mal n
Fundstelle: Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1493, Z. 30
signum; vices. goth. mêl im sing. καιρός, der plur. mêla aber auch γραφή und γράμματα; ahd. mâl gewöhnlich in temporaler bedeutung, in zusammensetzungen zeigt sich auch die des zeichens und fleckens (lîchmâl signum in corpore, anamâli nota, stigma, cicatrix, macula Graff 2, 715, vgl.anmal oben th. 1, 405), beide bedeutungen behält das mhd. mâl bei; alts. mâl, zeichnung, bild, im compositum hôbid-mâl, mnd. mnl. mâl, mael punkt, zeichen und zeitpunkt; ags. mæl in demselben sinne, im engl. mole nur muttermal, fleck; fries. mêl, mâl, zeit; altn. mâl zeit, masz; schwed. maͦl, dän. maal, ziel, zweck, masz. die so verschieden entfaltete bedeutung des wortes scheint, wenn man das goth. ahd. alts. und das folgende verbum malen, goth. mêljan pingere erwägt, auf der sinnlichen vorstellung des färbens erwachsen, als urverwandt wird anzusehen sein sanskr. mala- schmutz, lehm, griech. μέλας schwarz, μολύνω beflecke, bemale, litt. molis lehm, lett. mâls lehm, melu werde schwarz, kslav. mělŭ kreide; die Germania 9, 189 versuchte zusammenstellung von mâl, goth. mêl mit lat. macula wäre sonach nicht richtig. aus dem begriffe des färbens und des gegebenen zeichens durch eine farbe (z. b. am herdevieh) entfaltete sich der allgemeinere des kenn-, denk-, erinnerungszeichens, theilweise auch der des maszes und des zieles, der von der vorstellung des messenden und bezeichnenden striches ausgeht, und endlich, allen germanischen sprachen gemeinsam, der des zeittheiles oder zeitpunktes, wobei man wiederum an die uralte zeitmessung durch streifen oder striche des sonnenschattens zu denken hat. die bedeutungen des fleckes, zeichens und zeitpunktes sind dem nhd. voll erhalten geblieben; von mahl gericht, essen (oben sp. 1452) und von dem unten folgenden meil flecken musz es ganz gesondert bleiben. die schreibung, früher zwischen maal, mahl und mal schwankend, hat sich jetzt zu gunsten der letzteren geregelt. der plural ist mäler und male (älter mal) für die beiden ersten, nur male für die letzte bedeutung.
1)
mal, fleck.
a)
als ein angeborenes oder natürliches, verschieden gefärbtes zeichen am körper eines menschen (vgl.muttermal), wofür früher mehr anmal (s. d.) galt: mael under den augen am antlitz, lentigo, nevus. voc. inc. theut. n 3ᵃ; lentigo mirel i. mael, swarz male under augen am antlitz. Dief. 324ᵃ; habet maculum, dictum mal, super oculo uno. Schiller-Lübben mnd. wb. 3, 10ᵇ (v. j. 1322); ein mahl am leibe, naevus corporis Steinbach 2, 12; naevulus, kleines mahl, flecklein Kirsch cornuc.; es ist kein so schön gesicht, es hat ein mal, nulla est tam pulchra facies, in qua naevus non reperiatur. Stieler 1216; ihren rücken und das mal darauf, das sie von ihrer seligen mutter erbte. H. v. Kleist Käthchen v. Heilbronn 1, 1; kein maal unter der linken brust, kein eingebranntes oder eingeätztes zeichen am rechten arme. Immermann Münchh. 1, 66;
auf der linken brust
ein mal! fünf punkte, wie die purpurtropfen
im kelch der primel.
Shakesp. Cymbelin 2, 2,
on her left breast
a mole cinque-spotted, like the crimson drops
i' the bottom of a cowslip.
b)
zeichen einer krankheit oder verletzung am menschlichen körper (vgl.nägelmal, wundenmal):
daʒ getwerc werete ir (der jungfrau) den wec, ..
daʒ eʒ sî mit der geisel sluoc,
die eʒ in der hant truoc,
über houpt und über hende,
ze sîner missewende,
daʒ sî mâl dâ von gewan.
