macht f
Fundstelle: Lfg. 8 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1397, Z. 1
vis, potestas.
1)
goth. mahts; ahd. mhd. alts. altnfr. maht; niederl. magt; ags. meaht, meht, miht, altengl. maht und miht, neuengl. might; fries. mecht; altnord. mâttr, schwed. makt, dän. magt; das allen germanischen sprachen angehörige subst. zu dem verbum goth. magan, unserm mögen, dessen eigentliche bedeutung kraft, zumal zeugungskraft haben ist, s. dort und unter vermögen, sowie nachher unter nr. 13. der umgelautete dat. gen. sg., mhd. mehte, ist kaum über die mhd. zeit hinaus geblieben: von römischer küniglicher mehte. d. städtechron. 1, 126, 9; neben dem umgelauteten nhd. plur. mächte zeigt sich einige male auch eine unumgelautete form, die ihr vorbild schon in der alten sprache hat:
nû saget mir mit rehte
mînis vater mahte (körperliches wolbefinden).
genes. in d. fundgr. 2, 69, 32;
im nhd. aber, wie die substantive dieser art überhaupt, sich zur schwachen declination wendet: dasz es nicht in des richters machten stehe. J. Ayrer proc. 2, 2;
dann wann gott wil, dasz wir hoch jemand sollen achten,
wie kan ers besser thun als durch dergleichen machten?
Opitz Hugo Grotius' wahrh. 375;
hier stand sie, das bemühn der noch bewahrten machten,
die absicht jedes volks und königs zu betrachten.
J. E. Schlegel 4, 46;
(er lerne) was Europa regt? wie die vereinten machten
in stätem gleichgewicht sich selbst zu halten trachten?
Haller schweiz. ged. 104;
aber heute neu mit machten
sprudle quell aus deinen höhlen!
faltet aus die frischen prachten,
ihr des grünen thals juwelen,
holde blumen, euren flor!
Göthe 13, 242.
2)
macht ist zunächst körperliche kraft: macht vulg. gesuntheit und kreft des leibes, vis, potestas anime et corporis. voc. inc. theut. n 3ᵃ; macht (bezüglich) der sterk und kreft, vigor, valitudo. ebenda; Hiob antwortet und sprach: meine rede bleibt noch betrübt, meine macht ist schwach uber meinem seufzen. Hiob 23, 2; er uberwand aber das schreckliche wesen, nicht mit leiblicher macht, noch mit waffen kraft. weish. Sal. 18, 22;
der gsundt kein arzney sol nemen.
kraft und macht thust dardurch verliern.
H. Sachs fastn. sp. 1, 112, 376 Götze;
in volksmäsziger rede noch weit verbreitet: er hat gar keine macht in den knochen, sagt man von einem kraftlosen; er stemmte sich mit aller macht seiner schultern gegen die thüre; er hat keine rechte macht zum zuschlagen; selten schriftlich bezeugt:
wie ihr ihn wollet ziehen
mit eures armes macht.
P. Gerhard 27, 52;
unwillig steigt der greif und strengt die letzte macht
der sehnen an, den alten flug zu nehmen.
Schiller Pegasus im joche v. 57;
vgl. mhd. sus sâʒen si dâ bêde
durch ruowe ûf einer grêde
unz si gewunnen niuwe maht.
Wigalois 186, 20;
sus lac diu frouwe âne maht.
der liehte tac was ir ein naht:
sine gehôrte noch gesach.
127, 34,
und s.amacht (th. 1, 276), anmacht (404) und ohnmacht.
3)
macht erweitert zu dem begriffe kraft, vermögen, mit einbezug des seelischen oder der hilfsmittel, über die man verfügt: facultas mugen, macht Dief. 222ᵇ; macht (bezüglich) der zeitlichen guter, macht der kunst und wirdigkeit, facultas. voc. inc. theut. n 3ᵃ; (sie sehen an den kindern) zu was handthierung sy tauglich zukünftig sein werden, das seind die ärzt oder phisici bei uns in gleicher macht (das können sie auch). Frank weltb. 101ᵃ; dieweil man genugsam bericht ist, dasz sie damals die macht noch nicht hatten, schöne köstliche ciboria ... zu machen. Fischart bienk. 147ᵃ; des ordens volk war der beute begierig, darum sie alle menschliche und mögliche macht anwendeten, die festunge zu ersteigen. Schütz Preuszen 68;
gebricht ihm willen oder macht?
Drollinger 28;
doch fern von dir naht quälend die verzweiflung,
dann tobt im aufruhr jede macht der seele,
angst treibt und hoffnung, jede wird mein herr.
