leben n
Fundstelle: Lfg. 3 (1879), Bd. VI (1885), Sp. 409, Z. 58
vita.
1)
die ausgedehnte substantive verwendung des infinitivs leben ist eine hoch- und niederdeutsche eigenthümlichkeit. im gothischen hatte sich zum verbum liban ein feminines verbalsubstantiv libains gebildet, das manche bedeutungen unseres leben in sich vereinigt und das sich im ags. fem. lifen, leofen victus, alimentum wiederfindet; auszerdem dient für den begriff vita in der alten sprache ein neutr. altnord. ags. alts. altfries. lîf (das sich im heutigen dän. liv, schwed. lif, engl. life fortsetzt), ahd. mhd. neutr. und späteres masc. lîp; und in dem masze, wie dieses letztere wort im hoch- und niederdeutschen sprachgebiete seine bedeutung ändert (vergl. unten unter leib), tritt der substantive infinitiv leben an die alte stelle, was noch spärlich im späteren ahd., häufig schon im mhd. geschieht. die declination bleibt lange die eigenthümliche der infinitive: ahd. daʒ si muoʒʒen gnioʒʒen alla mînes lebannes. Otlohs gebet bei Müllenhoff und Scherer no. 82, 67; nû ne hân ih filo sundiger mennisco leidir mir neheine uuîs rehte christenlîcho in guotemo lebenna die heiligen glouba geuueret. ebenda no. 90, 66; mhd. alse enpfienc dîn reiniu muoter Marîâ magetwesende des lebennes fruht. David v. Augsburg, Haupts zeitschr. 9, 36;
so beginnet sâ sîn herze streben
von einem lebenne in ander leben.
Freidank 69, 2 in mehreren handschriften.
doch tritt mit der ausbildung des substantivbegriffes vita an dem worte auch die gewöhnliche neutrale substantivdeclination auf:
ob wir bî lebene bestân.
Nib. 2119, 4;
dîn vart si vome leben schiet,
die du jungest von ir tæte.
Parz. 499, 24.
2)
eine folge davon, dasz leben ein nach und nach zu einem vollen substantiv entfalteter infinitiv ist, zeigt sich auch in der verhältnismäszigen seltenheit eines plurals, der uns noch heute ungewöhnlich klingt, selbst in dem falle wo leben die bedeutung eines lebenden wesens angenommen hat (unten no. 24). er ist in der ältern sprache manchmal belegt:
den sâmen kan der tiuvel geben,
man velschet alliu rehtiu leben.
Freidank 67, 26;
der rehten leben ist niht mê
wan driu: ich mein die rehten ê,
magetuom und kiuscheheit.
75, 18;
erstlich die eltern leren sint (lernen),
das sie sollen bei iren leben
ir gut den kindn nicht übergeben.
H. Sachs dicht. 2, 143, 156 Tittmann;
in der neueren dichtersprache:
der leben schauplatz, feld, wo wir schlummerten.
Klopstock 1, 87;
ein solcher tag ist mehr, als viele lange leben,
die sonst ein sterblicher verlebt!
94;
er starb. da verlieszen
mit der seele die feinsten noch übrigen leben die leiche.
5, 57;
ja verwese! wie viel, und welche leben empfind ich!
diese können nicht sterben! die neuen leben nicht sterben!
58;
welche leben waren in ihr (der seele) erschaffen! wie stieg sie!
150;
wie du kamest, als du aus der nacht die sonnen hervorriefst,
also kommst du, mit tausendmal tausend leben umströmet,
und vor dir beseelender sturm her!
199;
ich hab ihn so unaussprechlich geliebt! so liebte kein sohn; ich hätte tausend leben für ihn — Schiller räuber 1, 2; wenn du drei leben hast, so steh wieder auf und wandle! Fiesko 5, 11;
ich will dich retten, kost es tausend leben!
Maria Stuart 3, 6
(wofür die sprache des gemeinen lebens sagen würde wenn es tausendmal das leben kostete); in einzelnen wendungen auch in volksmäsziger rede: eine katze hat neun leben, wie die zwiebel und das weib sieben häute. Simrock sprichw. 292, vergl. dazu auch unter katze II, 2, d, theil 5, sp. 284.
3)
leben steht zunächst im gewöhnlichen und allgemeinen sinne, entgegengesetzt dem todtsein, von allem was auf der erde aus innerer kraft sich regt, namentlich menschen und thieren (vergl. das verbum leben 1). Es heiszt: alles leben beruht auf dem innern vermögen, sich selbst nach willkühr zu bestimmen. Kant 3, 58; leben ist das vermögen eines wesens, nach gesetzen des begehrungsvermögens zu handeln. 4, 104; das vermögen eines wesens, seinen vorstellungen gemäsz zu handeln, heiszt das leben. 5, 9; leben heiszt das vermögen einer substanz sich aus einem innern princip zum handeln .. zu bestimmen. 8, 541; das leben ist nicht eigenschaft oder product der thierischen materie, sondern umgekehrt die materie ist product des lebens. Schelling weltseele 190; er (der mensch) hat von iedem (geschöpf) ein stuck, in und an jm, also das kein creatur ist, davon er nit etwas an jm hab. von den bäumen und alles was unempfindtlich wechszt, hat er an jm vitam vegetativam, das wachsend leben, von allen thiern in allen elementen vitam sensitivam, ein empfindtlich leben. S. Frank sprichw. 2, 120ᵇ; aller thiere auf erden, und allen vögeln unter dem himel, und allem gewürm das das leben hat auf erden. 1 Mos. 1, 30; jre götzen sind triegerei, und haben kein leben. Jer. 10, 14; leben geht nur unter, damit besseres leben an seiner stelle keime. Schiller 1031ᵃ. Von pflanzen: vortreffliche beobachtungen über das leben und die anwendung der pflanzen. Niebuhr kl. schr. 1, 20;
aus dem samen entwickelt sie sich (die pflanze), sobald ihn der erde
stille befruchtender schoos hold in das leben entläszt ...
einfach schlief in dem samen die kraft; ein beginnendes vorbild
lag, verschlossen in sich, unter die hülle gebeugt,
blatt und wurzel und keim, nur halb geformet und farblos;
trocken erhält so der kern ruhiges leben bewahrt.
Göthe 1, 136 (metamorphose der pflanzen);
in bezug auf welk gewordene blumen:
es sank aus unbewölkten lüften,
nach einem schwülen tag, der abend sanft herab;
die blumen, denen er das leben wieder gab,
durchbalsamten die luft mit süszen frühlingsdüften.
Wieland 17, 17 (Idris 1, 12).
die niedrigere art dieses letzteren lebens macht sich in halb verächtlich gemeinten zusammensetzungen geltend: die vornehmen damen dieser stadt führen fast alle nur ein blumenleben;
die auf dem land, an trägen sitzen kleben,
sind lächerlich in ihrem pflanzenleben.
insecten sind lebendiger als sie.
Hagedorn 1, 73.
4)
leben vorwiegend von dem menschlichen dasein gesagt. hier tritt zunächst, nach der doppelnatur des menschen, der gegensatz dieses und jenes, des jetzigen und des künftigen, des zeitlichen und des ewigen, des irdischen und des himmlischen lebens u. ähnl. hervor:
hurtâ, wie der markîs
den bêden leben warp da prîs,
dises kurzen lebens lobe,
und dem daʒ uns hôh ist obe!
Wolfram Willeh. 420, 16;
daʒ ich ûf diz brœde leben
ahte harte kleine.
arm. Heinrich 696;
daʒ êwige leben
daʒ dâ niemer zergât.
1148;
da er zur marter gieng, strafet er die, so verboten fleisch aszen, aus liebe des zeitlichen lebens. 2 Macc. 6, 20; du nimpst mir wol das zeitliche leben, aber der herr aller welt wird uns ... auferwecken zu einem ewigen leben. 7, 9; wer sein leben auf dieser welt hasset, der wirds erhalten zum ewigen leben. Joh. 12, 25; die gottseligkeit ist zu allen dingen nütz, und hat die verheiszung dieses und des zukünftigen lebens. 1 Tim. 4, 8; ein keiser, könig, fürst, graf oder sonsten regenten werden klagen, wann sie nur nit tyrannisiert hetten, und hie im leben nit allen mutwillen getrieben, so wolten sie zur hulde gottes kommen. volksbuch von doctor Faust s. 38 Braune;
so lange dieses leben währt.
P. Gerhard s. 79 Gödeke;
nun bin ich durch (spricht das gestorbene kind). gott lob und dank!
hier kommt ein ander leben.
98;
doch beherzt! aus diesem leben
ist in jenes nur ein schritt.
Günther 116;
zu den räumen
des unsterblichen lebens.
Matthisson ged. (1794) 47;
wenn dieser mordstreich auch das ende wäre,
das ende nur für diese zeitlichkeit —
wegspringen wollt ich übers künftge leben!
Schiller Macbeth 1, 14.
das ewige leben ist als ein seliges dem ewigen tode, der ewigen verdamnis gegenüber gestellt: und viele, so unter der erden schlafen ligen, werden aufwachen, etliche zum ewigen leben, etliche zu ewiger schmach und schande. Dan. 12, 2; was soll ich thun, das ich das ewige leben ererbe? Marc. 10, 17; es heiszt auch das leben schlechthin: das ist ein groszer trost, das wir hoffen, wenn uns die menschen erwürgen, das uns gott wird wider auferwecken, du aber wirst nicht auferwecket werden zum leben. 2 Macc. 7, 14; die pforte ist weit, und der weg ist breit, der zur verdamnis abfüret, und jr sind viel, die drauf wandeln. und die pforte ist enge und der weg ist schmalh, der zum leben füret, und wenig ist jr, die jn finden. Matth. 7, 14;
wormit zum leben wir durch seinen tod eingehn.
Lohenstein geistl. ged. 67, 1225;
oder das rechte, das wahre leben: in diesem leben, welches nur die geburt ins wahre leben ist (im munde eines altchristlichen sprechers). Wieland 27, 304;
ich will von sünden auferstehn,
wie du vom grab aufstehest:
ich will zum andern leben gehn,
wie du zum himmel gehest.
dies leben ist doch lauter tod;
drum komm und reisz aus aller not
uns in das rechte leben.
P. Gerhard s. 58 Gödeke.
auszerhalb dieser religiösen vorstellungen wird ein thierisches, ein natürliches leben des menschen, und wieder ein vernünftiges, höheres, ein geistesleben genannt: da nun zu ertödtung des thierischen menschen kein anderes mittel sei, als das leben des geistigen zu befördern: so ermahnte er sie mit groszem ernste, dem erstern, so viel nur immer mit der schuldigen erhaltung des natürlichen lebens bestehen könne, alle nahrung zu entziehen. Wieland 27, 302; der mensch lebt auch das thierische leben und empfindet seine vergnügungen und leidet seine schmerzen. aber warum? er empfindet und leidet, dasz er sein thierisches leben erhalte. er erhält sein thierisches leben, um ein geistiges länger leben zu können. Schiller 9, 45 anm. Kurz; dasz der vorzug eines vernünftigen menschen darin bestehe: sich so zu betragen, dasz sein leben, in so fern es von ihm abhängt, die möglichste masse von vernünftigen, glücklichen momenten enthalte. Göthe 29, 120.
5)
ohne solche beisätze ist gewöhnlich das natürliche leben des menschen auf der erde gemeint. von der groszen reihe der verbalverbindungen, in denen das wort in diesem sinne steht, werde eine auswahl der gebräuchlichsten gegeben.
a)
der anfang des lebens wird betont in fügungen wie einem das leben geben, schenken: gott hat dem menschen das leben gegeben; die mutter schenkte einem söhnchen das leben, starb aber bald in der geburt;
ihr (himmlischen mächte) führt ins leben uns hinein.
Göthe 2, 122.
b)
andere zeichnen gang und dauer: ein leben leben, vergl. oben das verbum leben 5, a; ein leben führen: indesz ich .. mein leben mehr laufen lasse als führe. Göthe 29, 112;
wie hättst du, armer erdensohn,
dein leben ohne mich geführt?
12, 172;
das leben haben; am leben sein, älter auch beim leben sein: und der könig Rehabeam ratfraget die eltesten die fur seinem vater Salomo gestanden waren, da er beim leben war. 2 chron. 10, 6; da sie hörten, dasz der riesz noch im leben war. buch d. liebe 278ᶜ; wie noch etliche personen beim leben, die jn wol gekandt. volksb. von doctor Faust 130 Braune; dasz Sady zu deinen zeiten im leben gewesen (gelebt hat). pers. baumg., vorrede; bei dem leben sich befinden. Mainzer landrecht von 1755, 14 § 5;
hilf gott, was führtet ihr allda für eine klage!
was vor ein angstgeschrei! noch war bei aller pein
die härtste, dasz ihr noch im leeben mustet sein.
P. Fleming 79;
rede! wie ist mir?
bin ich noch im leben?
bin ich mir selbst ein traumgesicht?
Göthe 11, 178;
so lang ich leben habe, soll kein schlusz
durchgehn, der wider recht ist und vernunft.
Schiller Demetrius 1. aufz., v. 438;
des lebens sich freuen, genieszen, was an den sinn von leben unten 16 streift: brauche des lebens mit deinem weibe, das du lieb hast, so lange du das eitel leben hast, das dir gott unter der sonnen gegeben hat, so lange dein eitel leben weret. pred. Sal. 9, 9; ihnen danken wir, dasz wir menschlich leben, dasz wir uns unsers lebens freuen. Schiller menschenfeind, 6. scene;
so mög er nimmer sich des throns noch lebens freun.
Dido v. 112;
freut euch des lebens,
weil noch das lämpchen glüht.
M. Usteri in Wackernagels leseb. 2 (1876) 1281;
genieszt das leben bei frohen reizen,
schön ist die jugend, sie kommt nicht mehr.
volksthümliches lied.
höfliche frage ist wie steht das leben? (wie gehts, vergl. wie leben sie oben unter dem verbum leben 4, c, β): nun wie stehts leben? Lenz 1, 124.
c)
in den meisten verbindungen aber wird auf ein ende des lebens gedeutet: das leben wagen, aufs spiel setzen; ists nicht das blut der menner, die jr leben gewogt haben, und da hin gegangen sind? 2 Sam. 23, 17; darumb liebe söne eivert umb das gesetze, und woget ewer leben fur den bund unser veter. 1 Macc. 2, 50;
wâget, rîter, das leben.
Iwein 6614;
er lieber sein junges leben wagte,
und gieng in die welt auf jede gefahr.
Kotzebue dram. sp. 1, 296;
einem nach dem leben stehen, stellen, trachten, das leben nehmen, rauben, das leben kosten lassen: die leute sind tod, die nach deinem leben stunden. 2 Mos. 4, 19; was hab ich gesündiget fur deinem vater, das er nach meinem leben stehet? 1 Sam. 20, 1; auch lauren sie selbs unternander auf jr blut, und stellet einer dem andern nach dem leben. spr. Sal. 1, 18; sie werden dir nach dem leben trachten. Jer. 4, 30; sie stehen darnach, das sie mir das leben nemen. 1 kön. 19, 14; sie ratschlahen mit einander uber mich, und denken mir das leben zu nemen. ps. 31, 14; die fieberigen heben sy mit gleicher weisz ausz dem leben. Frank weltb. 13ᵃ; einen umbs läben bringen, auferre animam alicui. Maaler 259ᵇ; als er aber hernach umb sein leben kame. volksbuch von doctor Faust 106 Braune; so nichts anders zuversehen ist, dann beraubung jres lebens. 110;
næme ich iu danne deʒ leben,
daʒ wære harte unwîplich.
Iwein 2298;
bis der gram mein leben raube.
Günther 276;
seit ich mein herrn verloren han,
den will ich nicht ungerochen lan;
solt es kosten mein leben
so wil ich es wagen auf disen tag.
Uhland volksl. 437;
er tregt von gold ein ketten am hals
die bringt in umb sein leben.
301;
das leben fordern:
darf ich das fremde leben fordern?
mein eignes konnt ich in die schanze schlagen.
Körner Zriny 3, 8;
das leben lassen, das leben geben, hingeben: ein guter hirte lesset sein leben fur die schafe. Joh. 10, 12; eine mutter gibt ihr leben für ihr kind;
man schickte nach dem kerker hin,
Johannes liesz das leben.
Günther 39;
ich habe nichts, als mein leben,
das musz ich dem könige geben!
Schiller bürgschaft v. 72;
bald wird die trompete blasen,
dann musz ich mein leben lassen.
