keil m
Fundstelle: Lfg. 2 (1865), Bd. V (1873), Sp. 446, Z. 24
cuneus, mhd. kîl:
sam der mit eime kîle
zerklübe grôʒiu blöcher.
Konrad troj. kr. 32960;
sîn gesinde mit sorgen vor im sitzet (vor dem geizigen bei tische),
swenn er diu ougen gên in spitzet,
sô (wenn) si sîn herz mit kîlen klîbent (spalten),
die si ze grôʒ, ze dick în schîbent.
Renner 5281,
zugleich als keil zum spalten und als keil brot, s. 3. aber auch noch als zeltpflock kîl Wigal. 3308 (88, 4), ahd. kizeltkîl Graff 4, 362, chîl paxillum, parvum lignum 386, das wort könnte wol vom pflock zum feststecken der zeltschnüre ausgegangen sein, obwol auch der keil zum holzspalten anspruch auf hohes alter erheben kann; s. am ende. nd. kîl Rein. vos 617. 635 (kiel Chytraeus c. 38, br. wb. 2, 769), nrh. kîl Fromm. 5, 415, nl. nicht vorhanden, dän. norw. kile, schwed. kil, wol entlehnt lett. kîlis, litt. kylys m. (auch mörserkeule), Es findet sich auch keiel voc. opt. Lpz. 1501 H 2ᵇ, keihel Fischart (wie beihel für beil, feihel für feile), keile, kile Dief. 162ᶜ, und merkwürdig keul und keidel, s. am ende.
1)
als werkzeug im hauswesen u. a.: keil vel zwickel, cuneus. voc. inc. teut. n 1ᵃ; cuneus, keil, wecken, keidel. Golius c. 195.
a)
eigentlich, eichener, eiserner keil Steinb. 1, 841; eisern keile (pl.) 2 Sam. 12, 31. 1 chron. 21, 3. holz mit einem keile spalten, einen keil eintreiben, einschlagen: gaben sie (die holzhauer) auch fersengeld und lieszen schlegel und keil sampt ihrem käs- und brodsack ligen. Simpl. 1, 166;
(da) lag ein eichener stamm. er hatte, diesen zu trennen,
schon zwei tüchtige keile hineingetrieben.
Göthe 40, 24.
keil der gärtner, um den mit dem pfropfmesser gemachten spalt zu öffnen (s. Herr u. keidel). keile der schuhmacher, die zwischen leisten und leder eingetrieben werden, zum aufblöcken. keile zum befestigen eines gegenstandes, s.keilen, ↗verkeilen, ↗keilrahmen.
b)
sprichw.: heiszet das nit wunderlich wol getroffen und den keil auf den kopf geschlagen? Fischart bien. 1588 54ᵇ (Marnix 45ᵇ spijker, d. i. nagel). ein keil treibt den andern (Stieler 909), wenn auf einen eingeschlagenen keil, der nicht reicht, ein zweiter aufgesetzt wird, auf manche beziehungen und vorkommnisse im leben angewendet. auf einen groben klotz gehört ein grober keil, vom holzspalten auf sittliche verhältnisse übertragen: auch auf einen bösen ast ein böser keil gehöret. Horscht geheimnisse der natur 1, D bᵃ, vgl. unter keidel;
im neuen jahre glück und heil! ...
auf groben klotz ein grober keil!
Göthe 2, 235;
man sagt, auf einen harten klotz
gehört ein grober keil.
11, 20;
auf einen harten knorr gehört ein harter keil. Steinbach 1, 841; auf einen harten ast gehöret ein harter keil. Frisch 1, 508ᵃ, Adelung.
c)
diesz bildlich von gründen u. ä.: als den letzten keil (gegen eine behauptung von S. G. Lange) will ich noch das zeugnis eines noch lebenden gelehrten anführen. Lessing 3, 426. von nachdrücklichen maszregeln: wir müssen noch einen keil drauf setzen, um irgend etwas widerstrebendes zu überwinden.
da (wo) ich ein keil in stecken kan
das er in beidn verbeut das haus.
