laut adj
Fundstelle: Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 366, Z. 37
clarus, vocalis.
1)
alts. ags. fries. hlûd, niederl. luid, engl. loud; ahd. hlût, mhd. lût; dem griech. κλυτός, lat. -clutus, altir. cloth, altbaktr. çrûta entsprechend. das wort gehört zu dem den Westgermanen eigenthümlichen wortvorrate und fehlt im goth. und altnordischen, vergl. Zimmer in Haupts zeitschr. 19, 457.
2)
die adverbialform ahd. hlûto, mhd. lûte, zeigt sich selbst im 17. jahrh. noch einigemale als laute, obschon sie zu dieser zeit gewöhnlich schon längst nicht mehr von der adjectivform unterschieden ward: da der prophet Elias sahe, dasz er mit den baalspfaffen nicht zu recht kommen könne, da spottete er ihrer und sagte: ruf laute. Schuppius 583;
hört, hört, wie mit vollen choren
alle luft   laute ruft:
Christus ist geboren.
P. Gerhard s. 155, no. 57 Gödeke.
selten finden sich die steigerungsgrade in umgelauteter form: (der hahn) hât auch die art, daʒ er in der naht läuter und vester singt. Megenberg 192, 14; sie werden läuter, contentiore voce loquuntur Frisch 1, 589ᵇ;
fürwahr, die läutesten die wurden hier geschweiget.
Rompler 104.
3)
laut wird zunächst gebraucht von jedem stark hörbaren tone;
a)
in attributiver und prädicativer stellung, am gewöhnlichsten vom schall der stimme lebender wesen: ahd. sie chihôrdon gotes stimna hlûda in Sînaberge quhedhenda. Isidor 13, 7 Weinhold; mhd.
lûte âne mâʒe
hôrter eine stimme
clägelich und doch grimme.
Iwein 3828;
do schrei daʒ vil edele wîp
in einer vil lûten stimme.
herz. Ernst 3429 Bartsch;
nhd. und die Leviten sollen anheben, und sagen zu jederman von Israel mit lauter stimme. 5 Mos. 27, 14; und das ganze land weinet mit lauter stimme. 2 Sam. 15, 23; und segenet die ganze gemeine Israel mit lauter stim. 1 kön. 8, 55; da er das gesagt hatte, rief er mit lauter stimme, Lazare kom her aus. Joh. 11, 44 (goth. stibnai mikilai); wird sich ein laut geschrei erheben. Zephanja 1, 10; wenn wir so laute und heftige äuszerungen des schmerzes vernehmen. Lessing 6, 393; lautes wehklagen; lautes weinen; lauter jammer; lauter jubel, lautes lachen; o mein lieber Guelfo, sieh freundlich und gut, mache unsre freude laut und vollkommen. Klinger 1, 18;
kein vorwurf soll dich kränken, keine laute,
noch stumme klage in das herz dir schneiden.
Schiller braut von Mess. v. 2691;
und tausend stimmen werden laut:
das ist der lindwurm, kommt und schaut!
kampf mit dem drachen v. 13;
und lauter immer wird die frage.
kraniche des Ibykus v. 169;
laut und lauter wird der lärmen,
lauter das geschrei der straszen.
Herder z. litt. 5, 122 (Cid 28);
jemand ist laut, wird laut, macht sich sehr hörbar, so im zorn: bei solchen gelegenheiten unterliesz sie niemals gewaltig laut zu werden und es ihrem manne sehr bitter und heftig zu verweisen, dasz .. Siegfr. v. Lindenberg 1, 56; in ausgelassener fröhlichkeit: inzwischen hatte die gesellschaft, die immer heiterer geworden war, noch manche flasche wein ausgetrunken, und fing an sehr laut zu werden. Göthe 18, 207; in prahlender und prangender thätigkeit: so haben leise menschen tiefer, wenigstens fruchtbringender in die zukunft hinein gehandelt als laute; den stillen im lande wurde öfters raum und zeit das sprachgewölbe, das sie zu den lauten auszer landes machte. J. Paul leben Fibels vorr. s. vii;
wie jmmer stolz, toll, laut.