W. Hauff 1, 35;
einen am leben lassen, erhalten, einem das leben retten, bewahren: das sie uns das leben lassen. Esra 9, 9; gott hat mich fur euch her gesand, das er euch uberig behalte auf erden, und ewr leben errette durch eine grosze errettunge. 1 Mos. 45, 7; gedenke nicht, das du dein leben errettest. Esth. 4, 13; behüte mein leben fur dem grausamen feinde. ps. 64, 2;
des ringes werk ist diesz. so lang ihn der beschützt,
kann ihm am leben nichts geschehen.
Wieland 22, 111 (Oberon 3, 26);
zurück! du rettest den freund nicht mehr,
so rette das eigene leben!
Schiller bürgschaft v. 107;
das leben schenken, schonen, des lebens sicher sein, am leben bleiben: so gib mir mein leben umb meiner bitte willen. Esth. 7, 3; der herr sprach zu dem satan, sihe da, er sei in deiner hand, doch schone seins lebens. Hiob 2, 6; das sie .. auch dem leben nicht verschonen. Garg. 45ᵇ; nacht und tag wirstu dich fürchten, und deines lebens nicht sicher sein. 5 Mos. 28, 66; denn es ist besser, das wir uns ergeben und beim leben bleiben, .. denn das wir umbkomen. Judith 7, 16; einem das läben schenken, einen lassen läben, dare alicui diuturnam lucis usuram. Maaler 259ᵇ; einen bei dem läben lassen, oder das läben schenken, concedere animam alicui. ebenda; schont nur unsers lebens! Körner 3, 258;
das möcht das kindt bleiben bei leben.
H. Sachs 3, 1, 20ᵃ;
er dacht: ich will jhm dannoch geben
solch antwort, das ich bleib bei leben.
Alberus fab. (1550) 176;
diesz weibsbild hier verlanget dich zum mann,
und wenn du sie verlangst: so schenk ich dir das leben.
Gellert 1, 201;
um das leben bitten, flehen: das sie opfern zum süszen geruch dem gott im himel, und bitten fur des königes leben und seiner kinder. Esra 6, 10; und Haman stund auf, und bat die königin Esther umb sein leben. Esther 7, 7; er bittet dich umbs leben, so gibstu jm langs leben jmer und ewiglich. ps. 21, 5;
(die weiber) flehten in gemeiner noth
ihn insgesammt um ihrer männer leben.
Gellert 1, 127;
ich bin, spricht jener, zu sterben bereit
und bitte nicht um mein leben.
Schiller bürgschaft v. 9;
für das leben haften, das leben einsetzen, etwas mit dem leben behaupten, das leben an etwas wenden:
soll ich frisch um mein leben spielen,
musz mir noch etwas gelten mehr.
Schiller Wallenst. lager, 11. auftr.;
und setzet ihr nicht das leben ein,
nie wird euch das leben gewonnen sein.
ebenda;
umfanget euch mit eherner umarmung.
leben um leben tauschend, siege jeder,
den dolch einbohrend in des andern brust.
braut von Mess. v. 453;
verflucht sei, wer sein leben an das grosze
und würdge wendet.
jungfrau 3, 6;
verberget ihn, bis sich
die wuth gelegt — ihr haftet für sein leben.
Maria Stuart 4, 2;
und was die liebe gab, werd ich, bei gott!
mit meinem leben zu behaupten wissen.
4, 6;
sein leben lösen: wird man aber ein geld auf jn legen, so sol er geben sein leben zu lösen, was man jm auf legt. 2 Mos. 21, 30;
sein vater zu dem herren gieng:
gebt mir los den gefangen!
drei hundert gülden will ich euch geben
wol für des knaben sein leben.
Uhland volksl. 300;
sein leben enden, verlieren, verwirken, am leben gestraft werden; etwas mit dem leben bezahlen; er verlor in der schlacht sein leben; der selbig ubelthäter hat dʒ leben verwirkt. Carolina art. 119; ein jeder boszhaftiger uberwundener räuber soll .. am leben gestraft werden. art. 126;
in gott endt sie ir leben fein.
Uhland volksl. 281;
der könig gebeut,
dasz ich am kreuz mit dem leben
bezahle das frevelnde streben.
Schiller bürgschaft v. 23.
d)
das leben lieben, hassen, verachten: wer klug ist, liebet sein leben. spr. Sal. 19, 8; wer mit dieben teil hat, höret fluchen, und sagets nicht an, der hasset sein leben. 29, 24; wer das leben verachtet, fürchtet den tod nicht. Simrock sprichw. 332;
die freude wird hier nicht mit banger furcht begleitet,
weil man das leben liebt, und doch den tod nicht haszt.
Haller schweiz. ged. 24;
und so ist mir das dasein eine last,
der tod erwünscht, das leben mir verhaszt.
Göthe 12, 81;
der feige liebt das leben.
Schiller M. Stuart 3, 6.
e)
statt des menschen wird die seele als eignerin des lebens in der bibelsprache hingestellt, vgl. auch unter dem verbum leben 1 sp. 397: lieber so sage doch, du seist meine schwester, auf das meine seele bei dem leben bleibe umb deinen willen. 1 Mos. 12, 13; das du meine seele bei dem leben erhaltest. 19, 19; (gott) der unsere seelen im leben behelt. ps. 66, 9.
6)
hinzutretende adjective und ähnliche zusätze bestimmen
a)
die dauer des lebens: ein langes, kurzes leben; das dein leben lange were in dem lande, das dir der herr dein gott gibt ewiglich. 5 Mos. 4, 40; so du wirst in meinen wegen wandeln, ... so wil ich dir geben ein langes leben. 1 kön. 3, 14; wil denn nicht ein ende haben mein kurzes leben? Hiob 10, 20; gedenke wie kurz mein leben ist. ps. 89, 48;
es kann das reichste glück mir nichts erwünschters geben,
als deine zärtlichkeit, dein wohl, dein langes leben.
Hagedorn 1, 56;
ein mensch von langem leben; in der grösz übertreffen sy all ander menschen, langes lebens, stark und trotzig. Frank weltb. 78ᵇ; dasz auch die leüt an yhn selbs langes lebens seind. 192ᵇ; junges leben, das nur bis in das jugendalter eines menschen währt:
so mustu auch darumb aufgeben
durch meine hand dein junges leben.
Uhland volksl. 281;
es ist nicht umb mein stolzen leib
noch umb mein junges leben (dasz ich traure).
302.
b)
die art des lebens, wobei das substantiv häufig in den sinn von no. 11—16 unten übergreift oder doch an ihn anrührt, so dasz ein genaues auseinanderhalten unmöglich fällt. es heiszt ein freies, frohes, glückliches, zufriedenes, stilles, ruhiges, frommes, trauriges, elendes, wüstes, gottloses leben; ein arbeitsvolles, mühseliges, saures leben, daher einem das leben sauer machen, ihm mühe genug ins leben bringen: und machten jn jr leben saur, mit schwerer erbeit in thon und zigeln. 2 Mos. 1, 14;
dem fürsten macht ihr 's leben sauer, macht
ihm alle schritte schwer.
Schiller Piccol. 1, 4;
ein gutes leben, was sich auf die leibliche (no. 11) oder die sittliche (no. 12) lebensführung beziehen kann; die weil er ein göttlich leben füret, nam jn gott hin weg. 1 Mos. 5, 24; wo man aber die gebote helt, da ist ein heilig leben gewis, wer aber ein heilig leben füret, der ist gott nahe. weish. Sal. 6, 19. 20; ein unbefleckt leben, ist das rechte alter. 4, 9; ein eheweib fehet das edle leben. spr. Sal. 6, 26; wer ist der gut leben begert? und gerne gute tage hette? ps. 34, 13; auf das wir ein gerüglich und stilles leben füren mögen, in aller gottseligkeit und erbarkeit. 1 Tim. 2, 2; ein frölich herz macht das leben lüstig. spr. Sal. 17, 22; der tod ist besser denn ein siech leben, oder stete krankheit. Sir. 30, 17; las dirs gefallen, du habest wenig oder viel, denn es ist ein schendlich leben, von haus zu haus ziehen. 29, 30; wer sich denselben leren leszt, des leben müsse gottlos sein. ps. 109, 7; denn er denkt nicht viel an das elend leben, weil gott sein herz erfrewet. pred. 5, 19; jr leben ist böse. Jer. 23, 10; denn seine seele gefelt gott, darumb eilet er mit jm aus dem bösen leben. weish. Sal. 4, 14; gibt jnen grosze reichthum, ehre und gewalt dieser welt, das sie ruge haben und süszes leben füren. Luther 3, 28ᵃ; also die kriegszleut sich jetzt so gar in das teuflisch faul leben legen und begeben. Fronsperger kriegsb. 1, 70ᵈ; hub er an ein säuwisch und epicurisch leben zu führen. volksb. v. doctor Faust 105 Braune; zu anstellung eines tugendhaften lebens. Schuppius 117; was flüstert man denn über mein lustiges leben? Schiller Fiesko 2, 4; noch schwebt ihnen das hübsche frohe leben vor, das sie diese tage her dort gesehen, wovon ihnen die geputzte menge allseits andringend gestern das erfreulichste zeugnis gab. Göthe 23, 188; mit einem raschen lustigen leben. 29, 138; das wüste leben bekam er satt. Kotzebue dram. sp. 1, 294;
got hete dem meier gegeben
nâch sîner aht ein reineʒ leben.
arm. Heinrich 296;
diz lesterlîche leben
daʒ dir got hât gegeben.
1249;
nun, du hast ein süszes leben;
alles, was du willst, ist dein.
P. Gerhard s. 110 Gödeke;
wo sind die heiligen von unbeflecktem leben?
Haller 67;
ein üppig lastervolles leben büszt sich
in mangel und erniedrigung allein.
Schiller Maria Stuart 1, 1;
uns aber treibt das verworrene streben
blind und sinnlos durchs wüste leben.
braut von Mess. v. 375;
war unser ernstes arbeitvolles leben
keines ernsthaftern ausgangs werth?
jungfrau 3, 6.
es heiszt das blosze, nackte leben, eines aller güter beraubten:
am fusz
des Kaukasus raubt eine wilde horde
von Malandrinen uns die schätze; nur
das nackte leben blieb uns zum gewinn.
Schiller Turandot 1, 1;
selbst ein lebendiges leben für ein wechselvolles (vergl. unten lebendig):
aber der krieg auch hat seine ehre,
der beweger des menschengeschicks;
mir gefällt ein lebendiges leben,
mir ein ewiges schwanken und schwingen und schweben
auf der steigenden, fallenden welle des glücks.
braut von Mess. v. 881.
die artbestimmung auch durch andere zusätze: ein leben voll freude; ein leben in wonne, ein leben voller noth und sorge;
ein freies leben führen wir,
ein leben voller wonne.
Schiller räuber 4, 5;
durch vergleiche: er hat ein leben wie im himmel;
ein leben, wie im paradies,
gewährt uns vater Rhein.
Hölty 189 Halm;
durch nominative beifügungen: sein leben ist eitel jubel und herrlichkeit; unser leben wehret siebenzig jar, wenns hoch kompt so sinds achtzig jar, und wens köstlich gewesen ist, so ists mühe und erbeit gewesen. ps. 90, 10;
die erde wär ein jammerthal,
wie unser pfarrer spricht,
des menschen leben müh und qual,
hätt er den Rheinwein nicht.
Hölty 189 Halm.
7)
leben in den adjectivverbindungen des lebens froh, des lebens müde, des lebens satt (die auch als composita erscheinen, vgl. unten lebensfroh, lebensmüde, lebenssatt): da er alt und lebens sat war. 1 Mos. 25, 8; des lebens überdrüssig sein, vitam fastidire, acerbam sibi putare. Stieler 1097;
dann schmückten jeden tag die freiheit und der friede.
wer wird, wo diese sind, des längsten lebens müde?
Hagedorn 1, 49;
sie (frauen) legten sich; drauf starben in zehn tagen,
des lebens müd und satt, neunhundert an der zahl.
Gellert 1, 129;
zwischen Lavater und Basedow
sasz ich bei tisch des lebens froh.
Göthe 2, 282;
so ging der held
aus dem kampf der welt,
des streitenden lebens müde!
Körner 2, 178.
8)
leben mit substantiven bildern, die zeit, dauer, art und ende des lebens hervorheben (wie deren auch eine grosze anzahl die unten folgenden zusammensetzungen mit lebens- gewähren): des lebens morgen, des lebens mittag, des lebens abend; des lebens lenz, des lebens mai; ich selbst wüszte vor süszer verwunderung kaum was ich dazu sagen sollte, wenn auf eine so sonderbare art in dem fernen Schwabenlande für meines lebens nachmittag noch ein glück sich aufthun sollte. Bürger 496ᵃ;
des lebens mai blüht éinmal und nicht wieder.
Schiller resignation;
noch in meines lebens lenze
war ich, und ich wandert aus.
der pilgrim;
fraget nicht, warum ich traure
in des lebens blüthenzeit.
parasit 4, 4;
der baum des lebens: sie (die weisheit) ist ein bawm des lebens allen die sie ergreifen. spr. Sal. 3, 18;
grau, theurer freund, ist alle theorie,
und grün des lebens goldner baum.
Göthe 12, 100;
daher auch von einem verdorren des lebens gesprochen wird:
praler, dein lorber welkt,
eh dein leben verdorret ist.
Hölty 97 Halm;
der traum des lebens: unter allen völkerschaften haben die Griechen den traum des lebens am schönsten geträumt. Göthe 49, 72; des lebens weg, lauf, bahn, reigen, ziel: sie gehet nicht stracks auf dem wege des lebens, unstete sind jre tritt. spr. Sal. 5, 6; aber herr lere mich doch, das ein ende mit mir haben mus, und mein leben ein ziel hat. ps. 39, 5;
führe deines lebens lauf
allzeit gottes eingedenk.
P. Gerhard 91 Gödeke;
er (der schuldlose) wandelt frei des lebens bahn.
Schiller kraniche des Ibykus v. 124;
ewig werden sie ihm schweigen,
nie von den gestellen steigen
in des lebens frischen reihn.
die antiken zu Paris;
wie weit steckst du noch meines lebens ziel?
Körner Zriny 1, 1;
des lebens flamme, licht, fackel:
selbst natur lockt mich vergebens,
mit der fackel deines lebens,
Lalage, erlosch sie mir.
Gotter 1, 104;
(ein wundergut) das ich mit sorgfalt mehr ..
als meiner augen, meines lebens licht,
mit freud und furcht, mit lust und sorge pflege.
Göthe 9, 252;
quell, welle des lebens: die furcht des herrn ist eine quelle des lebens. spr. Sal. 14, 27;
man sehnt sich nach des lebens bächen,
ach! nach des lebens quelle hin.
Göthe 12, 65;
nectarkelch, du warest süsz genug,
einen strom des lebens zu versüszen,
sollt er auch durch weltenalter flieszen.
Bürger 76ᵃ;
nur die natur ist redlich! sie allein
liegt an dem ewgen ankergrunde fest,
wenn alles andre auf den sturmbewegten wellen
des lebens unstät treibt.
Schiller br. v. Mess. v. 364;
der faden des lebens, wie das leben als ein gespinst betrachtet wird, auch nach biblischer vorstellung: meine zeit ist dahin, und von mir aufgereumet, wie eins hirten hütte, und reisze mein leben ab, wie ein weber. Jes. 38, 12;
wenn ihr euch schont und mit verwegner hand
nicht eigenmächtig eures lebens fäden,
nicht eigenmächtig eure kraft zerstört.
Körner Zriny 1, 1;
sonst ist das leben auch als ein theilbares ganze gefaszt, wovon ein stück gegeben werden kann: hiefür würde ich gern ein stück meines lebens geben; an dieser arbeit hängt ein stück meines lebens, was in die zeitliche vorstellung (unten 10) umschlägt. in manchen wendungen tritt das leben als etwas persönliches hervor: er hat meine seele erlöset, das sie nicht füre ins verderben, sondern mein leben das liecht sehe. Hiob 33, 28; namentlich wenn vom leben gesagt wird, es flieht, entflieht, entweicht, oder es kommt, kommt einem wieder: das seine seele nahet zum verderben, und sein leben zu den todten. Hiob 33, 22;
unser ganzes leben
flieht mit ihr (der liebe) geschwinder.
Gotter 1, 39;
seht, das leben ist entflogen!
