kunst f
Fundstelle: Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2666, Z. 24
scientia, ars, artificium, machina.
I.
Form, nebenformen.
a)
ahd. chunst, gen. chunsti, mhd. kunst, gen. künste, während im nhd. von der urspr. i-declination nur der pl. den umlaut behalten hat (der aber im 16. jahrh. auch noch oft fehlt, s. sp. 2669 fg.). auch alts. cunst, altfries. konst, aber ags. nicht entwickelt, goth. nicht bezeugt, vielleicht auch noch nicht entwickelt. nd. und nl. kunst (früher auch konst), auch dän. kunst (und konst), schwed. konst, norw. kunst f. und m. Aasen² 396ᵇ, die nord. wörter unverkennbar unter deutschem einflusse.
b)
abweichend aber in der bildung altn.: altnorw. kunnasta f. Möbius 243, Fritzner 372ᵃ, isl. kunnusta Biörn 1, 482ᵇ, altschwed. kunnist Rydqvist 2, 95, auch konnist Rietz 365ᵃ (später konst das.). das ist wie þionasta dienst, orrusta, orrasta kampf (vergl. J. Grimm unter ernst). unser chunst dagegen ist gebildet wie ahd. prunst, goth. brunsts, wie ahd. unst gunst, goth. ansts (noch mhd. auch ganst), nicht wie ahd. dionust, ernust, d. h. -st unmittelbar an den stamm von chunnan geschoben trotz des doppelten stammauslautes; s. Grimm gramm. 3, 519, der es mit ahd. chonsta gleich chonda (s. unter können I, 1, c) zusammenstellte. dennoch scheint auch das altn. wort auf deutschem einflusse zu beruhen (so auch Vigfusson 359ᵃ), nach nord. art umgemodelt, da aus kunst hätte kûst werden müssen, das sich von seinem vorbilde zu sehr entfernt hätte. vergl. neunord., auch isl. gunst entlehnt neben altn. âst, d. i. eig. anst. s. auch unter künstlich, kunstig.
c)
im 15. 16. jh. zeigt sich hd. ein gen. kunstes:
sie trägt ein ehrentlich gewand,
gar adelich gesticket
mit ihr zarten kunstes hand.
meisterges., wunderh. 3, 148;
vers, daʒ sint walzer oder kerer (von vertere), wan man muͦsz die rede hin und her keren und walzen ee man si nach kunstes masze gemesz. Mones anz. 8, 498ᵇ (vgl. kunstmäszig);
er blickt sie an durch kunstes glas,
er wist (erkannte) wie sie genaturet was.
Ambr. lied. 226, 88, Körners hist. volksl. 204.
dazu ein neutr. kunst, das im folg. erscheint:
du verstest wol gar schon mein kunst gar.
lauf hin zu dem pauren,
dasz er sich kein gelt lasz tauren
und zu mir kum, ich hab (conj.) ein kunst,
das von im treib den posen dunst.
fastn. sp. 59, 20.
die bildungen mit -st zeigen alle drei geschlechter (s. gramm. 3, 520), auch von gunst erscheint ein solcher gen.: favorosus, vul günstes. Dief. nov. gl. 169ᵃ, ahd. unst war m., wie gunst alem. noch im 16. jahrh.: ein solchen gunst, meines gunstes Wickram rollw. 74, 24. 75, 12. schwankt doch noch jetzt z. b. verdienst zwischen m. und n., wie mhd. dienest. danach ist sp. 1932 unten zu berichtigen. vergl. auch das norw. kunst m. unter a.
d)
bemerkenswert auch kûst, und zwar alem. (vgl. Weinhold alem. gramm. 52. 168):
keiser, kung, herzoge und grafen ...
razherr, richter und advocad ...
stalknecht, jungfrowen in der kuchen (in herrenküchen)
könnent sich diser kust wol bruchen u. s. w.
fastn. sp. 821, 10,
der kunst, vor allem geld zu machen durch schelmerei (vgl.kust für kumst das. 824, 25, amas für ammans 825, 38, keis für keins 833, 16). noch jetzt in Glarus, Schaffhausen kûst, im Aargau koust für kunst Stalder 2, 144, in Appenzell chôst Tobler 117ᵇ. Derselbe vorgang zeigt sich auf nd. boden, alts. custi acc. pl. Hel. 71, 18 im cod. Mon. für cunsti der andern hs.; aber auch schon ahd. auf alem. gebiete (wie âst neben anst hymn. 10, 1, 3. 20, 6, 2 hs.), erkannt von Tobler a. a. o.: mîne chúste, nostrae artes. Boeth. (21), von Graff 4, 514 mit chust von chiosan vermischt; auch 'scientia chusti' (dat.) das. gehört gewiss hierher, und unchustig rudis 516, vgl. 414. auch ein mhd. beleg bei Scherz 850, alem.: swelch siech niht essen und miden wil das in sin arzat heiʒet, der mac von des arzates kust niht genesen, es wird sich mehr finden, zu vermischung mit kust von kiesen bot sich anlasz in dessen bedeutung. ebenso vernuft für vernunft u. ä., s. sp. 2647 unten.
e)
im plur. erscheint auch schwache form. so in einem meisterliede des 15. jahrh. von den sieben künsten der siben kunsten bach, der kunsten berk Germ. 3, 315, doch nur im gen., daneben die siben kunst 314. 315 (im sing. ob aller kinst, d. i. künste), s. unter kind I, g. noch im 16. jh., selbst im 17., und nicht blosz im gen. (vergl.kraft I, 3, a), auch nicht blosz oberd.: verstand der notigen sprachen und nutzlichen kunsten. Melanchthon anrichtung der lat. schul, Bonn 1543, b 2ᵃ, grosze ingenia, die die kunsten erhalten sollen. b 2ᵇ; das gott mehr kunsten geben hat. b 2ᵃ u. ö. (umlaut nur ohne bezeichnung?); Plato, der schrein aller künsten. Reuchlin augenspiegel 6ᵇ; Vitruvius gedenket etlicher mülen, wasserkünsten .. Mathesius Sar. 146ᵃ; die freien künsten fortzupflanzen. Schuppius 500; alle scientiæ und künsten. 727; lernen die buben die logic und rhetoric gar zu geschwind, diese künsten u. s. w. 729; Albrecht Dürer, als der auch der mathematischen künsten aus dem grunde kündig. Schottel 1165. noch in Alers dict. Cöln 1727 freie künsten, liebhaber der künsten und immer 1254ᵇ. s. auch künstenleich, künstenreich unter künstlich, kunstreich, und künstner.
f)
ohne weitern wert ist ein sing. kunste, alem. 16. jh., wol nur als reimwort, aus dem pl. kunsten leicht begreiflich:
kumb, heiliger geist, o gottes salb,
erfüll die herzen allenthalb
mit diner liebe brunste.
von dir allein muͦsz sin geleert,
der sich durch buͦsz zuͦ gott bekeert,
gib uns disz himmels kunste.
Ambr. Blaarer (Blaurer) ein gsang uf den pfingstag.
g)
endlich gleichfalls alem. im 15. 16. jh. konst, wie ebenda konft, kommer u. a.: gute könst, könsten, könstlich Fischart, klost. 10, 972; auch mrh.: astrologia, ein konst von dem lauf der sterne. Dief. 56ᶜ, ars, artificium konst 51ᵃ. 51ᶜ, wie konstig, konstener das., letzteres auch nrh., also gewiss auch konst, wie nl.
II.
Bedeutung und gebrauch.
1)
kunst ist als subst. verb. zu können jetzt dem sprachbewusztsein nicht mehr gegenwärtig, war es aber noch tief in die nhd. zeit herein, wie folg. ungefähr erkennen läszt.
a)
kunst wurde gern mit können gebunden:
ich acht nit, das man vil kunst künn ...
wer wis ist, der kan kunst genuͦg.
Brant narr. 92, 35. 38;
die kunst kein gröszern feind pflegt zu han
dann denselbigen der sie nicht kann.
Hoffmann spenden 1, 3 aus Buchler;
auf erden kan niemand die kunst,
dasz er stets bleib in herrengunst.
Abele gerichtsh. 1, 466;
vielleicht kanst du sie gar zum hungerleiden angewöhnen, wie ich meinen esel, der kunte die kunst, doch da er sie am besten inne hatte, da starb er. Weise erzn. 226; eine kunst können, callere artem Stieler 1010.
b)
fügungen von können giengen auf kunst über:
er hete mänlîche kraft
und ganze kunst ze strîte.
Wigal. 193, 34,
entsprechend der wendung ze strîte kunnen u. ä., s. sp. 1727; gewiss auch noch im 15. 16. jh., wie künnen zu, s. sp. 1728 (δ). mit auf, im 16. jahrh.: gewiss es ist kein kunst auf flaschen tragen. Garg. 87ᵇ (s. unter klingeln 2, a), vgl.künnen auf .. sp. 1727 und 'künstler (s. d.) uf der trukery' Platter 93.
c)
wie griechisch können, so denn auch griechische kunst u. ä.: weder kaiser noch churfürst hat von myner hebraischen kunst nichts gewiszt. Reuchlin augensp. 35ᵇ, dasz ich 'hebräisch kann'.
2)
Es bezeichnete, wie kunnen, zuerst ein wissen (noch jetzt in den sog. sylvanischen gemeinden am Monte Rosa chunst sinn, verstand Schott 279).
a)
ursprünglich selbst auf ein einzelnes wissen oder können bezogen, so mhd. (man vergl. können II, 1, a):
dar an ein kunst mich verbirt (fehlt mir):
ine weiʒ niht welher hinne ist wirt.
Parz. 148, 7,
wo doch für weiʒ schon mhd. und wol ahd. nicht mehr chan zu sagen war, wol aber gothisch kann; nâch mîner kunst, so viel ich weisz oder erkenne:
daʒ die liebe an ir wesen
niht anders ist nâch mîner kunst
dan haben gên liebe friuntlich gunst.
Hätzl. 266ᵇ, 201.
Auch nhd. noch im 16. jh. in folg. weise: haben irer blindheit kain kunst und wissen. S. Frank .... 2, 96, es ist da durch wissen gestützt, zugleich angelehnt an die formel kunnen und wissen (sp. 1726), allerdings auch im begriffe schon höher steigend. s. auch Pauli unter künstlich 1, d.
b)
nhd. meist bezogen auf einen höheren inhalt, unserm kenntnis oder erkenntnis entsprechend (wie kennen da für das urspr. künnen eingetreten ist).
α)
z. b.: baum der kunst des guten und des bösen. Reuchlin augensp. 8ᵇ; gottes kunst ist von nöten. S. Frank .... 2, 88; sonst stuͤnd unser glaub und gottes kunst erber. 90, gemeint ist offenbar unser gotteskunst, vgl. theologia, gotliche kunst Dief. 578ᵇ, die guͤter des gemuͤts, als götlich kunst, weisheit, demuͦt Frank spr. 1, 132ᵃ, s. dazu u. c, β und ε a. e.
β)
hohe kunst (vgl. u. 4, a sp. 2681): aber wo man irer hohen kunst nach solte klügeln, so were auch kein teufel worden, wo gott nicht gute engel geschaffen hette. Luther 6, 315ᵇ, ironisch, wie folg.: das ist die hohe newe kunst gottes, aus der himlischen stimme, die wir zu Wittemberg .. nicht verstehen und wissen können (die kunst nämlich). 3, 49ᵇ, von Carlstad und seinen anhängern; dis ist itzt auch noch die höheste kunst (der gegner) ... das allein gott musz sünder sein. 6, 315ᵇ. von selbsterkenntnis, mhd.: wan wer sich selber eigentlich wol erkennet in der wârheit, das ist über alle kunst, wan es ist die hôchste kunst. deutsche theol. cap. 9, vgl. sich selbs kennen die gröszt kunst Frank spr. 2, 99ᵇ, und
niht mêr kunst ich wünschen wolt,
wenne ich mich niur selben kant.
Teichner 43 Kar., anm. 101.
das stimmt zu hôher meister, hôchmeister, hochlerer, noch heute hohe schule, hochschule. daneben übrigens tiefe kunst, noch bei Weckherlin unten sp. 2672.
