krämerei, kramerei f
Fundstelle: Lfg. 9 (1869), Bd. V (1873), Sp. 1999, Z. 10
1)
kramhandel, mhd. kræmerîe Oberlin 828, vgl. krämern.
a)
im eigentlichen sinne:
er hat im kremerei erkorn (will krämer werden).
fastn. sp. 481, 3,
nerst du dich mit der kremerei.
478, 21
ich werd mit kremerei bald reich.
482, 2
mit der krämerei wird es in zwanzig jahren sehr betrübt aussehen, da sich alles in krämer verwandelt und zuletzt einer den andern zu grunde richten musz. Möser phant. 1, 40; die rechtshöfe, welche die krämerei für die handlung (den eigentlichen handel) ansehen und dasjenige, was von der handelsfreiheit mit recht gilt, der krämerei zu gute kommen lassen. 1, 21; sodann erfahren wir gar manches von gewerben und handwerken, und wie solche durch fabriken überflügelt, durch krämerei untergraben werden. Göthe 26, 241; von der mannichfaltigen krämerei .. welche man .. in Neapel bemerkt. 28, 262.
b)
tadelnd, wie krämer 1, d (vgl. hier 5): die jetzige krämerei mit der münze und dem leichten golde. Möser phant. 1778 2, 334, kipperei, agiotage, auch hökerei. ablaszkrämerei u. ä.
c)
bildlich: wann dieser gute handel und krämmerei der verdienstlichen werk solt in abgang kommen? Fischart bien. 1588 104ᵃ; alle die unterschidene gattungen von kaufmanschaften, finanzen, kremereien und simoneien des .. papsts zu Rom. 248ᵇ; hernach .. hat man .. ein rechten jarmarkt oder kremerei darausz gemachet (aus der kirchl. messe). Flacius vorr. zum Otfrid β 8ᵃ; ich bekenne, dasz unterschiedene .. gesandten mich .. adhortirt haben, ich solle selbige predigt trucken lassen und sie ihren principalen dediciren. allein ich hab mit solchen dingen keine hoffart oder kramerei treiben wollen. Schuppius 216.
2)
der kram selbst, nl. kraamerij: ist daʒ ein gast (fremder) her kumet mit crâmerîe oder mit crâmgewande, di sal he zu mâle verkoufen mit einander den (hiesigen) crêmeren. Freiberger stadtr. cap. 46;
und wil im (sich) kaufen ros und karrn
und kremerei im land umb furen.
fastn. sp. 481, 8;
ir hern, kauft auch meiner kremerei,
lugt, was euch hie gefallend sei.
791, 26. 373, 12;
das man keine kaufmanschaft oder kramerei in der kirchen oder auf dem kirchhof sol lassen feil haben. Schütz Preuszen 123;
köstliche wahr und krämerei,
welchs man da fand zu kaufen frei.
Haupt 3, 244.
3)
diesz angewandt wie kram 5, zeug, allerlei, auch gerümpel, s.kramen 4: ich bin an der leinwandkammer (des hofschulzen) durchgegangen, der flachs und das garn, das gebild, die wäsche und alle mögliche kramerei ist bis unter die decke gestopft. Immermann Münchh. 1, 140 (263); einen lackeien oder heiducken oder was für kramerei und package er sonst um sich hat. 4, 132 (242). gewiss älter und auchkrämerei.
4)
von kramen 4, beschäftigung mit kram, kleinliches thun: von allen andern h. ceremonien der kirchen, welche man zur zeit der metten, der non, der vesper, der completen und andern gezeiten mit groszer andacht übet, zusampt allen den grillen und krämereien die dabei vorgehn. Fischart bien. 158ᵇ (1588 174ᵃ)), bei Marnix 163ᵇ aber grillen ende kirimirien, d. i. wunderliches, kleinliches thun, gaukelei; die priester richten ir kremerei auch zuͦ. Frank weltb. 132ᵇ; allerlei kremerei der messen (bei der messe). Luther 5, 295ᵇ;
und dasz sie (die priesterröcke) oftermals mehr groll und grillen hecken,
als der beschriene staat (stand) der actenkrämerei.
Günther 597.
jetzt ohne umlaut: ob ich gleich zwischen kisten, koffern und alten papieren sitze mit dem festen vorsatze, mich durch nichts stören zu lassen, um heute mit dieser kramerei völlig fertig zu werden. mad. König an Lessing 13, 560, räumerei; wenn die festtage nahen, gibts allemal viel kramerei im hause; aktenkramerei, durchstörung der unordentlichen repositur. Riemer mitth. üb. Göthe 2, 81, mit umlaut: er hatte viel aktenkrämerei. 87, doch mehr im folg. sinne.
5)
zu krämer 2: man könnte denken, dasz dies alles nur eine krämerei mit worten sei. Kant 1, 36; anekdotenkrämerei, jagd auf anspielungen. Reinhard an Göthe s. 120. kleinigkeitskrämerei, geheimniskrämerei, kleinkrämerei u. a.
krämerei, kramerei f
Fundstelle: Lfg. 9 (1869), Bd. V (1873), Sp. 1999, Z. 10
1)
kramhandel, mhd. kræmerîe Oberlin 828, vgl. krämern.
a)
im eigentlichen sinne:
er hat im kremerei erkorn (will krämer werden).
fastn. sp. 481, 3,
nerst du dich mit der kremerei.