Weckherlin 323.
auch von andern tönen als denen der stimme: ein lauter krach erschütterte das gebäude; lautes geräusch; was ist das fur ein laut getümel? 1 Sam. 4, 14; erhielt .. von einer dame eine laute ohrfeige. J. Paul teuf. pap. 1, 2; die geige hat einen lauten ton; von orten, in denen laute stimmen oder lautes geräusch erschallen: der hof ist zu laut vor mich, aula frequentior est hominibus, quam ut perferre possim. Stieler 1093; kühn schritt er durch den lauten pallast vor einer angespannten wagenburg vorbei. J. Paul Tit. 2, 14; sie eilten aus dem lauten, regen garten ins stille, dunkle donnerhäuschen. 3, 46; von steinen, die durch das wasser angeschlagen werden:
so wie ein bach, der in der wüste schleicht,
vergebens sein krystall auf lauten kieseln rollet,
wenn ihn der wandrer nicht erreicht,
dem er den süszen trunk, und dann das schlaflied zollet.
Lessing 1, 90.
bildlich, von dem sich verbreitenden ruhme, hier aber von der lauten stimme (s. oben) ausgehend:
jene (menschengrösze) läszt mit lautem ruhm sich lohnen,
und ihr aufenthalt sind thronen nur.
Blumauer 1, 4;
wie schon ahd. ein solcher übergang sich zeigt, wenn Ermoldus Nigellus zur erklärung des namens Hludowicus sagt
nempe sonat Hluto praeclarum, Wicg quoque Mars est.
mon. Germ. script. 2, 468.
b)
laut adverbial: ahd.
ingegin riaf thô lûto   heriscaf thero liuto.
Otfrid 4, 24, 13;
thiu uuîb thero lantliuto   thiu iruueinôtun thô lûto.
26, 5;
mhd. man hôrt dâ lûte erhellen   den helden an der hant
diu vil scharpfen wâfen.
Nib. 203, 1;
des erlachte lûte   diu minneclîche meit.
Gudr. 345, 1;
nhd. lachen laut oder laut lachen oder kyttern, cachinnari. voc. theut. 1482 r 8ᵇ; lut reden, exprimere, expresse loqui. voc. inc. theut. n 3ᵃ; als Esau diese rede seines vaters höret, schrei er laut. 1 Mos. 27, 34; und umb die neunte stunde schrei Jesus laut. Matth. 27, 46 (goth. ufhrôpida Iêsus stibnai mikilai); und er weinet laut, das es die Egypter und das gesinde Pharao höreten. 1 Mos. 45, 2; Mose redet, und gott antwortet jm laut. 2 Mos. 19, 19; und sie riefen laut, und ritzten sich mit messern und pfrümen. 1 kön. 18, 28; rufe laut, wie eine posaune. Hosea 8, 1; das sie laut süngen und mit freuden. 1 chron. 16, 16; und die senger sungen laut. Neh. 12, 42; das volk dönete laut, das man das geschrei ferne höret. Esra 3, 13;
auf jedem zweig und reise
hört nur, wies lieblich schallt;
sie singen laut und leise:
kommt, kommt in grünen wald!
lied: im walde möcht ich leben;
wann scheu die schöpfung sich verhüllt,
und laut der donner ob uns brüllt.
Usteri im Götting. musenalm. 1796, s. 27;
laut fodern selbst des ordens söhne,
dasz man die heldenstirne kröne.
Schiller kampf mit d. drachen v. 259;
laut mischte sich in der posaunen ton
das jauchzende rufen der menge.
graf von Habsburg v. 13;
laut erschollen die pfeil an der schulter des zürnenden gottes.
Ilias 1, 46;
das haus benedei ich und preis es laut,
das empfangen hat die liebliche braut.
Uhland ged. 21;
ich hab mich längst ins feld gemacht
und habe schon dies lied erdacht
und hab es laut gesungen.
58.
bildlich: die blutige that schreit laut um rache; ein solches vergehen ruft laut die strafe herbei.