Schiller nadowess. todtenklage;
die geringste waare siehst du im zusammenhange mit dem ganzen handel, und eben darum hältst du nichts für gering, weil alles die circulation vermehrt, von welcher dein leben seine nahrung zieht. Göthe 18, 53; man schmeichelt sich ins leben hinein, aber das leben schmeichelt uns nicht. 17, 283.
9)
leben mit dem gegensatze tod oder sterben formelhaft verbunden: an welchem ort mein herr der könig sein wird, es gerate zum tod oder zum leben, da wird dein knecht auch sein. 2 Sam. 15, 21; du hast gewalt, beide uber leben und uber tod. weish. Sal. 16, 13; item die boszhaftigen, uberwundene brenner, sollen mit dem feuwer vom leben zum todt gericht werden. Carolina art. 125; dasz er jhm (der teufel dem Faust) solt unterthänig und gehorsam sein, in allem was er bete (bäte), fragte oder zumuhte, bisz in sein Fausti leben und todt hinein. volksbuch vom doctor Faust s. 16 Braune;
mein leben und mein ende
ist dein; in deine hände
befehl ich, vater, meinen geist.
Gellert 2, 196;
ich bin auf leben und tod gefaszt;
die liebe wird mich decken.
Rückert 347;
auf leben und tod kämpfen; dieser conflict den ich ankündige zwischen todten und lebendigen, er wird auf leben und tod gehen. Göthe 23, 37;
mit mir
musz er auf tod und leben darum kämpfen!
Schiller M. Stuart 3, 6;
auf tod und leben wird gekämpft.
Tell 4, 2;
ähnlich auf leben und sterben:
da treibts ihn, den köstlichen preis zu erwerben,
er stürzt hinunter auf leben und sterben.
taucher v. 156;
um lebens und sterbens willen, für alle fälle: ich denke, um lebens und sterbens willen bringen wirs zu papiere. Kotzebue dram. sp. 3, 183;
um lebens oder sterbens willen
bitt ich mir ein paar zeilen aus.
Göthe 12, 87.
10)
leben ist die zeit des menschlichen lebens: und wil funfzehen jar zu deinem leben thun. 2 kön. 20, 6; daher als zeitbestimmung: sie aber sollen nach vier mansleben wider hieher komen. 1 Mos. 15, 16; ein leben, die ganze zeit eines menschenlebens: ich habe architektur angefangen ernstlicher zu treiben, es wird mir alles erstaunend leicht (das heiszt der begriff, denn die ausübung erfordert ein leben). Göthe 29, 29; in gewissen festen verbindungen: mein leben lang, mein ganzes leben lang, vgl. unten lebenlang an alphabetischer stelle;
entbehren sollst du! sollst entbehren!
das ist der ewige gesang,
der jedem an die ohren klingt,
den, unser ganzes leben lang,
uns heiser jede stunde singt.
Göthe 12, 80;
zeit meines lebens, vgl. auch zeitlebens; weil er (ein diener) sich die zeit seines lebens bei jm wolgehalten. volksbuch von doctor Faust s. 108 Braune; ja, ja, das soll mir mein tag des lebens eine warnung sein, sagt ich. Schiller räub. 4, 3; zweihundert pistolen liesz er mir bieten und doppelten gehalt auf zeitlebens. menschenfeind, 5. scene; fürs leben, fürs ganze leben; er ist für sein ganzes leben ein geschlagener mann; durchs leben;
irrigen, traurigen tritts wanken wir unsern weg
durch das leben hinab, bis sich die liebe naht.
Hölty 96 Halm.
beim leben, im leben: da fiel das haus auf die fürsten, und auf alles volk das drinnen war, das der todten mehr war, die in seinem tod storben, denn die bei seinem leben storben. richt. 16, 30; das du solch gelt bei meinem leben wider kriegest. Tob. 5, 4; also sind sie alle zu jren zeiten löblich gewest, und bei jrem leben gerümbt. Sir. 44, 7; wan man den gelübten, die sie bei leben möchten gethan haben, nachfolget oder sie entsetzt. Fischart bienk. 113ᵇ; er hat dich ja in seinem leben nie gesehen. Kotzebue dram. sp. 2, 192; ihr lieszt mich holen, gnädiger herr! ich erstaune. das erste mal in meinem leben! Schiller räuber 5, 1; im leben auch so viel wie jemals: ich hätte nicht 10 fl. in meinem ganzen leben. Felsenburg 1, 35; alles mein geld, so ich im leben hatte. 117. selten am leben: und dis ist in beiden das warzeichen, das etliche Saracen werden christen, und etliche christen werden Saracenen, wiewol ein christen, an seinem ende nicht würde ein Saracen, sondern am leben, aber ein Saracen möcht ehe ein christen werden an seinem ende, denn an seinem leben. Luther 8, 26ᵃ. Im bairischen kann aus dem angeführten begriff der erstreckung selbst der der menge hervorgehen: ein ganzes leben, eine grosze menge Schm. 1, 1409;
drein und dernebm
gêt e ganzes lebm (sprüchlein, wenn beim eingieszen oder einschütten etwas daneben kommt).
ebenda.
11)
im subst. leben wird die fristung des leiblichen lebens, die lebensbedürfnisse und der lebensunterhalt betont (vgl. das verbum leben 3): der mensch darf zu seinem leben, wasser, fewr, eisen, salz, mehl, honig, milch, wein, öle und kleider. Sir. 39, 31; sorget nicht fur ewer leben, was jr essen und trinken werdet. Matth. 6, 25; der gerechte braucht seins guts zum leben, aber der gottlose braucht seins einkomens zur sünde. spr. Sal. 10, 16; es heiszt ein gutes leben haben, er hat sein gutes leben, kommt mit seinen einnahmen gut aus;
des kranken mopses gutes leben
begehrt der neidische Bellin.
Lichtwer;
könnten wir nicht in frohem genusz
harmlos vergnügliche tage spinnen,
lustig das leichte leben gewinnen?
Schiller braut von Mess. v. 202.
12)
häufiger aber auch das erhöhte und bewuste, das mit dem menschlichen leben, seinen begegnissen, seinem streben und wirken verflochten ist (vergl. das verbum leben 6); in diesem sinne ist leben und streben, leben und wirken zusammengenannt: süszes leben! schöne freundliche gewohnheit des daseins und wirkens! Göthe 8, 292; und dem bloszen dasein gegenüber gestellt:
so viel gewährt ein freund, dasz auch das leben nicht
mehr als ein dasein ist, wenn uns ein freund gebricht.
Hagedorn 1, 52;
wenn ich nicht sinnen oder dichten soll,
so ist das leben mir kein leben mehr.
Göthe 9, 230;
wie von jenem sinne aus auch von des lebens drange, dem geschäftigen, drängenden treiben, gesprochen wird:
sie (die kunst) sieht den menschen in des lebens drang.
Schiller Wallenstein, prolog v. 108;
in des herzens heilig stille räume
muszt du fliehen aus des lebens drang!
der antritt des neuen jahrhunderts;
und das leben selbst als ein kampf aufgefaszt wird:
die einzige
ausbeute, die wir aus dem kampf des lebens
wegtragen, ist die einsicht in das nichts.
jungfr. 3, 6;
oder auch als eine kunst: leben ist eine kunst, sterben ist auch eine kunst. Simrock sprichw. 332. ein leben ohne wirken heiszt ein unnützes, verlorenes leben:
ein unnütz leben ist ein früher tod;
diesz frauenschicksal ist vor allen meins.
Göthe 9, 8;
doch gehn sie aus der welt ganz still,
ihr leben war verloren.
Schiller breite u. tiefe;
nachholen werd ich das verlorne leben.
braut von Messina v. 562.
in moralischer beziehung steht dem verlorenen, sündlichen leben die besserung des lebens, das rechte leben entgegen: so bekere dich nu zum herrn, und las dein sündlich leben. Sir. 17, 21; verzeuch nicht from zu werden, und harre nicht mit besserung deines lebens, bis in den tod. 18, 22; bessert ewer leben und wesen. Jer. 7, 3;
wer sich wälzt in dem sündenkot,
der hat das rechte leben
noch niemals recht gesehen.
P. Gerhard s. 81 Gödeke;
ein neues leben, auf dem grunde innerer gehobenheit: das erste was einem tüchtigen menschen unter solchen umständen einfällt, ist ein neues leben zu beginnen. Göthe 21, 44;
sein geschenk allein
ist dieses neue leben, das ich lebe.
Schiller Piccol. 3, 8;
der schönen liebe sei das neue leben,
der eintracht, der versöhnung seis geweiht.
braut von Mess. v. 430.
es heiszt einer person, einer sache sein leben widmen, weihen, nur für sie thätig sein:
erkenne deine schuld, so wird sie dir vergeben:
das leben schenk ich dir: nur weihe mir dein leben.
Hagedorn 2, 7;
o wie beschämt gesteh ich, dasz ich dir
mit stillem widerwillen diene, göttin,
dir meiner retterin! mein leben sollte
zu freiem dienste dir gewidmet sein.
Göthe 9, 4.
13)
leben, mit rücksicht auf den beruf: das leben als hirt; das leben eines landmanns; er führt das zurückgezogene leben eines gelehrten; hab ich seine früchte unbezalet gessen, und das leben der ackerleuten sawr gemacht. Hiob 31, 39.
14)
leben auch allgemeiner, führung des lebens, lebenswandel: (derselbe hat mich) an meinem, gott lob, ehrlichen namen, fam und leumund, ampt, lehr und leben schmählich und ehrenrührig angegriffen. Schuppius 620; wie das leben, so der nachruhm. Simrock sprichw. 332; wieder in das vorige leben gerathen, in eandem vitam denuo revolvi. Frisch 1, 591ᵃ;
vil lernen wj man recht söl thon,
und ist jr leben weit davon.
Schwarzenberg 133ᵇ;
und die königin sprach: fürwahr sein bisheriges leben
hat ihm wenig vertrauen erworben.
Göthe 40, 83,
nach: de konniginne sprak: here nein,
al was Reinke quât van leven.
Reinecke fuchs 2391;
art zu leben, ohne betonung des sittlichen: ich mag von meinem leben keine beschreibung machen, es sieht gar zu lustig aus. Göthe 29, 111; eine ungemessene freiheit des lebens und des gemüths. 139; mit den menschen hab ich jetzt ein leidlich leben und eine gute art offenheit. 8; verächtlich wird gesagt: dieses leben, dás leben hab ich satt, diese erbärmliche art das leben zu führen; in zusammensetzungen: das ist ein schlaraffenleben; noch vierzehn tage bleib ich wohl in Castello und treibe ein badeleben. Göthe 29, 118.
15)
so hatte sich im mhd. zu leben geradezu auch der sinn weise zu leben und zu handeln, verfahren, gewohntes thun herausgebildet, sich nahe mit dem vorigen (no. 14) berührend:
got hât drîer slahte kint,
daʒ kristen, juden, heiden sint:
die hânt ouch drîer slahte leben
und jehent, diu habe in got gegeben.
diu leben sîn krump oder sleht,
sie wellent alle haben reht.
Freidank 10, 19;
swâ mensche in guotem leben ist
dar kêrt der tiuvel sînen list,
wie er in unstæte gemachen müge
sô mit gedanke sô mit lüge.
68, 22;
auch noch nhd.: das ist nu die rechte reine lere .. das man nicht unternander werfe und menge glaube und liebe, oder das leben gegen gott und gegen menschen. Luther 6, 42ᵇ; dieses ist ein verächtliches leben gewesen, welches den M. Crassum zu den reichthumber(n) geführt, als er nemblich nicht gebauet hat, sondern mit verwirrung anderer närrischer begierd zu bauen, derselben thorheit in sein nutzen verkehret hat. Schuppius 761; von dem verfahren der nachtigall bei ihrem gesang:
aber die nachtigall danebn (neben dem kuckuk, sagt der esel)
führ so ein seltzam verwirts lebn,
verkälerirts, verzuckts, zerhackts u. s. w.
Fischart dicht. 3, 66, 80 Kurz.
16)
leben mit betonung des lebensgenusses und der behaglichkeit (vgl. das verbum leben 7): Horaz .. dem leben ohne ruhe, ohne bequemlichkeit, ohne wein, ohne den genusz der geliebten, kein leben gewesen wäre. Lessing 1, 208;
das wasser macht ein groszen bauch,
im wein besteht desz mänschen leben.
Philander 2 (1643) 217;
das rechte leben steckt im lieben,
und in vertrauter lustbarkeit.
Günther 217;
in verbindungen wie das leben genieszen, ein gutes, herrliches leben, wo aber wegen der verbalen oder adjectiven beifügungen die bedeutungen 5, b a. e. und 6, b zu vergleichen sind;
habt ihr nun bald das leben gnug geführt?
wie kanns euch in die länge freuen?
es ist wohl gut, dasz mans einmal probirt;
dann aber wieder zu was neuen!
Göthe 12, 171;
das ist ein anderes leben als früher, sagt einer der seine jetzigen behaglichen zustände hervorheben will;
es ist doch wahrlich ein anderes leben,
wenn eltern und kinder einig sind.
Kotzebue dram. sp. 1, 294;
nicht wissen, was das leben sei, von einem der lebensgenüsse nicht kennt;
damit du, losgebunden, frei,
erfahrest was das leben sei.
Göthe 12, 80;
reiz, schmuck und zierde des lebens werden hervorgehoben:
seid gütig, sir. nehmt nicht den letzten schmuck
aus unserm leben weg!
Schiller M. Stuart 1, 1;
wehe thuts,
des lebens kleine zierden zu entbehren.
ebenda;
o! das leben, vater,
hat reize, die wir nie gekannt.
Piccol. 1, 4.
17)
leben, mit betonung seines wertes; das leben ist ein gut:
ist leben doch des lebens höchstes gut!
ein rasender der es umsonst verschleudert!
Schiller M. Stuart 3, 6;
das leben ist das einzge gut des schlechten.
4, 4;
das leben ist der güter höchstes nicht.
braut von Messina v. 2841;
daher etwas ist theuer, wert, lieb wie das leben; er hat etwas für sein leben gern, so dasz er gleichsam an dessen besitz selbst sein leben gäbe;
mir ist, spricht sie,
genommen worden,
was lieber mir
als dieses augenpaar,
ja als mein leben war.
Wieland 18, 302;
etwas ist mein leben, mein höchstes gut, gleichsam ohne das das leben keinen wert haben würde: er trank weder thee, noch caffee. suppe, blosze wassersuppe, ohne ei, und nur mit einem stückchen butter, einer erbse grosz, gemacht, solche suppe war sein leben. Gellert 3, 158; schauspiele und romane waren ihr leben, so lange der liebhaber treu blieb. Göthe 20, 67;
ich, lehrt Mammonides, den geld und geiz umgeben,
ich bin der musze gram; die arbeit ist mein leben.
Hagedorn 1, 44;
auch die betheuerung bei meinem leben! fuszt auf dieser wertschätzung:
werd ich wiederum gesund,
will ich dir, bei meinem leben,
auch die beste hälfte geben.
Gellert 1, 39;
nun, das ist viel; da musz, bei meinem leben!
noch gute zeit gewesen sein.
127;
kann ich im kampfe mit den Griechen dich
nicht retten — o, beim leben meiner mutter!
es wird mir schrecklich sein.
Schiller Iphig. 5, 5;
ebenso die androhung des schwersten nachtheils, etwas beim leben verbieten, gebieten: wohl habt ihr mirs beim leben verboten — ich konnt nicht anders. Schiller räuber 4, 5; du sollst mir antworten! hörst du? auf dein leben sollst du mir antworten. 5, 1; vgl. auch unten bei leib und leben no. 29; ferner in andern wendungen: er kanns ja für sein leben nicht leiden. Lenz 1, 155; ums leben, so dasz das leben als preis für grosze mühe hingestellt wird:
da saugts und zutscht denn um sein leben (das wickelkind am lumpen),
will ihm aber keine sättigung geben.
Göthe 13, 73;
daher gibt man auch etwas für eines leben: o sagte der edelmann, ist herr Heinrich bei ihm gewesen, so wolt ich ihm nicht einen sechsling für sein leben geben. Schuppius 609; und ein untergehender verkauft sein leben theuer: er hat sein leben theur verkauft, non inulte periit. Frisch 1, 591ᵃ.
18)
auf dieser wertschätzung beruht auch die kosende bezeichnung einer geliebten person als mein leben:
du, Jesu, allerliebster freund,
bist selbst mein licht und leben.
