mond m
Fundstelle: Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2497, Z. 9
luna; mensis.
1)
dasz das uralte gemeingermanische wort für den mond, goth. mêna; altnord. mâni, schwed. maͦne, dän. maane; ags. môna, engl. moon; altfries. môna; alts. altnfr. mâno, mnd. mane, ndl. mane, maan; ahd. mâno, mhd. mâne, mit litt. mėnuͦ mond, altslav. měse̹cî mond und monat, griech. μήν monat, lat. mensis, sanskr. mâs mond und monat urverwandt sei, und auf der wurzelmessen beruhe, sein begriff also der des zeitmessers sei (vergl. dazu unter monat 1 sp. 2484), ist ziemlich allgemein anerkannt. im niederd. sprachgebiete, noch nicht altsächsisch, aber seit der mnd. zeit tritt das wort als zwiegeschlechtig, neben dem masc. auch als fem. auf: clarer wan de mane in erem vullen. Schiller-Lübben 3, 19ᵇ; und so noch jetzt westfälisch: maͦne als fem. Woeste 169ᵇ; auch hochdeutsch erscheint bisweilen das fem., nicht nur in quellen niederdeutscher heimat: in der blauen fane war die mane und in der roten die sonne gemalet. M. Röchell († 1606) Münstersche chron. (1856) 145; sondern selbst mittel- und oberdeutsch (wo sonst eine feminine weiterbildung mæninne, mænîn mond sich findet, vgl. mhd. wb. 2, 1, 55ᵃ):
ze sælden schîne im îtslîch stern, diu mâne unde ouch der sunne.
minnes. 3, 107ᵇ Hagen;
nicht ensalb dîn gebain
so die mon treitt wasser hain.
Germ. 8, 109 (und noch öfter in diesem schwäbischen denkmale des 15. jahrh.);
doch im ganzen vereinzelt, und seit der regelung unserer schriftsprache nicht mehr. Fischarts die bolzgelustig jungfraw mon. groszm. 94 ist in gelehrter beziehung auf Luna gebildet.
2)
die aus mhd. mâne seit dem 14. jahrh. erwachsene form mône, môn (von dem mônen. Megenberg 64, 22), wird im 15. jahrh. oberdeutsch die gewöhnliche, wie sie heute noch mundartlich daselbst meistens gilt (neben bair. mân, tirol. mân, môn, mûn, maun, kärntn. mûne, alem. môn, im Wiesenthale mô: lueg, müetterli, was isch im mô? Hebel 1, 128), verbreitet sich auch mitteldeutsch, und hält sich, wiewol Luther sie nur ausnahmsweise braucht: des mons schein. Jes. 30, 26;
und auf dem mon
jr füsze ston.
in Wackernagels kirchenl. 3, nr. 40, 2,
nicht nur im 16. jahrh. recht gewöhnlich: himel, erde, sonn, mon und sternen. J. Jonas bei Luther 6, 418ᵃ; narren .. die da meinen, sie haben milch im napf, so scheint jhn nun (l. nur) der mon drein. S. Frank sprichw. 2, 197ᵇ; zuͦnemenden mon wil jederman hon. Agr. spr. 90ᵇ; wan der mon oder das wetter sich verkert. Zimm. chron. 4, 151, 13; die gewülken dem mon sein schein genommen hetten. Bocc. 1 (1580), 85ᵃ; so der mon wächset. Forer fischb. 143ᵇ;
erdtbidumb, krieg werden wir hon,
vyl zeichen sehen in sunn und mon.
P. Gengenbach x alter 824;
desz tags bist mir ein helle son,
desz nachts ein klarscheinender mon.
P. Melissus bei Opitz 1624 s. 165;
sondern selbst noch bis in das spätere 17. jahrh. häufig: das natürliche liecht leuchte im menschen wie der mohn, nehme ab und zu. Zinkgref apophth. 1, 210; eine von unsern mägden wird wie der mon zunehmen. Simpl. 4, 70 Kurz;
alszlang sonn und mohn wehret.
Weckherlin 73;
der schatten hatt das licht hinweggetrieben schon,
ein wenig leuchte noch der ungewisse mon.
D. v. d. Werder Ariost 15, 54, 4;
der schöne mon   will untergohn.
Spee trutzn. 165, 53 Balcke;
der mohn verbirget sich.
Rist Parn. A 7 g;
was dünket euch vom moon, solt auch absonderlich
ein unbekantes land in ihm erweisen sich?
