heraus adv
Fundstelle: Lfg. 5 (1872), Bd. IV,II (1877), Sp. 1026, Z. 20
auswärts und her, nach einem sprechenden zu.
1)
die form. ahd. hera ûʒ (Graff 1, 534), mhd. her ûz (wb. 1, 688ᵃ); dô wart die kaiserinne eines sunes swanger ze Rôm in der stat. dar nâch fuer der kaiser und die kaiserinne her auʒ gein tautschen lanten. Germ. 12, 74 (bairisch, 14. jahrh.). die nhd. formen verlaufen wie bei den ähnlichen zusammensetzungen herab, heran, herauf. die betonung ist heraús, selten und nur aus besondern gründen héraus:
denn hinein sah man keinen stich,
doch heraus desto besser.
Blumauer 2, 12,
wo der gegensatz von hin und her besonders hervorgehoben werden soll; und die gewöhnlich betonte form geht zu er aus, eraus (th. 3, 699) zurück, weiter noch zu raus: zwar kam nur so viel raus. polit. stockf. 330;
on gfehr het da ein fuchsz sein wesen
in einem loch, mit dorn verdüscht;
lief rausz, bald hett das thier erwischt.
B. Waldis Esop 4, 88, 10;
die angst tritt häufig aus
und bricht für heiszer not zu mund und augen raus.
Fleming 52, 22 Lappenb.;
vielleicht ists raus! o weh! o wie mir armen graust.
Göthe 7, 96;
und blast die kümmerlichen flammen
aus eurem aschenhäufchen raus.
12, 36.
für heraus geht namentlich im 16. jahrh. ausher, vergl. th. 1, 886:
unwillig thet ern (den beutel) auszher ziehen.
B. Waldis Esop 4, 21, 104;
ein jung gesell kam auszher (aus dem hause) gahn.
4, 24, 13.
weiterbildung von heraus ist herausher und herauser, s. d.
2)
heraus zeichnet eine bewegung von einem eingeschlossenen oder eingegränzten orte her einem sprechenden entgegen. es ist verschieden von herauszen, das die ruhe an einem solchen orte, in der richtung nach einem sprechenden vergegenwärtigt; doch begegnen verwechselungen: (früchte) zeitig und wolgeschmackt, als wir sy nie herausz (in diesem fremden lande) gessen hetten. Frank weltb. 522ᵇ;
so bleibt her ausz, last uns hinein.
Laurin 1491 Schade.
3)
daher steht heraus nur mit verben der bewegung, die aber in heftiger oder auch nur sehr lebendiger rede unterdrückt werden. so bei einer erzählung: da höre ich vor meiner thür ein lautes geräusch. ich heraus, und frage was es gebe;
mein haus hat kein thür,
mein thür hat ke haus;
und immer mit schätzel
hinein und heraus.
Göthe 3, 64;
oder bei einem befehl: so sprach aber Simei da er fluchte, er aus, er aus, du bluthund, du loser man. 2 Sam. 16, 7; herausz! bist mans werd, da wöllen wir einander die seel auf dem pflaster umbjagen. Garg. 94ᵃ; heraus hundsfutt, ad arma exi sceleste! Steinbach 1, 50; wachtmeister. heraus ins gewehr! Kotzebue dram. sp. 3, 315, wo kommen, gehen zu ergänzen; ebenso in der fügung heraus damit! (vergl. unten mit etwas heraus kommen): L. R. thatsachen! beweise! tausend für einen! N. heraus damit! Schiller parasit 2, 4;
den brief!
heraus damit! ich musz ihn wieder haben.
Karlos 2, 8;
heraus mit eurem flederwisch!
nur zugestoszen! ich parire.
