krank
Fundstelle: Lfg. 9 (1869), Bd. V (1873), Sp. 2023, Z. 10
infirmus, aegrotus, comp. kränker.
I.
Vorgeschichte des wortes.
a)
goth. fehlt es oder ist nicht bezeugt, eigner weise auch ahd. (woher hatte J. Grimm gramm. 2, 281 chranh fragilis?), gewiss nur durch zufall, wie alts.; denn da es im 11. jahrh. als rheinfränkisch bezeugt ist, 'debilis cranker' Nyerup 322, so kann es auch in jenen beiden benachbarten gebieten nicht gefehlt haben, wenn es auch seltener sein mochte. auch ags. selten, cranc flexus, debilis, moribundus Ettm. 399 aus Lye. in einer altfries. rechtsquelle cronc todtkrank, cronkebedde sterbelager Richth. 879ᵇ. altn. krankr leidend, auch schlecht, schlimm, widerwärtig.
b)
mhd. kranc, doch noch nicht in der heutigen bed., diese war vertreten durch siech, ahd. siuh, goth. siuks, ags. seóc, altn. sjûkr, dän. syg. mnl. mnd. cranc wie mhd., nnl. nnd. krank wie nhd.; ebenso schwed. norw. (nicht dän.) krank, isl. kránkur, auch franz. normann. cranche. endlich engl. crank, aber in der bed. frisch, munter, keck, ebenso cranky, aber diesz auch krank, wie schott. crank.
c)
es gehört zu dem unter krampf besprochnen stamme und wird urspr. das eingeschrumpfte, schwächliche, kraftlose bezeichnen (vergl. unter kracke sp. 1930), doch wol zuerst von menschen, greisen oder gelähmten. das dazu gehörige starke verbum ist ags. noch zu sehen in cringan, crincgan, crincan, gecringan fallen, im kampfe, durch wunden (s. z. b. Andr. 1031), eig. wol das einziehen, zusammenfallen des plötzlich gelähmten körpers. daher noch engl. cringe zusammenziehen, krümmen, auch sich tief verbeugen (katzenbuckeln), nordengl. crinch to crouch together, ferner crinkle dial. gleich to rumple, shrink; schott. crank adj. ist noch zugleich infirm, weak (leidend) und crooked, distorted (verkrümmt, verdreht) Jamieson 1, 267ᵃ, der begriff des runden tritt deutlich auf in altengl. cranke garnwinde u. ä. (prompt. parv. 100ᵇ). die gleiche begriffsentwickelung zeigt lat. viere winden, vietus verschrumpft, welk, viescere welken.
d)
das engl. shrink vorhin, einschrumpfen, zeigt den stamm mit s-, ags. scrincan (norw. skrekka, praet. skrakk), das unserm schrimpfen gleich steht, und diesz wieder dem krimpfen, wovon krampf, der vor alters auch kranch hiesz (s.krampf III, 7), vgl. engl. crank fallende sucht; der kreis der begriffe und der formen schlieszt sich mit schwed. krämpa kränklichkeit (neben krampa krampf), das dem nhd. kränke gleich steht, wie ahd. chramph krumm dem krank. weiteres unter krampf, kring.
II.
Das nhd. krank.
1)
die urspr. bed. leibesschwach, kraftlos, gelähmt ist noch tief ins nhd. gekommen.
a)
von menschen, 'infirmus, languidus, debilis' voc. inc. teut., 'swach, plode (blöde), verlemt' voc. th. 1482 r 2ᵇ, ganz wie mhd., wo es im gegensatz mit stark, kreftic, veste erscheint. natürlich besonders von schwächung durch krankheit oder alter: ob der siech (der kranke) krank oder stark sei. Braunschweig chir. 39, danach soll sich die behandlung richten, man sieht wie scharf da noch krank und siech geschieden sind; antiquare, krang werdin. Dief. 38ᵇ, alterschwach; krank und onmachtig der kreft halben (in bezug auf die kräfte), invalidus, krank sein oder werden, languere, languescere. voc. inc. teut.; krank von einer wunden, aeger ex vulnere, 'krank und schwach' werden, viribus deficere, kranke und blöde glider. Maaler 251ᵃ; das er in seinem alter an seinen füszen krank war. 1 kön. 15, 23. daher mit schwach zusammen, das ihm da seine alte bed. sicherte: weren beidsammen krank und schwach (alte eheleute, in bezug auf das ehewerk). Wickram rollw. 75, 23. bei Stieler schon nicht mehr, obwol es noch im 17. jh. gebraucht scheint:
wie elend ist er doch (Christus am kreuz), wie krank! wie matt! wie blasz!
wie wund! wie zugericht!
