plagen verb.
Fundstelle: Lfg. 10 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1879, Z. 8
mhd. und besonders md. plâgen, mnd. nhd. plagen (blagen Wilwolt v. Schaumburg 195. H. Sachs 2, 159, 15. S. Bürster 48, alem. blogen F. Platter 321 B., plogen 159, mit verschobenem anlaute pflôgen Schmidt gottesfreunde 175), mit plage heimsuchen, aus mlat. plagare, schlagen, verwunden, dann (kirchenlat.) peinigen, quälen Du Cange 3, 1, 296. vgl.placken (1).
1)
transitiv oder absolut.
a)
zunächst von gott, der die menschen für die sünden mit plagen heimsucht, züchtigt und straft, vergl. plagegott: der herr plagt aber den könig, das er aussetzig war bis an seinen tod. 2 kön. 15, 5; du plagest sie, aber sie bessern sich nicht. Jer. 5, 3; und die in (David) hassen wil ich plagen. ps. 89, 24; erfrewe uns nu wider, nach dem du uns so lange plagest. 90, 15; doch ward er zuletzt von got geplagt und starb eins jemerlichen tods. Aventin. 4, 733, 31; got plaget in, kam das pestilenz an seinen hals. 901, 32;
und in got drumb fecht an zu blagen,
schickt ihm vil widerwertigkeit.
H. Sachs 2, 159, 15;
Rom, die statt, wöll auch plagen gott!
8, 19, 31;
plagen mit: ouch plâgete got die lûte dorch sunde willen mit grôʒim sterbin. Ködiz heil. Ludw. 45, 1;
(der gotteslästerer) wart geplagt mit schand und spot.
S. Brant 87, 33;
aber der herr plaget den Pharao mit groszen plagen. 1 Mos. 12, 17; darumb das sie gottes geboten ungehorsam gewest waren ... muste ir hertz mit unglück geplaget werden. ps. 107, 12; ich (gott) wil dich mit hunger plagen. Aventin. 1, 202, 9;
du auch schuldig bist,
den göttern dorumb dank zu sagen,
das sie dich nit mit andern plagen
haben geplagt, sunder mit der (podagra).
H. Sachs 4, 409, 20.
b)
von peinigenden, quälenden (bösen) geistern, vergl. plagegeist, plageteufel: die gerechten anbeter gottes ... von dem anlauf und plagen der verworfenen und verdampten geistern sicher seind. Aventin. 1, 318, 26; meine tochter wird vom teufel ubel geplaget (ist vom teufel besessen). Matth. 15, 22, wird ubel gemut von dem teufel. cod. Tepl.;
ich (teufel) in hart plagen wil.
H. Sachs 6, 40, 32;
plagt euch der teufel? Kotzebue dram. sp. 2, 331; nd. plagt di oder ritt di (s. reiten) de diewel? Wander 3, 1354;
ob ihn ein teufel plagt.
der junge Göthe 1, 219;
Macduff. zeige dich, tyrann,
fällst du von einer andern hand als meiner,
so plagen mich die geister meines weibes
und meiner kinder ruhelos.
Schiller 13, 155 (Macbeth 5, 10).
c)
von körperlichen leiden, groszer marter, unglück u. s. w.:
(ziperlein,) das burger und den adel plagt.
H. Sachs 5, 28, 32;
(er wird) durch viel fieber geplagt.
4, 419, 5;
die dort (in der hölle) doch wider werden plagt.
3, 571, 33;
(der arme, den) alle welt veracht und aller unfall plagt.
Logau 1, 2, 73;
ob mich wol viel geplagt ein wiedriges geschikke.
Schottel 1003, 11;
der tod, der stündlich uns durch lange marter plagt.
Gryphius trauersp. 166 P.;
die hölle scheint noch kalt und plaget viel gelinder
als mich die quaal und reu.
Günther 702;
huͦsten, der sy .. geplogt hatt. F. Platter 159 B.; es plagt (schmerzt) mich gewaltig hier in der hüfte. F. Müller Faust 16, 33 neudruck; mich plagt der hunger, der durst, die hitze, die kälte u. dergl.
d)
von leidenschaften, affecten und zuständen: dann umb die gemein stets nit wol, die wil herren hat; si wirt mit aufrur und zwitracht geplagt. Aventin. 1, 317, 17;
(die wollust) des menschen hertz und seel verwüst,
... peinigt und plagt.
H. Sachs 3, 548, 25;
da unsern leeren sinn die matte hoffnung plagt.
Hofmannswaldau begräbnisged. 35;
ich fühlte mich dabei gewiss von neid geplagt.