Göthe 12, 193;
heraus auch für sage heraus: 'man behauptet .. noch anderes, was ich zu wiederholen mich genire.' nur heraus, ermunterte der prinz. Freytag handschr. 3, 103; in der erzählung: gerade heraus. dieser Selicour ist eben so unwissend, als er niederträchtig ist. Schiller parasit 2, 3. Auch in den verbindungen heraus müssen, heraus können, heraus wollen sind verben der bewegung zu ergänzen, namentlich wieder gehen und kommen: er hat mich vermauret, das ich nicht heraus kan, und mich in harte fessel gelegt. klagel. 3, 7; er musz heraus (aus dem hause kommen)! aber auch in bezug auf eine rede, eine mittheilung: es musz heraus!; es musz heraus — ich darf es nicht länger bei mir behalten — böse zungen haben sich angriffe gegen sie erlaubt. Schiller parasit 5, 3; er will nicht heraus (aus seinem zimmer); sô eʒ (die otter) denne her wider auʒ wil mit den vischen, sô mag eʒ niht. Megenberg 150, 4; die hüner im korbe wollen gern heraus, und die drauszen wollen gern hinein. Schottel 1128ᵃ; er will nicht mit der sprache heraus; hastu etwas gehöret, las es mit dir sterben, so hastu ein rügig (ruhig) gewissen. ... aber ein narr bricht heraus, wie ein zeitig kind heraus wil. Sir. 19, 11; ja sie wolte zwar nicht recht damit heraus, dennoch konte ich so viel verstehen, dasz auch wohl mein bruder .. ihr nicht unangenehme sei. Talander Olorena (1694) 266; sie betrachtete die lage der karten sorgfältig, schien aber zu stocken und wollte mit der sprache nicht heraus. Göthe 25, 279;
Creon. nun sagest du es nicht? hernachmals bist du frei.
bote. so will ich dann herausz. ich weisz nicht wer der sei,
der erst den todten hat verdeckt.
Opitz 1, 171.
die verbindung heraus sein bezeichnet das ende einer auswärts und her gerichteten bewegung (vergl.her sein sp. 1000 und unten herbei sein, herein sein, herunter sein): er ist schon heraus (aus dem hause gegangen, gekommen); übertragen es ist heraus (ist offenbar); was heraus ist, schwiert nicht mehr. Simrock sprichw. 243; da ich aus den hecken der dorfgärten heraus war und die wiesen hingehen wollte. Göthe 25, 356; lieber gott, wie dank ich dir, dasz ich aus der wirthschaft heraus und wieder geborgen bin! 7, 120; dasz sie aber die Griechin nicht ist, für die wir sie hielten, ist heraus. Schiller 750. heraus haben für heraus gesagt, gebracht haben: als nun der Jos sein mes geschwind heraus hat, gibt er den seinen das wychwasser. Wickram rollw. 138, 7 Kurz; ich habs heraus! den sinn einer dunkeln stelle, die lösung eines rätsels.
4)
zu heraus gesellt sich eine genauere bestimmung der richtung: und die kaufleute des königs kauften die selbige wahr, und brachtens aus Egypten er aus. 1 kön. 10, 29; welche euch nicht aufnemen noch hören, da gehet von dannen heraus. Marc. 6, 11; was aber zum munde eraus gehet, das kompt aus dem herzen. Matth. 15, 18; durch die halle sol er hin ein gehen, und durch die selbige wider heraus gehen. Hes. 44, 3; (die wüste) kompt von BethEl eraus gen Lus. Jos. 16, 2; da nu das gesinde solch geschrei hörte, liefen sie her aus in garten zur hinder thür. Susanna 26; sie haben ihn bis ans thor heraus geleitet;
heraus aus deiner wolfesgruft,
furchtbares heldenheer,
heraus zum streit in frische luft,
mit muth und schlachtgewehr!
Gleim 4, 27;
man geht hier heraus; vergl.dortheraus 2, 1307. weitere beispiele sind im folgenden verstreut.
5)
diese genauere richtungsbestimmung hat bisweilen bewirkt, dasz heraus als praeposition behandelt wurde, die einen dativ nach sich zog: heraus den hohen groszen büchern. Luther br. 1, 436; das in der dunst heraus den helmen drang. H. Sachs (1560 2, 3, 190ᵇ) bei Schm. 4, 1149 Frommann.
6)
die scharfe bedeutung von heraus (oben no. 2) fängt in der neueren zeit an sich zu verwischen und heraus und hinaus werden nicht mehr scharf unterschieden. in der sprache des gemeinen lebens hört man auf die aufforderung komm heraus! wol die antwort: ich werde sogleich heraus kommen (statt hinaus); oder ein innen befindlicher sagt: ich will dir das buch heraus bringen. die anfänge der verwechselung gehen bis ins vorige jahrh. zurück; so bei Lessing: wir lassen anschreiben, und wenn man nicht mehr anschreiben will und uns zum hause herauswirft, so versetzen wir, was wir noch haben. 1, 525. vgl. auch heraus gehen 6 unten, und heraus hungern.
