schreckhaft adj
Fundstelle: Lfg. 9 (1897), Bd. IX (1899), Sp. 1680, Z. 56
1)
leicht schrecken empfindend Adelung, qui facile terretur, pavidus Frisch 2, 224ᵃ, zuerst bezeugt aus dem 15. jahrh. Lexer mhd. handwb. 2, 789: als er die feindt schreckhafft sahe. Aimon l 4ᵃ; ir herren, meynet mich nit mit worten zuerferen (erschrecken), oder schreckhaft zu machen. A 2ᵇ; ein schreckhaftes mädchen, das betäubt und mit zerrütteten sinnen schon vor meinem namen flieht, kann leicht fürchterliche worte für fürchterliche thaten halten. Lessing 2, 73; wenn sie .. nicht so schreckhaft wäre, wie ein kleines kind, das bey allem was ihm ungewohntes aufstöszt, grosze augen macht, und davon läuft. Thümmel 2 (1794), 188; ach gott, sagt ich in der groszen freude schreckhaft, war es denn ein bloszer schlaf, das unbewegliche ruhen der mutter. J. Paul Titan 2, 57; ich bin nicht sonderlich schreckhaft. Hebbel 2 (1891), 113;
er hätte vielleicht die dame nicht wahrgenommen;
allein ein lauter ton, der ihr im schrecken entfuhr,
(sie war, wie wir wissen, sehr schreckhaft von natur)
entdeckte die furchtsame schöne, und hiesz ihn näher kommen.
Wieland 4, 98 (n. Amadis 4, 22);
als die jungfrau dies empfindet,
schlosz sie schreckhaft ihre hand.
Cl. Brentano ges. schr. 3, 361.
2)
schrecken einflöszend, dazu geeignet Adelung (als wenig gebräuchlich bezeichnet), minis aut terrore commovens Frisch 2, 224ᵃ: zu grund gestürtzet durch den schreckhafften norden wind. anm. weish. lustg. 513; ein schreckhafftes unglück, wofür sich einer entsetzet. 526; eine schreckhafte taht, facinus formidolosum Stieler 1921; schreckhaftes ansinnen, horrida jussa ebenda; eine schreckhafte begebenheit Adelung; meine einbildungskraft, je geschäftiger sie war, mir die klagrede nach ihrem ganzen schreckhaften inhalte vorzuhalten, mit der mich der procurator auf morgen bedroht hatte, machte es meinem armen verstande nur desto unmöglicher, etwas kluges und bewährtes darauf zu antworten. Thümmel 5 (1794), 155; schlangen und gewürme, giftig, dem auge schreckhaft, kamen damahls jedes in eigner freude herbey. F. Müller 1, 25; ihr schlaf ward durch schreckhafte träume gestört. Klinger 10, 72; wie schreckhaft ist diese stille — schauervoll wie die stille des grabes. Schiller Fiesko bühnenbearbeitung 5, 1; dem menschen, im zustande der kindheit, wo die einbildungskraft am ungebundensten wirkt, ist alles schreckhaft was ungewöhnlich ist. werke 10, 143; indessen war ich durch zwey schreckhafte vorfälle, durch zwey brände welche in wenigen abenden und nächten hinter einander entstanden, und wobei ich jedesmal persönlich bedroht war, in mein übel ... zurückgeworfen. Göthe 31, 192; am abgrund erwachen ist schreckhaft. Dya-Na-Sore 2, 118; jetzt habe ich muth, Felix, die professoren sind noch weniger schreckhaft als die studenten. Freytag handschr. 1, 330; allein sein in einem groszen hause ist immer schreckhaft. 2, 227; die schreckhaften dinge, erscheinungen. poltertöne sind nicht mehr zu leugnen. Keller 7 (1894), 106;
was unbedenklich sonst, erscheint hier schreckhaft,
und was sonst gräulich, wieder hier gemein.
Grillparzer 4 (1887), 49;
weil dies feige geschlecht (die pfaffen) ihn (Christus) stets ein geduldiges lamm schilt,
zeig' er sich ihm schreckhaft als ein gewaltiger len.
Platen 140ᵇ.
Zitationshilfe
„schreckhaft“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/schreckhaft>, abgerufen am 26.08.2019.

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