Erec 58;
wenn ein mal des aussatzes am menschen sein wird, den sol man zum priester bringen. 3 Mos. 13, 9; wird aber an der glatzen oder da er kalh ist, ein weis oder rötlicht mal, so ist im der aussatz an der glatze oder am kalhkopf aufgangen. 42; jr solt kein mal umb eins todten willen an ewrem leibe reiszen, noch buchstaben an euch pfetzen. 19, 28; jr solt euch nicht mal stechen, noch kalh scheren über den augen, uber einem todten. 5 Mos. 14, 1; der teufel rürt im ain backen an, da ward im ein schwarz mal daran. Pauli 83; die wurzel auf die blauen mäler, darunder das blut zusammengeloffen ist, gelegt, zertheilet dasselbe. Tabernaem. 1138; vertreibet die blaue mäler, welche vom schlagen oder stoszen kommen. 1320; maszen dann an des verstorbnen leib einiges mahl oder kennzeichen einer angethanen gewaltthätigkeit nicht zu finden. Abele gerichtsh. 2, 29; kniff blaue mäler in meinen arm. Gerstenberg Ugolino s. 7;
die rosen die   ich mein allhie,
sind deine mal und plagen,
die dir am end   in deine händ
am kreuze sind geschlagen.
P. Gerhard 43, 6 Gödeke;
die mal (Christi) an händ und füszen.
143, 41;
o Magdale, hatt er auch mahle
seiner wunden?
Klopstock 5, 242;
ich weisz nicht,
ob ich mahle der wunden sah.
243;
seh ich ihm in den händen
nicht die mahle der nägel, und leg ich in diese mahle
meine finger ihm nicht, und nicht in des lebenden seite
meine hand; so glaub ich es nicht!
6, 52;
ein kleiner schmeichelnder druck
von seiner nervigen faust, wenn er die augen rollte
und seinen Korydon recht zärtlich spielen wollte,
liesz immer ein blaues mahl auf einer weiszen hand.
Wieland 4, 199 (n. Amadis 9, 4);
(wärst du) lahm, albern, bucklicht, miszgeboren schwarz,
mit ekelhaften mälern ganz bedeckt.
Shakesp. könig Johann 3, 1,
patch'd with foul moles;
von dem dem verbrecher eingebrannten schandzeichen oder schandfleck: mahl, nota, mahlzeichen, brandmahl. Schottel 1360;
den frevlern, sich der wüthrichslust
und schmach bewuszt,
glüht nun ein maal an stirn und brust,
sichs wohlbewuszt,
ihr brandmaal glüht an stirn und brust!
Stolberg 2, 318;
daran anknüpfend eine formel des abscheus: sihe, wohin du kömpst, du toller Luther, pfu dein mal an. Luther 3, 463ᵇ; pfu dein mal an, du schendlicher unglaube. 5, 469ᵇ; bildlich, vom makel der seele: maal, für schandmaal, schandflecken, vitium, depravatae mentis habitus, cum cedit affectibus et a ratione deflectit, labes, labecula Frisch 1, 629ᶜ; und von solchem der gesellschaftlichen stellung: hie mögen hurnkinder ehelich werden, alle unehre und schand hie zu wirden komen, aller böser taddel und mal hie zu ritter geschlagen und edel wird. Luther 1, 297ᵃ; von einem fehler in einem geschriebenen buche: mael im buche, menda, i. macula in libro. voc. inc. theut. n 3ᵃ.
2)
mal, künstlich erstelltes merkzeichen.
a)
grenzzeichen: dasz beide gerichte, uff dem berge und thale allhier zu Halle, sollen nach ihren alten mahlen und grenzen, wie vor alters gewest, gescheiden sein und bleiben. Haltaus 1298 (v. j. 1499); in reinen, steinen und mahlen es richtig halten. Lennep landsidelr. 2, 61 (v. j. 1655); mnd. de opgemelten beiden dorper .. wo se in eren grenzen undt malen liggen. Schiller-Lübben 3, 10ᵇ; welcher böszlicher und geferlicher weisz ein untermarkung, reinung, mahl, oder markstein verrückt, abhauwet, abthut oder verändert. Carolina art. 114.
