safran m
Fundstelle: Lfg. 9 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1635, Z. 35
crocus.
I.
Formales. nach älterer orthographie saffran, ahd. nicht vorhanden, dafür chruogo, cruogo, kruago Graff 4, 592, aus lat. crocus, mhd. safrân, saffrân: crocus haiʒt saffrân. Megenberg 392, 10; mit zahlreichen nebenformen: saffran, saffaran, safferan, safferon, safferen, safferung, suffran, suffart, saffrat, schaffner. Diefenbach 159ᵃ, nov. gloss. 121ᵃ unter crocus; mnd. safferân, saffrân. Lübben mnd. handwb. 313. auch in heutigen mundarten begegnen mannigfache umbildungen: safrich Schmid 445, saffer Schöpf 575, safferet Tobler 375, säfferme Spiesz 201. durch den in folge der kreuzzüge reger gewordenen verkehr mit dem Orient ist das ursprünglich arabische und persische wort in das romanische und germanische sprachgebiet eingedrungen. Diez wb.⁴ 345, franz. safran, ital. zafferano, engl. saffron, holl. safraan, dän. safran, safren, schwed. saffran.
II.
Gebrauch.
1)
safran bezeichnet die pflanzenfamilie crocus: saffran heist griechisch κρόκος, lateinisch crocus oder crocum. Tabernaemont. (1664) 1022 G. unterschieden werden crocus sativus, herbstsafran und crocus vernus, frühlingssafran. Nemnich 1, 1282; als hochgelb gekennzeichnet:
safran entfaltet
gewaltge gluth.
Göthe 3, 43.
dann wird der name auch auf ähnliche pflanzen übertragen: a) carthamus tinctorius, gewöhnlich saflor genannt. Nemnich 1, 891. b) colchicum autumnale, gewöhnlich herbstzeitlose (wilder safran). das. 1, 1101. c) curcuma longa (indischer, babylonischer safran). das. 1, 1327. d) menecylon capitellum (s.safranbaum). das. 2, 548. e) carlina vulgaris, gewöhnlich die gemeine eberwurz (wilder feldsafran). das. 1, 891.
2)
ein aus den narben des crocus sativus hergestellter gelber faserstoff, der früher ein bedeutender handelsartikel war, jetzt aber fast ganz auszer gebrauch gekommen ist. Hehn culturpflanzen u. hausthiere⁵ 215. man unterschied orientalischen, spanischen, französischen, östreichischen safran: es giebt unterschiedne sorten dieses gewächses, darunter wohl der asiatische oder österreichische der beste ist. weil aber die Türken aus neid gegen die Kristen denselben verfälschen und schwächen sollen, wird in Teutschland gemeiniglich der österreichische saffran beliebet, welcher so gut, ja fast noch besser als der orientalische ist. frauenz.-lex.³ 2, 2961. der safran wurde vornehmlich gebraucht:
a)
als färbemittel vom färber, maler oder kuchenbäcker benutzt: er (der rötelbaum) hât ein rôt rinden und ain herteʒ holz, daʒ ist gel sam der saffrân. Megenberg 344, 7;
ein sîte rœter danne grân,
diu ander gelwer dann safrân.
Tristan 15832;
färwt ain denn den kittel gelen,
si sol wol vier lot davon stelen,
das ist och ain hofflicher list:
ist denn das da saffran brist
und nit genuog gel wil werden,
so was kain saffran ietz uff erden,
der bœser ze värwen wær
also macht si ir ain mær.
teufels netz 12016;
die (jungfer) sieht als wäre sie mit saffran angestrichen,
die kömt auch zum verdrusz mit hönisch angeschlichen.
Rachel sat. ged. 115;
safran macht den kuchen gêl.
kinderreim.
im bilde:
lüge mit safrân überzogen.
Reinmar v. Zweter 169, 3 Roethe.
b)
als gewürz: sein gewechs ist wie ein lustgarte von granatepffeln, mit edlen früchten, cipern mit narden, narden mit saffran. hohelied 4, 14; dieser herr achtete sich gewürtzter speisen wenig, liesz ihm seine essen gemeinlich mit saffran, senf, zwiebel .. und anderen dergleichen einheimischen kräutern zubereiten. Zinkgref apophth. 1, 182; in der küche hat er seinen sonderlichen nutzen gestalt damit der koch vielen speisen einen angenehmen geschmack giebet, musz aber damit masze gehalten werden, sonst schadet der überflüssige gebrauch mehr als dasz er nutzet. frauenz.-lex.³ 2, 2961;
ich bin ein man
der vische erkennen kan
ân pfeffer und ân safferân.
meisterl. 94, 58.
c)
als heilmittel: der safrân hât die kraft ze kreftigen und ze sterken und darumb ist er guot wider des magen krankhait. Megenberg 392, 12; es wird auch ausz dem saffran ein herrlich extract zubereitet, dessen wenig eingeben, fürderet die geburt, gibt krafft der mutter und der geburt, fürderet auch den weibern ihre blödigkeit. Tabernaem. 1023 B; der safran ist balsamischer natur, trocknet, reinigt, zertheilt, lindert und stärkt das haupt, herz, lunge und mutter. frauenz.-lex.³ 2, 2961.
3)
fälschung des safrans: so setzen, statuieren und gebieten wir, dasz hinfürter die handthierende gewerbsleut kein solchen gefälschten saffran in das reich teutscher nation bringen, darinn feyl haben oder verkauffen bei verlierung desselbigen saffrans. reichstagsabschied Augsburg 1551 § 86; es ist weiter an uns viel klagens gelangt, dasz mit dem ingwer, pfeffer, saffran und anderm gewürtz allerley vortheils und betrugs gemeinem nutz zu nachtheil gebraucht: so wollen wir dasz hinfüro kein gefärbter, sondern allein weiszer ungefärbter ingwer im reich feil gehabt und verkaufft, noch auch dem zucker, pfeffer, saffran oder anderen gewürtz oder specereyen andere materien eingemischet werden sollen. polizei-ordnung Frankfurt 1577 xxiv, § 1; im j. 1456 sind Hans Kölbele .. und Lienhart Frey .. wegen fälscherey des safrans .. lebendig verbrannt, und Elsz .. Pfragnerin .., die ihnen dazu geholfen, lebendig vergraben worden. Roth gesch. des Nürnberger handels 4, 221;
unter den safran werden gestoszen
gelb eierdotter und gedörte mandelkern.
Schade sat. u. pasqu. 1, 169, 537;
dein saffran hast zu Fenedig gesackt
und hast rindfleisch darunter gehackt.
fastn. sp. 478, 1.
4)
uneigentlich heiszen saffran gewisse zubereitungen der metalle zur email- und glasmalerei. das zubereitete eisen (crocus Martis) führt am gewöhnlichsten diesen namen. Jacobsson 3, 482ᵃ.
Zitationshilfe
„safran“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/safran>, abgerufen am 22.08.2019.

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