pantoffel m.
Fundstelle: Lfg. 8 (1886), Bd. VII (1889), Sp. 1425, Z. 20
im plur. stark- und schwachformig; eine art bequemer halbschuhe mit kürzerem oberleder, auch wol ohne hinterleder (pantoffeln seind halbschuh sonder laschen und hinterleder, werden insgemein mit tressen bebrähmet und mit falbula besetzt, sind auch öfters gestickt; das Leipziger frauenzimmer gehet nach itziger mode in die kirche darinnen. Amaranthes frauenzimmerlex. 1413). frühnhd. aufgenommen aus dem seinem ursprunge nach noch nicht erklärten ital. pantófola, pantúfola, franz. pantoufle (Diez⁴ 233 f.), mlat. pantofla (vom j. 1480) Du Cange 3, 1, 66, pantofala Dief. 410ᵃ (16. jahrh.), mnd. plur. pantufelen, pantoffelen Schiller - Lübben 3, 300ᵃ, pantüffeln fastn. sp. 972, 8 (um 1500), pantoffel, pediteca Schm.² 1, 395, crepida, diabathra (ein sol der Griechen, sandale) Dasyp. L 3ᵇ; pantofflen, vor zeiten ein geschuͦch, das schier nichts dann die solen hat, band man mit kleinen oder schmalen riemlinen an die fuͤsz. Maaler 315ᵇ;
(sie tragen zur vornehmern kleidung gehörende) pantoffel, styffel, hosen, schuͦch.
S. Brant 4, 18;
man bracht im hemat, füchsen schauben,
pandoffel und ein mardern hauben.
H. Sachs 2, 281, 15;
sie haben hohe grosze huͤt uf und unden hohe bantoflen (mit hohen absätzen). Keisersberg evang. 119ᵃ; tragen hohe holtzschuh oder bantoffeln an den füszen, seind oben filtzen und unden höltzen (s.holzpantoffel). Pauli 81ᵃ; wolt gott, ich sehe dir den kopf mit bantoffeln zerknitscht werden. Bolz Terenz 78ᵃ; (kaiser Karl) hat gros weitmaulet schuech wie die pantofel angetragen. Aventin. 5, 153, 6; wan es nas ist oder im winter, stosz man die fiesz mit den schuͦen in die pantoflen (müles) und goth dorin (also hier überschuhe, galoschen). F. Platter 236 B.; vergulte pantoffeln .. desz papsts. Fischart bienenk. (1580) 157ᵃ; des pabsts pantoffel küssen. Ludwig 1373 (vgl. pantoffelkusz);
sie (die jungen mädchen) richten sich fleiszig zu
mit leichten schmalen schu,
mit hohen pantoffelen.
Adrian mittheilungen (vom j. 1600) 371;
sein schneeweisz kleid war schwarz geziert,
sein pantufl hornglanz auspoliert.
Rollenhagen froschm. II. 5, 1 (Ji 5ᵃ);
auf sammaten bantoflen daher schnappen. Albertinus zeitkürzer 108ᵃ; wer ihre füsz betrachtet, der sihet so hohe bandtoffel oder schuch, dasz sie alleinig drauff nit gehen können. landstörzer 378; so legen sie so hohe chapines oder spanische pantoffel an, das sie das ansehen haben, samb (als) seien sie so grosz und lang wie ein andere. weiblicher lustgarten 81ᵃ; ja er habe etliche zeit dero (der geliebten) pantoffel für einen trinkbecher gebraucht. A. a S. Clara Jud. 4, 371; sogar aus ... pantoffeln trinkt man die gesundheit dieser und dieses bald in wein, bald in bier, bald in möth. 3, 246; ist ein alter weiber aberglauben, wenn man die pantoffeln des abends vor sein bett verkehret stellte, könte man nicht des nachts über von dem alp gedrücket werden. Amaranthes frauenzimm.-lex. 1414 (vergl. pantoffelpaar):
auf zwei rosigen pantoffeln
stand als königin sie da.
Herder Cid 15;
man will jetzt freilich, der mann soll ..
immer gestiefelt sein; verbannt ist pantoffel und mütze.
Göthe 40, 235;
klipp! klapp! die pantoffeln fallen. 19, 170; Körner im schlafrock und pantoffel. Schiller 4, 182;
hier findest du ruhe
und weiche pantoffeln.
H. Heine 18, 166.
mundartlich auch toffel Schm.² 1, 590, deminutiv töffelchen H. Heine 18, 255. Sprichwörtlich: aus stiefeln machen sich leicht pantoffeln (aus dem groszen ist leicht kleines zu machen). d. j. Göthe 2, 154; der pantoffel ist das symbol der herrschaft, namentlich der (die pantoffeln tragenden) hausfrau. der tritt auf den fusz (schuh) war symbol der besitzergreifung und der übernommenen herrschaft (Grimm rechtsalterth. 142), so tritt meier Helmbrecht der ihm angetrauten Gotelind auf den fusz (v. 1534, vgl. dazu die anm. von Keinz s. 77: 'es ist hier noch jetzt eine allgemeine unsitte, dasz die am altar stehenden brautleute, sowie der priester den ehelichen bund eingesegnet hat, einander auf den fusz oder ein kleidungsstück zu treten suchen. sie verbinden damit die abergläubische meinung, dasz der zuerst getretene theil zeitlebens unter dem pantoffel stehen werde'). so ist auch der schuh, welcher in manchen mittelalterlichen heiratsgebräuchen als geschenk des bräutigams an die braut erscheint, als symbol der herrschaft zu deuten. Weinhold deutsche frauen² 1, 372. Grimm rechtsalt. 156. daher die sprichwörtlichen redensarten den pantoffel führen, schwingen (das regiment führen); einen unter dem pantoffel haben, halten; unter den pantoffel kommen, unter dem pantoffel sein oder stehn, s. Wander 3, 1172; lobenswürdige anstalten, die narren im respekt und den pöbel unter dem pantoffel zu halten. Schiller 2, 25 (räuber, schausp. 1, 1). Etwas pantoffelähnliches: patella crepidula, der schuh oder pantoffel. Nemnich 2, 877; patella fornicata, der pantoffel, mönchsschuh ebenda (vergl. auch die zusammensetzungen und pantöffelchen). — entstellt aus kartoffel, tartoffel 2, 1319.
Zitationshilfe
„pantoffel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/pantoffel>, abgerufen am 18.10.2019.

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