Freytag Fabier 3, 1;
gern in festeren verbindungen.
a)
an etwas liegt oder ist macht, an etwas haftet kraft oder vermögen, wofür wir jetzt das farblosere an etwas liegt viel oder ist viel gelegen brauchen: weil an demselben (worte gottes) allein alle macht liget. Luther 4, 1ᶜ; bei dem heubtstück bleiben, da die macht an ligt. 25ᵇ; darumb, das Noah (dat., dem Noah) macht daran gelegen war, da er in solcher angst stund. 53ᵃ; das ist nu der rechte unterscheid, und ligt zwar die ganze macht an, das man jn recht treffe. 5, 475ᵇ; aber hie ligt nu die macht an, das man zusehe, das der glaube nur nicht falsch, oder wie Paulus sagt geferbt, sondern rechtschaffen sei im herzen. 6, 41ᵃ; darum ligt die macht an dem wörtlin, dich, das sie dich erkennen, das du allein der warhaftige gott bist. 176ᵇ; sihe doch, wie er sichs so viel wort kosten leszt, doch nur uber einerlei ding, denn er redet, als lige jm macht dran, das man sehe, wie gerne er wolt den armen schwachen blöden gewissen ins herz reden. 185ᵃ; denn da ligt die macht an, das man den vater wol lerne kennen durch den glauben. 204ᵇ;
ich wäisz wol, das des streites macht
ist nicht allein an leibes craft,
an gemüte, pfärden und an eisen.
der beste teil leit an den weisen.
ring 51ᶜ, 39;
es liegt nicht macht an etwas, kommt nichts drauf an: doch weil die weise der leviten zu singen ist vergangen, so ists ungewis, was wir davon sagen, ligt auch nicht grosze macht dran, wenn wir nur den verstand des psalms recht hetten. Luther 2, 390ᵇ; es ligt keine macht daran, ob mans nicht wisse. 4, 38ᵃ; ob sie nicht zum streit wider die ketzer tügen, da ligt nicht macht an. 5, 177ᵇ; denn er (Christus) stehet da für uns, und spricht, las mir meine braut zu frieden, ist etwas an jhr gebrechlich, das wil ich erfüllen, ist sie nicht schön und rein gnug, so kan ich sie schön und rein machen, gefellet sie dir nicht, da ligt nicht macht an, ist gnug, das sie mir gefellt. 6, 355ᵇ; wann er nimmer kumpt, daran ist cleine macht. Ulensp. 40, s. 61 Lappenb.
b)
mit, aus aller macht, ganzer macht, mit aufbietung seiner kraft, so viel man vermag: und David tanzet mit aller macht fur dem herrn her. 2 Sam. 6, 14; sie hieb zwei mal in den hals mit aller macht. Judith 13, 9; David aber und das ganze Israel spieleten fur gott her, aus ganzer macht. 1 chron. 14, 8; das fewr vermocht mit keiner macht jnen zu leuchten. weish. Sal. 17, 5; mit ganzer macht und sterke, mit allem vermögen ein ding zehanden nemmen, omni ope atque opera eniti Maaler 280ᵈ; sich mit aller macht widersetzen, omnibus viribus atque opibus repugnare Steinbach 2, 69;
sein arm hat aller feinde joch
mit aller macht zerbrochen.
P. Gerhard 52, 7;
vergl. dazu 3, f.
c)
dafür auch in alle macht: wann er aus dem wasser kam, lief er in alle macht den berg hinauf. Garg. 179ᵇ; die gethischen völker, wanns donnert, schossen sie in all macht mit pfeilen dargegen. 181ᵇ; aber Schollentritt ruͤft ketzer, jamer, mordio, schelmio, halten den dieb, lief in alle macht hernach. 198ᵃ; mit allen henden creuz für sich zu machen, und sich inn alle macht zu segnen. 229ᵇ; unter des sie unter den nuszbäumen also halten, jagt der mönch inn alle macht hinden nach. 255ᵃ; dasz jhnen die katz inn alle macht den rucken hinauf lief. 256ᵇ; herwiderumb, wann mann wolt gern, dasz es (das pferd) stünd, so nimpts dem, der darauf sitzet, den zügel, und fert in all macht dahin. Petr. 29ᵇ;
wer leschen will eins andern husz,
so jm die flamm schleht oben usz
und brennt das syn in alle macht,
der hat uff syn nutz wenig acht.
Brant narrensch. 58, 21;
lasz wachen bruder wer da wacht,
hinnacht ist auch ein nacht,
das leilach ziecht inn alle macht,
ich hör kein han zu nacht.
Garg. 249ᵃ.
d)
über macht, über seine kräfte hinaus: und wann eins darvon gieng (von der mahlzeit) und vol was, so kam derselbe hauswirt und het ein guͦte schmicken und schluͦg sie umb die lenden, das ein ietlicher uber macht essen müst. Ulensp. 10, s. 9 Lappenb.; so bald mich die räuber ansichtig wurden, verlieszen sie ihre beute, und liefen über macht dem nahen gebüsche zu. Lessing 1, 307;
maneger iʒʒet über maht
vierstunt ze undern in der naht.
Renner 10542;
dô gie er danne über maht.
ges. abent. 2, 189, 543.
e)
macht, kraft, wirkung, die dingen innewohnt: (cinamom) hât die maht, daʒ eʒ anderr wolsmeckender ding gewalt widerdruckt. Megenberg 362, 22; (die rede) heiszt tropus oder metaphora in der grammatica, wenn man zweierlei dingen, einerlei namen gibt, umb des willen, das ein gleichnis in beiden ist, und ist denn derselbige name nach dem buchstaben wol einerlei wort, aber potestate ac significatione plura, nach der macht, brauch, deutunge, zwei wort, ein altes und newes. Luther 3, 442ᵃ.
f)
in der rechtssprache ist macht die kraft oder giltigkeit, die einem spruche, einer urkunde zukommt: ob i. f. gn. die brief in macht oder ohnmacht erkennen wolte. acten v. 1609 bei Vilmar 257;
drauf sprachen sich in der eintracht
und gaben diesem abspruch macht,
waren auch all damit zu frieden.
