raumen, räumen verb
Fundstelle: Lfg. 2 (1886), Bd. VIII (1893), Sp. 285, Z. 12
raum machen.
1)
ahd. rûmman, rûman, mhd. rûmen; alts. altnfr. rûmian, mnd. rûmen, mnl. ruimen; ags. rŷman; fries. rêma; altnord. rŷma, schwed. rymma, dän. rømme. die heute allgemein übliche umgelautete form unserer schriftsprache ist mitteldeutsch, von Luther gebraucht und dadurch mustergiltig geworden, die oberdeutschen quellen des 16. und selbst die des 17. jahrh. brauchen noch raumen, mundarten haben es heute noch, nicht nur die des oberlands (bair. raumen Schm. 2, 91 Fromm., tirol. râmen Schöpf 53, schweiz. rûme Hunziker 213 u. a.), sondern auch mitteldeutsche (hessisch raumen Vilmar 318, rheinisch raumen Kehrein 325). das verbum war von jeher auch in den gegenden geblieben und heimisch, die das subst. raum hatten eingehen lassen (vgl.raum 4, sp. 276), wozu seine eigenartige entwickelung beitrug.
2)
die ursprüngliche bedeutung des verbums, einen raum, d. h. eine lichtung im walde schaffen, behufs urbarmachung oder ansiedelung (vgl.raum nr. 3, sp. 275 fg.), ist auch in der späteren sprache und theilweise bis auf heute erhalten: rawmen oder rawtten voc. von 1431 bei Schm. 2, 91 Fromm.; ruymen, extricare agrum silvestrem Kilian; sie (die Preuszen) sollen die wüsten erbe, wüste huben reumen und bewohnen und die wüsten äcker bauen. Waissel Preuszen 105; sichtbar auch noch in der sprache der jäger, wenn hier zu den flügeln räumen heiszt durch fällung der bäume wege zu den flügeln eines jagens bahnen ( Adelung); in der soldatensprache einen platz, ein feld, eine stelle räumen, sie zu einem lagerplatze einrichten. vergl. dazu unten 4.
3)
im rechtsleben unserer vorfahren gewann diese ursprüngliche bedeutung des wortes einen besonderen sinn: der landesverwiesene oder landflüchtige verbrecher gieng in wald und einöde, wurde waltman, ags. wealdgenga, altnord. skôggangr, skôgarmađr (vergl. rechtsalt. 733), muste sich seine wohnstätte durch roden und lichten fern von den volksgenossen von neuem gründen. das war die strafe des räumens, und die übertragung des ausdrucks darauf ist gewiss uralt, weil schon in alten quellen unserer litteratur ein verdeutlichender accusativ dazu auftritt.
a)
eigentlich heiszt es nur schlechthin räumen, indem in der rechtssprache das eigentliche object (den wald oder eine stelle desselben) kurzer hand unterdrückt ist: er musz räumen, ihn trifft die strafe der verbannung: swelich burgere den andern mit knuttiln slet (schlägt), der gibt sechs phunt und rumet zwei jar. gesetze der stadt Nordhausen in den mittheil. des thür.-sächs. alterthumsvereins 3, 1, 45; wer den andern zu tode schläget, der soll geben zwei pfund an die stadt, und soll ein jahr rumen. Haltaus 1511 (von 1350); umbe den todschlag soll man rumen ein jahr. ebenda; denn die von N. müssen hierin jr gewissen verwaren, das sie dem tyrannen nicht helfen, wider das evangelium thun, sondern viel lieber weichen, reumen, und machen lassen. Luther 4, 314ᵇ; in freierem sinne: dasz das wort gottes zu Augsburg so schweigen und räumen musz. br. 4, 178.
b)
verdeutlichend ward zu diesem rechtsausdrucke, nachdem die eigentliche ursprüngliche bedeutung verdunkelt war und nur der begriff der ausweisung noch hervortrat, ein neuer objectsaccusativ gestellt, das land, die stadt, das weichbild räumen: ahd. daʒ lant rûmen, in exilium ire Graff 2, 509; fries. erve ende land rêma Richthofen 991ᵇ; altnord. rŷma land Vigfusson 505ᵇ; mhd. nhd. davon muͦste der bischof dutsche lant rumen bitze noch des kuniges tode. d. städtechron. 8, 56, 31; wi daʒ tut, di sal daʒ wipilde rumen, mit sime wibe unde mit sinen kinden. gesetze der stadt Nordhausen in den mittheilungen des thür.-sächs. alterthumsvereins 3, 2, 15; wer daʒ tete der vorlore zechen mark lotiges silber an die stat, und sal met wibe und met kinden die stat und wichbilde ewiclichen rumen. ebenda 3, 4, 86.
c)
so von der rechtssprache in die allgemeine sprache übergreifend, heiszt räumen mit acc. etwas meiden, verlassen, aufgeben, mit dem beisinn des gezwungenseins: ein land, eine stadt, eine burg, eine festung, einen ort, ein haus, eine stätte räumen; das lant reumen, migrare Stieler 1534; anstundt raument meinen hof und reich. Aimon bog. D; dennoch sich der könig also hart wider jhn entrüstet, dasz er dem ritter Gernier gebot, sein land, mit leib und gut, in monats frist zu raumen. buch der liebe 229ᵇ; so ich die statt Paris nicht in monats frist raumen thet, ich warlich einen ungnedigen herrn und könig haben würde. ebenda; wir müssen das land reumen, denn sie haben unser wonunge geschleift. Jer. 9, 19; ich wil auch die burg zu Jerusalem widerumb reumen lassen, und dem hohenpriester ubergeben. 1 Macc. 2, 32; ich habe euch geschrieben, in dem brieve, das jr nichts solt zu schaffen haben mit den hurern, das meine ich gar nicht von den hurern in dieser welt, oder von den geizigen .. sonst müstet jr die welt reumen. 1 Cor. 5, 10 (ἐπεὶ ὠφείλετε ἄρα ἐκ τοῦ κόσμου ἐξελθεῖν, goth. unte skuldêdeiþ þan us þamma faírhvau usgaggan); was von fremden nicht arbeiten wolte, das solte das ganze land in einem monat, die stadt aber in vier und zwanzig stunden raumen. Simpl. 2, 98 Kurz; beide freunde muszten zuletzt nachgeben, das zimmer und das haus räumen. Göthe 19, 234; als sie die stellung bei Gadebusch geräumt fanden. L. Häusser deutsche gesch. 3², 39; am festgesetzten tage ward die festung geräumt. 79; sie hatten den unglücklichen Sequanern befohlen, auch das zweite drittel ihrer äcker zu räumen. G. Freytag bild. 1, 48;
sô rûmde ich mîne slâfstat.
g. Gerhard 1883;
als den das gelt allain ich hon.
darmit ich raümen wil das lant
in ein gegent mir unbekant.
H. Sachs fastn. sp. 6, 103, 255;
und in drum warnet iederman,
das er das lant balt raumen sölt
und niemer darein kem,
dan in der künig strafen wölt.
dicht. 1, 169, 11 Gödeke;
ouch die puren hettend grumbt das land.
H. Salat 97, 249 Bächtold;
doch vorab, dasz die vind zugend bald
ab Zuger erdrich, rumbtend den wald.
