schuh m
Fundstelle: Lfg. 10 (1897), Bd. IX (1899), Sp. 1838, Z. 38
calceus, mhd. schuoch, schuo, gen. schuohes, schuos, plur. schuohe, schuoch, schuo, md. schûch, schû, schôch, schô, plur. schûche, schûwe, schû, schôwe, schô, auch ausnahmsweise schwach flectierend Lexer mhd. hdwb. 2, 818, ahd. scuoh, scuah Graff 6, 418; goth. skôhs, alts. scôh, belegt scôhun, dat. plur. Hel. 1947 (s. unten 1, a), daneben scoͮon, calceis Düsseldorfer Prudentiusgl. Haupts zschr. 15, 521, 245, mnd. scô, plur. schô, schô(i)e, schô(i)en, schôwe Schiller - Lübben 4, 106ᵇ, nnd. schô Strodtmann 203. brem. wb. 4, 664. Schütze 4, 55. Dähnert 409ᵇ u. s. w.; mndl. scoe Franck mndl. gramm., schoe Kilian, nndl. schoen; altfries. scô, daneben hand-schoech, nordfries. skog, plur. skuer Richthofen 1032; ags. scô, engl. shoe; altnord. skór, nom. plur. skúar und skór Fritzner² 3, 367ᵃ, schwed. dän. sko. sichere bezüge auszerhalb des germ. fehlen. J. Grimm vermuthet in der gesch. d. d. spr. 890, anm. zusammenhang mit goth. skêvjan, ὁδὸν ποιεῖν, das dem anord. skæva, sich vorwärts bewegen entspricht Fritzner² 3, 415ᵇ und auch mit schicken verwandt sein soll. Kluge etym. wb.⁵ 321. Sceat möchte es auf die wurzel ska, sku, bedecken zurückführen (vgl.schatten, ↗scheuer, ↗scheune, engl. sky) etym. wb.² 549ᵇ, was jedoch lautliche schwierigkeiten hat.die alte spirans, mhd. inlautend vor vocalen h, auslautend und inlautend vor consonanten ch, md. und auch sonst landschaftlich in älterer sprache zwischen vocalen gleichfalls ch (Lexer a. a. o., tir. weisth. 4, 392, unter 1, a und Ottokar 20021 unter 1, c, ε) hält sich nhd. im auslaut noch lange. Luther schreibt in der bibelübersetzung schuch, schuhe: meinen schuch strecke ich uber Edom. ps. 60, 10; zu der zeit wird der herr den schmuck an den köstlichen schuhen wegnemen. Jes. 3, 18. ebenso bietet schuͦch Alberus, schuch Dasypodius, schuͦch Maaler 364ᵃ, schuch neben schuh Hulsius (1616) 290ᵃ, Schottel 1420, Stieler 1936, Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 672ᵇ. erst Steinbach gibt als alleinige form schuh an, ebenso dann Frisch 2, 230ᵇ. Adelung und Campe. heute ist das auslautende ch nur mundartlich Schm.² 2, 390. Schöpf 650. idiot. austriar. 116. Lexer kärnt. wb. 226. Vilmar 371. Schultze 44ᵃ, dringt hier auch oft in den inlaut, so in der deminutivform schüchel Schm., Schöpf, Lexer a. a. o., von der dann wieder das landschaftliche schüchelchen gebildet ist (s. dies oben und schühlein unten), und erscheint zuweilen zur tenuis verändert: schûk cimbr. wb. 229ᵇ. Hertel thür. sprachsch. 222, deminut. schickelchen ebenda. das inlautende h geht im cimbr. in die media über: schuge a. a. o., ähnlich im dür. in j, das dann im plur. in den auslaut tritt: schûi Hertel a. a. o. im älteren nhd. ist das h vor vocalen, statt dessen gelegentlich noch in schriftquellen ch erscheint, so Zimm. chron.² 3, 451, 17 (die stelle s. unter 1, c), wol noch wirklich gesprochen worden. heute ist es zwar der schreibung nach erhalten, wird aber in der sprache der gebildeten ebensowenig gehört wie das nicht mehr geschriebene ch im auslaut und vor consonanten.
1)
der verbreitung des worts über alle germanischen dialecte gemäsz ist das damit bezeichnete kleidungsstück als altgermanisch, nicht von einem anderen culturvolk entlehnt anzusehen, vergl. Müllenhoff in Haupts zschr. 10, 560. aus einfachsten formen erwachsen, so zunächst nur aus einem nach dem fusz geschnittenen stück leder mit vorrichtung zum binden (ebenda und Weinhold anord. leben 164), hat sich der schuh wie jedes kleidungsstück mit zunehmender cultur vervollkommnet und den verschiedenen bedürfnissen und geschmacksrichtungen gemäsz verändert (s. unt. c). wir verstehen unter schuh die nur den fusz umfassende bekleidung, zum unterschiede vom stiefel, der auch einen theil des beins bedeckt:
deine handschuch, stifel, schuch,
dein kleyd von seyden oder tuch,
mit lieblichem geruch prachtieren.
Weckherlin 822.
schuh bezeichnet auch den entsprechenden theil am stiefel Adelung: zum lobe meines schuhmachers .. musz ich dir noch sagen, dasz ich in den nehmlichen stiefeln ausgegangen und zurückgekommen bin, ohne neue schuhe ansetzen zu lassen. Seume spaz. a. ende. zuweilen aber wird mundartlich das alte heimische wort auch im sinne des fremden stiefel gebraucht Schröer 205ᵃ, ebenso in älterer sprache:
ir (der üppigen bauern) schuohe unz ûf daʒ knie ergânt gemâl.
Neithart 88, 34.
vgl. auch knieschuh oben theil 5, 1432. pantoffeln, halbschuhe lassen den hacken frei.
a)
die folgenden belege zeigen zunächst das wort ohne zusätze in allgemeiner anwendung: (im bilde) ioh ze diên, diê terrenam vitam uôbent ferreccho ih mînen scuôh. Notker ps. 59, 10; sie (die schuhmacher) süllent auch neu schueche in geben in dem rechten markte (preise), daʒ man über sei nicht chlage. tirol. weisth. 4, 392, 1; er (gott) hat euch vierzig jar in der wüsten lassen wandeln, ewer kleider sind an euch nicht veraltet, und dein schuch ist nicht veraltet an deinen fussen. 5 Mos. 29, 5; wie schön ist dein gang in den schuhen, du fürsten tochter. hohes lied 7, 1; und der herr wird verbannen den strom des meers in Egypten .. und die sieben ströme schlahen, das man mit schuhen dadurch gehen mag. Jes. 11, 15; ich teuffe euch mit wasser zur busze, der aber nach mir kompt, ist stercker denn ich, dem ich auch nicht genugsam bin, seine schuch zu tragen, der wird euch mit dem heiligen geist und mit fewr teuffen. Matth. 3, 11; ewere lenden sollen gegürtet sein und die schuch an ewern füszen. Reiszner Jerus. 2, 38ᵃ; das wir die arme umb geld, und die dürfftigen umb schuch unter uns bringen. Gretter erklärg. d. ep. Pauli a. d. Römer (1566) 773 (nach Amos 8, 6); er wird jhr (der mann der frau) abgott sein, das bett jhr altar, darbey man die schuh stelt (vielleicht mit anspielung auf die unter 1, e angeführte stelle 2 Mos. 3, 5), darauff alle versöhnung geschicht. Garg. 70ᵇ; wenn ein klein spitziges steinlein einem in die schuch gefallen ist, und nicht heraus genommen wird, so drücket er beschwerlich. Comenius (1657) 84; (im gleichnis:) wolst du wol so thöricht seyn, und dir ein stück vom fusz abhauen, auff das du einen schuch, der irgend zu kurtz gemacht ist, köntest drüber ziehen. Schuppius 309; schuhe seynd die bekleidung des fuszes, von leder, tuch, damast, sammet oder gar brocat verfertiget, werden zuweilen mit gold und silber gestricket, meistentheils aber mit tressen, bande, spitzen, börtlein und taffet-falbala frisiret. frauenzimmerlex. bei Schultz alltagsl. 36;
endi ne lâtad thes melmes wiht
folgôn an iuwun fôtun thanan,   the man iu antfâhan ni wili;
ak skuddiat it fan iuwun skôhun,   that it im eft te skamu werde,
themu werode te gewit-skepie,   that irô willio ne dôg.
Heliand 1947 Heyne (nach Marc. 6, 11);
sie wurfen dâ zu wette,
der die hosen, der den schuoch.
Heinr. v. Freiberg Trist. 2913;
ir gâbt mir (Christus) schuohe noch daʒ kleit.
H. v. Neustadt von gottes zuokunft 6881;
er geht zum gerber, stilt die haut
und gibt die schuh umb gottes willn.
Hayneccius Hansoframea 4, 3;
warum sind deine schuh so blutroth?
volksl. bei Herder 25, 171 Suphan;
jetz isch er (der schatz) gange go wandre;
ich wünsch em löcher in d' schuh.
jetz hab i wieder en andre!
gott geb mir glück dazu!
des knaben wunderhorn 2, 429 Boxberger;
man kann dabei bequem und säuberlich
in warmer stube sitzen und kein schuh
wird nasz!
Schiller Turandot 2, 1.
b)
ein paar schuhe Adelung, schuh Stieler 1411 gehört zusammen: ich hab ein man gekant von dem sagt man wen es regenwetter was und wüst, so gieng er uff holtzschuͦchen in die kirch und truͦg ein par schuͦh under dem mantel dasz legt er an in der kirchen das er suberer erschein dan andere. Keisersberg narrensch. (1520) 29ᵃ; auff das wir die armen umb geld und die dürfftigen umb ein par schuch, unter uns bringen. Amos 8, 6; auf welche khisten seind auch ettlich schuech und banthofel für dich und mich gebunden, nemlich 8 bar schuch unnd 2 bar banthofel, so dir gehören. B. Paumgartner an seine gattin im briefw. beider 60 Steinhausen; (die schuster) wissen das verbrennte leder so stattlich zu gebrauchen, dasz zuweilen ein paar schuh durch einige kottlacken schon ein schiffbruch leidet. Abr. a S. Clara etwas für alle 1 (1699), 353; einem ein par schuhe anmessen. Kramer deutsch - ital. dict. 2, 672ᵇ;
in der iugt must das kint drincken wein,
zerhawne kleider must es tragen, ..
al wochen auch haben new par schug (: tuch).
