lumpen m
Fundstelle: Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1293, Z. 40
panniculus.
1)
die alte form war im sing. lumpe, gen. lumpen, vgl. oben unter lump: panniculus, ein kleines tüchlein, lappe, lumpe. Kirsch cornuc.; hader, lumpe, pannus Frisch 1, 392ᵃ;
dein stärkster foliant, der fluch für den, der schreibt,
war lumpe, ward papier, wird kehrig, wird zerstäubt.
Hagedorn 3, 107;
vor vocalen auch lump, in einer stelle, wo der apostroph andeutet, dasz lumpe gefühlt ward:
verhängnis! läst du denn den purpur so vermodern,
so sage, was hinfort ein lump' erwarten soll?
Günther 808;
schon bei Steinbach aber, mit vordringen des n in den nominativ, der lumpen, plur. lumpen, panniculus, pannus, tribonium 1, 1083, und seit der 2. hälfte des vorigen jahrh. so durchaus; nur schweizerisch noch jetzt der lumpe, lappen, lumpen, auch schnupftuch Seiler 195ᵇ.
2)
der sing. des wortes, nicht häufig vorkommend, steht im collectiven sinne, wie zeug, stoff: damit mans nicht spüret, etwas guts zu sein, wicklet sie solchs in liederlich lumpen. buch d. liebe 199ᶜ; oder mit vereinzeltem begriff, stück zeug, fetzen: vielmehr sahen es alle lehnsherren gern, dasz die ihnen dienenden söhne .. jeden lumpen des väterlichen erbguts unter sich theilten. Möser phant. 4, 230;
nicht einen lumpen soll der bastard von mir erben.
Kotzebue dramat. sp. 2, 180.
3)
gewöhnlich ist der gebrauch des plurals: mhd.
dû muost dise lumpen lân,
und mîniu kleider legen an.
ges. abent. 2, 437, 841;
nhd. lumpen, alt hudlen, assumenta Maaler 275ᵈ; mit lumpen underschurzen, suffarcinare 276ᵃ; da findest du so vil ungestalter alter lumpen, das davon nieman gesprechen kan. Keisersberg pred. 45ᵇ; EbedMelech .. nam daselbst zurissen und vertragene alte lumpen, und lies sie an einem seil hin ab zu Jeremia in die gruben. und EbedMelech der mor sprach zu Jeremia, lege diese zurissen vertragene alte lumpen unter deine achsel umb das seil. Jer. 38, 11. 12; sprichwörtlich lumpen machen leuse, nulla calamitas sola. paupertas otiosa est. Stieler 1140; mit mehr sorgfalt suchen die bettlerweiber nicht die lumpen aus dem kehricht, als so ein schelmenfabricant aus kleinen .. anzeigen und umständen sich endlich einen strohlumpenen vogelscheu zusammenkünstelt. Göthe 8, 246;
viel alte lumpen sie da umb sich rumbher machte.
D. v. d. Werder Ariost 11, 115;
lumpen als bettlerkleidung und bettlerabzeichen (wie in einer reihe unten folgender zusammensetzungen lumpen- das bettelhafte, nichtswerte bezeichnet): ich will dir zwen lumpen lyhen do mit du dich bedeckest. Keisersberg bilg. 23ᶜ; das man dich bald beim kopf nemen und wider deine lumpen voll schlahen .. würde. Luther 6, 281ᵃ; mein zimmer .. war voll leute aller art, einige stattlich gekleidet, andere in lumpen. Seume spazierg. 1, 159;
o, kenntet ihr die reine lehre,
rein, wie sie von dem lehrer ging,
eh stolz und eigennutz mit lumpen sie behing.
Gotter 1, 399;
es sieht hier
sich der bettler sogar in seinen lumpen veredelt.
Göthe 1, 338;
mit der jugend hohem muthe,
die den männerwerth in lumpen ehrt.
Seume mein sommer 116;
staarblind für armuth, sieht der weltling dicht
vor seiner nase ihre lumpen nicht;
doch im gedränge kann er grafen sehn
und kriecht vor gecken, die in golde gehn.
ged. 221;
lumpen zur papierbereitung: wenn das papier gut gemacht werden soll, so müssen die lumpen gut sortiret, zu dem feinen papier die feinen, und zu dem groben, die groben lumpen, gewählet werden. Jacobsson 2, 646ᵃ; daher lumpen für papier selbst:
Witzel wird mir schuld beimessen, dasz ich schreib auf lumpen possen;
besser das pappier verschrieben als beim pferdefang verschossen.
Logau 3, 153, 91 (überschrift pappier).
vgl. auch haderlumpen.
4)
lumpen, s. lumpenzucker.