684;
wogegen mon im 18. jh. nur noch vereinzelt und alterthümelnd:
und wärs der mann im mon
der ihn gestohlen,
ich will ihn wieder hohlen;
es ist ihr habt ihn schon!
Wieland 18, 308 (sommermärchen);
sonn und mon (: thron).
10, 331 (schach Lolo);
dichter des 17. jahrh. geben mon, aber gen. des monden:
mein licht, mein mohn, meine sonne.
P. Fleming 513;
wie desz monden voller schein.
515;
Pappus sagt: er sei die sonn, und fraw Ziza sei der mon;
wann der mon nicht stets ist voll, macht er eine hörner-kron.
Logau 1, 212, 86;
Lucas nennet seine liebste, seine flammen, seinen blitz,
seine sonne, seinen monden (merket!) seinen rittersitz.
3, 5, 95;
verkürzung des stammvocals kommt vor und wird durch schreibung angedeutet:
sonne,   monne,
sammt den sternen.
Rompler 185;
auf ihr fuszt ein wortspiel bei Fischart mit mann: und ist der mon in einem bösen zeichen, wann er dasz weib schlägt. groszm. 112. die schwache declination wird auch durch die starke ersetzt: der sunnen und des mones. d. städtechron. 8, 311, 9;
sie striten bie des mânes schîn.
livl. reimchron. 6934;
des wankelbahren mohns unwankelbahren glanz.
Weckherlin 26;
ihr gehört der plur. möne an: ein jedes theil ist anzusehen wie zween halbe möne gegen einander über. Tabernaem. 413; der einem mhd. bezeugten mæne entspricht:
ir liuhten daʒ was sô getân,
als man zwên volle mæne
sæh an dem himel stân.
Ecken liet 70, 12 Zupitza.
3)
unsere heutige form mond erscheint seit dem 14. jahrh. theils schwach, theils stark decliniert: luna der mant, mont, monde Dief. 339ᵇ; mond am himmel, luna. voc. inc. theut. o 1ᵇ; die hawer sullen hawen das holcz zu rechter zeit an den monden. Nürnb. pol. ordn. 307; sie ist wol unter einwirkung von monat, mhd. mânôt, mânet entstanden, da sich die bedeutungen beider worte früh mischen (vergl. sp. 2484 und nachher nr. 7). Luther braucht mond gewöhnlich (vergl. oben 2), in schwacher declination: der sonnen und des monden. 2 kön. 23, 5; den monden und die sterne, die du bereitest. ps. 8, 4; das dritte teil des monden. offenb. 8, 12; auch in starker: und werden sie zerstrewen unter der sonnen, mond und allem heer des himels. Jer. 8, 2; der die sonne dem tage zum liecht gibt, und den mond und die sternen. 31, 35; nach dem mond rechent man die feste. Sir. 43, 7; doch ist die von ihm gebrauchte form im 16. jahrh. noch die seltenere:
auf gieng der mond mit hellem glast.
H. Sachs fastn. sp. 1, 22, 24;
das dich des tags die sonne
mit ihrer hitze nicht rühr,
auch nicht des nachts der monde
mit seinem schein verschür.
Wackernagel kirchenl. 3, nr. 821, 9
(dem verfasser war mone gerecht, wie der reim lehrt, dem setzer oder korrektor monde); und erst im 17. jahrh. breitet sich die form mond aus (Schottel 1365 verzeichnet noch mon und mond neben einander), zunächst schwach decliniert, und mit den nebenformen des nom. monde und monden (letztere von Steinbach 2, 74 neben mond besonders aufgeführt):
der bleiche monde hat eilfmal erst abgenommen.
Opitz 1, 31;
wann dich stern und monde blendt.
P. Gerhard 94, 33;
sonn und monden sind die augen an dem cörper dieser welt.
Logau 2, 4, 4;
ist das silber auch ein monden, wie chimisten etwa meinen,
wie dasz mir dann dieser monden nie wil an der völle scheinen?
18, 53;
der monden stellt sich für die sonne und macht sie finster eine zeit.
3, 124, 30;
gen. des monden: noch einmahl hat sich dis jahr ein regenbogen des monden blicken lassen. Micrälius alt. Pomm. 5, 332;
ihr antlitz (war) durch den schein des monden angefüllt.