b)
dieses mal formelhaft mit ziel verbunden: besagtes pfarrguth in stein und rein, ziehlen und mahlen halten. Lennep lands. 2, 83 (v. j. 1715); in ziehlen und mahlen halten. ebenda; und die formel bedeutet auszerhalb dieser juristischen verwendung den grenzpunkt eines strebens, einer bemühung: die zwei letzten gebot gehören nicht in die beicht, sondern sind ziel und mal gesetzt, da wir hinkomen sollen. Luther 1, 322ᵃ; es gülte niemand nichts, er kündte denn den Luther urteilen, der Luther ist das mal und ziel des widersprechens, an dem mus sich jederman versuchen, ob er möcht ritter werden, und das kleinot gewinnen. 3, 142ᵃ;
in summa allem ist sein mahl und ziel bestimmet.
Opitz 2, 106;
bei wett- oder kampfspielen: die schnecke und der haase haben einsmahl unterredung mit einander gepflogen, wer einander im gehen, und das ziel zu erreichen, überlegen. sie .. setzen das mahl und ziel an einen berg. Lokmans fab. 21; hat ihn im ringen überwunden und über dem maal oder ziel mit zwei fingern gezogen. Walter dithmars. chronik (1683) 57.
c)
mal bezeichnet nun auch allein einen zielpunkt: meta, ein mal Alb.; nichts deste weniger ist uns ein mal gelegt, da wir hin erbeiten sollen. Luther 1, 72ᵇ; mal, meta, scopus, terminus Stieler 1216; ein mal stecken, sive machen, designare metam, nach dem mal zielen, collineare ad scopum. ebenda; das mal treffen, ferire, attingere scopum. 1217; wie mhd.:
die alsô kunnen schieʒen,
enlâʒen sich des niht verdrieʒen
sie enrâmen zuo dem mâle.
entreffen sie niht alle zît,
sie treffent aber zuo dem mâle
swenne in got das glücke gît,
daʒ in eben gêt ir strâle.
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 3726 Weinhold;
bildlich, in bezug auf das streben eines menschen:
ein frischer heldenmuht ist über alle schätze,
ist über allen neid. er selbst ist sein gesetze,
sein mahl, sein sold, sein preisz.
Fleming 109;
in verdunkelter bedeutung, bei bretspielen, ist mal die stelle, wo die steine vorm schlagen sicher sind, beim puffspiele spielt man vom hause oder mahl. natürl. zauberbuch (Nürnberg 1762) s. 301; auf dasz ich wieder frische steine vom mahl auszuspielen kriege. 304; redensart fusz bei mal halten, von einem erlangten festen punkte nicht weichen: die vom Alcibiades ihnen ertheilte antwort, dasz sie fus bei maal halten, und den feinden nichts einräumen möchten. Heilmann Thuc. 1140.
d)
mal merkzeichen auf gewerblichen erzeugnissen: mhd. mâl der lînwât (obrigkeitlicher stempel). Lexer wb. 1, 2014; und sonst beim weber: ist man mit dem zetteln fertig, so wird das gerispe unterbunden und dabei ein jeder gang besonders abgetheilt, damit sich nichts verwirren kann; sodann werden mit aufgelöstem grünspan am letzten gang male gemacht, damit der weber das gehörige masz wieder bringe. Göthe 23, 59; mal auf dem messer, est signum et nota, quibus cultri, gladii et alia instrumenta ferrea a fabris ferrariis insigniuntur. Stieler 1216; an dieses messermal knüpft sich das spiel mal oder unmal an: messermalen, est ludus puerorum, dictus mal oder unmal, cum nimirum jactu cultri certant, an cauteriatum latus quis pro victoria eligere velit, an latus alterum, quod nota caret. Stieler ebenda; signum non signum (ludus) mael c. unmael Dief. 533ᵇ; sie loszten mit dem messer allezeit zwei und zwei, mahl und unmahl. Chr. Weise lustredner 137. mal merkzeichen auf geisteserzeugnisse übertragen: gesetzt es wäre möglich ein epigramm aus dem Martiale nach der alten elle wieder herzumessen, so deutlich, dasz ein ieder deutscher leser es mit leichter müe verstet, ja nicht einmal die male der übersetzung daran inne wirt. Reiske Thucyd. vorrede.
e)
mal, merkzeichen, denkzeichen in allgemeinerem sinne:
auch war das haupt
der gräszlichen Gorgone drauf zu sehn,
des ungeheuers, welches vater Zeus
zum mahl des scheuels und entsetzens schuf.
