knistern
Fundstelle: Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1445, Z. 3
crepitare, strepere, stridere, perfremere, gemere. Stieler 991, Kirsch corn., Steinbach 1, 886 (als nur landsch.), 'knastern mit klärerem tone' Frisch 1, 526ᶜ; noch nicht bei Denzler (Basel 1716), wie es den oberd. mundarten noch heute meist fremd scheint (obwol sie gleichbed. knasteln hatten), doch henneb. Fromm. 3, 133, vgl. 1, e. es stammt aus dem mitteld.; mnd. gnistern stridere Dief. 556ᵃ, auch in einem md. voc. des 15. jh. das., noch nnd. gnistern wie gnastern, knittern, knirschen, den schall der zermalmung von sich geben. brem. wb. 2, 523, Stürenburg 72ᵇ, nl. bei Kil. gnisteren knirschen, dän. gnistre vom feuer. mit ü bei Bronner: wie eine flamme heftiger auflodert, wenn sie mit zerknüsternden wassertröpfchen besprenget wird. fischerged. (1787) 130, er hatte dabei wol das oberd. knüsten zerquetschen im sinne. das weitere unter 4.
1)
intrans.
a)
der damit gemeinte klang bleibt sich seit dem 16. jh. ziemlich gleich, wie es folg. beispiele vorführen: die haben geknistert, als wenn man bei der nacht ein katzen mit der hand streicht. Mathesius Sar. 55ᵇ (vergl. Ann. v. Droste 280 sp. 1441); so fehet ein arg und fewerig herz an zu knistern, seudet (siedet) und prudelt in sich selber wie ein garntopf. 119ᵃ, im bilde von einem kochenden topfe; geknistert und gespritzet haben biszweilen des mannes schreibfedern. ders. hist. v. Luther 1583 70ᵃ (bildlich von seiner derbheit);
es knistert eben (daneben im saale),
als wärs ein weiberschuh.
Göthe 7, 65;
zu zittern, wenns im haus rumort und geht und knistert,
denn mit gespenstern sind die diebe nah verschwistert.
7, 77;
da pisperts und knisterts und flisterts und schwirrt (von den kobolden im saal).
1, 197;
der atlas knistert. Thümmel Wilhelmine 69, rauscht knisternd beim bewegen; rauschegold knistert, salz ins feuer geworfen. Adelung;
und sein kahn, sie zu erreichen,
knisternd durchs geröhrich rauscht (vom zerknickten rohre).
J. Fr. Kind ged.;
o schaurig ists übers moor zu gehn,
wenn das röhricht knistert im hauche (winde).
Annette von Droste 79;
es knistert, es kracht im gebälke umbber (vom erdbeben).
Usteri dichtungen (1853) 3, 160;
vor drängenden knisternden emporen (emporkirchen). J. Paul, vgl. Göthe unter knittern;
wo er hintritt (am strande),
sprühen funken und knistern die muscheln.
Heine b. d. l. 307, vgl. u. knirren 1, c;
die kiesel knistern, es rauscht der sand (unterm tritte).
Annette v. Droste 99.
b)
besonders auch von leicht prasselndem feuer (vgl.knastern 1, a): sie saszen um einen groszen ... aschenhaufen, in den sich mancher weinstab knisternd mochte aufgelöst haben. Göthe 30, 64;
und schüttet knisterndes reisig ins feuer.
Heine b. d. l. 307;
der stern ist knisternd zerstoben.
157;
die funken knistern im kamine.
Annette von Droste 126. 547.
nd. knistern un knastern Danneil 109ᵃ (vergl. dasselbe gleich klirren sp. 1359 mitte).
c)
von den zähnen: um eins bitte ich sie: keinen sand mehr auf die zettelchen die sie mir schreiben. heute führte ich es schnell nach der lippe, und die zähne knisterten mir. Göthe 16, 58, wie nd. dat sand gnistert enem twusken den tenen brem. wb.;
der wind treibt einem den feinen sand ins gesicht,
dasz einem die zähne knistern.
Platen 212, s. dazu 3.
d)
gleich knuspern u. ä.:
knisterte das mäuschen in der ecke.
Göthe 2, 103,
so knistert ein vogel der z. b. hanfsamen aufbeiszt und friszt ( Campe).
e)
eigen schwäb. in etwas herum knistern, wühlen, kramen Schmid 320, es gehört wol unmittelbar zu knisten, von dem nd. md. worte zu trennen.
2)
zuweilen auch trans., eine brotrinde knistern. Campe, wie knuspern, vgl. 1, d.
3)
nd. gnistern heiszt auch knirschen mit den zähnen, wie mnl. gnisteren, s. vom bär mit tenen gnistern Soester fehde s. 654 (oben 1, 1123), gnistern der tene stridor Dief. 556ᵃ, und auch in einem mitteld., rhein. voc. 15. jh. ebenda gnisterunge der zene (davon vielleicht knisterbart). auch altdän. gnistre so, s. Molbech dansk gl. 1, 298.
4)
die herkunft ergibt sich unter knisten, knastern, es liegt ein stamm knas, knis zu grunde. und ganz wie statt des verstärkenden t auch p und k eintrat in knaspeln, engl. gnaspe (s.knastern) und dän. gnaske u. a. (s.knascheln 2), so auch hier in knispern und mnd. gniskern mit den tenen (s. 3) hor. belg. 7, 26ᵇ, Dief. 556ᵃ.
Zitationshilfe
„knistern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/knistern>, abgerufen am 20.10.2019.

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