käse m
Fundstelle: Lfg. 2 (1865), Bd. V (1873), Sp. 248, Z. 60
caseus, ahd. châsi, mhd. kæse, alts. kâsi, kiesi, mnd. keese Dief. 104ᵃ, nnd. kese, auch kæse (z. b. götting.), mnl. kase, nnl. kaas, ags. cêse, cŷse, ciese, engl. schott. cheese, fries. tzise, tzis; auch walach. kasch, irisch cais, gaelisch caise, welsch caws, briton. cawz, corn. cos, kez, litt. kẽz̉as. von andern namen und weiteren beziehungen s. gesch. d. d. spr. 1004 ff.; hier und gramm. 3, 463 nahm Grimm caseus als quelle an, während er gramm. 2, 52, Haupts zeitschr. 7, 468 eine anlehnung an goth. kas (s.kar) versuchte. aber lat. câseus (später volksm. câsius) ist dem ahd. châsi zu gleich, und wie butter entlehnt ist, mögen die Deutschen auch die bereitung des käses gleich der der butter von den Römern in besserer weise neu gelernt haben. so heiszt nord. der käse zwar ost, altn. ostr, nordschlesw. jütisch vost (s. gesch. d. d. spr. 1004), aber der käselab norw. kjäse, das bereiten des käses damit kjäsa (daneben osta), isl. kæsir m. käselab, schwed. käse, kjäs m., auch kjäsmage (käswattn käsewasser) Rietz 384ᵇ, so dasz die Nordländer die käsebereitung mittels des kälbermagens nachträglich von Deutschland aus erhalten haben müssen. auch romanisch ist übrigens caseus nicht untergegangen, ital. gilt neben formaggio noch cacio mit einigen ableitungen, span. queso, port. queixo.
1)
im süden und westen herscht, auch bei gebildeten, die gekürzte form käs, wie schon Dasyp., Maaler, Schönsleder u. a. allein ansetzen (md., z. b. sächs. durchaus nur käse); der voc. inc. teut. schreibt kas, andere vocc. des 15. jh. häufig kese, kes Dief. 104ᵃ. 143ᵃ (kês, nicht kæs, heiszt es noch voigtländisch, das sonst oberd. ist): diese zehen frische kese. Luther 1 Sam. 17, 18; staffelsweis wie man einander die ziegel bisz zum tach hinauf reichet und die käs ins schiff ladet. Fischart Garg. 67ᵃ (112), käsz geschrieben, wie gewöhnlich; in denen er wie ein mürber käs zu vielen stucken zerfelt. das.; ein jeder hatte einen groszen breiten käs wie ein mühlstein an sich hangen, welche ihnen der mälker von Parma solte zugeschickt haben. Philander (1650) 1, 233; man sagt, der käs seie ein brodfresser. Simpl. (1713) 3, 140, ein noch weitverbreitetes sprichwort, der k. reizt zum essen; brod aus seiner tasche und frischen käs. Sal. Geszner (1770) 3, 80; käs und brod. Göthe 16, 285. Es heiszt oft käs' und brot, als einfachstes mahl, als die natürlichste speise, mhd. Freidank 95, 7. Helbling 7, 490, daher in der Schweiz schlechtweg speise genannt Stalder 2, 381, wie kese und brot essen für essen überhaupt weisth. 4, 584 (von fürsten); dienten doch brôt und kæse selbst zu heiligem, abergläubischen und rechtsgebrauch, s. rechtsalt. 931. Haupt 7, 136. 8, 116. myth. 1063. ein Caspar Keseundbrod (1449) jahrb. des vereins für meklenb. gesch. 14, 243 (ein edelkneht Albreht Kese 1335 Mones zeitschr. 7, 459); Fischart, der schulvocabularien spottend, 'casiprodium, käs und brot' Garg. 140ᵇ (257), s. noch käsenbrot:
für hungers not käs und brot.
Uhland volksl. 399;
se nemen kese und brot in den sack,
se gingen up den acker.