Jasper v. Gennep Homulus 305.
sprichwörtlich es gehöret mehr zum tanz, als ein par schuhe, per ludum et negligentiam ad honores haut pervenitur, non in proclivi est, quam imber est, quando pluit Stieler 1936. Kramer 2, 672ᵇ, nd. daar höret meer too'm danz, as een paar schoe, es gehöret mehr dazu, als mancher aus leichtsinnigkeit denkt. brem. wb. 4, 665, tum danss hört meer as en paar scho, damit ist nichts gethan Schütze 4, 55, es wird mehr zu der sache erfordert als du meinst Dähnert 409ᵇ, d'r hö͏̂rt mër to't dansen as'n par schô. ten Doornkaat Koolman 3, 130ᵃ; dasz .. noch mehr als ein paar schuh zum tantz darzu gehöre. Simplic. 1, 2, 11. es heiszt auch verstärkend, weil schuhe aus corduan, rote schuhe besonders fein sind (vgl. unten c): allein was ist das (20 000 thlr.) für die arme kinder? es gehöret mehr zum dantz, als ein paar cordubanische schue. ich hab erfahren, was jährlich auff eine hauszhaltung gehe. Schuppius 139;
ja, mein freund, es hört mehr dazu
zum tantzen, als ein roth par schu.
Rollenhagen Abraham 142, 8 (in Joch. Schlues Isaac, herausg. von Freybe²)
und: es gehört mehr dann rote schuh zum tantz. Fronsperger kriegsb. 2, 1ᵇ;
der namm eins ampts ist nicht genuch,
zum tantz ghören mehr denn rote schuͦch.
Kirchhof wendunm. 1, 164 Österley;
glaube mir gar und ganz,
mädchen, lasz deine bein' in ruh,
es gehört mehr zum tanz
als rothe schu.
Göthe 2, 259.
nd. enem een paar schoe geven, einem den laufpasz geben, davonjagen. brem. wb. 4, 665.
c)
schuh durch adjectiva oder andere zusätze näher bestimmt.
α)
man unterscheidet den rechten und den linken schuh, die oft in der form verschieden sind. Frischlin nomencl. (1586) 184ᵃ (cap. 139) führt an: zweifüsziger schuch, cothurnus, nach Frisch 2, 230ᵇ eine bezeichnung für schuhe, die an beide füsze können angezogen werden. schuhe, die passen, heiszen in älterer sprache gerechte schuhe, calcei habiles, et ad pedem apti, convenientia calceamenta Stieler 1936. Steinbach 2, 518. bildlich: 'ich hätte gleichwol vermeint,' antwortet Simpl., 'wann ich in deiner haut steckte, es wäre mir rathsammer, wann ich ein weib hätte ..' 'o bruder,' sagte Springinsfeld, 'dieser schuch ist an meinem fusz nicht gerecht.' Simpl. 3, 199, 8 Kurz; so auch wol: meydlin sind dir die schu recht? (vers?) Garg. 88ᵃ. sprichwörtlich: ein schuch ist nicht jedermann gerecht. Petri (1605) 2 R 4ᵃ. Simrock 435, 9216. in Franken sagt man dein schuh wird mir auch einmal g'recht, du wirst mir auch einmal so begegnen, dasz ich dich fassen kann Wander 4, 357, 173. weite, enge schuhe Stieler 1936: etwan waren die schüch zuͦ eng, ietz so seint sie zuͦ weit. Keisersberg narrensch. (1520) 29ᵃ; seint einem die schuch zu weit, so fället einer drüber, seint sie zu eng, so drücken sie einen. Corvinus fons lat. (1660) 108ᵃ; im gleichnis:
ich wil mîn bett nâch mîner lenge,
ich wil den schuoch ze wît noch zenge.
ist er enge, er dwingt den vuoʒ,
von wîtem schuoch man strûchen muoʒ.
mînen vînden ich verlâʒe
swaʒ in der werlde ist âne mâʒe.
Thomasin v. Zircläre wälscher gast 9978.
so dann auch sprichwörtlich zu enger schuh drückt, zu weiter schlottert. Simrock 435, 9215. ähnlich enge schuhe und wenig einnahme drücken. Frischbier bei Wander 4, 351, 55. in gleichem sinne zu grosze, grosze, kleine, zu kleine schuhe: sprichwörtlich: was sollen grosz schuͦch an einem kleynen fuͦsz. Franck sprichw. (1541) 1, 62ᵇ. Petri (1605) 2, Zz 4ᵃ. Simrock 9220, doch geht grosz und klein auch einfach auf die form, wie die folgende stelle grosze schuhe zu meinen scheint: (im gleichnis) denn es ist ein andere weisz anheben mit blateren (blasen) schwimmen, die ein oben halten. ein andere ist, anheben mit groszen schuhen tantzen, die ein beschweren. Schuppius 728. hohe schuhe, calceamenta altiuscula, ut quis procerior, quam est, videatur Stieler 1936 (mit hohen absätzen) Kramer 2, 673ᵃ, calcei altiusculi, in der alten Römer tragoedien hieszen sie cothurni. Frisch 2, 230ᵇ: wer will immerzu höher seyn als ein weib? der teuffel hat ihnen unten und oben, das ist bey füszen und kopf, müssen zusetzen, damit sie nur höher seynd, bey den füszen durch die hohe schuh, beim kopf durch die hohe hauben. Abr. a S. Clara bei Schultz alltagsl. 37. als gegensatz niedrige schuhe. schuh mit hohen sohlen Corvinus fons lat. (1660) 1, 650ᵇ. hochristige, niederristige schuhe: wolst sehen, das dem Waltesla sein schug nor hachristig genug gemacht wern, wan wir uns wol so vil nieden (plagen) miesen mit den andern. sind ale 2 par zu niderristig. Magd. Paumgartner an ihren gatten im briefw. beider 96 Steinhausen.
β)
der form nach unterscheidet man weiter spitzige ò gespitzte schuh Kramer 2, 673ᵃ. Frisch 2, 230ᶜ, wie sie besonders im späteren mittelalter von vornehmen getragen wurden, von den männern spitzer als von den frauen, eine mode, die im 16. jh. in ihr gegentheil umschlug Weinhold deutsche frauen² 2, 267: herr Wernher freiher zu Zimber hielt sich ganz altfränkisch mit seinen claidern, wie es dan vor jaren in seiner jugendt der sitt war gewesen, und sonderlich pflag er die langen spitzigen schuch zu tragen. Zimm. chron.² 1, 480, 17; die fuszstapfen, so wegen der damahls üblich spitzigen schuhen sehr kenntbar waren. Hoffmannswaldau bei Steinbach 2, 518;
schaffet mit den frowen daʒs an die porten niht engân
mit ir hendeln kluogen,
mit ir schuohen spitzenlîch.
Haupts Neidhart 211, 6;
sie (die frauen) wellen yetz tragen on das
was ettwan mannen schäntlich was,
spitz schuͦ, und uszgeschnytten röck
das man den milchmerck nit bedeck.
Brant narrensch. vorr. 117 Zarncke;
aber auch noch in neuerer zeit, besonders bei den frauen, als fein geltend:
denn schöne kleider und spitze schuh,
die kommen keiner dienstmagd zu.
studentenlied.
in gleichem sinne:
die schuh die müssen seyn mit grossen hörner-spitzen,
drauff müssen schon gefügt die bunten rosen sitzen.
Rachel 113 (9. sat.).
auf schuhe dieser art, die auch schnabelschuhe (s. dies oben sp. 1149), in älterer sprache schnebellichte schue Stolle Erfurter chron. in Haupts zeitschr. 8, 469 (s. unten ε) heiszen, beziehen sich die folgenden stellen: da (anno 1350) gingen lange schnebel an den schuhen. Limburg. chron. 21;
waʒ der roc hât abeganc,
als vil ist der schuoch ze lanc,
und die spitze an den schuohen vorn,
als diu krumpen widders horn.
Teichner 2;
si (die östreichischen ritter vor der schlacht bei Sempach) bundent uf ir helme
und tatends fürher tragen;
von schuchen huwentz dschnäbel:
man hett gefüllt ein wagen.
hist. volksl. 34, 18 Liliencron.
den gegensatz dazu bilden stumpfe schuh Kramer 2, 673ᵃ oder breite: dy manne trugen (anno 1440) .. stompfe scho. Stolle Erf. chr. in Haupts ztschr. 8, 319; die schuͦch waren etwan zuͦ spitz, yetzund so seint sie stumffpt wie kalbs müler. Keisersberg narrensch. (1520) 29ᵃ; die kleydung (der bürger) ist, wie gesagt, alltag neüw, nit lang, noch bey menschen gedächtnis truͦg man spitzige schuͦch, mit langen schnäbeln, kleine enge kurtze kleyder, kappen mit zotten, yetz ist alles anders unnd umbkert, weit, grosz, die schuͦch breyt und maulecht. Franck weltb. (1542) 47ᵃ. es gab auch stumpf und gehörnete schuh, scarpe, à mezza luna, ò lunate Kramer 2, 673ᵃ. Hulsius führt an: schuch mit hörnern, wie die rathsherren unnd alten tragen, souliers à cornes, scarpe da vecchi (1616) 290ᵃ.
γ)
als zierlich gelten zerstochen [schuh], souliers chiquetés, scarpe stratagliate. ebenda, zerschnittene schuhe, calcei fenestrati. Chytraeus (1597) bei Frisch 2, 230ᶜ. Stieler 1936: Nürnb. polizeiordn. 66. Keisersberg narrensch. 29ᵃ (s. unten), die jedoch in der folgenden stelle als theil mönchischer kleidung (sandalen?) erscheinen:
ich hab gelebt vorwar
jetz bey den sechs und dreissig jar
in harter, strenger observantz ..
trug holtschen und zerschnitten schuh.
