klaffer m
Fundstelle: Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 899, Z. 68
bair. röhrkasten, röhrbrunnen. Schönsleder f 1ᵃ, Schmeller 2, 353. auch kloffer: alle cloffer und wexl. Münchner feuerordn. v. 1751 das. 354. jetzt meist dem. klafferl das., auch glaffel s. 91, früher auch gleifel 354. Schmeller denkt an den rauschenden klang des wasserstrangs als anlasz des namens (s.klaffen 1), aber die nebenformen? das ahd. 'glifa latex' (wasser), das er selbst s. 91 anführt, kann doch zu gleifel stimmen, wenn glîfa gemeint ist. vgl.klafegen.
klaffer, kläffer m
Fundstelle: Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 900, Z. 1
von klaffen 2, und kläffen; mhd. klaffære, kleffære En. 242, 31.
1)
schwätzer, den zeugnissen nach nur in üblem sinne.
a)
allgemein, dicax, cleffer Dief. 180ᵃ, klaffer oder sprecher fabulator voc. th. 1482 q 5ᵇ, in der Cölner und Straszb. gemma cleffer fabulator Dief. 221ᶜ: darumb wissen solche kleffer viel, was böse oder guter wille ist. Luther 1, 77ᵇ, leere schwätzer. nach 'ganeo riffchin vel cleffer' Dief. 257ᵇ scheinen auch schmarotzende spaszmacher so genannt. hauptsächlich aber einer der unnützes redet, zu einem üblen zwecke redet: sie mügen auch zusehen, das sie nicht sich betriegen lassen durch unnütze kleffer, die vieleicht sagen würden, man könne einem verdampten ketzer nicht unrecht thun. Luther 4, 536ᵃ (1556 566ᵇ); ein schalkhaftiger klaffer und schwetzer. Steinhöwel Äsop 3ᵃ.
b)
verläumder, ohrenbläser (vgl. hinterkläffer), susurratores, bös klaffer. Mones anz. 6, 224, 15. jh.: hast mich errettet ... von den falschen kleffern und lügenern fur dem könige. Sirach 51, 7; die klaffer dich gegen lieb verschwetzt haben. Galmy 53; die neidigen und falschen kläffer. 158; kläffer und lügner. Aimon g iijᵃ;
wo aber rechte liebe leit,
ob gleich ein klaffer etwas seit,
dem glaubt sie nit das es war sei.
H. Sachs 3, 3, 4ᵇ;
so kan der falschen kläffer rott
mich stürzen nicht in schande.
Rist h. lied. 3, 188.
c)
ausschwätzer, austräger, verräter (mit dem vorigen oft verschwimmend), so besonders im liebesliede des 15. 16. jh., wo die klaffer, kleffer die rolle der merkære des 13. jh. haben, als geschworene feinde verborgener minne: claffer procax, futilis, qui omnia revelat. voc. inc. teut. d 5ᵃ, kleffer gemma Str. 1518 K 2ᵇ;
es ward kain lieb noch nie so grosz,
die triwe (gen.) schlüssel ie verschlosz,
des claffers mund brächt grosze lieb ze laide.
Hätzl. 3ᵃ;
si ward so freuntlich mit mir kosen
und gab mir ain kranz von weiszen rosen.
da sah uns zu ain falscher claffer,
der lief zum pfarrer und zum schaffer
und sprach die het ir er zuprochen.
fastn. sp. 758, 15;
rat mir was ich wider die klaffer tu.
'tust du wol, das tut dem klaffer we'.
fundgr. 1, 334;
mein lieb hat mich umfangen,
das tuͦt dem klaffer we.
Uhland 110;
was acht ich auf aller waltvoglin sank,
auf aller kleffer zungen?
87;
sei weis, lasz dich nit affen!
der klaffer seind so vil.
130;
gott geb dem kläffer unglück vil,
der mich armes mägdlein
ins kloster haben wil!
855;
und weren der kleffer noch so vil,
so geschicht doch was gott haben wil.
Ambr. lb. 27, 11;
cum gradiaris in via
und dir ein schön begegnet,
dic 'virgo' tunc 'salve pia,
vor klaffer bis gesegnet'.
de fide meretr. 104, bei Zarncke beitr. 1, 84.
d)
jetzt wird kläffer fast nur noch mit doppelsinniger anlehnung an die bed. 2 gebraucht, nach kläffen (klaffer ist erloschen, obwol noch Stieler, Frisch es anführen): es bewarb sich niemand ernstlich um meine liebe. denn die kleinen zärtlichen kläffer rechne ich nicht, welche um mich herumsprangen und seufzten. Rabener 3, 166, deutlich mit dem doppelgedanken eines schmeichelnden hundchens; dasz kleine hämische kläffer dahinter her bellen. Lessing 8, 110, ebenso Göthe 2, 219, s. u. kläffen 2; diese schrift .. die alle kläffer in Paris gegen madame de Stael in bewegung setzte. Schiller an Körner 4, 394;
mein herz erschwoll
in bitterm unmuth, dasz des kläffers hohn
dich heilge unschuld vergewaltigte.
