pfad m
Fundstelle: Lfg. 9 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1582, Z. 9
ein schmaler gangbarer weg, fuszweg, weg überhaupt. ahd. phad, pfad, phath, fad und mit unverschobenem anlaute pad (Otfrid); mhd. phat, pfat, md. phat und pat; mnd. pat, nd. nnl. pad; ags. pæþ, engl. path; altfries. path, pad. das wort fehlt also dem goth. alts. und altn. gramm. 1, 397 wird entlehnung aus griech. πάτος vermutet, wogegen Kluge 250ᵇ bemerkt, dasz wegen des ags. und engl. th (welches auch vom ahd. d vorausgesetzt wird) das wort in Deutschland schon vor dem beginn unserer zeitrechnung müsse vorhanden gewesen sein, dasz aber das germanische keine so frühen lehnworte aus dem griechischen kenne und nur eine mittelbare entlehnung daraus oder eine unmittelbare aus dem skythischen (vgl. zend. path weg) denkbar sei, in welch letzterem falle das wort erst nach der urgermanischen verschiebung zu uns gekommen wäre. ahd. mhd. und mnd. mit männlichem oder sächlichem geschlechte gebraucht, das letztere auch vereinzelt noch bei Rachel 6, 253. 8, 147. den mhd. plur. pfede (vom m.) gebraucht z. b. noch Melissus ps. K 1ᵃ. S 5ᵃ, wofür nun pfade, entstanden aus dem mhd. pl. pfat (vom n.), wie worte von wort u. s. w. in bair.-österr. mundarten ist pfad nicht üblich, s. Schm.² 1, 419.
1)
im eigentlichen sinne. es heiszt nhd. (fürs mhd. s. wb. 2, 484ᵃ. Lexer 2, 230) der pfad führt, leitet, geht nach, zu; einen pfad oder auf einem pfade leiten; den oder auf dem pfade gehen, reiten, wandeln; den pfad treten, betreten; des pfades gehen, kommen; vom pfade abkommen, den pfad verlieren u. s. w.: da trat der engel .. in den pfad bei den weinbergen. 4 Mos. 22, 24; der son gieng seines pfads. buch der liebe 211ᵃ; damit sie nur bald irs pfads kemen (bald auf den weg, fort kämen). Wickram rollw. 151, 14 Kurz;
das sie nur bleiben auf dem pfad,
darauf er sie gefüret hat.
Dedekind christl. ritter 59ᵃ;
reiten wir indesz
auf diesem pfade fort, der ohne fehl
uns wieder in den heerweg bringen wird.
Wieland Oberon 18, 50;
durchs gebüsche
geht der pfad nach der hütte.
der junge Göthe 2, 8;
hier sind, so scheint es, wandrer wohl bedacht;
denn jeder fände pfad um mitternacht.
werke 3, 140;
wie still wandeln die pfade wir fort!
1, 370;
geh deines pfads, und sei ruhig.
8, 239;
laszt jeden seines pfades gehn.
214;
ich lasse die andern ihres pfades gehen.
16, 96;
aber wo bin ich? es birgt sich der pfad.
Schiller 11, 90,
bald wird der pfad zur stadt der flüchtgen schaar verrannt.
Schulze Cäcilia 12, 129.
näher bestimmt durch ein adjectiv oder particip: inns paradisz fahren .. fein ebens pfades. Fischart Garg. 207ᵃ; gekrümmter Wieland Oberon 8, 2, sandiger der j. Göthe 2, 7, gebahnter Uhland (1879) 2, 260, glatter Freytag ahnen 1, 125, betretener Scheffel waldeins. 15, steiler pfad Lavater nachgel. schriften 1, 348;
ein sichrer pfad soll ..
.. zurück euch beide bringen.
Wieland Oberon 8, 10;
sie wandern lang auf ungebahnten pfaden.
Idris 2, 35;
irrer, verworrener pfad (vgl. irrpfad, irrweg):
nie, nie wirst du auf deinem irren pfad (auf deinen irrfahrten)
von deiner gattin dich begleitet sehen.
Schiller 6, 382;
vom irren pfade wird der ritter oft betrogen.
