salbader m
Fundstelle: Lfg. 9 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1681, Z. 67
1)
persönlich, langweiliger, alberner schwätzer, oft mit dem nebensinn des salbungsvollen, frömmelnden tones: es (das buch) siehet närrisch aus, und wer es obenhin betrachtet, der meint, es sey ein neuer Simplicissimus oder sonst ein lederner saalbader wieder auffgestanden. Weise erzn. 3 neudr.; meine nahe baasz Catharin (die mir zwar keine verwandtschafft gestehet, sondern mich zum salbader logiert [unter die salbader rechnet], wiewol sie die drey ärgste erznarrn in der welt auff einen wurff, gleichwie ich den Simplicissimum, geborn). Simpl. 4, 362, 2 Kurz (die beziehung auf die vorige stelle ist deutlich. Weise nennt sich auf dem titel der erzn. Catharinus Civilis); hier schicke ich ihnen sogleich die neueste sudelei des gräflichen saalbaders (Stolbergs). Göthe an Schiller im briefwechsel beider⁴ 122; Kants zurechtweisung des saalbaders (Nicolais) ist recht artig. Göthe an Schiller 486;
drum nimmt sie (die deutsche nation) allein saalbader in gunst,
saalbader in schutz; drum liest sie nur dich,
statt Goethe und statt
Jean Paul, saalbadernder Clauren.
Platen 275.
2)
unpersönlich, alberne redensart: ich kann mich aber zu zeiten des lachens nicht enthalten, wenn ich sehe, wie solche nachfolger (plagiatoren) .. bald hie bald da, von ihren eigenen, mit tausendterlei mängeln angefüllten versen etliche greuliche saalbader dazwischen flikken. Rist Parn. (1668) vorbericht b 6 b. Stieler 76 erklärt salbader, vetus cantilena (alte leier. Weigand).
3)
schon im 17. jahrh. begegnen versuche, die entstehung des wortes aufzuhellen: saalbader (also genannt von einem bader an dem Saalflusz, der allen und jeden seinen badgästen von seinen guten weinbergen erzehlet). Quir. Pegeus (Harsdörffer) kunstquellen 1, 25. nach Weigand 2, 517 erzählt Adrian Beyer, der 1618 in Jena student wurde, in seinem 1681 erschienenen architectus Jenensis, dasz ein daselbst an der mühllache wohnender bader Hans Kranich wegen seines albernen geschwätzes zu der entstehung und verwendung des wortes anlasz gegeben habe. den salbader zu Jehna erwähnt auch Schuppius als langweiligen schwätzer: diese art der höffligkeit (die zuhörer, auch wenn sie aufmerksam sind, mit vielen worten um gehör zu bitten) haben unsere redner von dem salbader zu Jehna gelernet. denn derselbe pflag den studenten, die zu ihm kamen, ohn unterlasz zu zuschreyen: der herr wasche sich doch, der herr wasche sich doch, der herr schwitze doch. da könte eine einfältige seele wol antworten: du närrischer salbader, darum, bin ich kommen, dasz ich schwitze, dasz ich mich wasche. aber dieser art zu reden musz der salbader, und sein gantzes adeliches geschlecht nach zu schlachten wissen. 855. Frisch 2, 144ᵇ gibt die deutung des Pegeus. mit recht hält Adelung diese erklärung für unglaubwürdig, weil sie zu sehr einem scherze ähnlich sieht, aber seine eigene (von sal schmutzig, also zunächst ein 'unreinlicher bader') ist nicht besser. unter den neueren ableitungsversuchen verdient die bei Andresen 250 erwähnte beachtung: salbadern, den namen des heilands (salvator) beständig im munde führen, daher dann salbader als subst. dazu. mehr wahrscheinlichkeit hat jedoch die von Schmid 491 gegebene, von Martin in der einleitung zu seiner ausgabe von Murners Badenfahrt (beitr. zur landes- u. volkeskunde von Elsasz-Lothringen 2, xx) weiter ausgeführte vermutung, wonach das wort eine entstellung aus seelbader ist (vgl. zwanzig aus zwênzic). man verstand darunter einen bader, der gegen abfindung durch eine dazu bestimmte testamentarische stiftung unbemittelten ohne bezahlung ihrerseits seine dienste bot. eine solche stiftung, die verschiedener art sein konnte (vgl. darüber zeitschr. für d. culturgeschichte neue folge 2, 571 ff.) wurde seelbad genannt, weil sie zum heile der seele gemacht ward. die seelbader, auch seelscheerer genannt, waren wol die am wenigsten angesehenen unter ihren als schwatzhaft verschrieenen zunftgenossen. ihr umgang mit spittelleuten mag ihnen einen frömmelnden ton gegeben haben; zufällige ähnlichkeit des wortes mit salbung hat vielleicht zu seiner bedeutungsentwickelung beigetragen (vgl. Martin a. a. o.). übrigens liesze sich auch eine willkürliche umformung nach dieser seite hin denken.
Zitationshilfe
„salbader“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/salbader>, abgerufen am 18.06.2019.

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