γ)
auch inwendige kunst bei einem mystiker, im gegensatze zur weltlichen wissenschaft, mhd.: das si me noch kunst stellent domitte si ere erwerbent, denne si stellent noch der indewendigen kunst, domitte si den heiligen geist möhtent erwerben. Merswin neun felsen 31.
c)
besonders eben von weltlicher kunst, lateinisch gelehrtem wissen (man vergl. dazu können II, 1, b), wie es z. b. in folg. äuszerung Luthers deutlich ist: und kere dich nichts dran, das itzt der gemeine geizwanst (der 'utilitarismus') die kunst so hoch veracht, und sprechen 'ha, wenn mein son deudsch schreiben, lesen und rechen kan, so kan er gnug, ich wil in zum kaufman thun'. 5, 184ᵃ, kan er gnug, hat er 'kunst' genug; er nennt es auch 'schrift und kunst' 173ᵃ.
α)
das hiesz im gegensatz zur vorigen vernünftig kunst:
wes nützs und schadens warten wir (rücksicht auf lohn und strafe),
mag zaymen (zäumen) unser flaischlich gir.
doch das nit sei dj entlich sach (letzte ursache, causa finalis),
dj uns dem schöpfer dienen mach.
wann (sondern) entlich durch vernünftig kunst
dem schöpfer dien ausz lieb und gunst.
Schwarzenberg 155ᵈ,
auf grund wissenschaftlicher erkenntnis würden wir etwa sagen, aus selbstloser einsicht; die benennung erklärt sich aus folg.: di anderen (tugende) sint genant menschlîche tugende .. und dise sint ouch drîerleie. di einen di gehôren zû der vornunft, daʒ ist wîsheit, kunst und klûgheit .. diʒ heiʒen vornunftige tugende. Herm. v. Fritslar, myst. 1, 181 (nachher wird kunst auch unter den siben gâben des heiligen geistes aufgezählt, s. dazu 4, 1114, und zwar gehörend zû urteilne 181, 33). Ähnlich gemeint ist natürliche kunst, wie natürliche meister von weltlichen gelehrten, schon bei mystikern: philosophia ... menschlich erkantnys weltlicher naturlicher kunst, wisheit, lieb der naturlichen kunst. Melber r 8ᵃ; phisonomia .. ein naturlich kunst der uszerlichen zeichen im leib etc. das.; naturlich kunst, mathesis, philosophia naturalis, phisica. voc. 1482 x iijᵃ, schon im 14. jh. philosophia naturalis, natuͤrlich kunst. Mones anz. 4, 233 (14. jh.), larte (lernte) di natuerlichen künste philosophiam altd. bl. 1, 144, also kunst zugleich kurzweg für philosophie, wie bei Melber r 8ᵃ philosophus .. liebhaber der weisheit vel der kunst, vergl. dazu kunsthold. auch im pl.: er .. beruft sich nicht auf den heiligen geist .. sondern gründet seine weissagung in des himels lauft und natürliche künste der gestirne. Luther 3, 406ᵃ, erkenntnisse. auch heidenische kunst, vom heil. Hieronymus erzählt Herm. v. Fritslar: her las gerne di heidenischen kunste. myst. 1, 210, studierte die antiken wissenschaften. Aber auch den teuflischen künsten gegenüber heiszen die menschlichen natürliche: unterstehet sich doch auch der teufel ein messer und marscheider zu sein, damit er gott und seinen rechtschaffnen und natürlichen künsten ihren rhum neme. Mathesius Sar. 144ᵃ, vergl. von zauberkünsten 3, d, γ fg.
β)
von den einzelnen fächern der wissenschaft; z. b. in dem von Wackernagel herausg. alem. vocab. optimus aus dem 14. jh. s. 37ᵃ, nachdem sciencia, doctrina, disciplina mit kunst erklärt sind, werden unterschieden theorica, (d. i.) contemplativa, speculativa, auf deutsch schuollichi kunst (l. schoulichi, schouwelîche), und pratica, wurkendi kunst, dann werden aufgezählt theoloyga, (d. i.) sciencia divina, gotlichi kunst (vgl. unter b), metaphisica ubernaturliche kunst, mathematica messendi kunst u. s. w. im voc. inc. teut. o 1ᵃ kunst der siten, philosophia moralis .. kunst der tugent, kunst der stern, astrologia, astronomia, im voc. theut. 1482 kunst der liebe der weisheit, philosophia r 7ᵃ, kunst der warheit, logica r 6ᵇ, kunst von der masze des erdrichs, geometria das. bei Melber z. b. mathematica, ein kunst on materig o 7ᵇ.
γ)
gern im plur., wie jetzt die wissenschaften: philologus, ein lieber der uͤbung in künsten. Dasypod. 181ᶜ;
inn Griecher und Lateiner sprach
sen sj (die heiden) vil künsten gangen nach.
Schwarzenberg teütsch Cicero 157ᵃ;
die hailig schrift hat billich lob,
sy schwebet allen künsten ob.
wann ander künst gebrechlich sind,
durch dise werd wir gottes kind.
123ᵃ;
Plato, der schrein aller künsten. Reuchlin augensp. 6ᵇ (der alle wissenschaften in sich trug); grosze ingenia, die die kunsten erhalten sollen. Melanchthon anrichtung der lat. schul. b 2ᵇ; wie man in aller welt schulen und lection (pl.) laszt zurgehn und niemand ist, der sich die kunste zurhalten annehme. Luther br. 2, 529; die künst hangend all an einanderen .. continentur inter se artes (Cic. Arch. 1). Maaler 255ᶜ.
δ)
es hiesz auch gute künste, nach dem lat. (s. auch unter 4, c): guͦte künst, bonae artes. Maaler 255ᶜ; wie hab ich itzt so gar ein edle zeit erlebt, so viel offenbarung guter künste, fürnehmlich der reinen lehre des lieben evangelii. Luther tischr. 2, 145; Terpsichore, eine von den neun göttinnen der guten künste. Opitz 1, 148;
kan ich nur in büchern klauben
und da gute künste rauben.
Morhof ged. 444.
ε)
oder freie künste Stieler 1010, nach artes liberales (vgl. 4, 97): freie künst, so man allein die freigebornen leert, artes ingenuae Maaler 142ᵇ, artes liberales .. honestae Schönsl. h 5ᵃ; in freien künsten erfaren, gelert. ders.; Maalers erklärung zeigt die gelehrte auffrischung des altröm. lebens, nicht lange vorher noch erklärte man vielmehr, z. b. Melber o 3ᵃ liberalis ars, quae requirit liberum animum, frys gemut, non occupatum aliis. beide erklärungen, die äuszerliche und innerliche verbunden: siben sint der fryen kunste, und heiszin darumme fry, daʒ si di fryen forsten und herrn zuerst gelernit han ... und den menschen an lybe und an sele frien. anz. des germ. mus. 1856 sp. 273, geschr. um 1400 (vgl. von den eigenen künsten 3, e, γ). auch sonst im 15. jahrh. und früher: artes liberales, fri künste u. ä. in vocc. bei Dief. 51ᵇ;
hör, es begab sich zu den tagen,
das von Fryburg min lieben herren
ir kind gern hetten thun leren (lernen lassen)
die fryen kunst (pl.), tütsch (und?) latin u. s. w.
Lenz Schwabenkr. 86ᵃ;
Joh. Rothe im ritterspiegel 2628 ff. zählt di siben frî kunste auf (das trivium und quadrivium) nebst den siben tugenden oder fromikeit und den siben behendikeit (vgl. 3, c, α), während sie im 12. jh. bei Diemer 346, 27. 347, 8 und länger noch die siben liste frîe heiszen. Entgegengestellt der heiligen götlichen kunst (s. b): doctor .. Eckardus, der in den siben freien künsten und in der heiligen götlichen kunst ein parisischer licentiat was. Wackernagel lit. 334, aus dem 15. jh.; meister der sieben freien künsten. Zinkgref (1653) 1, 243. s. auch unter 4, c von den künsten im heutigen sinne. in scherzhaftem gegensatze meister der siben faulen künst Fischart groszm. 88 (Sch. 616).
d)
im begriffe zeigt es dieselbe zweiseitigkeit wie wissenschaft.
α)
einmal als etwas, das wie eine welt oder eine kraft für sich zu bestehen scheint, unabhängig vom menschen, die 'wissenschaft an sich' (in büchern): phisica, kunst die da lert eigentschaft (das wesen) der natur. Melber r 8ᵃ; darumb auch die lerer sagen, die theologei sei mer ein erfarung und empfindnus, dann ein kunst. Frank parad. 142ᵇ, doch in β überschwankend;
dj selbig kunst (die astronomie) uns nützlich lert,
darümb dj billich würt geert.
Schwarzenberg 120ᵃ;
wie wol umb sunst   jetzt alle kunst
an tag wird frei gegeben (durch den buchdruck),
kein wundern soll,   ob er gleich wol
glert leut siht elend leben.
Waldis Esop 2, 388 Kz.;
kunst gehet nach brodt. Neander sprichw. 20, sunt musae mulae Aler 1255ᵃ;
die grösten künstler leiden not,
man sagt: die kunst die geht nach brot.
Ayrer 243, 34,
es ist vom lernen und studieren die rede, vorher:
so thet ich auch all kunst meiden,
dann sie darf (bedarf) gar vil nachgdenken
und musz (musz's, musz sie) einer halb hin schenken;
vergl. jejuna ars, kunst die kein brot gewinnt Schönsl. h 4ᵈ, brotlose kunst Aler 1254ᵃ, vgl.brotkunst, alles zugleich zu 3. Im folg. entspricht es mehr dem heutigen theorie, methode (wie lat. ars, artificium, griech. τέχνη): ad artem et praecepta revocare, auf die kunst weisen. Maaler 257ᵃ, Schönsl., auch in ein kunst und regel bringen Maaler 257ᵇ; vgl.kunstlehre. nach der kunst, ex arte Aler 1254, jetzt lieber kunstgerecht:
ein wolbeschwatzter arzt war zu Florenz bekannt,
der manchen nach der kunst in jene welt gesandt.
Drollinger 167;
die sprache nach der kunst zu zäumen
übt (beschäftigt, müht) viele dichter lebenslang.
Hagedorn 3, 53.
Zugleich zu 4 gehörig die musen als künste: klagred der neun muse oder künst über ganz Teutschland. H. Sachs 1, 389ᶜ, vgl. bei Dief. 372ᵃ musa, gotin der kunst (vgl. kunstgöttin), aber auch kurzweg kunst für musa ebenda.
β)
daneben als wissenschaft, sofern sie dem menschen beiwohnt, gelehrsamkeit u. ä.: so spricht babst Benedictus, in hab babst Johannes nit zu vordern ... vorder er in aber von kunst wegen, so sei er basz gelert dann er. Augsb. chron. 2, 62, 26, in der erzählung des B. Zink vom Costnitzer concil; aber dennoch bin ich ein partekenhengst gewest und ... durch die schreibfedder so fern komen, das ich itzt nicht wolt mit dem türkischen keiser beuten (tauschen), das ich sein gut solt haben und meiner kunst emperen. Luther 5, 184ᵃ; das ich kunst erfünde. pred. Sal. 7, 28 (weisheit und kunst v. 26), LXX λογισμόν, vulg. rationem; Paule, du rasest, die grosze kunst machet dich rasend. apost. 26, 24, τὰ πολλὰ γράμματα. Auch unserm bildung so ziemlich entsprechend: dann warlich bei den groszen im tittel ist die aller seichtest kunst im seidin kittel. spiegel der blinden 1522 o. o. B 1ᵇ, vgl. künstlich. so (kunst steckt nicht in dem kleide Simr. 6099). Gern verbunden kunst und tugend, 'intellectuelle und moralische' bildung:
kunst und togunt dî sint frûnde,
dî vele nutzis kunnen geberin.
Joh. Rothe rittersp. 2615, zugleich zu α;
wer aber slâft in sîner jugent,
weder êr (nach C) noch kunst noch tugent
von trâgkeit nicht erwirbet.