Fleming 8 (Lapp. 21, 219).
b)
aber auch ohne jeden bezug auf krankheit oder schwächung, z. b.: daʒ kränker gesläht, das weibliche Megenb. 183, 10; daʒ sterker schol dem kränkern vertragen (nachsehen). 126, 12, vom zusammenleben von mann und frau;
der schwache wird vom starken gschlagen,
der kränkest musz das liecht auch tragen.
Waldis Es. 1, 65, 18,
d. h. sich zu niedern diensten hergeben, s. unterdilmann 2, 1150.
c)
die alte bed. gilt bis heute weidmännisch: krank nennt man das wild, wenn es verwundet ist, oder auch wenn es von einer krankheit befallen ist. v. Thüngen waidmanns pract. 302; schiesze ich denn ein thier wiedewund, so lasse ich es etwas gehen, dasz es krank werde, nehme den hund u. s. w. Döbel 1, 107ᵇ, bis die wunde lähmend wirkt, noch die älteste bed., die auch der voc. th. 1482 ausdrücklich ansetzt in 'kranke, saucia' r 3ᵇ; vgl. bei Megenberg: wenn ain mensch nâhent zuo des rephuons nest, sô lauft diu si willicleich gegen demselben und tuot als ob si krank sei an einem fuosz oder an einem flügel. 215, 22. noch jetzt übrigens bedeutet nd. krank schwach. Dähnert 253ᵇ, krenke körperschwäche Schambach 112ᵃ (krankheit kranke f. 111ᵇ).
2)
die heutige bed., aegrotus, gegensatz vongesund; ebenso giengen lat. infirmus, languere, languescere, griech. ἀσθενής, ἄρρωστος allmälich in die bed. krank im ärztlichen sinne über, mlat. infirmarium, it. infermeria, frz. infirmerie, engl. infirmary ist geradezu krankenhaus, auch valetudo gesundheit ist eig. stärke. es werden anfangs gern krank und schwach verbunden, da auch schwach allein so gebraucht war, wie stark für gesund, s. nachher unter a aus dem Eulensp. 97 und aus Strobel.
a)
mhd. ist kranc so nicht belegt, musz aber schon im 14. jh. bestanden haben (s. krankheit 2, kranken), ja früher (s.kränken 2). im 15. jh. hd. und nd. (s. Dief. s. v. eger, egrotus). beachtenswert ist, dasz Kil. nl. neben krank aegrotus besonders angibt 'krank, melaetsch, leprosus', krank am aussatz. den übergang aus der alten in die neue bed. zeigen stellen wie folg.: alsô schalt der herre den turnhüeter und sprach: du macht wol krang in dem houbete sîn (nicht recht bei sinnen). Nicolaus v. Basel 149;
die wart siech, so tötlich krang,
das der tot ir herz bezwang.
H. v. Bühel Diocl. 29, v. j. 1412;
er wart krank, siech und ser betoubt.
Behaim Wiener 15, 24;
du (wein) trostest die kranken in den spitaln.
altd. bl. 1, 406
ein mann klagt über seine frau:
kum ich zu ir und wil ains schimpfen (scherzen, beiliegen),
so krümpt sie sich und wirt sich rimpfen
und sagt sich krank und macht sich schwach.