Günther 509;
starke formen aber nehmen in der neueren sprache so überhand, dasz die schwachen nur noch ausnahmsweise erscheinen: die flecken, die wir noch heut zu tage in dem gesichte des monden finden. Gellert 3, 60;
da gingen andre sonnen
und andre monden auf.
Göthe 1, 127
(einige weitere beispiele unten 6, b), soweit nicht in der bedeutung 7 noch heute schwache formen haften, vergl. dort, und soweit nicht in der composition neben der starken auch die schwache form vortritt (vgl. unten die zusammensetzungen unter mond-, mondes- und monden-).
4)
mond, den nebenplanet der erde bezeichnend. genannt werden gern zusammen sonne und mond, sonne, mond und sterne: das du auch nicht deine augen aufhebest gen himel, und sehest die sonne und den mond, und die sterne. 5 Mos. 4, 19; man wird dich fürchten, so lange die sonne und der mond weret. ps. 72, 5; sonn, mond und sterne scheinen. Baruch 6, 59; bald aber nach dem trübsal der selbigen zeit, werden sonn und mond den schein verlieren, und die sterne werden vom himel fallen. Matth. 24, 29; du wirst sehen, dasz kein gebrauch der gestirn seie, kein kraft des bewegenden geists, kein gemeinschaft des elements mit dem andern, der sonnen mit dem mond. Schuppius 702; er lobt mich in gegenwart von sonne, mond und sternen. H. Heine 2, 272;
noh sunna ni liuhta,
noh mâno noh der mâreo sêu.
Wessobrunner gebet 4;
mîn lachen stât sô bî sunnen der mâne.
minnes. frühl. 84, 8;
so lang die sonn am himmel ston
blybt sampt dem mon.
Wackernagel kirchenl. 3, nr. 833, 3;
es ist das feur, das hitzt und brennt,
so weit fast sonn und mondt sich wendt.
P. Gerhard 8, 10;
er heiszt der liebe (vergl. dazu sp. 899, nr. 8, d), traute, blasse, silberne mond; schön wie der mond. hohel. 6, 9; auch ein lied an den lieben mond. Bürger 55ᵃ;
sam der liehte mâne   vor den sternen stât.
Nib. 760, 3;
auch kam der liebe mond hervor,
und leuchtete so schön.
Hölty 16 Halm;
wenn der silberne mond durch die gesträuche blickt.
102;
die wallende bebung des schweigenden sees,
.. silbern vom schwimmenden monde.
Stolberg 1, 105;
nun sinkt die sonne. säume nicht, trauter mond!
107;
(ein weib) schön
wie der blasse mond zu sehn.
165;
der stille mond:
(er) betrachtet den stillen mond, der herab sieht.
Cronegk 2, 52;
sie leuchten, wie der stille schein des monds,
dem wandrer spärlich auf dem pfad zu nacht.
Göthe 9, 182;
der frieden ins herz gibt:
mir ist es, denk ich nur an dich,
als in den mond zu sehn;
ein stiller friede kommt auf mich.
1, 110;
die beiden hauptphasen heiszen der neue, der volle mond: et sicut luna perfecta in eternum, unde alsô iemer foller mâno. Notker ps. 88, 38; hab ich das liecht angesehen, wenn es helle leuchtet, und den mond, wenn er vol gieng? Hiob 31, 26; so leuchtet er, .. wie der volle mond. Sir. 50, 6; neomenia, nû mâne, neuer mon Dief. 378ᵇ; wer kein geld im beutel hat, der soll sich hüten, dasz wenn der mond neu ist, er ihm nicht in beutel scheine, sonst wird er, so lange dieser monat währet, geldmangel leiden. rockenphilos. 2, nr. 14 (s. 190);
der volle mond ist schön und klar.
P. Gerhard 160, 61;
da, durch dunkle tannenbäume,
stieg der volle mond herauf.
Körner 2, 106;
der mond war wieder neu.
Lichtwer fabeln 4, 16;
der wachsende, zunehmende, der abnehmende mond; dasz wir sagen, der mon wachse und nemme ab. Sebiz feldb. 47; wer in ein neu logiament ziehet, der soll es im zunehmenden oder vollen mond thun. rockenphilos. 3, nr. 55; der halbe mond, namentlich im ersten und letzten viertel, vgl. unter halb th. 4², sp. 185; der mond ändert sich: dasz sich der mond nicht zweimal ändern sollte, ehe ich mich durch meine eigenen augen überzeugt hätte was an der sache wäre. Wieland 27, 128; er wechselt, der wechselnde mond: der wechselnde mond predigt uns busze. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 435 (kabale und liebe 3, 4);
monde wechseln und geschlechter fliehen.