Waldis Esop 4, 69, 95 Kurz;
ausgeschnittene schuhe, calcei aperti Chytraeus bei Frisch 2, 230ᶜ. Corvinus 108ᵇ (auch schuh mit löchern genannt). Stieler 1936, soleae Frischlin nomencl. 184 (cap. 139), scarpe frappate ò con frappe Kramer 2, 672ᶜ, heute, wo keine durchbrochenen schuhe mehr üblich sind, nur als bezeichnung für schuhe, die den spann frei lassen, wie sie wol auch in einem theil der belege gemeint sind: die schuͦh seint ausz geschnitten und zerhacket, weren doch besser gantz dan zerschnitten, so mechtent sie dʒ kate zerteilen. Keisersberg narrenschiff (1520) 29ᵃ; schau dann ainer, wie ir (pfaffen) so erbar ains tails geklaidt daher gond, mit auszgeschnitten schuͦchen und lappeten baretten wie die landsknecht. Schade sat. u. pasqu. 2, 139, 30; dieweil aber dieselbigen schuch sonst wol uszgeschnitten, sollten die an fuess mit seiden schnüren, wie der zeit gebreuchlich, gebunden sein worden. Zimm. chr.² 3, 450, 32;
ir (der üppigen bauern) schuoch sind aus gesnitten.
fastn. sp. 441, 14,
aufgeschnitne. quelle des 16. jahrh. bei Schm. 2, 391 (als frauenschuhe), ausgehauene Kramer 2, 672ᶜ (in gleichem sinne wie ausgeschnittene), zerhauene: eʒ habent auch gesetzet di burger vom rat, daʒ ein ieclich burger, er sei alte oder junck, kain silberin gurtel mer tragen sol danne di einer halben mark silbers wert sei, .. noch kain zerhauwen schuhe noch zerschniten schuhe. Nürnb. polizeiordn. 66;
zerhouwen wâren im die schuo.
Gottfr. v. Neifen 45, 10;
mnd. dorhowen schô: nen user borghere scal dragen dorhowene sco noch de clene utghesteken sind. qu. bei Schiller-Lübben 4, 166ᵇ. zirlich schuhe die da oben offen sind und unden zuhe, sandalia Dief. 510ᵇ. den gegensatz bilden ganze schuhe, lakeyen-schuhe (weil sie als unfein betrachtet wurden), calcei tecti Chytraeus bei Frisch 2, 230ᶜ. Stieler 1936. vgl. oben Keisersberg narrensch. 29ᵃ.
δ)
als schmuck galten auch verbrämte schuhe, taeniolis aureis vel argenteis ligati Stieler 1936, scarpe trinate, galonate, passamentate, listate Kramer 2, 673ᵃ, ähnlich mhd.:
an ietwederm beine (trug die dame)
zwêne schuohe von borten guot.
Wirnt v. Gravenberg Wigal. 268, 31;
ir (der minner) gürtel unde ir seckelîn
von sîden sulnt gemachet sîn,
ir schuohe gebrisen unde ir hosen.
Heinzelein v. Konstanz 1, 495.
gestickte schuhe, mullei Corvinus fons lat. (1660) 1, 650ᵇ, acu picti, Sicyonii Stieler 1936. Kramer 2, 673ᵃ. Campe, (ab)gesteppte: haben sich also die paurnpursch männlichen geschlechts bei straff und confiscation von denen ... auff die hoffart abgesteppten schuechen zu hüeten. tir. weisth. 1, 47, 28; mit gold beschlagene schuhe, schuhe mit ringen (rinken?). wunderhorn 1, 131 (s.ε), mit schnallen (schnallenschuhe, s. dies oben sp. 1165), in gleichem sinne mhd.:
enge röcke tragent si (die bauern) und enge schaperûne,
rôte hüete, rinkelohte schuohe, swarze hosen.
Neidhart 74, 14.
ε)
der farbe nach unterscheidet man weisze, schwarze, rote, gelbe u. s. w. schuhe. Kramer 2, 673ᵃ. Stieler 1936 (der gelbe nicht erwähnt):
dei bein ne bedechent in (den seligen) hosen noh die linsoche (linnensocken)
wîʒ noh swarzmâle scuohe bedwingent in die fuoʒʒe.
himilrîche 265.
besonders geschätzt waren früher rote schuhe, die meist aus feinem leder, korduan, saffian gefertigt wurden, vgl. Weinhold deutsche frauen² 2, 265: es was ouch in den selbin geziten (um 1440) gantz loufftig das die jungen manne vrowenn unde jungfrawen ouch dinstknechte zu festin hochzceiten, unde ouch gemeinlich alle heilige tage rote schu von loeschfellin trugen und etliche spitzige snebelle daran (lesart: schnebellichte schue). Stolle Erfurter chron. in Haupts ztschr. 8, 469;
die Hildemârs gelöschten schuoh die sint von rôtem ledere.
Haupts Neidhart 216, 1;
rothe schuh mit ringen,
schöne schuh mit gold beschlagen,
die soll unser kindchen tragen.
des knaben wunderh. 1, 131 Boxberger.
ein bote des königs Artus, der gute botschaft bringt, erscheint ganz in rot gekleidet:
des selben tuoches wâren die
hosen, die der knappe truoc,
rôt sîne schuoh und hübesch gnuoc.
Heinr. v. Freiberg Trist. 1182.
es gab auch rote schuhe aus festem rindsleder, die die groszen kaufleute auf reisen trugen, nach der übrigen ausrüstung derselben zu schlieszen mehr dauerhaft als elegant, vgl. Schultz höf. leben² 1, 506. auch die roten bundschuhe der folgenden stelle sind augenscheinlich einfacher art:
er (der neue herzog von Kärnten) sol sich bewegen
an sîniu bein ze legen
zwô hosen von grabem tuoche
und zwên rôte buntschuoche.
Ottokar 20021 Seemüller.
als feine tracht erscheinen rote schuhe dagegen in den sprichwörtlichen wendungen: rote schuhe helffen nicht fürs zipperle. Petri (1605) 2, Rr 5ᵃ und es gehört mehr zum tanz als rote schuh (s. oben b).
ζ)
dem stoff nach werden unterschieden lederne schuh Kramer 2, 673ᵃ. Adelung, rindslederne ebenda, mhd. rinderîn, als bauerntracht:
von vilze truoc er einen huot
und zwêne schuohe rinderîn,
die wâren zuo den beinen sîn
mit riemen dâ gebunden.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 1657.
von truckenen leder, de corio perfecto Stieler 1936, trockenlederne Kramer 2, 673ᵃ, von geschmierten leder, de corio uncto Stieler 1936, von ümgekehrten leder, ex aluta inversa 1937 (vgl.umgewendete schuhe, 'die anfänglich so gemacht werden, dasz die inwendige seite auswärts gekehret ist, worauf sie umgekehret werden' Adelung), jochtene, ex corio Prutenico vel Moschoviensi. ebenda, juchtenlederne Kramer 2, 673ᵃ, von sämisch leder, ex pelle caprina, vel aluta Britannica. Stieler 1937, sämische: (im bilde) ich (gott) .. kleidete dich (Jerusalem) mit gestickten kleidern, und zog dir semische schuch an. Hes. 16, 10, korduanische schuhe, ex aluta laborata, sive Cordabensi Stieler 1936, kordovanische ò spanisch lederne schuh Kramer 2, 673ᵃ. Schuppius 139 (s. oben b);
swenne ich füeʒe unde bein
hân gezieret mit den zwein,
hosen und schuohen von korrûn.
Helmbr. 321.
zeugene schuhe Adelung, atlasze, calcei ex serico raso Stieler 1936, seidene Campe:
ouch sante sî bî ir dan ..
schuohe und hosen von sei.
Hartmann von Aue Iwein 3456.
goldene, silberne:
der hêrre bat sie dar bestân
und heiʒ die goltsmide sîn
zwêne schô silverîn
îlinde gieʒin ...
unde zwêne von golde.
Rother 2024;
sie zôch dene guldînen an
unde nam dene silverînen schôn.
2069.
gläserne schuhe betrachtet die schwäbische überlieferung als den höchsten luxus. wenn einmal mägde sie tragen, soll nach 'Zibelen (Sibyllen) weissagung' das ende der welt vor der thüre sein Birlinger 403ᵃ. vgl. auch leder-, zeug-, filz-, holzschuh u. s. w.
η)
besondere arten von schuhen werden auch durch zusätze localer art gekennzeichnet: romisce scuoha, sandalia Graff 6, 418; also bracht er auch mit sich uf die hochzeit französische schuch, wie dozumal in Frankreich der sitt; die waren dem fuesz nach geformbt, aber davornen spitzten sie sich, allerforderst aber hetten sie zwai lange spitzle. Zimm. chr.² 3, 450, 28; der schnitt die vier spitz an baiden (in der vorigen stelle genannten) schuchen ab, das sie allerdings den alten Schweizerschuhen sich vergleichten. 451, 17; ungerische schuch mit eysen beschlagen. Frischlin nomencl. 184 (cap. 189); schwedische schuhe, meulen, mullei Corvinus fons lat. (1660) 1, 650ᵇ.
θ)
reine, dreckichte schuhe begegnen in sprichwörtlichen wendungen: ein dreckichter schuh gewinnet mehr als ein aschigter. Kramer 2, 672ᶜ; er hat nicht gar reine schuh an. Eiselein 556.
d)
schuh und strümpfe Kramer 2, 672ᵇ. Schiller 4, 182: damit du zu hause bleiben must, siehe so wil ich dir schuh und strümpfe verstecken. Weise erzn. 12 neudr.; ich könte um den lohn die schuh und strümpfe nicht kauffen. Kramer 2, 672ᵇ; einem schuh und strümpfe ausziehen, abziehen ebenda (auch wol bildlich gebraucht). in Hessen sagt man: mit schuh und strümpfen in die hölle faren, mit willen und wissen sich in leibliches und geistiges verderben stürzen Vilmar 371, in Westfalen: es geht nicht mit schuhen und strümpfen zum himmel hinein. Wander 4, 351, 57; schuhe und socken: en frowe hire scona and hira socca birawad. Richthofen altfries. rechtsqu. 339, 13, schuhe und hosen (in älterer sprache 'hoch hinauf gehende strümpfe', s. oben theil 4, 2, 1837):
vil irer ouch wintdhurre hinc (am galgen)
sunder hosen und scon,
dhe neheyn arbeyt wolten thon.
deutsche chron. 2, 2, 6494 Weiland
eine reimformel war in älterer zeit schuoch und tuoch: darnach muͦsz der arm unschuldig dorfpfaff schuͦch und thuͦch versetzen. Schade sat. u. pasqu. 3, 182, 11.
e)
häufigere verbale verbindungen.