fastn. sp. 771, 15;
Brant im narr. cap. 38 handelt von kranken die nit volgen (dem arzte), er schlieszt aber noch verwundete ein, siech v. 23 bezeichnet den kranken im heutigen sinne; elend und fast (sehr) krank ward Ulenspiegel. Eul. cap. 90; mein lieber sun, wa bistu krank? das.; als nun U. ie krenker ward. 93; und die saw und die jungen ferlin liefen zustrawet in dem spital (wo Ul. gestorben), so daʒ sie sprungen und liefen uber die pfaffen, uber die beginen, uber die kranken, uber die starken. 94; sie (die kranke messe) soll (wird) woll meer krank, taub und blöd werden von euwerm (der klagenden) geschrei, dan stark und lebend. die kranke messe, Strobel neue beitr. 1, 2, 52, immer noch mit dem gefühl des eig. begriffs.
b)
im 16. jh. erscheint die neue bed. ganz gelöst von der alten (aber gewiss schon früher, schon unter a läszt sich doch manches so auffassen): der selbigen bruder Lazarus war krank. Luther Joh. 11, 2 und oft, selten aber siech; verletzte, erlegte (vor erschöpfung liegen bleibende), kranke knecht (kriegsknechte). Fronsp. kriegsb. 1, 65ᵃ, von verwundeten unterschieden, während urspr. diese recht eigentlich kranke waren. es bezeichnet jetzt meist das vorhandensein einer bestimmten und zwar inneren krankheit, unterschieden von siech, leidend, ungesund, kränklich, unwol, unpasz u. a.: selbst bin ich doch eben auch nicht krank, sondern blosz nicht gesund. ich habe ein schlimmes fluszfieber gehabt, und habe es noch. Lessing 12, 540. es heiszt schwer krank, zum tode oder todtkrank, sterbenskrank, ferner fieberkrank, gichtkrank, pestkrank u. a., brustkrank, unterleibskrank, augenkrank, milzkrank u. a., auch seekrank (schiffkrank Wilw. v. Sch. 177), schulkrank, scheinkrank.
c)
natürlich auch von einzelnen körpertheilen: chiragra, ein krangk hand. Dief. n. gl. 91ᵇ; kranke milz, kranke leber, kranker zahn u. s. w.
d)
substantivisch (schon unter a mehrfach), der kranke, die kranke, öfter doch, den ärzten abgelernt, patient, patientin:
welcher krank kein wib nit het,
der musz lang siechen in dem bett.
Murner geuchm.953 Scheible;
er machte das gemeine sprichwort war 'da der krank genas, je ärger er was'. Simpl. 1, 578, war er ärger als zuvor Frisch 1, 543ᶜ; jetzt drang weiter kein laut laut aus der kerkerwohnung der edeln kranken. Thümmel 6, 54. Früher selbst von thieren ein kranker, wo man jetzt wenigstens das neutr. brauchen würde: die kámelthier haben einander dermaszen lieb, dasz sie immerdar begeren, samentlich und miteinander zu essen. wofern auch ein kranker under ihnen verhanden, der nit essen mag, alsdann ist ein notturft, dasz man ihne ausz ihrer gesellschaft hinweg thue, seitemal von wegen seines fastens die andern gleichfals fasten und nichts essen würden. Albertinus der welt schauplatz 227.
e)
es wird mit an verbunden, um den kranken körpertheil zu bezeichnen: krank an der milz, krank an leib und seele (wie gesund); aber auch vom grunde der krankheit: krank an der auszehrung, am fieber u. a.:
wer nur am regen krank gewesen,
der mag durch sonnenschein genesen.
Uhland ged. 64.
mit von: krank vom ärger; ward er krank von der hitze und starb. Judith 8, 3. mit vor: legt sich nieder und ward fur leid krank. 1 Macc. 6, 8; ich bin krank fur liebe. hohel. 2, 5; vor ärger, zorn, sehnsucht, dazu liebeskrank, liebekrank, heimwehkrank. für niederkommen sagte man auch:
grüsz euch, gevatter, meine Liese
wird heute zu dem kinde krank.
volkslied.
f)
seelenkrank, geisteskrank, herzenskrank: krank fleisch, kranker geist. Simrock spr. 2511. Schottel 1134ᵃ; krank am herzen, traurig, bekümmert, aeger animi. Maaler 251ᵃ; mnd.
dâr van em wart sîn herte krank.
