klause f
Fundstelle: Lfg. 5 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1035, Z. 64
das mlat. clusa, clausa f., wie it. chiusa f. vom altlat. clausum, clusum n. nach dem urspr. dichterischen plur. clausa, clusa, in mehrfacher bed.; ahd. chlûsa (und chlôsa?), mhd. klûse, klûs und klôse (vgl. unter klausner), die form mit ô (noch schweiz., s. unter 1, b) aus der lat. mit au; eigen auch chliuse tod. gehüg. 23, clüse Schilter 184ᵃ, Scherz 217, vgl. ahd. untar cluseom Graff 4, 565, Hattemer 1, 187ᵃ, gab es mlat. clusia? nd. klûs, nl. kluis, bei Kilian kluyse.
1)
Verschlossene, schwer zugängliche, entlegene, enge behausung oder örtlichkeit überhaupt, letzteres z. b. von Rädlein 541ᵇ angegeben.
a)
besonders klosterzelle: klawsen oder klosen, clusa, inclusorium, reclusorium, conclavum. voc. th. 1482 q 7ᵃ;
wär ich ain nünnlin in ainer clos,
ich hülf im metten singen.
Hätzl. 281ᵇ;
doch hab ich auch ein hartes jar (klagt eine magd),
mein dienst ist sampt (wie) in einer klaus,
ich dörft nit schmecken aus dem haus.
H. Sachs 1, 510ᵃ (1590 382ᵇ).
oft verbunden klöster und klausen (s. dazu b. c):
in clôstern und in clôsen.
Renner 17361;
kloster und clausen namens ein.
Soltau 2, 214.
b)
aber auch für kloster selbst (Frisch 1, 171ᵃ), wie cella in alter zeit für kloster erscheint in den häufigen klosternamen auf -zelle, die zelle als der kern des klosterlebens gedacht? so erklärt Melber reclusa, reclusorium gleichmäszig mit ein claus vel kloster. t 8ᵃ: der (fuder wein) eins fallet der closen zu Diefenbach. Schöpflin Alsatia dipl. 2, 227, der clausen zu D. 224, vgl. die zelle ze Tiefenbach 166 (weisth. 4, 189), wo viele zellen als einer abtei zinspflichtig genannt sind. in der häufigen verbindung kirchen und klausen u. ä. sind doch wol meist klöster gemeint:
ich meint das weder kirch noch klaus
wer in dem berg so wilde.
lied vom herzog Ernst 24, Haupt 8, 485;
nemand schal ok nich nemen edder roven ut kerken edder klusen. Hildesheimer kriegsknechtartikel bei Lüntzel stiftsfehde 280; aus kirchen, clausen soll man nichts nehmen. das. 31, wie sonst kirchen und klöster. Noch heiszt schweiz. klôs ein nonnenkloster, klosmari eine nonne (unterschieden von klûs in der bed. 3. 4) Stalder 2, 109. Tobler 109ᵇ; hieszen nonnenklöster im besonderen so? es werden oft klausen neben klöstern genannt, wo die bed. a und c nicht passen will: alle die grewel . die allein das ablas in allen stiften, klöstern, kirchen, capellen, klausen .. gestift hat. Luther 5, 80ᵃ; clöstern und clausen viel gutes thun. Frisch aus Hamelmann oldenb. chr. 132.
c)
einsiedelei (Frisch 1, 171ᵃ, Kilian): zuletzt vand er ein cluse, darin ein waltbruder sin wonung hette. Scherz 217;
man darf kein zeugnis furter me
noch suͦchen die kappel und klusen
des sackpfifers von Nickelshusen (um wahrsagung).
S. Brant narr. 11, 17 (vgl. Haupt 8, 312);
in diesem zeitpunkt (1787) erschien ein alter eremit, frater Anton Hänle, in der domprobstei. er bewohnte auf dem ziemlich hohen Wankenberge bei Nesselwang im Allgäu eine wolgebaute klause, bei der eine wallfahrtskirche stand. Fr. X Bronners leben 2, 395. Rädlein mag das im sinne haben, wenn er 177ᵃ angibt clause wilde höhle, wilder ort. in folg. wie für klausnerorden: uberdisz haben sie auch viel unterschiedene clausen oder einsidelschaften und orden der clausner oder einsideler (Marnix 19ᵃ cluysen en̄ ordenen der cluysenaers) eingesetzt, als von S. Anthony, von S. Hilarion u. s. w. Fischart bien. 1588 25ᵃ. 'einsiedelei' in neueren parkanlagen:
der erinnrung soll im gärtchen
vor der klause weidenpförtchen
ein altar sich fromm erhöhn.
