klapf
Fundstelle: Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 953, Z. 11
ein kraut, s.klaffer 2 sp. 899.
klapf m
Fundstelle: Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 953, Z. 18
nebst klaff die rein hd. form von klapp, die aber vor dieser md. form sich in die südl. mundarten zurückgezogen oder vielleicht nur dort entwickelt hat, wie das dazu gehörige zeitwort kläpfen. mhd. klapf wb. 1, 834ᵇ (unbelegt), ahd. chlaph in anachlaph (s. unter klaff); doch war in diesem chlapf die doppelform klapf und klaff wahrscheinlich noch nicht geschieden, d. h. ph ein mittellaut zwischen unserm pf und f (vgl. u. kapfen 1, und 3, 1212), sodasz beides daraus werden konnte, wie z. b. der wipfel bair. wifel heiszt, ahd. wiphil (wifil), vgl.knoff für knopf; s. auch kläpfen. Nach dem pl. donnerklapfen (der gewöhnliche pl. ist kläpfe) wird es eine schwache nebenform klapfe gegeben haben (vgl.klaffe m.); eine nebenform klepf s. unter 2 a. e., ferner klopf, das wieder auch kloff hiesz.
1)
Schweizerisch schlag dasz es schallt, bes. mit der hand, handklapf Frisius 1177ᵇ, Maaler 211ᵃ, wart i gê der e paar chläpf Tobler 105ᵇ; auch schwäb. noch zu finden.
2)
Schall, knall, krach, klatsch, klapp u. ä., so bes. schweiz., schwäb., auch bair., tirol., östr., kärnt.: crepitus, klapf oder ton, warvon es joch (immer) seie. Frisius, Maaler 244ᵈ, auch bei Golius Straszb. 1588 (s. unter klaff 1).
a)
daher z. b. crepitus plagarum, klapf eines streichs, wenn man einen geislet Fris. 343ᵃ, geiselklapf peitschenknall 1290ᵇ (gaislklapf Schönsl. f 2ᵇ), stlopus backenschranz, wenn einer die backen aufblast und den athem mit einem klapf laszt häraus brächen 1243ᵇ;
(die eichen) so fielen auf die erden nider,
das es gab einen klapf herwider.
Spreng Ilias 524ᵇ, krach.
b)
besonders vom krachen des donners und der geschütze, gewehre (s.donnerklapf, büchsenklapf): wie die dempf in den wolken sich zusammen thun und letstlich mit tonderklapf und plitz herfür brechen. H. Pantaleon beschr. der statt Baden (im Aargau) 61; uf disse red sol ein büchsenclapf, als ob es ein tonner wäre, usz dem himel gan. bühnenweisung in der Donaueschinger passion bei Mone schausp. d. mitt. 2, 248;
so mortlich schosz (man) das geschütz ab
recht als der hagel und der tonder ...
ein klapf uber den andern kam
biff baff als gmeinlich die sag (redensart) stat.
Nic. Schradin Schwabenkrieg, geschichtsfreund 4, 34;
wie ich zu lang bim trunk gesessen,
hab ich der kugel gar vergessen,
vermeint het sie in dbüchs gelegt.
wie bald der han in tiegel (die pfanne) schlegt,
gieng zwar (fürwahr) als an (los) mit schlächtem klapf.
Grob ausreden der schützen, Haupt 3, 246;
derhalben das geschutz einen solchen grausamen klapf von sich gibt. Thurneisser von wassern Straszb. 1612 s. 43; daraus er (der sulphur) nun sein donner, schlahen und klapf hat. Paracelsus 1, 154ᵇ; nicht mit dem donner oder klapf, sondern milt und still. 2, 98ᶜ;
er blizet bliz auf bliz, er strahlet strahl auf strahl
und dundert klapf auf klapf.
Weckherlin 62 (ps. 18, 19);
lösete der eine seinen carabiner auf mich, von welchem urplötzlichen feur und unversehnlichem klapf ...
Simpl. 1, 24, 13 Kurz;
meine mutter, die den klapf (vom pulver) gehört hatte.
Bräker der arme mann im Tockenburg 12 (21).
noch der Schweizer Denzler (1716) führt es an, aber die md. Stieler, Rädlein, Steinbach kennen es nicht. auffallend aber auch bei Logau, wol zur bereicherung der sprache künstlich aufgenommen (wie es Gottsched sprachk. 1762 s. 207 mit anführt):
wann unsre feind auf uns ein maulvoll zähne wetzen,
wolln Esaias kind (Jes. 9, 6 ff.) an unser stat wir setzen:
wann dieses für uns trit, so wird ein jeder stein (geschützkugel),
womit man nach uns stürmt, ein klapf an himmel sein.