Boner 4, 44;
leut, die durch schein betrogen werden,
geberde, prangen und das prachten
höher denn kunst und tugent achten.
Waldis Es. 2, 76, 18 (1, 267 Kz.);
wer tugend hat und kunst, wird nimmer nie vertrieben,
ist, wo er immer ist, als wie zu hause blieben.
Logau 3, zug. 39.
Auch auf eine einzelne wissenschaftliche frage bezogen: denn wir haben gott lob so viel augen ... das wir sehen und verstehen was wasser ist, und auch sagen können 'wasser ist wasser' (welchs ewer höchste kunst ist) ... Luther 6, 284ᵃ.
γ)
daher auch pl. künste, gelehrte kenntnisse, schulkenntnisse, lobend oder tadelnd: ich hab funden, das gott den menschen hat aufrichtig gemacht, aber sie suchen viel kunste. Luther pred. Sal. 7, 30 (vulg. quod fecerit deus hominem rectum, et ipse se infinitis miscuerit quaestionibus), begnügen sich nicht mit gottes gaben für den geist, verlieren sich in klügeleien, vergl. Claudius u. e, β; die fleischlich (weltlich) gelerten verkerten leren und lernen immerzu und kommen nimmer zur erkantnus der warheit ... wann sie ir hend einmal an den pfluͦg sollen legen und aufsagen was sie lang haben gelert und gelernet, so haben sie vor der vile irer künst nit der weil (die zeit dazu), sondern bringen ein newe disputation darfür auf die ban. Frank spr. 1, 91ᵃ; das du ... durch die vile deiner künst glat (reinweg) tod und durch dein weisheit verdorben seiest. 145ᵇ; ich gewene hie umb der schuler willen disz schöne gleichnus, welchs inen dienen wird, wenn sie iren Aristotelem .. und ander natürliche künste (vgl. u. c, α), so die ärzte wissen müssen, mit der zeit studieren werden. Mathesius Sar. 149ᵃ; dann künst haben nit füsz, das sie dir die metziger nachtreiben können, sie sind auch nit in kufen zu füren noch in kein fasz zu verschlagen. Paracelsus 1589 2, 176; ihr esels wisset nicht, was die academische künste kosten (an mühe). Schuppius 546, oder zu c, γ.
δ)
der gegenstand des gelehrten wissens wird verschieden bezeichnet. theils mit gen. (s. schon kunst gottes unter b): das sie groszer kunst der griechischen sprache in seim kopf sich verwundern sollen. Luther 3, 465ᵇ; die polypragmosyne oder kunst vieler sachen. Schuppius 764. theils mit praep., wie in (vgl. 1, b): wie es im seine kunst im gestirne gibt. Luther 3, 406ᵃ, astrologie, vorher das. natürliche künste der gestirne, vgl. in vocc. astrologia, kunst der sterne Dief. nov. gl. 39ᵇ, s. auch unter I, g.
ε)
sprichwörter in mehrfachem sinne. von der kunst wird gerühmt: 'kunst ist leicht zu tragen' sagt man, und harnisch schwer zu tragen. Luther 5, 183ᵇ; kunst ist ein guͦter zerpfennig, man tregt nit schwer dran, certissimum viaticum eruditio. Frank spr. 2, 7ᵇ; kunst ist guͦt über das feld tragen. das.; kunst fischt nirgent umbsonst. das.; kunst hat gunst. 1, 89ᵃ (nutzbare kunst gibt brot und gunst Simrock 6074); kunst adelt, scientia nobilitat. Aler 1255ᵇ; kunst ist für dieben sicher. Henisch 694, 67. Es heiszt aber auch umgekehrt: es ist kein geferlicher schatz zu besitzen dann kunst. Frank spr. 1, 90ᵇ, denn: bei vil kunst ist vil unmuͦsz. 2, 99ᵇ unter der überschr. in nihil sapiendo iucundissima vita; vil kunst vil muͤh und unwirse. 1, 90ᵇ (vgl. Göthes 'zuwachs an kenntnis ist zuwachs an unruhe'), deutlicher: es ist auch eitelkait, muͤhe und arbait in vil wissen, seitenmal in groszer kunst grosze unruͦw und unwirse ist, und wer kunst erobert, der überkompt auch betruͤbung. Frank guldin arch 104ᵃ, mit verweisung auf ecclesiast. 2; grosze künst haszt man. spr. 2, 100ᵃ; sogar kunst macht narren (vgl. Jerem. 10, 14. 51, 17), vil künst vil thorheit. ders. sprichw. 1, 90ᵇ (auch künstler seind die ersten im narrenschiff), daher: nicht wissen die höchst kunst. das.; die kunst bläset auf. 1, 89ᵃ. 2, 99ᵇ, nach 1 Cor. 8, 1, wo aber bei Luther: das wissen bleset auf (ἡ γνῶσις, vulg. scientia); jedem ist zu glauben in seiner kunst Simr. 6094; die kunst ist lang, das leben kurz 6079 (Wittenweiler ring 25, 3, mit chlain statt kurz), kunst ist im glück eine zier, im unglück eine eiserne thür 6087, kunst geht über geld 6088, man bricht die kunst nicht vom zaune, kunst kann man nicht kaufen u. a., wobei der heutige begriff oft schwer oder nicht zu unterscheiden ist.
ζ)
für den begriff in seiner entwicklung ist noch beachtenswert die bindung mit sinnverwandten, wie sie bei vielseitigen wörtern beliebt und dienlich ist (vgl. 3, b, α); z. b.: gott ... gab inen kunst und verstand in allerlei schrift und weisheit. Luther Dan. 1, 17 (vulg. scientiam et disciplinam); mit dem ersten horn der kunst oder vernunft stoszend die gelerten, juristen, advocaten, notarien, fürsprechen, die stoszend mit dem horn ir (gen.) kunst, list und beschisz manche rechte sach darnider. Keisersberg irrig schaf 4° A ijᵃ, zum ersten vergl. c, α, list zieht das zweite kunst mehr zu 3 hinüber; wannen meinst du, das den groszen lereren har kumm ire grosze kunst und klare verstentnis? H 2ᵇ; vgl.kunst unde sin Iw. 1096. Trist. 36. 'weisheit und kunst':
wer kunst und wîsheit haben sol,
sicher der muoʒ erbeit hân.
Boner 4, 38. 47;
liesz he sine tochter lernen und studiern die siben frien künste und die schrift der natuerlichen wisheit und kunst. altd. bl. 1, 143; vele naturlike wise mans, de .. lêf hadden wîsheit unde kunste, de men nômede philosophi .. lêfhebbers der wîsheit unde der kunst. Rein. vos vorr. (s. III Lübben). 'kunst und lehre', ars et doctrina (vgl. unter 4, c, β): die losen scharrhansen .. die alle lere und kunst verachten und nichts (von sich) rhümen können denn das sie harnisch füren und zwei bein über ein ross hengen. Luther 5, 183ᵇ, vergl. noch im 18. jh. lehren und künste sp. 2681 (β), daher auch lehrkünste, 'alle weise lehrkünst' Fischart klost. 10, 972;
verstand voll tiefer kunst und lehr.
Weckherlin 364 (oden 1, 5).
Im plur., von den wissenschaften, 'studien': heb die ehr .. auf .. so hastu alle künstler verderbt, all musas verhergt (verheert, zerstört) und all künst und studia zu egerten gelegt (brach gelegt). S. Frank spr. 1, 162ᵃ; lasz alle scientiae und künsten in derselbigen (schule) floriren. Schupp. 727; deudsche bücher sind fürnemlich dem gemeinen man gemacht, im hause zu lesen. aber zu predigen, regiren und richten .. sind wol alle künst und sprachen in der welt zu wenig, schweige denn die deudsche allein. Luther 5, 172ᵃ, gelehrt philologische bildung und wissenschaft, vgl. die grammatica und ander redekünste 184ᵇ.
e)
wie lange dieses ursprüngliche kunst sich gehalten und wie und wann es theils vor der heutigen bed., theils vor wissenschaft zurückgetreten, wäre genauer zu untersuchen wert.
α)
im 17. jh. war es noch wolbekannt:
Athen, das weit und breit an witz und kunst erschollen.
Opitz 3, 233,
es ist nur von seiner wissenschaft die rede, nicht von kunst in unserm sinne;
wer sind die leute doch, die gänzlich darvor halten,
dasz wir bei weitem nicht zu gleichen sind den alten,
was kunst und witz belangt? .....
was ist der druckerei doch irgend vorzuziehen,
der edlen druckerei, durch die die künste blühen
und so viel bücher jetzt gebracht sind an den tag,
mit denen man Athen und Rom auch trotzen mag?
2, 42. 43,
wo doch in dem ersten kunst die bedeutung 3 schon hereinspielt; völlig gleich gelehrsamkeit nach folg.:
'klugheit und kunst'.
man hat dich, klug, und dich, gelehrt,
weit abgesondert oft verehrt.
Logau 3, 3, 94,
klug und gelehrt nach Logaus art statt der abstracten substantiva, es verstudiert oft einer 1000 gülden, und hette guten gewinn, wann er die kunst umb 10 gülden wieder hingeb. Lehman flor. 1, 494; Aristoteles als er einen jungen gesellen .. stolziren sahe, der doch nichts an kunst wuste .. 2, 141; als er (Karl d. gr.) die schul zu Paris besichtigte .. aber befande, dasz die adelichen kinder von den bürgers und bawers söhnen weit an tugenden, guten sitten und künsten übertroffen worden .. 407; unter handlungen (mitten in kaufmannsgeschäften) hat er sein fröliches und ernsthaftigs gemüth mit kunst und embsigkeit angefüllt. Schuppius 718; lernen die buben logic und rhetoric gar zu geschwind, diese künsten .. 729; die künste liegen darnieder, studia silent. Stieler 1010 (i. j. 1691); wenn .. Thales .. alles öhl aufkauft und dasselbe hernach bei erfolgter theuerung, die er vermittelst seiner kunst zuvorher gesehen, wieder auf das theuerste verkauft .. Thomasius 452. Bei Schottel 447 fg. sprachkunst grammatica, redekunst rhetorica, messekunst geometria, beweiskunst logica, sittenkunst ethica, sehkunst optica, zergliederkunst anatomia, scheidkunst chymia u. a., denkkunst logik Leibnitz.
β)
ja noch tief im 18. jh. erscheint es, bei dichtern:
die bücher, wo mein geist von kunst zu künsten irrte,
die wälder, wo ich gern den öden pfad verwirrte
und oft ein lockend kraut vergnügt in unschuld brach.
Haller ged. (1777) 259;
ein leitstern lichtbedürftger künste,
ein junger methaphysicus.
Hagedorn 3, 52;
wir stolze menschenkinder
sind eitel arme sünder
und wissen gar nicht viel.
wir spinnen luftgespinnste,
und suchen viele künste,
und kommen weiter von dem ziel (der wahren weisheit).
Claudius 4, 92, nach Luther, s. u. d, γ.