104, 498;
drum hast du, als verfolgt, dich freilich nicht gesaumt,
auf reichthum nicht getrachtt, du hast das land geraumt.
Rompler 92;
dasz keiner, satt des unglücks, seine legionen
das blutfeld räumen hiesz.
Ramler 1, 52;
ich fürchte, das seelchen
entflieht, um dir zu entfliehn, und räumet die hütte.
Göthe 10, 233;
fürs erste wollen seine majestät,
dasz die armee ohn aufschub Böhmen räume.
Schiller Piccol. 2, 7;
da schlief ich ein und träumt,
ich sei noch im spitale,
den ich doch längst geräumt.
Uhland ged. 105;
den platz räumen, von einem platze weggehen, sich zurückziehen: da kompt unser vatter, mit meinem rath wollen wir den platz raumen. Aimon bog. e; last uns diesen platz raumen. f; darauf gefaszt, seinen platz zu räumen. L. Häusser deutsche gesch. 3², 185; wol ursprünglich der kriegerischen sprache angehörig, wie das feld, den plan räumen, was auch formelhaft geworden ist (gegensatz das feld behalten, vergl. theil 3, 1478): er räumte das feld, terga dabat victoribus. Steinbach 1, 429; so dasz die alte, ganz erstaunt über seine seltene fertigkeit, das feld räumte. Arnim 2, 219; als die ungeschicktesten (tänzer) den plan geräumt hatten. Göthe 16, 32;
er fühlt es selbst, und beschlieszt sogleich das feld zu räumen.
Wieland 4, 118 (n. Amadis 5, 22);
nur mit dem Geszler fürcht ich schweren stand, ..
nicht ohne blut räumt er das feld.
Schiller Tell 2, 2;
den hof, die gesellschaft räumen:
und es erschraken die beiden, die krähe mit dem kaninchen,
räumten den hof und trauten nicht weiter ein wörtchen zu sprechen.
Göthe 40, 150;
den sattel räumen, vom sattel abgeworfen werden, im kampfe, im turniere: muszt schnell den sattel raumen. Galmy 146; nun ist nicht on, ich mein sattel auf diesem thurnier nie geraumet hab. 147;
er stach in vornân inne   daʒʒ rückeshalp ûʒ brast.
den satel muoste er rûmen   her nider ûf daʒ gras.
Alpharts tod 152, 3;
doch unter ihnen allen keiner hielt
den strengen stosz des unbekannten aus:
sie räumten alle nach der reih den sattel.
Wieland 18, 19;
und auf den andern trosz arbeitet unser ritter
so unverdrossen los, dasz bald ein zweiter und dritter
den sattel räumt.
22, 59 (Oberon 2, 5);
bildlich: ohne deren hülf .. ihr doch längest hätten müssen den sattel raumen. Philander 2, 50. in der älteren sprache ward loco cedere kurz durch eʒ rûmen ausgedrückt, zahlreiche beispiele oben th. 3, 1118. das gericht räumen, eine gerichtssitzung verlassen, der man als richter oder beisitzer anzuwohnen hat, vergl. Haltaus 1511; selbst das zeitliche räumen, sterben: der vetter hat im monat Junio dieses zeitliche gereumet. Diefenbach und Wülcker wörterb. 814 (von 1624).
d)
neben dem acc. ein persönlicher dativ dessen, zu dessen gunsten man geht: mitler zeit schreib Jonathas dem könig Demetrio, und bat jn, er wolt denen, so auf der burg lagen, gebieten zuweichen, und jm die burg zu reumen und einzugeben. 1 Macc. 11, 41;
er muoʒ mir diu lant rûmen,   ald ich geniete mich sîn.
minnes. frühl. 8, 7;
nu brinc mir her vil balde   mîn ros, mîn îsengwant.
wan ich muoʒ einer frouwen   rûmen diu lant.
9, 32;
wolauf, wolauf! last uns hinausz!
den frommen herren raumbt das hausz!
H. Sachs fastn. sp. 1, 123, 275;
der gute räumt den platz dem bösen.
Schiller glocke v. 372;
verschieden davon unten 5.
e)
aber frühe war auch schon intransitives räumen, von oben a aus, im sinne von weggehen, von einem orte weichen, gebraucht worden: ih .. bin uuorden also der sparo der einluzzer in hûs ist. uuanda andere fogela rûment, sparo ist heime. Notker ps. 101, 8; di jungvrowen sungen und lâsen vil ober ime (einem besessenen) und ouch di pfaffen; und der vînt enkarte sich nichtis nicht dar ane und wolde nit rûmen. d. myst. 1, 77, 1; were von uns rumede oder burgerschaft anderswo empfinge, des gut han wir auch gewonnen. weisth. 2, 3 (Saar, von 1321);
er sprach: nu rûmit, grôʒe bulgân!
könig Rother 1625;
bapst Jutta. darumb so gebiete ich dir so bald,
du böser teufel ungestalt,
dasz du von diesem manne reumest
und dich nicht lenger seumest.
teufel. sint ich ja reumen sol allhier,
so höret all in diesem saal von mir,
das ich das nicht durch sein geheisze thu.
fastn. sp. 925, 24;
und noch im 16. jahrh.: würde auch jemand von den ungebetenen gesten wan er von dem wirthe zu reumen oder wegzugehen ermahnet wird, nicht reumen wollen, und dem wirth und der andern gesellschaft zu verdriesz und wiederwillen sitzen bleiben. Haltaus 1510 (von 1580); mit dem dativ der person, für die das weichen geschieht: tu (sonnengott) rûmest tero naht fore dero finstri, unde gibest iro sô filo sî liehtes habet. Notker schriften 2, 834, 27 Piper (Mart. Cap. 2, 39); uuanda dô Christus irstuont, dô uuurden sie fluhtîg, unde dô rûmdon sie fidelibus (christânen). ps. 103, 22; frage du aber hie eine halbe kluge vernunft, oder ein kind von sieben jaren, wenn gottes wort und gewonheit widernander sind, welchs doch billich solle dem andern reumen oder weichen? Luther 3, 386ᵃ; nu er selbs der zwietracht geräumet (um zwietracht zu meiden sich wegbegeben). br. 3, 445.
4)
die neuere bedeutung von räumen schlieszt an das subst. raum 5 (sp. 276) als freie stätte für entfaltung einer thätigkeit an, und bedeutet eine solche stätte bereiten, frei machen von hindernissen, was in die bedeutung des leer machens übergeht: raumen, amovere, loco movere, cedere, seponere etc. Maaler 226ᵇ.
a)
etwas frei machen, aufräumen: den tisch räumen, ihn von den speiseresten befreien; das haus räumen, zum empfang der gäste bereiten: kom er ein, du gesegneter des herrn, warumb stehestu drauszen? ich habe das haus gereumet (ἐγὼ δὲ ἡτοίμασα τὴν οἰκίαν septuag.), und fur die kamel auch raum gemacht. 1 Mos. 24, 31; vergl. alts.:
sô rûmda he thô endi rekôda,   rîki drohtin,
that hêlaga hûs.
Heliand 3750;
einen weg räumen, benutzbar machen: machet ban, reumet den weg, hebt die anstösze aus den wegen meines volks. Jos. 57, 14; schluegens (die Ungern) in die flucht, raumbten dem ganzen her ein freien weg. Aventin. chron. 2, 293 Lexer; zoch nachmals über lant gein Jerusalem, erlid vil von den unglaubigen, raumbt und macht im ein weg mit gewalt und werender hand. 312, 1; wie alts.:
ik bium an is bodskepi herod
an thesa werold kuman   endi skal im thana weg rûmian.
