nation f
Fundstelle: Lfg. 3 (1883), Bd. VII (1889), Sp. 425, Z. 15
das (eingeborne) volk eines landes, einer groszen staatsgesamtheit; seit dem 16. jahrh. aus dem franz. nation, ital. nazione (vom lat. natio) aufgenommen: er (Mithridates) kund mit ietlicher nation ân ein tulmäz für sich selbs reden. Aventin. 4, 523, 31; hat immer ein nation die ander gefressen. 548, 4;
Sassen, darzuͦ auch Heszen,
ein haupt teutscher nacian (: than),
das schwert thuͦt frölich wetzen.
Liliencron volksl. 529, 1 (v. j. 1546 Köln);
nation, volck, eins lands erborne. Dasyp. (1556) K 7ᵃ; nation, ein volck das in einem lande erborn ist, ein gantz geschlecht oder menge eins volcks im landt. Roth diction. (1571) L 1ᵇ; nation, volck. Rädlein 668ᵇ; volk eines lands so darinnen geboren. Frisch 2, 9ᶜ; ein volck, so einerlei sprache, gesetze und regierung hat. Ludwig teutsch-engl. lex. 1314, plur. nationen ebend.; nation, die landes-art, ein gewieses volck oder land, abusive mazion, ration, naschion, matrazion. Belemnon bauernlex. (1728) 115; diejenige menge oder auch der theil derselben, welche sich durch gemeinschaftliche abstammung für vereinigt zu einem bürgerlichen ganzen erkennt, heiszt nation. Kant 10, 349; da wir Deutsche noch keine nation sind! Lessing 7, 452; wenn wir es erlebten, eine nationalbühne zu haben, so würden wir auch eine nation. Schiller 3, 523; land das eine nation bewohnt. Göthe 33, 108; florentinische nation. 34, 70; Amerika ist .. voll von so viel kleinen nationen. Herder id. 1, 43;
und alle nationen zagen.
Uz 1, 241;
dann steigt von allen nationen
dir ein lobgesang empor.
1, 326;
auch von einem bestimmten stande oder geschlechte, die leute desselben: wir mädchen sind doch eine wunderliche nation. Göthe 10, 109; wie mir die nation (die noble gesellschaft) von herzen zuwider ist. 16, 103; die männer sind eine schlimme nation. Musäus märchen 2, 70. überhaupt die art, auf dinge bezogen: schwäb. zierraten von älle nazione. Birlinger volksth. 2, 357. — mundartlich verbindet man mit dem worte gerne die vorstellung des untüchtigen, lumpigen, boshaften: leipzigerisch nation gelichter, lumpen Albrecht 175ᵃ; altmärkisch naotschôn gesindel, lumpenpack Danneil 145ᵇ; brandenburgisch bezeichnen schweinehirt und viehmagd ihre pflegebefohlenen als nation, und ein nationsvolk bedeutet eine sehr üble gesellschaft (s. anzeiger für deutsches alterthum 4, 177); baslerisch d'nazion verächtlich für volk, gelichter. Seiler 220ᵃ.
Zitationshilfe
„nation“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/nation>, abgerufen am 16.07.2019.

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