Auch in wbb., z. b.: kunst und glück seind niemand versagt, dona ingenii et fortunae omnibus patent. Aler 1255ᵇ; alles vergeht, die kunst besteht, vivitur ingenio. das.; noch Rädlein 572ᵃ gibt einfach an als hauptbed. kunst, wissenschaft, science, art, während Steinbach 1, 909 sie wenigstens zuletzt stellt, 'ars, artificium, studia', Frisch sie eigentlich fallen läszt, Adelung sie nur als ahd. nachträglich erwähnt. Am längsten blieb sie in wissenschaftsnamen, z. b. noch in der vorr. zu Günthers ged. 1739: die letzte von den theoretisch-philosophischen wissenschaften .. die wisz-kunst oder mathematic. a 6ᵇ (man bemerke das neue wissenschaft und das alte kunst nebeneinander), nach dem nl. wiskunst, das heute noch gilt, schon im 16. jh. bei Kil. wiskonste mathematica, d. h. gewisse kunst (misverständlich weiskunst, erweiskunst Schottel 447ᵇ), bei uns durch den einflusz der sprachgesellschaften des 17. jh., doch vgl. schon bei Maaler 257ᵃ die gewüss kunst .. der sternen, astronomia. heroldskunst, wapenkunst, heraldica Steinbach 1, 910 fg. Noch länger hielt es sich in sternkunst, z. b. noch bei Lessing: Urania ist den dichtern die muse der sternkunst. Laokoon 1766 s. 113, wie schon um 1400 sternenkunst Königshofen Straszb. chr. 393, 18. Von praktischen wissenschaften zum theil bis jetzt: politic ... staatskunst. Günthers ged. vorr. b 1ᵇ, jetzt doch in staatswissenschaft und staatskunst geschieden; Gottsched nannte seine drei hauptwerke deutsche sprachkunst, redekunst, dichtkunst, die theoretisch und praktisch zugleich gemeint waren, vergl. schon im 16. jahrh. die redekunst grammatica, so man in der kinderschulen leret. Luther bei Dietz 1, xi (grammatici oder redemeister das.), im 15. jahrh. grammatica, ein kunst des latins Dief. 268ᵃ.
γ)
das aufkommen des schleppenderen und unschönern wissenschaft (zuerst wiʒʒentschaft, d. i. ein wissend sein, mhd. wb. 3, 791ᵇ) statt des alten einfach schönen kunst fällt ins 17. jahrh., Leibnitz braucht es schon fest; wie es geschah, deutet folg. an: es sei kein glück und stand in der welt, welchen nit die lobwürdige wissenschaft guter künste (s. c, δ) vortrefflicher, edler und herrlicher machen könte (literarum gloriosa notitia). Lehman flor. 2, 407, d. h. zuerst subjectiv, das wissen, wie kunst eben auch begonnen hatte, um dann in den objectiven begriff überzutreten, mit dem es endete. Dann giengen lange kunst und wissenschaft, künste und wissenschaften hand in hand, ja noch heute, nur dasz man kunst nun entschieden nach der bedeutung 4 versteht:
ihr (gelehrten), die ihr kunst und wissenschaft
erfunden und beschrieben,
vor deren sinnen weisen kraft
nichts unentdecket blieben.
A. Gryphius 2, 36;
woher es gekommen, dasz da die künste und wissenschaften in Holland, Engeland und Frankreich in diesem letzten jahrhundert zu so einer hohen vollkommenheit gediehen .. es dennoch in Teutschland damit so merklich nicht fortgewolt. Thomasius 450;
nicht kunst und wissenschaft allein,
geduld will bei dem werke sein.
Göthe 12, 121,
Mephisto von dem zaubertranke in der hexenküche.
δ)
es entstand aber bald streit zwischen den schwestern, sie muszten sich scheiden: ja über die wissenschaften selbst entstund mancher streit ... man zankte sich zum exempel, ob die vernunftlehre eine kunst oder eine wissenschaft sei? (Gottsched) vernünftige tadlerinnen Halle 1725 1, 51, satirisch auf die an universitäten üblichen öffentlichen disputationen; die vernunftlehre war bei Chr. Wolff die logik, bei Stieler 1011 vernunftkunst, logica, dialectica (im 15. jh. ein kunst der warheit, der bekantenisse u. ä. Dief. 335ᵇ), d. h. kunst neigte schon bestimmt zur bed. 3. aber noch in unserm jahrh. beschwerte sich Göthe: kunst und wissenschaft sind worte die man so oft braucht und deren genauer unterschied selten verstanden wird, man gebraucht oft eins für das andere, und schlägt dann gegen andere definitionen vor: ich denke, wissenschaft könnte man die kenntnis des allgemeinen nennen, das abgezogene wissen, kunst dagegen wäre wissenschaft zur that verwendet. wissenschaft wäre vernunft, und kunst ihr mechanismus, deshalb man sie auch praktische wissenschaft nennen könnte. und so wäre denn endlich wissenschaft das theorem, kunst das problem. 23, 277. 49, 121 (Makariens archiv). Schon Adelung im wb. hatte den streit zu entscheiden geglaubt. er gewann aus dem gebrauche seiner zeit den begriff,dasz das wort kunst blosz die fertigkeit in anwendung der ausübungssätze, und den inbegriff dieser vorschriften und regeln ausdruckt, dasz es also von allen denjenigen disciplinen gebraucht werden kann, welche zu ihrer ausübung eine solche fertigkeit erfordern. ja einerley disciplin kann in verschiedener betrachtung so wohl eine kunde, als eine kunst, als endlich auch eine wissenschaft genannt werden“, was er dann an arzeneykunde, arzeneykunst und arzeneywissenschaft des weiteren klar zu machen sucht; kunde, diese jüngere stammschwester von kunst, hatte sich nicht lange erst als mitbewerberin eingedrängt, s. sp. 2622.
ε)
diesz schwanken ist aber kein mangel der sprache, es zeichnet vielmehr genau die unscheidbare doppelseite des menschlichen denkens und wissens, als 'reines' denken und wissen, und als wissen das hilft und nützt, das zu einem können im neuern sinne wird. beide seiten werden auch sonst als eins behandelt, wenn z. b. im mittelalter auch die rhetorik scholastisch bezeichnet wird als 'philosophia' sermocinalis, kunst der red Mones anz. 4, 233 (also philosophia als wissenschaft überhaupt, auch als praktische, vgl. unter c, α), wenn geschicklichkeit auch gleich gelehrsamkeit gebraucht wird: kunst, geschicklichkeit, doctrina, eruditio, peritia, litterarum cognitio. Schönsleder h 4ᵈ; kunst und geschicklichkeit machen den unedlen ansehnlich, edel und berühmt. Seneca sagt: nobilitatis indicium est literas nosse. Lehman flor. 2, 407, wenn noch im vorigen jahrh. die schönen künste als schöne wissenschaften bezeichnet wurden, belles lettres (s. 4, c, β, Adelung wollte beide unterscheiden wie u. δ), wenn lat. ars, eig. nur tüchtigkeit, fertigkeit, förmlich auch von wissenschaft gebraucht war: ars enim earum rerum est quae sciuntur. Cic. de or. 2, 7, 30. ebenso war list ahd. beides, fertigkeit und wissen, z. b. buohliste liberales artes bei Notker, wie in den stammverwandten lernen und lehren noch jetzt beides ungetrennt ist. so muszte denn auch kunst in die bed. fertigkeit übertreten.
3)
Entsprechend dem jetzigen können, von einer fertigkeit, geschicklichkeit, was sich freilich fortwährend mit dem vorigen verflicht, wie in dem mutterworte können (s. dieses II, 2), gedacht als ein angewandtes wissen.
a)
so mhd. schon völlig entwickelt, wie in künnen eben auch, z. b. vom spinnen, das ist eine wîplîche kunst troj. krieg 15880 (wie spinnen künnen 15864), lîren und harpfen, seitenspil sind künste 15811, und so in der manigfachsten weise. auch kunst ze strîte (s. 1, b), von der körperkraft ausdrücklich unterschieden, oder mit ihr gesellt als wahre art des helden:
wand eʒ gesiget ein kurzer man
mit kunst vil ofte an einem, der
spannen lenger ist dan er.
Wigal. 189, 5;
in strîte man ouch kunst bedarf.
Parz. 756, 6;
er hete kunst unde kraft,
des wart er dicke sigehaft.
265, 7, vgl. 739, 14. 742, 11;
si heten beide mannes muot,
beidiu kunst unde kraft.
Wig. 196, 28. 275, 4, vgl. kunst und ellen 216, 12;
dô was hie (bei beiden gegnern) kunst unde kraft,
si mohten von rîterschaft
schuole gehabet hân.
Iwein 7003,
mit schuole schlieszt sich der begriff dieser kunst deutlich an den unter 2 an, wie mit meister unter b, β. e, β gleichfalls. auch der weinschwelg rühmt sich:
ich kan wol trinken unde mag (verstehe es und vermag es),
ich hân kunst unde kraft.
Germ. 3, 215ᵇ.
b)
zur näheren beleuchtung des begriffes.
α)
es gesellt sich gern, wie unter 2, d, ζ, mit sinnverwandten wörtern, z. b.:
an kunst und an maisterschaft
han ich maniger hande kraft.
fastn. sp. 427, 13 (zu kraft s. sp. 1936 unten),
vgl. meister u. c, α. 'kunst und geschicklichkeit': kunst und geschickligkeit gehet oft nach brod. Lehman flor. 1, 485, der eben die formel freilich auch von gelehrtem wissen braucht (s. 2, e, ε), wie das sprichwort im 16. jahrh. gebraucht war (2, d, ε); aber es wird in derselben zeit ausdrücklich auch von arm und leib gesagt: der durch kunst seiner arme und geschicklichkeit seines leibes sein brod zu verdienen sich getrauen kan. Olearius pers. ros. 3, 27. Eigen 'kunst und gespunst', reimformel: denen (den jesuiten) er nicht das salz künt reichen mit aller seiner kunst und gespunst, schmitten und notstall. Joh. Nas antigratulatio 15ᵇ; wenn nun gleich der Belial all sein kunst und gespünst ankehren wolt. Ayrer proc. 1, 14, vgl. bei Frank sprichw. kunst geht für gespunst 1, 103ᵃ. 20ᵇ, es scheint von ränken gemeint, vgl. unter d.
β)
das verhältnis des neuen begriffs zum vorigen, zur kunst als bloszem wissen, stellt sich in folg. äuszerung Kants trefflich heraus: kunst als geschicklichkeit des menschen wird auch von der wissenschaft unterschieden ... und da wird das, was man kann, sobald man nur (weiter nichts als) weisz, was gethan werden soll, nicht eben kunst genannt. nur das, was man, wenn man es auch kennt, dennoch darum zu machen noch nicht sofort die geschicklichkeit hat, gehört in so weit zur kunst. 7, 164. noch schärfer in folg. volksmäszigem worte ebend.: in meinen gegenden sagt der gemeine mann, wenn man ihm etwa eine solche aufgabe vorlegt, wie Columbus mit seinem ei: 'das ist keine kunst, es ist nur eine wissenschaft', d. i. wenn man es weisz, kann man es auch, oder es ist eine kunst, die an sich jeder kann, nicht eine kunst im erhöhten sinne, die mit mühe erobert sein will oder nur von besondren gaben kommt. Aber das hauptgewicht fällt auf das mühsame lernen, durch das eine meisterschaft erworben wird: in jeder, auch der gemeinsten kunst, wird erfordert, dasz man erst proben des vollendeten lernens abgelegt habe, ehe man die kunst als meister ausüben kann. Schelling vorl. über die meth. des ak. stud. 50, vergl.übung bringt künst Frank spr. 1, 90ᵃ, gewunnen kunst Boner 4, 42. s. weiter unter e. Von gelehrten heiszt es: dasz die gröszte kunst sei kunst verbergen können. die alte wahrheit mit eim neuen titul, Opel u. Cohn 30 jähr. kr. 378, im cap. von den universitäten; kunst über alle künste, seine kunst verbergen Simrock spr. 6100, zugleich zu 3 (kunst über alle künste, ars artium Stieler 1011). vergl. menschenkunst (Schiller 508ᵇ).
γ)
wie herschend dieser erhöhte begriff geworden ist, der alt sein musz, zeigt die allgebräuchliche verwendung das ist keine kunst Frisch 1, 557ᶜ, das ist weiter nichts, das kann ich auch, das kann jeder: wie kein kunst ist bei eim guten wein wol leben, und eim frommen weib nachgeben, mit einer guten feder wol schreiben und ausz gutem flachs gut garn treiben. Garg. 181ᵇ (Sch. 334); dasz ich euch lieb habe, ist weder kunst noch wunder, haben wir den nicht éinen vatter gehabt? Elis. Charl. v. Orl. briefe (1843) 309, an ihre halbschwestern, kunst ist eben etwas zum verwundern;
ihn (Gottsched) ganz zu holen, ist noch zu früh,
ist auch keine kunst, lohnt nicht der müh.