B. Waldis Esop 4, 94, 222.
s. mächtig 8 a. e., und machtlos 2 a. e.
4)
gewöhnlicher erscheint der begriff von macht deutlich gesteigert zu dem der überlegenen kraft, die sich in der befugnis zu etwas äuszert: macht ist ein vermögen, welches groszen hindernissen überlegen ist. Kant 7, 100. es ist synonym zu gewalt und mit diesem formelhaft verbunden: macht und gwalt, copia, jus, pollentia. Maaler 280ᶜ; macht und gwalt haben, habere potestatem, facultatem, vires, posse, valere. 280ᵈ; aber das reich, gewalt und macht, unter dem ganzen himel, wird dem heiligen volk des höhesten gegeben werden. Dan. 7, 27; und gab jnen gewalt und macht uber alle teufel. Luc. 9, 1; entsteen vil seltsamer practik und anschleg, sein macht und gewalt zu underdrücken. Schade sat. u. pasqu. 1, 52, 10; also kamen nun Preuszen und Oestreicher .. auf französischem boden ihr kriegshandwerk zu treiben. in wessen macht und gewalt thaten sie das? sie konnten es in eignem namen thun. Göthe 30, 22; es schien als wenn keiner aus eigner macht und gewalt etwas leiste, sondern als wenn ein geheimer geist sie alle durch und durch belebte. 22, 159;
es sasz im Niderlande ein künig so wol bekandt,
mit groszer macht und gewalte, Sigmund was er genant.
lied vom hürnen Seyfrid str. 1;
auch mit kraft, da dieses, wiewol selten, im sinne von gewalt steht (th. 5, 1938):
gottes liebe nimmt gefangen
deiner sünde macht und kraft.
P. Gerhard 110, 84;
andere formeln, macht und herrlichkeit: ihrer macht und herrlichkeit bewuszt. Heinse Ardingh. 2, 42; wenn das gefühl seiner macht und herrlichkeit in ihm aufgeht, stöszt er das hülfreiche von sich. Göthe 53, 89;
o gott der macht und herrlichkeit.
Gellert 2, 145;
rang und macht, ruhm und macht: demselbigen sei ehre und macht von ewigkeit zu ewigkeit. 1 Petr. 5, 11;
rang und macht, die lächerlichen flitter,
fallen ab am tage des gerichts.
Schiller hist.-krit. ausg. 1, 358;
macht, ruhm und hoheit immerdar
dem, der da ist und der da war!
Gellert 2, 116;
fug und macht:
und kürzt er (gott) unsre glückesstunden,
wolan! er hat es macht und fug.
Drollinger 116;
und dazu hast du fug und macht.
Göthe 47, 166;
macht und list:
grosz macht und viel list
sein grawsam rüstung ist.
Luther 8, 364ᵇ;
und weil des teufels macht und list
gedämpft, sein kopf zertreten ist.
P. Gerhard 172, 40;
macht ist dem recht entgegengesetzt: sprichwörtlich macht geht vor recht;
wer hat mir dieses leben,
und dir, so grosz du bist, ein recht an mich gegeben?
die macht allein giebt göttern selbst kein recht.
Wieland 17, 171 (Idris 3, 72);
wie denn macht auch das zwingende für andere öfters ausdrücklich betont:
nicht Elisabeth,
nicht Englands parlament ist euer richter.
macht ists, die euch hier unterdrückt.
Schiller M. Stuart 1, 4;
es liebt ein jeder, frei sich selbst
zu leben nach dem eigenen gesetz;
die fremde herrschaft wird mit neid ertragen.
von eurer macht allein und ihrer furcht
erhaltet ihr den gern versagten dienst.
braut von Messina v. 347;
und macht gegen macht steht:
ein heilig zwangsrecht üb ich aus, da ich
aus diesen banden strebe, macht mit macht
abwende.
M. Stuart 1, 7.
zahlreiche gruppen von verbindungen.
a)
es heiszt grosze, höchste, geringe, gewaltige, freie, volle macht (vgl. auch vollmacht): elende macht, vis debilis, debilitata, imbecilla, languida Stieler 1204; grosze macht, magna potentia, eine sonderliche macht erlangen, singularem potentiam consequi, nach der höchsten macht streben, potentiam summam concupiscere Steinbach 2, 68; dem kraftvollen sohn ... die schwankende macht der regierung abzutreten. Klinger Otto 22, 22; sprichwort: ohne macht ist der zorn eitel. zorn ohne macht wird verlacht. Simrock 662;
vollendet! ihr habt freie macht! gehorcht
dem dämon, der euch sinnlos wüthend treibt.
