hulda, hulde
Fundstelle: Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1887, Z. 61
als eigenname in der verbindung frau Hulda, vorzüglich bei Luther: zuͦm andern beschleüszt er (gott) das alle person, so sy noch in der natur und ersten geburt sind, unrecht und bösz ... hie tritt fraw Hulde herfür mit der potznasen, die natur, und darf irem got widerpellen, und in lügen strafen. auslegung der epist. (Basel 1522) 69ᵃ; hinfürder leret er (Carlstadt) uns, was fraw Hulde die natürliche vernunft zu diesen sachen sagt, gerade als wüszten wir nicht, das die vernunft des teufels hure ist. werke 3, 71ᵃ; von fraw Hulda der klugen vernunft d. Carlstads. 78ᵃ; weil der text spricht, das ist mein leib, der für euch gegeben wird. welch wort deutet fraw Hulda also, es sei eben so viel gesagt, als, das brot wird für euch gegeben. ebenda; wo seid ir nu fraw Hulda mit ewer klugheit? 79ᵃ; das dritte stück fraw Hulden, damit sie beweiset, das Christus leib nicht im sacrament sei. 81ᵇ; dis sind fast die besten und schönsten stücke fraw Hulden, in diesen sachen, darin man sihet, wie sie des teufels braut ist. 87ᵃ; darauf habe ich im büchlin wider die himlischen propheten reichlich der fraw Hulda geantwortet. 493ᵇ; hie sollen wir aber fraw Hulda der tollen nerrin der vernunft antworten. 4, 161ᵇ; gott ist die ursache zu sündigen; warumb hat ers also geschaffen? spricht frau Hulda, die vernunft. tischr. 296ᵃ. auch bei Mathesius: in disem lären scheffel, da weder trost noch lehr innen ist, der nur ein eusserliche gestalt und ansehen hat .. da sitzt fraw Hulda die abgötterei. Sar. (1562) 143ᵇ (9. predigt); hier überall, im gegensatz zur göttlichen offenbarung, von der natürlichen anschauung und denkart; sonst aber auch, noch sinnlicher, von einem bösen weibe: fordert er (Lamech) seine Jesabel und Herodias, beide fraw Hulden, zu sich uber tische und fehet an Adams predigt und gottes straff zu verlachen. Mathesius Sar. 11ᵃ; einer hexe: die alte fraw Hulde wuste ohne das wol, wo der pelz entzwei. Joh. Rohde tugendsamer weiber spiegel (Erfurt 1586) Fᵃ (vorher eine alte hure .. die jederman für eine kluge fraw hielt); wider den teufel, bapst, welt, und fraw Hulden. Gᵇ. frau Hulda ist die vorzüglich in Hessen und Düringen gekannte, oft unter dem bilde einer häszlichen struppigen alten gedachte, dem haushalt vorstehende und ihn prüfende mythologische figur, vgl. Grimm d. mythol. 247 f. sie erscheint unter den genossen der wilden jagd, mit ihren begleiterinnen, den hulden:
die hulden sie kommen von durstiger jagd
und laszt ihr sie trinken, wies jeder behagt,
dann sind sie euch hold die unholden.
Göthe 1, 226.
hulde f
Fundstelle: Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1888, Z. 33
gratia, favor, die ältere form für das nhd. gekürzte huld (s. d.). wie das mhd. hulde gewöhnlich ohne umlaut, trotz der ahd. form huldî; vereinzelt nur steht die umgelautete form hülde: hülde und gnade. Reutter v. Speir kriegsordn. 77;
ach du mein zartes fräuelein,
schleusz auf das junge herze dein,
nimm mich in deine hülde.
Hoffmann gesellsch. lieder no. 6.
hulde bezeichnet:
1)
abhängigkeit, treue des lehnsmanns gegen den lehnsherrn, und die feierliche bekräftigung derselben: hulde, omagium, vulg. manschaft voc. inc. theut. k 4ᵇ; denjenigen, so mit leib und gut unter irem (des kaisers und der fürsten) schutz leben sollen, und mit eiden und hulden verbunden sind. Luther 4, 440ᵇ; ob man eid, hulde oder pflicht halten solle. 8, 7ᵃ; gern in den verbindungen hulde schwören, hulde thun:
si enphiengen albesunder
ir lêhen, ir liut unde ir lant
von ir hêrren Tristandes hant:
si swuoren hulde und wurden man.
Trist. 134, 13;
daʒ her deme kunge hulde tû nâch vrîes mannes rechte. Sachsensp. 3, 54, 1; alle die, die des gotzshuss ze sant Blasi eigen sind, und im hulde habend getan. weisth. 1, 31 (Zürich, von 1347); damit sie trew, hulde, eide und pflicht, so sie irer oberkeit gethan und geschworen haben, brechen. Luther 3, 108ᵃ; das sie irer oberkeit trew und hulde geschworen haben, unterthenig und gehorsam zu sein. 124ᵃ; du schendlicher reiszender wolf, mein eid und hulde hab ich dir nicht gethan, sondern meinem rechten hirten. 8, 7ᵃ; hulde nehmen, sich huldigen lassen: nennen sich christliche brüder, nemen eid und hulde. 3, 124ᵃ; hulde führen, im stande der unterthänigkeit leben: wenn untersassen irem herrn huldeten, der meinung sie wolten in tödten, und uber drei tage rewete sie es, und geben sich recht in gehorsam von herzen, lieber, were es hie auch not, aufs newe und anders hulden? nein zwar, weil sie nu die hulde recht füren, die sie doch felschlich gethan hatten. 4, 326ᵇ. — hulde tragen, treu, ergeben sein:
die Deutschen wusten wenig für zeiten von dem golde,
sie trugen trew und glauben für allem alle hulde:
jetzt wissen Deutschen wenig vom glauben und von treue,
sie dienen mehr dem golde, dann gott, ohn alle scheue.
