qualm m.
Fundstelle: Lfg. 12 (1889), Bd. VII (1889), Sp. 2309, Z. 60
mit übergang des tw in qu aus ahd. mhd. twalm (alts. dwalm, ags. dvolma) von twëlan, torpere, sopiri, wozu auch goth. dvals (thöricht) gehört, s.toll und Fick³ 3, 155. Schade² 974ᵃ. Feist grundrisz der goth. etymologie 28 (138). vgl. das erste galm und kalm. der ursprüngliche anlaut ist gewahrt im bair. tolm (aus twalm), dolm, delm theil 2, 1229. Schm.² 1, 1229, östr. dell Höfer 1, 147, kärnt. tell, teal Lexer 56.
1)
sopor.
a)
betäubung, ohnmacht, halbbewuszter oder bewusztloser zustand (schlaf, traum), s.dolm 1 und 2:
do gingen mir die augen zu,
sichtlich sach ich in qualmes traum
fünf weibs-bild undter einem baum.
H. Sachs 5, 285, 11;
sie (die gebrechen des landes) gehen wenig leuten zu herzen, ein jederman wie in einem traum und qualm darin schläft. Waissel chron. 156ᵃ;
mein schlaff ist nur ein qualm.
Günther 267;
und wenn der trennung kränken
mich nächtlich überfiel, so ward mir durch dein bild
die sehnsucht oftermahls im traum und qualm gestillt.
466;
nun sollen träume zwar des tages spiegel sein;
sie sinds auch dann und wann: der jäger zielt im schlummer,
der buhler küszt den pfühl, der geitz erschrickt aus kummer,
und kranke nehmen auch im qualme wermuth ein.
638;
wie wenn ein feuchter schlaff der sinnen kraft entreist,
und qualm und dämmerung die müden augen bindet.
733.
bair. qualm, betäubung, ohnmacht, winterschlaf der thiere (von dachsen, füchsen, wenn sie im bau liegen) Schm.² 1, 1393, östr. in qualen (aus qualm, vgl. b) liegen Höfer 2, 361.
b)
betäubender (auch tötender) saft, betäubendes getränk, schlaftrunk, vgl.qualmtrunk unddolm 3. mhd. und spätmhd. quallen (aus qualm, wie twallen aus twalm, s. zu Wolfdietr. IX, 137)
do gab ich in den quallen in die hant.
si trunken al ie langer und ie vaster
vür guoten wîn den.
minnes. 3, 302ᵇ, vgl. 5, 8.
bildlich:
Wolfdieterich den quallen
da in dem streite schank,
er muͤste balde fallen
wem er gab den getrank.
heldenbuch 547, 33 Keller.
c)
auch quallen (ein fisch) scheint aus qualm entstanden zu sein, denn tirol. tolm dolm dolbn, kaulquappe Schöpf 85) führt auf twalm zurück (fisch mit einem 'tollen' kopfe?), s.dol unddolp: der quallen hie ist recht saftig. Garg. 241ᵃ; solt ich nicht lieber ein starken quallen mit knoblauch gespicket dafür essen? 42ᵃ; vorrat von starken quallen. 53ᵇ;
es sei ein gansz oder ein quallen,
oder ein bratvisch auf dem rost.
Spangenberg anbindbriefe J 3ᵃ.
2)
vapor, (betäubender) dampf, dunst, rauch, s.dolm 1: oder mags solche stuck sieden und den dampf oder qualme von undenauf entphahen. Ryff schwangerer frauen rosengarten 20ᵇ;
der leichen faule stank erfüllt ja luft und see
und dringt aus dieser gruft in die besternte höh
durch eine dicke wolk, durch qualm der grüft (var. aus eignem qualm) entsprossen.
Gryphius trauersp. 376 P.;
da drungen wir im qualm dem wirbel freudig nach.
Besser 37;
selbst in dem wildsten qualm (der geschilderten schlacht) wird ihm (Besser) der kopf nicht schwer.
