mette f
Fundstelle: Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2148, Z. 24
sommerfaden:
ich schau genieszend den hellern
bläueren himmel, des sees
ebnen kristall, und umschwebt von ziehenden metten, vergesz ich
fast der blüthe, die nun
fruchtet.
Klopstock 2, 175.
das niederdeutsche wort, auch von andern schriftstellern gleicher heimat gelegentlich verwendet (vergl. mettenfädlein, mettengewebe), von Voss 1, 224 bezeugt: metten, die fliegenden spinneweben im herbste, Marienfäden, sommerfäden u. s. w., und wol auch den faden des eigentlichen spinnennetzes bezeichnend (vgl.mettennetz), erscheint in voller mundartlicher form als metkensamer 'die zur herbstzeit in der luft herumfahrenden und sich hin und wieder ansetzenden weiszen fäden, die sonst das Mariengarn genannt werden' Dähnert 305ᵃ, mettjensommer Richey, metjensommer und summermetjen Schambach, metjen sommermetten Fromm. 5, 156; metke, metje ist sonst regenwurm (s. unter made sp. 1426), und es wird das gespinst wegen seiner ringelförmigen art nach diesem benannt worden sein, da anderweit slammetje sowol regenwurm als fliegender sommer heiszt, vergl. brem. wb. 4, 799. 800.
mette f
Fundstelle: Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2146, Z. 38
frühgottesdienst.
1)
matutinum oder matutina (scil. hora) heiszt in der katholischen kirche der erste theil der sieben canonischen täglichen gottesdienste (horae canonicae; matutinum oder nocturnum, prima, tertia, sexta, nona, vespera, und completorium), noch vor tagesanbruch von den mitgliedern der stifter und geistlichen orden gehalten. im ahd. wurde das lat. wort als mattîna, metdîna (Graff 2, 708) volksmäszig, und setzte sich mhd. als mettîne, mettene, mettîn, metten fort; metten dauert auch nhd., um später der kürzung mette zu weichen: matutina metten, mitten, niederd. mettene Dief. 352ᵃ; matutina, matutinum mettene nov. gloss. 248ᵇ; metten, matutina. voc. inc. theut. n 7ᵃ; mette, conventus religiosus nocturnus catholicorum, sacrum antelucanum Steinbach 2, 59; so möcht ir der kirchen ruͤwig auszwarten mit beten, predigen, studieren, metten, prim, terz, sext, non, vesper, complet und alles ruͤwig zuͦ volbringen. Schade sat. u. pasqu. 2, 151, 18;
alle tage siben stunt
lobet dich vil manich munt.
ze vespere jouch ze mettîn
scul wir spâte und vruo sîn
ze gotes dieneste.
Müllenhoff u. Scherer denkm. 45, 7;
zu vesper, complet und zu metten.
fastn. sp. 235, 25;
wir mochten nit mit frid gesein
in unserm armen closterlein.
metten, preim, sext und non
des vergasz wir alles schon.
471, 32;
auch mues ich (ein bettelmönch) wachn und hart erfriern
im ampt, vesper, complet und metten.
H. Sachs fastn. sp. 2, 6, 181;
in die mette gehen, die mette singen, zur mette läuten; das er all nacht musz gen metten aufsteen. Keisersberg pred. 66ᵃ; hört er bei mitternacht die patres dominicaner, von dero kirchen sein wohnung unfern entlegen, an einem sambstag ganz andächtig die metten singen. Abr. a S. Clara Judas 2, 76; den h. Franciscum in der wüsten Arvernae hat alle nacht ein falk zu der metten aufgeweckt, und mit jhme die horas gesungen. 252;
sô si gienge derfüre (vor die thür)
hin ze mettîne,   ê daʒ eʒ wurde tac,
der diu frouwe Kriemhilt   vil selten eine verlac.
Nib. 945, 3;
sine mettin sang er vruo
und ein messe dar zuo.
pf. Amis 1007;
die fromme schläferzunft (der domherren), in weichen flaum gestreckt,
hat keine mette nie aus ihrer ruh erweckt.
Drollinger 313,
nach: sans sortir de leur lits plus doux que leurs hermines,
ces pieux fainéans faisoient chanter matines.
Boileau;
Fritz war ein guter mönch, ein feind der frühen mette.
Hagedorn 2, 96;
schon hatten morgens früh, beim festlichen gelärm
der glocken, schaarenweis die bürger von Palerm
an sankt Kathrinens tag zur mette sich versammelt.
Wieland 21, 163;
so lieb nun auch der guten frau ihr bette
um diese jahrszeit war, so ist gewis, sie hätte
um vieles gold ihr fräulein nicht allein
zur kirche lassen gehn, zumahl in eine mette.
179;
so bald die frühe mette
geläutet ist, noch zwischen tag und nacht.
347;
frühmorgens, wenn man läutet in die mette.
Uhland ged. 443;
und wie die zwölfe tönen feierlich,
und wie durchs land der mette stimmen wehen.