Rost, der teufel an herrn G*** (Schmidts anthol. 1, 217);
es ist keine kunst, über gefühle meister zu werden, die nur die oberfläche der seele bestreichen. Schiller 1126ᵃ; wie ist das möglich? wirst du sagen, ihr habt ja selbst in dem neste kaum platz. das ist eben die kunst, mein freund. Göthe 19, 145, das kann nicht jeder, das ist unser geheimnis. wie sehr jenes zur redensart geworden, sieht man an dem beibehalten des ist selbst auf vergangenes bezüglich:
dasz Suleika von Jussuph entzückt war,
ist keine kunst.
er war jung, jugend hat gunst u. s. w.
Göthe 5, 142,
wie in gleichem falle das ist weiter nichts, das ist noch gar nichts u. ä., es bleibt als inhalt der wendung nur übrig: das braucht einen nicht zu wundern.
c)
die anwendung ist von unerschöpflicher manigfaltigkeit.
α)
mehr leiblich, von leibeskünsten und fertigkeiten, wie schwimmen, springen, fechten, reiten u. a. (bei Rothe rittersp. vielmehr die siben behendikeit genannt 2626. 2693 ff., vgl. 2, c, ε und 'ars, behendikeit, hantwerk' Melber b 5ᵃ): so hab ich auch von einem feinen edelman gehöret, das er sagt 'ich wil meinen son lassen studiren, es ist nicht grosze kunst zwei bein über ein ross hengen und reuter werden, das hat er mir bald gelernt'. Luther 5, 183ᵇ, noch in vergleichung mit kunst wissenschaft. schwimmkunst, reitkunst, turnkunst u. s. w., und zwar wieder theils als das können des einzelnen theils als die gegliederte gesamtheit der einzelnen künste (vgl.δ), regeln, grundsätze u. ä., wie sie als ganzes doch wieder mehr dem wissen als dem können angehören; wer aber das ganze inne hat zugleich als kunst, ist darin meister, auch diesz wieder von kunst als wissenschaft herübergenommen, wie wenn man von einer guten schule spricht, die ein turner, fechter, reiter zeigt. kunst im kampfe (vgl. mhd. unter a): mann ficht gegen mann, das unnütze feuerrohr macht dem schwert und der pike platz und die kunst der erbitterung. Schiller 963ᵇ, gesteigert und erweitert kriegskunst: in den gefechten erzogen, kenten die kämpfer keine künste, als die verheerende kunst des krieges. Haller Alfred 5. kriegskünste, dagegen künste des friedens, bei Ludwig 1087 die friedliebende künste.
β)
geistig: es ist ein vorteil auf allen dingen ... so ist nun kunst, das mans mit vorteil einthuͦ, lerne kennen, nennen, kaufen etc., und hie ist der kaufleut hoh schuͦl. von des wegen schicken sie ir kind in Portugal, Italiam, Galliam, Brabant, Niderland .. und ist fürwar der vorteil und finanz alle zu lernen ein solich kunst, das nit weniger kunst ist ein geschickter kaufman, dann ein doctor sein. Frank spr. 1, 103ᵃ; den hoffertigen zu demuͤtigen ist nit bosheit, sonder kunst. 129ᵇ; masze ist in allen dingen gut, da höret kunst, ja gottes gnade zu, das mans treffe. Luther 6, 138ᵃ; und haben wir uns der erfolgs versichert mit kluger kunst ... Schiller 667ᵃ; ihre (der span. truppen) ankunft würde die ordnung und ruhe wieder zerstören, welche zu gründen ihr so viel kunst gekostet habe. 853ᵃ; diese beiden regeln (deutlichkeit und kürze) zu vereinigen ist die kunst im erzählen. Gellert 4, 77, darin beruht die kunst beim erzählen. auch von gedächtniskunst, mnemotechnik, ist schon im 16. jh. die rede: die vier lewen (hat er aufgezeichnet) so vil er von ieglicher predig behalten in seinem haupt hat mit beistand der gnade gots und kunst der gedechtnis, die er kunnt hat. Joh. Pauli in Keisersbergs brösamlin 49 von sich selbst. Auch die kunst des arztes, des chemikers, des feldmessers, ja alle angewandte wissenschaft gehört zugleich hierher, zum theil sogar mit handfertigkeit aller art nach α verknüpft oder darin wesentlich auslaufend. und so vieles, z. b. die kunst des erziehers, der erziehung, erziehungskunst, dagegen blosze abrichtungskunst Pestalozzi (s. unter einseitig). staatskunst (Stieler 1010), im 15. jahrh. kunst domit man ein stat (stadt, πόλιν) regirt, policia voc. 1482 r 7ᵃ, vgl. Dief. 445.
γ)
mehr seelisch etwa folg.:
weil es (das unglück) die gröszte kunst uns lehrt,
die, glücklichen so schwere, kunst zu sterben.
Hagedorn 1, 98
(sterbekunst ars bene moriendi Stieler 1011);
ihm werde nichts verheelt, er weisz die kunst zu schweigen.
o schwere wissenschaft, wie vielen bist du eigen?
1, 54,
noch mit klarem nachleben des begriffes aus dem 16. jahrh.; die kunst der selbstbeherschung; in allen handwerken sind gemeiniglich die meister am besten, aber in der kunst der lieb die lehrjungen. Lehman flor. 1, 486.
δ)
übrigens heiszt auch ein einzelner 'kunstgriff' oder ein einzelnes 'kunststück' kurz eine kunst (vgl. künstlein), artificium, z. b. in dem 'das ist eben die kunst' bei Göthe unter b, γ, in kartenkunst, kunststück;
was blast ihr da so in die hand?
'seid ihr nicht mit dér kunst bekannt?
ich hauch die fingerspitzen warm'.
Göthe 13, 80.
Auch ein einzelnes kunstmittel, hilfsmittel: eine bewährte kunst für den stein. Hohberg 1, 296ᵃ u. o. für heilmittel; er hat .. das sprüchwort .. er besorgte, seitmals .. alle kunsten uf das höchest .. ufstigen, es würde auch die kunst für den tod, das man nit sterben müest .. noch erfunden werden. Zimmer. chron. 4, 264; Passauerkunst, amuletum contra tela. Stieler 1010, s. d, γ.
ε)
daher auch hier der pl. künste, oft deutlich gleich kunstgriffe, kunstmittel:
Mopsus kan von eignen künsten nichts verrichten, nichts besinnen.
Logau 3, 3, 73;
hinter die künste kommen, to fall into the right way of doing a thing Ludwig 1087, wie jetzt kurz dahinter kommen;
so, wie ein weiser arzt, der auf der bühne steht,
und seine künste rühmt, bald vor bald rückwärts geht ...
Gellert 1, 20;
und des mädchens frühe künste
werden nach und nach natur.
Göthe 1, 252;
auch ohne hülfe gegen trutz und härte
hat die natur den schwachen nicht gelassen.
sie gab zur list ihm freude, lehrt ihn künste,
bald weicht er aus, verspätet und umgeht,
ja der gewaltge verdient, dasz man sie übt.
9, 84 (Iphig. 5, 3),
künste üben gleich ausüben, auch treiben (vgl. Gellert u. γ): aber die menschen vermögen nicht leicht aus dem bekannten das unbekannte zu entwickeln, denn sie wissen nicht dasz ihr verstand eben solche künste wie die natur treibt. 23, 242; rieth er ihr an, den adel jetzt durch eben die künste zu hintergehen, deren er sich bis jetzt gegen sie bedient. Schiller 839ᵃ, politische künste, zugleich zum folg.; wenn alle künste der schonung erschöpft sind. Gotter 3, 109; verschönerungskünste, toilettenkünste, börsenkünste u. ä., diebeskünste. aber das kostete künste, den buganker auszubringen! Kosegarten rhaps. 2, 63, von einem im sturme gefährdeten schiffe.
d)
kunst in anwendung auf den eignen vortheil, zu niedrigen, unlauteren, schlimmen zwecken, täuschung, zauberei.
α)
so pl. künste schon im 15. jh.:
Marcolfus. si (die weiber) wain mit augen und mit mund
und lachen in irs herzen grund,
beweisen mit dem angesicht
vil anders dan ir mut vergicht.
die frauen haben kunst (l. künst) an zil (ohne ende).
Salomon. ja zwar, sie haben liste vil.
darwider sie auch frumkheit haben u. s. w.
fastn. sp. 533, 4,
list ist von haus aus völlig gleich kunst und älter als dieses (vgl. die siben liste frîe sp. 2669 unten, und unter 4, a), wenn aber jenes in den heutigen engen sinn von list ausgelaufen ist, so sieht man hier kunst den gleichen anlauf nehmen; die aber ihre hend küssen, und auf ihr viel renk, künst, finanz und alefanz sich verlassen .. Frank spr. 1, 103ᵇ; und wozu alle diese kleinen niederträchtigen künste? Göthe 36, 48;
weil sie den ränken
vertraut, den bösen künsten der verschwörung.
Schiller 406ᵇ.
so schwed. noch bruka konster, ränke treiben.
β)
im sing., gern wieder verstärkt durch ein deutlicher färbendes wort: ir kunst, list und beschisz. Keisersberg unter 2 spalte 2671 (ζ);
ist dan zu heuchlen und betriegen
sunst keine kunst in eurer brust?
Weckherlin 11 (ps. 4, 2);
dasz du mit list und kunst fuchsschwänzest.
239 (ps. 107, 1);
mit kunst und betrug kan man wol fort kommen.
Lehman flor. 1, 484;
gegen seinen freund (Oranien) muszte man kunst und betrug zu hilfe rufen.
Schiller 838ᵇ.
γ)
besonders auch von zauber künsten, schon mhd. und früher, wie man da künnen von zauberei brauchte, z. b. si kan sô vil, s. sp. 1726 (c, α), Walth. 116, 29, auch altn. kunnigr schlechthin für zauberkundig Egilsson 480ᵇ, kunnasta zauberkunst (vergl. myth. 986):
an lieʒʒen ist nieman mir gelîch,
die chunst hân gelernet ich.
genes. 96, 21 Diem.;
es muͦsz mit künsten, oder mit kreüteren, wie man spricht, zuͦgon, utendum artibus. Maaler 255ᶜ, das ist ohne zauberei unmöglich; künste kann er (der zigeunerbub) wie der älteste .. er macht dasz dem jäger die büchs versagt, daszs wasser nit löscht ... Göthe 42, 179;
Mephistopheles. verbinde dich, du sollst, in diesen tagen,
mit freuden meine künste sehn.
ich gebe dir was noch kein mensch gesehn.
12, 85;
abgeschwächt im 18. jh., im munde eines küsters:
ein mann, der lose künste trieb,
comödien und verse schrieb.
Gellert 1, 19 (der kranke).
die Passauer kunst, im 16. 17. jahrh., die hieb- und schuszfest machte:
so merks und lasz fein auch die zauber-werke bleiben,
Passauer-kunst u. s. w.
Simpl. 1685 1, 219,
vgl.des provosen künst, teufels-kunst s. 218; vom ursprung des namens s. Schmeller 1, 297, anders Hormayr taschenb. 1845 s. 41. Auch tausendkünstler gehört hierher, mlat. milleartifex jüng. Titurel 803, 4, d. i. der teufel, wie mhd. tûsentlistelære wb. 1, 1012ᵃ und noch im 16. jahrh. tausentkünstiger vom teufel (s. unter künstiger); schwedisch en mästare i tusen konster, tausendkünstler, doch im heutigen sinne. s. schweiz. künsteln zaubern, künstler 'tausendkünstler'.
δ)
die schwarze kunst, schon mhd.: dô saiten di knechte dem herren, daʒ si (die heil. Agnes) mit der swarzen kunst betrogen wêre und daʒ si sprêche daʒ Kristus ir frîdel wêre. myst. 68, 2, d. h. betrüglich, zauberisch umgienge (s. unter betrogen 1, vgl. beschissen betrügerisch Schm. 3, 407);
und das man by dem monschyn suͦch
oder der schwarzen kunst noch stell.