4)
in der sprache der jäger: und macht dahero die gesunde und ganze lunge einen jäger laut vom halse. Göchhausen not. ven. b 4ᵇ; der jäger ist laut von horn und hals, wenn er wohl schreien und blasen kann. Jacobsson 2, 572ᵇ; laut sein heiszet hier (in bezug auf den jagdhund), der hund gibt aus oder beilet. sonst heiszet auch laut sein, wenn der jäger stark rufen und schreien kann. daher sagt man: der jäger ist laut von halse. Heppe leithund 321; vom hunde heiszt es er gibt laut, gibt durch bellen ein zeichen, wobei geben mit unterdrücktem object gefaszt werden musz (etwa für gibt das zeichen, die warnung laut), laut aber nicht subst. ist, vielmehr wie kund steht; man sagt auch der schnee ist laut, wenn er knarrt; das wetter ist laut, wenn die luft die schneewellen weit trägt.
5)
laut heiszt auch nur ausgesprochen, im gegensatz des bloszen denkens oder stummen wissens: (Friedrich) brachte nach seiner art .. die gesellschaft zum lachen, und setzte sie auch nicht selten in verlegenheit, indem er laut zu denken sich erlaubte. Göthe 20, 301; ehe die gäste zum beilager recht erwachten, hatte Calmitosa ihre sache schon hin und wieder bei der regierung zu Taranta laut gemacht. polit. stockf. 328; ich will still deine furchtbare kraft fühlen, und nie mehr laut davon werden. Klinger 1, 5; er hat bestimmte wünsche, aber er will sie nicht laut werden lassen; wie schon mhd.:
dâ von tuo zuo dînen munt:
und wirstû für dise stunt
der rede iemer mêre lût,
eʒ gât dir an dîne hût.
a. Heinrich 587.
6)
laut, vernehmbar für eine gröszere anzahl leute, öffentlich, offen, kund, gern in den verbindungen laut werden, laut werden lassen, laut machen: etwas laut machen, divulgare, propalare, foras efferre aliquid. Stieler 1093; laut werden, dispalescere, patescere, patefieri, emergere. ebenda; er aber sprach, wer hat dich zum obersten oder richter über uns gesetzt? wilt du mich auch erwürgen, wie du den Egypter erwürget hast? da furcht sich Mose, und sprach, wie ist das laut worden? 2 Mos. 2, 14; und sie funden geschrieben im gesetz, das der herr durch Mose geboten hatte, das die kinder Israel in laubhütten wonen solten aufs fest im siebenden monden. und sie lieszens laut werden und ausrufen in allen jren stedten. Neh. 8, 15; da nu das gebot und gesetz des königes laut ward. Esther 2, 8; das bubenstück wird laut, illud flagitium vulgo dipalescit. Stieler 1093; Heinrich .. bat aber den könig, er möge sein versagen doch nicht laut werden lassen. Dahlmann dän. gesch. 1, 306; wenn es eine sache betrifft, die sie nicht gern laut machen wollen. Schiller 726;
ich mache laut, was ihre list verhehlet.
zerstörung von Troja 27;
aus Gent empfangen sie den ersten brief
von mir, der das geheimnis unsers umgangs
laut machen soll.
don Carlos 5, 11;
er fürchtet dasz es laut bei hofe werde.
Göthe 10, 222.
aber auch in andern verbindungen: welche sich im herzen zu der neuen secte bekannten und nur einem günstigern zeitpunkte entgegen sahen, es laut zu thun. Schiller 803; wagt es nun mit seinen absichten lauter hervorzutreten. 887; nehmen laut und öffentlich seine partei. ebenda;
die weitfliegend laute mehr.
Weckherlin 382;
geh! sei unbesonnen gnug,
ihm deines vaters, deines kaisers
geheimnis preis zu geben. nöthge mich
zu einem lauten bruche vor der zeit!
Schiller Piccol. 5, 3;
mag es geräusch erregen! nicht der laute,
nur der gerechte tadel kann verletzen.