Haupt 5, 393, 330.
arm am beutel, krank am herzen.
Göthe 1, 198;
noch macht der saft der purpurtraube
des menschen krankes herz gesund.
Hölty 252.
g)
gleich krankhaft (zugleich bildlich): er hat kranke farbe, ein krankes ansehen; sein schönes angesicht, das schon kranke blasse farben trug. J. Paul Tit. 3, 185;
weine dich aus, nur lasz diesz kranke zucken.
Körner Zriny 2, 3;
nun reiszt sie ziegellos (so),
die kranke phantasie, ihn fort.
Lessing 2, 511;
die kranke ruhmbegier.
Gökingk 1, 63;
seine kranke empfindlichkeit, die über ihn herscht und seine gefühle bis zum peinlichen treibt. Schiller 1201ᵇ; ein krankes toben. J. Paul Tit. 3, 167;
mir will das kranke zeug nicht munden,
autoren sollten erst gesunden.
Göthe 3, 250.
bildlich schön bei Fleming:
bald kömmt der fröde herbst mit seinen kranken lüften,
mit dem (so) er alle zier weisz tödtlich zu vergiften.
124 (38 Lapp.),
wo nicht krank machend gemeint ist (vgl. u. kränken 2), nachher nennt er das. die herbstlichen bäume krank.
h)
krank sein, wofür kranken wenig gebraucht ist, heiszt gern krank liegen, wie darnieder liegen, sich legen:
juwe vader krank lach to bedde.
Rein. vos 5289;
unsre fürstin lieget krank.
Logau 2, 120, 4;
entsprechend krank fallen (vgl. unter krankheit 2), wie engl. fall sick, frz. tomber malade, gewöhnlich krank werden, gewählt erkranken:
und war darob so höchst betrübet,
dasz aus überhäuften schmerzen
er endlich krank zu bette fiel.
Hoffmannswaldau getr. sch. 43.
selbst, wo von liegen keine rede mehr ist: Alexander Magnus, der schon lange an solcher regiersucht krank gelegen. Pasquini staatsphantasien (1697) 216; bin ich denn etwa ein mann, der an der einbildung krank liegt? Gellert 1784 3, 392. und bildlich: dem groszen geltmangel, an welchem die vorige und alte zeiten sehr krank gelegen. Schuppius 783.
i)
sich krank lachen, von überwältigendem lachen, vielleicht noch nach 1:
solt euch des narrn halb krank lachen.
J. Ayrer 401ᵇ;
dasz wir die bäuch mit beiden henden heben (halten) und endlich aufhören musten etwas weiters zuerzehlen, wolten wir anders nicht krank übrigen lachens werden. Simpl. 1, 714; ich habe mich bald (fast) krank gelacht über ihn;
ha! ha! ha! zum kranklachen!
Fr. Müller 2, 112.
auch so: wofern einer auf einem hohen thurn stünde und alle bemühungen der weltmenschen sehe, so würde er sich gewisslich zu krank lachen oder wainen. Albertinus narrenh. 147;
auch Bukos geist,
der stadtprophet ...
hat schon nach euch
sich krank gefragt.
Kl. Schmidt poet. br. 50,
volksmäszige übertreibung, wie sich krank wundern u. a.:
hab ich mich doch bald krank gewundert.
Bechstein deutsch. mus. 1, 250 (17. jh.).
k)
krank sein nach etwas, von heftigem, schmerzlichem verlangen, wie mhd. mir ist wê nâch .., vgl. unter kränken 5, e:
nach dir so wird ich krank.
Uhland volksl. 130;
ich bin, schatz, krank nach dir. komm, lasz mich nicht so quälen.
Fleming 607 (513 Lapp.);
arzt (Christus), ich bin krank nach dir.
546 (444 L.);
ich bin, schatz, krank nach dir.
zeit. f. d. elegante welt 1838 s. 936.
tirol. ganz krank sein auf etwas, sehnsüchtig danach verlangen. Schöpf 339.
l)
auch von pflanzen, die lebend gedacht werden (wie gesund, todt, absterben u. a.): die bäume sind krank seit dem hagelschlag; der rosenstock ist krank. auch kranke trauben, kartoffeln u. ä.; bildlich von einem stammbaum:
dankt mirs, Franzosen,
dasz ich den kranken stamm mit reinem zweig
veredle.