7)
in den zahlreichen verbindungen mit verben, die heraus eingeht, wandelt sich der begriff des adverbiums öfters in so fern, als statt der bewegung von einem eingeschlossenen orte auf einen sprechenden hin überhaupt nur eine solche von der verborgenheit in das freie und offene gezeichnet wird, wobei die beziehung auf einen sprechenden zurücktritt. oft auch stehen verbalverbindungen mit heraus in der einen wie in der andern bedeutung (vergl. unten heraus bringen, heraus kommen u. a). verben mit denen sich heraus bindet, sind: ackern: ein kästchen herausackern, arculam exarare. Hederich 1249. ahnen: das gedicht aber, welches der gegenwärtige erklärer gewählt, die harzreise, ist sehr schwer zu entwickeln, ... und doch hat er sehr viel geleistet, indem er das angedeutete genugsam herausahnete. Göthe 45, 317. ängstigen: ausz dem angster (glas mit engem hals) musz mans (das getränk) mit engen ängsten .. herausz ängstigen. Garg. 100ᵃ. arbeiten, aus einem rohstoffe durch arbeit etwas ans licht fördern: aus einem solchen stoffe lasse sich nichts vernünftiges herausarbeiten. Tieck 9, 86. reflexiv sich durch arbeit aus einem zustande befreien: sich aus dem schnee herausarbeiten, eluctari nives. Hederich 1249. athmen: dasz ich aus der tod- und moderhöhle nur recht mit mühe herausathme. Herder an Caroline Flachsland (1847) 1, 240. beichten: er wird alles herausbeichten, wenn man ihn fraget, omnia, si scrulaberis, effutiet. Stieler 875. beiszen: das kind hat ein stück aus dem apfel herausgebissen. übertragen durch bissiges wesen jemand aus einem orte verscheuchen: protestanten, die der geist des concordats allmälich aus Östreich herausbeiszen wird. J. Grimm in Pfeiffers Germ. 11, 127. dann aber auch reflexiv sich kämpfend aus einer schwierigen lage befreien: und dergestalt bisse ich mich zimlich heraus. Simpl. 3, 48 Kurz; und neuer transitiv, etwas mit kampf und mühe zu wege bringen: ein examen, eine gute arbeit heraus beiszen. bekennen: damit er ja klerlich eraus bekennet, das die wort Christi, nemet, esset, das ist mein leib für euch gegeben, brot und leib zusamen fassen. Luther 3, 370ᵃ. bekommen, ein ergebnis, ein factum ans licht fördern: wie sich das verhält, das musz ich noch heraus bekommen; um die bedingung aller zweckmäszigkeit, die einheit des grundes, herauszubekommen. Kant 7, 301. auch geld heraus bekommen, als ergebnis einer abrechnung. bellen:
hat leides dir das blut vergällt,
und wühlt dir groll im herzen;
ihn lieber grad herausgebellt,
als unter bittern scherzen!
Voss 5, 46.
berufen: einen heraus berufen sich mit ihm zu bereden, evocare aliquem ad colloquium. Hederich 1249. vgl.heraus rufen. beuteln: hab ich ausz vielen büchern den kern und mark .. heraus beütelt. Frank weltb. 143ᵇ. bewegen: kam es ihm vor, als wenn Marianens thüre sich öffnete, und eine dunkle gestalt sich heraus bewegte. Göthe 18, 112. bilden: aus dem rohen steine eine herliche statue herausbilden; ich begreife es, und fühle, dasz sich jeder von uns aus sich herausgebildet hat. Klinger 9, 287; Klinger gehört unter die, welche sich aus sich selbst, aus ihrem gemüthe und verstande heraus zur welt gebildet hatten. Göthe 26, 257. blasen: den letzten athem herausblasen, extremum halitum efflare. Steinbach 1, 120. blechen: aber da hab ich ja nun alles und sie nichts, und da werd ich nun das ganze gaudium wieder herausblechen müssen? Schiller kab. u. liebe 5, 5. vergl.heraus geben. blühen: mit ihrem leichtaufgebundenen lockichten haar, wo hier und da eine blume herausblüht. Sturz 2, 64. bolzen, stieren: von den groszen ausstrotzenden und herausbolzenden augenöpfeln. Bartisch augendienst 216. — vgl.bolzen, th. 2, 236. brausen: kinder die aus der schule herausbrausen. J. Paul holzschnitte 191. brechen,
1)
transitiv: etwas aus einem umschlossenen orte brechend an sich bringen: einen edelstein aus einem geschmeide heraus brechen; einem die zähne herausbrechen, evellere alicui dentes. Hederich 1249; brach er einen groszen stein aus demselben (dem hause) heraus. Hebel 2 (1053) 96;
werd ich dereinst zum lezten mal
die dürren, kalten hände falten,
und ... in beiden fest dich (tabaksdose) halten,
so wird mit schluchzen mein gemahl
heraus dich brechen.
