säge f
Fundstelle: Lfg. 9 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1648, Z. 67
bezeichnung eines schleppnetzes. am Bodensee und anderen oberd. seen ist die segen ein sehr groszes zugnetz. Barack z. teufels netz s. 440 anm., Schm. 2, 240; in zusammensetzung hochsegen, laichsegen, krautsegen bei Schm. a. a. o. das wort beruht auf entstellung: schon im ahd. begegnet ein segina, netz. Graff 6, 147; es ist das lat. sagena, griech. σαγήνη und musz zunächst ein besonders construiertes netz bezeichnen, wie es die Deutschen bis dahin nicht gekannt hatten. alts. segina:
that man an sêo innan   segina wirpit,
fisknet an flôd.
Heliand 2629.
altfries. seine Richthofen 1002ᵇ; ags. segne, mnld. seghene, saghene, seyne Kilian; neunld. zegen, f., westfäl. segen Woeste 234ᵇ; mhd. und im älteren nhd. segene, segen, sege f. Dief. 507ᵃ; sô begieʒent si ir segen oder die netz mit warm waʒʒer. Megenberg 106, 1; disz puoch haisset des tüfels segi. teufels netz, titel;
wan er (der teufel) hat gemacht ein sege,
die tuot er durch die welt kegen ..
wan er hat gedinget siben knecht,
die ziehend im die sege recht.
v. 43;
mit .. segen, hammen, rewsen, angeln. Nürnb. polizeiordn. 190; der stat weiermeister hat sein eigen seegen. Tucher baumeisterb. 268, 13. mit entstellung segens, segentz Dief. 507ᵃ. Schm. 2, 241 weist darauf hin, dasz hier vermischung mit segense, sense vorliege, wie auch nd. seesse, seisse (sense) im sinne von schleppnetz bezeugt sei. brem. wb. 4, 757. auf der anderen seite begegnet auch segen im sinne von falx.
sage f
Fundstelle: Lfg. 9 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1644, Z. 19
dictio, sermo, fama, rumor.
I.
Formales: mhd. sage, ahd. saga (Graff 6, 105), altfries. sege (nd. segge brem. wb. 4, 736. ten Doornkaat Koolman 3, 169ᵃ), ags. sagu (engl. saw), mnld. saeghe Kilian; isländ. sög, gen. sagar, im goth. nicht belegt (vgl.sagen). altn. saga, in schwacher flexion, hat eine einschränkung der bedeutung erfahren und bezeichnet die gesprochene geschichtserzählung im gegensatz zum gesungenen historischen liede, dann auch die festgefügte litterarisch verbreitete erzählung. ebenso ist dem nhd. die beweglichkeit, mit welcher die ältere sprache sage gebrauchte, verloren gegangen und der begriff von sage hat sich fester und enger gestaltet (doch vgl. die zusammsetzungen an-, ab-, zu-, danksage u. ä.).
II.
Bedeutung.
1)
im sinne von sprache, fähigkeit zu sprechen, thätigkeit des sprechens: noh ander neist diu saga, danno diu generatio (in beziehung auf wort als die mystische bezeichnung des sohnes gottes). Notker ps. 44, 2;
er muost den tac belîben
bî ir unde vertrîben
mit vrâge und mit sage.
krone 29638;
eʒ ensprichet niht unt hât doch sage.
minnes. 3, 109ᵃ Hagen;
wer er siben gantze tag
on sprach und one sag.
Keller altd. ged. 33, 1.
nd. he heft ne gôde segg, er versteht flieszend zu reden. Frischbier 2, 336ᵃ.