α)
die sich auf anfertigen, ausbessern, reinigen und erhalten von schuhen beziehen: einem ein par schuhe anmessen. Kramer 2, 672ᵇ, schuhe machen ebenda. Frisch 2, 230ᵇ, verfertigen: sal yemant schomaker heyten, hie moet schoen kunnen maken. quelle bei Schiller-Lübben 4, 106ᵇ; so ein schuster sein lebtag nichts anders thet, denn das er seine werckstat voll schuchleisten machete, und doch nimer dran dechte, wo er leder neme einen schuch zu machen. Luther 5, 421ᵇ; der gerber richtet das leder mit der lauge zu: aus welchen der schuster auff der schusterwerckstadt schuch machet. Comenius (1657) 506; zu Rom ist zwar ein schöne kirch, denen hh. Crispo und Crispiniano gewidmet, welche heilige schuhmacher gewest, die von ihnen verfertigte schuh unter die armen ausgetheilt (sc. haben). Abr. a S. Clara etwas für alle 1 (1699), 350;
dâ was manic niwer swertdegen,
der baʒ hiet schuoch kunt machen,
denn er zuo strîtpæren sachen
kund gerâten.
Ottokar 65324 Seemüller.
schuhe schneiden, sohlen Kramer 2, 672ᵇ, über den leisten schlagen, calceos aptare formae Corvinus fons lat. (1660) 1, 108ᵇ. Stieler 1936. bildlich: alle schuch uber einen leisten machen. Eyering 1 (1601), 18, spannen Stieler 1937, schlagen Dentzler 2, 256ᵃ. Steinbach 2, 518. Frisch 2, 230ᵇ, alle (oder alles) gleich behandeln Campe:
er wil all schueh (man auch thut sagen)
nur uber einen leisten schlagen.
Eyering 1 (1601), 123.
es heiszt auch bildlich umgekehrt wird ein schuh drausz: das wär auch die recht höh, wan mer solchn schlänckeln ein dienst geb: umkehrt, wird ein schuch drausz, in keichen damit zum prisill - holtz raschpeln. tintenfäszl 69. ähnlich: kehren aber den schuch umb, und lehren uns das gesetz nach dem evangelio, und den zorn nach der gnade. Luther br. 5, 154. schuhe flicken, pletzen Kramer 2, 672ᵇ: geflickte schuhe. Stieler 1936; vierzig bis funfzig schuhflicker ..., welche, unter zwölfhundert beschuhte einwohner dividiert, unmöglich so viel schuhe zu flicken haben konnten, dasz sie salz und kümmel damit verdient hätten. Wieland 8, 92; als éin wort: schuochpletzen, insubulare Dief. 302ᵃ. bildlich, in redensarten: darnach, als baldt er (ein pfaff, dem einer einen gulden versprochen hatte, wenn er auf der kanzel das evangelium verkündete) nun die offen schuld gesprach und die absolution daruff, schluͦg er mit beiden händen zuͦsammen und pleppert gar laut auff der kantzeln und sagt: 'Engelhart, gelt her, die schuͦ sind gepletz!' Wickram rollwagenb. 92, 12; er flickt anderen die schuh, und er geht selbs barfusz, aliis prospiciens, non sibi Dentzler 2, 256ᵇ. Simrock 9222ᵃ;
wer seine schuhe kann selber flicken,
der darf (braucht) sie nicht zum schuster schicken.
C. F. Weisze bei Wander 4, 355, 146, in niederd. fassung bei Danneil 277ᵇ.
tirol. schuhe fürschieben, vorschuhen, besohlen Schöpf 606. die schuh butzen, schmieren, wächsen, forbire, nettare, ugnere, incerare le scarpe Kramer 2, 672ᵇ: 'geht zum henker!' fuhr ich sie an, 'mit eurer Electra, und putzt mir dafür meine schuhe'. Thümmel reise 7 (1800), 153. bildlich: einem die schuh butzen, forbire le scarpe ad uno, cioè essergli come schiavo, fargli i piu vili servigi. Kramer 2, 672ᵇ. man sagt wer die schuhe nicht schmiert, musz den schuster schmieren. Frommanns zeitschr. 6, 324, 349, ebenso nd. Wander 4, 355, 135. die schuhe wischen: und urteileten dem guten man sein werck die jenigen, so jm nicht genug gewest weren, das sie jm die schuch hetten sollen wisschen. Luther 5, 140ᵇ; du bist nicht wert, das du jn soltest die hosen aufnesteln oder die schue wischen. Nigrinus 1. centur. Y 2ᵃ; junge leute, de dells guten leuten de scho sollden wisschen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 106ᵇ; er wör ken schue anner abwüscha, er verachtet sie, flieht sie auf die ferne Tobler 401ᵃ, sprichwörtlich: an das armut, an die armen will yederman die schuch wischen. Agricola 112; an armen wil jederman die schuh wüschen, arme leut kennet niemand. Dentzler 1, 443ᵇ.
β)
die auf das tragen von schuhen bezug haben.
αα)
schuhe für seine füsze finden, bildlich: er sol auch schuh für seine füsze finden, par pari referre Schottel 1112ᵇ. Kramer 2, 672ᵇ. Simrock 435, 9219, er findet schuhe für seine füsze, similem ducit saepe deus ad similem, it. dignum patellâ operculum Stieler 1937: das spiel (der kampf) wolte aber nicht auff seiner karten lauffen, ohne das er auch sonsten an den ordensz herren, die solches schertzens so wol erfahren, als er sich zu sein bedunckte, rechte schuhe für seine füsse fande, sondern wurden die marggräffischen mehrers theils erlegt, .. er selbs auch gefangen und erwürget. Schütz beschreib. der lande Preuszen 67;
trotzt mancher noch so hoch,
so trifft er letzlich doch
für seine füsze schuch,
für seinen sitzer bruch.
Logau 2, 133, 73.
ähnlich: man musz schuhe finden, suchen, die dem fusz, den füszen gerecht sind. Lehmann bei Wander 4, 353, 92. Simrock 435, 9214. schuhe müssen passen, bildlich: de schoe schollen mi wol passen, das könnte mir wol dienen, zuträglich sein. brem. wb. 4, 665. Schütze 4, 55, in gleichem sinne das ist ein schuh für meinen fusz. Wander 4, 456, 167. anders gewendet: in kai schue me basse, guet sei, zu nichts brauchbar sein, in allem getadelt werden Seiler 264ᵇ. Hunziker 232, der töigt in ken alten schuah mehr, taugt nichts mehr, wurde hart getadelt, geschimpft Frommanns zeitschr. 6, 323, 348 (fränkisch).
ββ)
schuch anziegen Hulsius (1616) 290ᵇ, anziehen Corvinus fons latin. (1660) 1, 108ᵇ. Stieler 1937. Kramer 2, 672ᶜ. Frisch 2, 230ᵇ: (die männer) namen die gefangenen, und alle die blos unter jnen waren, zogen sie an von den geraubten, und kleideten sie, und zogen jnen schuch an. 2 chron. 28, 15; du solt deinen schmuck anlegen, und deine schuch anziehen. Hes. 24, 17; er läszt sich die schuhe an ziehen. Steinbach 2, 518; arme poeten, die keinen schuh anzuziehen hatten, weil sie ihr einziges paar in die mache gegeben. Schiller räuber schauspiel 2, 3;
desse schôn lossam
die saltu mir zien an.
Rother 2194.
bildlich: wemme de schoh passet, de tüht, treckt en an. Wander 4, 355, 128 (Waldeck, Hannover, Oldenburg), 350, 30 (Amrum). ten Doornkaat Koolman 3, 130ᵃ. schuͦch anlegen Maaler 364ᵃ, schuh anlegen Corvinus fons lat. (1660) 1, 108ᵇ. Kramer 2, 672ᶜ:
ouch phlac Marjâ, diu magt süeʒe,
schuohe zu legen an ir vüeʒe,
als sî inder wolde gên,
daʒ niemen blôʒ ir vüeʒe sê.
Philipp Marienleben 8807;
eim die schuͦch hinderfür anlegen, inducere calceum alicui pre̜postere, vel perperam Maaler 364ᵃ. schuhe an die füsze nehmen: die bürger zu Gibeon .. namen alte secke auff jre esel, und alte zurissen geflickte weinschleuch, und alte geflickte schuch an jre füsse. Jos. 9, 5, anthun: gürte dich und thu deine schuch an. apostelgesch. 12, 8; bildlich: thuͦ mein schuͦ an und thuͦs selbs. Grob. 55 neudruck (glosse). in einen schuh treten:
'hiute sô wil ich heben an'
sprach si 'mit vasten und mit beten,
und wil nimmer mêr getreten
in keinen schuoch hin z' an die stunt,
daʒ mir dîn kunft wir(de)t kunt ..'
gesammtabent. 2, 222, 111 Hagen,
in die alten schuhe treten, bildlich: da aber Gedeon starb, trat das volck wider in die alten schuͦch, verhuͦrten sich an Baalim, liessen yn jren gott sein. Franck chron. (1531) 44ᵇ; als sichs nu mit jhr gebessert, hat sie solcher geschehenen zusagunge wenig gedacht noch geacht, sondern ist nicht allein wider in die alten schuhe getretten, sondern es viel gröber, dann eben zuvor gemachet. Cyr. Spangenberg vorr. zu Hoppenrods hurenteufel (1565) A 4ᵃ; hessisch in jemandes schuhe treten, es ebenso schlimm machen wie jener Vilmar 371, in eines schuhe steigen s. unten δδ. ein d' schuehh kemen heiszt bei den landmädchen im bair. oberland die menstrua bekommen, in welchem zustand sie sich hüten, barfusz zu gehen wie sonst Schm.² 2, 391. mnd.: schoe dy myt dynen schowen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 106ᵇ; freier:
'schoit si mit den selven schoin,
de si den wolden anedoin,
de min here und min vurvare
durch si veinc und sante zo Are'.
dus leide man si zo male neder
und sloich si in di vesseren seder
de men den gueden luden soilde umb slain.
