 383. Pfister 281, der sich wol von der vorstellung aus entwickelt, dasz die beschaffenheit der milch gerade den punkt, die grenze trifft, wo sich süsz und sauer scheiden. vgl.scharf 10, g oben theil 8, 2189.
Zitationshilfe
„spitz“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/spitz>, abgerufen am 21.10.2019.

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