2)
das, was gesagt wird, zunächst in allgemeiner anwendung, ausspruch, mittheilung, aussage, behauptung, so besonders feierliche aussage vor gericht, zeugnis, in freierem gebrauche auch von nicht gesprochener aussage. hinweisend auf gesprochene worte: der narren sag ist wie ein burde in einem wäg. in eines verständigen mund aber findt man lieblichkeit. Züricher bibel (1530) 639ᵃ (Ecclesiasticus 21, 19); der könig sich zuhand in das frauwenzimmer fügen thet, da er nach des ritters sag die jungen ritter finden thet. buch der liebe 245, 3; hat der teuffel nicht gesagt: von den menschen kompt anders nichts als böses? so vernicht ... ich dann die boszheiten, die in meinem gemüth sind, aus furcht, des teuffels sage möchte wahr werden. pers. baumg. 9, 13; mein Uli machte viel rühmens von dem Esaugesicht, das er, nach seiner eignen sag', schon vor zehn jahren caressirt hätte. arme mann im Tockenburg 72;
nû rât mir nâch dirre sage (nach dem, was ich dir gesagt habe)
und sage mir, wie eʒ dir behage.
Barlaam u. Josaphat 15, 35;
daʒ er (Lanzelet) der reise hæte
genuoc, sô was des knappen sage,
beidiu ze naht und ze tage.
Lanzelet 5029;
so kert sich dirr an sin sag (an das, was ihm der meister gesagt hat),
so forschet er nit me darnach.
teufels netz 10690;
was meinst du mit deinr narrischen sag?
fastn. sp. 338, 28;
das kümpt alls ausz seiner gelogen sag.
758, 7;
ja wir wölln nach deiner sag
gleich gehn mit allem hofgesindt.
H. Sachs 3, 1, 90ᵈ;
er sprach, vatter schweig diser sag
jetzt bisz auff den mornigen tag.
Wickram irr reit. bilger 59ᵃ.
in besonderer wendung:
an deme zorneclîchen tage
sô got mit grûsenlîcher klage,
mit grimmer sage,
den armen und den rîchen
tuot sîne hêren wunden kunt.
lobges. in zeitschr. f. deutsches alterth. 4, 533;
ich lebte ie nâch der liute sage (nach dem, was sie erfordern),
wan daʒ si niht gelîche jehent.
minnes. frühl. 152, 25;
die freyheit war all jhre sag,
freyheit verlust war schwere klag.
Rollenhagen froschm. Gg 8ᵃ;
mein got, ich ruͦff uͦnt schrei zuͦ dir bei tage,
nichts antwortest, nicht hörest meine sage.
Melissus psalmen H 7ᵃ;
wie ferren machst du dich
von meiner sage.
Opitz psalmen 43.
mit kurzer sage, um es kurz zu sagen:
duͦ bist's (mit kuͦrtzer sag)
daer machest das ich trag
mein haupt erhöcht i mere.
Melissus psalmen A 7ᵃ.
aussage, zeugnis vor gericht, bei einem verhöre, angabe bei verhandlungen: die peinlich frag soll ... nach ermessung eyns guten vernünfftigen richters fürgenommen werden, und soll die sag des gefragten nit angenommen oder auffgeschriben werden, so er in der marter, sonder soll sein sag thun, so er von der marter gelassen ist. Carolina art. 58; die derselb Graser verhort het, den kunt und gewissen dorumb wer (vier alten leuten). solch sag er dem rate zu Nüremberg wol erzelt het. Tucher baumeisterb. 309, 1; so soll man die gefangenen von einander theilen, damit sie sich nicht unwahrhaftiger sage mit einander vereinigen. corpus const. Brandenb.-Culmbac. 2, 2, 8; bauern und lassen, die seiner sage nach zu Danzig solten gehegt und ihm fürenthalten worden. Schütz beschr. d. lande Preuszen 66, vgl. Schiller-Lübben 4, 9ᵇ. Schm. 2, 233. im sinne von delatio, denunzierung: so wer dem sager solche sag wider den besagten nit zuglauben. Carolina art. 31. in freierer anwendung: si meinten nach der wisen gelerten phaffen sage, daʒ er dem romischen riche keine konigreich oder lande, noch keine herschefte soulde hinegeben. d. chron. 2, 1, 345, 25; weiter von obgenannten drei brüedern, so in Teutschland nach sag Appiani von Alexandria regirt haben. Aventinus bair. chron. 1, 221, 19; die sag der knecht, so bei dem grab gelegen warn und die engel mit den frauen hetten reden hören. 750, 28; gleich wie, nach der geometer oder erdkreiszmesser sag, die äuserste platte linien .. in circulmäsigen dingen, von jhnen selbs sich nicht wenden noch lenden. Fischart ehezuchtbüchl. (1597) B 1ᵇ;
si engeloubeten niemens sage,
wan ir selber augen.
armer Heinrich 1392;
man möht sie von valscher sage
beliegen, der eʒ tæte.
krone 24151;
nit glaubent ewr frawen sage,
und nit enhorent auch ir klag.
