reimen schwaches verb.
Fundstelle: Lfg. 4 (1890), Bd. VIII (1893), Sp. 668, Z. 56
in einen reim, in reime, in verse bringen. reymen, reymen stellen, versz oder carmina machen. Maaler 331ᵇ, reimen ricmare Dief. 497ᶜ, mhd. rîmen, ahd. rîman numerare Graff 2, 506, ags. rîman in gleicher bedeutung, engl. to rhyme. im altn. ist das wort nicht belegt, dän. rime, schwed. rimma. für das altnd. läszt sich das verbum aus dem genitiv ungirîmendes erschlieszen (Heyne kleinere and. denkm. 61, 13); mnd. rimen, mnl. und nnl. rijmen. hierzu gehört roman. rimare, rimar, rimer. vgl. unter reim über diesen zusammenhang. Neben diesem so weit verbreiteten schwachen verbum, das von rîm numerus abgeleitet ist, steht im ahd. ein sonst nicht weiter vorkommendes ablautendes verbum girîman, prät. gireim gehören, gerechnet werden zu etwas, zu theil werden:
thaz uuas Dâvîd, thero gomôno ein,   ther zi kuninge girein (andere handschr. gireim).
Otfrid 1, 3, 17;
Lazarus er uuas iro ein,   thên thiu sâlida gireim,
thaz thâr zi disge sâzin,   mit imo saman âzin.
4, 2, 13.
hiervon abgeleitet ein gleichfalls bei Otfrid bezeugtes schwaches verbum irreiman zu theil werden:
nu uns thiu fruma irreimta,   thaz er uns selbo zeinta.
2, 14, 120.
der bedeutungsübergang des schwachen verbums ahd. rîman numerare zu mhd. rîmen, nhd. reimen verse machen, durch reim verbinden entspricht genau dem des substantivums, wo man weiteres sehe. mundartliche nebenform reumen, räumen s. oben sp. 290; ihr solt mirs verzeihen, herr doctor, diese gleichnis reumpt sich hieher nicht. Alberus widder Jörg Witzeln mammeluken L 5ᵃ; auf der andern (seite) räumt er ein, dasz der stehende stand des Borghesischen fechters sich mit den worten des Nepos eben so wohl zusammen räumen lasse, als der kniende des Miles Veles. Lessing 8, 111 (s. oben reim); ungereumpt häufiger im 17. jh.: were auch ungereumbt andere deutsch lehren wollen und selbst in seiner sprache vor sich dasselbe nicht gebrauchen. Gueintz an fürst Ludwig von Anhalt-Cöthen bei Schultz sprachgesellschaften 35, ungereumbt Chr. Lehman Speier. chron. bei Wackernagel leseb.³ 3, 1, 552, 3;
wie wirdt das sprichwort nun hierhero reumen sich.
Zinkgref bei Opitz (1624) 213.
gereumpt, gerimpt Zimm. chron. 1, 405, 10, daneben geruempt 2, 239, 26; ungereumt Chytraeus poetischer wegzeiger 9. die ursprüngliche bedeutung des zählens, aufzählens, abschätzens im ahd. und ags.: iuuares houbites hâr allu girîmitu sint. Tatian 44, 20;
ist ira lob ioh giuuaht,   thaz thu irrîmen ni maht.
Otfrid 1, 11, 52;
he recene mäg rîman steorran
and þâ neódlîce be naman sôna
full cûđlîce cîgean ealle.
Grein bibliothek d. ags. poesie 2, 273 (ps. 146, 4)
ist im mhd. zu gunsten der technischen verschwunden. neben transitivem gebrauche hat sich nhd. der reflexive reich entwickelt.
1)
seltener begegnet das verbum ohne object und zwar in transitiver wie in reflexiver anwendung; reimen in verbindung mit adverbien sorgfältig, rein, ungenau reimen:
sieh, viele reimen nicht (dichten ohne reim),
von denen alle welt aus einem munde spricht,
dasz sie den gröszten schmuck aus alten dichtern stehlen.
