papier n.
Fundstelle: Lfg. 8 (1886), Bd. VII (1889), Sp. 1435, Z. 40
mhd. papier, spätmhd. bappier, papîr, pappîr (woraus die form papeir, papeier) Dief. 103ᵇ. 411ᵃ, nov. gloss. 279ᵇ; entlehnt aus franz. papier, nach Diez⁴ 654 nicht wol unmittelbar vom griech.-lat. papyrum, papyrus, sondern vom adj. papyrius durch versetzung des i und verwandlung desselben in e, wofür das prov. papiri zeugt. leinenpapier wurde in Deutschland schon seit anfang des 14. jahrh. verfertigt (s. zu U. Stromer 77, 26), der eigentliche aufschwung der papierfabrikation begann aber erst mit der erfindung der buchdruckerkunst. vgl. Wattenbach das schriftwesen im mittelalter 92—99. Sotzmann im Serapeum 7, 97 ff.
1)
papier um darauf zu schreiben, zu drucken, zu zeichnen oder malen, etwas darin zu verpacken u. s. w. (s. schreib-, druck-, brief-, noten-, zeichen-, packpapier): papir machen U. Stromer 77 ff.;
und wil erst gut pappir darausz (aus haderlumpen) machen.
fastn. sp. 375, 8. 792, 32;
das papier, das wir iezo brauchen (gemacht von alten hadern ..) ist lang hernach erst erfunden worden. Aventin. 4, 373, 13; darausz (papyrus) man grosze bletter zum schreiben macht, darvon heiszen wir unser zerrissen hader, darausz man schreibpletter macht, auch papyr. Roth dict. (1571) L 8ᵇ; rein und weisz papyr, darinn nüt geschriben ist; verschriben papyr; etwas in bösz papyr einwicklen. Maaler 315ᵇ; flieszend papyr (s. fliesz-, löschpapier). Serranus syn. 71ᵇ; holländisch papier Göthe 24, 875 H.; papier glätten (das papier wird nach dem leimen und trocknen geglättet). Jacobsson 3, 191ᵇ; glattes, geglättetes papier Göthe an Schiller 413. 494 (4, 55. 286); feines papier der junge Göthe 1, 166; früchte ... in weiches papier gewickelt. werke 29, 326; geöhltes papier 18, 269; gefärbtes papier an Schiller 496 (4, 290). — namentlich schreib- und druckpapier (das papier, dieser jüngste schreibstoff, welcher nach und nach alle übrigen verdrängt hat .., hüllt seinen ursprung in ein dichtes dunkel, welches wol nie völlig gelichtet werden wird. Wattenbach das schriftwesen im mittelalter 92): mir (wir) kinder .. muͦszten auch papir strichen (die druckbogen falzen), das uns etwan die fingerlin bliebten wolten. F. Platter 141 B.;
hie hab ich grobe fedren gschnitten,
hab auch gnuͦg dinten und papeir (: steur).
Scheidt Grobian. 99;
er nam sein schreibzeüg, papeir, fäder und dinten. Wickram rollw. 96, 16 Kurz; darumb wil ich dimpten und bapeir sparen. Zimm. chron.² 1, 554, 38;
besser, das pappier verschreiben, als ..