Heliand 896;
eine brandstätte, eine schuttstätte räumen; die gassen zu raumen und zu vegen. d. städtechron. 3, 360, 29; ein ort oder platz raumen, von allem unraat seuberen, als von steinen, schärben, zerfallnem gemür und gemüsel, und dergleichen. Maaler 326ᶜ; eine pfeife räumen, vgl. pfeifenräumer; bair. den stall, die wiesen, die egerten raumen (von mist, steinen). Schm. 2, 91 Fromm.; (einen verschlemmten) hafen räumen. Jacobsson 2, 186ᵃ;
mein seüstal ist mir gfallen ein,
hat mir gwisz erschlagen die schwein.
den wolt ich gern wider raumen.
J. Ayrer fastn. sp. 97ᵈ (2829, 27 Keller);
die matten raumen, und das vych nit darein lassen zeweiden, darmit sy vil höuw gäbe, submittere prata in foenum. Maaler 326ᵇ; in dem reiche der wissenschaften ... sehen wir ... einzelne bezirke, obgleich von neuerlichem anbau, schnell zu ansehn .. erhoben, andere, zwar erst künftiger bearbeitung geräumt, dennoch ihre tendenzen und einigermaszen ihren möglichen umfang andeuten. Wolfs museum der alterthumswissenschaft 1, 10.
b)
in der heilkunde magen, brust, bauch räumen, frei machen von krankheitsstoffen: leinsamen gepülvert mit honig vermischt wie ein latwergen, miltert den husten, räumt die brust. Tabernaemont. 1206;
und schol sich damit nit saumen,
ob im der arzt den pauch mocht raumen.
fastn. sp. 682, 16;
das (mittel) must einnemen des tags zwier.
das selb wirt dir dein magen raumen.
H. Sachs fastn. sp. 1, 135, 79.
c)
von da aus auch das herz räumen, erleichtern, befreien, durch mittheilung, zornausbruch u. ähnl.: das herze räumen, conscientiam exonerare Steinbach 2, 229; in der älteren sprache aber mit dativ dem herzen räumen, ihm luft machen: dort sitzt der herr Secundarus, der ist ein herr und will noch darzu ein krieger werden, wie dörft ich dann, als ein armer baursmann, dem diese beiderlei leuth zu hart sein und immer auf der hauben sitzen, meinem herzen raumen. Simpl. (1684) 3, 200;
mit rede doch ein man sîm herzen rûmet.
H. v. Laber jagd 646;
sie greifen nach euch (flöhen), so ir stecht,
und richten euch nach irem recht,
zwischen den baiden roten daumen
auf das sie irem herzen raumen.
Fischart flöhhaz 3270;
vom herzen raumen: solte sie wol vermeinen, sie werde die eingewurzelte runzeln ihrer lasterhaften stirn austilgen, ... wann sie dergestalt ihre bubenstück und begangne laster berichtsweisz daher erzehlet, von ihrem herzen zu raumen? Simpl. 3, 9 Kurz; von der leber raumen, stomachum narrare, seim herzen raumen, exonerare conscientiam suam. voc. von 1618 bei Schm. 2, 91 Fromm.
d)
im weinbergs- und feldbau: räumen bei den winzern, wenn man das erdreich um den weinstock mit der hacke bis an die thauwurzeln aufrührt, und zugleich die obersten wasserwurzeln abreiszt. öcon. lex. 1968; beume reumen, arbores ablaqueare et aggerare Stieler 1534; raumen umb die wurzlen der reben und bäumen, ablaqueare vites vel arbores Dasyp.; zu der wurzel eines baumes räumen, die wurzel eines baumes von der erde entblöszen Adelung (vergl. mnl. ruymen, frondare, collucare, interputare, interlucare, amputare ramos supervacuos Kilian).
e)
zu etwas räumen, platz machen, luft schaffen, auch anderweit: daʒ boht (koth) lag vor den porten und darunder verharstet, daʒ man sü nüt moht han zuͦgetoen, man hette danne darzuͦ gerumet mit bikeln. d. städtechron. 8, 98, 11; wann ein pferd vernagelt ist, so brich das eisen ab, und raum zu dem nagel, truck jhn mit einer zangen, damit das aiter herausz gehe. Seuter rossarzn. 309; wann ein pferd an einen nagel oder stecken getretten, so nimb alt schmeer und honig, ... und lasz zu dem schaden raumen. 342; ich war aber allbereit in der gewinnsichtigkeit und allen ihren nachgehenden lastern dermaszen ertränkt, dasz ichs bleiben liese wie es war (ohne nachzudenken), und nichts zum fundament zu raumen gedachte, darauf meine seeligkeit bestunde. Simpl. 3, 95 Kurz;
hat nun die gans zu hoch genist,
wolln wir sie greifen an mit list,
wir müssen nicht flugs tappen zu,
sondern fein ernstlich reumen darzu,
damit sie nicht verjaget werd.
Opel u. Cohn 253, 36.
f)
statt des freizumachenden ortes (ad) steht der acc. des wegzuräumenden gegenstandes: schutt, kehricht räumen; endlich sei ihm aber eingefallen, dasz es schwer zugehen werde, erstlich den brand zu löschen, die asche zu räumen und ihn alsdenn zu erlösen. polit. stockf. 183;
ich bitt, jr wölt solch unlüst reumen.
B. Waldis Esop 3, 78, 18;
mit unterdrücktem object: darnach liesz man den pfenter von rats wegen pieten, das iederman vor seiner tür raumen must (den unrat wegkehren, in Nürnberg). d. städtechron. 10, 291, 3; mit ortsbestimmung: die gläser vom tische räumen; die teller in den speiseschrank räumen; die wäsche aus einem schrank in den andern räumen; den abfall aus der werkstatt in die müllgrube räumen; das eiserne gewicht des widrigen vorurtheils .. von der stelle zu räumen, foderte einen stärkeren hebel als den enthusiasmus einiger wenigen. Schiller hist.-krit. ausg. 1, 202.
g)
formelhaft etwas aus dem wege räumen, ein hindernis entfernen: da er jtzt uber hin gehet, wie uber ein gehoffelt bret, da haben wir must schwitzen und uns engsten, ehe denn wir solche wacken und klötze aus dem wege reumeten, auf das man kündte so fein daher gehen. Luther 5, 141ᵇ; ist er trunken, so thädingt sie jhn ins bett, raumbt jhm stul und bänk ausz dem weg. Garg. 71ᵇ; alle hindernüsz aus dem wege reumen, impedimenta quae obstant superare, perfringere repagula, spinas evellere Stieler 1534; gern auch jemand aus dem wege räumen, einen hindernden feind: einen aus dem weege räumen, e medio aliquem tollere. Steinbach 2, 229; dasz er herzog Wilhelmen ausz dem weg raumen .. wolte. Zinkgref apophth. 2, 13; indeme Nero die bösen und übelthäter ausz dem wege geraumet hat. Schuppius 527; dasz er .. von denen, die das volk scheinheilig drückten, bald aus dem wege geräumt ward. Herder zur philos. 7, 48; indem Dionysius viel eher einwilligen würde, ihn heimlich aus dem wege räumen zu lassen. Wieland 3, 211; was für kabalen habt ihr angezettelt, mich aus dem weg zu räumen? Schiller räuber 4, 2;
ja alles, was nur luthrisch wär,
sei ein bös sect und falsche lehr,
ausm weg müszt man sie räumen.