Rabener sat. 2, 223.
dann allgemeiner verse machen, dichten, in älterer sprache ohne den spöttischen nebensinn, der in der ausgebildeten nhd. sprache meist hervortritt (vgl. reimer): singen und reimen hat sonst seine zeit und raum, hierher taugs nicht. Luther 8, 16ᵇ;
manec man nimt sich rîmens an,
der sîn doch gar lützel kan.
Renner 17772;
was meint ihr? was vergilt die müh des Seladon,
wenn er so kostbar reimt?
Rabener sat. 2, 221;
der vater reimt und suchet allen,
nicht wenig kennern, zu gefallen.
Lessing 1, 20;
ihr alle reimt mit gleicher fertigkeit.
Gellert 1, 126;
ob sich gleich auf deutsch nichts reimet,
reimt der Deutsche dennoch fort.
Göthe 1, 163;
die stellung ohne object auch im falle von unten 2: hie mag nu reimen, wer da reimen kan, damit diese zwey stücke sich reimen. Luther 6, 26ᵇ; darumb haben wir auch so getappet und nach geomet, und gar offt neben hin gangen und ein anders troffen, wie man sagt, wer nicht wol höret, der reimet wol. 3, 224ᵇ; wa aber menschlich weisheit über die schrift felt und darin finanzt, reimpt und grübelt. Franck weltb. 125ᵇ. reimen prahlen, unnützes reden Schöpf 546 (vgl. reim 2, a. Schm. 2, 95). dieses reimen gehört vielleicht nicht hierher, wenn es in mundartlicher aussprache für räumen, raumen (statt raunen) stünde; so steht reinen neben raunen Schm. 2, 108. reimen für sich reimen in eigentlichem sinne einen reim bilden, und übertragen zusammen stimmen, passen (vergl. unten 1, b. 2, b): darzu reimen, bequem sein, congruere ... Dasyp., ey das reymbt wol. Wander 3, 1637; die geschicht reimet nicht alleine auff Jonas zorn und gedancken, wie der text lautet, sondern auch auff das jüdenthum, welchs ist eine rechte wilde rüben gewest. Luther 3, 223ᵃ; o das reimt ja ganz und gar nicht. Gotter 3, 341;
dasz zwar so mancher sitzt,
und voll verzweiffelung bey seinem Hübner schwitzt,
ein dutzend federn kaut, die hände kläglich ringet,
und doch, nach langer quaal, kein glücklichs wort erzwinget,
das hinten reimen musz; das alles glaub ich dir.
Rabener sat. 2, 223;
genug für den prolog! er reimt mit meinem plan,
wie text und predigt.
Gotter 1, 198;
auf teufel reimt der zweifel nur.
Göthe 12, 229;
sprichwörtlich:
du kannst gut reimen und renken,
es wär dir gut ein thaler schenken.
Simrock 453.
2)
entfaltung der bedeutung seit dem mhd. reimen im eigentlichen sinne.
a)
in verse, in reime bringen, so besonders das participium eine gereimte erzählung, gereimte märchen: denn der ursach halben haben auch die alten Deutschen des Dieterichs von Bern, des alten Hildebrandes mänliche thaten gereymet. Rollenhagen froschm. (1595) B 2ᵇ. in wendungen wie liebesgedichte, sonette, fabeln reimen tritt ein spöttischer nebensinn hervor, die äuszerlichkeit der dichterischen thätigkeit soll betont werden (vgl. reimen oben). ein gereimtes buch ein buch in versen: von der leut wegen die solicher gereimbter buecher nit genad habent. bei Wackernagel gesch. d. d. litt. 355, 218. mhd. ungerîmet (Lamprecht v. Regensburg Franc. 4981) in prosa. gerympt, gereimt ricmatice Dief. 497ᶜ;
dirre wênige list,
daʒ ditze buoch gerîmet ist,
daʒ kom von eines hêrren bete.
Tnugdalus 2147;
sun, kanstu reimen eben (kannst du ein gedicht machen über)
den werkzeug, den ein schuknecht hat
in der werkstat
und auch darbei sein erbeit frei,
den rock wil ich dir geben.