Hagen kölnische chron. 2227.
einem in die schuhe helfen, bildlich Wander 4, 357, 187: item sy (die christen in Rom) hetten auch vor Paulo Narcissum, Andronicum, Juliam, die sy in Christo anleiteten bisz Pauli zuͦkunfft yhn gar in die schuͦch und auff die füsz halff. Franck chron. (1531) 262ᵃ. in die schuhe jagen, auf die wanderschaft treiben?:
die rauber mich anblatzten,
beraubten, darzu schatzten.
das jagt mich in die schuch.
H. Sachs 7, 225, 14 Keller.
γγ)
die schuhe binden: mit riemen Konrad v. Würzburg troj. krieg 1659 (unter c, ζ), mit schnüren Zimm. chr.² 3, 450, 32 (unter c, γ);
ir habet hosen unde bruͦch,
schuͦhe gebunden.
genes. u. exodus 153, 12 Diemer;
zwêne grôʒe schûwe
er vast an sîne füeʒe bant.
Sal. u. Mor. 1, 3773;
alsolich wirde erhôhet in
daʒ ich des unwirdic bin,
daʒ ich (Johannes) ûf die riemen tû,
dâ mit er bindet sîn schû.
erlösung 3925,
sein (der bauern der vorzeit) schuoch warn mit paste gebunden.
fastn. sp. 440, 15 Keller.
die schuhe mit bast binden erscheint als sitte des anspruchslosen, dürftigen auch in sprichwörtlichen wendungen:
er bind die schuch mit basten,
und füllet seinem herren den kasten.
Henisch 387, 55;
liesz im ainer (der richter, pfleger, pfarrer) nit ain heller entreissen von gemaines nutz wegen; ir kreiden und reim ist: 'nur vil in mich und wenig in mein gesellen.' es muesz der wol bezallen, der die schuech mit past pindt. Aventinus 1, 11, 16 Lexer; er bindt die schuh mit bast, der die ürten musz bezalen. Keisersberg bei Wander 4, 358, 193; die die schuh mit bast binden, müssen fast daʒ meinst, das maiste bezalen. Henisch 198, 4. 364, 16;
bisz das arm wird der unterthan,
und der hoffdiener ein reicher mann.
und denn also sein gast anspricht,
er soll schlemmen und trawren nicht,
die zahlung woll er bey den finden,
so jhre schuch mit baste binden.
Rollenhagen froschm. (1595) V 2ᵃ.
aarg. d' schue binden, sich auf und davon machen Hunziker 232.
δδ)
schuhe tragen Kramer 2, 673ᶜ: traget keinen beutel, noch tasschen, noch schuch. Luc. 10, 4; vor zeiten aber bey den Hebräern, Griechen, und Römern tragte man keine dergleichen schuh wie an jetzo in brauch. Abr. a S. Clara etwas für alle 1 (1699), 350;
ick mod nu dregen yuwe schoye.
Reinke de Vos 2678 Prien.
bildlich die eselsschuhe antragen, von jungen, unerfahrenen mädchen: dardurch manichmal den jungen döchtern, auch etwan zu denen zeiten, da sie noch die eselsschuch antragen, der pfiffis genommen wurt. Zimm. chr.² 4, 9, 25, vgl. die eselsschülin zertreten unter ηη. schuhe anhaben Stieler 1937, schuh und strümpfe anhaben, an füszen haben. Kramer 2, 672ᶜ: umb ewr lenden solt jr gegürtet sein, und ewre schuch an ewren füssen haben. 2 Mos. 12, 11; darumb das die töchter Zions stoltz sind, ... tretten einher und schwentzen und haben köstliche schuch an jren füssen. Jes. 3, 16, in redensarten: er, sie hat nicht einen guten schuch an füssen, non hà nè anche una buona scarpa in piè, cioè è povera mendica Kramer 2, 672ᶜ; nicht einen guten schuh anhaben, male vestitum esse, laceratis omnibus vestibus incedere Frisch 2, 230ᶜ; dann man findt solche ruchlose leüt (die vor frauen zoten erzählen), wenn sie beyweilen schon abgestöubt werden, sagen sy: 'hey, sy haben doch schuͦch oder stifel an; sy verstonds nit.' Wickram rollw. 5, 11 Kurz. seinen fusz in eines andern seinen schuh haben (ihn an seinem glück hindern). Kramer 2, 672ᵇ. in schuhen gehen. 672ᶜ, stehen, stecken, in bildlichen wendungen: in fasten schoen gaan, seiner sache gewisz sein. brem. wörterb. 4, 665; fast in de schôen stân. ten Doornkaat Koolman 3, 130ᵃ, nig in liken schoen gaan, nicht gerade zu gehen, ränke gebrauchen. brem. wb. 4, 655, i gueta schuena stoh, in gutem rufe stehen, sich in glücklichen umständen befinden Tobler 401ᵃ, in reinen, saubern schuhen gehen, stehen. Wander 4, 359, 241, er steht in keinen guten schuhen. Eiselein 556, i schlechta schuena stoh. Tobler 401ᵃ, i böse schune stecke, in schlechten verhältnissen leben Seiler 264ᵇ, in de gleich schuch stecke. Wander 4, 359, 295 (Ulm), in eignen schuhen stehen, selbständig, unabhängig sein Wander 4, 359, 238, in fremden schuhen gehen. 240, in eines andern schuhen gehen, stehen, seine stelle einnehmen (Schm.² 2, 391): i möcht nid i sine schune sto. Hunziker 232, freier: wenn ich den armen bettler vor meiner thür betrachte der oft froher und gesunder ist als ich, so versetz ich mich an seine stelle und versuche, wie meine seele in seinen schuhen gehen würde. Bode Montaigne 2, 187. ähnlich: i stieng nüd i dine schue. Tobler 401ᵃ. es heiszt darnach der mann darnach die schuhe. Lehmann 23. hess. stroh in den schuhen haben, bildlich, zur bezeichnung eines mutwilligen, eines spötters Vilmar 404, wo zur erklärung (etwa: 'den schalk hervor gucken lassen') verwiesen wird auf folgende stelle: stro im schuͦch, spindel im sack, und ein huͦr in eim hausz gucken alweg herausz. Franck sprichw. (1541) 1, 81ᵇ.
εε)
ein schlecht sitzender schuh drückt: der schuͦch gnisset oder truckt mich. Maaler 364ᵃ, bildlich: indessen .. druckte mich der schuh je länger und heftiger. Simpl. 2, 124; ist's also, lieber getreuer, wie ihr saget, so drückt uns beide der schuh an einem ort. Musäus 1, 77 Hempel;
ich kenne manchen freund, den dieser schuh noch drückt.
Günther 449;
gnomisch:
wer lydet das yn druck syn schuͦch
und jnn syn frow jm wynhusz suͦch,
der ghört wol jnn das narrenbuͦch.
Brant narrensch. 78, 19 Zarncke;
neue schuhe drücken am meisten. Simrock 9126ᵃ. wissen, fühlen wo einen der schuh drückt u. ähnl.: ick meine gi hebben woll gevolett, wor jw de scho dringett. quelle bei Schiller-Lübben 4, 106ᵇ; ja ich weysz, wo dich der schuch druckt, du kanst nichts in der heyligen schrifft. Luther 6, 586, 15 Weim. ausg.; sie trösten sie, redtens jr von hertzen, aber sie merckten den rehten butzen nicht, warumb es jhr zu thun war, wuszten nicht wo sie der schuch druckte. buch d. liebe 182, 3; diese rittmeisterin war kein kind mehr, wiewol sie noch jung war, und vernarrete sich dermassen in meinen glatten spiegel und graden leib, dasz sie mir endlich nach langgehabter mühe und vergeblicher umschweiffender weitläuffigkeit nur allzu teutsch zu verstehen gab, wo sie der schuh am meisten drucke. Simpl. 1, 207, 5 Kurz; ich weisz am besten wo mich der schuch druckt. Reuter ehrl. frau 33 neudr.; he weet nich, war my de schoh drücket. Strodtmann 203; weil sie jetzt im überflusz sitzt, so möcht' sie gern vergessen, wo ihr der schuh gedrückt hat. Lenz 1, 92; wahrhaft gerührt und freundschaftlich abschied nehmend vertraute er mir dann noch zuletzt wo ihn eigentlich der schuh drücke. Göthe 28, 277;
ich weisz wol, wo mich druckt der schuͦch.
Brant narrensch. 111, 67 Zarncke,
si empfunden wol in irer not,
war si der schuͦch tet trucken!
Liliencron hist. volksl. nr. 207, 44;
die ihr nur umsonst euch schmückt
mit des sieges purpurlappung,
da ihr unter der verkappung
wohl fühlt, wo der schuh euch drückt!
Rückert (1841) 184.
es heiszt: es weisz nieman besser wo der schuh drükt, als wer ihn an hat. Keisersberg bei Eiselein 555; es weisz niemand wo einen der schuͦch drucket, denn der yhn anhat. Agricola 1, 61. Petri (1605) 2, Dd 3ᵃ. Corvinus fons lat. (1660) 1, 108ᵇ. Schottel 1129ᵃ. Stieler 1937. Kramer 2, 672ᵇ. Simrock 9212;
niemand weisz, wo jhn druckt der schuch,
dann der jhn an den füszen trug.
Eyering 1 (1601), 424;
ähnlich:
wie man spricht: niemand druckt der schuch
denn der jn an dem fusz versuch.
H. Sachs 4 (1578), 3, 64ᵃ;
offt hat einer ein weib, so nach dem euserlichen scheine und wandel tugendhafft und untadelich; aber nimand weis, wo den mann der schuch drukt. Butschky Pathm. 832; selb weisz am besten, wo der schuh drükt. Agricola bei Eiselein 555. Simrock 435, 9213; ein yder wet wol wâr em de scho dwingt. Tunnicius 461; ein ieder weysz am besten, wo jhn der schuͦch truckt. Franck (1541) 1, 153ᵃ. Kramer 2, 672ᵇ. Steinbach 2, 518. Frisch 2, 230ᵇ. Adelung;
jeder redt was jm eben ist
und klagt sich do jn druckt der schuoch.