Schiller braut von Messina v. 443;
macht haben, geben, empfangen, ergreifen, nehmen, üben, stürzen, verlieren: weh denen, die schaden zu thun trachten, .. weil sie die macht haben. Micha 2, 1; diese macht (τὴν ἐξουσίαν ταύτην) wil ich dir alle geben. Luc. 4, 6; wie könige werden sie eine zeit macht empfahen mit dem thier. offenb. 17, 12; ein weiser gewinnet die stad der starken, und störzet jre macht durch jre sicherheit. spr. Sal. 21, 22; Arnolf, sein nachfolger, der jede macht fassete, wo er sie fand, und sie gebrauchte, wo er konnte. Möser osnabr. gesch. 1, 397; von einer personification: die zeit selbst scheint an ihm ihre macht zu verlieren. Schiller hist.-krit. ausg. 4, 231;
sie bringe ihrer sicherheit das opfer,
doch sie gestehe dann, dasz sie die macht
allein, nicht die gerechtigkeit geübt.
M. Stuart 1, 7;
warum übst du solche macht!
Göthe 5, 53;
er, der rief: es ist vollbracht!
nahm dem tode seine macht.
Gellert 2, 175;
die macht loben, mit macht gerüstet sein, der macht widerstehen, ein ende machen: herr erhebe dich in deiner kraft, so wöllen wir singen und loben deine macht. ps. 21, 14; der die berge fest setzt in seiner kraft, und gerüstet ist mit macht. 65, 7; ich wil das land gar verwüsten, und seiner hoffart und macht ein ende machen. Hes. 33, 28; sich eines andern macht widersetzen, opibus alicujus obstare Steinbach 2, 69;
denn deine macht, die ist dahin.
P. Gerhard 172, 22;
wenn ich, o schöpfer, deine macht,
die weisheit deiner wege,
die liebe, die für alle wacht,
anbetend überlege.
Gellert 2, 145;
einer oder etwas ist, steht in eines macht, ist in die macht gegeben: es steht nicht in meiner macht, non est mihi in manu. Steinbach 2, 69; ich weis herr, das des menschen thun stehet nicht in seiner gewalt, und stehet in niemands macht, wie er wandele oder seinen gang richte. Jer. 10, 23;
es steht in keines menschen macht,
dasz sein rat werd ins werk gebracht.
P. Gerhard 217, 6;
er ist in die macht eines erbitterten feindes gegeben;
da, als ich in die macht der stolzen feindin
gegeben war.
Schiller M. Stuart 5, 6;
mutter und sohn geb ich in seine macht.
Phädra 3, 1;
was habt ihr über mich beschlossen?
in eurer macht bin ich.
H. v. Kleist Käthchen v. Heilbr. 2, 8.
b)
macht mit dem genitiv des objects, befugnis, gewalt wozu oder worüber: Ulenspiegel .. gedachte: gat die magt auch hinweg, so hastu einer schalkheit macht. Ulensp. 47, s. 69 Lappenb.; das sie aber unser schrift wollen deuten, das gestehen wir nicht, und sie habens auch nicht macht noch recht. Luther 6, 545ᵇ; ich habe es alles macht (πάντα μοι ἔξεστιν), es fromet aber nicht alles. 1 Cor. 6, 12, vergl. 10, 23; nicht darumb, das wir des nicht macht haben (οὐχ ὅτι οὐκ ἔχομεν ἐξουσίαν). 2 Thess. 3, 9; der Jud sagt, es wer wider sein gesatz, wein mit den christen zuͦ drinken; wann es aber bier wer, hett er syn wol macht. Wickram rollw. 86, 23 Kurz; brachte der berggeschworne an Eckarthen ein glasz gerstenbier, sagende: mein herr verzeihe mir dasz ich mich erkühne demselben unbekanter weise eins zuzutrinken; Eckarth replicirte: mein herr hat es gute macht. unwürd. doct. s. 3;
ir freunt, ich wil euch der sach macht geben.
fastn. sp. 515, 17;
wie in (den päpsten) alein sei zuͦgestalt
der schlüsseln volle macht und gwalt.
Schade sat. u. pasqu. 2, 211, 537;
wo der mann vil wendt auf pracht,
da meinet die fraw sie habs auch macht.
Fischart ehz. 74;
herr vatter, gedenkt, gott hats (das leben) euch geben!
der hats macht, euch wider zu nemen.
J. Ayrer 343ᵇ (1719, 12 Keller);
du hast es gute macht, den faulen kiel zu schelten.
Günther 619;
in welcherlei fügung mischung mit dem falle unten d eintreten kann: niemand nimpt es (das leben) von mir, sondern ich lasse es von mir selber, ich habe es macht zu lassen, und ich habe es macht wider zu nemen. Joh. 10, 18.
c)
macht mit präpositionen, über: gleich wie du jm macht hast gegeben uber alles fleisch. Joh. 17, 2; du hettest keine macht uber mich, wenn sie dir nicht were von oben erab gegeben. 19, 11; ei du fromer knecht, dieweil du bist im geringsten trew gewesen, soltu macht haben uber zehen stedte. Luc. 19, 17; ein mensch hat nicht macht uber den geist, dem geist zu wehren. pred. Sal. 8, 8; darüber ich macht von den hohenpriestern empfieng. ap. gesch. 26, 10; macht über leben und tod haben, vitae et necis potestatem habere Frisch 1, 632ᵇ; in: die mann hetten in yr weib und kind alle macht des todts und lebens (vergl. dazu oben b). Frank weltb. 66ᵃ; auf: sie (die seele) hat .. macht auf die stärke der beweggründe. Schiller hist.-krit. ausg. 1, 91.