P. Gerhard s. 272 Gödeke;
schlaf, mein krönlein! licht und leben,
was dir lieb, will ich dir geben.
314;
soll mein kind, mein leben, sterben?
Brockes 11, 385;
ich hiesz ihn, mein Montan; er mich, mein herz, mein leben.
Gellert 3, 450;
der arme sagt: ach hätt ich dir, mein leben,
(vergieb diesz wort) dafür mein herz gegeben!
Hagedorn 2, 177;
du zweifelst noch, mein angenehmstes leben?
sprach lächelnd Itifall; das nenn ich eigensinn!
Wieland 17, 236 (Idris 4, 47);
einen blick, geliebtes leben!
und ich bin belohnt genung.
Göthe 1, 82;
Eugenie, das leben meines lebens.
9, 275;
o meine Agnes! mein geliebtes leben!
Schiller jungfrau von Orl. 1, 4;
du hast ihn (den wunsch) nicht erhört, doch abgeschlagen
hast du ihn auch nicht, o mein süszes leben!
Platen 95.
19)
leben, die lebenskraft, der sitz des lebens, als welcher das herz oder das blut angesehen wird: denn des leibs leben ist im blut. 3 Mos. 17, 11;
man trag ihn fort, und wenn das flüchtge leben
noch in dem herzen aufzuhalten ist,
so pflegt ihn gut.
Körner 3, 46 (Zriny 3, 4);
ich glaubte mir ein herz,
dem ich des lebens raschen puls erhalten,
zur ewgen dankbarkeit verfehmt.
233 (Hedwig 2, 15);
La Hire. ihr blut entflieszt! Joh. laszt es mit meinem leben
hinströmen!
Schiller jungfrau 3, 11;
im herzen fühlt ich letztes leben schlagen.
Uhland ged. 131;
es wird diese lebenskraft selbst als belebtes ganzes aufgefaszt: wer mir sagte, wo ich das herz ihres lebens erzielen, zermalmen, zernichten ... Schiller räuber 1, 2;
und als sich ihr leben zum letzten ermannt.
Bürger 35ᵇ;
kummer und schmerz nagen, fressen am leben, wie sonst am herzen (vgl. th. 4², sp. 1209):
hör auf, mit deinem gram zu spielen,
der, wie ein geier, dir am leben friszt.
Göthe 12, 83;
und so wird auch, rein örtlich, leben für herz gesetzt:
da fuhr mir eine kugel, just
hier oben, durch die linke brust,
kaum fingerbreit vom leben.
Gökingk 3, 128;
da schlüpft er hinaus;
ihm fuhren durchs leben entsetzen und graus;
es roch ihm wie leichen.
Bürger 34ᵇ;
in einer redensart: sie glauben mich aufs leben zu haben (sicher, fest, etwa wie der nach dem herzen zielende schütze), und nun entwisch ich ihnen. Klinger 8, 182.
20)
leben die äuszerungen, bethätigungen, anzeichen dieser lebenskraft: der ohnmächtige ward wieder ins leben gerufen, ins leben gebracht;
und nach verlauf
der sechsten stunde (vier sind schon davon verloffen)
steht er (ein ohnmächtig daliegender) zu neuem leben auf,
so frisch und stark, als hätt ihn nichts betroffen.
Wieland 22, 111 (Oberon 3, 26);
lasz ihrer seele diesen kurzen schlummer!
sie kehrt dir bald ins frische leben wieder.
Körner 3, 246 (Hedwig 3, 11);
und wenn mir fast das herze bricht,
so ruf ich nur: vergisz mein nicht!
da komm ich wieder ins leben.
Göthe 1, 192;
hingegossen ohne leben,
liegt vor ihm das schönste weib.
Uhland ged. 264;
von einem schläfrigen menschen wird gesagt es ist kein leben in ihm; ein aufgeweckter dagegen ist voll leben, alles ist leben an ihm;
es strahlt ihr göldnes haar, ihr antlitz war voll leben,
voll muth und treffligkeit.
A. Gryphius 1698 2, 77;
da kam Lucretia voll frohes lebens
herbei und führte dich an ihrer hand.
Göthe 9, 137;
der königssohn, zu wissen,
ob leben in dem bild,
thät seine lippen schlieszen
an ihren mund so mild.
Uhland ged. 409;
ful einer von jhnen danider als ein bloch, so kein leben in sich hatte, dasz man jhn für tod aufhube. Philander 2 (1643) s. 235.
21)
leben, lautes treiben, lärm, getümmel: da ist der legat abermals mit seiner extravagans komen, hat solch leben damit gehabt ... Luther 1, 111ᵇ;
was lebens machend ir by dem grab?
ich bin so übel erschrocken drab.
Mone schausp. d. m. 2, 346;
luog, wie sy ein läben hand!
es ist allen narren ein schand.
fastn. sp. 2, 862, 12;
er kam für thür und klopfet ane,
sprach, was lebens hand ir heint,
mördt man euch oder es brint.
P. Gengenbach tod teufel u. engel 185;
wie hast ein läben an der port (sagt ein teufel zu einem an der hölle anpochenden),
was ligt dir an, sags mit eim wort.
J. Murer belägerung der statt Babylon (1560) act 2;
was leben machstu an den thüren?
beit ich wil dir die braten schmiren,
dich lernen machen ein solch geschrei.
J. Römolt fein christl. spil (1563) F 5ᵇ;
was gschrei, was lebens facht sy an?
trag. Joh. L ij;
wir sagen auch heute: dás ist ein leben, etwa bei kinderlärm, bei festjubel u. ähnl.;
singe, wem gesang gegeben,
in dem deutschen dichterwald!
das ist freude, das ist leben,
wenns von allen zweigen schallt.
Uhland ged. 39;
der edle wein! wenn meine alte herrschaft,
die frau mama, das wilde leben säh,
in ihrem grabe drehte sie sich um!
Schiller Piccol. 4, 5;
nein, lieber mann, sei ruhig. liebe zeit!
was ist das für ein zänkisch leben heut.
Tieck Octavian s. 228.
22)
leben, von den lebensäuszerungen, dem streben und schaffen eines gröszeren abgeschlossenen kreises.
a)
von der menschlichen gemeinschaft, deren glied wir sind, und ihrem einflusse auf uns: nicht die bücher, sondern das leben bildet den mann;
früchte bringet das leben dem mann; doch hangen sie selten
roth und lustig am zweig, wie uns ein apfel begrüszt.
Göthe 1, 398;
glaube dem leben; es lehrt besser als redner und buch.
399;
es bildet
nur das leben den mann und wenig bedeuten die worte.
337;
und er wird in das leben eingeführt.
ein edler mensch kann einem engen kreise
nicht seine bildung danken. vaterland
und welt musz auf ihn wirken. ruhm und tadel
musz er ertragen lernen.
9, 113;
vom mädchen reiszt sich stolz der knabe,
er stürmt ins leben wild hinaus,
durchmiszt die welt am wanderstabe.
Schiller glocke v. 59;
der mann musz hinaus
ins feindliche leben,
musz wirken und streben.
v. 107;
was soll ich mich vom leben necken lassen?
Körner 3, 232 (Hedwig 2, 14);
in diesem sinne wird das wirkliche leben einer idealen welt entgegengesetzt: diese andeutungen konnten freilich einer gesellschaft, die im wirklichen leben entsprang, wenig vortheil gewähren. Göthe 54, 19; und das gemeine leben ist das gewöhnliche treiben der welt: ob sie (eine erzählte geschichte) gleich aus dem gemeinen leben genommen ist, so kommt sie mir doch nicht alltäglich vor. Göthe 15, 201; die alte suchte so viel möglich durch ihre prose die poesie ihrer freundin ins gebiet des gemeinen lebens herunter zu locken. 18, 64; kann aber auch die gewöhnliche bürgerliche gesellschaft, im gegensatz zu höheren kreisen, ausdrücken:
wir tanzen mit, herr seneschall, nicht wahr? (spricht der fürst).
man findet im gemeinen leben
oft manches feine augenpaar.
Wieland 18, 145;
das leben setzt der soldat, der auszerhalb der bürgerlichen ordnung steht, seinem wesen entgegen:
o schöner tag, wenn endlich der soldat
ins leben heimkehrt, in die menschlichkeit.
Schiller Piccol. 1, 4;
nach dem leben, nach der wirklichkeit: der dichter hat seine gestalten nach dem leben entworfen; etwas aus dem leben greifen, etwa einen zug, eine gestalt, die der dichter anbringt; auch von einer einzelnen person: sein bild ist nach dem leben gemalt; diese figur ist recht nach dem leben gehalten; demnach ist mein gnediges begern, mir sein Alexanders, und seiner gemählin form, gestalt, gang, geberde, wie sie im leben gewesen, fürzustellen. volksbuch von doct. Faust s. 74 Braune; so leben die wirklichkeit im gegensatze zu etwas nur bildlich vorgestelltem:
die fenster (einer kirche) glühten dunkelklar
mit aller märtrer frommen bildern;
dann sah ich, wundersam erhellt,
das bild zum leben sich erweitern:
ich sah hinaus in eine welt
von heilgen frauen, gottesstreitern.
Uhland ged. 399.
b)
von dem geistigen schaffen und streben abgegrenzter kreise; man spricht von dem wissenschaftlichen, künstlerischen, musikalischen leben einer stadt, eines landes, einer zeit, vgl.kunstleben th. 5, 2705; das gelehrte leben ist in dieser universitätsstadt hoch entwickelt.
c)
endlich auch von den zusammenhängenden regungen unseres innern menschen: wir haben ein gedankenleben, ein empfindungsleben, ein herzensleben, ein inneres leben;
herz, mein herz, was soll das geben?
was bedränget dich so sehr?
welch ein fremdes, neues leben!
ich erkenne dich nicht mehr.
Göthe 1, 77 ('neue liebe neues leben');
wenn man, bei heiszem herzen,
und innern lebens voll,
vor kümmernis und schmerzen
frühzeitig altern soll.
Uhland ged. 46.
23)
leben, der verlauf des lebens eines menschen und der bericht davon: züge aus dem leben groszer männer; doctor Fausts leben, thaten und höllenfahrt; das leben Jesu von Strausz; zum vierdten verstehet kein Jüde, die edlen köstlichen exempel oder leben der veter, Adam, Noha, Abraham .. Luther 8, 124ᵇ.
24)
leben, das lebende wesen; im allgemeinen: alle güter und alle leben waren sein. Schiller 858; als ihn umrang das unendliche leben, das gefiederte neben der wolke fliegende leben, das summende leben zu seinen füszen, das goldne kriechende leben auf allen blättern. J. Paul uns. loge 1, 42;
die arch (Noahs) behielt ein kleine schar
von allem leben par und par.
Schwarzenberg 100ᵇ;
so fliege sie (die Georgia Augusta) den flug mit ihren folgesternen,
den alles leben fliegt!
Bürger 79ᵇ;
von den menschen: wann ich bin in hoffnung, dasz es (ein geschichtswerk) in künftig zeit werd unsern nachkomen ein genem werk, ein ursach, merung der weisheit, ein meister der jungen leben. d. städtechron. 3, 34, 7; der sarg wurde in das grab gelassen, der geistliche sprach den segen, jeder der anwesenden warf drei hände voll erde auf das geschwundene leben. Freytag handschr. 1, 66;
der leben schauplatz, feld, wo wir schlummerten,
wo Adams enkel wird, was sein vater war,
als er sich jetzt der schöpfung armen
jauchzend entrisz, und ein leben dastand.
Klopstock 1, 87;
mord ist die losung, und was leben heiszt,
soll unter seinem henkerbeile bluten.
Körner Zriny 3, 9;
dasz Sigeth fallen musz, das weisz ich auch;
mir aber gilt der augenblick, und sollt ich
mit millionen leben ihn erkaufen!
3, 3;
diesz alles
macht ich zunichte, ich, ein einzigs leben?
Schiller Iphig. 5, 5;
Kennedy. die jugend mildert eure schuld. ihr wart
so zarten alters noch. Maria. so zart, und lud
die schwere schuld auf mein so junges leben.
Maria Stuart 1, 4;
von pflanzen: ich watete durch grünes aus- und einathmendes leben. J. Paul flegelj. 2, 78;
welch ein grab ist hier, das alle götter mit leben
schön bepflanzt und geziert? es ist Anakreons ruh.
Göthe 1, 128;
in einem bilde:
aus diesem haupte, wo der apfel lag,
wird euch die neue, bessre freiheit grünen;
das alte stürzt, es ändert sich die zeit,
und neues leben blüht aus den ruinen.
Schiller Tell 4, 2.
25)
leben, in mannigfacher art auch von dingen, vgl. das verbum leben 12; so von künstlerischen gebilden:
sarkophagen und urnen verzierte der heide mit leben:
faunen tanzen umher, mit der Bacchantinnen chor
machen sie bunte reihe.
Göthe 1, 337;
von gesagtem: wann Cardan die gründe für die wahrheit nicht geschwächt hat, so kann er doch der lügen farbe und leben gegeben, und sich dadurch verdächtig gemacht haben. Lessing 4, 56;
der (deren) wort sint wol gut schmeichelhaft,
iedoch ganz on leben und kraft.
H. Sachs dicht. 2, 208, 98 Tittmann;
wahrheit hat ein redend leben,
dessen kraft kein witz ersann.
Haller schweiz. ged. (1768) s. 175;
von einem geheimen bündnisse: diese geheime brüderschaft zu Brussa, die aller wahrscheinlichkeit nach ihre tausend jahre noch nicht vollendet hat, und also noch gegenwärtig bei leben ist. Wieland 30, 289; von feuer, kohlen: so wie der weihrauch einer kohle leben erfrischet, so erfrischet das gebet die hoffnungen des herzens. Göthe 23, 256; in kaufmännischer sprache: das geschäft ist jetzt ohne leben; im geldverkehr war wenig leben; es zeigte sich viel leben in caffee. Weserzeitg. 1859; cochenille bleibt noch ohne besonderes leben. Hamb. börsenhalle 1859. es heiszt man setzt etwas ins leben, etwas tritt ins leben: auch die begeisterung der freiheit, die längst aus den kriegs- und beutelustigen legionen entwichen war, setzte er für seinen dienst aufs neue ins leben. Beckers weltg. 14, 28; die kraft, den sinn des volks und die mittel des landes ins leben zu setzen. 37; um wünsche und gesinnungen, welche die angst vor moscauischen auftritten eingeflöszt hatte, ins leben zu setzen. 327; diejenige denk- und gefühlsweise, deren ergebnis in dem treiben der umwälzungspartei ins leben getreten war. 445; in einer gegend wo das wissen nur in sofern geschätzt werden kann als es zugleich ins leben tritt. Göthe 43, 317 (dafür: tritt .. in die erscheinung. 50, 67; sobald sie in die wirklichkeit eingetreten. 55, 327); mittlerweile trat der ausschusz ins leben, welcher zum zwecke der revision der verfassung ernannt war. Dahlmann gesch. d. franz. revol. 391;
o führe mir die lebende daher,
lasz ihre hand, die zärtliche, mich fühlen!
den schatten nur von ihres mantels saum,
und in das leben tritt der hohle traum.
Schiller die erwartung;
und wenn sich männer frei erheben
und treulich schlagen hand in hand,
dann tritt das innre recht ins leben,
und der vertrag giebt ihm bestand.
Uhland ged. 100.
aus dem leben geben, weggeben: seht ihr, so bin ich nun: ich habe so ein weiches herz, dasz ich alles aus dem leben gebe, sobald ich jemand weinen sehe. A. Wall die beiden billets 29.
26)
leben, etwas leben verleihendes, belebendes: das leben der stimme bleibt allezeit das herz mit seinen guten neigungen und empfindungen. Gellert 6, 316.
27)
am pferde heiszt leben der innere theil des hufes: dann man musz zu dem kern und leben mit fleisz sehen, dasz sie nit zu vil getrucknet werden. Seuter rossarzn. 317; wann einem pferd in dem leben des fuesz ein nagel steckt. 342; betreffend das leben oder kern. 354; an einer pflanze der gesunde theil im gegensatz zu den verdorrten theilen: einen dürren ast bis auf das leben abschneiden. Adelung; am steine der innere, feste, kernige theil, im gegensatze des äuszern, weichen, verwitterten theils. ebenda.
28)
leben, verhüllend: schwenkt sie (die bauerdirnen) nach der reihe rümb, dasz man ihnen, wenn sich der kittel umb den fetzer (podex) hinten und vorn rümb dengelt, flugs bis an das liebe leben nauf sehen kan. Schoch stud. leb. D 3ᵃ.