Opel u. Cohn 13, 12;
wenn ihr gebartet dergestalt
die buben räumtet von der welt,
blieb manchem sein erworben gut.
438, 119;
ähnliche wendungen: man soll diesen Jesum als ein verführer von dem erdboden raumen. Ayrer proc. 2, 6; wann wir ihre (der Agrippina) boszheit bedenken, verwundern wir uns eher und mehr über sein desz Neronis grosze gedult, als dasz er sie beiseite geraumet. Schuppius 527; und in milderer weise, einen von dem brote räumen, um den lebensunterhalt bringen:
also sie (die geistlichen) in glaubenssachen wollen herrschen, und die brüder
lieber räumen von dem brote, wann sie ihrem wahn zu wider.
Logau 2, 163, 20.
h)
räumen, in den begriff des freimachens von gegenständen überhaupt, des leerens übergehend (vgl.abräumen, ausräumen): ein haus räumen, domum evacuare Steinbach 2, 229 (verschieden oben 3, c. 4, a); ein land räumen, leer machen, säubern (von räubern): lies si gên Straubing füeren, ein tail alda henken, ein tail trenken, die maisten köpfen. raumbt also das land und machet die stras sicher. Aventin. chron. 2, 588, 21 Lexer; ein zimmer räumen, beim ausziehen; eine kiste, eine commode, einen schrank räumen, leer machen; nun was des selben tages ein sprachhausz geraumpt. Steinhöwel decam. 530, 30 Keller; gern namentlich taschen, beutel räumen, stehlend, betrügend, schwelgend: dasz sie den stationierern, wo sie die auf der straszen ankomen, ire pfert nemen, die seckel raumen. Schade sat. u. pasqu. 2, 44, 15; so sol man den Deudschen den beutel reumen, und den kutzel vertreiben. Luther 1, 296ᵇ; diebe, so heimlich die kasten reumen. 5, 411ᵃ; raumen den streydasgütlein die taschen. Garg. 56ᵃ; einem den beutel reumen, exinanire crumenam alicujus, comedere nummos alicujus Stieler 1534;
und weil ich so umb si wird naschen
raumpt si mir hinten ausz der taschen.
fastn. sp. 339, 29;
bleib mir da; wo wolstu heint nausz?
ja, in die taiber und hurnecken,
zu den iltesbelgen und schlepsecken,
das sie dir raumen deine taschen.
H. Sachs fastn. sp. 1, 75, 171;
wer wil den peutel raumen mir?
meisterl. fol. 23 nr. 190;
wir wöllen zechen bei der glut,
darzu sind kisten und kästen gut.
dises raumt seckel und täschen,
dasz uns kaum bleibt die warme äschen.
Garg. 97ᵃ;
mit etwas räumen: swô der vrowen die stat nicht en ist mit dem gebûwe, als ir man stirbt, binnen sechs wochen nâch dem drîʒigesten tage sal sie mit deme gebûwe rûmen, so daʒ sie der erde nicht enwunde. Sachsensp. 1, 20, 2 (das gebäude abbrechen bis auf die fundamente); der inf. substantivisch:
drumb must er schetzen, schinden, schaben,
mit scharren, scheumen, reumen, ropfen
dacht, alls in seinen sack zu stopfen.
B. Waldis Esop 4, 100, 5.
i)
kaufmännisch heiszt es sein lager, sein waarenlager räumen, ausverkaufen; auch seine waaren, seine vorräte räumen; mit seinem lager räumen; mit einer waare räumen wollen; um damit zu räumen, verkauft er unter dem einkaufspreise; eigenthümlich ein intransitives beiräumen, im sinne von schwinden: unser vorrath räumt sehr bei, und ist daher die auswahl in erster hand sehr mangelhaft. Weserzeitung 1859 nr. 4877.
5)
räumen, einem etwas, einem etwas übergeben, einräumen (verschieden oben 3, d): so es alles ungewis ist, und sie teglich selbs dahin sterben, und doch endlich jr hülfe und trost, dem tode reumen müssen. Luther 5, 52ᵇ; wenn gott leben und gesundheit schenkt, ... so will ich euch bitten, mir das häuschen drunten im dorfe zu räumen, das schon eine gute weil leer steht. Schiller räuber 4, 3;
hier in Argos hätt ich ihm stadt und wohnung bereitet,
ihn aus Ithaka führend mit aller hab und dem sohne,
auch dem sämmtlichen volk, und eine der städt ihm geräumet,
die, in der nähe bewohnt, mich selbst als herrscher erkennen.
Odyss. 4, 176.
6)
dieses räumen auch wie das bildliche einräumen th. 3, 347 nr. 4: es hat mir Caspar Müller, aus e. g. befehl, auf zwei stück antwort angesonnen. das erst, wie weit e. g. sich begeben und reumen solle, in der stiftkirchen auf dem schlos, das sacrament unter beider gestalt und ander newerunge, wie sie sie nennen, zu wehren. Luther 3, 90ᵃ; wollt ich doch ja auch, was ich immer für mein gewissen räumen möcht, gerne mich finden lassen. br. 4, 560.
7)
hessisch raumen mit dem dativ der person, von statten gehen: die arbeit raumt mir; es will ihm mit der arbeit nicht raumen. Vilmar 318; rhein. raumen, schnell von statten gehen Kehrein 325. in der seesprache, der wind räumet, wenn er günstiger wird. Campe.
raumen verb
Fundstelle: Lfg. 2 (1886), Bd. VIII (1893), Sp. 290, Z. 52
für rahmen der weidmännischen sprache oben sp. 68, nr. 2: dann ich vermeinte, weil kein baum in der nähe war, auf den sich die katze retiriren konte, würden sie die hunde eine weile auf der ebne hin und wieder jagen, wie einen hasen raumen und mir eine treffliche kurzweile anrichten. Simpl. 1, 439 Kurz.
raumen, räumen verb
Fundstelle: Lfg. 2 (1886), Bd. VIII (1893), Sp. 285, Z. 12
raum machen.
1)
ahd. rûmman, rûman, mhd. rûmen; alts. altnfr. rûmian, mnd. rûmen, mnl. ruimen; ags. rŷman; fries. rêma; altnord. rŷma, schwed. rymma, dän. rømme. die heute allgemein übliche umgelautete form unserer schriftsprache ist mitteldeutsch, von Luther gebraucht und dadurch mustergiltig geworden, die oberdeutschen quellen des 16. und selbst die des 17. jahrh. brauchen noch raumen, mundarten haben es heute noch, nicht nur die des oberlands (bair. raumen Schm. 2, 91 Fromm., tirol. râmen Schöpf 53, schweiz. rûme Hunziker 213 u. a.), sondern auch mitteldeutsche (hessisch raumen Vilmar 318, rheinisch raumen Kehrein 325). das verbum war von jeher auch in den gegenden geblieben und heimisch, die das subst. raum hatten eingehen lassen (vgl.raum 4, sp. 276), wozu seine eigenartige entwickelung beitrug.
