plackerei f
Fundstelle: Lfg. 10 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1874, Z. 69
aus nd. plackerije, das placken (1).
1)
die beschwerliche mühe und arbeit, schinderei, quälerei, schererei, chicane, vexatio Stieler 1459: denn wir nichts als mühe, plackerei und andere ungelegenheit darvon haben. Schoch studentenl. H 5; hernach hastu übrige zeit, deine saalbaderische plackerei ihr vorzukeuen. kunst über alle künste 91 Köhler; wenn man .. darauf verfallen wäre, dem alten .. viel kummer, plackerei und ausgaben .. erspart zu haben. Wieland 35, 126;
ein kind in windeln
machte mir mehr plackerei (als ...)
18, 272;
so wär' die plackerei
auf einmal aus.
Lessing 2, 258;
Marthe. hat er so aller treu, so aller lieb vergessen,
der plackerei bei tag und nacht!
Göthe 12, 153;
das erdentreiben, wie's auch sei,
ist immer doch nur plackerei.
41, 171;
um die plackerei los zu werden. 30, 118; ist es nicht eine wahre plackerei. J. Paul Hesp. 1, 144. — plur. unnachbarliche handlungen und plackarien. Dief.-Wülcker 803 (vom j. 1564, Frankfurt); vexationen, plackereien Kant 6, 363. 10, 146; (nachbarliche) plackereien und seccaturen. Wieland Hor. br.² 2, 165, vergl. 148; dem kaiser .. waren die plackereien (gegenseitige befehdungen) höchst verdrieszlich. Göthe 26, 125;
ich habe lang genug
mich diesen stäten plackerein bequemt,
die mich gepeinigt ohne sinn und zweck.
Platen 3, 265;
selbst des sonntags wuszte man mich anzubinden durch allerlei plackereien. Gotthelf schulm. (1859) 1, 116.
2)
die erpressung, gelderpressung, rogatus impudens, exactio Stieler. Dähnert 352ᵃ: die Wenden, die er sehr mit tribut und plackerei beleget hatte. Micrälius a. Preuszen 2, 202;
der tyrann ob dem halsz mir (dem kloster) leit
mit seiner groszen plackerei.
H. Sachs 16, 88, 33.
3)
namentlich (in der älteren sprache) der straszenraub, md. die pleckerei Lexer 2, 279 (nach 1450), mit verschobenem anlaute pflackerei chron. d. stadt Elbingen 44, 2. 74, 7, 26: roberie und plackarie Longolius beschäftigung mit bew. nachrichten 1, 23 (vom j. 1422, s. Germania 28, 395);
im Heegäu ligt ein hohes schlosz,
darauf treibt man die plackarei so grosz.
Liliencron volksl. 269, 1 (vom j. 1572);
reut ausz die plackerei und wucher grosz,
mach sicher wandern auf wasser und strosz.
344, 152 (vom jahre 1520);
dieberei, reuberei und plackerei. Luther 2, 119ᵃ;
straffung aller plackerei.
H. Sachs 2, 372, 6;
gott dankt als volk, das es war
des krieges und der plackerei ledig.
7, 418, 35;
welcher in der plackerei ergriffen .. werde, der solle ohne alle erbärmdt mit dem strang gericht werden. Zimm. chron.² 2, 394, 8;
der hab durch das land alle straszen
von rauberei gefreit dermaszen, ...
dasz man fast in dem gantzen land
gar hör von keiner plackerei.
Ayrer 1254, 36;
plackerei oder straszenrauberei. Fischart Bodin (1591) 215ᵃ; das sie ihres gewohnlichen ausfallens und plackerei abstehen müsten. Schütz Preuszen 9; haben allerlei plackerei auf die nachbarschaft und den reisenden mann geübet. ebenda; plur. plackereien und straszenraubereien. Dief.-Wülcker 803 (vom j. 1531, Torgau); es ist aber, gott lob! solche plackereien in unserer landsart vil vergangen. Zimm. chron.² 3, 110, 17;
hingegen Mopsus haszt den scharffen drommel-thon,
als der ein zeichen sei zu plack- und raubereien.
schles. Helikon 1, 269.
plackerei f
Fundstelle: Lfg. 10 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1875, Z. 56
das placken (2).
1)
das zusammenflicken, zusammenstoppeln: ist seine (des procurators) kunst nichts anderst denn plackerei, die er ausz allen winkeln zusammen plackt. Kirchhof wendunm. 134ᵃ. vgl. Weinhold schles. wb. 70ᵃ.
2)
was plackwerk 2: der flüszig sand ausz den wassern dient basz zur .. plackerei als zum steinbinden. Sebiz feldbau (1580) 34.
Zitationshilfe
„plackerei“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/plackerei>, abgerufen am 19.10.2019.

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