montag m
Fundstelle: Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2514, Z. 26
dies lunae. ahd. mânetag (fone mânetage, secunda sabbati Notker ps. 47, 1), mhd. mântac, später môntac, umgelautet mæntac, welche letztere form im bair. mæntag, tirol. möntig (neben mûntig, mântig Schöpf 418), schwäb. mentig, schweiz. mæntig, mentig dauert. die schriftsprache hat das erste glied der zusammensetzung in der alten form von mond (s. das. nr. 2) sich erhalten. der name geht über das ganze germanische gebiet: altnord. mâna-dagr, schwed. maͦndag, dän. mandag; ags. mônan-däg, engl. monday; fries. mônadei, mônandei; mnd. mânendach, mândach, niederl. maandag setzen alts. altnfr. mânundag voraus. der montag ist der zweite tag der woche, der erste der werktage, daher auch wol als erster wochentag aufgefaszt: montag, dies lunae, der erst tag in der wuchen. Maaler 293ᶜ; brauch bei einzelnen handwerken war es den gesellen den montag zur arbeit für sich zu lassen: vortmer so hebben de knechte alle maendage vry. in den vryen maendagen mögen se maken tho dem halven jahr veer armborste van erem egenen horne. Rüdiger die hamb. zunftrollen s. 4 (ordeninge der armborsterer von 1458); allgemeiner aber nahmen die gesellen und dann die handwerker insgemein den montag als nachfeier des sonntags:
kein montag hast gearbeit seider (die frau zum gesellen).
H. Sachs fastn. sp. 1, 41, 146;
wo du liegst bei dem wein und spiel
und den montag zum sontag feierst (landsknecht zum handwerksmann).
119, 147;
das hiesz montag halten: welk knecht den mandach holt unde sines heren werc vorsumede, den moghen die wercmestere woll in de hechte (haft) setten. Rüdiger zunftrollen s. 31 (recht der böttcher, von 1375); und der montag selbst der gute montag: nachdem bishero bei etlichen handwerken ein gewonheit gewest, dasz die gesellen auf denselben handwerken in den wochen, unangesehen ob gleich bisweilen darin feiertag fürfallen, guten montag gehalten, welche gewohnheit aber ... mehr zu einem miszbrauch, dann dasz die gesellen den zu ihrer gebührlichen nothdurft gebraucht, gerathen, und dasz durch sie die gesellen an solchen guten montagen fast durchaus nichts anders dann füllerei, unzucht, verwundungen und andere üble laster geübt und getrieben. anz. des germ. mus. 1864 sp. 14 (verordnung des rats zu Nürnberg gegen 1550); weilen auch die handwerksgesellen und knechte zu zeiten etzliche tage müszig und dem trunk nachgehen, unter dem schein, dasz sie einen guten montag halten wollen. pol.-ordng. zu Celle von 1618, cap. 17, § 14; und wofern jn itzliche handwerker die gewohnheit hergebracht hätten, dasz sie guten montag hielten, so soll doch solches allererst den nachmittag geschehen. ebenda; disz jahr wird ein schalkjahr sein von halbhundert guten faulen montagen. Fischart groszm. 18;
eins montags frue zu pet ich lage
gedacht heut ist gueter montage,
da wil dem maister feiren ich.
meisterl. fol. 23, nr. 231;
er blibt doch nit daheim lang sitzen,
der lur ouch nit wol werken mag
und bsunders am guͦten mentag.
Manuel 310, 162 Bächtold;
dafür später der blaue montag, ursprünglich der montag vor aschermittwoch, so genannt von der farbe der altarumhängung in den kirchen (Schm. 1, 1608 Fromm., er hiesz auch der unsinnig montag. ebenda; der fraszmontag. Frisch 1, 669ᵇ), später von den handwerkern auf jeden durch schmausen gefeierten montag übertragen: montags nicht arbeiten, blauen montag machen, (holländ.) kopper-maandag houden. Kramer niderhochteutsch wörterb. 1 (1719), 188ᵇ (vgl. niederl. kopperkens dagh, kopperkens maendagh, i. verloren maendagh, hilaria Kilian); die freude daran läszt ihn selbst als schmeichelwort für eine geliebte verwenden: adieu du mein immerwährender blauer montag! (ein schneider zu seiner braut). Kotzebue dram. sp. 2, 204; sprichwörtlich:
blauer montag, volle kröpfe,
leere beutel, tolle köpfe.
Simrock 381.
andere bezeichnete montage: der stolz montag, der montag nach pfingsten. Schm. a. a. o.; der verlorene montag, dies lunae post trium regum diem. Frisch 1, 669ᵃ; niederd. de swaren mândach, der erste montag nach epiphanias (wo die gewählten magistrate eingeschworen wurden). Schiller-Lübben 3, 21ᵇ; in Franken, im Rheingau und an der Lahn geschworene montage, an denen das ungebotene gericht gehalten wurde (rechtsalt. 820): wann der dreyer geschworn montag gericht zu Büttelbrunne eins sein solle. weisth. 3, 562 (von 1443); auch mag min herr von Wertheim oder sin gewalt dry geschworen montag haben in eim jeglichen jare zu Haidenfeld, und bedarf man desz, so mag man auch zwei aftergericht haben nach jedem geschwornen montag. 564 (von 1420). Sprichwörtliches und volksglaube: rauher montag, glatte woche. Simrock 381; man musz auf keinen montag in den dienst treten, in ein hausz ziehen oder sonst was beginnen, solches wird sonst nicht wochen alt. Leyermatzs lustiger correspondenzgeist (1668) 176; wenn montags iemand frembdes zur stubenthür hinein siehet, und gehet nicht gar hinein, der macht dasz der mann die frau schlägt. rockenphilos. 1, 124. Zeitbestimmungen durch am montag: am mantag früe kom derselbig geraisig zeug herzu gegen der stat. d. städtechron. 2, 172, 12; am mantag und eritag. 10, 262, 9; auf den montag: darnach an dem 16. tag des monats januari, das was auf suntag, da was derselb burgermaister frisch und gesund ... und des morgens frü auf den mentag was er gegangen den weg, den wir alle müeszen gan. 5, 292, 21; datum geoffnet und gesprochen worden uf den nechsten montag vor s. Mertins tag (1384). weisth. 6, 22; darnach auf montag der ersten wochen im advent, zoch Henricus mitten durch das stift von Bremen in Diedmar. Luther 3, 32ᵃ;
drümb rat ich darzw hewr als vert,
das wir in auf den montag henken.
H. Sachs fastn. sp. 5, 99, 17;
der acc. montag, den montag, meint entweder einen bestimmten montag: montag den 1. october; nächsten montag schicke ich das buch; montag denke ich ihnen eine neue ballade zu senden. Schiller an Göthe nr. 329; oder einen jeglichen:
montag reizet uns die bühne;
dinstag schleicht dann auch herbei.
Göthe 1, 166;
gen. montags gewöhnlich das letztere: montags sind wir gewöhnlich in N.; wenn aber manch loses weib des sonntags mit andern losen purschen ... ist spatziren gewesen, ... und kommen alsdenn von solchen schönen spielcammeraden einige des montags drauf, um zu sehen, ob frau Schlampampe auch wohl geruhet habe. rockenphilos. 1, 125.
Zitationshilfe
„montag“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/montag>, abgerufen am 20.09.2019.

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