2)
die ursprüngliche bedeutung des verbums, einen raum, d. h. eine lichtung im walde schaffen, behufs urbarmachung oder ansiedelung (vgl.raum nr. 3, sp. 275 fg.), ist auch in der späteren sprache und theilweise bis auf heute erhalten: rawmen oder rawtten voc. von 1431 bei Schm. 2, 91 Fromm.; ruymen, extricare agrum silvestrem Kilian; sie (die Preuszen) sollen die wüsten erbe, wüste huben reumen und bewohnen und die wüsten äcker bauen. Waissel Preuszen 105; sichtbar auch noch in der sprache der jäger, wenn hier zu den flügeln räumen heiszt durch fällung der bäume wege zu den flügeln eines jagens bahnen ( Adelung); in der soldatensprache einen platz, ein feld, eine stelle räumen, sie zu einem lagerplatze einrichten. vergl. dazu unten 4.
3)
im rechtsleben unserer vorfahren gewann diese ursprüngliche bedeutung des wortes einen besonderen sinn: der landesverwiesene oder landflüchtige verbrecher gieng in wald und einöde, wurde waltman, ags. wealdgenga, altnord. skôggangr, skôgarmađr (vergl. rechtsalt. 733), muste sich seine wohnstätte durch roden und lichten fern von den volksgenossen von neuem gründen. das war die strafe des räumens, und die übertragung des ausdrucks darauf ist gewiss uralt, weil schon in alten quellen unserer litteratur ein verdeutlichender accusativ dazu auftritt.
a)
eigentlich heiszt es nur schlechthin räumen, indem in der rechtssprache das eigentliche object (den wald oder eine stelle desselben) kurzer hand unterdrückt ist: er musz räumen, ihn trifft die strafe der verbannung: swelich burgere den andern mit knuttiln slet (schlägt), der gibt sechs phunt und rumet zwei jar. gesetze der stadt Nordhausen in den mittheil. des thür.-sächs. alterthumsvereins 3, 1, 45; wer den andern zu tode schläget, der soll geben zwei pfund an die stadt, und soll ein jahr rumen. Haltaus 1511 (von 1350); umbe den todschlag soll man rumen ein jahr. ebenda; denn die von N. müssen hierin jr gewissen verwaren, das sie dem tyrannen nicht helfen, wider das evangelium thun, sondern viel lieber weichen, reumen, und machen lassen. Luther 4, 314ᵇ; in freierem sinne: dasz das wort gottes zu Augsburg so schweigen und räumen musz. br. 4, 178.
b)
verdeutlichend ward zu diesem rechtsausdrucke, nachdem die eigentliche ursprüngliche bedeutung verdunkelt war und nur der begriff der ausweisung noch hervortrat, ein neuer objectsaccusativ gestellt, das land, die stadt, das weichbild räumen: ahd. daʒ lant rûmen, in exilium ire Graff 2, 509; fries. erve ende land rêma Richthofen 991ᵇ; altnord. rŷma land Vigfusson 505ᵇ; mhd. nhd. davon muͦste der bischof dutsche lant rumen bitze noch des kuniges tode. d. städtechron. 8, 56, 31; wi daʒ tut, di sal daʒ wipilde rumen, mit sime wibe unde mit sinen kinden. gesetze der stadt Nordhausen in den mittheilungen des thür.-sächs. alterthumsvereins 3, 2, 15; wer daʒ tete der vorlore zechen mark lotiges silber an die stat, und sal met wibe und met kinden die stat und wichbilde ewiclichen rumen. ebenda 3, 4, 86.
c)
so von der rechtssprache in die allgemeine sprache übergreifend, heiszt räumen mit acc. etwas meiden, verlassen, aufgeben, mit dem beisinn des gezwungenseins: ein land, eine stadt, eine burg, eine festung, einen ort, ein haus, eine stätte räumen; das lant reumen, migrare Stieler 1534; anstundt raument meinen hof und reich. Aimon bog. D; dennoch sich der könig also hart wider jhn entrüstet, dasz er dem ritter Gernier gebot, sein land, mit leib und gut, in monats frist zu raumen. buch der liebe 229ᵇ; so ich die statt Paris nicht in monats frist raumen thet, ich warlich einen ungnedigen herrn und könig haben würde. ebenda; wir müssen das land reumen, denn sie haben unser wonunge geschleift. Jer. 9, 19; ich wil auch die burg zu Jerusalem widerumb reumen lassen, und dem hohenpriester ubergeben. 1 Macc. 2, 32; ich habe euch geschrieben, in dem brieve, das jr nichts solt zu schaffen haben mit den hurern, das meine ich gar nicht von den hurern in dieser welt, oder von den geizigen .. sonst müstet jr die welt reumen. 1 Cor. 5, 10 (ἐπεὶ ὠφείλετε ἄρα ἐκ τοῦ κόσμου ἐξελθεῖν, goth. unte skuldêdeiþ þan us þamma faírhvau usgaggan); was von fremden nicht arbeiten wolte, das solte das ganze land in einem monat, die stadt aber in vier und zwanzig stunden raumen. Simpl. 2, 98 Kurz; beide freunde muszten zuletzt nachgeben, das zimmer und das haus räumen. Göthe 19, 234; als sie die stellung bei Gadebusch geräumt fanden. L. Häusser deutsche gesch. 3², 39; am festgesetzten tage ward die festung geräumt. 79; sie hatten den unglücklichen Sequanern befohlen, auch das zweite drittel ihrer äcker zu räumen. G. Freytag bild. 1, 48;
sô rûmde ich mîne slâfstat.
g. Gerhard 1883;
als den das gelt allain ich hon.
darmit ich raümen wil das lant
in ein gegent mir unbekant.
H. Sachs fastn. sp. 6, 103, 255;
und in drum warnet iederman,
das er das lant balt raumen sölt
und niemer darein kem,
dan in der künig strafen wölt.
dicht. 1, 169, 11 Gödeke;
ouch die puren hettend grumbt das land.
H. Salat 97, 249 Bächtold;
doch vorab, dasz die vind zugend bald
ab Zuger erdrich, rumbtend den wald.
104, 498;
drum hast du, als verfolgt, dich freilich nicht gesaumt,
auf reichthum nicht getrachtt, du hast das land geraumt.
Rompler 92;
dasz keiner, satt des unglücks, seine legionen
das blutfeld räumen hiesz.
Ramler 1, 52;
ich fürchte, das seelchen
entflieht, um dir zu entfliehn, und räumet die hütte.
Göthe 10, 233;
fürs erste wollen seine majestät,
dasz die armee ohn aufschub Böhmen räume.
Schiller Piccol. 2, 7;
da schlief ich ein und träumt,
ich sei noch im spitale,
den ich doch längst geräumt.
Uhland ged. 105;
den platz räumen, von einem platze weggehen, sich zurückziehen: da kompt unser vatter, mit meinem rath wollen wir den platz raumen. Aimon bog. e; last uns diesen platz raumen. f; darauf gefaszt, seinen platz zu räumen. L. Häusser deutsche gesch. 3², 185; wol ursprünglich der kriegerischen sprache angehörig, wie das feld, den plan räumen, was auch formelhaft geworden ist (gegensatz das feld behalten, vergl. theil 3, 1478): er räumte das feld, terga dabat victoribus. Steinbach 1, 429; so dasz die alte, ganz erstaunt über seine seltene fertigkeit, das feld räumte. Arnim 2, 219; als die ungeschicktesten (tänzer) den plan geräumt hatten. Göthe 16, 32;
er fühlt es selbst, und beschlieszt sogleich das feld zu räumen.