Schiller 455ᵇ.
in handelsberichten ist von krankem weizen u. dgl. die rede, schadhaftem, notreifem, aber auch von kranker waare, beschädigter (Weserzeitung 1859).
m)
von unsinnlichen dingen, insofern sie belebt gedacht werden:
damit errettet würd mit glückseliger hand
vom vorstehenden tod das kranke vaterland.
ged. v. 1632, Opel u. Cohn 30j. kr. 283;
so hat die christliche religion kranke stellen, die schlechterdings keine betastung dulden? Lessing 10, 192;
was sollen deine götter,
des kranken weltplans schlau erdachte retter?
Schiller 21ᵃ (resign.),
fast mehr nach 3, wie mhd.; der staat ist krank (erkrankt), wie man da auch von heilung, heilmittel, arzt u. dgl. spricht;
krank ist die zeit; doch glaubs, sie musz gesunden,
nicht alter lallt aus ihren schweren wehen,
nein jugend, so an altes noch gebunden.
Dingelstedt ged. 163;
man spricht von der culturkranken zeit.
n)
auch von leblosen dingen, die damit als belebt gedacht werden:
der sturm flog klippenhoch, der mast gieng über bort,
so must' auch der meisen (besanmast) von grund aus mitte fort.
so trieb das kranke schiff, mit tiefen ganz beschlossen,
mit wasser unterschwemmt, mit wellen übergossen,
des wetters leichter ball.
Fleming 80 (168 L.),
wie er ein gescheitertes schiff das todte schiff nennt s. 82. 104, da starb das edle schiff 204, vgl. übrigens kränken 4, a vom schiffe, wonach diesz krank schifferausdruck zu sein scheint, trefflich stimmend zu der alten vermenschlichung des schiffes;
indem kein stern die bange nacht erheitert,
verirret sich das kranke schiff und scheitert.
Uz 1, 57 (86 1768).
oberbair., tirol. heiszt es vom abnehmenden monde, er ist krank, vom schnee, wenn er zuerst ins schmelzen kömmt.
3)
Schwach in allgemeinstem sinne; so mhd. in vielfältigem gebrauche (s. auszer dem mhd. wb. Schmeller 2, 389 und Mones beispielsamml. anz. 8, 542), und noch im 16. 17. jh., nl. aber bis heute (z. b. een kranke troost, ein schwacher trost, een krank gebouw baufälliges haus); es ist unmittelbare übertragung von 1, z. b. kranke, schwache verdauung:
gsundheit sprach: auch erhüngerst du
die leut, machst in die dewung krank.
H. Sachs 1, 462ᵈ.
bei dichtern einzeln noch in neuerer zeit, wol aus lectüre:
gar innig ward Sarpedon dessen froh
und rief mit matter, kranker stimm' ihn an.
Bürger 166;
krankes roth noch tief im westen dämmernd.
Kosegarten;
ein matter, kranker strahl.
Tiedge.
hervorzuheben scheint besonders folgendes:
a)
von streitkräften: als lang derselb krieg wert, wan herzog Ludwigs folch ausz zoch uf ir feind, so gelang in allweg wol zuͦ veld, ob (obgleich) si vil krenker waren dann ener (jener) tail. Augsb. chron. Mones anz. 6, 378, städtechron. 4, 121;
lieben fründ, lând uns nit gâchen (eilen),
disem folk (kriegshaufen) sind wir zu krank.
Lenz Schwabenkr. 65ᵇ.
b)
vom menschen und seinem thun: und ein solcher gebraucht sich itzund hoher wort, der dann mit kleiner und kranker stimme reden wirt. Aimon bog. 1, kleinlaut;
da hört und hört er nicht ein weinen und ein ach,
so sehr war diese stimm' ermüdet, krank und schwach.