H. Sachs meisterl. 15 Goedeke;
(die muse) läszt die thoren gehn,
die ohne Phöbus geist sich stolz als dichter blähn,
und bald von kindischen und eiteln mährchen träumen,
bald meistersängern gleich nur eine rede reimen.
Lichtwer 98.
b)
im reime binden, sich reimen reimend zusammenklingen, einen reim bilden: ob zwar das reimen ein nohtwendiges stük des teutschen verses ist, so gar, dasz er auch deshalben ein reim genennet wird, so ist dennoch .. abzunehmen, dasz darin (im verse) mit nichten allein das reimen, oder die reimung anzusehen. Schottel 844; er reimt gemüth und lied, sprieszen auf grüszen, mit grüszen; gott und tod reimen sich nicht gut, not reimt sich auf tod u. ähnl.; diese verse sind gut, schlecht, ungenau gereimt; schwergereimte ode bei Voss; gereimte prosa in den makamen. dann zugeschweigen, dasz annoch nicht weit über eine halbe meile von Stettin ein dorff Moringen lieget, welches sich gar mit dem Mauringen reimet (lautlich übereinstimmt). Micrälius alt. Pommern 1, 88. sprichwörtlich: reimt sich's nicht, so paszt es doch. was sich reimt, das schickt sich auch. das reimet sich ja wie monachus und stomachus. Wander 3, 1635; reim dich oder ich fresz dich. Abele künstl. unordn. (1670) 134; gereimte verse: man siehet doch, wahrhaftig! den ungereimten versen, bey ihrer groszen freyheit, die reinigkeit nicht an, die in den gereimten so schwer zu beobachten war. die ganze ästhetik in einer nusz 13;
zeiget euers geistes flammen,
reimet lang und kurz zusammen,
hoh und nieder, schuh und hut.
R. v. Freientahl (1700) 50;
ich soll reimen und nicht wissen,
was sich diszmal reimen soll:
fülle nur mit deinen küssen
die gesuchte strophe voll.
Günther 923;
jahr aus, jahr ein reimt Cytharist
zweyhundert vers' in einem tage.
Lessing 1, 25;
es reimt sich trefflich: wein und schwein.
Uhland ged. 65.
c)
reimen, verse sprechen, in einem schauspiele mitwirken (lat. rhythmus, verstümmelt ricmus galt von versen im geistlichen drama, vgl. dicit rickmum sequentem in der Marienklage bei Wackernagel kirchenl. 2, nr. 512): wurde das leiden Christi zu Hildesheim auf dem markte vorgestellt ... da waren die jungen bürger und bürgerkinder, die mit reimen wollten. vaterl. archiv des histor. vereins für Niedersachsen 1837 s. 299 (aus Oldekopps chron. zu 1517).
3)
übertragene bedeutung.
a)
reimen transitiv, mit einander in einklang bringen, zu einander in beziehung setzen, den zusammenhang zweier dinge einsehen: ich kann es nicht zusammen reimen, nullam convenientiam video Frisch 2, 105ᵇ; dazu lesset er jm trewmen, es sey zweierley priesterschafft, eine geistliche, und eine kirchische, die er nennet ecclesiasticum, und also meinet er die wort Petri mügen sich auff beide reimen, und sey die fahr nur, das man sie auff die rechtschaffene reime, und mich straffet, ich reime sie nicht recht. Luther 1, 369ᵇ; wenigstens sehe ich keinen andern weg, ein solches ungeheuer in der kunst mit namen griechischer bildhauer zu reimen. Winckelmann 5, 276; Pellegrini, welcher ... voraussetzet, dasz dieser unfall auch das amphitheater mit betroffen habe, kann dieses nicht reimen. 2, 16; aber wie läszt es sich mit diesen absichten reimen, dasz er selbst diese täuschung zerstören hilft und die geheimnisse seiner kunst profanen augen preis giebt? Schiller 4, 256; er konnte eine so niederträchtige bitte mit dem stolze, den er in meinen übrigen gesinnungen fand, nicht zusammen reimen. Wieland 12, 109; klägere bekennen, sie wüszten nicht, wie überhaupt eine solche zumuthung mit ihren unter allen deutschen regierungen bestätigten freiheitbriefen .. zu reimen sei. J. Paul biogr. belustig. 1, 107. dasjenige, womit ein anderes in einklang gebracht werden soll, musz häufig aus dem zusammenhange des satzes entnommen werden: so ein klostermäsziges system war den beiden aspiranten so wenig zu sinne, dasz sie den ertödtenden kaltsinn ihrer gebieterin nicht reimen konnten. Musäus volksm. 286; wie soll ich das wieder reimen? Schiller räuber 5, 1; nun ist nichts leichter zu reimen, als dasz die anhänger der Tarquinier ihn (Brutus) so nannten, und dasz hinwiderum er und die Römer diesen Geusennamen gern gelten lieszen. Niebuhr 1, 573;
denn wer ungschwungen lügt, so spricht man rechte,
diser bedörft auch wol eins eignen knechte,
der im sein lüg auch tet zusamen reimen.
