schlechterdings adv
Fundstelle: Lfg. 3 (1894), Bd. IX (1899), Sp. 541, Z. 14
aus dem vorhergehenden anomal entwickelt; gleiche anfügung der genitivwendung des singular bei bewahrung der pluralform im adjectiv wie in allerdings, neuerdings, platterdings, s. gr. 3, 135; schlechter dings, non solum est defunctorie, et negligenter. sed etiam omnino, plane, prorsum, praecise, et simpliciter. Stieler 1850. schlechterdings, adv., absolute. Frisch 2, 194ᶜ. im sinne von einfach (s.schlecht 13, a): völcker, so gleichsam leibeigen gebohren, und schlechter dinges auf ihres herrn winken sehen. Butschky Pathmos 491; um mir meine beute nicht so schlechter dinges (so ohne umstände, ohne widerstand) nehmen zu lassen. Plesse 3, 121; es war derselbe viel zu sehr erfahren, als dasz er hätte vorgeben sollen, was ihm Gori schlechterdings andichtet. Winckelmann 3, 234. überhaupt: würde aber einem kind oder denen elteren das pflichttheil nicht überlassen, sondern die elteren oder kinder in einem testament schlechterdings ausgelassen. Mainzer landr. (1755) IX, 4. gewöhnlich im sinne von 'unbedingt, durchaus, unter allen umständen': die form des verhörs erfordert diese vorsichtigkeit schlechterdings. Lessing 2, 183; wenn ich mich schlechterdinges an nichts kehren wollte. 12, 246; weil ich den nehmlichen tag noch schlechterdings abreisen müszte. 437; er hatte es schlechterdings für unmöglich gehalten. Klopstock 12, 206; ich verlange schlechterdings, dasz du ihn diesen abend zu mir bringest. Wieland 1, 225; so lange sie seiner dienste nicht schlechterdings von nöthen hätte. 3, 255; ein heiliger schlechterdings guter wille. Kant 4, 65; es existirt etwas schlechterdings nothwendig. 6, 41; du hast ihm eine romanze geschickt, die ich schlechterdings nicht brauchen kann. Schiller 1, 196; auch ist ein mensch, der ganz bosheit ist, schlechterdings kein gegenstand der kunst. 2, 11; ich denke vielmehr überzeugt zu seyn, dasz der zustand des moralischen übels im menschen, ein schlechterdings gewaltsamer zustand sey. 362; ein philosophischer gegenstand ist schlechterdings für die poesie verwerflich. 6, 103; (Varus) behandelte das land bis über die Weser schlechterdings auf den fusz einer überwundenen provinz. Möser osnabr. gesch. 1, 145;
denn alle, wie man hört, verachten rechte gaben,
und wollen schlechterdings nur lustigmacher haben.
Günther 387.
in besonderer wendung: gott handelt hierin nicht schlechterdings, auf unbedingte art, mit unbeschränkter macht. Adelung. nüancirung durch die stellung im satze: es ist nicht schlechterdings wahr, nicht ohne alle bedingung und einschränkung wahr. ebenda; welche unser freund Johann Jakob Rousseau selbst nicht schlechterdings gebilligt hätte. Wieland 1, 308. bemerkenswert ist der für die hessische mundart bezeugte gebrauch von schlechterdings: die frau hat sich schlechterdings, schlechter dinge aufgeführt, sie hat sich schlecht aufgeführt, ist eine ehebrecherin. Vilmar 354; hier hat die bedeutungsentwicklung des adj. schlecht eigenthümlich eingewirkt.
Zitationshilfe
„schlechterdings“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/schlechterdings>, abgerufen am 24.08.2019.

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