670;
'käs und brot macht die wangen rot';
caseus et panis sunt optima fercula sanis.
voc. inc. teut. m 8ᵃ. Fischart Garg. 55ᵃ;
guͦt fründ nemen kes und brot für guͦt. Scheit grob. H 3ᵃ. in den butterbrotlandschaften butter, käs' und brot oder butter, brot und käse, nach dem rhythmus gestellt. Rädlein 527ᵃ nennt 'käs- und brod-stutzer, un damoiseau, dameret famélique, ventre de son, robe de velours', also schmarotzer, schmeichler, vgl. käsebrotfreier u. käsenbrot. als nachtisch, 'zur verdauung' wie es noch heiszt (caseus ante cibum cibus est, sed post medicina voc. inc. teut. m 8ᵃ), 'weil er mit seiner schwere die speisen nider .. trucket' Albertinus schaw- u. tummelplatz 878. 'käs und brot' heiszt bair. der sauerklee, oxalis acetosella. Es gibt kuhkäse, ziegenkäse, schafkäse, kartoffelkäse, kümmelkäse, kräuterkäse, weinkäse, grünen käse (unter unmöglichen dingen nennt Philander ein Fries der grüne käs verschmacht, 1650 1, 447), ferner deutschen, Schweizerkäse, holländischen, Limburger, Parmesankäse u. s. w.; ein starker katalog von käsen des 16. jh. in Grandgoschiers kasten und keller Garg. 55ᵃ cap. 4.
2)
in mancherlei redensarten. einem den käs abrothen, merken wo er hinaus will. Keisersberg post. 2, 71; in etwas anderm sinn im buch der liebe: es dunkt mich zeit dasz ich im die käs abrahten soll, denn ich wuszte wo es im lag. 193ᵇ, etwa wie auf die nähte fühlen; es stammt aus der fabel vom raben, der sich vom fuchse den käse ablisten läszt, s. 1, 85 das beispiel aus Philander. ähnlich ist in einem kinderspiel, das E. Meier aus Schwaben bringt s. 129, 'käs besehen', man sieht da einem steif und ernsthaft ins gesicht und sagt einen spruch dazu, wer zuerst lacht, hat verloren und gibt ein pfand. von leerem geschwätz in gesellschaft heiszt es:
ein andrer sagt von alten kesen.
Scheit grob. J 1ᵃ (nicht bei Dedekind).
der volkswitz nimmt den käse als masz, 'er ist nur drei käse hoch!' von einem kleinen menschen, en junge twe kese hoch brem. wb. 2, 762, vgl.käsehoch. dazu vielleicht sich einen käse geben, wichtig thun, tirol. Schöpf 305 (dazu kaͦsen prahlen), rhein. Kehrein, els.: (wenn sie noch erben sollte) do gitt sichs erst e käs. Arnold pfingstmontag 87.
3)
auch der quark heiszt käse, der ungeformte käsestoff, bair. Schm. 2, 334 (daher der geformte mlat. formella casei, parvus caseus, kese Dief. 243ᵃ, Graff 4, 500, vgl. ital. formaggio käse):
get, liebe geschwei, den kes nempt hin
und pacht die vasnachtkrapfen draus.
fastn. sp. 53, 15;
hast du mich nicht wie milch gemolken und wie kese lassen gerinnen? Hiob 10, 10; 'die milch wird zu käse', wenn sie sich schüttet, gerinnt, s.käsen. daher wie quark, schwäb. 'du bekommst einen käs!' gar nichts. Schmid 306; bair. tir. en (blauen) kas! schnöde abweisung. s.käsekuchen, bei Fischart groszm. 27 eierkäs. vom käsedrücken, d. i. quarkpressen (vgl.käsesack), einem volksmäszigen press- oder drängelkampf (in Sachsen presswurst) s. Schmeller 2, 335, Stalder 2, 91, Tobler 95ᵇ, tir. kasdrengen Schöpf 304; sprichwörtlich schon bei Fischart: was truckst den käs? es gehn vil gut schaf in einen engen stall. Garg. 97ᵇ (Sch. 171), d. i. dränge uns nicht so, du findest schon noch platz; ihr truckt mich zu eim weichen käs! groszm. 577 Sch., weicher k. ist eben quark, auch quarkkäse, schmierkäse; doch gehn die begriffe quark und käse 1 natürlich, wie die sachen, leicht in einander über. heiszt doch quark selbst auch formadius, est quoddam genus caseorum. Dief. wb. v. 1470 129.
4)
von der ähnlichkeit mit quark wird auch der eszbare boden an den artischoken käse genannt; ebenso die blumen am blumenkohl, s.käsekohl; tir. das schwammichte mark in unreifen nüssen u. ä. Schöpf 305 (vgl. käsig). endlich auch die augenbutter, käse in augen, gramiae. Stieler 910: meine augen sind roth und triefen und sind voll käse. Keisersberg post. 33.
Zitationshilfe
„käse“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/k%C3%A4se>, abgerufen am 20.06.2019.

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