d)
macht mit zu und infinitiven: die rethe haben auch macht, die becken zu regieren und inen das brot noch (nach) stegerunge und fallen des kornkaufs (kornpreises) zu setzen. Arnstädter stadtrecht bei Michelsen rechtsdenkm. 67; das des menschen son macht habe auf erden, die sünde zu vergeben. Matth. 9, 6; denen gab er macht, gottes kinder zu werden. Joh. 1, 12; weistu nicht, das ich macht habe dich zu creuzigen, und macht habe dich los zu geben? 19, 10; wir haben einen altar, davon nicht macht haben zu essen, die der hütten pflegen. Hebr. 13, 10; edele nimfe, fieng ich an, wann ein mensch eine göttin zu fragen macht hat ... Opitz 2, 266; (Barbarossa werde) den unseren macht geben die schlacht mit ihm zu thun. Fronsperger kriegsb. 3, 156ᵇ; da wird ihnen dann im namen desz röm. käisers macht gegeben, das ganze corpus juris, oder die ganze philosophi und alle freie künste in der welt zu dociren. Schuppius 114; und wolten unter andern, dasz die weiber gemein sein, und ein jeder macht haben solle zu seines nachbarn weib zu gehen. 814; dasz er macht hat so einen elenden jungen zu prügeln. Chr. Weise erzn. 147 Braune;
wer hat dir die macht geschenkt,
andre zu verdammen?
P. Gerhard 136, 21;
freiwillig hab ichs dargebracht,
und niemand nimmt mein leben.
es selbst zu lassen, hab ich macht,
macht, wieder mirs zu geben.
Gellert 2, 203;
meinstu, es sei noch rat und macht zu streiten? 2 kön. 18, 20; freilich stehts nun in meiner macht nicht mehr, die vergangenheit einzuholen. Schiller räuber 5, 2.
e)
macht, mit dasz und abhängigem satze: ich hete, mit gottes hülfe, wol so viel macht, das ich euch künd ubels thun. 1 Mos. 31, 29; gebt mir auch die macht, das, so ich jemand die hende auflege, derselbige den heiligen geist empfahe. ap. gesch. 8, 19;
dasz all die mich hand angenomen,
den hat got geben gwalt und macht,
dasz sie seind seine kind geacht.
Schade sat. u. pasqu. 2, 246, 1856.
f)
macht mit dem genitiv oder possessivpronomen des besitzers: die macht gottes, des herrschers, des kaisers, die macht der obrigkeit, des richters, der feinde grosze macht; jren sieg schreiben sie zu der macht jrer götzen. stücke in Esther 3, 7;
wer miszt den donner deiner (gottes) macht?
Hagedorn 1, 5;
verlasse sich ja keiner
auf fürsten macht und gunst.
P. Gerhard 115, 14;
wir wollen trauen auf den höchsten gott
und uns nicht fürchten vor der macht der menschen.
Schiller Tell 2, 2;
gebet acht!
das ist der Eumeniden macht!
kraniche des Ibykus;
oder adjectiven der zugehörigkeit: die kaiserliche, obrigkeitliche, richterliche, priesterliche, feindliche macht; die gesetzgebende macht (macht des gesetzgebers), verschieden von unten 11: dasz die gesetzgebende macht in der person des suveräns ohne abhängigkeit, ohne theilnahme von andern, sich befinde. Wieland 29, 187;
sie spricht ihr zu (die mutter der tochter); doch mütterlicher
macht
ward nie so schön von töchtern widerstritten.
Hagedorn 2, 165;
wie sichs gebührt, trat ich dem herrn entgegen,
der uns des kaisers richterliche macht
vorstellt im lande.
Schiller Tell 1, 2.
g)
präpositionale verbindungen, aus wessen macht, aus eigener macht: die hohenpriester und die eltesten im volk .. sprachen, aus waser macht thustu das? und wer hat dir die macht gegeben? Matth. 21, 23; nach dem absterben seiner gemahlin übernahm Maximilian aus eigner macht, als vormund seines sohnes, die regierung. Schiller hist.-krit. ausg. 7, 33;
der Piccolomini, der junge, thut sie jetzt führen.
den haben sie sich aus eigner macht
zum oberst gesetzt in der Lützner schlacht,
als der Pappenheim umgekommen.
Wallenst. lager, 11. auftr.;
mit macht, mit unwiderstehlicher gewalt, an oben 2, b rührend, aber durch das fehlen von all, ganz, was dort steht, den gesteigerten begriff zeigend: er spricht zum schnee, so ist er bald auf erden, und zum platzregen, so ist der platzregen da mit macht. Hiob 37, 6; die stimm des herrn gehet mit macht. ps. 29, 4; Jerusalem du predigerin heb deine stim auf mit macht. Jes. 40, 9; yhre pfaffen reden mit macht und was sy sagen, das wollen sy von yederman als gottswort gehalten haben. Frank weltb. 113ᵇ;
ich lauf, was ich ersleichen kan,
das vier der aller sterksten man
mit macht an mir zu schieben hetten.
fastn. sp. 564, 19;
es achtet in der welt nichts Virnula so sehre,
wie billich, als die zucht und angeboren ehre;
damit sie jhr mit macht nicht etwa werd entnummen,
so hat sie nechst ein freund von jhr geschenkt bekummen.