Kosegarten poes. (1798) 1, 95.
e)
während das wort in seiner heimat erloschen scheint (Adelung gibt es zwar als noch oberd. an, wol nur aus Frischs anführung), lebt es noch nd.: klaffer (klaffert, klaffat), einer der aus der schule schwätzet. brem. wb. 2, 780, schon mnd. kleffer dicaculus Dief. 180ᵃ. ebenso noch schwed. klaffare, s. darüber sp. 896 nach der mitte.
2)
kläffer, ein hund der beständig bellt, besonders ein kleiner. Adelung, s. Göthe u. kläffen 2 a. e.; auch klaffer, bei Bürger in dem 'hund aus der pfennigschenke', vgl. kliffklaff:
und herrchen Krauskopf ist ein närrchen,
fängt mit dem klaffer händel an.
32ᵇ.
auch diesz nd. kleffer Schambach 102ᵇ.
klaffer
Fundstelle: Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 899, Z. 76
am webstuhle? die obere lage und zwei klaffer daran, unter den bestandtheilen eines leinweberstuhles, in einer anzeige im Weimar. wochenbl. 1801 s. 280.
klaffer m
Fundstelle: Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 899, Z. 39
1)
rhinanthus crista galli, der hahnenkamm, das gelbe rödelkraut. Nemnich. auch kleffer und klafter (öc. lex. Lpz. 1731, Adelung). klaffer ist sächs. ( Adelung), oberlaus. Anton 9, 7, schles. Frommann 4, 174, auch bair.; nd. klâper Danneil 102ᵇ, siebenb. klaͦpern pl. f. Haltrich plan 73ᵇ, auch md. klapper m., kläpper (s. d.), nl. geele ratelen (rasseln). der reife same in den kapseln klappert nämlich wenn der wind sie bewegt, sodasz der name auf klaffen klappern zurückgeht, das jetzt freilich weder md. noch bair. ist. aber der name selbst ist ein zeugnis allgemeinerer geltung von klaffen in alter zeit, von hohem alter zeugt auch die einfachheit der bildung folg. oberdeutscher formen.
2)
in Baiern heiszt es auch klaff und klapf (klaft, klafter), tirol. klapf Schöpf 321, östr. klaft Höfer 2, 136, kärnt. klaff, klôf (s. unter klaffen 2, f) Lexer 159, schweiz. klaffen m. (vgl.klaffe) Stald. 2, 104. gleichen grund hat der name kletsch, und sehr hübsch klingender hans.
3)
klaffer, thlaspi arvense (auch klasper). Nemnich, der bauernsenf. so oberlaus. Anton 2, 5, 'vom aufspringen' benannt 9, 7, gleichfalls ein unkraut.
4)
die bair. wörter gelten auch für antirrhinum, ebenso kärnt. klapf (weizen 'ist klapfik') Lexer 159, schweiz. klaffen auch für stachys silvatica, waldnessel (auch schnappen Nemnich), östr. klaft auch schaflinse, coronilla varia, eine wicke im getreide. andere angaben lauten unsicher: schwäb. klaff m., eine art wilder hanf, auch steinklaffen Schmid 315; kärnt. klepfkraut, dessen reife samenschote beim angreifen zerplatzt. Lexer 160 (thlaspi arvense?); nd. klâprump, ein den wiesen schädliches kraut. br. wb. 2, 792. S. auch klaffenkraut, klappenkraut, klapperkraut, klapperblume, klappe 5.
klaffer, kläffer m
Fundstelle: Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 900, Z. 1
von klaffen 2, und kläffen; mhd. klaffære, kleffære En. 242, 31.
1)
schwätzer, den zeugnissen nach nur in üblem sinne.
a)
allgemein, dicax, cleffer Dief. 180ᵃ, klaffer oder sprecher fabulator voc. th. 1482 q 5ᵇ, in der Cölner und Straszb. gemma cleffer fabulator Dief. 221ᶜ: darumb wissen solche kleffer viel, was böse oder guter wille ist. Luther 1, 77ᵇ, leere schwätzer. nach 'ganeo riffchin vel cleffer' Dief. 257ᵇ scheinen auch schmarotzende spaszmacher so genannt. hauptsächlich aber einer der unnützes redet, zu einem üblen zwecke redet: sie mügen auch zusehen, das sie nicht sich betriegen lassen durch unnütze kleffer, die vieleicht sagen würden, man könne einem verdampten ketzer nicht unrecht thun. Luther 4, 536ᵃ (1556 566ᵇ); ein schalkhaftiger klaffer und schwetzer. Steinhöwel Äsop 3ᵃ.
b)
verläumder, ohrenbläser (vgl. hinterkläffer), susurratores, bös klaffer. Mones anz. 6, 224, 15. jh.: hast mich errettet ... von den falschen kleffern und lügenern fur dem könige. Sirach 51, 7; die klaffer dich gegen lieb verschwetzt haben. Galmy 53; die neidigen und falschen kläffer. 158; kläffer und lügner. Aimon g iijᵃ;
wo aber rechte liebe leit,
ob gleich ein klaffer etwas seit,
dem glaubt sie nit das es war sei.