11, 54;
der mond geht auf, scheint, strahlt, wird finster, zieht, geht unter: da stund die sonne und der mond stille. Jos. 10, 13; sihe, der mond scheint noch nicht. Hiob 25, 5; ehe denn die sonne und das liecht, mond und sterne finster werden. pred. Sal. 12, 2; die sonne gehet finster auf, und der mond scheinet tunkel. Jes. 13, 10; der mond wollte nicht herauf, nicht hinter den schneewolken hervor. der junge Göthe 3, 42; ich will hin, .. und dort sein, eh der mond noch aufgeht. 566;
jetz schein die ganz nacht der mon.
H. Sachs fastn. sp. 2, 143, 58;
dieweil der mond heint gar nit scheint.
4, 27, 155;
wie wunderlich all zeichen gon,
am himel, sternen, sonn und mon,
ein jedes seinen umbgang hat
gerings herumb.
Grobian. C 4ᵃ (v. 734);
der mond ist aufgegangen,
die goldnen sternlein prangen
am himmel hell und klar.
Claudius bei Herder z. litt. 8, 194;
seine leyer verstummt; mit melancholischem scheine
sieht er den mond ihn umstralen.
Cronegk 2, 53;
heller blinkte der mond!
Hölty 69 Halm;
der mond ists, so der wolk entrollt,
ins kirchenfenster schimmert.
174;
da kömmt der mond! o sehet!
Voss 5, 152;
berg und thal und forst
vom günstgen mond erhellt.
Stolberg 1, 70;
schön lächelt der mond uns aus himmlischem zelt.
273;
aufgang, untergang, schein, schimmer, licht des mondes: den erborgten und fleckichten schimmer des mondes. Kästner verm. schr. 1, 16; der aufgang, eh sich der mond durch die dünste heraufgearbeitet hat, (ist) ganz gelb und warm. Göthe 29, 42;
in dem hain beim schein des monds.
H. v. Kleist Hermannsschlacht 2, 6;
wie des mondes sanfte lichter
schien der glaube durch die thale.
Tieck Octavian. s. 21;
weisz und bleich, als fiele
des mondes schimmer ein.
Uhland ged. 53;
die hörner des mondes in seinem ersten und letzten viertel, vergl. th. 4², 1820, nr. 14; die sichel des mondes:
matt schon glüht im westen die gluth; ein stern nach dem andern
trat aus dem glanz und umblinkte die hellere sichel des mondes.
Voss Luise 1, 799;
flecken des mondes:
obgleich kein fernglas meine blicke
des mondes flecken je gelehrt.
Drollinger 22;
der mond hat nach altem glauben nicht nur einflusz auf die erde und ihre gewächse, auf meer und witterung, sondern auch auf menschen und thiere: vom mon zu reden, welcher dieweil er unter allen planeten und himmlischen leuchtenden cörpern, der nächst bei uns ist, auch seine wirkung uber uns, sovil den leib betrifft, und uber die irrdischen sachen hat. Sebiz feldb. 47; dem mond wird die herrschaft über das gedeihen der thiere, und fruchtbarkeit der gewächse zugeeignet, und dahero so wohl bei der viehzucht, als feld- und gartenbau der wechsel des mondes fleiszig beobachtet. öcon. lex. 1640; auf zeugung und geburt, vergl. mondensohn, mondkalb, mondkind; auf das menschliche hirn: des menschen haupt und sein hirn verwandelnt sich auch vast nâch des mônen lauf, als wir sehen an den, die ir unsinne gewinnent und verliesent nâch des mônen lauf. Megenberg 66, 20; mit bezug darauf: es sollte mir leid sein, herr college, wenn es sich mit ihnen nach dem mond richtet, denn das ist unheilbar. Sturz 2, 73 (vgl. auch mondsüchtig); seine natur wird als kalt und feucht angegeben (vergl. dazu unter kalt th. 5, 78): alles gewechs mus durch werme und feuchte geschehen, drumb hat gott die sonne erschaffen, das sie die welt erwermen sol, und den monden, der von natur kalt und feucht ist, das der mit seiner feuchte den wachsenden creaturen helfen sol. Coler. hausb. 3 (1604), s. 90;
ob dich des tags die sonne sticht,
der kalte mon des nachts anficht,
doch kompt des herren hülf zu handt.