Schulze Cäcilia 12, 130;
bis sie zuletzt auf wild verworrnem pfad
dem heilgen hügel sich .. naht.
16, 47;
deine (Amors) fackel .. leuchtet im dunkel uns vor.
aber du führest uns bald verworrene pfade.
Göthe 1, 371.
schweiz. pfad, besonders die schneebahn (s.pfaden) Stalder 1, 160. — auch von wasser- und luftwegen: dein weg war im meer und dein pfad in groszen wassern. ps. 77, 20;
aber die freier im schiff durchsegelten flüssige pfade.
Voss Od. 4, 842;
alle nun eingestiegen durchsteuerten flüssige pfade.
Il. 1, 312
(eingeschifft, durchsegelten sie die strömenden pfade.
Bürger 189ᵇ);
wie ein meer, das auf verworrnen pfaden,
vom nahnden sturm allmälig aufgeregt,
um alle inseln rauscht.
Schulze Cäcilia 17, 28;
(der wildbach) wühlt sich sein bette selbst und bricht sich bahn,
nicht des gemessnen pfades achtet er.
Schiller 14, 72 (braut von Mess. 2, 6);
des himmels
weiszlicher, schimmernder pfad (die milchstrasze).
Klopstock 2, 183, vgl. 179;
(so soll) Amor mich des äthers pfade lehren.
Wieland Idris 3, 27;
niemand sah des donners pfad.
Uhland (1879) 1, 7;
der aar schwingt sich einmal frei auf und zieht seine eigenen pfade im sonnenlicht. Freytag ahnen 1, 177.
2)
uneigentlich (mhd. beispiele Lexer 2, 230 f.): zum zeiten Jael waren vergangen die wege, und die auf pfaten gehen (einen guten wandel führen) solten, die wandelten durch krumme wege. richter 5, 6;
auf ihren pfaden (lebenswegen) soll die freude sprieszen.
Schiller 14, 67 (braut von Mess. 2, 5).
näher bestimmt durch ein adjectiv oder einen genetiv: auf dem rechten wege ist leben, und auf dem geebneten pfad ist kein tod. spr. Sal. 12, 28;
das du mit lobwirdiger that
tretest ir (der regenten) richterliche pfad.
H. Sachs 1, 218, 24;
kenner werden ... überall den denkenden kopf spüren, der neue pfade durch unbekannte gegenden zeichnete. Lessing 6, 368, vgl. 373; scheu vor dem breiten pfad zur hölle. Freytag ahnen 5, 236. — kom nicht auf der gottlosen pfad und tritt nicht auf den weg der bösen. spr. Sal. 4, 14;
wol dem, der nicht unrecht handelt
noch tritt auf der sünder pfad.
P. Gerhard 44, 4 Gödeke;
er ist allein der herr, des lebens licht und pfad.
Weckherlin 97;
dornige pfade
verworrnen lebens.
Göthe 4, 101;
schnell
geebnet zeigt des lebens pfad sich ihm.
9, 354 (nat. tochter 4, 4);
es ist raserei, sich in den pfad seines grimms zu werfen. 42, 189 (d. j. Göthe 2, 168); der volle mond .. beleuchtet die pfade des todes. 22, 200; sie sagen, dasz damals der mehrtheil unserer krieger den pfad des todes wandelte. Freytag ahnen 5, 236;
drum fliehe vor der wollust pfade.
Gellert 2, 107;
warum hab ich den pfad der tugend nicht erlesen!
Cronegk 2, 125;
von gemeiner
bahn (du) mich führtest zu geheimer
weisheit pfad.
Stolberg 1, 183;
aber auf treuerem pfad der gefühle
wandelt die frau zu dem göttlichen ziele.
Schiller 11, 35;
noch immer bin ich nicht auf den pfaden der dichtung. Göthe an Schiller 118 (1, 245).
pfäd m
Fundstelle: Lfg. 9 (1887), Bd. VII (1889), Sp. 1583, Z. 57
pedor Schottel 1374. Stieler 481. s.pfäden, pedere.
Zitationshilfe
„pfad“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/pfad>, abgerufen am 14.11.2019.

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