Logau 3, 8, 91;
etwas zu papier bringen, aufs papier bringen oder werfen, auf dem papiere befestigen, etwas niederschreiben, aufzeichnen: was dann derselbig urtheilt und spricht, soll vom gerichtschreiber .. aufs papier bracht werden. Kirchhof milit. disc. 249; wann man sie (worte) zierlich ... auf das pappier bringen kan. Albertinus narrenhatz 343; viel tausend dinge sind hiebevor in der welt geschehen, welche eben nicht zu papier sind gebracht worden. Schuppius 235; wünschen wolte ich, dasz ich auf einmal auf das papier werfen könte, was ich darvon in gedanken habe. 789; zu papier gebrachte bedenken. Leibnitz 1, 206; er hatte ... schon einige der vornehmsten stellen und gesänge in verse und zu papiere gebracht. Göthe 18, 269; ich schrieb den Werther in vier wochen, ohne dasz ein schema des ganzen, oder die behandlung eines theiles irgend vorher wäre zu papier gebracht gewesen. 26, 226; ich komme noch lachend aus der tragödie und musz diesen scherz gleich auf dem papier befestigen. 27, 124; aber sind das unsere früchte was wir aufs papier sudeln, geschrieben oder gedruckt. d. j. Göthe 1, 398; aufs papier drucken. werke 37, 271; blosz auf dem papier stehn (nur aufgezeichnet und in wirklichkeit nicht vorhanden sein). Lessing 1, 500; sprichwörtlich mit papier und dinten zahlt man viel. Lehmann 914, 6; das papier ist geduldig; das papier läszt drucken was man will. Simrock 416;
grobe worte, gelind papier.
Göthe 3, 301 H.
2)
ein beschriebenes oder bedrucktes blatt.
a)
eine schriftliche aufzeichnung:
schmuck, bild, metall und ein gelehrt papier
ist nichts als spreu und leichter staub vor mir (der ewigkeit).
Gryphius trauersp. 151 P.;
ich weisz den inhalt des papiers noch nicht. Wieland suppl. 5, 2, 124; das papier (den brief) erbrechen. Hermes Sophiens reise (1776) 1, 286; das geheimnis liegt im papiere, und meine erben brechen es auf. Schiller 2, 292 (räuber, trauersp. 4, 8);
geschieht auch mein vortrag
ohne brief und papier, so soll er doch treu und genau sein.
Göthe 40, 72.
plural:
sie funden bei mir nichts denn köstliche papier.
Gryphius trauersp. 272 P.;
er zerrisz viele papiere. Göthe 16, 186; er kramte noch viel in seinen papieren. 187; du wolltest zuerst die tagebücher deiner reise mir ... mittheilen, bei dieser gelegenheit so manches dahin gehörige von papieren in ordnung bringen. 17, 11; vielleicht finden sie noch frühere arbeiten von mir unter ihren papieren. Schiller 1, 2; diesen morgen durchstöre ich meine papiere. 4, 40; in beifolgenden papieren finden sie vielleicht ideen, die den ihrigen begegnen. an Göthe 7 (1, 28); die mädchen schossen in den papieren herum, ... wollten lesen, was auf den briefen stand. Gotthelf erz. 4, 15.
b)
urkunde, document, legitimation: der gerichtshalter kam, die papiere wurden vorgelegt. Göthe 20, 134; gerichtliche papiere J. Paul Tit. 5, 182;
die documente sinds, ...
... die papiere,
auf die ich meinen anspruch gründete.
H. v. Kleist 3, 44 (Käthchen von Heilbr. 2, 12).
c)
wertpapier (s. papiergeld, staatspapier, schuldschein, wechsel):
ein klein papier (ein guldenschein) hast du mir abgewonnen.
Göthe 3, 331 H.;
man sieht hier nichts als papier (papiergeld). Seume spazierg. 38; der niedere stand des papiers. Göthe 32, 70; als ich zu hause meine rechnung machte, meine kasse und papiere überschlug. 28, 146.
3)
gekautes papier, übersetzung des franz. papiermâché Campe fremdwb. 457ᵃ (mit Bernds vorschlag, es mit pappen- oder papierteig zu verdeutschen):
gekaut papier! sollt's Junos bildung sein!
Göthe 5, 242.
4)
nach dem bunten oder türkischen papiere (Rädlein 692ᵃ) haben auch verschiedene schneckenarten die bezeichnung türkisches papier: buccinum tuberosum, conus minimus, cypraea amethysta Nemnich 1, 706. 1189. 1346.
Zitationshilfe
„papier“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/papier>, abgerufen am 24.08.2019.

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