Brant 110, 21 Zarncke.
das bild wird schon im alterthum gebraucht. Plutarch erzählt im leben des Paulus Aemilius, dasz dieser, als ihm die scheidung von seiner gattin zum vorwurf gemacht sei, seinen schuh ausgestreckt und erwidert habe, wie Albrecht v. Eyb übersetzt: secht lieben freunde, der schuch ist neu, glat und hübsch, aber eur keiner weisz wo mich der schuch drückt. 2ᵇ, vgl. Frisch 2, 230ᶜ. Borchardt-Wustmann 427, 1066.
ζζ)
die riemen der schuhe, die schuhe lösen, auflösen, aufthun, goth. andbindan: qimiþ swinþoza mis sa afar mis, pizei ik ni im wairþs anahneiwands andbindan skaudaraip skohe is. Marcus 1, 7; es kompt einer nach mir, der ist stercker denn ich, dem ich nicht gnugsam bin, das ich mich fur jm bücke, und die riemen seiner schuch aufflöse. ebenda bei Luther; er komet nach mir, des ich nicht werd bin, das ich jm die schuhe seiner füsze aufflöse. apostelgesch. 13, 25; er möcht also ein schlechter edelmann sein, er kündt ewern gnaden nicht (mit erlaubnusz) ein schuͦch auffthun. Schumann nachtb. 103, 13 Bolte; hingegen auch die alte dem verdacht und jalousi so ergeben dasz die magd dem herren keinen schuch auflösen darf ohne dasz die alte nicht ihren schmerzen darüber eröffnen und klagen solte. pol. stockf. vorr.;
ich (Johannes) bin dar zû zu bôse,
daʒ ich die schû im lôse.
pass. 349, 22 Hahn.
ηη)
schuch auszziehen Dasypodius. Hulsius 290ᵇ, schuhe Stieler 1937. Steinbach 2, 518. Frisch 2, 230ᵇ, auch abziehen: wolte sîn schuoch ûʒ ziehen. quelle im mhd. wb. 2, 2, 224ᵃ; er (gott) sprach, trit nicht herzu, zeuch deine schuch aus von deinen füssen, denn der ort, da du auffstehest ist ein heilig land. 2 Mos. 3, 5; einem schuh und strümpfe ausziehen, abziehen. Kramer 2, 672ᵇ;
in schuch kroch sie (die ameise) dem vögler dar,
bisz jn, das er den schuch auszzohe.
Waldis Esop 1, 70, 21 Kurz.
bildlich, mit bezug auf 2 Mos. 3, 5: nu mus hie ein fleischlicher mensch seine schuhe ausziehen. Luther 4, 5ᵃ. sprichwörtlich: man sol die schuh nicht auszziehen, man sey denn erst aus dem koth. Petri (1605) 2, Oo 4ᵇ. redensart: die kinderschuhe ausziehen, auch aus den kinderschuhen treten, die kinderschuhe austreten, vertreten, s. kinderschuh oben theil 5, 747. in ähnlichem sinne: als er sie ad sacietatem usque lang genug umbher geschlept und sie die eselsschülin gar zertretten. Zimm. chr.² 3, 452, 29. vgl. oben δδ.
θθ)
schuhe vertreten meint 'sie tretend aufbrauchen', sprichwörtlich, als spott für müsziggänger: wer die schuhe vertritt, der gehet nicht müszig. Lehmann bei Wander 4, 355, 143. ähnlich die schuhe abtretten, stalonare, salcagnare le scarpe Kramer 2, 672ᶜ, abgetretene schuhe, calcei deculcati Stieler 1936. Kramer 2, 762ᶜ, aber auch wie 'tretend reinigen', umtreten, den hacken niedertreten, storcere le scarpe Kramer 2, 672ᶜ: umgetretene schuhe, scarpe storte Kramer 2, 672ᶜ, austreten, tretend ausweiten, slargacciare, scalcare le scarpe portando. ebenda, dagegen einem die schuhe austreten, eigentlich ihn treten, dasz er die schuhe verliert, freier hessisch ihm auf schritt und tritt in lästiger weise folgen Vilmar 371, proverb. munere aliquem deturbare, de gradu dejicere Stieler 1937, scavalcar lo, metterlo in disgratia Kramer 2, 672ᶜ, locum alicujus occupare Frisch 2, 230ᶜ, ihm zuvorkommen und den vortheil für sich nehmen Campe, sein nachfolger (meist: auf nicht ganz rechtliche weise) werden Kehrein 2, 50: dargegen Romanus, so dem Stephano die schuch ausztrat, bestättigt widerumb des deformirten Formosi thaten und ordnungen. Fischart bienenk. 213ᵇ; aber er eyferte mit mir wegen der groszen gunst, die mein herr zu mir trug und täglich vermehrete; besorgte, ich möchte ihm vielleicht die schuhe gar ausztretten. Simpl. 1, 97, 12 Kurz; sie möchten sonst, anstatt blosz in unsre fusztapfen zu treten, uns die schuhe austreten. Lessing 12, 206. die schuhe zerreiszen: zerrissene schuhe Stieler 1936, verreiszen, abreiszen, ablaufen Kramer 2, 672ᶜ, brechen: der laufft und schnaufft, und bricht vil schu. Garg. 50ᵇ, entsprechend intransitiv:
in ein stat secht dô geschach,
daʒ im ein schûch entzwei brach.
pass. 327, 13 Hahn.
es heiszt: es ist besser, man verreisze viel schuh als viel bett-tücher. Kramer 2, 672ᶜ. siebenb.-sächs. e hôt vil sche͡agen (schuhe) zerässen, ist alt. Frommanns zschr. 5, 328, 8. die schuh über etwas zerreiszen, logorare le scarpe frà qualche negotio; auvolgervisi, corrervi assai Kramer 2, 672ᶜ. von solchen fügungen aus freier etwas an (heute gewöhnlich an den und so auch bei Schottel 1116ᵃ und Luther) schuhen zerrissen haben, longa experientia scire aliquid, ridere aliorum immaturam scientiam Frisch 2, 230ᶜ. Adelung, verrissen, abgetreten, abgelaufen ( Campe), sich abgelaufen haben und ähnl.: so gar herrlich prangen sie (die papisten) herein mit jrer kunst, und leren mich, was ich vor zwenzig jaren an den schuhen zurissen habe. Luther 5, 141ᵃ; und sie sind doch solche treffliche leute, die es nicht allein, on den heiligen geist wissen, sondern habens auch lengest an den schuhen zurissen, ehe der heilige geist geboren ward. 208ᵃ; ich weisz wol, das ich es gelesen hab unnd an den schuhen zurissen. Lindener schwankb. 106 Lichtenstein; er hat es lange an schuhen zerrissen. Stieler 1937; das hab ich lang an schuhen verriszen. Kramer 2, 672ᶜ; dat hebbe ik längst an den schoen verreten. brem. wb. 4, 665, in'nen schoen verdragen. Dähnert 409ᵇ.
ιι)
die schuhe wegwerfen, verwerfen, sprichwörtlich: man sol die alten schuh nicht ehe wegwerffen, man hab den die newen uber den füszen. Petri (1605) 2, Oo 4ᵃ; man sol keine alte schuh verwerfen, ehe man neue hat. Schottel 1134. Simrock 435, 9223; alte schu verwirft man leicht, alte sitten schwerlich. Schottel 1135ᵃ. Simrock 450, 9550. die schuhe verlieren: sü to dat du de scho nig verlüst, zu einem, der schnell läuft Schütze 4, 55; enen jagen, dat em de schoe entfallet, einen mit ungestüm von sich jagen. brem. wb. 4, 665, sprichwörtlich: verliert man die schuhe, so behält man doch die füsze. Simrock 435, 9221. mit schuhen werfen, hyperbolisch für 'stark laufen': fienge an mit schuhen zu werffen. Laz. de Tormes 36. die schue stehen lassen gebraucht man im mansfeldischen für 'sterben' Jecht 100ᵇ. zur bezeichnung eines plötzlichen todes begegnet aber auch in den schuhen sterben: de dat sede muste in den schoen sterven. quelle bei Wander 4, 359, 237. in den schuhen krepieren in der studentensprache, scherzhaft wie 'plötzlich verschwinden, ausreiszen ohne seine schulden zu bezahlen' Kluge studentenspr. 124ᵃ.
γ)
einem in die schuhe, in eines schuhe brunzen als possen:
ob er (der schelm) dann dir nit möchte zuͦ,
so brunzt er doch in dine schuͦ
und loufet dann heimlich darvon.
Murner narrenbeschw. 16, 26 Gödeke;
wer im in die schuͦch laszt brunzen
und gstatt, das sin frow ir brunzen (lesart profunzen)
feil mag iedermann heimtragen,
der mag wol han ein guͦten magen.
60, 1.
in gleichem sinne: diesem richteten die pfaffen und andere zuͦ Hildeszheim das wasser in die schuͦch, das ist, machten in zum guckguck. Kirchhof wendunm. 1, 366 Österley. in die schuhe brunzen wird auch gebraucht von übereiligem nachfolgen im amt, sottentrare in servitio mentre l'ufficial vecchio stà ancora in casa Kramer 2, 672ᶜ, ebenso bair. ein d' schuehh scheiszen Schm.² 2, 391. enen wat in de schoe geten, ihm etwas verweisen, die schuld von etwas geben. brem. wb. 4, 665, auch etwas nachtragen Schütze 4, 55, ebenso hochd. jemanden etwas in die schuhe gieszen, schuld geben Adelung, schütten, schieben, auch in allgemeinerem sinne: die verantwortung zuschieben, etwas aufbürden. sprichwörtlich: es wolte jederman gern sein unrein wasser in eines andern schuh schütten. Petri (1605) Dd 5ᵃ. entsprechend etwas in die schuhe nehmen: es soll mir eine freude sein, allen verdrusz, alle unbequemlichkeit, die dieser sache folgen könnten, ganz allein in die schuhe zu nehmen. Cl. Brentano 8, 336. schweiz. sagt man: er schütted der wi (den wein) nitt in d' schue, trinkt ihn gerne Seiler 264ᵇ, nd. water mag ikk nig mal in de schoe liden, vom wassertrinken bin ich kein freund Dähnert 410ᵃ.