Matthisson der einsiedler.
d)
klause in der man einen einschlieszt, eng hält, ags. clûs (s.klausen 1): in der klause haben, tenir enfermé. Rädlein 541ᵇ;
ach, so hält man mich in meiner klause!
Göthe 1, 243, braut v. Corinth.
klause, gefängnis. Meinert Kuhländchen 404 als schles.:
es sinkt die flut und ebnet sich zum spiegel,
die winde segeln heim in ihre klausen.
W. Müller ged. (1837) 1, 261.
e)
daher für behausung überhaupt, mit dem begriffe des heimischen, traulichen:
den ellenden ich nit empfie
in meiner herberg klausen.
Hätzl. 301ᵃ, in einer beichte.
so schon mhd. Gudrun 427, 4, im reim auf hûse. ditmars. besteht die formel hûs und klûs, haus und hof. besonders zur hervorhebung der gemütlichen abgeschlossenheit einer wohnung: er steckt immer in seiner klause, kommt nicht aus seiner klause Rädlein, lebt 'einsiedlerisch', kommt nicht unter die leute;
und thun (sie) in meiner klause
als wären sie zu hause.
Bürger 23ᵇ;
froh, dasz ich dem gebrause
des weltlingsschwarms entwich,
baut' ich hier eine klause
für liebchen und für mich.
Salis die einsiedelei;
nur tönende bienchen flogen .. durch die schweigende klause (das gartenzimmer). J. Paul Tit. 2, 211; in der träumerischen klause seines ersten grünen lebens (der studierstube). 2, 227;
nach der lieben alten schaurigen klause
in dem trüben kalten traurigen hause.
Heine buch der lieder 59.
Voss nennt seine Eutiner wohnung so und seinen freundeskreis seine klausgemeinde:
am rasen steht die klause,
da bin ich gern zu hause
mit meiner klausnerin.
5, 95, klausner 96 (der klausner);
nur wenig abendfreunde
sind meine klausgemeinde.
97;
hier in waldes grüner klause,
herz, geh endlich auch zur ruh.
Eichendorf ged. 382.
f)
von einer fuchshöhle: erzwackt in der fuchs in sein klausen. der alten weisen ex. (1536) 107ᵃ. war es jägerausdruck? oder stammt es nur aus der geschichte von Reinhart dem fuchs als klausner?
2)
Mhd. wird der begriff vielfach bildlich verwendet, das herz wird z. b. eine klûse genannt, als geheime behausung der gedanken, der tugenden, des geliebten (Frauenlob lied. 9, 4, 2); Mariae schosz heiszt die klûse in der gott mensch ward (Haupt 8, 280, 160), wie gotes zelle (Haupt 4, 519), kamer myth. 1111; die aufbrechende rose kommt ûʒ ir klôsen u. dgl., s. die beispiele im mhd. wb. Das ist noch im 15. jh. gern gebraucht:
lasz mich in deins herzen clausen
hinfür als her (wie bisher) lieplich hausen.
neujahrwunsch, weim. jahrb. 2, 80,
vgl. s. 83 deins herzen hüslein und kammer sp. 114.
ein lügenhaftig mund ist ein zell
und aller sündigen wort ein clawse.
Rosenplut der clug narr bei Göz, Hans Sachs 3, 183.
die rose seh ich gehn aus grüner klause.
Eichendorf ged. 281.
3)
Engpass, felsspalte.
a)
engpass, unabhängig vom vorigen, wie das folgende. die bed. ist selbstständig in mlat. clusa aufgekommen (s. Ducange, vgl. schon bei Lucrez clusa viarum 4, 610): omnes aditus, quibus in Italiam intratur, id est clusas. Einhard ann. ad a. 817. daher mhd. klûse wb. 1, 849ᵇ, Schilter 184ᵃ (Rol. 97, 16. Karl 3132), und nhd.: clause, ort oder pass so ein land schlieszt, wo man den feind leicht ausschlieszen kan. Frisch 1, 171ᵃ; enger eingang, klaus, kluft, eng tal. Frisius 548ᵃ, Maaler 245ᵃ; fauces, klusen Altenstaig, auch nd. clusen Chytraeus c. 8;
ir clusen land si offen stan.
lied bei J. Lenz Schwabenkrieg 29ᵇ, Liliencron 2, 369ᵃ,
die Venetianer lassen ihre gebirgspässe unverschlossen; derhalben wolt keiser Heinrich (aus Italien) herausz in Teutschland eilen, aber alle clausen waren verlegt. Avent. 429ᵃ; wöllen wir die von Alexandro Magno mit eisenbalken versperrte caucasische clausen .. erbrechen. Garg. 223ᵃ (417);
das steingeklipp, das jetzt von waffen blitzt,
den wichtigen pass der engen klause schützt.