Wieland 4, 118 (n. Amadis 5, 22);
nur mit dem Geszler fürcht ich schweren stand, ..
nicht ohne blut räumt er das feld.
Schiller Tell 2, 2;
den hof, die gesellschaft räumen:
und es erschraken die beiden, die krähe mit dem kaninchen,
räumten den hof und trauten nicht weiter ein wörtchen zu sprechen.
Göthe 40, 150;
den sattel räumen, vom sattel abgeworfen werden, im kampfe, im turniere: muszt schnell den sattel raumen. Galmy 146; nun ist nicht on, ich mein sattel auf diesem thurnier nie geraumet hab. 147;
er stach in vornân inne   daʒʒ rückeshalp ûʒ brast.
den satel muoste er rûmen   her nider ûf daʒ gras.
Alpharts tod 152, 3;
doch unter ihnen allen keiner hielt
den strengen stosz des unbekannten aus:
sie räumten alle nach der reih den sattel.
Wieland 18, 19;
und auf den andern trosz arbeitet unser ritter
so unverdrossen los, dasz bald ein zweiter und dritter
den sattel räumt.
22, 59 (Oberon 2, 5);
bildlich: ohne deren hülf .. ihr doch längest hätten müssen den sattel raumen. Philander 2, 50. in der älteren sprache ward loco cedere kurz durch eʒ rûmen ausgedrückt, zahlreiche beispiele oben th. 3, 1118. das gericht räumen, eine gerichtssitzung verlassen, der man als richter oder beisitzer anzuwohnen hat, vergl. Haltaus 1511; selbst das zeitliche räumen, sterben: der vetter hat im monat Junio dieses zeitliche gereumet. Diefenbach und Wülcker wörterb. 814 (von 1624).
d)
neben dem acc. ein persönlicher dativ dessen, zu dessen gunsten man geht: mitler zeit schreib Jonathas dem könig Demetrio, und bat jn, er wolt denen, so auf der burg lagen, gebieten zuweichen, und jm die burg zu reumen und einzugeben. 1 Macc. 11, 41;
er muoʒ mir diu lant rûmen,   ald ich geniete mich sîn.
minnes. frühl. 8, 7;
nu brinc mir her vil balde   mîn ros, mîn îsengwant.
wan ich muoʒ einer frouwen   rûmen diu lant.
9, 32;
wolauf, wolauf! last uns hinausz!
den frommen herren raumbt das hausz!
H. Sachs fastn. sp. 1, 123, 275;
der gute räumt den platz dem bösen.
Schiller glocke v. 372;
verschieden davon unten 5.
e)
aber frühe war auch schon intransitives räumen, von oben a aus, im sinne von weggehen, von einem orte weichen, gebraucht worden: ih .. bin uuorden also der sparo der einluzzer in hûs ist. uuanda andere fogela rûment, sparo ist heime. Notker ps. 101, 8; di jungvrowen sungen und lâsen vil ober ime (einem besessenen) und ouch di pfaffen; und der vînt enkarte sich nichtis nicht dar ane und wolde nit rûmen. d. myst. 1, 77, 1; were von uns rumede oder burgerschaft anderswo empfinge, des gut han wir auch gewonnen. weisth. 2, 3 (Saar, von 1321);
er sprach: nu rûmit, grôʒe bulgân!
könig Rother 1625;
bapst Jutta. darumb so gebiete ich dir so bald,
du böser teufel ungestalt,
dasz du von diesem manne reumest
und dich nicht lenger seumest.
teufel. sint ich ja reumen sol allhier,
so höret all in diesem saal von mir,
das ich das nicht durch sein geheisze thu.
fastn. sp. 925, 24;
und noch im 16. jahrh.: würde auch jemand von den ungebetenen gesten wan er von dem wirthe zu reumen oder wegzugehen ermahnet wird, nicht reumen wollen, und dem wirth und der andern gesellschaft zu verdriesz und wiederwillen sitzen bleiben. Haltaus 1510 (von 1580); mit dem dativ der person, für die das weichen geschieht: tu (sonnengott) rûmest tero naht fore dero finstri, unde gibest iro sô filo sî liehtes habet. Notker schriften 2, 834, 27 Piper (Mart. Cap. 2, 39); uuanda dô Christus irstuont, dô uuurden sie fluhtîg, unde dô rûmdon sie fidelibus (christânen). ps. 103, 22; frage du aber hie eine halbe kluge vernunft, oder ein kind von sieben jaren, wenn gottes wort und gewonheit widernander sind, welchs doch billich solle dem andern reumen oder weichen? Luther 3, 386ᵃ; nu er selbs der zwietracht geräumet (um zwietracht zu meiden sich wegbegeben). br. 3, 445.
4)
die neuere bedeutung von räumen schlieszt an das subst. raum 5 (sp. 276) als freie stätte für entfaltung einer thätigkeit an, und bedeutet eine solche stätte bereiten, frei machen von hindernissen, was in die bedeutung des leer machens übergeht: raumen, amovere, loco movere, cedere, seponere etc. Maaler 226ᵇ.
a)
etwas frei machen, aufräumen: den tisch räumen, ihn von den speiseresten befreien; das haus räumen, zum empfang der gäste bereiten: kom er ein, du gesegneter des herrn, warumb stehestu drauszen? ich habe das haus gereumet (ἐγὼ δὲ ἡτοίμασα τὴν οἰκίαν septuag.), und fur die kamel auch raum gemacht. 1 Mos. 24, 31; vergl. alts.:
sô rûmda he thô endi rekôda,   rîki drohtin,
that hêlaga hûs.
Heliand 3750;
einen weg räumen, benutzbar machen: machet ban, reumet den weg, hebt die anstösze aus den wegen meines volks. Jos. 57, 14; schluegens (die Ungern) in die flucht, raumbten dem ganzen her ein freien weg. Aventin. chron. 2, 293 Lexer; zoch nachmals über lant gein Jerusalem, erlid vil von den unglaubigen, raumbt und macht im ein weg mit gewalt und werender hand. 312, 1; wie alts.:
ik bium an is bodskepi herod
an thesa werold kuman   endi skal im thana weg rûmian.
Heliand 896;
eine brandstätte, eine schuttstätte räumen; die gassen zu raumen und zu vegen. d. städtechron. 3, 360, 29; ein ort oder platz raumen, von allem unraat seuberen, als von steinen, schärben, zerfallnem gemür und gemüsel, und dergleichen. Maaler 326ᶜ; eine pfeife räumen, vgl. pfeifenräumer; bair. den stall, die wiesen, die egerten raumen (von mist, steinen). Schm. 2, 91 Fromm.; (einen verschlemmten) hafen räumen. Jacobsson 2, 186ᵃ;
mein seüstal ist mir gfallen ein,
hat mir gwisz erschlagen die schwein.
den wolt ich gern wider raumen.