δ)
den schuh noch völler herausnehmen begegnet schweiz. (bei Gotthelf) für 'schlechter fahren, ankommen': wenn du mir nicht gewehrt hättest, ich wäre gegangen und hätte da vielleicht den schuh noch völler herausgenommen als mit Stini oder Ürsi. Uli der knecht 141 Vetter. vgl. oben γ.
ε)
dem, der den mut verliert, fällt das herz in die schuhe (vgl. in die hosen): solch stündlein (dasz die macht des papstes gebrochen wird) wil jtzt hie sein, ob got wil, doch, das sie es ja nicht gleuben, wenn sie es gleich so hart fületen, das jnen das hertz in die schuch und noch tieffer fellet. Luther 6, 492ᵃ.
f)
schuh als symbol, in bestimmten sitten und gebräuchen.
α)
der schuh ist ein symbol der zugehörigkeit, der herrschaft.
αα)
im altnord. war bei der adoption und legitimation die sitte, dasz der vater ein mahl veranstaltete, einen ochsen schlachten und aus dessen haut einen schuh machen liesz, in den zuerst er selbst, dann der adoptierte und die übrigen geschlechtsangehörigen traten Grimm rechtsalterth. 155. 463. Weinhold altnord. leben 290.
ββ)
nach altdeutscher sitte bringt, wie Gregor v. Tours erzählt, der bräutigam beim verlöbnis der braut einen, wol zunächst seinen schuh. im könig Rother (2197 ff.) schuht der werbende die braut, die den fusz in seinen schosz setzt, mit einem goldenen und einem silbernen schuh, was auch in der Thidrekssaga cap. 61 erzählt wird. im Aschenputtel gelobt der königssohn: keine andere soll meine gemahlin werden als die, an deren fusz dieser goldene schuh paszt. kinder- u. hausmärchen nr. 21, vgl. Grimm a. a. o. damit steht auch wol die schwäb. sitte in verbindung, dasz am hochzeitstage ledige bursche versuchen, der braut den schuh (d. h. wol eigentlich den neuen, vom bräutigam ihr gegebenen schuh) zu rauben Birlinger volksth. 2, 389, der dann auch versteigert wird und von der braut zurückgekauft werden musz. der erlös wird unter den burschen vertrunken, was schuhweintrinken heiszt 385. fremde schuhe, d. h. einen auswärtigen als bräutigam dulden die bauernbursche in Oberhessen nicht im hause einer dorfschönen, ohne dasz der fremde sich durch spenden eines trunks löst Vilmar 372, wo verwiesen wird auf Gargantua 124ᵃ: der gauch ein guter man: der die frembde schuh bei seiner frawen bett vor zorn zerschneidet. vgl. auch: er hat auch schon fremde schuh unter dem bette funden. Bebel bei Eiselein 555. im ansbachischen glaubt man, wenn sich die braut vom bräutigam den linken schuh anschnallen lasse, sie werde im hause herrschen Grimm a. a. o. der geliebten schenkt auch Osw. v. Wolkenstein schuhe:
in Paris, Lunden
frumbd ich ir zbên schuoch.
30, 2, 44.
eine kupplerin verlangt vom teufel:
ein par schuo sol du mir pringen,
da mit wil ich si bezwingen.
si muos ir ee mit dem pfaffen prechen.
fastn. sp. 501, 8 Keller.
während es hier scheint, als ob sie die schuhe für ihr opfer haben will, beansprucht sie nachher selber ein paar schuhe:
ich han verworren dise ee;
davon will ich die schuo haben
und wills des nächsten feirtag tragen;
und wiltu du (teufel) mirs nit pald geben,
ich pring dich selber umb dein leben.
505, 10.
weniger angenehm ist die art, wie der mann seinem weib in der folgenden stelle schuhe zu lohn gibt: der arzat schlecht sein weib und spricht:
hat das nit der teufel geschaffen,
das du alles ding muost wider klaffen?
so hab dir schuoch zu lon.
du solt fürpas nimer thuon.
510, 31.
γγ)
mächtigere könige sandten geringeren ihre schuhe zu, die diese zum zeichen der unterwerfung tragen müssen. Grimm a. a. o.
δδ)
das ausziehen des schuhs ist symbol für auflassen von gut und erbe. ebenda, wo die folgende biblische stelle verglichen wird: es war aber von alters her eine solche gewonheit in Israel, wenn einer ein gut nicht beerben, noch erkeuffen wolt, auff das allerley sache bestünde, so zog er seinen schuch aus, und gab jn dem andern, das war das zeugnis in Israel. Ruth 4, 7. auch die folgende stelle darf verglichen werden: wenn er (der bruder des verstorbenen mannes) denn stehet und spricht, es gefellet mir nicht sie (die schwägerin) zu nemen, so sol sein schwegerin zu jm tretten fur den eltesten, und jm einen schuch ausziehen von seinen füszen und jn anspeien, und sol antworten, und sprechen, also sol man thun einem jederman, der seines bruders haus nicht erbawen wil. 5 Mos. 25, 9.
β)
das ausziehen, wegwerfen der schuhe als zeichen demütiger begrüszung, wie es die folgende stelle bietet:
Cleopatra. wir werfen weg die schuch baarfüszig ihn (Augustus) zu grüszen.
Lohenstein Cleopatr. 4, 3166
weist wol auf den unter α, γγ genannten brauch.
γ)
aus schuhen trinken, als gewohnheit unmäsziger trinker getadelt: der bürgermeister sol die, so aus den schuhen getrunken, (sc. strafen). quelle von 1504 bei Schmid 482;
sie saufen aus hantfaszen und ausz schuen.
Schade sat. u. pasqu. 1, 162, 295.
die sitte, die wol zunächst mit wirklichen schuhen, dann mit glasgefäszen von der form eines schuhs geübt wurde (vgl. stiefel als studentisches trinkgefäsz), hat vielleicht ursprünglich eine symbolische bedeutung. der schuh, der jedenfalls durch umtrunk geleert wurde, wie heute der stiefel, kann ein sinnbild der zusammengehörigkeit gewesen sein. die slavische sitte, aus dem schuh der dame zu trinken, mag einen ähnlichen sinn haben.
δ)
schuch est etiam ludus, nomine schoenophilinda (was etwa unserem 'plumpsack' entspricht). unde, des schuchs spielen, ludere schoenophilinda Stieler 1936, schuhes spielen, besteht darin, dasz sich nehmlich eine ganze gesellschaft in eynen creysz herum auf die erde gantz nahe und dichte zusammen setzet, einen holen schos machet, und einen schuh, der von einer um den creysz herumgehenden person gesuchet und ausgestäubert wird, einander verborgen unter den beinen geschwind zustecket, damit der suchende selbigen nicht erwischet. frauenzimmerlex. bei Schultz alltagsl. 8: man spielte des schuchs, wo man sich, wie bekannt, neben einander auf die erden setzet, und den schuch durch die beine endlich an einem ort verstecket. Hunold sat. roman in Kürschners d. nat.-lit. 37, 480;
des schuchs, der blinden kuh,
des richters ward gespielt, des königs auch darzu.
Fleming 168.
in Schwaben, wo es ausschlieszlich mädchenspiel ist, schuhschoppen Birlinger volksth. 2, 432, den schuech suechen: sie (die mädchen) singen ring, suechen den schuech. quelle in desselben schwäb. wb. 377ᵇ, bair. den schueh bergen, schuehhbergen Schm.² 2, 390, engl. hunting the slipper Goldsmith vic. of Wakef. cap. 11. vielleicht hängt das spiel mit dem symbolischen gebrauche des schuhs bei der brautwerbung zusammen.
ε)
als liebesorakel gilt es, wenn ein mädchen den einen schuch oder pantoffel mit dem ende über den kopff wirft, um zu sehen, ob er an die stuben-thüre flieget, woraus sie sich prophezeien wollen, ob sie noch selbiges jahr aus dem hause gehohlet werden. frauenzimmerlex. bei Schultz alltagsleb. 5, besonders in bestimmten nächten üblich, so bair. in der christ-, Thomas- oder dreikönigsnacht Schm. 2, 390, auch so, dasz auf verheiratung geschlossen wird, wenn die spitze des schuhs nach der thür zeigt. als allgemeineres orakel:
an der rauchnacht wirfet man
die schuech, als ich gehort han,
über das haupt arslingin,
und wa sich der spitz cheret hin,
da sol der mensch peleiben.
Vintler pluemen der tugent 7939.
ζ)
nachwerfen eines alten schuhs zur abwendung von unglück:
up dat it my wol enhant gae,
so werp my einen alden scho nae!
Trierer Theophil. 525.
η)
bösen geistern (nd. waldridersken) wehrt man in Oldenburg den eintritt durch thürwärts gekehrte schuhe E. H. Meyer myth. 79.
θ)
in manchen gegenden herrscht der erntebrauch, einem fremden, der das kornfeld während des mähens betritt, die schuhe mit einer korngarbe zu wischen, wahrscheinlich ein rest der fesselung des fremden, der den korngeist darstellt. er musz sich durch ein trinkgeld lösen. Mannhardt myth. forschungen 37 und 46.
ι)
der allgemeinen üblen bedeutung von link gemäsz darf man den linken schuh nicht zuerst anziehen. frauenzimmerlex. bei Schultz alltagsl. 159. das werfen des linken schuhs gilt als mittel zum bannen unholder geister Hoffmann v. Fallersleben anmerk. zu vers 525 des Trierer Theophilus.
κ)
schwören bei den schuhen:
ich treib si in ain enges hol,
tuͦt si icht anders dann ich tuͦ,
das han ich gesworn by meinem schuͦ.
gesammtabent. 1, 495 Hagen.
λ)
über den bundschuh als feldzeichen der aufrührerischen bauern s. dies 2 oben theil 2, 523.