Werder Ariost 11, 33, 4, it. debole;
Luther von Moses stil: zu weilen über die masz reich ist und daher schwemmet mit worten, widerumb auch zu weilen so krank, das er kaumet tröpfelt und viel ding mit einem wort ausrichtet. 4, 53ᵃ, er hat einen bach im sinn, der krank ist;
undank, undank
macht gutthat krank.
meisterl. b. Morhof unterr. (1718) 315ᵃ,
schwächt, lähmt sie, macht sie zu nichte;
zu hof ist oft die tugend krank.
Schottel 991;
brüderlich lieb, die ist (jetzt) ganz krank.
Kohlros betrachtn. D ijᵇ;
ja, menschen dank
ist schwach und krank,
verschwindet mit den jahren.
Rist himl. lieder 2, 121.
c)
von sinn und geist:
da wär mein kranker sinn (verstand) schuldig an,
dasz ich mich nicht pasz kund verstan.
fastn. sp. 409, 2;
fürwar ich bin nit so hart von leib, als ir von sinnen krang gewesen. Schöfferlins Livius 168ᵇ; der man findet schwacheit und kranken mut (sinn) am weibe, sie zörnet leichtlich, wänet immer sie werde verachtet und nicht genug geliebet. Fischart ehz. 538 Sch.
d)
von vermögensverhältnissen, vermögen ist ja eig. valere: krank und arm, egenus. voc. inc. teut. n 6ᵃ. Dief. 196ᶜ; es ist nicht zu viel (das geld zum schmaus) .. und dürft euch deswegen nicht so gar krank anstellen, wir wissen wol in welchem vermögen die euren seind. Schoch studentenleben H 5ᵃ. so krank im beutel Fischart groszm. 56 (589), beutelkrank, krank am gelte, geltkrank, armkrank Stieler 1025. mhd. guotes krankheit, an guote kranc g. Gerh. 935. 891.
e)
auch von dingen, die damit eigentlich als lebendig gedacht sind: eins wil ich ûch rôten, daʒ ir die cappelle mit nûte (mit nichten) zuo einre sacristîgen machent, wanne die mûren sint zuo krang darzuo. Schmidt gottesfreunde 139; doch sich das schiff zu der wer stalt, aber es den zweien galeen zu krank war. Bocc. 1535 93ᵃ; wa sie zugen (die Hussiten), da floch iederman vor in ausz klainen kranken stetten. Augsb. chron. 2, 92, 17; dieser predigstul, lieben brüder, ist jetzund krank, es wirt von nöten sein, das man aus einer eiche einen andern mache, der stark und fest sei. Bebels facet. deutsch Frkf. 1589 5ᵃ; die schwachen und kranken gründ die bedörfen vil mistens und oft. Herr feldbau 23ᵃ; es ist nit leichtiglich zu wissen, wann man herbst machen soll, darum auch etlich kranken wein machen, die vor der zeit die trauben auspressen. 62ᵇ, ist doch auch nach 4 zu verstehn; ob schon der sallitter (salpeter) etwas feuchtigkait gewinne, so mag doch die koln darvon nit krank werden noch abnemmen. feuerbuch von 1591 bei Schmeller.
f)
krank an wert: wær aber das gelt an dem korn und an der mark umb ain unz oder umb mer ze krank. alter münzbrief bei Schmeller; und wer es, das ein gelte an der marke umb ein vierteil eins quintins zu krang were, das sal man ligen lassen und nit uszgeben .... wer es aber das es mee dan umb ein virteil eins quintins zu krang were, so sal man es widder versmelzen. oberrhein. münzvertrag v. 1409, Mones zeitschr. 2, 424; so die obgenanten zehen jare usz sind (für die der fährpacht abgeschlossen war), so sol man die schiffung (schiffsverkehr) schetzen, wie guͦt (einträglich) sie dann zuͦr zit si. wes sie dann krenker were dann 65 gulden ... das sol Berchtolt uns .. heruszgeben. 9, 402 (1480), s. 413 ebenso swecher (1433).