Bürger 167ᵃ (Il. 5, 742 Διὸς τέρας αἰγιόχοιο);
wo du den vogt getroffen
mit deinem sichern strahl,
dort steht ein bethaus offen,
dem strafgericht ein mal.
Uhland ged. 396.
mal, auf den obersächsischen schiffen auf der Elbe, zeichen, die der steuermann stecken läszt, wo in der Elbe ein gefährlicher ort ist. Frisch 1, 634ᵇ; wann das schiff vor solchen mählern vorbei ist, so zieht sie ein andrer schiffknecht wider aus, welchen sie den mahl-heber heiszen. ebenda; mal im forstwesen: mahlax, .. eine kleine axt oder ein beil, auf dessen der schneide entgegengesetzter seite, ein zeichen oder mahl eingegraben ist, womit die förster bei der anweisung der bäume im walde diejenigen bäume zeichnen oder mahlen, welche gefället werden sollen. Jacobsson 3, 5ᵃ.
f)
besonders das zu irgend einem andenken eigens errichtete zeichen (vergl.denkmal 1, th. 2, 941): und Jacob stund des morgens früe auf, und nam den stein, den er zu seinen heubten gelegt hatte, und richtet jn auf zu einem mal. 1 Mos. 28, 18; Jacob aber richtet ein steinern mal auf an dem ort, da er mit jm geredt hatte. 35, 14; und Jacob richtet ein mal auf uber jrem grab, dasselb ist das grabmal Rahel bis auf diesen tag. 20; und die, so im lande umbher gehen, und etwa eines menschen bein sehen, werden da bei ein mal aufrichten. Hes. 39, 15;
ihr edleren, ach es bewächst
eure maale schon ernstes moos!
Klopstock 1, 191;
aus dem hain Thuiskons entflieh kein sanftes
silbergetön hin zum parischen maal,
das keiner besucht, und das bald
in den staub sinkt der gebeine.
215;
von ältern maalen, als sie aus erzte gieszt
der künstler.
2, 55;
des maales ewigkeit, das er sich
zu dem verdientesten ruhme gesetzt hat.
56;
feyert die helden! marmor und erzt sei der helden
ewiges mal!
76;
ihrem theuren Philipp setzte
sie von marmelstein ein maal.
Stolberg 1, 249;
Hermes führe mich später,
Cestius mahl vorbei, leise zum Orkus hinab.
Göthe 1, 270;
bisz dasz der vollendete kegel,
auf sich selber gestürzt, den künftigen menschen ein mal sei.
40, 360;
wohl wird mancher daher die blaue woge durchschneiden,
schauen das herrliche mal und zu den ruderern sprechen:
hier liegt keineswegs der Achaier geringster bestattet,
denen zurück den weg der Moiren strenge versagt hat;
denn nicht wenige trugen den thürmenden hügel zusammen.
363;
bei jenen gräbern,
wo meiner ahnherrn alte male sind.
Schiller Phädra 5, 1;
von einem litterarischen denkmal:
kind des himmlischen genius,
glühendes, thatenlechzendes herz!
reizet dich das mal meines räubers?
hist.-krit. ausg. 1, 302 (monument Moors des räubers);
von überbleibseln, als zeugen der vorwelt (vergl.denkmal 4, th. 2, 942):
da enget das thal der fels überragend,
auf dem das einzige maal der urjahrhunderte Deutschlands
der pfadverlierende wanderer sieht.
Klopstock 1, 260 (die Rosstrappe);
(ich) war,
bei den maalen der geschichte
wandelnd, den Franken gefolgt.
2, 140;
thränen .. die einsam
ich an den malen geweint der vorzeit!
