komödie f
Fundstelle: Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1683, Z. 56
comoedia, κωμωδία.
1)
zuerst erscheint es im 15. jh., in einem wol mrh. voc. ex quo: comedia, comedie. Dief. 134ᶜ. in einem Augsb. voc. von 1521 ebenda comedi, und so bei Dasyp., H. Sachs (s. 2, 630) in der betonung comédi, unterschieden wie jetzt von tragédi, vielleicht unter dem einflusse des ital. commédia (tragédia), wie komödiant wol aufs ital. zurückgeht. so noch bei Ayrer auf dem titel des opus theatricum Nürnb. 1618 comedien und tragedien, im sg. wechselnd comedi und gelehrter comedia (s. Kellers ausg. s. 9 ff.). selbst Stieler schreibt auch noch z. b. singekomedie 1618, im register aber steht ganz ital. kommedienkönig u. dgl. Doch die lat. gelehrten muszten sich daran stoszen, und so ward noch im 17. jh. die lat. form hergestellt: gefragt, was newes? antwortet er: nichts newes unter der sonnen. alte comœdien, newe comœdianten. Zinkgref 1653 1, 217, im begriff aber franz. (s. 3), wie nachher auch die franz. form länger gegolten hat bei den gebildeten.
2)
aber nicht von gelehrtem oder franz. einflusse stammt es, sondern unmittelbar aus dem theaterleben, wenn es noch jetzt gebraucht wird wie spiel bildlich: es bleibt (mit der welt), wiewol unter andern masken und namen, immer die nemliche comödie. Wieland neue göttergespr. (1791) 97; und ich würde aus lauter komödie gerädert. Schiller Fiesco 2, 9. Ebenso gleich spectakel (eigentlich schauspiel) von ungewöhnlichen, besonders lebhaften vorfällen, 'scenen': was leichte beine hatte, war ausgeflogen der komödie nach (einer hinrichtung). Schiller räuber 2, 3, vorher spektakel genannt (kritische ausgabe 2, 95. 91); da sie sich über den tollen spektakel und die verfluchte komödie fast zu tode lachen wollte. Göthe 19, 280, von einem zanke in einer gesellschaft, mit ohrfeigen und degenziehen, es liegt in dem worte da ein nachklang vom bühnengeschmacke des 17. jh. (vgl. sp. 259 nach der mitte); das ist eine wahre komödie! rufen unbetheiligte zuschauer bei so einer 'scene'. auch auftritt wird so gebraucht, doch mehr von gebildeten und in ernster auffassung, nach dem höheren bühnengeschmacke des 18. jh. Komödie sank aber noch viel tiefer (noch tiefer freilich spektakel) in 'hunde- und affenkomödie', auf jahrmärkten (wie neuer und vornehmer affentheater), daher wieder in der alltagsrede hundekomödie, affenkomödie bildlich wie früher affenspiel, affentanz, närrisches, tolles treiben. Auch für höfliches thun, als überflüssig gedacht: man musz oft und viel zeit, in der man wichtige pflichten seines standes erfüllen sollte, mit ceremonien und komödien zubringen. Pestalozzi 1, 286.
3)
noch im 18. jh. und länger galt auch der franz. gebrauch des wortes für schauspiel überhaupt, z. b. in die komödie gehn, wie aller à la comédie, stimmend zu dem damaligen komödiant für schauspieler; z. b.: heute abend nach der komödie (nach dem theater). Göthe an Schiller 16. jan. 1802; den montag nach der komödie. Schiller an Göthe 18. febr. 1802. das kommt uns jetzt wunderlich vor, denn das wort ist seitdem wieder auf seine eigentliche bedeutung zurückgeführt worden und im ästhetisch wissenschaftlichen sinne gebraucht.
Zitationshilfe
„komödie“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/kom%C3%B6die>, abgerufen am 20.04.2019.

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