nöhlen, nölen verb
Fundstelle: Lfg. 5 (1884), Bd. VII (1889), Sp. 878, Z. 16

Unterbegriffe in diesem Artikel

1)
langsam sein im reden und thun.
a)
zunächst auf nd. gebiete: hamb. brem. nöhlen, nölen, langsam sein, zaudern Richey 174. brem. wb. 3, 247; pomm. holst. nölen (daher die spott- und scheltnamen Nölbartel, nölfotze) Dähnert 330ᵃ. Schütze 3, 152; altmärk. näöln, träge und langsam sein im gehen, arbeiten, reden (Näölklaos, Näölpeter) Danneil 144ᵇ; preusz. nählen Hennig 166; ostfries. nölen, zaudern, langsam arbeiten, nichts beschicken Stürenburg 169ᵃ; köln. nööle, zaudern Hönig 119ᵃ; hannöv. nölen, zaudern, in seinem thun ungebührlich langsam sein, ungebührlich langsam sprechen (seine rede ist trocken und nölend. Stromeyer erinn. eines deutsch. arztes 1, 223), aber auch ohne aufhören wovon sprechen Schambach 146. vom nd. drang das wort auch ins dän. (nöle).
b)
md. nur mit dem ê-laute: nordthür. nêle, langsam und ziehend sprechen (daher Nêltonnjes, Nêlpeter, Nêljörge, Nêlsuse) Kleemann 14ᶜ; schles. nêlen, zaudern, langsam handeln, langweilig reden (daher Nêlpeter, Nêlhans) Weinhold 64ᵇ; sächs. nählen zögern, zaudern, in weinerlichem oder keifendem tone zanken (daher Nählliese, Nählsuse) Albrecht 174ᵇ.
c)
nd. und md. ableitungen: nöhler, m., einer der nöhlt Danneil 145ᵃ (näöler), nähler Hennig 166; nöhlert, nölert Richey 175. Dähnert 330ᵃ. Schütze 3, 152. —
nöhlerei f
das nöhlen Richey; nölerîe Schambach; noͤleree, nolerie Schütze; näölerî, schnickschnack Danneil.
nöhlhaftig adj
zauderhaft Richey. Schütze.
nöhlig adj
übermäszig langsam im sprechen und thun Schambach; nêlig Kleemann 14ᶜ.
2)
oberd. im Unterinnthale naͦln, nôln, eine unnütze arbeit thun, besonders wenn man dadurch von etwas anderem abgehalten wird. Frommann 507 (aber Schöpf 471 schreibt nollen, etwas unnützes oder auch schädliches thun); kärnt. nâln und noaln, kindisches zeug treiben, unnütze arbeit verrichten, tändeln Lexer 196. — die zusammengehörigkeit der nd. und md. wörter ist auszer zweifel, und die schon im brem. wb. angenommene (s. auch Frommann 4, 507 f.) entstehung derselben aus dem gleichbedeutenden nd. nötelen, netelen (wie holl. neulen aus neutelen) wahrscheinlich. aber die unter 2 angeführten, auch in der bedeutung von 1 abweichenden wörter gehören (mit wechsel von l und n) wol zu lölle (th. 6, 143 f.): tirol. nôle und nolle, narr, alberner mensch (Schöpf 471), im kärntischen Lesachthale noale und loale gleichbedeutend mit lalle (lölle), schweiz. nol, nôl (Stalder 2, 241), so dasz also nôln, noaln als davon abgeleitete denominativa zu betrachten wären. vgl. auchnoll (nollbruder, nollhart), nollen.
Zitationshilfe
„nöhlen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/n%C3%B6hlen>, abgerufen am 17.10.2019.

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