Brant 65, 49;
das gaukelwerk der schwarzen kunst lag auch darnider. Luther weish. Sal. 17, 7, ἔμπαιγμα τῆς μαγικῆς τέχνης, vulg. magicae artis derisus; es gehört vil lehrgelt darzu, wer von dem meister (dem teufel) lernen und fragen wil. zu Cöln, sagt man, hab man disem lector, so die schwarze kunst gelesen (an der universität), järlich ein scholar nach dem losz müssen pro precio zu lon geben. Mathesius Sar. 144ᵃ, im mittelalter wurde sie zu Toledo gelehrt (Herbort 563, Biterolf 77 ff.). von Logau zu einem wortspiel verwendet, in einem epigr. 'schriften':
man schilt die schwarze kunst: ich halte viel von ihr;
dann durch die schwarze schrift kümmt kunst (wissenschaft) auf weisz papier,
und vom papier ins haupt, und so fort für und für.
2, 8, 49.
Den eigentlichen begriff geben die vocc. des 15. jh. an: swarze kunst oder zauberei, nigromantia. voc. 1482 ff 8ᵃ, s. mehr bei Dief. 380ᵇ; nigromantia, schwarz kunst, die da ist mit ufsehung (?) der todten, mit den der nigromanticus zaubert, oder mit den ersten dryen schollen die der pfaff wirft ins grab, oder mit den widhopfen die da laufen by den greberen. Melber varil. q 3ᵃ (vgl. Dief. 380ᶜ, myth. 1065), die schollen und die widehopfe würden also auch gebraucht um den todten wieder aus dem grabe zu locken zum erscheinen. auch der vorwurf gegen die heil. Agnes oben ist so gemeint, dasz sie ihren friedel nächtlich wieder aus dem grabe rufe, und auch in der bibelstelle ist von gespenstern die rede. mhd. ist übrigens das fremdwort vorwiegend, nigromanzie (wb. 2¹, 354ᵃ), mlat. auch nigramancia Dief. 380ᵇ, das bei uns ein reiches leben entwickelte als kramanz (s. d.), das von jenem kommt, wie doch Köhler richtig sah (berichtigung zu sp. 1993); wie viel von der kunst jahrhundertelang gebrauch gemacht sein musz und wie sich der begriff erweitert hatte, zeigt dasz noch im 17. jahrh. ein negromant mit allerlei künsten eine beliebte bühnengestalt war, s. Devrient gesch. der schausp. 1, 175. Übrigens steckt bekanntlich das gr. νεκρομαντεία dahinter, d. i. wahrsagung durch todte, die man zu rufen wuszte, das so auf lat. niger schwarz umgedeutet ward, vermutlich schon im späteren alterthum in Italien, wo das geisterbeschwören in hoher blüte stand. weiteres bei Frommann anm. zu Herbort s. 225.
ε)
im gegensatze dazu die weisze kunst. Luther 5, 163ᵇ spottet der biblischen begründung des fegefeuers auf ps. 66: gehe nu hin und sage, das die sophisten on schrift reden und ungelerte esel seien .. es sind künstreiche leute, das sage ich dir fürwar, es gehet alles hie mit der weiszen kunst zu und nicht mit schlechten kreutern (d. h. zauberei, s. unter γ). es sieht aus wie ein studentisches, gelehrtes witzwort.
e)
kunst in dem erhöhten sinne unter b, β. γ hat eine weitere reiche entwickelung.
α)
die künste der hand (wie knotenknüpfen, flechten, spinnen) durch werkzeug, geräte, kunstmittel aller art weiterentwickelt, unterstützt, ersetzt, immer aber getragen, erfunden, geleitet durch kunst als wissen im höchsten sinne. die ganze mechanik ist nach dieser seite kunst im höchsten sinne, und künstliche vorrichtungen, maschinen hieszen bei uns kurz selber kunst (s. 5). Schon mhd. dieses kunst, z. b.: ein kunic was gar rîche und lîʒ bûwen einen grôʒen turm .. und lîʒ darinne machen mit kunsten himel und erden und sunnen und mânen und di sternen und di wolken. myst. 198, 36. Mathesius in der Sarepta 143ᵇ (12. predigt) weidet sich an einem überblick der fortschritte in der mechanik bis zu seiner zeit, namentlich im bergwesen, wie die künstler und wunderleut gottes schöpfung ihre gesetze abgesehen (denn unser gott hat seine weisheit und geschickligkeit ins menschen herzen gebildet) und so eine kunst und meisterstück und vil nützlicher instrument nach einander erfunden, welche von tag zu tag durch nachdenken .. freier köpf (vgl. die freien künste) sind gebessert worden. diser gedenk ich allhier, damit man die 'schöne künste', so von gott herkommen .. lerne für gottes gabe erkennen; nachher: weil aber gott lob dise und andere 'freie künste' zu diser zeit neben dem evangelio wider in die schulen kommen .. sollen bergherrn und bergstedt feinen köpfen, die hiezu naturt und geneigt und lust und lieb zu der mathematiken und künsten haben, behülflich und förderlich sein, mechanik und wissenschaft im grunde noch als eins behandelt; wöllen wir nun auch die zeug und künste erzelen, damit ir den gewonnen berg und erz und die wasser zu tag auszfödert. 145ᵃ, was doch schon in die bed. maschine überschwankt (s. 5, c). kunst kan (sogar) hüner auszbrüten. Lehman flor. 1, 485. ein scherz des 16. jh.: kunst wil gerete haben, sagt jener, und kemmet sich mit einer mistgabel (statt der hand). Neander spr. 20. kriegszeugkunst, mechanica militaris Schottel 447ᵃ.
β)
auch das eigentlich handwerk wird als kunst, freilich fast nur im allgemeinen sinne bezeichnet: cunst van hantwerk, mechania, cunster van hantwerk, mechanicus, artifex. Teuth. 62ᵇ (vgl. mechania, ars manualis, hantwerk Dief. 352ᶜ); artificium, kunst, hantwerk. Dief. 51ᶜ, s. auch unter 5, a. b. unter dem spruche kunst ist guͦt über das feld tragen, certissimum viaticum eruditio bringt Frank spr. 2, 7ᵇ auch als ausführung: ein handwerk hat einen gulden boden, es kompt einer weiter mit einem handwerk und redlichen kunst dann mit tausent gulden, stellt es also selbst noch mit unter die urspr. allgemeine bed. wissen (ist doch auch meister im handwerke, wie u. c, α, urspr. von der wissenschaft, den universitäten entlehnt); niemand glaubt an kein handwerksmann, ob er gleich vil wort macht und sich viler künst ruͤmpt, der sein kunst nicht sähen leszt ... und ein guͦt werk für die augen stelt, das von seiner kunst zeüge. Frank parad. 1558 308ᵃ, was noch dem heutigen sprachgebrauch nicht widerspräche; vgl. Luther unter 5, a sp. 2683. in einem lobliede auf den flachs heiszt es vom weber:
der thut daran beweisen
mit weben seine kunst.
weim. jahrb. 5, 228.
Selbst die kunst des bauern kann unter dem allgemeinen begriffe unterkommen, wie in der vorrede zum Reineke vos, wo eine theorie der vier stände vorgetragen wird: de êrste is de stât van den arbeiders, de sik neren eres swâren arbeides unde brûken erer kunst mit arbeide, alse bûre, amptlûde (handwerker) unde andere, de ere neringe unde vôdinge alsô werven (vergl. sp. 2235). Lübbens ausg. s. iv; Gryphius läszt in der gel. Dornrose 113, 30 bauern von ihrer feldbaukunst singen (auch Schottel 447ᵃ). Gegen einen gelehrten rühmt ein handwerksmeister seine kunst: als auf eine zeit einer, der sich vor einen meister der sieben freien künsten ausgab, bei einem handwerksman eine almosen begehrte, gab ihm dieser zur antwort: ich bin dann viel geschickter als ihr, dann mit meiner kunst ernehre ich mich, mein weib und kinder, ihr gehet mit sieben künsten betlen. Zinkgref 1653 1, 243, auch bei Thomasius 452 fg., daher brotlose künste die letzteren: 'bist du wieder da, ungerathener junge? ... was helfen dich deine brodlosen künste? das handwerk ist dir zuwider' ... Stilling jünglingsj. (1778) 120, vgl. dagegen brotkunst.
γ)
aber im engern sinne sind handwerk und kunst genau unterschieden, obwol es an naher berührung, ja verflieszen von beiden nicht fehlt (vergl.kunstgewerbe): die kunst wird vom handwerk unterschieden, die erste heiszt freie, die andere kann auch lohnkunst heiszen. Kant 7, 164, kunst im heutigen höchsten sinne, die lohnkunst bringt wieder den gedanken an die brotlose kunst mit sich; unfreie künst, als die handwerk, illiberales artes. Dasyp. 369ᵇ. zur zeit des zunftzwanges nannten sich übrigens in anderem sinne freie kunst solche gewerbe, die dem zunftwesen nicht unterlagen. Den sieben freien künsten im alten sinne gegenüber hat man für alle anderen auch den namen eigene künste gebraucht, in einer hs. des 15. jh.: under dén (siben frien) kunsten sint siben eigin kunste, und heiszin darumme eigin, daʒ si dinen müszen den frien, und uʒ den kommen die hantwerg. anz. des german. mus. 1856 sp. 273 fg. 303 fg., es sind die buwinde kunst, hat undir ir sechs houpthantwerg (steinmetzen, maurer, zimmerleute, wagner, armbruster u. s. w.), dann die webende, schiffende, die ackerkunst u. s. w., aber doch mit unterscheidung von kunst und handwerk, das jener nur dient, wie sie wieder der frien kunst. Aber noch im 17. jh. strebten handwerker nach der titelerhöhung als künstler, einem schuhmacher, der so thut, wird erwidert: es ist gewiss auch wegen reputation, dasz du disz dein handwerk eine kunst nennest, wie jener hanfmacher von Vinstringen, Tröscher im Westrich. werden also auf erden bald keine handwerker mehr sein, sondern eitel künstler, da doch, wann ihr elende leut wüstet, dasz kunst nach brot gehen musz, ihr solcher bald vergessen und an ewrem handwerk euch wirdet begnügen lassen. Philander (1665) 2, 517. Einigen höheren gewerben war aber der titel der kunst durchaus zugestanden, namentlich den schreibern und buchdruckern, d. h. wegen ihrer nahen beziehung zur wissenschaft (kunst), sie selbst muszten ja ursprünglich latein können, vergl. kunst der rechten geschrift, orthogravia voc. 1482 r 7ᵃ; ein schreiberlied des 16. jahrh. rühmt:
die schreiber musz man haben
samt irem zeug und gunst (gutem willen),
nach inen tut man traben,
der schreiber ist die kunst ....
kein edler kunst auf erd ....
den glauben tuts erhalten,
macht guten frid im land ..
all ander künst sind tant.
Uhland volksl. 687. 688.
von der buchdruckerkunst z. b.:
die kunst der druckereie ...
die lobt man billig freie,
weil sie andre gebiert (die 'mutter' der andern ist).
weim. jahrb. 5, 229,
d. h. als freie kunst, d. h. sie könnte den sieben freien künsten angereiht werden; ehrenlieder, der edlen kunst buchdruckerei gewidmet. flieg. bl. in Scheibles schaltjahr 4, 612 (wir wollen nicht der andern künste lachen beginnt das eine); si ist eine götliche kunst, gröszer als alle andere handkünste, di imahl gewesen und noch sein. Butschky kanz. 406, ob er bei handkunst an die handwerke dachte? diesen haftet doch -werk, d. h. arbeit an. balbierkunst chirurgia Stieler, apotekerkunst ars pharmaceutica das., und mache ein heiliges salböle nach der apoteker kunst 2 Mos. 30, 25, zugleich zu 2. uhrmacherkunst Schottel 447ᵃ, goldschlagkunst daselbst, kochkunst Maaler, gärtnerkunst Steinbach, gartenkunst.