μ)
der schuh ist das natürliche wappenzeichen der schuhmacher und von familien mit diesem oder gleichbedeutenden namen, vgl. Gritzner herald. terminologie (1890) 119.
2)
schuh als längenmasz, schuͦch, dʒ maͦsz eines fuͦszes, pes Maaler 364ᵃ, schuh (werckschuh, so auch Stieler 1938), scarpa cioè piè, piede geometrico Kramer 2, 673ᵉ, ein masz, idem ac fusz, pes Steinbach 2, 518, ein maasz, pes, welches man auch fusz heiszt, wann man den schuh am fusz behielt, so hiesz vor zeiten dieses ein schuh, wann man aber mit bloszen füszen gemessen hiesz es fusz. Frisch 2, 230ᶜ. Adelung. der letztere bemerkt, dasz das wort in dieser bedeutung wiefusz, ↗zoll u. ähnl. (männliche maszbestimmungen) im plur. unverändert bleibt, wenn ein zahlwort vorher geht: sechs schuh, nicht schuhe (ebenso bei unbestimmtem zahlbegriff: mehrere schuh), aber ohne zahlwort die gewöhnliche form behält: die länge eines dinges nach schuhen messen. doch finden sich ausnahmen von dieser regel, nicht nur bei unbestimmtem zahlbegriff:
dies wort voll kraft und ruhe
setzt, sohn, zu deiner länge viele schuhe.
Immermann 12, 25 Boxberger,
sondern auch bei bestimmten: ein ieglich wagenstraʒe sol sechzehen schuhe wit sin. Schwabensp. 154 Gengler; sie (Gottscheds zweite frau) ist 4 schue grosz und er 7. Göthe br. 1, 14 Weim. ausg.; wie ich so auf dem sandhügel am flusz hintrollte, so rutscht der plunder unter mir ab und ich zehn rheinländische schuhe hinunter. Schiller räuber schausp. 3, 2. im genetiv und dativ scheint, wenigstens in älterer sprache, die flectierte form auch hier häufiger zu sein: doch vermuth' ich, dasz es wohl so ein bursch von ohngefähr sechssehn, siebenzehn französischen schuhen sey. Fr. Müller 3, 33;
daʒ ist kaum drîer schuohe wît.
quelle bei Lexer mhd. handwb. 2, 819;
hier stund der schöne gang
vollführt durch Gordian von tausend schuhen lang.
Opitz 1, 95, 264.
mit dieser einschränkung gilt der gebrauch der unflectierten form anscheinend in älterer wie in neuerer zeit. den bedeutungsübergang veranschaulicht die sprichwörtliche wendung: misz dich mit deinem schuch. Franck bei Wander 4, 353, 97. man sagt dann einen schuh lang, breit u. dergl., und mit der herausbildung eines bestimmten maszes, das als schuhlänge gilt (meist etwa 0, 3 meter vgl. Egger gloss. zu den tir. weisth. unter schuh), entwickelt sich dann auch ein freierer gebrauch des worts: die slang ertœt Regulus in dem land Africa und diu was an der leng hundert und zwainzig schuoh grôʒ und lanch. Megenberg 265, 28; daʒ (tisus) ist ain slang, diu wont auf den padawischen pergen pei der stat Padaw und hât an der leng sehs schuoh oder siben. 284, 34; me ye die huebe giltet an sant Thomas dage xxxij spelteren, und selbe yglich sol sin in der lenge nun schow lang. weisth. 1, 430; ain ieglichen wagen, den man in daʒ her pringt, der sol stark und gut sein und sol ain eisneu ketten haben fünfzechen schuch lank. deutsche chron. 2, 1, 364, 29 Weiland; das niemant .. kain aigen holz slagen sol, es hab dann den span uber den stock anderthalben schuech. tirol. weisth. 1, 234, 15; die höch der mauer war hundert schuech hoch. Aventin 1, 75, 30 Lexer; (die mauer hat) nur zwaihundert und fünfzig pastein oder türn gehabt, waren grosz und weit, ist einer umb zehen schuech höher gewesen dan die mauer. 94, 16; die statmaur, .. im umbkraisz begreifend 12 meil (wie Plinius schreibt), hoch zwaihundert schuech, prait funfzig. 314, 2; item adi 6 novembris kauft ich und legt in mein czwinger 55 pretter czu 12 schuch lang. Anton Tucher haushaltb. 95 Loose; das er weder haus noch hof, auch nit ains schuchs breit ertrichs het. Zimm. chron.² 1, 378, 6; er hiesz an der einen seiten dieses bauws, einen ebnen platz lassen auff fünfftzig schuch breit. buch d. liebe 218, 4; die lantstrasz, so allenthalben vierzehen schuech weit sein soll. tir. weisth. 2, 113, 24; wann ich eigentlich wissen wolte, ob er voll sey, begehrete ich, dasz er messen solle, wie viel schuchlang meine stube sei? Schuppius 494; da hatt ich neben meinem hausz einen graben, der, wie wenig, seine acht schuh breit war. Schiller räub. schauspiel 1, 2; der mann (schritt) auf der gegen fünftausend schuh langen geländerlosen holzbrücke rüstig dahin. Keller 6 (1895), 337;
würfe er den blîden stein
wol zwelf schuoh lanc vor allen sînen gesellen.
minnes. 2, 382ᵃ Hagen;
in dem luft muostu hangen fünfzehen schuo von der erden.
Sal. u. Mor. 1, 2845;
kam (kaum) hat deines grabes zir
siben schuch an lenge.
Bartsch erlösung 312, 44;
das ich und du wir beede sandt
von jhm erbten keins schuchs breit landt.
Ayrer 1551, 4 Keller;
seht ihr dort am stillen hügel,
erlengrün und bachbenetzet,
jenes mäuerlein, zwei schuh hoch.
Immermann 12, 16 Boxberger.
umb eines schuchs kürtzen, wie 'einen kopf kürzer machen, köpfen': dasz einer dieser vormelten herrn so wol, als der ander, und welcher ihn behafftet, auff des andern begeren denselbigen zu senden, oder umb eines schuchs kürtzen lassen solte. Kirchhof wendunm. 3, 40 Österley.
3)
von schuhähnlichem.
a)
in handschuh, das aber vielleicht aus der grundbedeutung selbständig erwachsen ist, s. dies oben theil 4, 2, 416.
b)
in pferdeschuh für 'hufeisen', das Stieler als ein neues wort bezeichnet, s. dies oben theil 7, 1690. schon im altnord. wird skór ähnlich gebraucht, nur dasz damit wol eine wirkliche schuhartige fuszbekleidung der pferde gemeint ist. Cleasby-Vigfusson 356ᵇ. näher sind damit anscheinend die schuhe für die hunde als schutzmittel gegen das ausgleiten derselben auf dem eise verwandt, die bei Jacobsson 7, 277ᵃ angeführt werden. footscho nennt man nd. hölzer, die den pferden an den beinen befestigt werden, damit sie auf der weide nicht über die zäune springen. brem. wb. nachtr. 286. schuh bei den falkenierern, vincula pedum falconum Gesner bei Frisch 2, 231ᵃ.
c)
das hornige wesen an dem rind- schaaf- schwein-vieh und dergleichen, nicht weniger die harte haut an den füszen eines feder-viehes, als gänse, enten u. s. f. öcon. lex. (1741) 2651. Adelung. Tobler 400ᵇ (bei der kuh). Hunziker 333, ochsenschuhe, ungulae bovinae Stieler 1936. Kramer 2, 673ᶜ, die schuhe oder schalen am hirschen, ungularum superior et durior pars Fleming bei Frisch 2, 231ᵃ, ähnlich schon mndl., aber im vermenschlichenden thierepos:
ic dede den wolf ende sinen wive
die scoen villen van haren voeten.
Reinaert II, 3965.
d)
schuh an geräthen: an einem pfahl, scarpa di ferro con punta di cui s'arma un palo, ein beschläge unten an einer stange, als den wagen-lehnen, an spiesen, ferrum quo lignum longum munitum, quo in terra figi potest Frisch 2, 231ᵃ, ähnlich: die gewürtz - mühlen, sind mit, von eisernen schuhen, beschlagenen stämpffen, fast wie die öl-mühlen, gemacht. Hohberg 1, 73ᵇ, auch das eisen an der spitze eines blasebalgs (bergm.) Adelung, vgl. auch eckschuh oben theil 3, 25, schuh an einer standarte, lantze, resta di standardo, di lancia Kramer 2, 683ᵇ, so oder die lederscheide, in die sie beim tragen gestellt werden, vgl.fahnenschuh oben theil 3, 1265, ähnlich flintenschuh, s. dies oben th. 3, 1803 und ankerschuh. nautisch heiszt weiter schuhe unter den schlittenbalken die zum ablaufen des schiffs dienende bettung von planken, schuhe unter einer stütze, bretter, die unter den fusz einer stütze oder bocksspiere gelegt werden, damit sie das deck nicht beschädigen oder, auf dem lande, nicht einsinken Bobrik 613ᵇ. schuh auf bergwerken, die kurzen schwellen, darinnen die spiesz - bäume ruhen (dasselbe meint wol schue, tigna humi strata Bechius auslegung der bergwörter). item die kleinen hölzer an den kunst-stangen im geschlitz, dadurch die steck-nägel gehen. Frisch 2, 231ᵃ. in hemmschuh, s. dies oben theil 4, 2, 985. nd. schoe, der rumpf der mühle Chytraeus bei Frisch a. a. o. nach Adelung ist schuh eine schräge rinne unten am rumpfe der windmühlen, durch die das korn auf den stein fällt. in pumpenschuh s. dies oben theil 7, 2230.
e)
als thiername.
α)
eine art der meereicheln, die helmpocke, lepas galeata Nemnich 2, 371.
β)
eine art von napfschnecken, der pantoffet, patella crepidula. 877.
f)
als pflanzenname begegnet schweiz. herrgotts strömp und schuhe für polygala chamaebuxus Pritzel-Jessen 295ᵇ. vergl. schühlein in solcher anwendung.
Zitationshilfe
„schuh“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/schuh>, abgerufen am 13.11.2019.

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