Logau 1, 9, 8, schusz in die luft.
c)
etwas anders bei Schönsleder f 2ᵇ, crepitus armorum, dentium, forium, geklapper, gerassel; ist das richtig? vgl.kläpfen 1, d
d)
eine nebenform mit umlaut in Kärnten, klepf m. ein kleiner schall Fromm. 3, 117, peitschenknall, einmaliges klepfen Lexer 160 (s.kläpfen). ist das erst aus dem verbum entnommen? vergl. kleff unter kläffen 2, kleck gleich klack und unter kläpper f.
3)
Unsicher
a)
in der redensart einem einen klapf anhängen, etwas böses nachreden, in Schwaben Schmid 315, schweiz. einem heimlich einen klapf geben, ihn verleumden Denzler 2, 172ᵃ. es ist schon mhd., mit dem., einem ein kläpfelîn slahen Wig. 64, 32 Pf. (hs. chlapfelin, s. unter klämperlein). entsprechend auch md. einem ein kläppchen, eine klappe, einen klaps anhängen, und auch nl. steckt das wol hinter beklappen diffamare aliquem Kil., wie in schweiz. verkläpfen verleumden. Der sinn der redensart ist klar, der klapf, das kläpfelîn ist ein 'fleck' den man einem an seine ehre bringt; aber aus welcher eigentlichen bedeutung von klapf ist das entstanden? bei Denzler ist mit geben die bed. schlag hinein gelegt, aber das slahen, anhängen weist auf ein werkzeug, wie bei dem gleichbedeutenden klämperlein. es könnte gleich klapfe klapper sein, zumal kläpperlein ebenso vorkommt. also eine art klapper als ehrenstrafe einem angehängt, womit er gebrandmarkt ist und das fingerzeigen auf sich zieht? das ist deutlich die auffassung bei kläpperlein 2. s. weiter klemperlein.
b)
daher vielleicht schwäb. klapf kotborte am saume eines kleides Schmid 315, der tengel (den besonders die frauen so scheuen), eigentlich 'schandfleck' (wie ein fleck auch heiszt in frauenmunde), schmuzfleck, der am kleide haftet wie jenes kläpfelîn oder blechlein, wie es auch heiszt, und ebenso die augen auf sich zieht. daher auch bair. schmuzblech, tengel am kleide und blech selbst für den wirklichen saum Schmeller 1, 234; vgl. dazu klacke 1, wo der ehrenfleck umgekehrt vom tengel benannt ist. zu klapf s. auch klappe 4, c a. e.
c)
eigen schweiz., vorarlb. klapf masse, menge: nimm nicht alle (mädchen) in éinen klapf. Gotthelf 13, 265.
4)
Es ist aber hier der platz, die vorgeschichte des stammes zu betrachten.
a)
der stamm zeigt ablaut in klapf klapp klappen : klippen, klippklapp : klupf klüpfel (klopfen klöpfel). es wird ein starkes verbum chliphu chlaph chluphum gegeben haben, mit der grundbedeutung schallend schlagen oder schallen.
b)
der stammauslaut nahm seine liquida zu sich in einem zu vermutenden starken chlimphan, von dem zeugnis geben klampfe cither, klimpern, das auch klampern (klempern) und klumpern heiszt, ferner klampferer gleich klempner, klempeln gleich klengeln u. a.; ebenso verhält sich krampe zu krapfe haken, stampfen zu stapfen, trampeln zu trappeln u. a., vgl. sp. 138 mitte.