H. Sachs 3, 3, 50ᵈ,
(eine stelle) wo ich sicher bewirken kann, dasz ..; enthusiasmus, liebster freund, enthusiasmus! nichts ohne diesen, alles wenn er sich einmal der nation bemeistert hat ... Hannibal trieb ihn vollends in die Römer hinein. o wahrhaftig, in den letzten sechs jahren hat es (bei uns) auch nicht an keilen gefehlt. literaturbriefe 15, 56, vom j. 1763. auch wie ein keil drin stecken, in der klemme sein, gleichsam eingekeilt.
2)
eine art haue, nach früheren angaben: marro, ligo, ein hawe, keil. Diefenbachs wb. von 1470 sp. 178; keil oder hawe, marro. voc. th. 1482 q 2ᵇ, jäthacke, karst; vgl.keilhaue.
3)
keil brot, ein derbes stück vom laib geschnitten, es hat meist keilform; schon mhd. (s. vorhin die stelle aus dem Renner), und noch heute wol allgemein, vgl.keidel 2. nach Adelung aber oberd. auch ein keilförmiges brot; ein mlat. versus memorialis, den z. b. der Leipz. voc. opt. von 1501 unter cuneus anführt, lehrt:
est, ut ego didici, cuneus confractio ligni,
est cuneus panis, cuneus collectio gentis.
man buk brot in keilform, in einem niederrh. weisthum des 13. jh. weisth. 4, 775 werden cunei und panes unterschieden, jene von dinkel, diese von weizen. so heiszt eine semmel, ein kleines brot ein weck, wecken, nl. wegge, d. i. keil; auch speigel, spickel, keil, werden von brot, kuchen gebraucht. ebenso keil butter, ein stück butter in form eines doppelkeils, wie weck butter, butterweck. wenn diese form von brot und butter alt ist, war sie vielleicht eine dem Donar gebrachte huldigung? ein schutz für das haus gegen den blitz? s. das folg. und über anbringung solcher schutzformen am brote J. Grimm myth. 453, Woeste in Kuhns zeitschrift 2, 205.
4)
donnerkeil, wie altlat. cuneus im carmen Saliare.
a)
nach dem alten glauben warf Donar im zündenden blitz und donner einen steinernen keil (hammer). die mhd. zeit hielt wenigstens an dem geschleuderten stein fest (daher blickeschôʒ, donres schuʒ Freid. 128, 7, wie der speer geschoʒʒen wird), und noch der heutige volksglaube läszt mit dem einschlagenden blitze einen schwarzen keil niederfahren in den boden, s. myth. 163. 164. 1171; hielten doch noch die Cartesianer das niederfallen eines durch den blitz in der luft gebildeten steins nicht für unmöglich. die kegelförmigen belemniten führen daher heute noch den namen donnerkeil, man bewahrt sie als amulete (s. donnerstein).
b)
auch die nhd. dichter brauchen diesen keil noch als willkommenes bild für blitz und donner, s. 2, 1245:
wahr ists, die donnerkeile
begehr ich, fuhr sie (Venus) fort, und dasz ich eine zeit
mit blitzen spielen darf.
Lohenstein in Hoffmannswaldaus und and. Deutschen ged. 1, 248,
Jupiter erwidert ablehnend, an Phaethon erinnernd:
die spindel und ein keil ...
darf (bedarf) zweierlei verstand ...
und hätt ich blitz und keil nicht selbst gerafft zusammen,
und aus dem wagen ihn (Phaethon) gestürzet in die flut,
so wäre längst das meer verglummen in der glut.
das.;
nach diesem splitterte sie die geborgten keile
mit eigner hand entzwei und schärfte sie wie pfeile.
249;
gleich wie zu sommerzeit der donner mit dem keile
hier einen hohen baum, dort einen felsen bricht.
Freinsheim bei Schottel 933;
wollten die götter, es könnten meine augen zu donnerschwangern wolken .. werden, ich wollte mit tausend keilen als ein feuerwerk rechtmäszigen zorns nach dem herzen des vermaledeiten bluthundes werfen. Zigler asiat. Banise im anf.;
hast du (gott) denn keinen donner mehr?
auf, spiele doch mit tausend keilen
nach deiner widersacher heer!