5)
die verwandten von lumpen, welches mit dem nachfolgenden verbum lumpen und seinen zugehörigen auf den grundbegriff des hangenden und schlaffen zurückgeht, sind unter lampen sp. 88 fg. und lappen sp. 196 aufgeführt. ob das adj. lumm sp. 1289 hierher gehört, erschien wegen mangel ausschlaggebender älterer formen fraglich; wörter wie lümmel geschlinge, lummeln, lummen, neben deren mm auch die verbindung mp sich geltend macht, dürfen nach form und bedeutung zu der verwandtschaft gezogen werden. niederl. entspricht lomp, plump, grob, ungeschickt, engl. lump, klumpen, unordentliche masse, als verbum klumpenweise ansetzen, aber auch limp, kraftlos, schal, hinkend, als verbum hinken.
lumpen m
Fundstelle: Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1293, Z. 38
ein schleimfisch, blennius lumpenus; auch in Antwerpen lumpen, franz. lumpène. Nemnich 1, 624.
lumpen adj
Fundstelle: Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1295, Z. 29
aus lumpen gemacht: (der könig) liesz aber doch sein wamms neben dem ausgestopften Rattenkahl und der lumpenen königin aufhängen. Brentano märchen (1879) 1, 38; bildlich, nichtswert, gering, armselig (vergl. lumpicht): er böte solches (essen) ... der trödelfrauen an, dasz sie es umb ein lumpen geld verschleppen müsse. Chr. Weise erzn. 62 Braune.
lumpen verb
Fundstelle: Lfg. 7 (1881), Bd. VI (1885), Sp. 1294, Z. 51
in mehreren bedeutungen.
1)
schlaff hangen (vgl. lummen):
die zitzen lumpten wie die fleck (kaldaunen).
Froschmäus. 2, 4, 4, Hh 8ᵃ;
düringisch die kleider lumpen ihm am leibe, schlottern, sitzen nicht gut; die ander sünde, des lumpenden hosenteufels wieder gott. A. Musculus hosenteufel (1556) B iijᵃ; reflexiv, sich lumpen, schlaff, lumpicht werden oder sein, hier in der bildlichen bedeutung des nichtswerten, vgl. unten 3:
man mahlt den blassen neid mit brüsten, die verschrumpen:
es eifert sich der neid um sachen, die sich lumpen.
Logau 3, 181, 42.
2)
schlaff und gebrochen gehen, schwer laufen können, hinken (wie engl. limb vorher no. 5): niederd. lumpen, ein wenig hinken, im gehen den einen fusz nach ziehen. brem. wb. 3, 98; lumpen, lahm gehen, sich kaum noch fortschleppen Schambach 127ᵇ; etliche hinken und lumpen und stellen sich als würde ihnen das gehen so sauer. Pape bettel- u. garteteufel (Magdeb. 1586) K 5ᵇ;
und ob er gleich ungewisz stehet,
zu beiden seiten lumpen gehet.
Froschmäus. 2, 1, 4, bl. T 3ᵇ.
3)
lumpen, wie ein lump gehen, verlottert sich zeigen: man schmälerte uns den tisch, meist milch und milch, liesz uns lumpen und lempen, um zu sparen. bis in mein sechszehntes jahr ging ich selten, und im sommer baarfusz in meinem zwilchröckli, zur kirche. armer m. im Tockenb. 19; hier (auf characterzeichnungen) lumpt die lumpendurl z. b. nicht nur in jedem fetzen des gewandes, auch vom kopfe bis auf die zehen in jedem zuge. Knebel in Böttigers litt. zuständen 2, 222; mit bezug auf die wirtschaftliche seite schweiz. lumpen, schwelgen, prassen, bei geschäften nicht redlich zu werke gehen, schlecht in der öconomie stehen. Stalder 2, 184. 185; bairisch lumpen, ein nachlässiges, liederliches leben führen, nichts thun und dabei schwelgen, zuweilen mit dem nebenbegriffe des schuldenmachens und betrügens. Schm. 1, 1474 Fromm.
4)
häufig ist die redensart sich nicht lumpen lassen, nicht leiden, dasz man für einen lumpen, einen verächtlichen kerl angesehen werde, daher sich anständig, freigebig erweisen: er lässet sich nicht lumpen, contemni se non patitur. Stieler 1140; für die schöne kollekte danke ich ihnen herzlich. wenn sie auch einmal so ein treibejagen anstellen wollen: will ich mich gewisz auch nicht lumpen lassen, und ihnen subscribenten aus Marocco schaffen, wo ich wirklich jetzt einen guten freund habe. Lessing 12, 527; mit allen ehren von der weiblichen verschwiegenheit gesprochen, so läszt sich doch die männliche auch nicht lumpen, besonders, wenn freund Amor im spiel ist. Bürger 498ᵇ;
er sich gewisz
nicht lumpen läszt,
und gibt der flotte
fest auf fest.
Göthe 41, 305;
niederd. sik nig lumpen laten, sich nicht filzig aufführen, es im aufwande einem andern gleich thun, auch sich nicht verächtlich behandeln lassen. brem. wb. 3, 99. Schütze 3, 57; sek lumpen laten, sich als lump, als knicker zeigen. Schambach 127ᵇ; nur in dieser redensart erscheint transitives lumpen, als lump behandeln, dem am nächsten niederl. lompen schlecht behandeln, hudeln steht.
5)
lumpen, scortari, libidinibus se dare, propinari: sie lumpen sich ja miteinander, in coeno libidinis volutantur. Stieler 1140.
Zitationshilfe
„lumpen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/lumpen>, abgerufen am 17.10.2019.

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