Bodmer krit. ged. 21 (1, 540) neudr.;
dasz die schönen jungen glieder
nicht des moders qualm verletze.
Göthe 5, 273;
durch rauch und qualm seh' ich den matten schein
des todtenflusses mir zur hölle leuchten.
9, 52 (Iph. 3, 1);
gewissem tod entgegen, der im qualm
erhitzter dünste schleichend überfällt.
330 (nat. t. 4, 1);
stundenlang konnte er am schmutzigen lichtwagen stehen, den qualm der unschlitt-lampen einziehen. 18, 86; andre, die zur rettung herbeieilten, litten, wie er, vom qualme und feuer. 19, 219; sonneverfinsternd und erstickend wirbelte ein unüberwindlicher qualm (aus dem Vesuv). 28, 67;
flüchtend sah ich, durch rauch und gluth ..
schreitend, wundergestalten,
riesengrosz, durch düsteren
feuerumleuchteten qualm hin.
41, 188;
völker, die tief unter uns
schwerathmend wohnen in dem qualm der städte.
Schiller 14, 335 (Tell 2, 2);
der qualm zog
um die wilde trümmerstätte
schwer, erstickend.
Immermann schriften 1, 317;
wo winterlich der flüsse qualm
umdampft den dürren stoppelhalm.
Platen 1, 251;
(thal,) von dem gestank und qualm sich weit verbreiten.
Streckfusz Dante, hölle 10, 136 Pfleiderer;
doch folgt' ich ihm durch widrig bittern qualm.
fegefeuer 16, 14;
die blitze von den schüssen gelb-röthlich in dem qualme (pulverdampfe) zuckten. Immermann Münchh. 4, 32;
und als man sie (hexe) in den kessel (2, g) schob,
da schrie sie mord und wehe;
und als sich der schwarze qualm erhob,
da flog sie als rab in die höhe.
H. Heine buch d. lieder 31 neudruck;
roth hob sich die sonne aus trockenem qualm. Freytag handschrift 1, 128; die flamme schlug hoch auf, miszfarbiger qualm erfüllte den raum. ahnen 1, 60;
falsche lasten dann am herzen
gleich dem qualm verloschner kerzen.
F. Dahn ged., zweite sammlung 1, 405.
plur. qualme Stieler 1488:
und so verdrängt, mit liebevollem streiten,
der feuchten qualme nacht.
Göthe 1, 142;
drei qualme schnell nach einander aufstoszend und die pfeife fester fassend. Auerbach ges. schriften 1, 59; bildlich:
ihr aber seid vom qualme der noth noch so erstickt,
dasz ihr zum schnitt der halme kein lied zum himmel schickt.
Rückert 3, 480.
nd. qualm (holländ. walm), schwüler dampf, brodem, starker rauch Richey 198. brem. wb. 3, 393. Dähnert 367ᵃ. Schütze 3, 254. Hennig 201, westerw. aus kochtöpfen aufsteigender dampf Schmidt 152; qualm machen, blauen dunst, viel geschwätz machen Albrecht Leipziger mundart 187ᵇ. Danneil 165ᵇ.
3)
mit anlehnung an quall, quell.
a)
(dampfend) hervorquellendes blut:
reisz mir die grauen locken aus! versuchs,
ob sie ihm stopfen seines blutes qualm.
Uhland Ernst von Schw. 143 (ged. u. dramen 3, 86).
b)
was qualmdeich Voch baulex. 220ᵃ.
qualm m.
Fundstelle: Lfg. 12 (1889), Bd. VII (1889), Sp. 2309, Z. 55
ahd. alts. qualm, ags. cvealm, cvelm, marter, plage, todesplage, mord (abgeleitet von quëlan, s.qual), mhd. vereinzelt qualm, plage, bedrängnis, beklemmung minnes. 1, 268ᵃ, 4, nhd. erloschen oder im folgenden qualm (1, a) aufgegangen. vgl. theil 2, 1229 unter dolm.
Zitationshilfe
„qualm“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/qualm>, abgerufen am 13.10.2019.

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