mörder m
Fundstelle: Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2537, Z. 80
1)
begeher eines mordes. mhd. mordære, morder (ahd. ist dafür murdreo bezeugt, dem goth. maurþrja entsprechend, vergl. dazu unter mördern), die unumgelautete form auch noch später: latro, morder, murder Dief. 320ᶜ; latrunculus, morder 321ᵃ; morder, homicida, paricida, vulg. manschlechtiger. voc. inc. theut. o 2ᵃ; morder seins vatter oder muter, parenticida. ebenda; dann umgelautet: homicida, totschleger o. morder, murder, moerder Dief. 279ᶜ; latro, ein straszenrauber, mörder Dasyp.; bair. die form mürder Schm. 1, 1646 Fromm. mörder ist in der älteren sprache gern bezogen auf einen der um gewinnes willen mordet, raubmörder (vergl.mord als raubmord sp. 2531): mörder und straaszröuber, latro, homicida, interfector, carnifex Maaler 293ᵃ; alle morder, die uf dem velde leute um daʒ irr raubin, und nicht intsait habin, und dy molin und kirchin und kirchobe raubin, sol man radebrechin. Magdeb. blume 2, 5, 2; ir seid ausgangen, als zu einem morder (ὡς ἐπὶ ληστήν), mit schwerten und mit stangen, mich zu fahen. Matth. 26, 55; und da wurden zween mörder (δύο λησταί) mit jm gecreuziget. 27, 38; es war ein mensch, der gieng von Jerusalem hin ab gen Jericho, und fiel unter die mörder, die zogen jn aus, und schlugen jn, und giengen davon, und lieszen jn halb todt liegen. Luc. 10, 30; ich bin in ferligkeit gewesen zu wasser, in ferligkeit unter den mördern. 2 Cor. 11, 26; in der zusammenstellung dieb und mörder, räuber und mörder: queme ein dyp odir ein morder, dem man volgete auʒ eime gerichte in ein ander gerichte ... mit gerufte. Magdeb. blume 1, 107; daʒ er hegete und houste und geweldiclichen vorinthilde iren dyp odir iren roubir odir morder. ebenda; wer nicht zur thür hin ein gehet in den schafstal, sondern steiget anderswo hin ein, der ist ein dieb und ein mörder (κλέπτης ἐστὶν καὶ ληστής). Joh. 10, 1;
(du) hast am kreuz als wie ein dieb
und mörder da gehangen.
P. Gerhard 201, 40;
der mörder höhle, spelunca, vergl. mörderhöhle, mördergrube:
wie alles in der mörder höle
von warmem menschenblute raucht.
Brockes 1, 518;
aber auch eben so nur auf einen, der mit vorbedacht und treulos tötet: wer do totit mit rechte, der ist kein morder. Magdeb. blume 2, 3, 108; sô der augapfel (am menschen) swarz ist und ain gelb varb hât sam ob er überguldet sei, der bedäut ainen pœsen menschen, ainen morder, der menschleich pluot gern vergeuʒt. Megenberg 44, 24; sie (die fromme stadt) war vol rechts, gerechtigkeit wonet drinnen, nu aber mörder. Jes. 1, 21; wenn er aber einen son zeuget, und derselbige wird ein mörder, der blut vergeuszt. Hes. 18, 10; unbarmherzige mörder jrer söne, die da menschen fleisch fraszen und grewlich blut soffen. weish. Sal. 12, 5; also starb der mörder und gotteslesterer Antiochus in groszen schmerzen. 2 Macc. 9, 28; wer jemand durch gift oder venen an leib oder leben beschädiget, ist es ein mannsbild, der soll einem fürgesetzten mörder gleich mit dem rad zum todt gestraft werden. Carolina art. 130; dasz der gewonheit nach ein fürsetzlicher, mutwilliger mörder mit dem rad, und ein ander der ein todtschlag ausz gechheit und zorn gethan, ... mit dem schwerdt vom leben zum todt gestraft werden sollen. 137; mörder oder todschleger an seinem bruͦder, fratricida. Maaler 293ᵃ; ein meineidiger, ein falscher zeug, ein stattverräther, ein mörder. Philander 1, 179; der prinz ist ein mörder! des grafen Appiani mörder! den haben nicht räuber, den haben helfershelfer des prinzen, den hat der prinz umgebracht! Lessing 2, 170;
nach dem werstu im schlaf erstochen (prophezeiung eines zwerges),
das doch auch entlich wirt gerochen
an den untrewen mördern dein.
H. Sachs hürn. Seufrid 27, 746;
aus solchem frechen blutvergieszen
soll dem nun, der die mörder hält,
ein kranz von palm- und lorbeern sprieszen?
Brockes 1, 515;
da sperren auf gedrangem steg
zwei mörder plötzlich seinen weg.
Schiller kraniche des Ibykus v. 28;
zu rächen des erschlagnen manen,
zu sühnen mit des mörders blut.
64;
eh sich ein henker für mich findet, wird
noch eher sich ein mörder dingen lassen.
M. Stuart 1, 6;
ach allm! stöhnt einst ein ritter; ihn traf des mörders stosz;
allmächtger! wollt er rufen!
Uhland ged. 365;
weh dir, verruchter mörder, du fluch des sängerthums!
392;
in übertragener anwendung: rosen streust du dem mörder deiner liebe? Schiller räuber, trauersp. 2, 3;
kreuch aus, aus deiner mördergrube,
du mörder edler lebenszeit!
Gleim 6, 306;
dieser mörder einer frohen stunde.
Gökingk 3, 50;
in milderem sinne, von dem der mittelbar tötet: der arme hat nichts, denn ein wenig brots, wer jn darumb bringet der ist ein mörder. wer einem seine narung nimpt, der tödtet seinen nehesten. Sir. 34, 25; fieng der herr an, ach du bösewicht, siehe wie ich mir deinetwegen das leben abkürzen musz, ist es auch möglich, dasz ein tag vorbeigeht, da ich mich nicht erzürnen musz .. ach der schelme wird noch zum mörder an meinem leibe. Chr. Weise erzn. 146 Braune; oder vom unabsichtlichen totschläger: von morderen. totit ein man einen binnen sinen geweren, alʒ er einen boum vellete an sotanir stat, do nymandes geschefte were, er darf keins dorume lyden, ob ers bewisin tar, alʒ recht ist. Magdeb. blume 2, 2, 285.
2)
mörder, name eines schönheitspflasters: ein gesicht mit künstlicher röthe gebeizt und mit einem pflaster versehen, das man mit recht einen mörder genannt hat, weil es an dem gefährlichsten theile des haupts den argwohn einer wunde erreget. Sturz 2, 64.
3)
mörder, name einer vogelart, ampelis carnifex, sonst roter seidenschwanz, büttel. Nemnich 1, 236.
mörder m
Fundstelle: Lfg. 14 (1885), Bd. VI (1885), Sp. 2539, Z. 19
für mörtel, vergl. mörter.
Zitationshilfe
„mörder“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/m%C3%B6rder>, abgerufen am 16.10.2019.

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