478, 21
ich werd mit kremerei bald reich.
482, 2
mit der krämerei wird es in zwanzig jahren sehr betrübt aussehen, da sich alles in krämer verwandelt und zuletzt einer den andern zu grunde richten musz. Möser phant. 1, 40; die rechtshöfe, welche die krämerei für die handlung (den eigentlichen handel) ansehen und dasjenige, was von der handelsfreiheit mit recht gilt, der krämerei zu gute kommen lassen. 1, 21; sodann erfahren wir gar manches von gewerben und handwerken, und wie solche durch fabriken überflügelt, durch krämerei untergraben werden. Göthe 26, 241; von der mannichfaltigen krämerei .. welche man .. in Neapel bemerkt. 28, 262.
b)
tadelnd, wie krämer 1, d (vgl. hier 5): die jetzige krämerei mit der münze und dem leichten golde. Möser phant. 1778 2, 334, kipperei, agiotage, auch hökerei. ablaszkrämerei u. ä.
c)
bildlich: wann dieser gute handel und krämmerei der verdienstlichen werk solt in abgang kommen? Fischart bien. 1588 104ᵃ; alle die unterschidene gattungen von kaufmanschaften, finanzen, kremereien und simoneien des .. papsts zu Rom. 248ᵇ; hernach .. hat man .. ein rechten jarmarkt oder kremerei darausz gemachet (aus der kirchl. messe). Flacius vorr. zum Otfrid β 8ᵃ; ich bekenne, dasz unterschiedene .. gesandten mich .. adhortirt haben, ich solle selbige predigt trucken lassen und sie ihren principalen dediciren. allein ich hab mit solchen dingen keine hoffart oder kramerei treiben wollen. Schuppius 216.
2)
der kram selbst, nl. kraamerij: ist daʒ ein gast (fremder) her kumet mit crâmerîe oder mit crâmgewande, di sal he zu mâle verkoufen mit einander den (hiesigen) crêmeren. Freiberger stadtr. cap. 46;
und wil im (sich) kaufen ros und karrn
und kremerei im land umb furen.
fastn. sp. 481, 8;
ir hern, kauft auch meiner kremerei,
lugt, was euch hie gefallend sei.
791, 26. 373, 12;
das man keine kaufmanschaft oder kramerei in der kirchen oder auf dem kirchhof sol lassen feil haben. Schütz Preuszen 123;
köstliche wahr und krämerei,
welchs man da fand zu kaufen frei.
Haupt 3, 244.
3)
diesz angewandt wie kram 5, zeug, allerlei, auch gerümpel, s.kramen 4: ich bin an der leinwandkammer (des hofschulzen) durchgegangen, der flachs und das garn, das gebild, die wäsche und alle mögliche kramerei ist bis unter die decke gestopft. Immermann Münchh. 1, 140 (263); einen lackeien oder heiducken oder was für kramerei und package er sonst um sich hat. 4, 132 (242). gewiss älter und auchkrämerei.
4)
von kramen 4, beschäftigung mit kram, kleinliches thun: von allen andern h. ceremonien der kirchen, welche man zur zeit der metten, der non, der vesper, der completen und andern gezeiten mit groszer andacht übet, zusampt allen den grillen und krämereien die dabei vorgehn. Fischart bien. 158ᵇ (1588 174ᵃ)), bei Marnix 163ᵇ aber grillen ende kirimirien, d. i. wunderliches, kleinliches thun, gaukelei; die priester richten ir kremerei auch zuͦ. Frank weltb. 132ᵇ; allerlei kremerei der messen (bei der messe). Luther 5, 295ᵇ;
und dasz sie (die priesterröcke) oftermals mehr groll und grillen hecken,
als der beschriene staat (stand) der actenkrämerei.
Günther 597.
jetzt ohne umlaut: ob ich gleich zwischen kisten, koffern und alten papieren sitze mit dem festen vorsatze, mich durch nichts stören zu lassen, um heute mit dieser kramerei völlig fertig zu werden. mad. König an Lessing 13, 560, räumerei; wenn die festtage nahen, gibts allemal viel kramerei im hause; aktenkramerei, durchstörung der unordentlichen repositur. Riemer mitth. üb. Göthe 2, 81, mit umlaut: er hatte viel aktenkrämerei. 87, doch mehr im folg. sinne.
5)
zu krämer 2: man könnte denken, dasz dies alles nur eine krämerei mit worten sei. Kant 1, 36; anekdotenkrämerei, jagd auf anspielungen. Reinhard an Göthe s. 120. kleinigkeitskrämerei, geheimniskrämerei, kleinkrämerei u. a.
Zitationshilfe
„krämerei“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/kr%C3%A4merei>, abgerufen am 19.09.2019.

Weitere Informationen …