29)
die allitterierende formel leib und leben, in der beide glieder eigentlich dasselbe ausdrücken (vgl. leiben und leben oben sp. 408 und das subst. leib), steht verstärkend statt des einfachen leben in mancherlei fügungen. in leib und leben sein, leben: aber dieweil sie noch beide in leib und leben weren, solten sie es nit erfahren. Galmy 334; bei leibes leben während der lebenszeit: er war bei leibes leben husarenoberstlieutnant gewesen. Siegfr. v. Lindenberg (1784) 1, 48; dasz der hof in beständiger verwahrung seines gutsherrn bleiben, mithin keiner daran oder darauf einen festen besitz haben solle, als derjenige, der solchen für seines leibes leben aus den händen des gutsherrn empfangen hätte. Möser phant. 4, 328, vgl. auch leibesleben;
auch oft mit leibs und lebens noht
trostlosz gemartert und gequälet.
Weckherlin 146;
da legt er an uns .. sein leib und leben, das er uns aus dem tod helfe. Luther 6, 355ᵇ; auf der Moritzburg, darin kein bischoff recht noch macht hat zu leib und leben. 361ᵃ; hastu einen knecht, so halt uber jm, als uber dir selbs, denn wer jm thut, der meinet dein leib und leben. Sir. 33, 31; hatte leib und leben manlich gewagt, uber der Jüden glauben. 2 Macc. 14, 38; will ich .. mein leib und leben für die herzogin setzen. Galmy 310;
alles könnt ich dann mit lust,
leib und leben könnt ich lassen.
Bürger 27ᵃ;
weil es ungewis ist, ob in der winkelmessen der leib und blut Christi sei, .. so soltu bei leib und leben nicht gleuben, das Christus leib und blut da sei, denn der glaub sol seiner sachen gewis sein. Luther 6, 87ᵇ; niemandt darf bei leib und auch bei leben hinein gehen. Frank weltb. 97ᵃ;
dafür hüt dich bei leib und leben.
Alberus fab. (1550) 160;
(die) gemeinen
verbrechern gleich, vor des gerichtes schranken
gefordert wird und schimpflich angeklagt
auf leib und leben — eine königin!
Schiller M. Stuart 1, 1;
die schönen rechte des adels einzuschränken, um derentwillen der edle allein ihm dienen, ihm leib und leben widmen mag. Göthe 8, 260;
wir setzen eine formel auf,
worin wir uns dem herzog insgesammt
verschreiben, sein zu sein mit leib und leben,
nicht unser letztes blut für ihn zu sparen.
Schiller Piccol. 3, 1;
es gilt nicht leib und leben, non capitis res agitur. Frisch 1, 591ᵃ; laufen von leib und leben (aus leibeskräften). Katzipor. X 8ᵃ;
Labia. Hans narr, was machst im harnisch du?
Jahn. ich hau von leib und leben zu.
dieweil der könig uns drohet hat,
das er gewinnen wöll die statt,
so wolt ich jhn dran hindern gern.
J. Ayrer 398ᵃ (1998, 5 Keller).
leben verb
Fundstelle: Lfg. 3 (1879), Bd. VI (1885), Sp. 397, Z. 3
vivere. goth. liban; alts. altnfr. leƀôn liƀôn libbian libban; niederl. leven; ags. libban lifian, engl. live; altfries. libba, lifia und lefia; altnord. lifa, dän. leve, schwed. lefva leben, lifva beleben; ahd. lëbên lëpên, mhd. lëben. der zusammenhang des verbums mit bleiben, mhd. be-lîben, und mit leib wird oben theil 2, sp. 90 betont; die eigentliche bedeutung des zurückseins erscheint noch im altnordischen, wo das wort neben leben auch übrig sein, übrig bleiben bedeutet (Vigfusson 388ᵃ), wie auch ahd. lepentêr einmal durch superstes glossiert wird (Graff 2, 40). Die bedeutung leben tritt in manigfacher weise hervor.
1)
leben, in dem gewöhnlichen sinne, sowol von menschen als thieren, welche beide lebende wesen überhaupt genannt werden: ich wil hinfurt nicht mehr schlahen alles was da lebet. 1 Mos. 8, 21; alles was sich reget und lebet, das sei ewre speise, wie das grüne kraut. 9, 3; alles aber was nicht flosfeddern und schupen hat, im meer und bechen, unter allem das sich reget in wassern, und allem was lebt im wasser, sol euch eine schew sein. 3 Mos. 11, 10; du thust deine hand auf und erfüllest alles was lebet mit wolgefallen. ps. 145, 16;
alles, was da lebt auf erden,
musz zu staub und asche werden;
speziell vom menschen: der ich nu ein mensch zur welt geborn, lebe, gehe, stehe, schaffe. Luther 8, 315ᵇ; ich wil wider zu dir komen, so (wenn) ich lebe. 1 Mos. 18, 10; gehet es ewrem vater dem alten wol, von dem jr mir sagetet? lebet er noch? 43, 27; da nam Joab drei spiesze in seine hand, und sties sie Absalom ins herz, da er noch lebet, an der eichen. 2 Sam. 18, 14; meinstu ein todter mensch werde wider leben? Hiob 14, 14; hab so manch guts und liebs in dir genossen, da der herr seliger noch lebte. Schiller räuber 5, 1;
wo bin ich? leb ich?
Ramler 2, 22;
dann auch mit den theilen lebender wesen als subject, an denen das leben hervortritt oder sich besonders zeigt: allein esset das fleisch nicht, das noch lebet in seinem blute. 1 Mos. 9, 4; die gott suchen, denen wird das herz leben. ps. 69, 33; alles lebt an ihm, von einem besonders lebhaften menschen;
nun fleusz, nun fleusz, du blut so rot,
fleusz in des meeres grund!
es leben nimmermehre
zween rosenfarbe mund.
Vilmar handbüchl. für freunde d. volksl. 119;
ihr götter! ists ein traum? ihr angesicht,
es röthet sich! ihr auge lebt!
Ramler 2, 22.
am menschen lebt nicht nur der leib und seine glieder, sondern auch die seele: lieber las meine seele leben. 1 kön. 20, 32; mit bezug auf ihre unsterblichkeit: wenn unser leib auch stirbt, lebt doch unsre seele. leben auch auf die innere triebkraft der pflanzen bezogen: leben als die frucht, vegetare dicitur vivere, ut plante, herba et ut ligna. voc. inc. theut. m 2ᵃ; ein baum der lebt, ein omeisz lebt, auch ein schneck, ein esel, ein engel, ein mensch lebt auch, aber ungleich. ein baum lebt aber soviel, als er bedarf zu dem wachsen. Keisersberg evang. 1517 15ᵇ; wie in einem orangenwalde, wo in einem kleinen bezirk blüthen und früchte stufenweis neben einander leben. Göthe 20, 84.
2)
manche fälle dieses leben sind besonders hervorzuheben.
a)
es steht mit einem persönlichen dativ, unterschieden von dem unten 6, b, α aufzuführenden: den einzigen freund, der ihm in der welt lebte, dankte er seinem elende. Schiller 715;
Albinus sasz voll mut mit singen und mit lachen;
da Gilvus dieses sah, du hast, sprach er, gut machen,
du nimmst das dritte weib, die erste die mir lebt,
die hat auch noch nicht lust, dasz mir man sie begräbt.
Logau 1, 84, 45;
in dem gleich nachher unter b aufzuführenden falle:
mein Wälty! o er lebt mir!
Schiller Tell 4, 2.
b)
im gegensatz zu einem erwarteten oder gefürchteten todt sein: gehe hin, dein son lebet. Joh. 4, 50;
Jesus lebt, mit ihm auch ich.
tod, wo sind nun deine schrecken?
er, er lebt, und wird auch mich
von den todten auferwecken.
Gellert 2, 219;
der knabe lebt! der apfel ist getroffen!
Schiller Tell 3, 3;
lebt er? o saget, kann er mich noch hören?
4, 2.
mit dem gegensatz todt sein, dahin sein, sterben mehr oder weniger formelhaft: das ander weib sprach, nicht also, mein son lebt, und dein son ist tod. jene aber sprach, nicht also, dein son ist tod, und mein son lebet, und redten also fur dem könige. 1 kön. 3, 22; Naboth lebt nimer, sondern ist tod. 21, 15; ich wil viel lieber tod sein, denn leben. Tob. 3, 5;
jetzt weisz ich nicht, lebt mein schatz,
oder ist er todt.
volkslied;
doch es ist dahin, es ist verschwunden,
dieses hochbegünstigte geschlecht.
wir, wir leben!
Schiller an die freude;
edler lord, steht auf!
jetzt ists nicht zeit, ermattet hinzusinken.
weicht nicht dem tod, gebietet der natur
mit eurem mächtgen willen, dasz sie lebe.
jungfrau 3, 6;
zihet hinab und keuft uns getreid, das wir leben und nicht sterben. 1 Mos. 42, 4; Ruben lebe, und sterbe nicht. 5 Mos. 33, 6; der kranke lag auf seinem lager und konnte nicht leben und nicht sterben; that ich den wunsch hier zu leben und zu sterben. Gotter 3, 31;
freiheit ist bei der macht allein.
ich leb und sterb bei dem Wallenstein.
Schiller Wallenst. lager, 11. auftr.;
gern in betheuerungsformeln: er wolle darauf leben und sterben. Chr. Weise erzn. 224; die wahrheit ists, ich will darauf leben und sterben. Schiller parasit 2, 4; dasz sie .. in der hoffnung einer unmittelbaren göttlichen hülfe leben und sterben wolle. Göthe 20, 170;
gleich und gleich! so allein ists recht!
darauf will ich leben und sterben.
1, 206;
in der drohung ich will nicht leben, wenn ...: so wil ichs wissen, oder wil nicht leben, du must mirs sagen. volksbuch von doctor Faust s. 34 Braune; in der wendung ohne etwas nicht leben können: der säufer kann ohne brantwein gar nicht mehr leben; er konnte nicht ohne musik, besonders nicht ohne gesang leben. Göthe 20, 202; er kann nicht leben, wenn er nicht arbeiten darf. im gegensatz dazu vor etwas nicht leben können, gleichsam in der fülle ersticken:
man wuszte kaum vor gold zu leben,
weil man einen tag nichts ausgegeben.
Göthe 5, 236.
c)
leben, im gegensatz zur gewaltsamen tödtung: wolt jr leben, so thut also. 1 Mos. 42, 18; keine hand sol jn (den verbrecher) anrüren, sondern er sol gesteinigt oder mit geschos erschossen werden, es sei ein thier oder ein mensch, so sol er nicht leben. 2 Mos. 19, 13; (gott sprach) mein angesicht kanstu nicht sehen, denn kein mensch wird leben, der mich sihet. 33, 20; wer wird leben, wenn gott solchs thun wird? 4 Mos. 24, 33; ich habe ein gros opfer dem Baal zu thun, wes man vermissen wird, der sol nicht leben. 2 kön. 10, 19;
was hindert mich, im grimm gerechten siegs,
dasz ich den fusz ins hirn dir drücke? — lebe!
H. v. Kleist Kätchen 5, 1 (der graf von Strahl zu seinem im zweikampf besiegten gegner);
einen leben lassen: das ir leben lasset meinen vater, meine mutter, meine brüder und meine schwester, und alles was sie haben, und errettet unser seelen von dem tode. Jos. 2, 13; dann die zauberei ist wider die gebott gottes, seitenmal ers beides im alten und newen testament schwerlich verbeut, da er spricht: man solle sie nicht leben lassen. volksbuch von doctor Faust s. 99 Braune;
ich wil im mînes brôtes geben:
sô lât er mich vil lîhte leben.
Iwein 3302;
auch in abgeblaszter bedeutung in frieden lassen:
dem lewen wolt ich friden geben,
lieʒen mich die flœhe leben.
Freidank 146, 4.
leben bleiben kann im gegensatze zum gewaltsamen oder natürlichen tode stehen: und wenn jemand eine schlange beis, so sahe er die eherne schlange an, und bleib leben. 4 Mos. 21, 8; die todten bleiben nicht leben, die verstorbene stehen nicht auf. Jes. 26, 14; lieber, gehorche doch der stimme des herrn, die ich dir sage, so wird dirs wolgehen, und du wirst lebend bleiben. Jer. 38, 20; zu der zeit ward Hiskia tod krank, und der prophet Jesaja .. sprach zu jm, so spricht der herr, beschicke dein haus, denn du wirst sterben und nicht leben bleiben. 2 kön. 20, 1.
d)
gelebt haben, tot sein: wenn sie (die alten), diesem euphemismus zu folge, nicht gern geradezu sagten, er ist gestorben, sondern lieber er hat gelebt, er ist gewesen, er ist zu den mehrern abgegangen, und dergleichen. Lessing 8, 250;
er hat
gelebt — der streich des todes ist gefallen.
Schiller Turandot 1, 2;
dafür mit unumschriebenem präteritum:
ich kann nicht daran denken, dasz das lebte,
was mir das theuerste auf erden war.
ders. Macbeth 4, 7.
3)
leben, mit besonderer betonung der fristung des leiblichen lebens und des lebensunterhaltes: und waren etliche, die da sprachen, unser söne und töchter sind viel, laszt uns getreide nemen und essen, das wir leben. Neh. 5, 2; gern in festeren verbindungen.
a)
es heiszt leben können, die mittel haben, sich zu ernähren; nicht leben können; der mann hat zu leben; er hat nicht viel zu leben, vitam colit inopem, misere ac parce vivit. Stieler 1097; die welche zu leben haben, es sei reichlich oder kärglich. Kant 1, 176; Johann konnte nicht leben. Möser patr. phant. 1, 174; der fürst klagt, dasz er nicht leben kann, der feldmarschall kann nicht leben, der kriegsrath kann nicht leben, der thorschreiber kann nicht leben, und vielleicht kannst du auch von den zehn thalern, die ich dir des jahrs gebe, nicht leben. 175; deine tochter ist in F., prostituirt um zu leben jedem ihre jugend, der sie dafür bezahlt. Klinger 3, 270; wenn ich auftrat, that ichs um zu leben. Göthe 19, 101;
denn soll der mensch im leibe leben,
so brauchet er sein täglich brot,
und soll er sich zum geist erheben,
so ist ihm seine freiheit noth.
Uhland ged. 97;
vgl. dazu weiter no. 4, c, α und 4, d, β unten.
b)
das sprichwort leben und leben lassen geht von hier aus, bei Möser wird, ohne es anzuführen, darauf hingewiesen: ja, herr kriegsrath, aber die leute müssen auch leben, und nach dem bekannten sprüchwort ... phant. 1, 174; in manigfach freier verwendung: man musz, auch in der gelehrten welt, hübsch leben und leben lassen. was uns nicht dienet, dienet einem andern. Lessing 9, 228; mein gemahl lebt und läszt leben. Klinger 10, 106; unsre miliz war doch noch ein lustig volk; sie nahmen sich was heraus, standen mit ausgegrätschten beinen da, hatten den hut überm ohr, lebten und lieszen leben. Göthe 8, 241; unsere fürsten müssen froh und frei sein, wie wir, leben und leben lassen. 172; der alte graf war ein kluger herr, aber auch ein guter herr. leben und leben lassen, war sein spruch. 15, 21; aus diesem quirlen und schaffen, aus diesem leben und lebenlassen, aus diesem nehmen und geben .. entsprang jene berühmte, berufene und verrufene literarepoche (die genieperiode). 26, 117; leben und leben lassen ist ein sprüchelchen für weiber. und man nennt dich einen mann! 42, 94; er (Merck) kannte mich nach seiner art durchaus, die unüberwindliche naive gutmüthigkeit meines wesens war ihm schmerzlich, das ewige geltenlassen, das leben und leben lassen war ihm ein gräuel. 48, 95; leben und leben lassen! spricht papa Wieland; und wenn unser einem hier zu lande erlaubt ist, ein wörtchen mitzusprechen, so sage ich: schreiben lassen und schreiben. Zelter an Göthe 106; leben und leben lassen, nur nicht auf meine kosten. Kotzebue dram. sp. 3, 169;
was soll ich viel lieben, was soll ich viel hassen;
man lebt nur vom leben lassen.
Göthe 2, 263;
den rechten lebensfaden
spinnt einer, der lebt und leben läszt.
3, 116;
ich wünschte sehr der menge zu behagen,
besonders weil sie lebt und leben läszt.
