junger m
Fundstelle: Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2379, Z. 72
vgl. unter dem subst. junge 1.
jünger m
Fundstelle: Lfg. 11 (1877), Bd. IV,II (1877), Sp. 2379, Z. 73
puer, discipulus.
1)
der comparativ von jung war in der kirchlichen sprache seit dem 8. jh. in ausgedehnte substantive verwendung gekommen, indem man dadurch zunächst die schüler Christi bezeichnete, das discipulus der vulgata übersetzend (der Gothe hatte das μαθητής des griech. textes durch sipôneis wiedergegeben), ahd. jungiro, alts. jungaro, jungro, ags. geongra, fries. jongera; in den nord. sprachen fehlt das wort. mhd. lebt es als junger fort, doch macht die in den früheren dialecten ausschlieszlich herschende schwache form, die sich nur noch selten findet: sanctus Dionysius jungern vrâgeten Dionysium, warumbe sie Timotheus alle vürliefe an vollekomenheit? Meister Eckhart 16, 1, gemeiniglich der starken form platz. auch im nhd. findet sich unumgelautetes junger noch:
so Christus seinen jungern hat befolcht
das ausz zuͦ teilen umb keinen solt.
Schade sat. u. pasqu. 1, 13, 17;
lernet wie Christus junger beten!
34, 270.
bei Luther und nach ihm ist das umgelautete jünger durchgeführt: und er rief seine zwelf jüngere zu sich. Matth. 10, 1; da redete Jhesus zu dem volke, und zu seinen jüngern. 23, 1; sandte Jhesus seine jünger zween. 21, 1; es war aber einer unter seinen jüngern, der zu tische sasz an der brust Jhesu. Joh. 13, 23; und trat auf einen platz im felde, und der hauf seiner jünger, und eine grosze menge des volks. Luc. 6, 17; da aber Saulus gen Jerusalem kam, versuchte er sich bei die jünger zu machen, und sie furchten sich alle fur jm, gleubeten nicht, das er ein jünger were. ap. gesch. 9, 26;
als noch, verkannt und sehr gering,
unser herr auf der erde ging,
und viele jünger sich zu ihm fanden,
die sehr sehr selten sein wort verstanden.
Göthe 13, 119;
von den schülern Johannis: da aber Johannes im gefengnis die werk Christi hörete, sandte er seiner jünger zween. Matth. 11, 2; und allgemein, im gegensatz zum meister: der jünger ist nicht uber seinen meister, wenn der jünger ist wie sein meister, so ist er volkommen. Luc. 6, 40; vgl. jüngerin.
2)
in freierer anwendung, aber von der bibelsprache ausgehend, als schüler, lernender: mhd.
ir (der pfaffen) junger habent ouch wol erchant
wie in ir mäister hant
vor gitragen daʒ bilde:
bîchte und bivilde,
misse unt salmen
daʒ bringent si allenthalben
ze etlîchem choufe.
H. v. Melk erinnerg. 71;
Hagene dolte kûme den kunstlôsen man,
daʒ er als ein begoʒʒen brant riechen began
der meister vor dem junger.
Gudr. 364, 3;
nhd. da was abt Carus, des gemelten Marianus junger. deutsche städtechr. 3, 92, 9; Johann Viccleph von Engellant, und der machet vil pucher und schul het zu Prag .. und liesz (hinterliesz) etlich jungeren: Johannem Husz, Jeronimum und Petrum von Tresen. 295, 32; eine universitet .. hette fünf geschmeid: gute ordnung: das liecht reiner lehr: gute disciplin oder zucht: einigkeit der lehrer und jünger: freundlich- und gutthätigkeit der obrigkeit. Zinkgref apophth. 1, 280; in der neuen schule, die er (Winkelmann) betrat, horchte er nicht nur als ein gelehriger, sondern als ein gelehrter jünger seinen meistern zu. Göthe 37, 48;
nun lag kaum einen büchsenschusz
davon (vom kloster) ein stift voll wohl genährter jünger
des heilgen abts Antonius.
Wieland 22, 73 (Oberon 2, 32).
3)
jünger, jüngling (gegensatz zu dem plur. eltern majores; vgl. fries. alle frîa Fresa .. alsa fir sâre frî and ful beren wêre, and fon alderon tô jungeron nêna hôronga nêre. Richthofen 539ᵃ, 17): gab dem jüngling Uriasbrief an die keiserin, des innhalts, das die keiserin zu handt zeiger disz briefs solt lassen erwürgen. der jünger ritt frölich sein weg. S. Frank germ. chron. 1538 106ᵇ.
4)
jünger, bei einigen handwerkern, z. b. bei den bäckern in einigen städten, einer der zwischen einem jungen und einem gesellen steht, indem er sich, ehe er gesell werden kann, zum jünger erklären lassen musz. Jacobsson 2, 323ᵇ (vgl. dazu unter junker). aber auch wol geradezu = lehrling:
bist auch ein helwanger meins mans (sagt die frau zum gesellen),
und dunkest dich ein groszer Hans.
ja, auf der gassen spat und fruͤ,
aber in der werkstat ists muͤh,
da vertrittst du noch kaum ein (einen) junger.
H. Sachs 1, 481ᵃ.
Zitationshilfe
„junger“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/junger>, abgerufen am 13.11.2019.

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