wer lüg der warheit reimet zu,
oft macht aus einer lügen zwu;
wan man das merkt, spricht man, er tu
aus einer lüg zwu lügen zusam leimen.
H. Sachs meisterl. 129 Goedeke;
wie schwerlich will sich lieb und leid
zusammen lassen reimen.
Gerhardt 210 Goedeke;
wie soll ich diese widersprüche reimen?
Schiller don Carlos 2, 10.
b)
sich reimen, mit einander in einklang sein, zu einander passen, in beziehung stehen, einen gewissen zusammenhang haben: ungleichs, das sich nit reimpt. S. Franck sprichw. 1, 18ᵇ; warumb vergleicht er nicht die schloszen den kisselsteinlin, und den reiffen dem sande, und den schnee dem wasser? hat er nicht mügen neher gleichnis finden, die sich besser reimeten, denn diese? Luther 5, 469ᵃ; reime dich, so lang mit metzen bulen, und doch heilig sein. 4, 161ᵇ; wie reimt sich das? es reimt sich nicht zusammen; aber die fee war so schön wie ein frühlingstag, und donna Schmergelina ist, mit allem respect vor euer gnaden, der garstigste sausödel den ich in meinem leben gesehen habe. wie reimt sich das? Wieland 11, 322. mit präpositionen (auf, mit, zu, in): niemand flicket einen lappen vom newen kleid, auff ein alt kleid, wo anders, so reisset das newe, und der lappe vom newen reimet sich nicht auff das alte. Luc. 5, 36; (die leute) simuliren grosse andacht, seufftzen und suchen die gebete, die sich wol reymen auff das vorgefallene creutz. Schuppius 407; denn sein leben reimet sich nichts mit dem andern, und sein wesen ist gar ein anders. weish. 2, 15; als wenn sich etwa ein stein nicht schicken wil in der mauren, noch sich mit den andern steinen reimen, sondern zerstellet das gantze gebew. Luther 5, 66ᵃ; also wolte sich Christus nirgend reimen, mit der Phariseer wesen, und heiligkeit, noch mit der gantzen welt. ebenda; wie reimet sich denn nu das evangelium mit euch? 3, 120ᵇ; eine von den wahren statuen des Augustus ist .., die denselben in demjenigen alter vorstellet, welches sich mit dem siege über den S. Pompejus reimet. Winckelmann 6, 220; wie reimet sich das lesen überhaupt mit deinem stande? ins nehzeug die nase gesteckt. Gotter Jeannette 1, 9; wie reimt es sich mit der gewissenhaftigkeit zusammen? Kant 6, 375; aber der erste verstand ist der beste, und reimet sich bas zum text. Luther 3, 175ᵃ; wenn mans mit der vernunfft wil ansehen, so reimet sichs doch gar nicht dazu. 6, 63ᵇ; dann das krumme mag sich, weder zuͦm krummen, noch vil minder zuͦm geraden reimen. Frölich Stobäus 376; zän die sich zuͦ solcher grösse reimten. Eppendorff Plinius 119; der grund welcher oben steynecht oder küsecht ist, reimet sich zun reben gar nicht. Sebiz feldbau 506; ausz mit dieser bibliothec, die sich weder zu meinem beruff, noch zu meinem leben reimet. Zinkgref apophthegm. 