Keller altd. ged. 50, 29;
darum solchs gar nit dienen mag
den toten nach der pfaffen sag.
Schade sat. u. pasqu. 2, 237, 1516.
von urkundlichem zeugnis: nach der brief sage. d. städtechron. 5, 25, 25. 48, 22; nach des buches sag. quelle bei Schm. 2, 235; vgl. ebenda buchsag, und briefsag bei Schöpf 575; man soll sich nach der sag der recht nit alleyn vor volbringung der übelthat, sonder auch vor aller gestaltnusz des übels .. hütten. Carolina art. 61; von des alles wegen nach sag des salpuechs (gemäsz den bestimmungen desselben) und altem fränkischen recht ward herzog Hainrich entsetzt von allen bêden herzogtumben. Aventinus bair. chron. 2, 344, 31. in allgemeiner anwendung:
man dorfte nâch der schrifte sage
nie venster baʒ gezieren.
troj. krieg 7512;
des geloubeten die sinen
unde hoften nach der worte sage
des sternes von tage zu tage.
pass. 23, 90 Hahn.
im höfischen epos des mittelalters begegnet öfters die wendung der âventiure sage, wobei nach umständen die âventiure auch personificiert gedacht ist (J. Grimm kl. schr. 1, 86):
der âventiure sage niht triugt.
Lohengrin 6571.
sage im sinne von prophezeiung:
(er) ervulte der gnâden tage
nâch der wîssagen sage.
Barlaam u. Josaphat 70, 20;
von des Titanen
weiser sage geschreckt, der aus dem verdammlichen bette
ihm den gefährlichsten sohn verkündet.
Göthe 40, 349.
zur bezeichnung einer häufig gemachten äuszerung, einer allgemeinen, gewöhnlichen ansicht, besonders auch einer sprichwörtlichen wendung (zeitschr. für d. alterthum 8, 378); wir fürchten den krieg, dann dieses haben wir von unsern eltern, von der säugammen, von der gemeinen sag. Schuppius 781;
es ist eyn gemein und war sag:
man verkoufft me kelber dan küfell.
d. ewigen wiszheit betbüchlin (1518);
dasz also ich der alten sag,
die, lobend was sie jung gesehen,
die jugent diser zeit stehts schmähen,
beyfallen möcht mit gleicher klag.
Weckherlin ged. 567;
nach alter deutscher sage,
sind stille wasser tief.
Bürger 22ᵇ;
ein klapf uber den andern kam
biff baff als gmeinlich die sag stat (wie man so gewöhnlich
zu sagen pflegt).
Nic. Schradin Schwabenkr., geschichtsfreund 4, 34;
und widerlegst die sage:
du, holde nacht, seyst niemands freund.
Hagedorn 3, 111.
3)
auf mündlichem wege verbreiteter bericht über etwas, kunde von etwas.
a)
mit bezug auf ungefähr gleichzeitiges (in älterer sprache). leicht verbindet sich mit sage die vorstellung des unsicheren, unglaubwürdigen, auch des verleumderischen, doch wird es auch ohne eine solche modificierung des begriffes gebraucht: ein sag (die) ein gemeine red, sy seye guͦt oder bösz. Maaler 341ᵇ. d. städtechron. 5, 176, 5.
α)
ohne betonung der unsicherheit der kunde:
diu geselleschaft die strâʒe reit
alsô wol zwelf tage,
daʒ sie weder mære noch sage
nie dâ von vernâmen.
krone 28281;
daʒ dise geste wandels vrî
dar in daʒ tempel wâren komen,
daʒ hete si von sage vernomen.
troj. krieg 19642;
nû was in vor mit sage wol kunt
wie der keiser valte zwên in kurzer stunt.
Lohengrin 6798;
sie vrâgeten: kumt der von Prâbant,
des lop mit sage hilt sô verre in alle lant?