12, 9.
4)
leben in den angeführten bedeutungen erhält zusätze des orts, der zeit, der art, der mittel, des zweckes.
a)
leben mit zusätzen des ortes: in der stadt leben, auf dem lande leben, sein leben zubringen, dauernd sich aufhalten; er hat nun schon acht jahre an diesem orte gelebt; auf dem land läben, agere vitam ruri. Maaler 259ᶜ; die jr auf dem lande lebet. 5 Mos. 31, 13;
hier seid ihr
der einzige, der noch so würdig wäre,
dasz er am Ganges lebte.
Lessing 2, 258;
wer lebt in unserm kreise,
und lebt nicht selig drinn?
Göthe 1, 130;
im walde möcht ich leben
zur schönen sommerszeit;
ungeachtet sie auf beiden seiten des stromes Gambia unter andern völkern des Negerlandes zerstreut leben. Wieland 14, 316.
b)
mit zusätzen der zeit: lange leben; du solt deinen vater und deine mutter ehren, ... auf das du lange lebest. 5 Mos. 5, 16; wer aber den geiz hasset, der wird lange leben. spr. Sal. 28, 16; wer lange lebt der wird alt. so du lange lebst, so du alt wirst. je länger man lebt, je älter man wird. Simrock sprichw. 332;
da (in unserm lande) ist wünne vil:
lange müeʒe ich leben dar inne!
Walther 57, 14;
lang lebe der könig! es freue sich,
wer da athmet im rosigten licht!
Schiller taucher v. 91;
der mensch vom weibe geborn, lebt kurze zeit. Hiob 14, 1; und Hiob lebet nach diesem, hundert und vierzig jar. 42, 16; wenn er lange lebet, so lebet er hundert jar. Sir. 18, 8; du must doch zuletzt sterben, wann du gleich viel hundert jahr lebtest. volksbuch von doctor Faust s. 115 Braune; so wird er samen haben, und in die lenge leben. Jes. 53, 10; ich dacht, möcht ich bis morgen leben. 38, 13; und lebet bis in das fünfte geschlecht, und sahe kinder und kindeskinder. Tob. 14, 15;
man sol nâch guote werben,
als nieman müge ersterben,
und sol eʒ dann ze rehte geben,
als nieman sül ein wochen leben.
Freidank 58, 4;
und suln wir leben halbeʒ jâr,
ich mache in rîche, daʒ ist wâr.
Erec 1358;
für diesen acc. ein seltener genitiv: (sie kamen) endlich dahin, das man gleubete, das ein mensch nicht lenger lebete denn dieses lebens. Luther 6, 209ᵃ. ewig leben, vom menschen: es war finstere nacht, mein sohn Franz stand vor mir. was, rief er mit entsetzlicher stimme, willst du dann ewig leben? Schiller räuber 4, 5; mit bezug auf seinen unsterblichen theil, vergl. auch oben unter 1 und das ewige leben unter dem subst. leben: eewig läben, oder über eewig läben, transcendere aetate aevum. Maaler 259ᶜ; wer dis brot isset, der wird leben in ewigkeit. Joh. 6, 58;
welch glück werd ich erst dort genieszen,
wo ich unendlich leben soll!
Gellert 2, 114;
von gott: ich preiset den, so ewiglich lebet. Dan. 4, 31; der da aber ewig lebet, alles was der macht, das ist volkomen. Sir. 18, 1.
c)
manigfach sind die beifügungen der art oder des zustandes.
α)
adverbien: fröhlich, heiter, sorglos, sorgenfrei, lustig, ausgelassen, üppig leben, und, mit anlehnung an die unter 3 aufgeführte hervorhebung, kümmerlich, kärglich, reichlich, gut leben: so wæn ich des, daʒ sanctus Johannes im selber niht sô güetleich lebt nâch dem leib, daʒ er allzeit flaisch æʒe. Megenberg 303, 20; er (Epicur) schreibt einem seiner freunde, er lebe blos von grobem brodt und wasser. er bäte er möge ihm doch ein wenig käse schicken, um, wenns ihm einfiele, davon einmal hoch leben zu können. Bode Montaigne 3, 235;
gar sparsam sie (die bienen) sich nehren,
gar leben sie genaw.
Spee trutzn. (1654) 104;
wie gar nichts sind alle menschen, die doch so sicher leben. ps. 39, 6; fur jm werden knie beugen alle die im staube ligen, und die so kömerlich leben. 22, 30; wer unschüldig lebet, der lebet sicher. spr. Sal. 10, 9; da die heiden zu gleich im jrthum böslich lebeten. weish. Sal. 10, 5; sie leben nicht recht. 14, 28; es war aber ein reicher man, der .. lebet alle tag herrlich und in freuden. Luc. 16, 19; so du, der du ein Jüde bist, heidnisch lebest, und nicht jüdisch, warumb zwingestu denn die heiden, jüdisch zu leben? Gal. 2, 14; ist zur bösen gesellschaft gerahten, hat ... ruch- und gottlosz gelebt. volksbuch von doctor Faust s. 12 Braune; so du nit kannst keusch leben. 27; wohl gelebt, wohl gestorben. Simrock sprichw. 332; vergl. auch das verbum wohlleben und unten die abschiedsformel unter β;
wie sicher lebt der mensch, der staub!
Gellert 2, 221;
ich lebte still und harmlos.
Schiller Tell 4, 3;
und, mit einigem verblassen des sinnes, wie nachher unten ζ a. e.:
nein! nein! leb unbesorgt!
A. Gryphius 1 (1698), 713;
wenn der mensch stirbet, so wird er innen, wie er gelebt hat. Sir. 11, 28; lieben kinder, gehorchet mir ewrem vater, und lebet also, auf das euch wolgehe. 3, 1; es gehet mir eben so wunderlich, dʒ ich lieber wolte an der welt ende sein, dann also leben. Philander 2 (1643) 191;
auch hab ich weder gut noch geld,
noch ehr und herrlichkeit der welt;
es möchte kein hund so länger leben!
Göthe 12, 30;
er lebt so dahin; vergl. auch fortleben 2, theil 4¹, sp. 22.
β)
hieran angeschlossen sind höflichkeitsformeln; wir fragen den, den wir begrüszen: wie leben sie?; ich redete sie an, und fragte, wie sie lebe? sie antwortete mir mit halber stimme: ganz wohl. Göthe 20, 76; schon im 16. jahrh. bei erkundigung nach einem abwesenden: und wie lebt, sagt der mönch, das lieb herrlin abt Tranchelion? Garg. 259ᵃ. abschiedsgrusz ist lebe wohl!: vale, lebe wol, bisz gesundt. Dasyp.; inmittels läbe wohl, und erwarte von mir dasjenige, wessen sich meine färtige wenigkeit iderzeit erbötig befündet, das ist, alle behägliche dihnste. Zesen afrikan. Sofonisbe, zuschrift an den gunstgeneigten leser;
Iphig. leb wohl! o wende dich zu uns und gib
ein holdes wort des abschieds mir zurück!
dann schwellt der wind die segel sanfter an,
und thränen flieszen lindernder vom auge
des scheidenen. leb wohl! und reiche mir
zum pfand der alten freundschaft deine rechte.
Thoas. lebt wohl!
Göthe 9, 98;
auch als scheidegrusz an belebt gedachte gegenstände:
leb wohl, du schauplatz grauser scenen,
o land, das mir das leben gab!
Gotter 3, 570;
lebt wohl, ihr berge, ihr geliebten triften,
ihr traulich stillen thäler, lebet wohl!
Schiller jungfr. v. Orl., prolog 4. auftr.;
ihr matten, lebt wohl!
ihr sonnigen weiden!
der senne musz scheiden.
Tell 1, 1;
so leb denn wohl, du stilles haus!
F. Raimund alpenkönig und menschenfeind.
γ)
vergleiche, durch wie vermittelt: er lebt wie ein fürst; leben wie der reiche mann im evangelium; leben wie ein weltkind, mundano more vivere Stieler 1097; leb wie vor zeiten, red wie jetzt. Simrock sprichw. 332;
schmauszte, zechte, spielte karten,
lebte wie der Tartarchan.
Gotter 1, 47;
durch als: leb als wollst du täglich sterben, schaff als wollst du ewig leben. Simrock sprichw. 332; ein gattungsvergleich ist es, der durch als ohne folgenden artikel vermittelt wird: als christ leben; er will als rechtschaffener mann leben; mit rücksicht auf den beruf: als hirt, als ackermann leben.
δ)
mit einem nominativ ohne das vergleichende adverb als: lange lebt ich eine gefangne, mit schrecklichen phantasien und träumen. Heinse Ardingh. 1, 314;
wer
sich knall und fall, ihm selbst zu leben, nicht
entschlieszen kann, der lebet andrer sklav
auf immer.
Lessing 2, 259.
ε)
mit zusätzen und präpositionen, die theilweise von der örtlichen bedeutung ausgehen und noch an dieselbe rühren: so soltu jn (deinen verarmten bruder) aufnemen als einen frembdlingen oder gast, das er lebe neben dir. 3 Mos. 25, 35; weil ich noch heute mit euch lebe. 5 Mos. 31, 27; hab ich böses vergolten denen so friedlich mit mir lebten. ps. 7, 5; sie (Friederike) brachte mir .. einen klaren und zugleich so liebenswürdigen begriff von ihrem zustande bei, der sehr wunderlich auf mich wirkte: denn ich empfand auf einmal einen tiefen verdrusz, nicht früher mit ihr gelebt zu haben. Göthe 25, 347; das zur selben zeit die menschen eben also geartet, und mit gleichen sitten gelebt haben, wie es jtzt in der welt zugehet. volksb. von doctor Faust s. 132 Braune;
swer ouch dann die lenge
mit arbeiten leben sol,
dem ist iedoch niht ze wol.
arm. Heinrich 599;
unter strenger herschaft leben; bei menschen, die nur dunkel vor sich hin leben. Göthe 17, 12; wiewol du dennoch nicht gelebt hast nach jrem wesen. Hes. 16, 47; das sie meine rechte verachtet, und nach meinen geboten nicht gelebt, und meine sabbath entheiliget hatten. 20, 16; wo jr nach dem fleisch lebet, so werdet jr sterben müssen. Röm. 8, 13; es ging geld ein, er konnte nach seiner willkür leben, und wir hatten gute tage mit ihm. Göthe 19, 101; man wird so wenig geachtet, wenn man nicht seinem range gemäsz lebt. Möser phant. 1, 176; solche werden nach gelegenheit jhres gelts leben. Fischart groszm. 62 (se porteront selon leur argent. Rabelais); mhd.
daʒ was billich, wan sol iemer nâch dem hove leben.
Walther 36, 4;
lebe nach der alten welt
und sprich wies der neuen gefällt.
Simrock sprichw. 332;
wol denen die on wandel leben. ps. 119, 1; ein mensch, der gute tage und gnug hat, und on sorge lebt. Sir. 41, 1; ich aber lebete etwa on gesetze. Röm. 7, 9;
der keineʒ lebet âne haʒ.
Walther 8, 35;
glaib (glaube) was dj kirch gepeüt und sagt,
darinn stirb frölich unverzagt.
wider gott beger nit leben.
Schwarzenberg 114ᵃ;
dasz man mag in hasz und neid wider seinen nechsten leben.
Logau 3, 248, 169;
auszert der ee läben, im ledigen staat sein, degere vitam expertem thalami. Maaler 259ᶜ; ein man der zuvor seer zertlich und in lüsten gelebt hat unter euch. 5 Mos. 28, 54; lebeten in wollust. Neh. 9, 25; ob sie gleich in eim wüsten wilden wesen der unweisheit lebeten. weish. 14, 22; sihe dich wol fur, du lebest in groszer fahr. Sir. 13, 18; weil bei uns ... kein weib noch jungfraw so im zaum leben mus. Luther 4, 483ᵇ; in frieden, in unfrieden leben; er lebt in guten verhältnissen; Faust lebt also im epicurischen leben tag und nacht. volksb. von doctor Faust s. 25 Braune; weil er jhn (lies in) unvernünftiger viehischer weisz on treue und glauben, on raht und gesatz, auf diser welt gelebt hatte. Fischart bienk. 218ᵃ; sie leben also in einem überflusz des nothwendigen. Wieland 14, 317;
die pöslich leben in dem saus.
Schwarzenberg 157ᵇ;
uns vom halben zu entwöhnen,
und im ganzen, guten, schönen,
resolut zu leben.
Göthe 1, 140;
es braucht
der feldherr jedes grosze der natur,
so gönne man ihm auch, in ihren groszen
verhältnissen zu leben.
Schiller Piccol. 1, 4;
in den tag hinein leben; hat disz volk (die Deutschen), so thuͦt es, und lobt s. Martin, lebt also in tag auf gratwol. S. Frank weltb. 47ᵃ; auf den alten kaiser hinein leben, vergl. theil 5, sp. 39: so bat ich auch weder um das zeitliche noch ewige, sondern lebete auf den alten kaiser hinein wie ein viehe. Simpl. 1, 398 Kurz.
ζ)
endlich findet sich auch in der ältern sprache ein genitiv der art: ne sehent daʒ nieth ana, uuelches leides ih lebe. Williram 8, 11; und sol doch so leichtlich zugehen, das die, so wir jtzt mit augen sehen zugescharret, vergraben, und zu pulver worden, sollen wider komen und leben, nicht dieses armen vergenglichen lebens, sondern viel herrlicher und köstlicher. Luther 6, 63ᵇ; das er (Christus) nimer dieses lebens lebet, sondern gar eines andern lebens, welches er heist zum vater gehen. 189ᵃ; widerumb heiszen die nicht mehr in der welt sein, die von dem allen, so jtzt erzelet, entzogen und gescheiden sind, das sie nicht dürfen essen, trinken, gehen, stehen, und kurz keiner natürlichen leiblichen werk leben. ebenda; darumb lebt er nu nimer weltlich, das ist, dis leiblichen lebens und seiner notdurft. ebenda; die leüt geen den merer theil nackend, .. leben heidnischer sitten. Frank weltb. 186ᵇ; wobei auch bisweilen eine zum verblassen neigende bedeutung des verbums sich zeigt, so dasz es wie verstärktes oder dauerndes sein steht: Epaminondas hatt solches abbruchs gelebt (tantae abstinentiae fuit). Fronsperger 3, 276ᵃ; die noch heute gebräuchliche wendung ich lebe der hoffnung, des zutrauens (dasz dies nicht geschehe u. ähnl.), ist stärker als ich bin der hoffnung; ich lebe der hoffnung, spe fretus sum. Steinbach 1, 1004.
d)
zusätze der mittel werden
α)
in der ältern sprache, und noch theilweise bis ins 18. jh. durch den genitiv gegeben: was das leuten die von hohem stande und herkommen sind, für eine qual sei, wann sie anderer leute gnade leben müssen, das ist nicht auszzusprechen. Schuppius 299; dankbarkeit .. die ein wohlthäter immer von demjenigen zu erwarten sich berechtigt hält, der seiner gnade leben musz. Wieland 15, 218;
so will der arm, dir gern zu fusz
sich werfend, deiner gnaden leben.
Weckherlin 39;
wie denn geschrieben stehet (Habakuk 2, 4), der gerechte wird seines glaubens leben. Röm. 1, 17, variante: der gerechte wird leben aus seinem glawben. mit ausschlieszlicher betonung der rein leiblichen seite des lebens: unde irô guotlîhhî diu an gote uuas, uuehselôton sie an des fehes pilde daʒ heuues lebêt. Notker ps. 105, 20 (in similitudinem vituli comedentis foenum); da fraget der keiser die tochter, wes sie gelebt hette? Luther 6, 503ᵃ; diese wunderfisch fressen allein kaat und leben desz wassers. Forer fischb. 156ᵇ; er lebt desz lufts, wie der stör. 185ᵇ; was gen mittag ligt, das hat ettwan des wildprets gelebt on all hausung. Frank weltb. 81ᵇ;
schouwet wie der hûsen an der Tuonouw grunde
lebt des trôres süeʒe gar.
alsô lebt ich wol des luftes von ir munde
endelîchen mîniu jâr.
Lichtenstein 577, 16;
dô der künic Artûs
sîn frowen Ginovêren nam,
diu selbe hôchzît was lam
bî der Lemberslindes:
si lebten niht des windes.
Helmbrecht 1482;
mit springen thust dich hoch erheben
in dlüft; kanst doch des lufts nicht leben (spricht der krebs zum hecht).