Körner 3, 303;
da plagts manchesmal (macht schmerz und kummer), .. wenn sie (die dorfarmen) alle was haben möchten, und unser einer hat alleine nichts. Holtei Lammfell² 5, 39; das plagte ihns. Gotthelf Uli der pächter (1859) 321; die gegenwart ists allein, die wirkt, tröstet und erbaut! — wenn sie auch wohl manchmal plagt — das plagen ist der sommerregen der liebe. Göthe an frau von Stein 22. juli 1776;
das, was dir fehlt, das, was dich plagt,
findst du auf erden.
der j. Göthe 1, 94.
e)
von menschen, die plagen der verschiedensten art (menschen oder thieren) verursachen: also hette auch her Wilwolt die Friesen lang geblaget. Wilwolt von Schaumburg 195; wir wollen dich (Lot) bas plagen denn jene. 1 Mos. 19, 9; ich werde seer geplagt .. von meinen verfolgern. ps. 142, 7;
ausz neid sie in martern und plagn.
H. Sachs 1, 109, 21;
so hatt mein vatter noch dischgenger und allerlei unmuͦs im haus, also das wir beide junge eeleuth gleich wol geblogt warden. F. Platter 321; es kan sich auch wol zutragen, das der breutigam zugleich zwo frauen mus haben, an der tochter und schwiger, die ihn von beiden seiten plagen. Mathes. hochzeitpred. Vv 4ᵃ;
der ist ein hart geplagter man.
Ringwald laut. warh. 33;
man thut uns in den bann, man tröstet, man verjaget
und meint, man diene gott iemehr, iemehr man plaget.
Logau 1, 9, 36;
(die esel) wider gebührnisse plagen.
1, 10, 70;
unterdrückte, geplagte heulen zu ihm (gott) auf. Schiller 2, 181 (räuber, schausp. 5, 1);
ihr eifersüchtigen, die ihr ein mädchen plagt.
der junge Göthe 1, 148;
was plagt ihr armen thoren (dichter) viel
zu solchem zweck die holden musen?
werke 12, 12;
es klopft? herein! wer will mich wieder plagen?
12, 79;
freilich war diesem herrn .. ein solcher anlasz sehr erwünscht, seinen verwandten auf alle weise zu plagen. 18, 295; plagen durch, mit:
(soll ich) durch stark getränk und guten wein
der seelen reines wesen plagen?
Hofmannswaldau der sterbende Socrates 16;
(die armen) teglich plagen
mit aufsetz, fron, rendt, zins und gült.
H. Sachs 3, 228, 7;
(sie werden) im gefengnis mit hunger und durst geplagt.
Schade sat. 1, 159, 163;
darumb hetten sie (könige von Neapel) gar oft die bäpste mit kriege geplagt. Forberger Guicciardini (1574) 3ᵇ; er blagte sie (die belagerten) stark bei tag und nacht mit fewr werfen und grobem geschüz. S. Bürster 48; einen mit vorwürfen, bitten u. dergl. plagen; mit angabe der wirkung:
(die die armen leute) mit langer jagt
beschweret und zu todt geplagt.
Ringwald laut. warh. 243;
welchen sein weib stet nacht und tage
mit kifern (keifen) gar zu tod wolt plagen.
Eyering 2, 512.
plagen an:
meine mutter war zu hoff ein glatte kammer-magd,
die der fürst hat etwa selbst an der jungferschaft geplagt.
Logau 1, 8, 80.
plagen um (etwas zu erlangendes): da wir ihn um arznei plagten. Göthe 11, 45; das geld erinnert mich, das ein verwünschter schelm von wucherer mich schon seit lange um hundert pistolen plagt. Schiller 14, 146 (der neffe als onkel 1, 10); bair.-österr. plogn, plaugn, plobm, s. v. a. sekieren Schm.² 1, 457.
f)
von sachen, die grosze beschwerde machen:
du weist, wie könige ein schweres eisen plaget.
Hofmannswaldau heldenbr. 21.
2)
reflexiv, sich quälen, abmühen (bair.-österr. si plogn, plobm Schm. a. a. o.):
der muoszt sich plagen sam ein chruog.
Wittenweiler ring 53, 11;
wenn ein gott sich erst sechs tage plagt,
und selbst am ende bravo sagt.
Göthe 12, 124;
pudel, der auf seine weise
sich auf der spur des herren plagt.
12, 62;
ledig aller pflicht
hört der pursch die vesper schlagen,
meister musz sich immer plagen.
Schiller 11, 314;
ei vater, warum steigen wir denn nicht
geschwind hinab in dieses schöne land,
statt dasz wir uns hier ängstigen und plagen?
14, 351 (Tell 3, 3).
sich plagen mit: wir haben uns mit dem teufel zu plagen. Luther tischr. 284ᵇ; mach dich selbs nicht trawrig und plage dich nicht selbs mit deinen eigen gedanken. Sir. 30, 22; in der fast plagen sie sich mit groszem abbruch. Frank weltb. 192ᵇ;
wie Adam schon sich mit dem feldbau plagt.
S. Dach 272 Öst.;
mit angabe der wirkung:
da soll er mit gewalt ein bücherhaase sein
und plagen sich zu todt mit griechisch und latein.
Rachel 4, 232;
sich plagen um arbeit, um nahrung u. dergl.
Zitationshilfe
„plagen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/plagen>, abgerufen am 13.10.2019.

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