Voss 3, 33;
ein eigner wald! voll von verschwiegnen gründen!
drin hob sich dunkel mal und runenstein!
Freiligrath dicht. 2, 179.
3)
mal, zeitpunkt, bestimmter zeittheil, in welchem ein ereignis eintritt; in dieser bedeutung ist mal, wie meist schon ahd. mhd., nur in festen verbindungen gebräuchlich, wobei in der neueren sprache das wort mehr und mehr adverbial gefaszt und mit dem vorhergehenden näheren bestimmungsworte zusammengeschoben wird.
a)
in den accusativverbindungen ein mal, kein mal, jedes mal, das mal, dies mal (vgl. hierzu die zusammenrückungen einmal, keinmal, jedesmal, dasmal, diesmal, wo zum theil auch die nicht zusammen gerückten formeln belegt sind): und wie dem menschen ist gesetzt, ein mal zu sterben, .. also ist Christus ein mal geopfert. Hebr. 9, 27. 28; ein einziger knabe, den ich Pylades nennen will, verliesz nur ein einzigmal, von den andern aufgehetzt, meine partei. Göthe 24, 76 (vgl. auch einzigmal th. 3, 358); der Deutsche .. wuszte mit battiren und legiren seinen gegner ein über das andre mal zu entwaffnen. 232; einmal ist keinmal. dies ist das erlogenste und schlimmste unter allen sprichwörtern .... man kann meistens mit wahrheit sagen: einmal ist zehnmal, und hundert- und tausendmal. Hebel 2, 5;
(dennoch) fand sie kurzweil manches mal
mir zu brüten sorg und schmerzen.
Stolberg 1, 189;
(er) wuszte, die noth
habe, selten doch manchesmahl, eignes gebot.
305 (vgl. manchmal);
und die alt betretnen stege
rühren neu mich jedes mal.
Uhland ged. 55;
auch noch in freieren verbindungen: verzeih ihm nur noch dies eine mal; dieses einzige mal wenigstens must du das sehen;
und warum soll ich ihm dies éine mal
nicht trauen, da ichs stets gethan?
Schiller Wallensteins tod 2, 3;
in rechenformeln: ein mal zwei; zwei mal zwei ist vier; das erste mal, das zweite, andre mal (vgl. dazu auch andermal th. 1, 310, erstemal th. 3, 1010 und 1001, letztemal oben sp. 823 und 815), das zehnte mal, das letzte mal u. ähnl.: auf ein andermal hiervon! Lessing 2, 77; es war das erste und letzte mal, dasz sie mir diese gunst erwies. Göthe 24, 331;
ist denn dies unser erstes mal,
dasz wir betrübet werden?
P. Gerhard 23, 8 Gödeke;
im plural ist mal nur seltner noch flectiert: er kam noch einige male, dann blieb er weg; éin mal geht das, mehrere male aber nicht; und ihren namen, gnädigster prinz! hört ich verschiedene male. Schiller don Carlos (prosabearbeitung) 4, 1;
derweile stechen sie mich zwanzigmale todt.
Göthe 13, 26;
gewöhnlich unflectiert, auch hierdurch die neigung für adverbiale stellung verratend: Gelanor sah ihn etliche mahl genau an. Chr. Weise erzn. 175 Braune;
von stunden verkert sie jr farb,
darnach vor groszem leide starb,
als auch sunst ist viel mal geschehen.
H. Sachs fastn. sp. 1, 8, 271 Götze;
dein bild, geliebte, schwebete tausend mahl
in liebeschimmer hell um die scheitel mir.
Stolberg 1, 331;
für ein mal: für ein mal mag es hingehen; für ein und allemal, einmal für allemal: keine komplimente, ein- für allemahl! Wieland 6, 178; indem er sich ein- für allemahl erklärte. 7, 318; sein erstes muszte sein. sich der verdächtigsten groszen zu versichern, um der faction für ein und alle mal ihre häupter .. zu entreiszen. Schiller 857ᵃ;
ich sag euch mit dem schönen kind
gehts ein- für allemal nicht geschwind.
