schreiner m
Fundstelle: Lfg. 9,10 (1897), Bd. IX (1899), Sp. 1728, Z. 41
tischler, mhd. schrînære Lexer mhd. handwb. 2, 800, zu schrein, m. gebildet und mit erweiterter bedeutung, wie tischler: scrinarius, schryner Dief. 521ᵃ; schreiner, tischmacher, arcularius Dasypodius; schreyner, faber lignarius, abietarius, arcularius, faber arcarius, cistarius, capsarius Maaler 362ᵃ; schryner oder tischmacher, lignarius faber 362ᵇ; schreiner, un menuisier Hulsius dict. (1616) 289ᵇ; capsarius, ein schreiner, tischer Corvinus fons lat. (1660) 118ᵃ; scriniarius, ein schreiner, tischer 578ᵃ; schreiner, m. faber cistarius Schottel 1409; kästner, der, alias schreiner, et tischer Stieler 934; schreiner (der, pro tischler), scriniarius Steinbach 2, 503. Frisch miszbilligt den gebrauch des wortes, höchstens dürfe man es für verfertiger von 'köstlichen kästen' verwenden (nach der im nhd. eingeschränkten bedeutung von schrein). nach Adelung im oberdeutschen gangbare bezeichnung des tischlers, und von hier aus in das hochdeutsche aufgenommen. in zusammensetzung, kunstschreiner, grob- sive lumpenschreiner Stieler 1930; dorfschreiner Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 663ᵇ. das wort ist dem nd. durchaus fremd (nur ein mnd. scrînmâker ist bezeugt, vgl. nld. schrijnwerker), ebenso bieten die nordischen sprachen und das englische nichts entsprechendes (dän. snedker, schwed. snickare, isl. snikkari, engl. joiner). zu dän. snedker vgl. schnitcher in der unten angeführten stelle des Comenius. schreiner ist eine wesentlich oberdeutsche bezeichnung, vgl. Schm. 2, 607. Birlinger volksth. aus Schwaben 1, 297, 470. Tobler 400ᵃ. Hunziker 231; doch auch in Mitteldeutschland ist hier und da schreiner häufiger als tischler; z. b. in Salzungen nach Hertel thür. sprachsch. 221:
schrînær und die dâ machent vaʒ.
Ottokar reimchr. 65689;
darzuo sesslar und fässlar macher und schriner.
teufels netz 11171;
ein schreiner der holtzs genug hett umb sunst
das edel wer nach seines hertzen lust.
fastn. sp. 1339;
dergleich schreiner und zimmerleut
müssen arbeiten morgn wie heut.
Sachs 19, 165, 19 Keller-Götze;
da erstach ein schreiner .. einen gesmeidmacher. d. städtechr. 11, 590, 7 (Nürnberg); auch so soll ein paumeister bestellen und sein abrede haben mit einem schreinner. Tucher baumeisterb. 108, 27; liget allein an dem, das der schreiner guett dürr holtz darzu nehme. Paumgartner briefw. 94; wie die schreiner, wenn sie das liecht ertrencken. Fischart groszm. (1607) B 4; der tischer (kistenmacher, schnitcher, schreiner) behöbelt die breter mit dem groszem höbel, und kleinen höbel, füget und spannet (dringet) sie mit klammern zusammen (setzet sie in die leisten), leimet sie aneinander mit leim, und bestreichet sie mit fernisz. Comenius sprachenth. übers. von Docemius (1657) 530; mester Klipperling, wollbestellter schreiner des weitberühmbten dorffes, Rumpels - kirchen. Gryphius Peter Squenz 6 neudr. (im personenverzeichnis tischler); der schreiner oder tischler. Abraham a S. Clara etwas für alle (1699) 444.
Zitationshilfe
„schreiner“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/schreiner>, abgerufen am 16.10.2019.

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