B. Waldis Esop 4, 79, 22;
vom raub sie nur sich nehren (bienen),
nur leben sie der beut.
Spee trutzn. (1654) 96;
bei seiner zeit da lebten die bäpst des alemuͦsens als die zwelfpoten. d. städtechron. 4, 288, 29.
β)
auch, und jetzt ausschlieszlich, mit präpositionalen verbindungen, aus, von etwas leben: disz volk lebt on alle gesatz, schrift und predig allein ausz der natur. Frank weltb. 222ᵇ; wobei aber sonst die bedeutung des verbums oben 3 fast ausschlieszlich waltet: der pellicân lebt von der milch des cocodrillen und wirt dâ von gespeiset. Megenberg 210, 19; auf das er (gott) dir kund thet, das der mensch nicht lebet vom brot allein, sondern von allem das aus dem mund des herrn gehet. 5 Mos. 8, 3, vgl. Matth. 4, 4; hütet euch fur dem geiz, denn niemand lebet davon, das er viel güter hat. Luc. 12, 15; ausz raub und diebstal läben, rapto vivere Maaler 259ᶜ; von wem aber lebet so vil disz volks (der advokaten), als ausz schmach des volks, ausz niederlag und blut der armen. Schuppius 769; wovon .. musz ich, wovon müssen so viele rathsherrn leben? ... sie (die bürgerschaften) wählen bemittelte leute zu burgemeistern, und fordern von dem rathsherrn, dasz er von seinem fleisze leben solle. Möser patr. phant. 1, 177; wenn dergleichen leute so viel besoldung hätten, dasz sie davon leben könnten. 178; von der luft kann man nicht leben. Simrock sprichw. 352; (Philine) die dadurch einen neuen schein von liebenswürdigkeit erhielt, dasz sie gleichsam nur von der luft lebte, sehr wenig asz. Göthe 19, 243; ich lebe von der hand in den mund. Bode Montaigne 2, 255 (je vis du iour à la iournee);
dâ (in Munsalvœsche) wont ein werlîchiu schar
ich wil iu künden umb ir nar.
si lebent von einem steine.
Parz. 469, 3;
der himmel und die erd ist dein,
und alles lebt von deinen gaben.
Hagedorn 1, 9;
wohl, mein kind, wir leben so
einer von dem andern.
Göthe 11, 210;
das verbum unpersönlich und reflexiv:
doch hört einmal, von rosen und küssen
lebt sichs nun einmal nicht in der welt.
Kotzebue dram. sp. 1, 32;
auf etwas leben: dasz unmuglich ist einem prediger darauf (auf eine besoldung von 36 fl.) zu leben. Luther briefe 3, 477; auch mit etwas leben: er kann jetzt mit seiner besoldung ganz gut leben.
e)
der zweck des lebens wird durch um zu mit folgendem infinitiv vermittelt: wir leben nur um zu sterben;
ich lebe nicht auf erden,
um glücklich hier zu werden ..
ich lebe hier, im segen
den grund zum glück zu legen.
Gellert 2, 106;
oder durch zu mit subst.: denke fleiszig an die grosze absicht, zu der du auf erden lebst. 6, 29.
5)
leben, transitiv geworden und mit einem zeitlichen oder sächlichen accusativ verbunden, heiszt soviel wie durchleben, th. 2 sp. 1644, lebend durchmachen, verleben.
a)
häufig ist ein leben leben, meist nur in gehobener rede: die zerbrechliche schale, meine brüder, die uns noch umgiebt, ist es allein, was uns hindert das leben der geister zu leben. Wieland 27, 304; ich habe in einem augenblick alles leben gelebt, und kann nun sterben. Klinger 8, 320; ich bin kein geist. taste mich an, ich lebe, o ein elendes, erbärmliches leben! Schiller räub. 4, 5; ein solches leben lebt sich besser, die schlacken der irdischen abkunft fallen immer mehr ab. Fichte reden an d. deutsche nation 471;
Schmeichild lebt ein reiches leben, alles was sie darf ist da.
Logau 3, 260, 250;
o du (Mäcen), durch den Horaz, seit er bescheiden strebte
von dir geliebt zu sein, ein wahres leben lebte.
Lessing 13, 645;
greift nur hinein ins volle menschenleben!
ein jeder lebts, nicht vielen ists bekannt.
Göthe 12, 14;
Mnemosyne, tochter gottes, schwebe
mit des trostes fittigen um mich,
dasz ich noch einmal mein leben lebe.
Seume ged. 169;
(sie erfleht) rettung für den vater ihrer tugend,
für den einzgen führer ihrer jugend,
dem allein sie nur ihr leben lebet.
236;
dasz der pflüger nicht bei seinen garben,
hirt bei seinen herden müszte darben,
winzer dursten nicht bei seinen reben,
sondern jeder lebte sich ein leben.
Rückert ges. ged. 1, 316;
befangen in verworrnem streben
seh ich mit zährendunkelm blick
zurück auf mein gelebtes leben.
Platen 13.
b)
ähnlich tage, nächte, zeiten leben (verschieden von den fällen oben 4, b): du hast heute einen bösen tag gelebt, und ich lebte ihrer viele. Klinger 1, 55; ich habe eine nacht gelebt .. wenn ich noch so eine leben sollte .. 75; er hatte eine sehr schwere, sehr bedeutende nacht gelebt. 11, 24; er ists, von dem ihr bessere zeiten, als eure armen väter lebten, einst zu erwarten habt. Göthe 8, 271;
unsterbliche, die ihr den reinen tag
auf immer neuen wolken selig lebet.
Göthe 9, 48;
ferner sagte der meister: er habe gelesen, es könne
wer den ring am finger bewahrt, in grimmiger kälte
nicht erfrieren; er lebe gewisz ein ruhiges alter.
40, 168;
mitten durch schaaren des volks, das mit spazieren den tag lebt.
304;
wenn der gute himmel mir
ewig, ewig doch vergönnte,
dasz ich, braver mann, mit dir
meine tage leben könnte!
Bürger 5ᵇ.
c)
mit sächlichem object, etwas leben, lebend erfahren, durchmachen, durchleben, einmal ausdrücklich abgehoben von erleben, das dann mehr auf das anschauen fremder geschicke, als das durchleben eines eigenen lebens zielt: für uns sind sie (die bestimmungen) nur, an uns kommen sie nur, als bestimmungen unseres lebens, dadurch dasz wir sie leben und erleben. Fichte sonnenkl. bericht. 42; auch schon der ältern sprache eigen: und alles was er lebet und thut, das richtet er zu des nehesten nutz. Luther tischr. 125ᵇ; der mensch ist kein sclave dessen, was er gelebt hat, wenn er sich nicht dazu erniedrigt; sein wille ist frei. Freytag handschr. 1, 114;
was er gutes im leben, das nun gelebt war, und frommes
hatte gethan! er lebt es wieder, doch ohne den anblick
seiner fehle.
Klopstock 5, 25;
was ich irrte, was ich strebte,
was ich litt und was ich lebte,
sind hier blumen nur im strausz.
Göthe 1, 12;
allen
magst du geschichten erzählen, worin als wirklich erscheinet,
was sie wünschen und was sie selber zu leben begehrten.
337;
es (das herz) lebt in einem augenblicke alle triumphe des kalten verstandes. Klinger 9, 61.
d)
in erweiterter construction: seine zeit, seine tage herunter leben; das fleisch habe ich alles herab gelebt, und nun frieren die knochen mir so. Claudius 4, 35; in reflexiver fügung: wer ... sich in der wirklichkeit etwas müde gelebt hat. Klinger 12, 255; es ist eine abgeschmakte verläumdung der menschlichen natur, dasz der mensch als sünder gebohren werde, ... er lebt sich zum sünder. Fichte reden an d. deutsche nation 330; der todesfall eines so alten bekannten, mit dem man so viele jahre lang in so vertrauten verhältnissen gestanden, macht auf die gesellen, welche mit ihm sich alt gelebt haben, immer einen besondern eindruck. Fernow in Böttigers lit. zust. 2, 284;
wie dasz ihr doch, dasz Casca starb, die schuld dem arzte gebt?
sie hat sich durch so lange zeit zu tode selbst gelebt.
Logau 3, 94, 94.
6)
leben in erhöhter bedeutung, mit besonderer hervorhebung der sittlichen, vernünftigen oder energischen seite des lebens. in diesem sinne stellt es die heutige sprache in gegensatz zu vegetieren oder auch existieren: leben ohne zu streben heiszt nicht leben, sondern nur vegetieren; bei dieser hitze lebt man nicht, man existiert nur; edler gesagt, in hinblick auf unser mangelhaftes erkentnisvermögen:
wir leben nicht; uns träumet
des daseins dunkler traum.
Voss 5, 43.
leben in der angeführten bedeutung gilt
a)
von den göttlichen personen, sowie auch von dem innern menschen in uns, in bezug auf das wirken jener: ich weis das mein erlöser lebt. Hiob 19, 25; der herr lebet, und gelobet sei mein hort. 2 Sam. 22, 47; ich lebe aber, doch nu nicht ich, sondern Christus lebet in mir. Gal. 2, 20,
und ein gott ist, ein heiliger wille lebt,
wie auch der menschliche wanke.
Schiller worte des glaubens;
betheuernd so wahr der herr lebt, so wahr gott lebt;
ich rette dich, ich will es, doch so wahr
gott lebt! ich schwörs, ich will dich auch besitzen.
Schiller Maria Stuart 3, 6;
seitdem der neue mensch in ihnen zu leben angefangen. Wieland 27, 302, von dem innern christlichen leben, wie im folgenden: er aber sprach zu jm, du hast recht geantwortet, thue das (erfülle die gebote), so wirstu leben. Luc. 10, 28; wer an mich gleubet, der wird leben, ob er gleich stürbe, und wer da lebet, und gleubet an mich, der wird nimer mehr sterben. Joh. 11, 25. 26.
b)
vom menschen mit bezug auf sein streben und handeln, und hier mit näher bezeichnenden verbindungen.
α)
einer person, einer sache leben, die thätigkeit seines lebens auf sie beziehen:
er (mancher ritter) giht eʒ sî des hûses site,
ist er êlîche gehît,
daʒ er danne vür die zît
sül weder rîten noch geben:
er giht er sül dem hûse leben.
Iwein 2812;
gott aber ist nicht der todten, sondern der lebendigen gott, denn sie leben jm alle. Luc. 20, 38; denn unser keiner lebet im selber, und keiner stirbet jm selber. leben wir, so leben wir dem herrn, sterben wir, so sterben wir dem herrn. Röm. 14, 7. 8; auf das wir der sünde abgestorben, der gerechtigkeit leben. 1 Petr. 2, 24; er will ganz dem geschmacke, der trägheit und weichlichkeit leben. Gellert 6, 36; ein roher, sinnlicher mensch, der, zufrieden seinen sinnen zu leben, der herrschaft über die welt keine stunde seines vergnügens aufopferte. Klinger 5, 205;
ach liebe leut, wem leben wir hie?
wem sind wir nütz?
mückenkr. 1, 471;
wer seinem willen lebt, lebt ohne zweifel wol.
Logau 3, 51, 67;
ohne leben lebt der welt,
wer nicht gut gewissen hält.
3, 211;
ich lebt, und dasz ich lebte, bereu ich nicht,
ich lebte dir, und unsern freunden,
aber auch ihm, der nun bald mich richtet!
Klopstock 1, 49;
komm, eilen wir der freiheit wieder zu,
wo wir, geheilt von diesem ewgen streben
der fantasie, uns selbst und unsrer liebe leben.
Wieland 18, 195;
die ihrem (der kunst) keuschen dienste leben,
versucht kein niedrer trieb, bleicht kein geschick.
Schiller die künstler v. 85;
früh von des tages erstem schein,
bis spät die vesper schlug,
lebt er nur ihrem dienst allein.
gang nach dem eisenhammer;
mit einem körpertheile als subject (vergl. oben unter 1): meine augen fangen an, dunkel zu werden. sieh, wenn du lebst, leben meine augen der freude, ob sie schon dem lichte sterben. Klinger theater 2, 135.
β)
einem gebot, einer weisung leben heiszt ihm folgen: und ganz Africa und Gallia demselben (einem concilienbeschlusse) lange zeit gelebet und gefolget. Luther 1, 152ᵃ; dasz denen .. wegen abschaffung des fremden salzes in unseren landen vormals publicirten verordnungen nicht allerdings mehr gelebet .. werde. urk. von 1687 bei Grefe der lüneburg. saline ausschlieszl. salzdebit s. 35; dasz dieser unserer verordnung und verbot in allem gelebet und darwider in keine wege gehandelt werden möge. s. 36; dafür auch nach einem gebote leben; nach eines befehle leben, so leben, so handeln, wie er es befiehlt. Campe; vgl. nachleben.
γ)
auch mit einem genitiv (verschieden von dem oben 4, d, α aufgeführten), eines dinges leben, sich nach ihm richten: ob etliche weren, die mich zu geringe dafür hielten, das sie meines rahts solten leben. Luther 2, 480ᵃ; das er (der mensch) nichts anders sehe, höre, denke, noch wisse, denn diesen artikel (von Christi überwindung des todes), als sei nichts anders geschrieben in der ganzen creatur, und so einbilde, das er sich ganz drein stecke, und nur dieses artikels lebe. 6, 79ᵃ; sein selbs leben, nach eigener bestimmung: der ist ein knecht, der sein selbs nit lebt und auch nit lebt aus im selbs (aus eigenen kosten, vergl. oben 4, d, β). Keisersberg seelenpar. 138ᵇ; mit dem genitiv einer person:
auch bin ich dir (Jesus) ganz eingesenket
und leb und sterbe dein.
P. Gerhard 337, 16 Gödeke.
δ)
mit einem nach seinem gefallen leben, thun, verfahren: Ripus, lebent mit mir nach ewerm gefallen (macht mit mir was ihr wollt). Aimon bog. r; als gebe uns gott .. das gesinde, wie eine kue oder esel, allein zur erbeit zu brauchen, oder mit den unterthanen unsers mutwillens zu leben. Luther 4, 399ᵃ.
ε)
für einen, für etwas leben, in dem sinne wie α: ich musz für meine kinder leben; dieser mann lebt nur für seine familie; er lebt zu viel für sein vergnügen, zu wenig für seine pflicht; wer für andre lebt, hat am besten für sich gelebt. Simrock sprichw. 332;
ach welche thorheit ists, sein herz der lieb ergeben,
und allem abgelebt, für sie allein nur leben!
Lessing 2, 452.
ζ)
einem zu willen leben; er lebt ihr ganz zu gefallen, thut nur was ihr gefällt; in einsi willen und gfallen läben, einsi guͦter freünd und günner sein, und all sein fleisz jm zedienen anlegen, vivere alicui. Maaler 259ᶜ.
η)
in einem, etwas leben: dann so du ein frawen lieb hast, so lebst du nit in dir sundern allein in ir. N. v. Wyle translat. ...;
dem einen ist zu thun, zu schreiben mir gegeben,
und möcht ich, wie geschieht, nicht in den büchern leben,
ich lebte gar nicht mehr.
Opitz 1, 101;
welchen leser ich wünsche? den unbefangensten, der mich,
sich und die welt vergiszt, und in dem buche nur lebt.
Göthe 1, 401.
7)
in derselben erhöhten bedeutung, aber mit hervorhebung des lebensgenusses:
ich habe genossen das irdische glück,
ich habe gelebt und geliebet.
Schiller Piccol. 3, 7;
ich habe leidenschaften, warmes blut
wie eine andre, und ich kam als königin
in dieses land, zu leben, nicht zu scheinen.
sollt ich der freud absterben?
jungfrau von Orl. 2, 2;
o seltnes glück, wenn zwei verwandte seelen sich
durch schrankenloses, liebendes vertraun vereint!
ihr sterbliche, die's nie gefühlt, ihr lebtet nie,
und lebtet ihr drei hohe menschenalter fort.
Platen 166;
liesz er doch merken .. wer Neapel nicht gesehen, habe nicht gelebt. Göthe 48, 158; in reflexiver fügung: hier läszt sichs schon leben, hier findet man ein angenehmes leben; hier lebt sichs aufs beste; nun ist mein saal schön aufgeräumt und aufgeputzt; es lebt sich bei der groszen wärme aufs angenehmste darin. Göthe 29, 39;
doch hast du, mutter, uns nicht selbst berichtet,
um wie viel schöner sich es lebt dort oben? (auf der erde, sagt eine nixe).