Logau 1, 101, 17;
stracks an dem pfahl! was gilts! wir wollen unterdrücken
den aufgeblasnen muth. legt händ an, streicht mit macht.
A. Gryphius (1698) 1, 504;
doch ohne nur in seinem sitz zu schwanken,
trifft Hüon ihn so kräftig vor die brust,
und wirft mit solcher macht ihn seitwärts an die planken,
dasz alle rippen ihm von seinem fall erkranken.
Wieland 23, 299 (Oberon 12, 88);
das mägdlein wandelt an ufers grün,
es bricht sich die welle mit macht, mit macht.
Schiller Piccol. 3, 7;
o gedenke denn auch, wie aus dem keim der bekanntschaft
nach und nach in uns holde gewohnheit entsprosz,
freundschaft sich mit macht in unserm innern enthüllte.
Göthe 1, 329;
dafür aus macht: und schrei (er schrie) aus macht mit groszer stimme. offenb. 18, 2.
h)
gebrauch des plurals: umbsonst und vergebens klagen wir als blind das glück an. es ist in unsern mächten, solches zu überwinden, und zu unsern füszen zu legen. Schuppius 540;
da liesz er einen schrai mit mechten,
fur auf vom stul und lief darvon.
H. Sachs 1, 529ᵈ;
(du) gabst mir rath und that,
die sonst kein mensch zu geben
in seinen mächten hat.
P. Gerhard 334, 56;
ja mit ungeheuren mächten
blicket sie (liebchen) wohl in die runde.
Göthe 5, 60.
5)
auch nichtpersönlichem wird macht beigelegt (vgl. dazu auch beispiele aus oben 4, g): wie die sonne aufgehet, in jrer macht. richt. 5, 31; sahen das das fewr keine macht, am leibe dieser menner, beweiset hatte. Dan. 3, 27; zu weilen aber brennete die flamme im wasser, uber die macht des fewrs, auf das es die ungerechten umbbrechte. weish. Sal. 16, 19; aber dis ist ewer stunde, und die macht der finsternis. Luc. 22, 53; ein testament wird fest durch den tod, anders hat es noch nicht macht, wenn der noch lebet, der es gemacht hat. Hebr. 9, 17;
als noch des hornes brausen
gebot mit finstrer macht,
da sah man eber hausen
in tiefer waldesnacht.
Uhland ged. 375;
in der neueren sprache gern in bezug auf seelisches oder geistiges: die macht der liebe, die macht der vorurtheile, die macht der gewohnheit, die öffentliche meinung ist eine macht; es gibt für die mathematische gröszenschätzung kein grösztes, denn die macht der zahlen geht ins unendliche. Kant 7, 101; durch die macht der vernunft. Wieland 7, 427; durch die macht ihrer reizungen hält sie ihn (Calypso den Ulysses) lange zeit auf ihrer insel gefangen. Schiller hist.-krit. ausg. 10, 222; der naturtrieb bestürmt das empfindungsvermögen durch die gedoppelte macht von schmerz und vergnügen. 106;
baum, vögel, thiere, grasz und sträuche
sind zeugen meiner (der liebe) süszen macht.
Günther 220;
ihren innern frieden
zerrüttet nicht die macht der leidenschaft.
Hagedorn 1, 13;
gib ungebändigt jene triebe,
das tiefe schmerzenvolle glück,
des hasses kraft, die macht der liebe,
gib meine jugend mir zurück!
Göthe 12, 15;
allgemein in fällen, die an die bedeutung 10 unten anrühren: die seele musz durch eine unwiderstehliche macht zu den handlungen des physischen lebens bestimmt werden. Schiller hist.-krit. ausg. 1, 146;
die starre,
unwandelbare regel der natur
steht gegen mich, ein aufgethürmter pfeiler,
und keine macht auf erden reiszt ihn um.
5, 9 (don Carlos, urspr. bearb. 1, 1);
ja, in der ferne fühlt sich die macht,
wenn zwei sich redlich lieben (macht sich die gewalt der liebe fühlbar).
Göthe 1, 192.
6)
macht, umschreibend (wie kraft II, 13, vgl. th. 5, sp. 1942 fg.), auf etwas mit macht oder gewalt ausgestattetes bezogen, vorzugsweise dinge:
der kälte strenge macht
gab keiner bitte statt.
Drollinger 66;
so kann es (das glück) dennoch nicht der zeiten macht besiegen.
183;
ein sprachgebrauch, den von neueren namentlich Schiller vertritt:
wenn der stamm zum himmel eilet,
sucht die wurzel scheu die nacht;
gleich in ihre pflege theilet
sich der Styx, des äthers macht.
klage der Ceres;
die vormals deines gleichen waren,
sie zwingt jetzt deines scepters macht.
ring des Polykrates;
mich packte des doppelstroms wüthende macht.
der taucher;
fest, wie der erde grund,
gegen des unglücks macht
steht mir des hauses pracht!
glocke v. 142;
wohlthätig ist des feuers macht.
v. 155;
wer weisz, durch welcher künste macht besiegt.
Maria Stuart 2, 3;
ists wahl, wenn des gestirnes macht den menschen
ereilt in der verhängnisvollen stunde?
braut von Messina v. 1477;
und oft
lockt uns der hölle schadenfrohe macht
durch wahrheit selbst an des verderbens rand.