B. Waldis in Wackernagels kirchenl. 3, nr. 779, 3;
in sprichwörtern und redensarten: ein gottfürchtiger redet allezeit das heilsam ist, ein narr aber ist wandelbar, wie der mond. Sir. 27, 12; wir musten die klippen hinauf klettern, als wann wir dem monden wolten die augen auszgraben. Chr. Weise erzn. 40 Braune; er sieht aus wie der mond in der fülle, facies eius rubens imitatur os lunae plenum. Serz 101ᵇ, vergl. mondgesicht; dieser mann, welcher mit den alterthümern so wenig zu thun gehabt hatte, als der mond mit den krebsen (nach dem welschen sprichworte). Winkelmann 2, 27; wie hätte es ihm einkommen können, mit einem alten sprichworte zu reden, dem mond ein kleid zu machen? Lessing 9, 159; dem mond kann man kein kleid anmessen. Simrock sprichw. 381; der den mond gemacht hat, weisz wohl wie alt er ist. ebenda; was kümmerts dem mond, wenn ihn die hunde anbellen? ebenda;
wer seid ihr denn, dasz ihr des hauses schaffnerin
entgegen heulet, wie dem mond der hunde schaar?
Göthe 41, 190;
die flecken des mondes als mann im monde gedeutet: der môn hât in im swarz flecken, und sprechent die laien, eʒ sitz ain man mit ainer dornpürd in dem mônen. Megenberg 65, 21; nach ausgeführterer deutung trägt er eine am sonntage gestohlene holzbürde (vergl. das gedicht der mann im mond. Hebel 1, 128): der mann im monde hat das holz gestohlen. Simrock sprichw. 381; als bild für etwas fernes und unbekanntes bei Wieland, s. oben sp. 1568; desselben kaiser im mond:
der prinz von Trebisond,
der, seit die runde Dindonette
sich seines herzens erbarmte, nicht mit dem kaiser im mond
sein neues glück vertauschet hätte.
5, 127 (n. Amadis 16, 24),
ist nach eigener angabe s. 197 anspielung auf französisches Arlequin empereur de la Lune; spottend sagt man von einem der anspruchsvoll auftritt, aber bezüglich seiner reichthümer verdächtig ist, seine güter liegen im monde, sein geld ist im monde; die grafschaft des grafen liegt im monde, von wo er, .. wenn der mond dieser erde näher kommt, seine ungeheuern revenüen beziehen kann. H. Heine 2, 279; etwas unerwartetes fällt wie aus dem monde herab:
(sie) denkt: er fiel wie aus dem mond herab,
just da ich mich dem faun auf gnad und ungnad ergab.
Wieland 4, 225 (n. Amadis 10, 2);
unterm monde, auf der erde: es reift keine seligkeit unter dem monde. Schiller räuber 4, 2;
(er) ruft, seitdem aus seinem hohlen beutel
die letzte drachme flog, wie könig Salomon:
was unterm monde liegt, ist eitel!
Wieland 9, 5;
doch, unterm mond ist, leider! nichts vollkommen.
17, 52 (Idris 1, 76);
seit Adam in den apfel bisz,
glich unter allen schönen,
hier unterm mond, das ist gewisz,
kein mutterkind Ismenen.
Hölty 19 Halm;
alles unter dem monde,
unter der himmelwandelnden
sonne, kennet und kannte
alles die muse.
Stolberg 1, 226;
die eitlen sorgen, leeren schrecken,
die sich der kleinmuth unterm monde schafft.
Gotter 1, 107;
sag, solten sich nicht unterm mond
von hundert, neun und neunzig schämen,
die oft, gott weisz warum, sich grämen?
Gökingk 1, 126;
es kann ja nicht immer so bleiben
hier unter dem wechselnden mond.
A. v. Kotzebue im freimütigen 1803;
dafür diesseits des mondes: einen so völligen geist, als man jemahls diesseits des mondes gesehen hat. Wieland 1, 216; im gegensatz zu jenseits des mondes: eine vollkommenheit, die seiner einbildung nach allein jenseits des mondes anzutreffen sein sollte. 211.
5)
mond für mondlicht: als beide endlich aus dem walde kamen und vor die hinab liegende im monde gleiszende landschaft traten. J. Paul leben Fibels s. 70. vergl. mondlos.