4195;
in klageten elliu diu lant,
dâ er inne was erkant,
und ouch von vrömden landen,
die in nâch sage erkanden.
arm. Heinrich 266;
mir wonet iedoch diu witze bî,
daʒ ich von sage wol diu nôt
erkenne daʒ des lîbes tôt
ist starc unde strenge.
595;
almeist ich die selben (hoher wirde tat) sach,
unt horte die von warer sage.
Ludwigs kreuzfahrt 5470.
sage im sinne von kunde, dem märchen gegenüber gestellt:
denn seit ich dieses stelle sorgenlos verliesz ...
ist viel geschehen, was die menschen weit und breit
so gern erzählen, aber der nicht gerne hört
von dem die sage wachsend sich zum mährchen spann.
Göthe 41, 180.
β)
aussage, bericht, verbunden mit der vorstellung des unsicheren, unzuverlässigen, gerücht: gemeine sag und red, opinio; es ist die sag, oder das geschrey, rumor est; mancherley sag auszbringen, allenthalben auszspreyten, auszgieszen. Maaler 341ᵇ; gerücht, leymuth, sag, nicht waisz, waher es auszkommen. Henisch 1524, 48; die sage hat sich geleget, rumor evanuit. Stieler 1565; nd. dat is ene gemene segge. brem. wb. 4, 736; woher die sage entstanden ist, dasz euer hochedelgebohrnen sich in England aufhielten, kann ich nicht sagen. Reiske bei Lessing 13, 245; und sind die Griechen zurückgekehrt wie die sage verbreitet? Schiller 6, 245; (das thal) hat, nach der sage des landes, neun kleine, nach unsrer ohngefähren reiserechnung aber, sechs starke stunden. Göthe 16, 225. verschlimmert im sinne von gerede, verleumderisches geschwätz: einen in eine sage bringen, aliquem in fabulas sermonesque mittere. Stieler 1665.
zwâre ich vorhte ouch noch ir sage,
daʒ ich des lîbes wære ein zage.
Hartmann v. Aue büchlein 2, 485;
durch offenbahrung, red' und frage
wird offt gewehrt der bösen sage.
Schwieger geharn. Venus 26 neudruck.
b)
kunde, bericht über vergangenes und zwar besonders über weit in der vergangenheit zurückliegendes, wie er von geschlecht zu geschlecht sich fortpflanzt.
α)
in älterer sprache ist die vorstellung des unhistorischen noch nicht unlösbar mit dem begriff sage verknüpft:
(von den rittern der tafelrunde)
der het einer âne strît
an lobe den besten gewin ...
wand er nâch sage nie
keine lôsheit begie.
Erec 1622;
dirre hof wert nâch der sage
mê danne drîʒec tage
mit voller vreude für sich an.
Lanzelet 6215;
daʒ si sanfte nâch sage,
wæren an dem vierden tage
geriten in daʒ schœne lant.
9094.
Otfrid bezeichnet die in seinem groszen gedichte gegebene erzählung als saga:
thaʒ ih, druhtin, thanne   in theru sagu ni firspirne.
1, 2, 15.
β)
mit der wachsenden kraft der kritik entwickelt sich der moderne begriff von sage als kunde von ereignissen der vergangenheit, welche einer historischen beglaubigung entbehrt; dieser begriff tritt schon bei Ködiz hervor: von sînem (des landgrafen Hermann) tôde ist manchirleie wân unde sage, daʒ iʒ beʒʒir ist geswegin wî her sîn ende nême, wanne daʒ man da von frevelîchin schrebe und wûsche. 15; und wird nachher ausgebildet als der naiver geschichtserzählung und überlieferung, die bei ihrer wanderung von geschlecht zu geschlecht durch das dichterische vermögen des volksgemüthes umgestaltet wurde, freier schöpfung der volksphantasie, welche ihre gebilde an bedeutsame ereignisse, personen, stätten anknüpfte; eine strenge scheidung gegen die begriffe mythus und märchen ist dem sprachgebrauche fremd. als allgemeinbegriff die eben characterisierte überlieferung bezeichnend: die sage folgt der entwickelung des menschlichen geistes .. in diesem fortgange kann sie alles, was ein volk geistig besitzt, himmlisches wie irdisches berühren. W. Grimm heldensage 335; Karl der grosze in geschichte und sage; in zusammensetzung: götter-, helden-, thiersage. sinnlich belebt in dichterischer sprache:
das der sage heil'ger mund
aus der väter fernen tagen
in die enkelwelt getragen.
