nächtlich adv
Fundstelle: Lfg. 2 (1882), Bd. VII (1889), Sp. 197, Z. 78
1)
zur nachtzeit, nachts:
ich warf mich nächtlich in dem bette.
Günther 204, 635;
stelle dir nun vor, welche nacht mich nächtlich (jede nacht) presse.
863;
wer .. nächtlich am Helikon
lauscht.
Voss ged. 3, 198;
nächtlich einsam wandl' ich durch die haide.
Tiedge Urania 1, 98;
so durchsprengt der thiere könig nächtlich seines reiches grenzen.
Freiligrath ges. dicht. (1870) 1, 152;
da wards der königin klar
dasz Hiltgund .. nächtlich entflohen war.
Scheffel Ekkeh. 399.
2)
auf nachtähnliche, dunkle, düstere, finstere weise:
doch es tritt ein stygscher schatten
nächtlich zwischen mich und ihn.
Schiller 11, 372;
mich reiszt mein banger gedanke
immer nächtlicher fort.
Klopstock 1, 29;
an dem kreuze, das nächtlicher über die andern heraufragt.
Mess. 9, 674 (in den sämmtl. werken umnachteter);
o, der bannte, was von spuk und sorgen
nächtlich noch auf meinem herzen lag.
Freiligrath ges. dicht. (1870) 3, 32.
nächtlich adj
Fundstelle: Lfg. 2 (1882), Bd. VII (1889), Sp. 196, Z. 72
ahd. nahtlîh, nocturnus. Graff 2, 1021; nachte-, nachtlich. Dief. 382ᵃ; nachtlich voc. 1482 x 1ᵇ; nächtlich geht über die ursprüngliche bedeutung 'nachtähnlich' hinaus und vertritt fast ganz die stelle des älteren nächtig. gramm. 2, 305.
1)
bei nacht seiend oder geschehend, der nacht (nächtliche arbeit, arbeit bei nacht, arbeit der nacht, nachtarbeit): bei nächtlicher zeit. weisth. 3, 272 (v. j. 1580); bei nächtlicher weil. österr. weisth. 6, 235, 27 (16. jh.); nächtlicher weilen. Wickram rollw. 72ᵇ; ein feuer ergriff bei nächtlicher weile den flügel des schlosses. Schiller 15, 2, 421;
er hat mich nun
verwartet bei nächtlicher zeit.
H. Sachs 7, 243, 24 K.;
zu des lagers vergnüglicher feier
bereiten den dunklen behaglichen schleier
die nächtlichen stunden das schöne gespinnst.
Göthe 1, 253;
o wie ein köstlich ding ist das nächtlich singen zur wiegen. Fischart Garg. (1617) J 1ᵇ;
zur güldnen leier schallt sein nächtlicher gesang.
Uz (1768) 2, 15;
als er .. das nächtliche rauschen des ölbaums
lauter vernahm.
Klopstock Mess. 4, 1332;
ein furchtbarer schauer nächtlicher winde.
5, 814;
und behende
stürzte der liebende sich heisz in die nächtliche fluth.
Göthe 1, 262;
was treiben die elfen in graulicher nacht?
sind nächtliche geister.
Tiedge 6, 46;
es (das mädchen) liebt, wie die nächtliche grille
das leben der einsamen stille.
6, 117;
geschrei der nächtlichen eulen. F. Müller Faust 89, 10 neudr.;
(er war) ein graun dem nächtlichen wilddieb.
Voss ged. 2, 128;
bis der nächtliche schiffer ..
an den busen ihr sank.
Matthisson (1797) 43;
und leicht bethör ich sie (die dirne), zum nächtlichen
besuch die schwanke leiter mir zu reichen.
Schiller 14, 334 (Tell 2, 2);
es war eine mächtige bärin, die auf nächtlichem gang ... dort verschüttet worden. Scheffel Ekk. 378; allein steh ich nun auf dem kreuzwege, dem sitze nächtlicher zauberei! F. Müller Faust 92, 19 neudr.; man sagt, es sei bewiesen, dasz sie nächtliches werk geübt habe. Freytag ahnen 5, 186.
2)
in nacht gehüllt, mit nacht bedeckt, nachtvoll: diesz winseln des elends, das von ihnen durch den nächtlichen himmel emporsteigt. Geszner 1, 228;
mein geselliger sanfter schlaf
ging dem auge vorbei .. (es) suchte dich
.. des nächtlichen hains sängerin, nachtigall!
Klopstock 1, 37;
o Wodan, der im nächtlichen hain
die weiszen .. rosse lenkt.
8, 93;
indem an dem nächtlichen kreuze sie schwebten.
Mess. 9, 343 (ausg. v. j. 1760 nachtvollen);
der über den nächtlichen .. wiesen aus den wolken hervortretende vollmond. Göthe 26, 122; ein gesellschaftswagen, der so eben durch die nächtliche stadt seine lustrunde zu machen beliebte. 29, 51.
3)
wie die nacht, nachtähnlich, dunkel, trübe, düster, öde, finster, schwarz, schauerlich:
da stürzet die raubende rotte
hervor aus des waldes nächtlichem ort.
Schiller 11, 287;
wie ein räuber im schatten der nächtlichen höhle.
Tiedge 7, 172;
es horcht der verbannte
in nächtlichen höhlen.
Göthe 9, 79;
so stürzen die geister
geschmäht und geschändet
in nächtliche tiefen.
9, 78;
die richter am nächtlichen strom (Styx).
Klopstock Mess. 7, 415;
umströmt von des himmels nächtlichen wolken.
5, 814;
bei der untersten hölle
und bei ihrer nächtlichsten nacht.
2, 556;
nie will ich dieses nächtliche gewand
mehr von mir legen.
Schiller 12, 548 (M. Stuart 5, 1);
diese schwarze nächtliche gestalt. 4, 263; kamm eines schwarzen nächtlichen hahns. F. Müller Faust 93, 1 neudr.; mit langem trauergewande war sie angethan, und ihr schwarzes haar flosz in nächtlichen wellen .. über ihr antlitz herab. Chamisso (1872) 2, 190;
so flieht der alte hasz mit seinem nächtlichen
gefolge, dem hohläugigten verdacht.
Schiller 14, 62 (braut von Mess. 2, 5);
keine mitternacht ist stummer
als sein nächtliches geschick.
Tiedge 3, 120.
Zitationshilfe
„nächtlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/n%C3%A4chtlich>, abgerufen am 24.07.2019.

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