Macbeth 1, 6;
auch bei Göthe:
dieses busens macht
drängt sich entgegen
der allanfallenden gefahr umher.
33, 250;
fremder klingt es uns, wenn in unmittelbarer nachahmung griechischen sprachgebrauchs personen so umschrieben werden:
ruft auch Priamos macht, damit er selber den bundseid
leiste.
Bürger 207ᵇ,
ebenso bei Voss:
dann auch rufet die macht des Priamos, dasz er das bündnis
schwör, er selbst!
Ilias 3, 105,
ἄξετε δὲ Πριάμοιο βίην, ὄφρ' ὅρκια τάμνη
αὐτός;
zu Aachen in seiner kaiserpracht
im alterthümlichen saale,
sasz könig Rudolphs heilige macht
beim festlichen krönungsmahle.
Schiller graf von Habsburg;
fünf monde sinds, es herrschte noch im lande
des vaters macht und beugete gewaltsam
der jugend starren nacken in das joch.
braut von Messina v. 682.
7)
auch im biblischen sprachgebrauche werden personen macht genannt: Ruben mein erster son, du bist meine kraft und meine erste macht, der öberst im opfer und der öberst im reich. 1 Mos. 49, 3; Ephraim ist die macht meines heubts, Juda ist mein fürst. ps. 60, 9; der herr ist meine macht, und mein psalm, und ist mein heil. 118, 14.
8)
macht, eine urkunde über eine verliehene gewalt, vollmacht: einen mit macht schicken (zu einer verhandlung). Haltaus 1285; in der verbindung moge und macht. Lexer mhd. wb. 1, 2013.
9)
in der alten sprache hatte macht auch die bedeutung der fülle und menge entwickelt:
in dem sumere was dar brâcht
malzes und meles michele macht,
vleisch und andere spîse gnûc.
livl. reimchron. 10984;
diese bedeutung, wenn auf dinge gehend, wird im nhd. nur noch vereinzelt angetroffen: wa er (der bienenkönig) sitzen bleibet, da ist das läger des ganzen schwarms, und die ganz macht des honigs und honigrahts. Fischart bienk. 240ᵃ.
10)
wol aber hat sie sich gehalten, wenn eine menge streitbarer personen, ein kriegsheer damit gemeint ist (vgl. dazu auch kraft II, 12, th. 5, sp. 1941 fg.):
diu edele ritterlîche maht
zogte ze herberge dô.
g. Gerh. 5978;
dem meister tet er daʒ bekant,
daʒ der Semegallen macht
hette an der selben nacht
dâ zû Ickeskule geheret.
livl. reimchron. 10373;
des heres macht man besach,
da mite man solde den strît bestân.
11170 (vgl. dazu heeresmacht th. 4², 755);
do kunig Adolf vernam die maht die der herzoge hette, do getorst er nüt zuͦ velde bliben. d. städtechron. 8, 59, 8; das das wasser wider kam, und bedecket wagen und reuter, und alle macht des Pharao, die jnen nachgefolget waren ins meer, das nicht einer aus jnen uberbleib. 2 Mos. 14, 28; was er an der macht der Egypter gethan hat. 5 Mos. 11, 4; das David hatte alle macht des HadadEsers geschlagen. 2 Sam. 8, 9; Benhadad der könig zu Syrien versamlet alle seine macht. 1 kön. 20, 1; da sandte er hin ros und wagen und eine grosze macht. 2 kön. 6, 14; wie du vorzeiten auf der Egypter heer schawtest, da sie deinen knechten nachjagten, mit groszer macht. Judith 9, 5; wolten wir mit macht und gewalt für den himel ziehen. Schade sat. u. pasqu. 3, 84, 29; würt dann Christus unsern groszen macht und gewalt in maszen und gestalt sehen so wol gerüst, für war er würt fürchten die zerstörung der schönen gepeu. 88, 27; mit gesammter macht eine schlacht wagen, vires universas discrimini bellorum objicere. Steinbach 2, 68; ein land mit seiner macht besetzt halten, regionem opibus suis obsidere. ebenda; (Englands) grosze force bestehet in der see-macht, worinne es alle andere reiche übertrifft, indeme es oft eine flotte von 200 und mehr schiffen ... unterhält. Hübners zeitungslexicon (1764) 698;
da wurden fünf fürsten macht auf irn pein,
die hetens heimlich dahin pracht.
Liliencron volksl. 1, 432, 217;
und böt uns in der achten schlacht
Franzos und Russe trutz;
so lachten wir doch ihrer macht.
Gleim 4, 14;
er war mit könig Friedrichs macht
gezogen in die Prager schlacht.
Bürger 13ᵃ;
oder wenn im allgemeineren sinne reiche kriegerische oder politische hilfsquellen überhaupt und darauf gegründete herschergewalt gemeint sind: Roger der zweite ... war es, der die ansehnlichen staaten Apulien und Calabrien seiner grafschaft Sicilien einverleibte und sich dadurch im besitz einer macht erblickte, die ihm kühnheit genug einflöszte, sich in Palermo die königliche krone aufzusetzen; dazu war weiter nichts nöthig, als sein entschlusz und eine hinlängliche macht, ihn gegen jeden widerspruch zu behaupten. Schiller 1042ᵃ; papst Innocentius, an kriegerischer macht zwar der schwächste unter allen gegnern Rogers. 1042ᵇ; die macht des welfischen hauses war so hoch gestiegen, dasz es .. gefährliche folgen für die ruhe des reichs haben muszte, dieses mächtige haus zum feinde zu haben ... neben einem vasallen von dieser macht konnte kein kaiser ruhig regieren. 1044ᵃ;
unglückselger durst
nach macht und schätzen und nach eitlem ruhm!