4)
Daher überhaupt wertlos, gering, schlecht, nichtig, 'snode, swach, vilis' voc. th. 1482 r 3ᵇ, schon mhd. allgemein, wie swach.
a)
z. b. ein nutzer pawman (bauer) und ein kranker, unorauchbarer. mon. boica 2, 514; so het Demosthenes muter messer und kranke hab fail. Muglein Valer. Max. 45ᵃ (Augsb. 1489); krankes zerrissens klaid. voc. 1482 r 3ᵃ;
sein wasser liesz er mischen
mit hunig, daʒ was sein getrank.
sein essen was auch vil zu krank.
Behaim Wiener 132, 20,
auch nach 3, e zu verstehn. noch Günther von einem gedichte.
und liest mir (himmel hilf! ietzt hat mein ohr gefahr!)
ein krankes carmen vor.
389.
b)
krankes leben, dem tode nahe.
doch furchte ich, hetten si in bi dem halse,
sin leben were werlich krangk.
Haupts zeitschr. 8, 320,
wäre nichts wert oder nichtig gewesen (vgl. u. kränken 4, b die stelle Uhlands volksl. 192), nach mhd. weise ironisch als starke verneinung, wie kleine (sp. 1095 e).
c)
geistlich gemeint ist krankes leben im folg.:
in diesem kranken leben.
Ringwald ev. P 1ᵃ u. o.;
die tage geben schein (glänzen in ruhm),
weil (so lange) auf der kranken welt nur tage werden sein.
A. Scultetus bei Lessing 8, 275.
von 'diser kranken welt' ist lange vorher oft die rede in geistlichem sinne, z. b. bei Megenberg 162, 2, und ebenso heiszen weltliche dinge vielfach krank.
5)
mhd. selbst auf form und körper übertragen, wie schwach, dünn; jungfrauen heiszen dâ mitten kranc Parz. 423, 18, mit dünner taille, die selbst die krenke hiesz. auch für schlank, von einem rôseboum hôch unde kranc MSH. 2, 337ᵃ (MS. 2, 209ᵃ). in der schilderung eines edlen rosses heiszt es sîn houbet was rehte kranc Flore 2758, zierlich, schlank gebaut. diese bed. liesze sich selbst als die erste ansetzen, eig. eingeschrumpft, und an verwandtschaft von gracilis denken; die bed. der wörter mit denen diesz Curtius gr. et. 1, 122 zusammenstellt, würde völlig dazu stimmen, nur die lautstufe nicht.
krank
Fundstelle: Lfg. 9 (1869), Bd. V (1873), Sp. 2028, Z. 28
als subst., der krank, mhd. kranc, wie der gesunt.
1)
krankheit, so nürnb., z. b. er hat seinen alten krank Schm. 2, 389, kärnt. Lexer 166, tir. Fromm. 3, 111; vgl.krampf III, 7.
wem ich ein gesundes jahr wüntsche, weisz mir jeder dank;
nur der doctor will nicht dran, andrer frisch das ist sein krank.
Logau 2, 2, 88,
er liebt es freilich, adjectiva so (wie blau, rot u. s. w.) auf eigne hand zu substantiven zu erheben und meint es jedenfalls als neutrum, wie in folg. für das kranke, was krank ist:
wie schön, wie weisz ist schne? o bisz die sonne sticht:
und schön hat alt und krank auch leichtlich hingericht.
2, 3, 10.
2)
beeinträchtigung, abbruch, s.kränken 4; so mhd. (auch schwäche, mangel, unvollkommenheit), und noch im ersten nhd. (s. Schmeller): mangerlei krank, hindernüs, verderben und irsal, so dann baiden stanten, gaistlich und werntlich, daraus erstent (aus dem kriege). Nürnb. chron. 2, 165, v. j. 1449; das uns ein groszer krank und hindernis ist in unsrer nahrung. Krenner bair. landtagsh. 1, 209; ob ihnen einiger krank oder abbruch an ihrer freiheit widerführe. 11, 226; ob ihnen einiger krank, eintrag oder beschwerde aufgelegt wäre. 11, 304. beachtenswert auch in schwacher form: wer der wer, der uns daran engen, irren, darein greifen, oder kainen kranken darinn thun wolt. mon. boica 5, 204, ist das alt und echt?
Zitationshilfe
„krank“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/krank>, abgerufen am 24.07.2019.

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