J. Ayrer fastn. sp. 97ᵈ (2829, 27 Keller);
die matten raumen, und das vych nit darein lassen zeweiden, darmit sy vil höuw gäbe, submittere prata in foenum. Maaler 326ᵇ; in dem reiche der wissenschaften ... sehen wir ... einzelne bezirke, obgleich von neuerlichem anbau, schnell zu ansehn .. erhoben, andere, zwar erst künftiger bearbeitung geräumt, dennoch ihre tendenzen und einigermaszen ihren möglichen umfang andeuten. Wolfs museum der alterthumswissenschaft 1, 10.
b)
in der heilkunde magen, brust, bauch räumen, frei machen von krankheitsstoffen: leinsamen gepülvert mit honig vermischt wie ein latwergen, miltert den husten, räumt die brust. Tabernaemont. 1206;
und schol sich damit nit saumen,
ob im der arzt den pauch mocht raumen.
fastn. sp. 682, 16;
das (mittel) must einnemen des tags zwier.
das selb wirt dir dein magen raumen.
H. Sachs fastn. sp. 1, 135, 79.
c)
von da aus auch das herz räumen, erleichtern, befreien, durch mittheilung, zornausbruch u. ähnl.: das herze räumen, conscientiam exonerare Steinbach 2, 229; in der älteren sprache aber mit dativ dem herzen räumen, ihm luft machen: dort sitzt der herr Secundarus, der ist ein herr und will noch darzu ein krieger werden, wie dörft ich dann, als ein armer baursmann, dem diese beiderlei leuth zu hart sein und immer auf der hauben sitzen, meinem herzen raumen. Simpl. (1684) 3, 200;
mit rede doch ein man sîm herzen rûmet.
H. v. Laber jagd 646;
sie greifen nach euch (flöhen), so ir stecht,
und richten euch nach irem recht,
zwischen den baiden roten daumen
auf das sie irem herzen raumen.
Fischart flöhhaz 3270;
vom herzen raumen: solte sie wol vermeinen, sie werde die eingewurzelte runzeln ihrer lasterhaften stirn austilgen, ... wann sie dergestalt ihre bubenstück und begangne laster berichtsweisz daher erzehlet, von ihrem herzen zu raumen? Simpl. 3, 9 Kurz; von der leber raumen, stomachum narrare, seim herzen raumen, exonerare conscientiam suam. voc. von 1618 bei Schm. 2, 91 Fromm.
d)
im weinbergs- und feldbau: räumen bei den winzern, wenn man das erdreich um den weinstock mit der hacke bis an die thauwurzeln aufrührt, und zugleich die obersten wasserwurzeln abreiszt. öcon. lex. 1968; beume reumen, arbores ablaqueare et aggerare Stieler 1534; raumen umb die wurzlen der reben und bäumen, ablaqueare vites vel arbores Dasyp.; zu der wurzel eines baumes räumen, die wurzel eines baumes von der erde entblöszen Adelung (vergl. mnl. ruymen, frondare, collucare, interputare, interlucare, amputare ramos supervacuos Kilian).
e)
zu etwas räumen, platz machen, luft schaffen, auch anderweit: daʒ boht (koth) lag vor den porten und darunder verharstet, daʒ man sü nüt moht han zuͦgetoen, man hette danne darzuͦ gerumet mit bikeln. d. städtechron. 8, 98, 11; wann ein pferd vernagelt ist, so brich das eisen ab, und raum zu dem nagel, truck jhn mit einer zangen, damit das aiter herausz gehe. Seuter rossarzn. 309; wann ein pferd an einen nagel oder stecken getretten, so nimb alt schmeer und honig, ... und lasz zu dem schaden raumen. 342; ich war aber allbereit in der gewinnsichtigkeit und allen ihren nachgehenden lastern dermaszen ertränkt, dasz ichs bleiben liese wie es war (ohne nachzudenken), und nichts zum fundament zu raumen gedachte, darauf meine seeligkeit bestunde. Simpl. 3, 95 Kurz;
hat nun die gans zu hoch genist,
wolln wir sie greifen an mit list,
wir müssen nicht flugs tappen zu,
sondern fein ernstlich reumen darzu,
damit sie nicht verjaget werd.
Opel u. Cohn 253, 36.
f)
statt des freizumachenden ortes (ad) steht der acc. des wegzuräumenden gegenstandes: schutt, kehricht räumen; endlich sei ihm aber eingefallen, dasz es schwer zugehen werde, erstlich den brand zu löschen, die asche zu räumen und ihn alsdenn zu erlösen. polit. stockf. 183;
ich bitt, jr wölt solch unlüst reumen.
B. Waldis Esop 3, 78, 18;
mit unterdrücktem object: darnach liesz man den pfenter von rats wegen pieten, das iederman vor seiner tür raumen must (den unrat wegkehren, in Nürnberg). d. städtechron. 10, 291, 3; mit ortsbestimmung: die gläser vom tische räumen; die teller in den speiseschrank räumen; die wäsche aus einem schrank in den andern räumen; den abfall aus der werkstatt in die müllgrube räumen; das eiserne gewicht des widrigen vorurtheils .. von der stelle zu räumen, foderte einen stärkeren hebel als den enthusiasmus einiger wenigen. Schiller hist.-krit. ausg. 1, 202.
g)
formelhaft etwas aus dem wege räumen, ein hindernis entfernen: da er jtzt uber hin gehet, wie uber ein gehoffelt bret, da haben wir must schwitzen und uns engsten, ehe denn wir solche wacken und klötze aus dem wege reumeten, auf das man kündte so fein daher gehen. Luther 5, 141ᵇ; ist er trunken, so thädingt sie jhn ins bett, raumbt jhm stul und bänk ausz dem weg. Garg. 71ᵇ; alle hindernüsz aus dem wege reumen, impedimenta quae obstant superare, perfringere repagula, spinas evellere Stieler 1534; gern auch jemand aus dem wege räumen, einen hindernden feind: einen aus dem weege räumen, e medio aliquem tollere. Steinbach 2, 229; dasz er herzog Wilhelmen ausz dem weg raumen .. wolte. Zinkgref apophth. 2, 13; indeme Nero die bösen und übelthäter ausz dem wege geraumet hat. Schuppius 527; dasz er .. von denen, die das volk scheinheilig drückten, bald aus dem wege geräumt ward. Herder zur philos. 7, 48; indem Dionysius viel eher einwilligen würde, ihn heimlich aus dem wege räumen zu lassen. Wieland 3, 211; was für kabalen habt ihr angezettelt, mich aus dem weg zu räumen? Schiller räuber 4, 2;
ja alles, was nur luthrisch wär,
sei ein bös sect und falsche lehr,
ausm weg müszt man sie räumen.
Opel u. Cohn 13, 12;
wenn ihr gebartet dergestalt
die buben räumtet von der welt,
blieb manchem sein erworben gut.
438, 119;
ähnliche wendungen: man soll diesen Jesum als ein verführer von dem erdboden raumen. Ayrer proc. 2, 6; wann wir ihre (der Agrippina) boszheit bedenken, verwundern wir uns eher und mehr über sein desz Neronis grosze gedult, als dasz er sie beiseite geraumet. Schuppius 527; und in milderer weise, einen von dem brote räumen, um den lebensunterhalt bringen:
also sie (die geistlichen) in glaubenssachen wollen herrschen, und die brüder
lieber räumen von dem brote, wann sie ihrem wahn zu wider.