Gökingk 3, 180.
2)
intransitiv: aus einem umschlossenen orte gewaltsam hervordringen: wer hat das meer mit seinen thüren verschlossen, da es eraus brach wie aus mutterleibe. Hiob 38, 8; das feuer bricht aus dem gipfel des berges heraus, ignis erumpit e vertice montis. Steinbach 1, 201; der dieb bricht aus dem gefängnisse heraus;
ein bach, ein regenbach, vom himmel her gestärket, ...
bricht da und dort herausz.
Logau 2, 68.
von einer grenze: bricht eraus an der seiten Ekron her gegen mitternacht werts, und zeucht sich gen Sichron. Jos. 15, 11. von einer jahreszeit: die frühlingsfieber sein unsern leibern sehr heilsam; ebener maszen schadet uns auch keinesweges die im herausbrechenden sommer unseres glükkes uns zu handen stoszende geringe unglücks-fälle. Butschky Patm. 609.
3)
häufig in bezug auf affecte, worte: da er nu meinet, er hette ansehens gnug, und das im der gemein man würd folgen, brach er weiter heraus, und nam für ein lermen anzurichten. Luther 3, 127ᵃ; denn wo die werk und lieb nit herausbricht, da ist der glaub nit recht. Alberus widder Jörg Witzeln E 8ᵃ; die natürliche liebe zum leben .. brach bei dem guten alten in ein weinen heraus. pers. rosenth. 6, 1; der sohn .. brach in diese worte heraus. 1, 4; der bettler brach in diese worte heraus. pers. baumgarten 3, 3; da ward nun der mann verdrieszlich .. und brach in diese worte heraus. 10, 4; endlich brach sie gar heraus, und nennte es bei dem rechten namen. unw. doctor 337; ich füttre mein herz mit liebe, gall und gift. es streitet gegen einander in mir, sieh, es pocht und will los: und brichts heraus — ich weisz nicht was überwindet. Klinger theater 2, 238; warum sollen nicht auch einmahl die holden strahlen einer weltlichen freude aus einem gemählde herausbrechen? Tieck Sternb. 1, 112; er war oft heftig in seinen ausdrücken; wo er verurtheilte, that er das mit starken worten, auch im gespräch brach er wohl heraus, dasz der doctor und sogar der vater zurückwichen. Freytag handschr. 1, 224.
4)
reflexiv, sich heraus brechen, sich vor andern überheben, vergl. brechen III, 1, th. 2, 350: das innerlich wesen mus sich nicht viel heraus brechen. Luther 4, 175ᵇ;
sich dennoch also bricht heraus,
als hett er ein gewaltig haus.
B. Ringwald laut. warh. 95.
brennen: das feuer brennt zun fenstern und dache heraus, relucent flammis fenestrae et culmina domus, flamma erumpit. Stieler 229;
er (der im innern glühende geistesfunken) brennt ...
einst lichterloh aus ihm heraus.
Gökingk 2, 127.
transitiv: und da wurde vollends mein altes wesen aus mir herausgebrannt und geschlagen, als wenn viele tausend funken bei jedem hiebe aus brust und herzen flögen. Tieck 16, 189. bringen,
1)
aus einem orte her bringen: du solt hauszen stehen, und er dem du borgest, sol sein pfand zu dir er aus bringen. 5 Mos. 24, 11; da aber die fünf könige zu im eraus bracht waren. Jos. 10, 24; geld von einem heraus bringen, exprimere pecuniam ab aliquo. Hederich 1249; so könnt ich dann anrücken und mein herz herausbringen, und es ihr hinlangen. J. Paul Hesp. 2, 216.