Maria Stuart 1, 8;
im gegensatz zu leise = geheim, im verborgenen:
theurer herzog, wärs an dem,
was man bei hofe leise flüstert, sich
im lande laut erzählt.
Piccol. 2, 2.
7)
laut, in dem sinne von sehr deutlich, auch in bezug auf das mit der urtheilskraft wahrnehmbare (vgl. eine ähnliche verwendung von ausgesprochen theil 1, 979):
und warum leiden, prinz? bei diesem lauten
berufe zum genusz der welt?
Schiller don Carlos 2, 8.
8)
laut, im bairischen sprachgebiete auch vom geruch: ein ding schmeckt (riecht) laut. Schm. 1, 1530 Fromm.;
und mit den hewten sich bedeckten,
di aber schmeckten ubel und laut.
H. Sachs 2, 2, 98ᵈ;
aber auch im sinne von schön, vortrefflich überhaupt: en lauts essen, trinken, en lauds mensch, en lauder bue u. s. w., i hab en lauds weiberl, di wirtschaft verstêt si laud Schm. a. a. o.; tirol. laut, auffallend schön, gut. Fromm. 6, 443; kärntn. laut, schön, vortrefflich, brav. Lexer 174; vergl. das adv. lûte bei Neidhart:
sunge er (der vogel) sînen sanc
immer schône gegen den meien,
sô solte man in sumer und den winter lûte heien (pflegen).
85, 4.
laut m
Fundstelle: Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 364, Z. 31
sonus.
1)
mhd. lût; ahd. nicht bezeugt, dafür die fem. hlûtî und hlûta; in den altnfr. psalmen aber erscheint das wort: lût fluodî sînrô sonum fluctuum ejus 64, 8. häufiger verwendet wird das subst. laut, im gegensatz zu dem nachher folgenden adjectiv, auch von der ältern sprache nur in dem bestimmten falle 3 unten; sonst ist es bis auf heute ein seltneres und in folge dessen gewähltes wort geblieben. im allgemeinsten sinne bezeichnet es das durch den gehörsinn vernehmbare: sonus, laut, est quicquid auri auditur vel percipitur. voc. opt. (Leipz. 1501) Cc 1ᵇ; daher synonym mit schall:
sie tanzten unde sungen,
sie spilten unde sprungen.
da was ruofen und schrîen
alse kraniche unde wîen.
dâ mite êrten sie die brût.
alsô michel was der lût
in der bürge über al,
sie gehôrten nie sô grôʒen schal.
herzog Ernst 3374 Bartsch;
sonus lut, luut, luyt, laut Dief. 542ᵇ; sonitus lut ebenda; strepitus lut 555ᶜ; tonus lut, luit, lawt u. ä. 587ᶜ; ein starker, schwacher laut; heller laut, clangor, tinnitus, tunkeler laut, murmur, susurrus, scharfer laut, stridor Stieler 1093; ein angenehmer laut fällt in die ohren, dulcis sonus aures complet. Steinbach 1, 1001; und wenn endlich nach tausend tausend jahren unsere erde an der nähern sonnenglut ausgestorben und jeder lebendige laut auf ihr begraben wäre. J. Paul Kampanerth. 68;
er sprichts und tritt ins gotteshaus,
kein laut ist hier noch reg.
Schiller gang nach d. eisenhammer v. 147;
vom tone musikalischer instrumente selten, weil hier das speziellere klang (vgl. theil 5, 945) eintritt: einen guten laut hat das horn (in der jägersprache), welches sich gut bläszt, und eine rechte stimme hat. Jacobsson 2, 572ᵃ; von der stimme lebender wesen: von ihm muszte kein kläglicher laut gehöret, keine schmerzliche zuckung erblickt werden. Lessing 6, 400; undeutlich drangen die laute einer männerstimme an sein ohr. Freytag handschr. 1, 65;
in ir wîse sî dô sungen
einen wunderlîchen lût.
herzog Ernst 3131 Bartsch;
wan ich daʒ sach,
daʒ ein rîter durch in (den drachen) stach,
und daʒ sîn lût sô vaste schal
daʒ eʒ durch den walt hal.