Logau 2, 163, 20.
h)
räumen, in den begriff des freimachens von gegenständen überhaupt, des leerens übergehend (vgl.abräumen, ausräumen): ein haus räumen, domum evacuare Steinbach 2, 229 (verschieden oben 3, c. 4, a); ein land räumen, leer machen, säubern (von räubern): lies si gên Straubing füeren, ein tail alda henken, ein tail trenken, die maisten köpfen. raumbt also das land und machet die stras sicher. Aventin. chron. 2, 588, 21 Lexer; ein zimmer räumen, beim ausziehen; eine kiste, eine commode, einen schrank räumen, leer machen; nun was des selben tages ein sprachhausz geraumpt. Steinhöwel decam. 530, 30 Keller; gern namentlich taschen, beutel räumen, stehlend, betrügend, schwelgend: dasz sie den stationierern, wo sie die auf der straszen ankomen, ire pfert nemen, die seckel raumen. Schade sat. u. pasqu. 2, 44, 15; so sol man den Deudschen den beutel reumen, und den kutzel vertreiben. Luther 1, 296ᵇ; diebe, so heimlich die kasten reumen. 5, 411ᵃ; raumen den streydasgütlein die taschen. Garg. 56ᵃ; einem den beutel reumen, exinanire crumenam alicujus, comedere nummos alicujus Stieler 1534;
und weil ich so umb si wird naschen
raumpt si mir hinten ausz der taschen.
fastn. sp. 339, 29;
bleib mir da; wo wolstu heint nausz?
ja, in die taiber und hurnecken,
zu den iltesbelgen und schlepsecken,
das sie dir raumen deine taschen.
H. Sachs fastn. sp. 1, 75, 171;
wer wil den peutel raumen mir?
meisterl. fol. 23 nr. 190;
wir wöllen zechen bei der glut,
darzu sind kisten und kästen gut.
dises raumt seckel und täschen,
dasz uns kaum bleibt die warme äschen.
Garg. 97ᵃ;
mit etwas räumen: swô der vrowen die stat nicht en ist mit dem gebûwe, als ir man stirbt, binnen sechs wochen nâch dem drîʒigesten tage sal sie mit deme gebûwe rûmen, so daʒ sie der erde nicht enwunde. Sachsensp. 1, 20, 2 (das gebäude abbrechen bis auf die fundamente); der inf. substantivisch:
drumb must er schetzen, schinden, schaben,
mit scharren, scheumen, reumen, ropfen
dacht, alls in seinen sack zu stopfen.
B. Waldis Esop 4, 100, 5.
i)
kaufmännisch heiszt es sein lager, sein waarenlager räumen, ausverkaufen; auch seine waaren, seine vorräte räumen; mit seinem lager räumen; mit einer waare räumen wollen; um damit zu räumen, verkauft er unter dem einkaufspreise; eigenthümlich ein intransitives beiräumen, im sinne von schwinden: unser vorrath räumt sehr bei, und ist daher die auswahl in erster hand sehr mangelhaft. Weserzeitung 1859 nr. 4877.
5)
räumen, einem etwas, einem etwas übergeben, einräumen (verschieden oben 3, d): so es alles ungewis ist, und sie teglich selbs dahin sterben, und doch endlich jr hülfe und trost, dem tode reumen müssen. Luther 5, 52ᵇ; wenn gott leben und gesundheit schenkt, ... so will ich euch bitten, mir das häuschen drunten im dorfe zu räumen, das schon eine gute weil leer steht. Schiller räuber 4, 3;
hier in Argos hätt ich ihm stadt und wohnung bereitet,
ihn aus Ithaka führend mit aller hab und dem sohne,
auch dem sämmtlichen volk, und eine der städt ihm geräumet,
die, in der nähe bewohnt, mich selbst als herrscher erkennen.
Odyss. 4, 176.
6)
dieses räumen auch wie das bildliche einräumen th. 3, 347 nr. 4: es hat mir Caspar Müller, aus e. g. befehl, auf zwei stück antwort angesonnen. das erst, wie weit e. g. sich begeben und reumen solle, in der stiftkirchen auf dem schlos, das sacrament unter beider gestalt und ander newerunge, wie sie sie nennen, zu wehren. Luther 3, 90ᵃ; wollt ich doch ja auch, was ich immer für mein gewissen räumen möcht, gerne mich finden lassen. br. 4, 560.
7)
hessisch raumen mit dem dativ der person, von statten gehen: die arbeit raumt mir; es will ihm mit der arbeit nicht raumen. Vilmar 318; rhein. raumen, schnell von statten gehen Kehrein 325. in der seesprache, der wind räumet, wenn er günstiger wird. Campe.
raumen verb
Fundstelle: Lfg. 2 (1886), Bd. VIII (1893), Sp. 290, Z. 48
für rahmen, den rahm abnehmen sp. 67, wie das subst. raum für rahm steht (oben sp. 283); bildlich den buckel raumen, prügeln: weil ich besorgte, es mögte .. mir der buckel geraumt werden. Simpl. 1, 386 Kurz.
räumen verb
Fundstelle: Lfg. 2 (1886), Bd. VIII (1893), Sp. 290, Z. 77
für reimen, s. d.: das sichs (das buch der weisheit) allenthalben wol reumet auf unser jetzige zeit. Luther 4, 461ᵇ (vorher als das sich zur sachen so eben reimet. 461ᵃ); so läppisches geziere kann ich mit einem so erleuchteten geiste nicht zusammen räumen. Reiske Thucyd., vorrede;
zu lastern, dieses paar, so trefflich wol sich glich,
als grasz und blumen wol zusammen räumen sich.
D. v. d. Werder Ariost 16, 6, 4;
kein weibesbild sagt mir so zu
und räumt sich so zu meinen sitten,
mein sinnentrost, als einig du.
S. Dach in den ged. des Königsberger dichterkreises 59.
raumen verb.
Fundstelle: Lfg. 2 (1886), Bd. VIII (1893), Sp. 290, Z. 58
alte nebenform zu raunen, s. d.: murmurare rumen, ruomen Dief. 372ᶜ; mussare rumen, czweifel l. rawmen 373ᶜ; susurrare rumen 570ᵃ; rawmen, romen, susurrare, mussare. Schm. 2, 90 Fromm. (15. jahrh.); raumen, in aurem dicare. ebenda (voc. von 1618); die pœsen râtgeben, die ander läut vergiftent mit irm haimleichen raumen. Megenberg 279, 32; dasz man ir kainen zuͦlaszt, unnütze geschwetze zetreiben, noch etwas in die oren zuͦ raumen, sonderlich wann du darbei bist. Frölich Stobäus 392; er .. raumbt ir in ein ohr, sie solt sagen, sie were die Thiszbe. buch der liebe 199ᵈ; Elbensteins guter engel raumete ihm zwar in die ohren, dasz er dieser lockspeise nicht trauen solte. cav. im irrg. 168;
er gedacht herteclich zue hant
und het in seinen sinnen:
got, wie ist diesen dingen?
hat eʒ mir getraumt?
vil schier er da raumt:
oder ist eʒ ware für ware?
Keller erz. aus altd. handschr. 134, 28.
Zitationshilfe
„raumen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/raumen>, abgerufen am 14.10.2019.

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