Freiligrath ged. 2, 156;
als zeitbestimmung:
noch lag, umhüllt vom braunen schleier
der mitternacht, die halbe welt ...
mit éinem wort, es war zur zeit der mette.
Wieland 10, 201;
die finstere mette, die düstere mette, die mette die am karfreitag ohne lichterglanz gehalten wurde: er wart in der diuster mettin an dem gutin freitag, do man die lichte nach der gewonheit der heiligen christenheit leschete, under deme gesange benedictus erstochen. Menken script. sax. bei Frisch 1, 661ᶜ; es war die pumpermette, rumpelmette, vgl. unter Judasjagen th. 4², 2351 und nachher unter 2: so muͦsz sich Zacheus leiden (bei der kirchweih) gleich wie Judas in der finstern metten (der karwoche). Wickram rollw. 88, 10 Kurz. Die luthersche kirche behielt die mette als frühgottesdienst bei: des heiligen tags oder sontags lassen wir bleiben die gewönlichen epistel und evangelia, und haben drei predigt, frü umb fünfe oder sechse singet man etliche psalmen, als zur metten. Luther 3, 280ᵃ; fur die knaben und schüler in der biblia zu üben, gehets also zu. die wochen über teglich, vor der lection, singen sie etliche psalmen latinisch, wie bisher zur metten gewonet. 280ᵇ. vgl. christmette, frühmette.
2)
mette in freier oder sprichwörtlicher anwendung.
a)
für das erheben der stimme in aller frühe: du werest in deinem wuͦst verdorben (als kleines kind ohne deine eltern), da du zenacht hast metten gesungen. Keisersberg emeis O 3ᵈ;
die vogelin singen widerstreit
gar wolgemuͦt ir metten in dem ghage.
Hätzlerin 1, 3, 14;
in lüsterner anspielung:
der liebe tempel ist die kammer, schoosz und bette;
hier klingelt immer zu, bis dasz man aufersteht,
ohn faulheit und verdrusz fein hurtig in die mette,
und haltet, wenns vorbei, darauf ein kusz-complet.
Günther 594.
b)
die trunkene mette, das erbrechen eines säufers: bisz dasz jn der Bachus .. under die bank wirft, dʒ er anfahet die trunken mettin mit den langen noten zu singen, dasz all hund und sew zuͦlaufen, und sich des gesangs und der mettin frewen. S. Frank sprichw. 2, 148ᵇ; alle morgen sang er die trunken metten, streifet den fuchs. Garg. 131ᵃ.
c)
die finstre mette (vergl. oben unter 1) theils als bild für etwas nicht näher zu beleuchtendes: dies in seinen ort und in die finstre metten gestellt. Schweinichen 1, 30; theils obscön:
baldt hielt der münch mit seiner Grethen
ohn alle sorg die finstern metten,
der pfeifer dacht, nun ist es zeit,
dasz man auch zu der metten leut.
L. Sandrub kurzweil 92;
theils endlich, mit bezug auf das Judasjagen und die rumpelmette, pumpermette (Schm. 1, 1689 Fromm.), die finstre mette lesen, lärmend zanken:
ach wie sol doch vor all s. Velten
mich mein boszhaftig weib zu schelten
und mir die finster metten lesn,
das ich so lang bin aus gewesn.
Ringwaldt plagium act 3, sc. 2.
d)
so kann mette geradezu in den begriff des gepolters, getöses, geschreies übertreten: bair. des is aber e metten! e hellische, e besoffene metten. Schm. a. a. o.; alem. metti lärm, sist e volli metti, vom gelärme der säufer. Stalder 2, 208; schwäb. mette, lärm Schmid 380; was spott, was noth, was fretten, was metten musz er nit auszstehen. Abr. a S. Clara Judas 2, 466; metti verblaszt zu dem begriffe der umstände, des aufhebens. Seiler 206ᵃ.
e)
mette, auch nur geschäft in der frühe:
gäbs alle morgen so eine mette
acht tage nur (spricht ein fischer nach glücklichem fange).
Wieland 18, 230.
f)
sprichwörtlich: die mette ist verschlafen (die zeit ist versäumt). Frisch 1, 661ᵇ (aus Hortleders schmalkald. krieg); die mette ist gesungen, es ist aus, fertig:
o lieben gesellen, die metten ist all gesungen,
Wolfbüttel und das ganze land ist schon gewunnen.
ein lustig gesprech der teufel (1542) b 1ᵃ;
zur mette läuten für flunkern, aufschneiden?:
dis schreiben meine münchlein frei
und melden dis auch fein darbei
das Christus jm das hab gewert (die bitte, es solle keiner im orden verloren sein) ..
oho, das heist zur metten glitten:
die lügen ist gar wol beschnitten,
man kan sie schier mit gabeln greifen.
Fischart von Domin. leben v. 2963.
Zitationshilfe
„mette“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/mette>, abgerufen am 19.04.2019.

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