δ)
hier tritt denn auch der unterschied von kunst und natur, der zwar dem ganzen begriffe kunst unterliegt, zuerst schärfer auf, z. b.: leüt, die von natur rot har ziehen, iedoch durch kunst gepüfft, das es grob, lauter und krum oder kraus wirt. Frank weltb. 77ᵇ, also friseurkunst u. ä.; das glasmachen gibt zimliche anleitung (das wachsen der erze zu begreifen) .. wiewol sichs auch in allen stücken nit gleichet. denn kunst amet wol der natur nach, sie erreicht aber (nur) so vil sie kan, so leibt und lebt es alles besser was natürlich ist, denn was menschen hand zu wegen bringt. Mathesius Sar. 33ᵇ, vergl. dens. unter α; kunst ist die (der?) natur äffin und ein eingefuͤrt gleiszen und schein derselben. S. Frank de vanitate 107ᵃ; kunst macht die natur vollkommen, ars perficit naturam. Aler 1255ᵇ; da er nun zu nechst bei dem felsen einen anmuthigen ort antraf (im walde), welcher schiene als wann ihn beides kunst und natur zu seinem vorhaben gepflanzt und bequem gemacht hatte. Simpl. 1684 3, 270;
in kurzen fand er sich in dieses zelt geführet,
wo man natur und kunst vermählt zu sein verspüret.
Hofmannswaldau hochz. 12;
kunst wird von der natur, wie thun (facere) vom handeln oder wirken überhaupt (agere) unterschieden. Kant 7, 163, vgl. das.: von rechtswegen sollte man nur die hervorbringung durch freiheit, d. i. durch eine willkühr, die ihren handlungen vernunft zu grunde legt, kunst nennen (vergl. unter kunsthandlung 3). beide noch mit handwerk gesellt: steigt uns ein felsen entgegen .. hierauf nun steht gemauert ein thurm, doch niemand wuszte zu sagen wo die natur aufhört, kunst und handwerk aber anfangen. Göthe 15, 303, vgl.kunstnatur. mehr zu kunst gelehrsamkeit: wo die natur nit das fundament gelegt, da baue die kunst auf sand. Opel u. Cohn dreiszigj. kr. 378. s. auch 4, e, womit sich die beispiele hier schon berühren.
ε)
der natur selber wird aber auch kunst beigelegt (wie gotte):
poeten steht was frei! ihr jungfern, eure wangen,
worauf die schönheit spielt .... die natur
hat reichlich bracht hieher in einer vollen spur
die gaben ihrer kunst.
Logau 2, 3, 57,
was zugleich in den folgenden begriff überschlägt. aber ganz im alten begriffe von gott: bedenk einmahl, wie die göttliche kunst dir deinen finger mit sehr vielen zusammenfügungen vereiniget hat. Olearius pers. baumg. 8, 3 (viele theile zu éinem zwecke wirkend, wie bei einer maschine); wer aufrichtig und fromm ist, kan nicht allein an menschen ... gottes kunst und wunder bemerken, sondern auch an allem was ihm vorkompt. 7, 28. Gott als künstler (s. d.) im gegenwärtigen sinne war aber schon mhd. ein beliebtes bild, eine schöne menschengestalt sein kunstwerk:
zwâre got der hât geleit
sîne kunst und sîne kraft (vgl. sp. 2674),
sînen vlîʒ und sîne meisterschaft
an disen lobelîchen lîp (die Laudine),
eʒ ist ein engl und niht ein wîp.
Iwein 1686 ff.;
von den helden er geschouwet wart (Parzival),
dô lac diu gotes kunst an im.
Parz. 123, 13,
vgl. Erec 8271, Walther 53, 35 ff. (gott als maler), 45, 25 (als bildgieszer), Grimm myth. 20, got der wîse listmaister hoh. lied 81, 3 J. Haupt. Auch die kunst der thiere ist hier zu erwähnen, bienen, ameisen, biber sind künstler, vergl. kunsttrieb, kunsthandlung 3; ins folg. überschlagend:
die schöne nachtigal
liesz hören ihre kunst durch wald, feld, berg und thal.
Opitz 3, 212.
4)
Der heutige erhöhte sinn von kunst.
a)
das wort galt auch schon mhd., s. von gott vorhin als maler, bildgieszer, meisterkunst von sänger, geiger, dichter (in éiner person) wb. 2ˡ, 119ᵃ, auch das meister in diesem sinne, das da heute noch in voller ehre steht, ist wie das im handwerk und sonst, von den universitäten und der wissenschaft entlehnt. vor dem aufkommen von kunst und noch daneben im 13. jh. galt auch hier list, wie eben auch von wissenschaft. in dem aufsatze aus dem anfang des 15. jahrh. über die siben eigenen künste (sp. 2679) ist zwar darunter eine buwende kunst aufgezählt, aber maler, snitzer sp. 274, senger, sprecher, phifer (musici) sp. 303 sind den handwerken beigezählt, jene der buwenden, diese der hofekunst untergeordnet als gerende. aber kunst des gesangs, musica, oder suszdonende kunst, armoniaca idem. voc. 1482 r 7ᵃ. ein dichter des 16. jahrh. erbittet sich kunst vom himmel:
o gott, heiliger geist, gib kunst,
das ich usz inhitziger brunst (vgl. inbrunst)
müg hie mein dicht volbringen.
Soltau 246, Liliencron 3, 357ᵃ.
ein anderer entschuldigt sich wegen mangelnder kunst:
es ist bei mir nicht hohe kunst,
dann ich hab gar mit nicht studirt u. s. w.
Germ. 8, 463.
den Albrecht Dürer nennt S. Frank chron. 1536 278ᵇ (1531 243ᵃ) ein mann lauter kunst, dergleichen die welt kaum tragen hat.
b)
die bildende kunst (bildkunst) wird schon im 16. 17. jh. ähnlich benannt: er macht auch im haus des allerheiligsten zween cherubim nach der bildener kunst. Luther 2 chron. 3, 10 (schweiz. nach der bildhauweren kunst), vgl.: krum und estig holz .. nimpt (der zimmermann) und schnitzet, wenn er müszig ist, mit vleis und bildets nach seiner kunst meisterlich und machts eins menschen ... bilde gleich. weish. Sal. 13, 13; zu ausbannung der bilderei künste halfe auch unter kaiser Constantino die einführung der christlichen religion. Sandrart academie 1675 2, 6. die kunst der tribner arbeit oder des uszstächens, anaglyptice Maaler 257ᵃ. bei Stieler dann, zum theil nach Schottel, baukunst, bildschnitzerkunst, malerkunst, singekunst, dichtkunst (tichtekunst Schottel 447ᵃ) u. andere, bei Maaler 89ᵈ noch der poeten kunst, die kunst zedichten, die kunst des glasmalens encaustice 183ᵇ, aber schon maalerkunst 282ᵇ, bildhauwerkunst 69ᵃ, singkunst oder sengerkunst 374ᶜ; schauspielkünste, artes theatrales Schottel 447ᵃ (kunst der comödianten Breitinger forts. d. crit. dichtk. 360), kupferstecherkunst Steinb. 1, 911, kunst des holzschnitts, holzschneidekunst, zeichenkunst, zeichnende künste. schwarze kunst, eine art des kupferstichs: stücke englischer schwarzer kunst. Göthe 38, 85.
c)
die heutige besondere stellung und der hohe begriff der kunst arbeitete sich im laufe des 18. jahrh. heraus. anfangs war man selbst wegen eines bezeichnenden gesamtnamens unsicher.
α)
es ist da noch von guten künsten die rede, d. i. bonae artes (s. 2, c, δ): je ernstlicher also dieselben .. die gelehrsamkeit überhaupt und alle guten künste in dero landen zu .. befördern geneigt sind. Weichmann bei Brockes ird. vergn. 1. bd., widm. 5ᵇ (1728), es ist von malerei, musik, baukunst die rede, noch als anhang der gelehrsamkeit behandelt. doch werden wissenschaften und künste auch endlich scharf unterschieden, z. b.: und dieses gilt nicht nur von den künsten, sondern eben so wohl von den wissenschaften, die eben so weitläuftig sind und eben so viel mühe kosten als die künste. Bodmer von dem wunderbaren u. s. w. (1740) 8.
β)
aber eben damals kam es auf, die formel künste und wissenschaften oder umgekehrt, die zuerst von den letztern allein galt (s. 2, e, γ), nun auf die kunst im neuen sinne anzuwenden, nur dasz man beim zweiten mehr an die theorie dachte (vergl. unter galant 3), z. b.: vom guten geschmack in wissenschaften und künsten. König bei Canitz (1727) 240, selbst in solchen lehren und künsten (s. 2672) .. wie in der dicht- und redekunst, in der music und mahlerei 273; die wissenschaften und Rom wuchsen zugleich in ihrer herrschaft, und wohin die adler flogen, da folgten ihnen immer die künste nach. Drollinger 240; das verhältnis der künste und wissenschaften zum leben. Göthe 22, 227, es ist nachher von poesie, musik, plastik, malerei die rede.
γ)
genauer sagte man schöne wissenschaften und künste, z. b. G. Fr. Meier anfangsgründe aller schönen wissenschaften und künste, Halle 1757, ähnlich schon 1748 (s. Gödekes grundr. 560), franz. schon bei Boileau 'les belles lettres' (z. b. in dem remerciment à messieurs de l'acad. franċ.). Gottsched schrieb im j. 1759 ein wörterbuch der schönen wissenschaften und freien künste, das nur von kunst und kunstsachen in unserm sinne handelt, hauptsächlich von dichtkunst, er sagt in der vorrede auch abkürzend schöne künste, nach franz. beaux arts bei Batteux; doch schon vorher, bei König zu Canitz ged. 1727 s. 233 (1734 s. 377) die schönen künste. Die schrift des Batteux les beaux arts réduits à un même principe (1746) bearbeitete Gottsched in einem auszug aus des h. B. schönen künsten u. s. w. Lpz. 1754, er spricht aber auch in gleichem sinne von den freien künsten s. 4 u. ö., schönen wissenschaften, der angenehmen gelehrsamkeit s. 2 (zierliche gelehrsamkeit König bei Canitz 270, als übers. von belles lettres), später von künsten schlechthin.
δ)
diesen ausdruck freie künste, der urspr. gleichfalls von den wissenschaften galt (2, c, ε), brauchte auch Göthe noch im heutigen sinne von kunst, z. b. in den wanderjahren (3, 12): sobald wir jenen .. boden betreten, werden die handwerke sogleich für künste erklärt und durch die bezeichnung 'strenge künste' von den 'freien' entschieden getrennt. 23, 159; sehen wir die sogenannten freien künste an ... die schlechteste statue steht auf ihren füszen wie die beste (folgen malerei, musik) ... wollt ihr nun gar auch die poesie zu den freien künsten rechnen, so ... 161 (das. der freie künstler); die gesetze der sogenannten freien künste. 44, 266 (über dilett.).
ε)
wie man sieht, herschte lange für den gesamtbegriff der sinnliche plural. das hauptwerk des Batteux, des belles lettres (1747) ward bei uns hauptsächlich durch Ramler verbreitet und wirksam: einleitung in die schönen wissenschaften, nach dem franz. u. s. w. Lpz. 1758 u. ö., im werke selbst ist aber mehr von den schönen künsten, oder von den künsten überhaupt die rede, noch nicht eigentlich von der kunst als alle künste umfassendem oder überhöhendem begriffe (ebenso hat sich unser heutiges die wissenschaft, die geschichte langsam aus dem pl. entwickelt), und in kunst selbst spukt noch stark der alte begriff des angewandten wissens, einer art akademischer grammatik für den künstler: eine kunst ist eine sammlung von regeln über die art und weise, ein ding gut zu machen, welches sich gut oder schlecht machen läszt. 1, 10 (3. aufl. 1769); unserm begriffe sich nähernd z. b.: die kunst ist nur zum täuschen gemacht. 1, 239. noch in Sulzers theorie der schönen künste (zuerst 1771 ff.) ist in dem artikel 'künste, schöne künste' der plur. vorherschend, doch ist auch schon von der kunst, der schönen kunst, werken der kunst, zweigen der kunst im neuern sinne die rede, wie auch schon Voltaire z. b. in seinem essay sur la poésie épique neben dem vorherschenden les arts doch beiläufig von l'art überhaupt spricht und auch bei uns einzeln schon früher die kunst erscheint, von einer bestimmten kunst:
wie mancher, den die kunst in blankes erz gegossen u. s. w.