6)
mond, für etwas dem monde ähnliches oder vergleichbares.
a)
naturerscheinung von der form des mondes:
Wallenst. ihr saht doch jüngst
am himmel die drei monde? bürgerm. mit entsetzen.
Wallenst. davon sich zwei in blutge dolchgestalt
verzogen und verwandelten.
Schiller Wallenst. tod 4, 3.
b)
die sternkunde nennt mond den trabanten eines andern planeten: die monde des Jupiter, des Saturn, des Uranus; die dichtersprache bezeichnet damit einen nebenplaneten oder auch planeten überhaupt:
jener, der im glas entfernte monden sieht,
und ihre grösz und bahn in helle tafeln zieht.
Lessing 1, 177;
du (weisheil) halfst dem ewigen den teig der monden runden,
die zeiten maszest du, bestimmtest tag und stunden.
Lichtwer schriften 184;
ist das blaue gewand (der himmel) leuchtender sonnen voll,
und mit monden besät, nur ein gewebe von
elend?
Stolberg 1, 11;
an ewig gleicher spindel winden
sich von selbst die monde auf und ab.
Schiller die götter Griechenlands;
sterne versanken und monden in blut.
Göthe 13, 302;
bildlich: lösche nicht den geist des weisen,
dessen heilgen sonnenglanz,
schön verwebt in sichrem tanz,
jugendliche mond umkreisen!
Uhland ged. 4.
c)
mond, von der glatze auf dem kopfe (vergl. mondschein): ekelt sie vielleicht, dasz der mond bereits auf seinem kopfe aufgangen, so kan ein blatmützgen dieses alles bedecken. das polit. hofmädgen s. 87.
d)
halber mond für einen halbkreis, vergl. dazu halb th. 4², 185, und halbmond ebenda 210; in einem weiten kreise setzten sich die väter und die mütter paarweise auf der anhöhe, welche die wiese wie ein halber mond umgab. Wieland 10, 83; wir standen in einem halben mond um ihn herum. Schiller hist.-krit. ausg. 4, 215; die wolken .. machten von einem berge zum andern einen groszen halben mond über das thal. Göthe 16, 274;
sie (die feinde) kommen uns in halbem mond entgegen.
Wieland 22, 98 (Oberon 3, 3);
im seekriege: halber mond, ist eine in form eines halben mondes in schlachtordnung gestellte kriegsflotte. Eggers kriegslex. 1, 1137; bei befestigungen war halber mond, franz. démilune, ein auszenwerk von entsprechender form. ebenda; hieraus entstand nun eine verkettung unübersehbarer bastionen, redouten, halber monde. Göthe 30, 148; die linien (der verschanzungen) wurden durch redouten und bastionen, die eingänge durch halbe monde beschützt. Schiller hist.-krit. ausg. 8, 268.
e)
mond, eine art seesterne, asterias luna. Nemnich 1, 521.
f)
mond, bei den lohgerbern eine runde eiserne scheibe zum schlichten des leders, schlichtmond Jacobsson 3, 627ᵇ.
g)
mond, lat. lunula, in der geometrie eine figur, die in zwei bogen eingeschlossen ist. mathemat. lex. 1 (1747), 826.
h)
mond, das wappen der Türkei (vergl.halbmond), und für die Türkei selbst und ihre herscher:
lasz mohnd und hahn (Frankreich) uns tausend übel dräuen.
Lohenstein blumen 23;
(der weg) der in das herz der deutschen christenheit
den halben mond durch blutge siege führt.
Körner Zriny 1, 3;
der halbe mond soll herrschen auf der erde!
1, 4.
7)
mond übertragen auf die zeit des mondumlaufs, den monat, welches wort wahrscheinlich auf die heutige form von mond einflusz geübt hat (vergl. unter monat sp. 2484 und oben nr. 3) und bisweilen selbst auch den planeten bezeichnet. der gang der übertragung zeigt sich gelegentlich deutlich: canite initio mensis tuba, plâsent mit horne sô niuuuer mâno sî. Notker ps. 80, 4; sie ist mhd. schon nicht mehr vereinzelt:
swenne der mâne ringet
daʒ er heiʒet meie,
sô ist diu zît vol wunne.
