kobalt m
Fundstelle: Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1537, Z. 41
ein mineral und metall.
1)
die wissenschaft nennt kobalt ein metall (auch genauer kobaltmetall), das aus kobalterzen dargestellt wird; schon im 16. jh. nach folg.: weiter seind nun auch etliche metallen, die nit in der geschrift, in der philosophei der alten oder in der gemein erkennt seind, und doch metallen, als der zinken, der kobolet, die sich vom feuer lassen hemmern und schmieden. Paracelsus schriften Basel 1589 8, 350. er hat demnach auch das metall kobalt schon gekannt, da die erze desselben nicht hämmerbar sind; leider ist die gewinnungsart nicht angegeben, so gilt denn Brandt 1733 als entdecker des metalls (A. Menge). die wunderliche zerdehnung ist als wäre es als roman. fremdwort angesehen. die heutige wissenschaft braucht das wort unrecht gern als n. (z. b. Oken), an metall oder mineral denkend.
2)
eigentlich gehört das wort dem bergmann an und bezeichnet die kobalterze, wertvoll dadurch dasz aus ihnen die beste und schönste blaue farbe gewonnen wird (smalte, blaufarbe) auf den blaufarbenwerken, daher auch farbenkobalt, blaufarbenkobalt (Chemnitzer bergwerkslex.). ähnliche erze, die nicht den gleichen gewinn geben, nennt man unechte, unvollkommne kobalte; auch der galmei wird hie und da kobalt genannt. in der engsten bed. aber heiszt auch das aus kobalterde bereitete dunkelblaue glas kurz kobalt oder blaufarbe (Krünitz 42, 3). bestimmte arten der erze heiszen glanzkobalt, ruszkobalt, schlackenkobalt, scherbenkobalt u. a.
3)
name und sache haben aber eine merkwürdige geschichte hinter sich. während die kobalte jetzt als sehr edle erze gelten, war das bergmännische wort urspr. verächtlich gemeint. noch Adelung gibt an, bei den bergleuten heisze alles kobalt was im schmelzen kein metall gibt, nach schwefel und arsenik riecht und andre metalle raubt oder spröde macht; kräftiger in Hübners zeitungslex. (1722) 2, 1009: 'kobald, eine giftige rauberische unart von bergerzten, welche die guten erzte verkürzt oder wild und kalt macht, von welcher viele glauben dasz sie das silber .. verzehre, daher sie auch den namen von den bergleuten bekommen haben'. nach Krünitz 42, 7 pflegt der bergmann sogar alles was er nicht kennt, kobalt oder kobolt zu nennen, und der hüttenmann kann schlechte erze, die oft reich aussehen, nicht ärger schimpfen als wenn er sie kobolt nennt.
4)
kobolt und kobalt ist nämlich urspr. éin wort, das erz hat beim bergmann seinen namen von dem gespenstischen bergmännchen erhalten, der das silber raube und das schlechte erz, wie böses wetter und andres unheil sende. der name war schon fest, als man im 17. jh. im sächsischen Erzgebirge die tugenden des vorher verhaszten erzes kennen lernte. ebenso wird der nickel, der sich gewöhnlich in gesellschaft des kobalts findet, seinen namen von nickel daemon (myth. 456) empfangen haben.
5)
den völligen beweis dafür liefern die wortformen. im Chemnitzer bergwerkslexicon (1743) steht einfach kobalt sowol für die 'giftige bergart' und den farbenkobalt wie für 'das berggespenste'; nachher heiszt ebenda das zweite kobelt, wie bei Stieler 617, nach der mundartlichen form, und ebenso der kobold noch beim volke und beim bergmann. auch noch kürzer kobel, vom gespenste (s. unter kobel sp. 1539 unten) und vom erze:
da fand sich auch (bei der probe des erzes)
kiesz, kobel, rauch
und schlacken manigfalte.
Köhler alte bergmannsl. s. 105.
alle drei formen wechselnd, auch im sinne, bei Mathesius: cadmias fossiles .. ir bergleut heiszt es cobelt, die Deutschen nennen den schwarzen teufel und die alten teufelshuren ... cobel ... wie die unhulden und hexen ... mit dem cobalt und hippomane oder pferdgift .. teufelei treiben. Sarepta 109ᵇ; nach dem quecksilber .. ist cobalt .. das giftigst metall. das.; kobelt und kobalt 109ᵃ, kobelerz 110ᵃ, kurz vorher: kobelt raubet oft und verzeret die silber. aber auch kobolt, so im landreim von Tyrol 1558 (Hormayrs taschenb. 1841 s. 15. 23) u. a.: alle kobolt, sie seind (für seien) gediegen oder mildt, schällicht oder küglicht, schwarz oder grau, seind bisweilen reich am silber. L. Erker beschreib. aller erzt (1580) 4ᵇ; noch im 18. jh. z. b. bei M. Kramer (s. Claudius unter kobaltkuchen), wie umgekehrt der berg- und hausgeist da noch kobalt heiszt. die unnütze unterscheidung kann also nur von irgend einem gelehrten aufgebracht sein. doch schon Frischlin nom. c. 13 (1594 s. 41) gibt nur kobalt, cadmia metallica, ungeschmelzt erz, ebenso Schönsleder, Henisch 609.
6)
das wort, das wol aus dem Harz oder Erzgebirge stammt, ward aber allgemein: schwed. kobolt, dän. nl. kobalt, frz. cobolt und cobalt, engl. cobalt, ital. span. cobalto, lat. cobaltum Kirsch cornuc., bei Junius nomencl. 1577 cobaltus 286ᵇ, bei Frisch 1, 171ᵇ cobalium, auch russ. poln. sloven. böhm. kobalt, bei Jungmann auch böhm. kobolt, kobult (s.kobold I, 1, b a. e.) und übersetzt d'asík, d. h. teufelchen, von d'as teufel, dämon.
Zitationshilfe
„kobalt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/kobalt>, abgerufen am 20.06.2019.

Weitere Informationen …