Drollinger 37;
auf auf, ihr keile, zeigt euch bald!
auf auf, entzündet euch, ihr blitze!
Hagedorn 3, 46.
bei Haller, 'sehnsucht nach dem vaterlande', doch nur in der ersten ausg. 1732 s. 32 (schon in der zweiten 1734 s. 37 geändert):
doch nur getrost, es kan nicht immer währen,
die keile gehn dem wetter endlich aus.
in Kleists frühling sogar vom blitz und geschosz der kanonen:
es wälzen sich wolken voll feuer aus offenen ehernen rachen
und donnern und werfen mit keilen umher.
werke 1771 2, 10;
gott zieht die hand voll keile schnell zurücke,
ihm musz der sturm gehorchend stehn.
Karschin (1764) 13.
und Jovis baum gespalten
mit seinem eignen keil (bolt).
Shaksp. sturm 5, 1;
doch fiel die eiche durch des donnrers keil.
Brentano gründ. Prags (1815) 111.
auch keul ward geschrieben (s. 8, a); Gottsched redekunst (1759) s. 332 citiert aus P. Forsters lobrede auf kaiser Karl VI.: nit anderst als wie ein von dem schwirrenden Jovis keul beblitzter .. wandersmann stehe ich hier auf diesem trauer tragenden rednerstuhl.
c)
selbst für pfeil; Lohenstein a. a. o. s. 252 braucht liebeskeil für Amors geschosz, der keil wol als bolzen gedacht, wie der donnerkeil engl. thunderbolt heiszt, d. i. bolzen. und das scheint mehr als bloszer einfall des schlesischen dichters, denn am Niederrhein ist noch 'kîl pfeil' Fromm. 5, 415, 'herabschieszen as wie ne kîl' 412, von einem fallenden gegenstande, und schon in einem wie es scheint rhein. voc. des 15. jh. Dief. 162ᶜ wird cuneus mit phile glossiert. die pfeilspitze, das ist urspr. pfîl, hat ja keilform, Donars keil ward wol eben auch als pfeil gedacht, wie denn die belemniten neben donnerkeil auch pfeilsteine heiszen (2, 1244). auffallend ist jenes nrh. kîl mit seinem vocal neben drei, frei daselbst.
5)
nach keilähnlicher form
a)
im bergbau keil, eine ader erz, besonders aber eine ader von taubem gestein, die spitz zuläuft: die keil, so zwischen zweien gengen sein. Mathesius Sar. 63ᵇ. bei Agricola intervenium, ein keil berges Dief. 305ᵇ, s. keilberg, auskeilen.
b)
ähnlich heiszen in feld und wiese spitz zulaufende stücken keile (vgl.gehre), und auch sonst wird es auf allerlei dinge übertragen; man sagt z. b. Ruszland 'schiebe Polen in Deutschland vor wie einen keil'.
c)
in der schlacht werden heeresmassen wie keile geformt, wie keile in den feind eingetrieben, um ihn zu 'zersprengen', vgl. lat. cuneus so:
mit vorsicht bildet er zum keil das heer.
Collin.
strategisch: Napoleon hatte mit dem besitz von Leipzig den knotenpunkt aller straszen, zugleich flankierte er von der gen Wurzen die böhmische, von der gen Düben die schlesische armee, wie ein keil zwischen beiden hielt er sie auseinander ... man muszte jenen keil aus Leipzig, wo er aufgesetzt war, hinausdrängen. Droysen leben Yorks 2, 345. 346. so ähnlich mhd. zwickel cuneus bei Wolfram Wh. 396, 3.
d)
in der baukunst der schluszstein eines bogens oder gewölbes.
e)
nordd. der 'zwickel' (d. i. keil) am strumpfe (Adelung, brem. wb. 2, 769). auch an kleidern nennt man keilförmige stücke keile, die z. b. in den schosz eingesetzt werden, um ihn nach unten zu erweitern (sächs., thür.), nd. kîl Schütze 2, 253 'z. b. im falten der röcke, mäntel, hemden', dän. norw. kile, schwed. kil; vgl. keilfalte.
f)
auf Rheinschiffen keil m., ein balken der senkrecht am schiff herabgeht und an das steuerruder befestigt ist, auch stöber. Kehrein nachtr. 28. vgl. altn. keili n. 'cuneus vel fulmentum firmandis navium costis' Egilsson 457ᵇ (nach Fritzner aber ungewiss).