Wigal. 136, 27;
ihm schauerts durch den rücken,
die locken stehn bergan, im munde stirbt der laut.
Schiller Dido 52
(arrectaeque horrore comae et vox faucibus haesit.
Virg. Aen. 4, 280);
ein nachtigallmännchen wird locken die braut,
mit lieblichem tief aufflötenden laut.
Bürger 61ᵃ;
oben im söller vernahm den himmlischen laut des gesanges
jetzt Ikarios' tochter, die sinnige Penelopeia.
Odyss. 1, 330;
der schlummer waltet, die lüfte wehn
keinen laut der klage mir zu.
Uhland ged. 7;
du denkst der kindlich frohen laute,
du denkst der selgen blicke noch.
17;
wird das lied nur immer tönen
mit dem ernsten, scharfen laut?
78;
die ahnung lockte mich in ferne räume,
wenn wo ein laut des lenzes angeschlagen.
133;
kleines lautes sein, wenig und leise sprechen, wenig geräusch in seinem auftreten machen, als zeichen gedrückter und ängstlicher stimmung: sie führen die gefangen mit groszem frolocken ab, aber die gefangen sind gar kleines lauts. J. Ayrer 311ᵈ (1557, 28 Keller); daher die zusammenziehung kleinslauts geradezu für niedergeschlagen: weil aber der bawren fürnemmen ein bös ende hatte, war Carlstad kleinslauts. Alberus wider die verfl. lehre der Carlstader Gg 2ᵃ.
2)
in den darstellungen der grammatiker, von der zuletzt angeführten verwendung aus: das i ist vast der laut des kirrens der sew, wenn man sie sticht oder würget. Ickelsamer a 8ᵃ; die selblautende letteren oder buchstaben werden also genant, weil sie in einer jeden silbe einen klaren, deutlichen laut geben, und ohn derer zutuhn kein wort noch rechte silb kan geformet und ausgesprochen werden ... die mitlautende buchstabe sind, welche jhren laut den selblautenden mitteihlen. Schottel 185; weil der buchstaben amt und eigenschaft eigentlich diese ist, den laut und tohn der wol ausgesprochenen wörter, deutlichst und vernemlichst zu bilden und auszuwirken. 188, der für die verschiedenen arten des vocalischen lautes die kunstwörter doppellaut, hauchlaut, mittelhauchlaut, langlaut, kleinlaut bildet, s. 199; diese kunstwörter sind manigfach vermehrt worden, vergl. anlaut, inlaut, auslaut, umlaut, nebenlaut, beilaut u. a.
3)
am häufigsten aber ist laut angewendet in formeln, die jedenfalls den verhandlungen bei gericht und in den ratssälen ihre entstehung verdanken, wo urkunden, briefe u. ähnl. vom schreiber laut verlesen, für das ohr der beisitzenden vernehmbar gemacht wurden; daher der laut einer schrift: haben sie ersten unter sich des hochmeisters briefe, damit sie zu tage verbotet waren, lassen lesen, um zu verhören, ob sie eines lautes weren. Schütz Preuszen 147, ganz eigentlich, ob sie gleich klingen; vergl. auch unten lauten, und wortlaut. diese eigentliche bedeutung verblaszt bald und laut heiszt nur inhalt, angabe, und zwar verwendet in folgenden festen verbindungen:
a)
nach laut: nach der gewaltbrief lut die si uns darüber geben habent. d. städtechron. 2, 177 (von 1374); nach lawt und sag seiner künigklichen maiestat brief darüber gegeben. 2, 43 (von 1424); da nun all ding nach laut des testaments volbracht ... waren. Ulensp. no. 93, s. 135 Lappenb.; soll jeder schöff also antwurten, herr richter, das peinlich entlich gericht ist nach laut keyser Karl des fünften und des heiligen reichs ordnung wol besetzt. Carolina art. 84; nach laut und anzeigung dieses sacraments. Luther 1, 181ᵇ; nach laut der wort: nemet hin. 3, 71ᵇ; nach laut eines langen original. 410ᵃ; es sei nicht wider die schrift noch glaube, das nach jrem laut, Christus leib da sei im ersten abendmal. 446ᵇ; nach laut der visitation. br. 5, 9; welches beide treffliche menner waren nach laut der historien. Melanchthon orat. von herzog Friedrich (deutsch von Lauterbeck) 10; nach laut und auszweisung der recht. Reuter v. Speir kriegsordn. 50; dasselbig getreuwelichen zu versehen, nach laut seiner pflicht. Fronsperger kriegsbuch 1, 63ᵃ; nach laut des gehaltenen vertrags. Schweinichen 3, 228; nach laut der aufgerichteten miethung. 230; alles nach mehrerm laut ihr l. und f. g. des oberambts erfolgten resolution. verhandl. der schles. fürsten u. stände von 1619 s. 206; wolte derselbe alles nach laut des testamentes haben. Micrälius 3, 423;
der zog also nach laut der schrift.