Göthe 41, 266;
Etrurien .. dessen klausen in den Apenninen nach Fiesole hin die verzweiflung ihnen öffnete. Niebuhr 3, 502. Es ist noch gäng und gäbe oberd. (schweiz. klûs), die Bregenzer klause, Ehrenberger klause, die Berner klausen bei Verona u. a., die Donauklause bei Kelheim, stromenge.
b)
daher verallgemeinert felsspalte, kluft u. ä.: fieng Max. noch etlich gembsen .. und stig durch gar ein engen geferlichen claus (also masc.? s. 5, a) bis wider in das thal. S. Frank clavis zum Teuerdank s. 117 Halt.; ie mehr in den heimlichen verborgenen glamen, schruft oder clausen des eis (eisgebirges?) dann durch das schwert umbkommen. Fronsp. kriegsb. 3, 150ᵃ;
die schneeberg liefen mit eim wunder
bei tag und nacht schrecklich berg unter (bei thauwetter),
rissen felsen, klausen mit abe.
froschm. Yy 4ᵃ;
natürliche bäder in den klausen (klüften) der erde. Ryff spieg. der ges. 122ᵃ;
die fackel (der wahrheit) strahlt in tiefste klausen.
Lenau Savon. 49.
4)
Klause im wasserbau.
a)
gleich schleuse (mlat. exclusa, frz. écluse), wie it. chiusa, mlat. clusa; deutsche namen sind wehr, wuhr, schutz, vgl. auch tock Dief. 126ᵇ (engl. dock). So in Tirol, im bair. gebirge holzklausen, wasserklausen zur aufstauung eines gebirgsbachs für die holzflöszung: erlaubt herzog Albrecht seiner stadt München .. in Tölzer landgericht .. (zur holzflöszung) clausen, rechen und lend (landungsplätze) zu bauen. urk. v. 1498;
auch manche gute clausen,
wol durch den wasserschwal
treibt sie das holz herauser
durch manches grobes thal.
bergwerkslied bei Abele gerichtsh. (1684) 2, 51.
e klausn schlagn, bauen, di klausn ziehen, öffnen. Schmeller 2, 363. 364, er vergleicht eine ahd. gl. qui est in canali, der bî den chlûsun gisezzit ist, also noch mit pl., wie lat. clusa urspr., rührt die einrichtung von den Römern her? schwäb. glausen (glaunsen, s. sp. 651 mitte) Schmid 233, schweiz. klûs. daher bei einem Schweizer für schleuse überhaupt: bei Grevelingen, da die Shluysz oder wasserklaus pflag zu sein. Stumpf 270ᵇ.
b)
rheinl. im mühlenwesen u. a. klaus f., künstlicher wassergraben zur sammlung des wassers (s. Kehrein Nassau 1, 226), auf der Eifel der mühlenteich Schmitz 223ᵃ, wol auch aus röm. zeit: das wasser flosz wieder in die verschüttet gewesene klause und aus dieser durch den dielenkanal auf das rad. v. Horn Schmiedjakob 61.
c)
auch im bergbau klause, eine grube wo das flieszende wasser bei den zwitterwäschen aufgefangen wird. Adelung.
d)
anders clûse in der Erfurter wasserordnung aus dem 15. jh., unter den dingen die ein bürger in der Gera halten darf: cluse und korbe, die uf deme wasser fliszen, der mag ouch wol ein itlicher hinder sinem huse ane busze haben. Michelsen rechtsdenkm. aus Thüringen 127, fischkasten?
5)
Endlich als verschlusz überhaupt. so
a)
schweiz. chlos und chlausa, und zwar als masc. (vgl. 3, b), vorrichtung zum schlieszen, z. b. schliesznagel, riegel, das schluszglied an einer kette, das 'männchen', das in das 'weibchen' der andern reihe eingreift, auch von stricken, s. Stalder 2, 109, Tobler 109ᵇ.
b)
in Kärnten klause machen, den weg versperren, z. b. bei hochzeitszügen, s. Lexer. von 4, a?
Zitationshilfe
„klause“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/klause>, abgerufen am 19.09.2019.

Weitere Informationen …