6)
grober keil von menschen, als scheltwort:
dann denk du selbs, mein grober keil,
es näm vil zeit und lange weil,
wann du (bei tische) die krebs nach ordnung woltst
anatomieren wie du soltst.
Scheit grob. R 1ᵇ;
also wie kegel 11 sp. 387. ebenso wieder später keul:
doch wenn mir auch ein grober keul
mit schimpf und lästern dräut,
so kriegt er sein bescheiden theil
mit aller höflichkeit.
Picander (1734) 2, 240;
sie werden bei den groben keulen gar lange weile gehabt haben. Chr. Weise comöd. 245, diesz aber ist von mädchen gesagt, und es ist wol keule 4 gemeint, das man so brauchte. daher wol der häufige name Keil (Keilmann, Kielmann), vgl.grober Kiljan Fromm. 3, 1 (wie grobian), bei Lauremberg ist meister Kilian der henker, pomm. Kilian narr, pickelhering Dähnert 226ᵃ. auch zwickel keil wird ähnlich gebraucht, sächsisch närrischer zwickel, närrischer kerl. den groben keil kann man von der redensart unter 1, b herleiten, aber es musz mehr dahinter stecken.
7)
was ist 'der alte keil' in einem liede des Frankf. liederb. vom verlornen sohn? wie er mit den schweinen essen musz:
in des so trat in auch die schwarze kuh,
kam der alte keil auch dazu,
da fieng er an und schlug in sich,
seufzet und weint gar bitterlich.
Ambr. lb. 128, 30.
8)
bei der frage nach der herkunft des worts spielt die hauptrolle das verhältnis zu kegel, s. darüber sp. 388 fg., besonders keil gleich kegel u. b dort (norw. kile ist auch kegel) und nl. kegge keil u. g; die Cölner gemma erklärt sogar cuneus mit kegel Dief. 162ᶜ, und der donnerkeil u. 4 heiszt auch teufelskegel 2, 1244.
a)
wie zu kegel, hat aber keil offenbar auch zu keule ein verhältnis. das keul des 18. jh. zwar hat wenig wert, aber schon Dasypodius gibt keül, damit man etwas spaltet, cuneus, und schon in einer alem. hs. des Wigalois 88, 4 aus dem 14. jh. heiszen die kîle zeltpflöcke kiule; also wie bei keichen eine alte nebenform mit u-vocal? s.keulen unter keilen 2, a und weiter keule.
b)
keidel scheint wirklich nur zerdehnung aus keil? vgl. im 15. jh. meder für mehr, bair. speidel splitter für speil (nd. spile, nordengl. spail), oberlaus. zeidel gleich zeile, nd. kerdel für kerl; aus dem l entwickelt sich unter einwirkung des tons leicht ein leises d (die Isländer sprechen ll stets als dl).
c)
erwähnenswert sind andere namen des keils: beiszel 1, 1399 (noch nrh.), bei Dasyp., Maaler bisz f. cuneus (fehlt oben), bei Stalder bissen m., Tobler 45ᵃ bess (vgl. verbiʒʒen verkeilen mhd. wb. 1, 193ᵇ, es stimmt genau zu findo, stamm fid). ferner speigel (spickel), auch speidel; wecke, zweck, zwickel.
keil
Fundstelle: Lfg. 2 (1865), Bd. V (1873), Sp. 446, Z. 23
federkiel, s. das erste kiel.
Zitationshilfe
„keil“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/keil>, abgerufen am 19.09.2019.

Weitere Informationen …