lediglich adv
Fundstelle: Lfg. 3 (1879), Bd. VI (1885), Sp. 506, Z. 18
1)
frei, ungefangen (vgl. ledig 1): der keiser .. lies den zuhtmeister (der sich an ihm vergriffen hatte) lidekliche dennen scheiden. d. städtechr. 8, 421, 2.
2)
von gut und eigenthum frei, unbelastet (vergl. ledig 6): herumb gap der künig sant Florencien die gebreite und die stat, do er innen wonende was, ... lidekliche zuͦ eigen. d. städtechr. 9, 632, 13; ist, das es (das gut) dann versetzt ist, und das im (dem käufer) der purchtherre das versweiget, und let ins dann chaufen, und geit ims darnach ledigleich auf. Wiener stadtrechts- und weichbildbuch s. 128 Schuster; (das gut) lediglich zu versetzen und zu verkaufen, und zu geben, wem er wil. 115.
3)
von lehen und gut, erledigt (vgl. ledig 7): der sol meineidig und erlosz sin und nimer me gen Straszburg kommen und sol darczuͦ alles sin guͦt unser stat lidiclich verfallen sin. d. städtechron. 9, 944, 17.
4)
lediglich aus dem begriff des freien und ungehinderten in die bedeutung durchaus, nichts als, völlig, gänzlich übergehend (vgl. dazu das hessische lidig unter ledig 16, b und einen ähnlichen übergang des adv. frei in der oberdeutschen volkssprache theil 4¹, sp. 100): absolute lediglichen, on ein zusacz Dief. 5ᵇ; einem die sache lediglich anheimstellen, penitus committere, totam causam alicujus judicio permittere. Stieler 1108;
ich hân vil ledeclîche brâht
in ir genâde mînen lîp.
minnes. frühl. 152, 5.
5)
in der neuern sprache aber beschränkend, so viel wie einzig, blosz, rein (vergl. ledig 16, b): lediglich nach deinen willen, tuo solo arbitratu, omnino ex voto tuo Stieler 1108; künftighin, war ihre vorschrift, würde es gar nicht mehr als unverstand, oder als mangel an kenntnis, sondern lediglich als ein grober verstosz, gegen das, was sich ziemte, angesehen werden. Klopstock 12, 366; ich bin lediglich in meinen eigenen angelegenheiten hier. Lessing 1, 531; die zeichen der poesie (sind) nicht lediglich willkührlich. 11, 128; in der that scheinen sie sich in diesem stücke lediglich nach einem allgemeinen glauben .. gerichtet zu haben. Wieland 1, 358; anstatt dasz aller nutzen von ihrer unterdrückung lediglich in die kassen einiger privatleute und ehmaligen günstlinge des volks geleitet worden war. 2, 125; wie oft entsteht in beiden arten der tragi-komödien die verwicklung selbst lediglich daher, dasz Hans Wurst .. den klugen leuten .. ihr spiel verderbt! 3, 62; aber so wie er war, überliesz er diese art von spekulazionen seinem freunde Plato, und schränkte seine eigenen nachforschungen über die intellektualen gegenstände lediglich auf diese einfältigen wahrheiten ein. 230; hätte er doch einsehen sollen, dasz die gute wirkung dieses mittels lediglich von dem glauben an seine kraft abhängt. 7, 104; die gegend ist durchaus nicht, was man eine schöne nennt, denn sie besteht lediglich aus wellenden hebungen und senkungen des erdreichs. Immermann Münchh. 1, 171;
mit einem wort — der mallieschlägel
hat grosze ehre von der kur.
doch diese (wies in solchen fällen
zu gehen pflegt), kommt lediglich
auf Dubans rechnung.
Wieland 10, 338.
Zitationshilfe
„lediglich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/lediglich>, abgerufen am 16.07.2019.

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