B. Ringwald ev. A 8ᵇ;
die form nach laute wird zu dem fem. laute gehören, s. d.
b)
auch blosz laut: wo dem also wär, hielten sie die dingk nit lut des artikels. d. städtechr. 5, 393, 20 (von 1467); das sie die dingk nit gehalten haben lut des artikels. 27; laut des vertrags, ex pacto Alb. Kk 1ᵇ; laut der herrlichen tröstlichen verheiszung Christi. L. Keiser bei Luther 3, 414ᵇ; und dieses laut wird als präposition verwendet, nicht nur in verbindung mit dem genitiv, wie von altersher: laut vorschrift unserer eigenen vernunft. Kant 7, 372; laut dieses eides würde er sich allem unterziehen müssen. Schiller 848;
andre briefe melden,
dasz eine flotte Solimans bereits
von Rhodus ausgelaufen, den monarchen
von Spanien laut des geschlosznen bundes
im mittelländschen meere anzugreifen.
don Carlos 5, 8;
und du, o volk! das, laut so vieler sagen,
der erdensöhne höchstes glück genieszt.
Blumauer 1, 4;
sondern auch mit dem dativ (indem es der fügung von nach folgt): laut dem artikel des vergleichs. Heilman Thucyd. 692; da er sich, laut dem vorbericht, nach einer schweren krankheit aller ermüdenden arbeiten enthalten muszte. Göthe 33, 45.
c)
endlich auch in der genitivform lauts, eine form die namentlich Luther vertritt: das wir dasselbige thun können, so wir lauts der zehen gebot thun sollen. 4, 409ᵇ; so ists lauts derselbigen (worte) warhaftig Christus leib und blut. 426ᵇ; (die pfarrherren sollen) die sachen an m. g. h. amptleute oder canzley gelangen lassen, lauts des befelhs, so jnen geben ist. 7, 15ᵃ; lauts dieses artikels. br. 2, 370; und wird jn absondern zum unglück, aus allen stemmen Israel, lauts aller flüche des bunds. 5 Mos. 29, 21; auf den tag, da gott das verborgen der menschen, durch Jhesum Christ, richten wird, lauts meines evangelij. Röm. 2, 16.
d)
des lauts, dieses lauts, dieses inhalts: ist unser beger, jr wollet uns durch euer widerschrift anzeigen, ob jr ein schrift des lauts an Hartmut von Cronberg habt lassen ausgehen. herzog Georg von Sachsen bei Luther 2, 189ᵃ;
da lag ein stein darauf,
in dem fast dieses lauts lateinisch war gegraben:
hier liegt ein groszer schatz ...
Opitz 1, 129;
éines lauts, éines inhalts, gleichlautend: habe die zwo copeyen gegen einander collationirt und befinde dasz sie eines lauts sind. Pontanus in Melanchthons opp. 3, 628 Bretschneider; daneben zwo verschreibungen eines lauts, jedere auf 250 thlr. Schweinichen 3, 224; Seneca verlase den verfasten ausspruch und verfertigte ihrer zween eines lauts und handschrift. Ayrer proc. 3, 5.
Zitationshilfe
„laut“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/laut>, abgerufen am 20.05.2019.

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