minnes. 2, 370ᵃ Hagen;
und wird in der späteren zeit gewöhnlicher: mensis, mon Dief. 356ᵃ; in dem aindleften mônn, der november haiʒt. Megenberg 341, 20; an dem zehenden tage des sübenden monen. d. städtechron. 8, 113, 22; noch bei Fischart als man in monatsnamen, s. sp. 2484. in der form mond seit dem 15. jahrh.: ob sy irin man hab gehabit sebin mondin. Magdeb. blume 2, 1, 74; neun mondin odir czene. 75; von Luther viel verwendet: ehe ein mond vergienge. 5, 171ᵃ; da sie sahe, das ein fein kind war, verbarg sie jn drei monden. 2 Mos. 2, 2; alles was menlich ist eins monden alt und drüber. 4 Mos. 3, 15; einen monden lang. 11, 20; der erste tag des siebenden monden. 29, 1; lies sie zween monden gehen. richt. 11, 38; alles fleisch wird einen monden nach dem andern, und einen sabbath nach dem andern komen, anzubeten fur mir. Jes. 66, 23; verbarg sich fünf monden. Luc. 1, 24; nach ihm aber nicht häufig mehr in gewöhnlicher rede: in diesem monden bin ich daheim gewesen. Schweinichen 3, 303; der mensch wäre über vier monden zum tanzmeister gegangen. Chr. Weise erzn. 32 Braune; dagegen in poetischer geblieben, heute mit alterthümlichem klange. die flexion ist die schwache, wie bei mond luna, und auch in der neueren sprache, wo das wort in der letztgegebenen bedeutung die flexion geändert hat, mit vorliebe beibehalten, bisweilen sogar mit der nominativform der monden (vergl. oben 3): nur erst der zwölfte monden drohet zu verflieszen, seit dem mich ein neidisches schicksal ihren augen entrissen. erst der zwölfte monden. Lessing 2, 479 (von 1758); in den goldnen kindheitmonden. J. Paul Tit. 4, 7;
neun monden wird ein mensch zum leben zubereitet.
Logau 2, 24, 86;
(das geld) ist
seit wenig monden stehn geblieben.
Lessing 2, 235;
vier monden waren kaum
vorbei.
Wieland 18, 139;
wie (sollen sie) des winters frost fünf monden von sich treiben?
23, 56 (Oberon 7, 87);
vier trübe monden sind entflohn.
Hölty 173 Halm;
o lasz nur andre thränen flieszen,
als ich seit monden flieszen sah!
Gökingk 1, 86;
drei monden von nun an bestimm ich zur zeit.
Bürger 66ᵃ;
wer in trockenen monden den richtweg nahm nach dem kirchdorf.
Voss Luise 1, 132;
was sollen mir
auch tage, monden noch des wehs und jammers?
Tieck Octavian. s. 89;
du sprichst von meinem vater,
der vor drei monden zu den ahnen gieng.
Uhland ged. 158;
seit monden schmachtet er in block und eisen.
447;
sechs monden sind vorbei.
Platen 319;
zwei monden sind es.
Freiligrath dicht. 1, 77;
aber auch hier starke formen, die bereits frühe vereinzelt sich zeigen:
sint der stûl pâbist âne
bleib acht und zwênzic mâne.
Jeroschin 25503;
las sie sitzen in deinem hause, und beweinen einen mond lang jren vater und jre mutter. 5 Mos. 21, 13; drei volle monde schmacht ich schon in diesem finstern unterirdischen gewölbe. Schiller räuber 4, 5;
hundert monde sind vorübergewandelt, seitdem ich
sang von des mittlers erstem gericht.
Klopstock 6, 17 (Mess. 16, 213);
dieser stille
und feierliche kummer, prinz, den wir
acht monde schon in ihren blicken lesen.
Schiller don Carlos 1, 1;
fünf monde sinds, es herrschte noch im lande
des vaters macht.
braut von Mess. v. 681;
wer auch éinen mond nur entfernt ist seiner gemahlin.
Ilias 2, 292;
lange weint ich,
durch einen ganzen kummervollen mond.
H. v. Kleist Penthesilea, 15. auftr.;
(sie) hält ihn dort gefangen sechs monde tag und nacht.
Platen 319.
8)
mond, die monatliche zeit der weiber:
denn hat der arzt kein weib, so gilt er kaum noch halb,
die amtfrau schlachtet ihm kein fettes küchenkalb,
er kriegt vom monde nichts, auch nichts vom kindelsode;
viel jungfern schweigen sich noch lieber gar zu tode,
eh zucht und keuschheit ihm den bösen bauch vertraut.
Günther 392.
Zitationshilfe
„mond“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/mond>, abgerufen am 14.10.2019.

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