1, 9; Gelanor hatte nur seine freude über den schönen liebsgesprächen, die sich so vortrefflich zu der sache reimten, wie eine faust auf ein auge. Chr. Weise erzn. 75 neudruck. seltener und nur in älterer sprache sich reimen in: das priesterthum, da Emser von trewmet, und kirche, da die papisten von tichten, reimen sich in die schrifft, wie leben und tod sich zusamen fügen. Luther 1, 370ᵃ. mit ortsadverbien, nur der älteren sprache angehörig: es reimt sich hierher, dahin u. ähnl.: also sage ich hie, das, was gedeutet wird, ist recht und war, aber das sichs hieher reime, da wil ich nicht auff sterben. Luther 4, 59ᵇ. Serz idiotismen 126ᵃ; (ein spruch) der sich eben so fein dahin reimet, als alle vers in Virgilio und Ovidio. Luther 8, 237ᵃ; was vom Hans Portner dastett, ist erst lang hernach geschehen, reimbt sich aber da am pesten. d. städtechron. 15, 59, 14. mit dem dativ: wie der schnee im sommer, und regen in der erndte, also reimet sich dem narren ehre nicht. sprüche 26, 1; es reymend sich aber (kommen zu) vil der obgenennten stucken, so von allen reiglen in gmein erzelt sind, disem gschlächt allein. Heuszlin vogelb. 205ᵃ. häufig ist dasjenige, womit etwas sich reimt oder sich nicht reimt, aus dem zusammenhange zu entnehmen: secht herr der wint hat sich verchert gein orient. do antwurt der künig wie reymt sich daʒ in dem wint (wie verhält sich das zu der sonst bekannten natur des windes)? gesta rom. 92 Keller; eine rede, so zur unzeit geschicht, reimet sich eben, wie ein seitenspiel, wenn einer trawrig ist. Sir. 22, 6; es wardt sein wol gelacht, dann es wolt sich gar nit reimen sein spruchwort. Zimm. chron. 2, 408, 28; du soltest selbst wol gedencken, wie es sich so leyden ubel gereymet hette. Frey gartenges. 56; denn was reimet sich bas, denn das eben die thorheit selbs ires lobes ein aufpfeiferin sei, und sie ir selbs zu tanz pfeif. S. Franck moriae encom. 2ᵃ; es reimbt und stieffelt sich nicht, wann einer vom erdenklosz zum himmel argumentirt. Lehmann flor. 152. mundartlich: bei îm reimt es si gôr nit, bei ihm will es sich gar nicht fügen, er hat kein glück. Hintner beiträge zur Tiroler dialektforsch. 4, 192;
dieselbig (die stadt Zürich) wolt auch nicht erlosen
die glegenheit, ir aufgestosen,
ir uralt freund und nachbar leut
haimzusuchen in freuden weit,
und solches auf ain sonder weis,
die sich reimt zu der freudenrais.
Fischart gl. schiff 133;
ein frembdes har thet er da kauffen,
und macht dasselbig fein zu hauffen,
auff eine hauben thet ers leimen,
das sichs rundt umb den kopff muszt reimen.
B. Waldis Esopus 1, 95, 3;
so reimpt sich mechtig wol darzuͦ
ein grosz par alter bschiszner schuͦ.
Grobianus 355 neudruck;
wie sich zusammen reimen
neglin und roszmarein,
weinreben zu rüstbeumen,
köstliche wurtz im wein,
so schicken sich zusammen
ein mann und ehlich weib.
P. Denaisius bei Opitz (1624) 167;
als nun der heyde siht, dasz sich es nicht wil reymen,
bey solchem zustand jetzt, das stoltze thier zu zäumen.