Grillparzer 3, 27;
die herrlichkeit verschollner tage
steigt mondbeglänzt vor uns herauf,
uns geht beim waldhornruf der sage
das herz in süszem schauder auf.
Geibel 8, 16.
sage im engeren sinne, erzählung, überlieferung mit bestimmtem inhalt: sage von Siegfried, die sagen Thüringens, eine dänische sage;
wie war, alter, deine sage
von der ahnfrau früher schuld.
Grillparzer 3, 107.
alte, graue, dunkle sage. man sagt: der sage nach, wie die sage geht, die sagen gehn, es ist eine sage: es ist ein sage, das ein hirte allda gehütet, und ein schwein hab sich im quat geweltzet. Mathesius Sar. 125ᵃ; die allgemeine sage geht, dasz die gespenster meiner väter in diesen ruinen rasselnde ketten schleifen. Schiller räuber 4, 5 schauspiel;
ihr geist soll, wie die sagen gehn,
in dieser kirche weilen.
Hölty 34 Halm;
in Griechenland sind, wie die sagen gehn,
bei Aeschylus tragodien
die schwangern weiber — welche scene!
entbunden worden auf der bühne.
Schiller 1, 250;
tief unten liegt
ein groszer schwarzer quaderstein, worunter,
der sage nach, drei nächte vor dem fest
der auferstehung, sich der dumpfe klang
des goldes hören lassen soll, das jezt
gehoben werden kann.
dom Karlos 1, 1 (werke 5, 1, 14);
und ihr kennet nicht die sage,
die von mund zu munde geht.
Grillparzer 3, 25.
auch freier von einer unverbürgten vorstellung:
war seiner hoffnung grund nicht eine graue sage?
Uz 272 Sauer;
sie kamen schon zu spät
in diesem jammerleben,
und werden, wie die sage geht,
auch dort nicht viel erheben.
Schiller 1, 347;
auf jenem stern gieng eine frohe sage,
du tronest hier mit des gerichtes waage.
4, 27.
säge f
Fundstelle: Lfg. 9 (1892), Bd. VIII (1893), Sp. 1647, Z. 72
serra.
1)
mhd. sege, unumgelautet sage, ahd. saga Graff 6, 88; ags. sagu, altn. sög; engl. saw, nld. zaag (saeghe, serra Kilian), dän. sav, saug; schwed. saͦg ist masc. im goth. ist das wort nicht belegt; vom gleichen stamme ist lat. secare gebildet. Fick 1⁴, 559, s. unten sech, sense, auch sichel. mit säge verbunden wird das im alam. und bair. gesetz vorkommende saiga, bezeichnung einer münze (serratos Tac. Germ. 5). gr. 1³, 103; Ducange unter saiga und saica. die gewöhnliche mhd. schreibung der umgelauteten form, sege, findet sich auch im älteren nhd.: sege, serra. zeitschr. für deutsches alterth. 5, 514; sege, seege, seg, seche. Dief. 530ᵇ. nov. gloss. 337ᵃ. in Luthers bibelübersetzung: solchs alles waren köstliche steine nach dem winckeleisen gehawen, mit segen geschnitten auff allen seiten. 1 kön. 7, 9; mag sich auch eine axt rhümen wider den, so damit hewet? oder eine seghe trotzen wider den, so sie zeucht? Jesaia 10, 15. in heutiger schreibung neben der unumgelauteten form: säge (die) oder sagen, serra. Maaler 340ᵇ; schwache flexion, auf welche der nomin. sagen hinweist, findet sich vereinzelt: d. Faustus nimpt ein sägen, und schneidet seinen fusz damit abe. historia v. d. Fausten 38 (vgl. unten die stelle aus Megenberg); diphtongiert seyge Dief. 530ᵇ. die unumgelautete form, in den mundarten noch jetzt allgemein gebräuchlich, hält sich auch in der schriftsprache sehr lange:
mit einem horne, daʒ eʒ treit (das thier),
gelîch den sagen, in sîner stirne vorne.
minnes. 3, 379ᵃ Hagen;
(bäume) dî durchsnitten sî gar
mit sagen al durch den kern.