Göthe 12, 136;
vgl. auch allemal th. 1, 218.
b)
genitivverbindungen, in der ältern sprache viel beliebter als später, des mals, desselben mals, auf die vergangenheit weisend: das er freilich nimer mehr thun kan, was er des mals nicht gethan hat. Luther 4, 24ᵃ;
das er blieb tot desselben mals.
Teuerdank 92, 60;
wie mhd.:
ouch het Helêne ir bestiu cleit
des mâles an ir lîp geleit.
troj. krieg 23025;
eines males, semel: Isidorus spricht, daʒ daʒ tier neur ains mâls geper. Megenberg 157, 5; auch auf eine unbestimmte vergangenheit hinzeigend:
ein diep eis mâls geslichen kan (kam)
ze einem hûs.
Boner edelst. 27, 1;
vgl. dazu die zusammenrückungen abermals (neben abermal), damals (neben damal und damalen), desmals (unter damals th. 2, 701), diesmals (neben diesmal und diesmalen), dortmals, einsmals, einstmals, erstmals, ehmals, jemals, jetztmals (neben jetztmal), mehrmals, nachmals, niemals, nochmals, oftmals, vormals; der gen. plur. steht in der mal eins (für der male eins): dem teufel, wenn er der mal eins kompt, und uns anklaget. Luther 7, 25ᵃ; vergl. dazu dermaleins, dermaleinst th. 2, 1018.
c)
in dativen fügungen mit mal sind untergang der casusform und adverbiale verbindungen seltener: und lachten sein zum dicker mal. Bocc. (1535) 15ᵇ; seid zu tausendmal gegrüst. Schuppius 690; das signal, das die provinzen mit einmal zu den waffen ruft. Göthe 8, 223; vgl. dazu zusammenrückungen wie dickermal (th. 2, 1080), jemalen, niemalen, nachmalen, oftermalen, zumal u. a. oben genannte; gewöhnlicher rettet hier mal seinen substantiven charakter; im singularen dativ: zu dem mal auf einen vergangenen zeitpunkt weisend, einstmals (wie schon ahd. dannan gestilleta ze demo male diu muohî. Notker ps. 105, bei Hattemer 2, 385ᵇ); zuͦ dem mal hatt der würt nit sunders gest im hausz. Wickram rollw. 102, 18 Kurz; den kleinen catechismum, davon du zu dem mal sagtest. Luther br. 5, 787; in Düringen auch von dem male seit einem gewissen zeitpunkt, seitdem: von dem male an konnte ich ihn nicht mehr leiden; vgl. md.
von dem mâle sich ouch vleiʒ
mit inniclîchir andâcht heiʒ
der selbe brûdir vurbaʒ mê
zu gotis dînste denne ê.
Jeroschin 4769;
zu diesem male, diesmal: dasz wir zu diesem mal keiner brillen aufstecken dürfen. Ayrer proc. 1, 11; so ist nicht von nöhten, dasz ihr zu diesem mahl länger wartet. 2, 9; so soll es ihm zu diesem mahl auch nicht fehlen. ebenda; zu einem mal, auf einmal, plötzlich: dasz er als ein einziger erbe .. zu einem mahl herr und meister über seiner eltern verlassenschaft ward. Simpl. 2, 161 Kurz; zum näheren mal, wiederholt: dann jr zum neheren mal im essen sprachen zum edelmann .. der baur ist mir nichts mer schuldig. Wickram rollw. 22, 22 Kurz; mit bestimmten oder unbestimmten zahlwörtern: zum andern mal gieng er aber hin. Matth. 26, 42; und betet zum dritten mal. 44; denn das er gestorben ist, das ist er der sünde gestorben, zu einem mal (ἐφάπαξ). Röm. 6, 10;
wo ich hin reit an (ohne) satl und pfert,
bin ich den wirten gar unwert,
porgt mir von keim mal zw dem andern.
H. Sachs fastn. sp. 2, 8, 237;
und thäte das zum dritten mal.
P. Gerhard 31, 46 Gödeke;
(Maria) ists, welcher Jesu Christ
am ersten mal (zuerst) erschienen ist
am heilgen ostertage.
56, 167;
mein Seladon gefällt aufs erste mahl;
beim zweiten pocht schon was im reizenden oval ...
beim dritten wird sie oft zerstreut.