D. v. d. Werder Ariost 2, 7, 5;
ein witziger verstand
hält alles, was hier ist vor unser vaterland,
ist nirgend frembder gast, ist überal daheime:
kein platz ist weit und breit dahin er sich nicht reime.
Opitz 3, 293;
ob ich schon tausend-mal auf tichtung bin beflissen,
so sagt mir tausend-mal dargegen meine pflicht,
das reimen reime sich in schuldbezahlung nicht (dichten sei nicht die geziemende art, seinen dank abzustatten).
Rompler von Löwenhalt 222;
ey! wie schad ists um die zeit, die mit reimen ich verspiele!
übler würde reimen sichs, wann mit nichts thun sie verfiele.
Logau 2, 87, 44;
gelt reimt sich in die welt.
1, 204, 43;
disz reimt sich bey den flor, und bey das schwartze tuch,
in denen itzt dein haus, und was dir treu ist, wandelt.
Chr. Gryphius poet. wälder 1, 634;
zwar ich sorge sehr dein fluchen sei nicht nach der Türken art,
solches würde sich nicht reimen, dan du hast noch keinen bart.
Grob versuchgabe (1678) 79.
in sprichwörtern, welche nicht zu einander passendes bezeichnen: das reimet sich, wie ein faust auff ein auge. Henisch 1023, 57; es reimpt sich das gar nit, so wenig, als ars und Friderrich. Zimm. chron. 2, 408, 34; es reympt sich eben wie ein haspel in einen sack. S. Franck sprichw. 2, 51ᵃ (vgl. Germania 3, 311); es reympt sich eben wie der teuffel und unser hergot am hungertuͦch. ebenda; es reympt sich eben wie hecheln und saltz lecken. 2, 96ᵇ;
es rimt sich grad wie kochen und salz meszen
des babsts und demnach Christus exempel.
N. Manuel schausp. aus d. 16. jh. 1, 14, 117 Tittmann;
es reimt sich wie ein kälbermagen zur messe, wie ein pfeil auf ein kissen, wie ein holzschlegel zum grasmähen, wie eine igelshaut zum kissen (Freidank 101, 19), wie ein storchnest zum hut, wie eine sau ins judenhaus. es reimt sich dazu, wie ein pflug zum fischergarn, wie ein altes weib zur hasenjagd. wie reimen sich stroh und weitzen zusammen. das reimt sich wie weisz und schwarz, wie honig und galle, wie speck zur buttermilch, wie glauben und fühlen (Schottel 1117ᵃ), wie Straubing und Kützbichel, dyth rymet sick euen alse Groningen unde dat dorp Heydenschup, dat dar nae by licht (Schiller - Lübben 3, 482ᵇ), es reimt sich wie fastnacht und charfreitag. Wander sprichw.-lex. 3, 1635 ff.; er weisz ein artlichen spruch und füglichen text darauf zu bringen, der reimt sich wie ein warz auf des frater Nasen nasz. Fischart bienenkorb 173ᵃ. wenn unpassendes geschah, sagte man: reime dich, bundschuh (vgl. theil 2, 523);
ein harte nusz ein stumpfer zan
ein junges weib ein alter man
zusammen sich nicht reimen wol
seines gleich ein jeder nemen sol.
Hermann oeconomia Mathesii.
c)
das participium gereimt in übertragenem sinne, sich in einander fügend, wohl zu einander passend, gewöhnlich negiert: ungereimt. gereumbt, consentaneum, ungereumbt, dissentaneum, inutile Henisch 1511; gereimt, reimicht, et reimend, .. metaph. decorus, commodus, appositus, concinnus. Stieler 1514; mundartlich gireimt, kreimt, adj. was sich schickt, paszt, freundlich, heiter Lexer kärnt. wb. 206; gireimp, ûngireimp geschickt, ungeschickt Hintner beiträge zur Tirol. dialektforschung 4, 192.
Zitationshilfe
„reimen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/reimen>, abgerufen am 19.05.2019.

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