Niclaus v. Jeroschin 27481;
(die zähne) sint scharf und stênd oben von ainander als ainer sagen zend. Megenberg 14, 2; hat scharpffe, harte, dreyeckechte zän zu beyden seiten als ein sage. Forer fischb. 82ᵃ; die sage oder axt an dieses baumes stamme setzen. pers. rosenthal 8, 3. in den mundarten herrscht, wie bemerkt, die unumgelautete form: nd. sage, sag Schütze 4, 5. brem. wb. 6, 230. ten Doornkaat Koolman 3, 79ᵇ. Woeste 222ᵇ. für Oberdeutschland bezeugen sie Schmeller 2, 235. Schöpf 575. Zingerle 48ᵇ. Hintner 203. Stalder 2, 298. Hunziker 214. Tobler 420. Seiler 247ᵃ.
2)
Bedeutung.
a)
in gewöhnlicher anwendung zur bezeichnung des seit ältester zeit bekannten werkzeuges. sein wichtigster bestandtheil ist das elastische, dünngeschmiedete blatt mit in den zum schneiden bestimmten rand eingeschnittenen zähnen (s. unter 1 den beleg aus Megenberg). die sehr verschiedenen gröszen und gestalten und die mannigfaltige verwendung der säge zeigen sich in den zahlreichen zusammensetzungen: kreis-, stich-, holz-, stein-, schweif-, ort-, uhr-, knochensägen u. s. w.
und wenn es zeit ist, laszt den zimmerer
mit axt und säge kommen, das gerüst
aufschlagen.
Schiller M. Stuart 1, 8.
im bilde:
dasz weder der zeit säg, noch des alters gewalt
verringert seinen pomp.
Weckherlin 222.
grausame hinrichtung mit der säge: aber das volck drinnen füret er eraus, und legt sie unter eisern segen und zacken. 2 Sam. 12, 31; dese let Ysaiam prophetam mit ener holtenen sagen untwei sagen. d. chron. 2, 1, 75, 2.
b)
in prägnanter rede versteht man unter säge eine säge-, schneidemühle, nach deren wichtigstem bestandtheil, der groszen durch wasserkraft bewegten säge zum zerschneiden der stämme: nun zu derselben sege musz der stat paumeister bestellen ein seger (überschrift: von der segmül). Tucher baumeisterb. 120, 22. weitere nachweise aus der älteren sprache bei Lexer mhd. handwb. 2, 845. ebenso mundartlich in Oberdeutschland Schöpf 575. Hintner 204. Schmeller 2, 235. schweiz. bezeichnet sagi die sägemühle, sage die gewöhnliche säge. Stalder 2, 298. Hunziker 214. Seiler 247ᵃ.
c)
säge, pflugsäge, eisen am pfluge zum zerschneiden der verwurzelten rasenstücke. Frisch 2, 142ᵇ. mit umdeutung entstellt aus sech (s. dieses).
d)
übertragen auf sägenähnliches, von der schwertartig verlängerten, an beiden seiten mit spitzen zähnen besetzten schnauze einer haiart (sägefische): die stacheln in der säge sind wirklich in die knochen eingekeilt, wie ächte zähne. Oken 6, 62. der stachel der insekten, mit welchem sie für ihre eier löcher in die pflanzen machen (legestachel th. 6, 536), heiszt hin und wieder auch die legsäge. Oken 5, 1585. säge ist ferner bezeichnung einiger meermuscheln (donax denticulata, rugosa, trunculus). Nemnich (s. sägemuschel). die wassersäge, stratiotes alodes, nach ihren scharfsägigen blättern. Pritzel-Jessen.
Zitationshilfe
„säge“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/s%C3%A4ge>, abgerufen am 21.10.2019.

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