c)
mit verändertem auslaut, aus der entgegengesetzten mundstelle genommen, erscheint der stamm in klacken schlagen, klatschen, das dem klappen gleichsteht, wie klecken dem klepfen, kläpfen. wenige beispiele zeigen den wurzelhaften auslautwandel (s. sp. 6) so deutlich. wie mhd. klac knall, krach ganz gleich klapf ist, die interj. klack! ganz gleich klapp, klapf, so bleiben beide schwesterstämme in ihrer fortbildung weithin genau nebeneinander, z. b. in mhd. klechel (s.klächel) gleich klepfel klöpfel, in engl. clack und clap klapper, auch mit abgeleiteter bed. in oberd. klöckel gleich md. klöppel beim spitzenklöppeln, in engl. clack plaudern gleich unserm klaffen, klappen, in klack gleich klaff ritz, spalte. Auch derselbe ablaut zeigt sich hier in klocken gleich klopfen (vgl.glocke), in klick schnippchen (nl. schallender schlag) gleich klippchen, bair. klicken knallen u. a., vgl. sp. 890 unten. Aber auch die dritte schwesterform des stammes mit dentalem auslaut ist da, denn zu klappen und klacken gesellt sich nd. klatern, klätern klappern, klatschen, wieder mit demselben ablaut in klittern klappern und mnd. cluteren carpentare (eig. pochen) Dief. 102ᶜ, nl. kloteren klopfen; s. darüber klatzen. Endlich kann bei der groszen nähe in form und bed. auch klagen und damit klingen als verwandt in frage kommen; wie nahe sind sich nicht schreien und schallen, in dem klempeln und klengeln unter b berühren sich beide stämme unmittelbar. s. auchknappen.
d)
endlich auswärtige verwandtschaft. sie wuchert in den littuslavischen sprachen, doch meist mit derselben anlautstufe (s. sp. 3). litt. klaběti pochen, klappern, auch kleběti, klìběti klappern, lett. klabbét klappern; altsl. klepati klopfen, schlagen, klopotati stridere, klopotŭ strepitus, vgl. chlopotŭ strepitus; böhm. klabati (klubati) klopfen, klapati klappern, klepati klopfen, klappen, klopati klopfen u. a., und ähnlich in allen sl. sprachen, wer will in dieser einstimmung zufall finden? man bemerke auch den vocalwechsel unserm ablaut entsprechend (vgl. sp. 876 unten). Selbst der wechsel im auslaut zeigt sich in altsl. klokotanije strepitus (chlochotati strepere), böhm. klekot geklapper, klekotati klappern, sloven. kljukati pochen, auch mit t in russ. kolotit' klopfen, kolotilo klöpfel, schlägel, vgl. böhm. klucati schwach dreschen u. a. Um die übereinstimmung voll zu machen, tritt auch die abgeleitete bed. klaffen auf, z. b. in böhm. klepati schwatzen, klebetiti plappern, klatschen, lästern, sloven. klepetáti, klopotáti plappern (und klappern), russ. klepat' verleumden, altsl. klevetati, vgl. sp. 896. Keltische anklänge s. sp. 890 unten, roman. entlehnung das. und 892 unten; vgl. noch kymr. clep a clack or clap, clepian to clack, to babble, gael. clabar a clack, mill-clapper, u. a.
e)
da der stamm auch eine nebenform mit s vorn zeigt, in schleppern klappern u. a. (s.klatzen), so könnte wol in dem mlat. sclupare der lex salica 17, 2 vom pfeilschusse ebenso gut unser stamm wie das lat. stloppus bei Persius 5, 15, var. sclopus (Diez 432, vergl. unter klapf 1, a) enthalten sein; oder besser, denn nicht von einem knalle kann ja da die rede sein, den das lat. wort bezeichnet, sondern von dem klappenden auftreffen des pfeiles, wie klaffen 1 bei Behaim gebraucht ist, vgl. u. klappen 4. in it. schioppo flinte, scoppio knall u. s. w. könnten das deutsche und lat. wort zusammengeflossen sein (vgl. sp. 892 unten), ist aber sclopus selbst nicht urverwandt?
klapf
Fundstelle: Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 953, Z. 12
tax! interj., klapp! in der rein hochd. form: secht wie ich die bon will holen (austrinken) und wie ein weinmilb aushölen. oho, schmatz, klapf, das kannenlied hett mir schier die nas erwischt. Fischart Garg. 93ᵃ (161 Sch.), schmatz der laut des trinkens, klapf der laut des zuschlagenden deckels der zinnernen kanne. vergl. klopf!
klapf m
Fundstelle: Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 955, Z. 27
fels, so oberbair. Schm. 2, 361, in Kärnten groszer abschüssiger fels Lexer 159, in Tirol kleiner fels in einer bergschlucht, jäher absatz auf felsen Schöpf 320, Frommann 6, 296. 3, 458; bei Wolkenstein 29 kläpfe pl. Es heiszt auch klopf und klupf, also mit ablaut, und nordd. klippe stellt sich trefflich dazu. mit andrer stufe im auslaut schwed. dial. klabb m. klippe, norw. klubb m. felsspitze, vergl. alts. klif (gen. klibes) fels. s. weiter klippe.
Zitationshilfe
„klapf“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/klapf>, abgerufen am 23.09.2019.

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