Wieland 10, 233;
benutze diese stunden;
zum erst- und letztenmal sind sie vielleicht gefunden!
Göthe 7, 57;
man erfährt zum erstenmal
warum man ohren hat.
47, 177;
und der könig zum dritten mal wieder fragt.
Schiller taucher;
im plural: ich grüsze ihn zu tausend malen. Schuppius 256; in den 298 malen, dasz er seine vorlesungen .. wiederholte. Möser patr. phant. 1, 189;
du thuͦst auch jetzt, wie zu vil malen;
dir ist auch wol mit zank und hader.
H. Sachs fastn. sp. 2, 95, 82;
er bat dich auch zu aller malen,
dasz du jhm solt das gelt her spinen.
Fischart nachtrab 1532;
nun sie (die Schweden) sich zur ruh gegeben
und von unsrem dennoch leben,
musz man doch bei vielen malen
höher noch die ruh bezahlen.
Logau 2, 97, 98;
o sieh mich an, noch einmahl — würd ich nicht
mit meinem blut solch einen blick bezahlen?
noch einmahl, noch zu tausend mahlen!
Wieland 17, 319 (Idris 5, 118);
ihren namen, prinz,
hört ich zu öftern malen.
Schiller don Carlos 4, 4;
zu dreien mahlen hab ich sie gesehn
zu Rheims auf unsrer könige stuhle sitzen.
jungfr. v. Orleans, prolog, 2. auftr.;
der marschall ruft zu wiederholten malen:
herr prinz von Homburg!
H. v. Kleist prinz Friedr. v. Homburg 5, 5;
er weisz noch kaum das einmaleins auswendig,
vergiszt den monatstag zu öftern malen.
Uhland ged. 456;
der führer jetzo liesz zu dreien malen
durch die gebüsche seinen jagdruf tönen.
Freiligrath dicht. 1, 179.
d)
mal auf mal, einmal über das andere: ich soll meinen G. sehen, rief er mal über mal. Hippel 1, 366; dasz sein hochgefühl .. mal auf mal in feuersbrünste von begeisterung ausbricht. 10, 92.
e)
in traulicher, kindlicher, niederer rede steht mal wie einmal, und wird aus dem letzteren geradezu verkürzt sein (vergl. th. 3, 234, nr. 10); wie einmal A, 1, semel:
es kompt im jar nur mal dazu.
Fischart nachtrab 1007;
wie einmal B, 1 th. 3, 233 fg., auf eine unbestimmte vergangenheit weisend: ich habe mal einen sterbenden hund gesehen, der in seinen todesqualen mich fast menschlich ansah. H. Heine 2, 122;
es war mal ein kaiser; der kaiser war kurrig.
auch war mal ein abt, ein gar stattlicher herr.
Bürger 66ᵃ;
auf zukunft, voraussichtliches, möglichkeit weisend (einmal B, 2): ich glaube, wenn mal die thaler vom himmel herunter regneten, so bekäme ich davon nur löcher in den kopf. H. Heine 1, 27;
dasz sie ein unschuldigen auch,
wann er jn mal gerath in dhänd,
nicht lassen gehn vor seinem end.
Fischart nachtrab 2981;
wenn ich mal ungeduldig werde,
denk ich an die geduld der erde.
Göthe 2, 306;
wie einmal B, 3 in imperativen sätzen: und rathen sie mai warum? Wieland in Mercks briefs. 1, 107; nun stellen sie sich mal vor. 108; du faxenmacher! lasz dich mahl recht beschauen. Fr. Müller 1, 317; komm mal heraus, bist mir eine hand voll! Klinger Otto 17, 14; nicht mal, wie nicht einmal ne quidem (th. 3, 234, nr. 7):
doch schaut! mir armen grenadier
sind leider! die drei finger hier
bei Torgau weggehauen,
und kan nun drüber, dasz ich musz
so müszig gehn, mich aus verdrusz
nicht mal im kopfe grauen.
Gökingk 3, 127.
Zitationshilfe
„mal“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/mal>, abgerufen am 19.05.2019.

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