Canitz (1727) 155.
aber noch bei Göthe und Schiller lebt lange der plur. nach, z. b.: dasz eitle prunksucht ... den künsten zum höchsten schaden gereiche. Göthe 39, 93, selbst die perspectivischen künste 169; trieb zu holden künsten. 2, 175 (das. die kunst); der künste heiligthum Schiller 99ᵇ.
d)
die kunst im heutigen sinne ward dann, auf den vorarbeiten von Winkelmann, Lessing, Herder u. a. ruhend, hauptsächlich durch Göthe und Schiller begrifflich und sprachlich in gang gebracht und ausgebildet:
die von dem thon, dem stein bescheiden aufgestiegen,
die schöpferische kunst, umschlieszt mit stillen siegen
des geistes unermesznes reich.
Schiller 25ᵇ;
im fleisz kann dich die biene meistern,
in der geschicklichkeit ein wurm dein lehrer sein,
dein wissen theilest du mit vorgezognen geistern,
die kunst, o mensch, hast du allein.
22ᵇ;
kein Augustisch alter blühte,
keines Medicäers güte
lächelte der deutschen kunst.
82ᵃ;
denn sie (die biene, spinne) theilten mit dem menschen
nun das schönste glück, die kunst.
Göthe 2, 175 (die nektartropfen);
die würde der kunst erscheint bei der musik vielleicht am eminentesten. 22, 227; wie kunst und technik sich immer gleichsam die wage halten. 23, 33; aber das was jetzo kunst ist, musz handwerk werden. 37; das theater .. hat einen zweideutigen ursprung, den es nie ganz, weder als kunst noch handwerk noch als liebhaberei verläugnen kann. 22, 171; ist doch wahre kunst, rief er aus, wie gute gesellschaft u. s. w. 20, 161; die kunst ruht auf einer art religiösem sinn, auf einem tiefen unerschütterlichen ernst, deswegen sie sich auch so gern mit der religion vereinigt. 44, 250;
ernst ist das leben, heiter ist die kunst.
Schiller 319ᵇ;
wer wissenschaft und kunst besitzt,
hat auch religion.
Göthe 3, 274 Strehlke.
e)
kunst und natur im gegensatz und verhältnis (vgl. 3, e, δ): lieb- und lobwürdigste kunst, schwester der natur. Klajus lobrede von der teutschen poeterei Nürnb. 1645 s. 3; kunst macht die natur vollkommen. Aler 1255ᵇ; es ist zwar gewiss, dasz die natur vor der kunst gewesen ist, angesehen die kunst nichts ist als eine nachgeahmte natur. Bodmer vorrede zu Breitingers krit. dichtk.;
natur und kunst sie scheinen sich zu fliehen
und haben sich, eh man es denkt, gefunden.
Göthe 11, 316;
der schein soll nie die wirklichkeit erreichen,
und siegt natur, so musz die kunst entweichen.
Schiller 100ᵃ;
der damals überhand nehmende natur- und conversationston, der zwar .. erfreulich ist, wenn er als vollendete kunst, als eine zweite natur hervortritt. Göthe 30, 256, vgl. kunstnatur.
5)
kunst concret von kunstsachen, kunstgeräten.
a)
kunstwerke, erzeugnisse der kunst mit einem gesamtnamen als kunst bezeichnet: Hanns Arnolt maler bekennt, nachdem Albrecht Dürer Jacoben Arnolt seinen bruder aufgenomen hab (in dienst genommen), ine mit kunst auszuschicken, im die zuverkaufen u. s. w. Nürnb. urk. von 1500, anz. des germ. mus. 1867 278. so noch in kunsthandel, kunstausstellung, kunstauction. Es ist aber da der neuere begriff noch nicht von dem des handwerks geschieden (s. 3, e, β): gleich wie ein guter handwerksman mag seine kunst verkeufen, wer sie haben wil .. Luther 3, 328ᵇ. ebenso lat. artificium, auch ars, artes.
b)
ähnlich hiesz handwerkszeug zusammen die kunst; ein wandernder schreinergeselle klagt über sein bündel:
ich trag mich schier lam an meim zeuch,
wolt denselben verkaufen gleich ...
verkaufet ich denn meine kunst,
so wer mein schreinerwerk umbsunst.
Ayrer 372ᶜ (1867, 10 K.);
von einem lüderlichen maler in Colmar erzählt Wickram: kam oft darzu, das er kunst und kunstladen versatzt, domit er gelt zum schlam überkeme. rollw. 169, 3, werkzeug und vorräte.
c)
erhalten und besonders entwickelt im bergwesen.
α)
kunst für maschine überhaupt: feuerkunst, dampfmaschine, s. Veith bergwb. 305, mit beleg und beschreibung aus dem 18. jh. (dampfmaschine kommt darin nicht vor), vgl.dampfkunst das. 304, zwillingsdampfkunst 306 aus neuerer zeit, kunst durch feuer schon bei Mathesius unter γ, s. auch unter ε. von pochwerken: wenn nun solcher zwitter zu tag auszgefodert ... ist, röstet man in und füret in für die künste .. pochwerk, da hebt ein wasserrad die stempel u. s. w. Mathesius Sar. 100ᵃ.
β)
besonders von vorrichtungen zum 'fördern', da diese im bergbau am nötigsten sind: kunst bedeutet jede maschine, durch welche eine last .. aus einer tiefe herausgehoben wird, s. Veith 304; fahrtkunst (s. d.) zum ein und ausfahren in den schacht, fahrkunst, fahrkünste Veith 304 fg.; so ist der gepel auch ein schöne kunst, da man mit rossen berg und wasser ausztreibet. Mathesius 145ᵇ; weil ich eben von kunststücken rede, sol ich auch als ein bergprediger unserm gott danken für die schöne kunst, dasz man gut wetter durch windfang, lutten, geblese und focher in ein stoln füren oder treiben kan und das böse wetter herausz ziehen. 146ᵇ.
γ)
ganz besonders aber, als das allernötigste, zum ausfördern von erz und wasser; schon im 15. jahrh., sicher weit älter: van stollen zu driven oder ander konst, darmit man dat wasser .. mocht ... auszforen. weisthümer 2, 797, nrh.; dʒ gott euch den sawren nasenschweisz ... mit nützlichen instrumenten und künsten lindert (hier noch der allg. begriff) und spannet ein ross an der leut stat und leszet durch wasser, wind und fewer (vgl. die feuerkunst vorhin) wasser und berg aus den tiefsten mit schönen künsten heben und treiben. Mathesius Sar. 145ᵃ; s. Veith 304 ff., wo viele besondere namen und arten, wie bulgenkunst, eimerkunst, kastenkunst, handkunst, feldkunst, heinzenkunst, windkunst, kübelkunst, rosskunst; vgl.kollern 5, auch kunstgezeug, kunstgestänge, kunstmeister, kunstrad, kunstfett u. a. auch auf salinen, die windkunst, eine art windmühle zur hebung der soole auf den gradierhäusern.
δ)
auch noch allgemeiner als unter α, kunstvolle einrichtung überhaupt mit allem zubehör: ein geraumer und verwarter stoln, mit seinem gerin und dreckwerk zugerichtet, ist freilich die schönste kunst auf dem bergwerk ... Mathesius 145ᵇ.
ε)
zugleich mit rückkehr zu dem abstracten begriffe von kunst, gleich maschinenwesen, mechanik: die erde oder gewichter ziehen die bewegungen, das wasser treibet imgleichen dieselbige, der wind auch also, und durch das feuer können bewegungen verrichtet werden: dannenhero ist die feuerkunst (s. u.α), luftkunst, wasserkunst und gewichtkunst aufgekommen. Becher 184; kastenkunst das. 189, taschenkunst 191, stange- kunst, korbe-kunst, schwung-kunst 193, alles wasserkünste.
d)
die wasserkunst hat sich auch sonst festgesetzt: wo wasser in gründen flieszen, kan man durch ein zeug das wasser übersich treiben, und also auf schlösser und höhen bringen, wie solche wasserkünst an vilen orten angericht sein. Mathesius 145ᵇ. auch blosz kunst: agoga, ubi machinis quibusdam aqua extrahitur, ein kunst. Trochus O 4ᵃ. so noch in vielen städten, z. b. in Leipzig, nunmehr die alte kunst (amtlich) gegenüber der neuen wasserleitung, die aber auch den alten namen amtlich fortführt als neue wasserkunst. nd. waterkunst, z. b. in Stralsund, wo bei Dähnert 262ᵇ auch eine einzelne zapfröhre de kunst heiszt, na de kunst gân wasser holen.
e)
in städten auch die feuersprütze, in Nürnberg feuerkunst (s. d.), in Erfurt kunst schlechthin. bei Leipziger bäckern die kunst, anderwärts wasserseige, ein kasten mit drahtboden, das wasser von dem genetzten weizen zu entfernen ( Adelung). In der Schweiz kunst küchenherd mit künstlicher vorrichtung, s. Stalder 2, 144, appenz. stubenofen der mit vom kochofen in der küche gewärmt wird Tobler 117ᵇ (chôst, s. I, d): wol hatte sie eine sog. kunst in der stube, d. h. einen tritt am ofen von sandstein, welcher durch das kochen von der küche her warm wurde. Gotthelf 4, 141. 12, 93. im Vorarlberg auch kochmaschine im küchenofen, sächs. maschine schlechtweg.
6)
Wenn kunst seinem mutterworte können über dessen 2. bed. hinaus nicht gefolgt ist, nicht bis zu der bed. des vermögens und der möglichkeit, so finden sich doch versuche, ansätze dazu.
a)
kunst als physische kraft gibt wirklich Adelung an, der es selbst als erste bed. ansetzte, weil er das von können als älteste bed. annahm, 'eine veraltete bed., in welcher man nur noch zuweilen im gemeinen leben sagt (wo?) seine kunst an jemanden oder an etwas beweisen, seine stärke, kraft oder macht', mit verweisung auf eine ahd. gl. chunstiger potens (in scripturis), s. Schilter 175ᵇ, Graff 4, 414, vgl. dazu sp. 1729. aus dem 15. jh. könnte vielleicht zeugnis geben das lied vom Schüttensam Uhland volksl. 345 wie im der kunst zerran, wie ihm das räuberhandwerk gelegt ward, eig. wie er nicht weiter konnte? oder ist list gemeint? vgl. auch Nib. 2222, 2? s. dazu kunst unde kraft sp. 2674 mitte. des vûres (feuers) kunst pass. K. 30, 28 kann wol wirklich nur kraft, macht sein.
b)
sehr merkwürdig im Appenzell 'es ist e chost', es ist eine kunst, als geläufige antwort auf eine aufgestellte vermutung, der man zustimmt, 'es ist gar leicht möglich, ich zweifle nicht daran' Tobler 117ᵇ, also kunst als subst. zu es kann sein, 'es kann' (sp. 1739), das sich denn auch älter finden musz, es stützt zudem Adelungs angabe.
c)
was ist kraft oder kunst, rosa voc. 1482 r iijᵃ?
7)
Spaszhaft endlich kunst podex im 16. 17. jh.: so will ich dieselbige zwene teufel, meine feinde, in die lateinische kunst weisen, dahin sie denn gehören. Luther tischr. 3, 81 Först. (60, 55. 73 Irm.), var. in ars werfen; das überige (von Erasmi buche) war gut Pilato zum opfer, die kunst daran zu wischen. 3, 273 (60, 314), s. auch kunstloch, kunsthummel;
welcher des zwilchen betts nicht fro,
leit billig mit der kunst im stro.
Eyring 1, 233 u. ö.;
es ist ein schulwitz, die lateinische kunst, d. i. ars.
Zitationshilfe
„kunst“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/kunst>, abgerufen am 27.06.2019.

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