H. Sachs 3, 3, 4ᵇ;
so kan der falschen kläffer rott
mich stürzen nicht in schande.
Rist h. lied. 3, 188.
c)
ausschwätzer, austräger, verräter (mit dem vorigen oft verschwimmend), so besonders im liebesliede des 15. 16. jh., wo die klaffer, kleffer die rolle der merkære des 13. jh. haben, als geschworene feinde verborgener minne: claffer procax, futilis, qui omnia revelat. voc. inc. teut. d 5ᵃ, kleffer gemma Str. 1518 K 2ᵇ;
es ward kain lieb noch nie so grosz,
die triwe (gen.) schlüssel ie verschlosz,
des claffers mund brächt grosze lieb ze laide.
Hätzl. 3ᵃ;
si ward so freuntlich mit mir kosen
und gab mir ain kranz von weiszen rosen.
da sah uns zu ain falscher claffer,
der lief zum pfarrer und zum schaffer
und sprach die het ir er zuprochen.
fastn. sp. 758, 15;
rat mir was ich wider die klaffer tu.
'tust du wol, das tut dem klaffer we'.
fundgr. 1, 334;
mein lieb hat mich umfangen,
das tuͦt dem klaffer we.
Uhland 110;
was acht ich auf aller waltvoglin sank,
auf aller kleffer zungen?
87;
sei weis, lasz dich nit affen!
der klaffer seind so vil.
130;
gott geb dem kläffer unglück vil,
der mich armes mägdlein
ins kloster haben wil!
855;
und weren der kleffer noch so vil,
so geschicht doch was gott haben wil.
Ambr. lb. 27, 11;
cum gradiaris in via
und dir ein schön begegnet,
dic 'virgo' tunc 'salve pia,
vor klaffer bis gesegnet'.
de fide meretr. 104, bei Zarncke beitr. 1, 84.
d)
jetzt wird kläffer fast nur noch mit doppelsinniger anlehnung an die bed. 2 gebraucht, nach kläffen (klaffer ist erloschen, obwol noch Stieler, Frisch es anführen): es bewarb sich niemand ernstlich um meine liebe. denn die kleinen zärtlichen kläffer rechne ich nicht, welche um mich herumsprangen und seufzten. Rabener 3, 166, deutlich mit dem doppelgedanken eines schmeichelnden hundchens; dasz kleine hämische kläffer dahinter her bellen. Lessing 8, 110, ebenso Göthe 2, 219, s. u. kläffen 2; diese schrift .. die alle kläffer in Paris gegen madame de Stael in bewegung setzte. Schiller an Körner 4, 394;
mein herz erschwoll
in bitterm unmuth, dasz des kläffers hohn
dich heilge unschuld vergewaltigte.
Kosegarten poes. (1798) 1, 95.
e)
während das wort in seiner heimat erloschen scheint (Adelung gibt es zwar als noch oberd. an, wol nur aus Frischs anführung), lebt es noch nd.: klaffer (klaffert, klaffat), einer der aus der schule schwätzet. brem. wb. 2, 780, schon mnd. kleffer dicaculus Dief. 180ᵃ. ebenso noch schwed. klaffare, s. darüber sp. 896 nach der mitte.
2)
kläffer, ein hund der beständig bellt, besonders ein kleiner. Adelung, s. Göthe u. kläffen 2 a. e.; auch klaffer, bei Bürger in dem 'hund aus der pfennigschenke', vgl. kliffklaff:
und herrchen Krauskopf ist ein närrchen,
fängt mit dem klaffer händel an.
32ᵇ.
auch diesz nd. kleffer Schambach 102ᵇ.
klaffer f.
Fundstelle: Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 901, Z. 1
seltne nebenform von klapper, mit rein hd. stammauslaut. Kirsch cornuc. Nürnb. 1723 erklärt crepitaculum u. a. mit klaffer (daneben mit glöcklein, klingbüchslein, unter nr. 2 mit kinderklapper, schlötterlein), eine bettlerklapper? so klepfer als aussätzigenklapper Diocl. 8545. 8555, vgl.klaffe f. 1. bei Maaler 244ᵇ im dem. kläfferle, kläffle crepundia, puerilia crepitacula. vgl.klaffern.
Zitationshilfe
„klaffer“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/klaffer>, abgerufen am 18.09.2019.

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