Uhland ged. 187.
11)
auf ihr steht die heutige bedeutung von macht für staat, sofern er sein ansehen kriegerisch geltend machen kann: der staat .. der in verhältnis auf andere völker eine macht (potentia) schlechthin heiszt. Kant 5, 143; mit diesen beiden mächten (Frankreich und England) stand Philipp damals noch im bündnis des friedens. Schiller hist.-krit. ausg. 7, 20; nicht weniger als vier feindliche mächte, unter denen einzeln genommen keine zu verachten war, hatten sich zu seinem untergange vereinigt. werke 1042ᵇ; Roger hatte diese kaufmännische macht (die republik Venedig) an ihrer empfindlichsten seite angegriffen, da er ihr eine grosze geldsumme an waaren wegnehmen liesz. ebenda; ich hatte sie (eine siegelsammlung) nach dem staatskalender eingerichtet, und war bei dieser gelegenheit mit sämmtlichen potentaten, gröszern und geringern mächten und gewalten, bis auf den adel herunter wohl bekannt geworden. Göthe 25, 298;
und drohen dieszmal die feinde,
oder künftig, so rüste mich selbst und reiche die waffen ...
und gedächte jeder wie ich, so stünde die macht auf
gegen die macht, und wir erfreuten uns alle des friedens.
40, 337;
bildlich: man konnt es .. prophezeien, dasz hier ein kleiner (krieg) zwischen dem ehepotentaten und der andern feindlichen macht ausbrechen werde. J. Paul uns. loge 1, 112. vgl.groszmacht, ↗landmacht (oben sp. 124), seemacht.
12)
freier von einem etwas, das regiert oder mitregiert, politisch oder in hinsicht auf unser leben: die nationalversammlung ist die gesetzgebende macht, der bundesrath die vollziehende macht in der Schweiz; die gesetzgebende macht spräche hier (auf der schaubühne) durch fremde symbolen zu dem unterthan. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 522; heute, heute hat eine unsichtbare macht unser handwerk geadelt! räuber 4, 5; keine irdische macht widersteht den erwählten der heiligen. Klinger Otto 21, 29;
nichts soll mich von Jesu scheiden,
keine macht der finsternis,
keine herrlichkeit, kein leiden.
Gellert 2, 220;
(jeder) huldiget der furchtbarn macht,
die richtend im verborgnen wacht.
Schiller kraniche des Ibykus;
wagst du dich
mit jener macht, die mich bedroht, zu messen?
Göthe 9, 348;
im plur.: nicht als ob ich zweifelte, sie (die justiz) werde mich zeitig genug finden, wenn die obern mächte es so wollen. Schiller räuber 5, 2; die obern mächte nicken mir ihr schreckliches ja herunter. kabale u. liebe 5, 6; nicht vor mir, vor den unsichtbaren mächten, die neben mir stehen, auf die kniee! Göthe 14, 129; dem heiligen ... das uns unsichtbar umgebend allein gegen die ungeheuren zudringenden mächte beschirmen kann. 17, 378;
wer nie die kummervollen nächte
auf seinem bette weinend sasz,
der kennt euch nicht, ihr himmlischen mächte.
18, 217;
nur der körper eignet jenen mächten,
die das dunkle schicksal flechten.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 55;
doch mit des geschickes mächten
ist kein ewger bund zu flechten.
310 (glocke v. 144);
strauchelt der gute und fällt der gerechte,
dann jubiliren die höllischen mächte.
Macbeth 1, 1;
im ausrufe:
o himmlische mächte, es ist mein sohn!
braut von Messina v. 2314.
13)
macht, für einen theil der kopftracht: darumb sol das weib eine macht auf dem heubt haben, umb der engel willen. 1 Cor. 11, 10, mit der glosse: macht, das ist der schleier oder decke, dabei man merke, das sie unter des mannes macht sei, gen. 3. Bindseils bibel 7, 558.
14)
macht endlich, zeugungsglied, eine bedeutung die sich wieder an macht oben 2, aber in dem besonderen, sonst nicht mehr zu belegenden sinne der zeugungskraft anschlieszt: wirt einer gestochen drei zwerchfinger oben von dem nabel bis auf die macht, das ist ein grosze wund. Braunschweig chirurg. (1498) 17ᵃ; von den harten drüsen, die sich under den uchsen und oberhalb des schenkels an der macht erheben. Ryff chirurgei (1559) 2, 89ᵇ; das kraut zerknütscht und auf die geschwulst der macht geleget, wehret der hitz. Tabernaemont. 710; diese salben gebrauchet, den verharten bauch darmit zu erweichen, auf den nabel und umb die macht herumb geschmieret. 1133.
Zitationshilfe
„macht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/macht>, abgerufen am 21.04.2019.

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