Logau 2, 173, 81.
2)
hulde, gunst, gnade des höhern gegen den niedern: so lieb euch meines gnädigen herrn hulde, gunst, gnade oder ungnade ist. Reutter v. Speir kriegsordn. 32; einem mit hulde zugetahn sein, in amoribus aliquem habere, et alicui esse. Stieler 852; in der form holde:
Apollo nahm mich auf in seine gunst und holde,
Vulcanus hatte schon gemacht von gutem golde
die feder meiner faust.
Opitz 2, 143.
von gott: befehl damit dieselbigen in gottes hulde, barmherzigkeit, schutz und trost. Luther 3, 91ᵇ; es fare mir lieber weg fürsten und menschen gunst, und bleibe mir gottes hulde, bleibt mir gottes hulde, so wird sich menschen hulde wol finden, findet sie sich nicht, so fare sie zum teufel, gottes hulde ist mir gnug. verliere ich aber gottes hulde, so bleibt mir zuletzt menschen hulde auch nicht, so fare ich denn zum teufel sampt meinem fürsten, beide mit gottes und menschen unhulde. 297ᵇ; der herr war mit im, und neiget seine hulde zu im. 1 Mos. 39, 21; ja du bist viel williger die sünde zu vergeben, denn wir sind deine hulde zu suchen, und die besserung fürzunehmen. Schuppius 444. auch die gunst der geliebten gegen den liebenden heiszt mhd. hulde, das liebesverhältnis ist ja von dem verhältnis des dieners zum herrn beeinfluszt (auch nhd. huld wieder in gleichem sinne, vergl. oben sp. 1887):
sô dien ich ir ûf sölhen wân,
daʒ si mich hulde lâʒe hân.
U. v. Lichtenstein 129, 16;
ê daʒ ich mîn ritterlîche stæte bræch an guoten wîben,
ich wold ê immer valscher wîbe hulde vri belîben.
425, 2.
3)
der plural in mehrfachem gebrauche.
a)
im sinne von gnade, güte: das verdrosz aber die von Augspurg .. und wurden zu rat, sie wolten über sein knecht richten, .. und wolt dan der Onsorg nit nach iren hulden stellen und gedenken, so wolten sie über sein sun und die andern knecht auch richten. d. städtechr. 5, 51, 10; nach dem mich gott aus lauter güte und barmherzigkeit, aus dem elend dieser welt zu seinen hulden erfoddert .. hat. L. Keiser bei Luther 3, 421ᵃ; verbleiben euch mit beharrlichen churfürstl. hulden und gnaden wohl beigethan. Dreyhaupt Saalcreys 1, 459 (aus einem churfürstl. schreiben von 1650);
und steht in groszen hulden.
B. Ringwald geistl. lieder A 7ᵃ;
alles was fleuget, was wandert und springet,
freue sich solcherlei himmlischer gaben,
die wir zu hulden und gnaden uns haben.
Logau 3, 213;
von der geliebten gegen den geliebten:
vind ich si, ich sol so ritterlîchen nâch ir hulden ringen.
Lichtenstein 425, 24;
als schluszformel eines briefes: mich zu gunst und hulden empfehlend. Göthe briefe an Voigt 373.
b)
bei jemandes hulden, bei verlust der huld jemandes: dar nâch sal her gezûg (zeuge) sîn aller dinge, die man an in zûhet (wegen deren man sich auf sein zeugnis beruft) bie des rîches hulden. Sachsensp. 3, 54, 2; und sol nieman dhain widerrede darnach tuͦn by deʒ rates hulden. d. städtechr. 4, 145, 42; ich ermahne euch bei des reichs hulden. reform. kaiser Sigmunds von 1436 bei H. a Lapide dissert. de rat. stat. s. 118.
c)
bei meinen hulden aber auch als bekräftigungsformel, so wahr ich treu bin (nach hulde 1):
gnediger herr, bei meinen hulten,
damit eur fürstlich gnad ich bin
verwand und zugethan vorhin,
so will ichs alls mit fleisz verrichten.
J. Ayrer 141ᵈ (719, 19 Keller).
d)
mit hulden, mit gunst, erlaubnis:
ich var mit iuwern hulden herren unde mâge.
Hartmann v. Aue lieder 22, 4;
ich sprach, o bruͦder ich euch haisz,
wann ewren namen ich nit waisz.
möcht ichs mit hulden von euch han,
ich bitt euch, laszt mich den verstan.
J. v. Schwarzenberg 151.
e)
die hulden, auch holdseligkeiten, süszigkeiten, annehmlichkeiten (vgl. das adjectiv hold 3, sp. 1735):
sprecht vom lieben, theuern heerd?
von des friedens hulden?
Fouqué im frauentaschenbuch von 1818 s. 34.
hulde adj
Fundstelle: Lfg. 9 (1875), Bd. IV,II (1877), Sp. 1889, Z. 69
gnädig, geneigt: so werden dir gott, die engel und menschen hulde. M. Neander menschensp. 119ᵇ.
Zitationshilfe
„hulde“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/hulde>, abgerufen am 17.09.2019.

Weitere Informationen …