Platen 318.
8)
mit hervorhebung der lebensschicklichkeit, des anstandes, in der verbindung zu leben wissen: die redensart, er weisz zu leben, ... bedeutet die geschicklichkeit seiner wahl im geselligen genusz, der nüchternheit enthält. Kant 10, 274; meine herrschaft hört, dasz er durch sie verdrengt worden. meine herrschaft weisz zu leben, und ich soll ihn desfalls um verzeihung bitten. Lessing 1, 521;
sie grüszet jeden gast mit treuem händedrücken,
das endlich Jupiter, der wohl zu leben wuszte,
durch einen kuss vergelten muszte.
Hagedorn 2, 100;
wunderbar! was hält ihn noch zurück?
er weisz doch sonst so gut zu leben.
Wieland 10, 278;
Faust. allein bei meinem langen bart
fehlt mir die leichte lebensart ...
Meph. mein guter freund, das wird sich alles geben;
sobald du dir vertraust, sobald weiszt du zu leben.
Göthe 12, 101;
ihr herrn gesteht, ich weisz zu leben;
verliebte leute sitzen hier,
und diesen musz, nach standsgebühr,
zur guten nacht ich was zum besten geben.
105.
9)
leben von der fortdauer einer person in der erinnerung, in der nachwirkung, vgl. dazu auch fortleben 3, theil 4¹, sp. 22: der verstorbene wird immer unter uns leben; sein geist lebt unter uns weiter;
(der schauspieler) musz seiner mitwelt mächtig sich versichern,
und im gefühl der würdigsten und besten
ein lebend denkmal sich erbaun — so nimmt er
sich seines namens ewigkeit voraus,
denn wer den besten seiner zeit genug
gethan, der hat gelebt für alle zeiten.
Schiller Wallenstein, prolog v. 49;
vergl. dazu auch unten unter leben 12, c.
10)
leben, ehelich:
glaubt nicht der arme mensch mit Jupiters tochter zu leben,
und ein knochengeripp folgt ihm zu tisch und zu bett.
Schiller nachtr. zu den xenien no. 26 ('der schlechte dichter');
geschlechtlich: er lebt mit einer, pflegt mit ihr geschlechtlichen umgang; sie lebt mit jedem manne, der ihr gefällt.
11)
der zuruf: er lebe! er lebe hoch! ist übersetzung des fremden bis ins 18. jahrh. gewöhnlichen vivat, vergl. dazu auch unter hoch theil 4², sp. 1604: vivat! er lebe! ein freudiger zuruf bei krönungen, einzügen und andern solennitäten hoher personen. Kirsch cornuc.; er lebe! vivat! Frisch 1, 590ᶜ; Soest es lebe unsre gnädge frau! alle. sie lebe! Soest. wahrlich, treffliche weiber sind in dem hause. die regentin lebe! Göthe 8, 174; soll leben, der wackere seeminister! Hebel 3, 27;
lebe hoch, wer leben schafft!
Göthe 1, 135;
merket auch ein schönes kind,
wen ich eben meine,
nun so nicke sie mir zu:
leb auch so der meine!
ebenda;
unser mann er that ja so;
leb er drum! er lebe!
47, 134;
auch auf anderes als personen bezogen:
es lebe die freiheit! es lebe der wein!
12, 112;
es lebe zahm und wildes schwein!
sie leben alle, grosz und klein,
die blonden und die braunen!
Uhland ged. 65.
12)
leben auch von dingen, in verschiedener bildlicher anwendung.
a)
sie werden in gewissen verhältnissen lebenden wesen verglichen:
wir sehen der himele zeichen sweben,
daʒ diu gânt umbe, als si leben.
Freidank 8, 21;
die tanne (die in der sägemühle zerschnitten ward) war wie lebend.
J. Kerner im morgenblatt 1830, no. 269;
ein bild lebt, wenn es die höchste ähnlichkeit mit dem von ihm dargestellten belebten urbild zeigt;
preiswerthe schwärmerei! wohlthätige magie!
sein glück ist zwar nur fantasie,
allein es füllt den platz der wahrheit die ihm mangelt,
und seine schöne steht so lebend vor ihm da,
wie er sie heut im beichtstuhl knieen sah.
Wieland 21, 189;
ein instrument lebt, wenn die ihm entlockten töne wie von belebten wesen zu kommen scheinen;
Arion war der töne meister,
die cither lebt in seiner hand.
A. W. Schlegel im musenalm. von 1798, s. 278;
die flur lebt wieder, wenn sie sich im frühling grün bezieht;
euch lacht und lebt kein lenz; euch glüht kein morgenroth;
für euch sind flur und wald und thal und echo todt.
Lessing 2, 252;
von andern gegenständen: Miller. höre Louise! ich erbreche den brief. Louise. wie er will, vater — aber er wird nicht klug daraus werden. die buchstaben liegen wie kalte leichname da und leben nur augen (dat. plur.) der liebe. Schiller kab. u. liebe 5, 1;
mein buch,
es lebte seinen tag.
Arnim 1, ⅩⅠⅤ;
von gefühlen:
du fühlst nicht, dasz in dem menschen ein besserer funke lebt, der, wenn er keine nahrung erhält, wenn er nicht geregt wird, von der asche täglicher bedürfnisse und gleichgültigkeit tiefer bedeckt und doch so spät und fast nie erstickt wird.
Göthe 18, 81;
wie liebe soll in dir, für mich noch liebe leben?
Gotter 2, 16;
wo liebe lebt und labt, ist lieb das leben.
A. W. Schlegel poet. werke 1 (1811) 316;
freilich, das kommt daher, wenn ehrgefühl nicht im busen
eines jünglinges lebt, und wenn er nicht höher hinauf will.
Göthe 40, 256;
muth! muth! was ich so treu im herzen trage,
das musz ja doch dort ewig mit mir leben!
Körner 1, 134.
in der ältern sprache auch technisch (vergleiche unten das part. lebend no. 14): der mercurius lebt nicht mehr (im zinnober). Thurneiszer von wassern (1572) 76.
b)
ein ort lebt, wenn lebende wesen auf ihm sich tummeln: das ganze feld lebt sagt man, wenn viele menschen darauf thätig sind; der ganze kopf lebt, wenn viel ungeziefer drauf ist; der käse lebt, wimmelt von maden;
es lebt von menschen, die zum ufer jagen,
vom hafen bis zur stadt der ganze zwischenraum.
Schiller Dido v. 74.
c)
leben, existieren, von einer sprache: die keltische sprache lebt noch in Groszbrittanien und Irland; sowie von dem was durch die sprache verbreitet und vermittelt wird: das sprichwort, das in aller munde lebt; von ruf, ehre, andenken (sich berührend mit no. 9 oben): sie sind in frieden begraben, aber jr name lebt ewiglich. Sir. 44, 14;
monarchen, euren werth wird jede zeit erheben,
und die benennungen berühmter herrscher leben.
Hagedorn 1, 88;
von des lebens gütern allen
ist der ruhm das höchste doch;
wenn der leib in staub zerfallen,
lebt der grosze name noch.
Schiller siegesfest v. 104;
der für seine hausaltäre
kämpfend sank, ein schirm und hort,
auch in feindes munde fort
lebt ihm seines namens ehre.
v. 120;
ferner kunstschöpfungen:
denn schnell und spurlos geht des mimen kunst,
die wunderbare, an dem sinn vorüber,
wenn das gebild des meiszels, der gesang
des dichters nach jahrtausenden noch leben.
Wallenstein prolog v. 35.
d)
verwunderungsformel in volksmunde ist: so was lebt nicht!
13)
leben in formelhaften verbindungen.
a)
in der allitterierenden leiben und leben, von der beide glieder das gleiche ausdrücken, vergl. vivere leben, leyben Dief. 624ᶜ, daher das verbum leben dem sinne nach verstärkend: kunst amet wol der natur nach ... so (dagegen) leibt und lebt es alles besser was natürlich ist denn was menschen hand zu wegen bringt. Mathes. Sar. 33ᵇ; er ist nicht klug mit seinem geiste! noch leib und leb ich. Lessing 2, 559; wenn er noch vor ihnen zu leben und zu leiben scheint. Stolberg 10, 207; sie (Göthes kritik von Arnolds pfingstmontag) verweilt gerne bei diesen straszburgischen gestalten, die er einst selbst leibend und lebend gesehn. Alsatia von 1853 s. 12;
ihn musz sie sehn
wohin sich ihre blicke lenken,
musz mit ihm auf und nieder gehn,
musz von ihm träumen, an ihn denken ...
kurz, was in Klärchen leibt und lebet,
ist durch und durch mit ihm verwebet.
Wieland 9, 229 (198);
allein, der geist der hier sein wesen treibet,
ist euch von ganz besonderm schlag,
hält offnen hof, iszt, trinkt, und lebt und leibet
wie unser eins, und geht bei hellem tag.
22, 69 (Oberon 2, 22).
gern in der vergleichenden formel wie einer leibt und lebt, das vollkommen genaue und lebendige bild von einem verglichenen ausdrückend: in diesem einzigen zuge, herr hauptpastor, stehen sie mir ganz da, wie sie leiben und leben. Lessing 10, 177; sogleich steht er vor mir, wie er leibte und lebte — mein vater seeliger. 11, 746; ich ward roth, denn er beschrieb mich, wie ich leibte und lebte. Göthe 20, 56; er ward freundlich in die innern zimmer geführt vor die köstlichsten bilder bedeutender männer des sechzehnten jahrhunderts in vollständiger gegenwart, wie sie für sich leibten und lebten. 21, 117; auch hier fanden wir unsern ehrlichen Wakefield wieder, in seinem wohlbekannten kreise, aber nicht mehr wie er leibte und lebte, sondern als schatten. 26, 157; die menschen wie sie leiben und leben .. weisz er zu schildern. 39, 144; Lenette hatte die ganze nacht nicht das herz, sich aufzusetzen im gitterbette, aus angst, sie sehe — ihren mann, wie er leibt und lebt. J. Paul Siebenkäs 4, 51; sie steht mir noch heute mit ihren schönen groszen blauen augen und ihrer prächtigen breiten stirn, als wenn sie leibte und lebte, lebendig gegenüber. Arndt leb. 5.
b)
in der reimenden formel leben und weben, welche die beweglichkeit und thätigkeit des lebens zeichnet: und gott schuf grosze walfische und allerlei thier, das da lebt und webt, und vom wasser erreget ward. 1 Mos. 1, 21; in jm (gott) leben, weben, und sind wir. ap. gesch. 17, 28; ehe ich noch war, lebete, webete, und ichts thun kunde, warestu, herr, uber mir im mutterleib. Luther 8, 315ᵇ; die oberfläche unsers planeten, mit allem was darauf lebet, webet und ist. Wieland 14, 297; Ernst. lasz dich nur hier bei mir nieder, und sieh! Falk. was denn? Ernst. das leben und weben auf und in und um diesen ameisenhaufen. Lessing 10, 262; von meinen augen muszt du leben, weben, abhängen und sein. Klinger neue Arria 24; er musz im Homer leben und weben und beständig voll davon sein. Bürger 141ᵇ; der blosz im juristischen fache lebt und webt. J. Paul flegelj. 1, 68;
dasz ich Amaranten dann,
wie er lebt und webt, beschriebe.
Gökingk lieder zweier lieb. 95,
denn er (der keusche mann) gedeiht und sproszt empor,
wie auf der wies ein schlankes rohr;
und lebt und webt, der gottheit voll,
an kraft und schönheit ein Apoll.
Bürger 51ᵇ;
sieh das leben und das weben
dieser graziengestalt,
sieh es ruhig an und kalt!
74ᵃ;
alles nunmehr zu werden versucht er (Proteus), was auf der erde
lebet und webt, auch wasser und schreckliche flamme des feuers.
Odyss. 4, 418;
ach wie ich nun wieder neu leb und webe! (worte einer braut).
Kotzebue dram. sp. 1, 300;
nach leben no. 12:
o mai, was frag ich viel nach dir!
der frühling lebt und webt in ihr (in Molly).
Bürger 13ᵃ;
im lenze lebt und webt sie nur (die sinnenliebe),
gehegt, gepflegt von Floren.
101ᵇ;
des hügels rücken, der vom tanze
froher lämmerheerden lebt und webt.
98ᵃ;
wo man nur den bulten (die erde um die kartoffelstauden) hebt,
schaut, wie voll es lebt und webt!
Voss 5, 28.
14)
das part. lebend gern in adjectiver und substantiver stellung: lebende wesen, vgl. oben 1; lebende pflanzen; lebende blumen im gegensatze zu nachgeahmten, todten; alles lebende vergeht;
wir, wir leben! unser sind die stunden,
und der lebende hat recht.
Schiller an die freunde;
lebende bilder werden gestellt, wenn personen als figuren eines gemäldes dienen (die sache, aber noch nicht der jetzt so gewöhnliche name Göthe 17, 252 ff., vgl. aber unter lebendig 13 a. e.);
in den kühnen schaaren,
die sein befehl gewaltig lenkt, sein geist
beseelt, wird euch sein schattenbild begegnen,
bis ihn die scheue muse selbst vor euch
zu stellen wagt in lebender gestalt.
Schiller Wallenstein, prolog v. 115;
von einem gesetzeskundigen greis heiszt es ein lebendes gesetz (wofür häufiger lebendig, s. unten):
ein andrer, dessen haupt mit gleichem schnee bedecket,
ein lebendes gesätz, des volkes richtschnur ist.
Haller 35;
nach leben 12: eine lebende sprache, im gegensatz zu einer todten, ausgestorbenen, nicht mehr gesprochenen; lebende quelle, lebender brunnen, im gegensatz zum stehenden gewässer: fluʒʒi fon sînero uuambu flioʒent lebêntes uuaʒares. Tatian 129, 5;
wo sein lebender bach nieder am moosgeklüft
rollt durchsichtige flut durch das geregte laub;
nicht wo lauliche tränke
sumpft, vom dienstbaren huf getrübt.
Voss 3, 200;
lebende winde:
also redeten jen' im vertraulichen wechselgespräche,
unter dem heiteren blau des allumfassenden himmels;
gottes lebende wind' umwehten sie.
Voss 1, 48;
lebendes feuer, hell brennendes, im gegensatz zu dem blosz glimmenden einer kohle; lebender schwefel, gediegener schwefel, jungfernschwefel; lebender kalk, ungelöschter; lebend silber, quecksilber:
dieses (trommelfell des ohrs) scheint zwar fest und dichte,
als ob das geringste loch
auch vom schärfesten gesichte
nicht darinn zu sehn; dennoch
hat sichs offenbar gezeiget,
dasz sich lebend silber seiget,
und, wenn mans darüber gieszt,
es dadurch gar leichtlich flieszt.
Brockes 2, 348;
lebender stein, lebender fels, nicht verwitterter; lebende federn, federn von gänsen die lebendig berupft werden (im gegensatz zu den federn die von geschlachtetem vieh herrühren):
untergebett und pfühle, gestopft mit lebenden federn.
Voss Luise 3, 2, 603.
in der sprache der buchdrucker heiszen lebende columnentitel die in der mitte stehenden angaben des inhalts der columne oder des abschnittes, neben welcher seitlich die seitenzahl steht. vergl. zu einer anzahl solcher verbindungen auch unten lebendig.
leben verb
Fundstelle: Lfg. 3 (1879), Bd. VI (1885), Sp. 424, Z. 58
milch gerinnen machen, für laben und läben sp. 5: coagulare leben Dief. 128ᶜ; coagulare lewyn nov. gloss. 97ᵇ; wie ein töpfer den than zusammen drucket, oder wie Job redet: du hast mich wie milch gelebet. Mathes. postilla 2, 314 (angezogen ist Hiob 10, 10); und hast mich wie milch gemolken und wie kese gelebet und gerinnen lassen. Sar. 33ᵇ; lautere milch, die nicht gelebet oder geronnen oder zusammen gelaufen ist. 76ᵃ; so nennet der prophet und Petrus die reine und unverfelschte lere, ein unverfelschte, vernünftige, und lautere milch, die nicht gelebet, oder geronnen, oder zusammen gelaufen ist. 106ᵇ. von geronnener fleischbrühe, gallerte: nym ein gelepte bru von vischen und persig gesothen oder von kelber und schoffuszen gesothen. kuchenm. bij. vgl.lebern.
Zitationshilfe
„leben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/leben>, abgerufen am 24.08.2019.

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