rücksichtslos adj
Fundstelle: Lfg. 8 (1891), Bd. VIII (1893), Sp. 1376, Z. 73
keine rücksicht nehmend, ohne rücksicht (vgl. rücksicht 2, b). früher richtiger rücksichtlos. so bei Göthe: das rücksichtlose schicksal, wenn es die reichen garben trifft, zerknittert nur das stroh, die körner aber spüren nichts davon. 49, 82; doch häufiger, wie jetzt allgemein rücksichtslos: durch beständigen conflict unterschied er das wahre vom falschen, hielt am ersten fest und verhielt sich gegen das andere rücksichtslos. Göthe 49, 125; nachdem er von ihr jede gewährung erhalten hatte, wie freye rücksichtslose liebe sie giebt. Arnim Hollins liebel. 89; zu leugnen ist doch auch nicht, dasz gerade durch die absonderung des deutschen geistes von dem athem der hohen societät ihm manche tugenden erhalten worden sind, .. seine frische, seine eigensinnige herbe jungfräulichkeit, sein rücksichtsloses um- und vorgreifen. Immermann Münchh. 2, 194 Boxberger. adverbial:
du eröffnest mir den mund,
du geschwätz'ger traubensaft,
und die wahrheit mach ich kund
rücksichtslos mit freud'ger kraft.
Chamisso 1, 116.
Zitationshilfe
„rücksichtslos“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/r%C3%BCcksichtslos>, abgerufen am 22.05.2019.

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