2)
der begriff verengt sich mehrfach. herausbringen gilt von dem herlocken eines bekenntnisses aus dem munde eines beschuldigten: man kan nichts aus ihm herausbringen, verbum non potest ex eo elici. Serz 67ᵃ; daran angeschlossen von einem untersuchen, forschen, das vollen erfolg hat: aus diesen begriffen kann er kein erkenntnis herausbringen. Kant 3, 363; nach blos theoretischen principien des vernunftgebrauchs .. kann niemals der begriff einer gottheit herausgebracht werden. 7, 323; eine wahrheit herausbringen. 8, 308; ich musz herausbringen, wo wir uns gesehen haben! Gotter 3, 181; man will schlechterdings herausbringen, wer diese heftige schrift geschmiedet hat. Schiller parasit 5, 8; der kleine hatte nicht eher ruhe, bis ich ihm ein paar pistolen .. schenkte, und bis er heraus gebracht hatte wie ein deutsches schlosz aufzuziehen sei. Göthe 19, 357;
die wahrheit rief sie, breit ich aus.
was keines weis heraus zu bringen,
bring ich durch meinen fleisz heraus.
Gellert 1, 20.
ferner in bezug auf ausübung einer kunst, herstellung einer künstlerischen gestalt: die zeuberer theten auch also mit irem beschweren, das sie leuse eraus brechten, aber sie kundten nicht. 2 Mos. 8, 18; dasz er vermöge dieser bekanntschaft sich im lautenspielen perfect machte, und die französischen tänze überaus zierlich herausbringen lernte. polit. stockf. 40; diesen Philipp möchte er nun recht grosz, körnig, originell und tyrannisch herausbringen. Tieck nov. kranz 2, 84; dinge zu lesen die man leichter selbst herausbringt, ist in allem betracht eine kasteiung der seele. Lichtenberg 3, 12; ich bringe nichts heraus, frustra laborem impendo. Serz 67ᵃ. selbst in bezug auf mühevolles sprechen gilt herausbringen: herzliebster vater, wilst du mich dann allein in diesem wilden wald verlassen? soll dann — mehrers vermochte ich nicht heraus zubringen. Simpl. 1, 42 Kurz; da erstaunte die gute dame so, dasz sie starr auf dem sopha sitzen blieb und nur die worte herausbrachte: was musz ich erblicken! Freytag handschr. 1, 282.
3)
herausbringen, aus etwas entfernen: darumb sols in meinem newen testament bleiben, und solten alle bapstesel toll und töricht werden, so sollen sie mirs nicht eraus bringen. Luther 5, 144ᵇ; die fettflecken bringt man aus wollenen und seidenen zeugen unter andern dadurch heraus, wenn man venetianische kreide darauf schabet. Amaranthes frauenz.-lex. 1 (1773) 1047. brüllen: etwas herausbrüllen, aliquid emugire. Hederich 1249. brunsten, brennen. Luther 1, 488ᵃ. s. die stelle th. 2, 439. bürgen: sie ist im gefängnisse, und wer sie nicht herausbürgen kan, der soll nicht mit ihr reden. Chr. Weise körbelmacher 140. dampfen: es dampft aus dem schornstein heraus; der bahnzug dampfte aus dem tunnel heraus. därmen: heraus-, hervordärmen, als wenn einer weidewund gestochen wird (wenn die gedärme heraustreten). Stieler 282. dauen: er hat gar üble gerichte in masse verschlucken müssen, um den stoff seines buches herauszudauen. Varnhagen denkw. 8, 474. vergl.dauen 2, 838. deuten: ich weisz aus diesen worten keinen sinn herauszudeuten. donnern: als er diese meinung vor boszheit und zorn mehr heraus gedonert, als geredet hatte. Simpl. 2, 130 Kurz. intransitiv: die flüche donnerten heraus. Klinger 3, 159. drängen, transitiv: einen aus der thüre herausdrängen; reflexiv: die messe war eben geendigt, und unter den sich herausdrängenden einwohnern und landleuten erblickte er drei bekannte. Göthe 23, 11. intransitiv:
genug, ein jeder drängt heraus,
zu leben hier und sterben.
Claudius 1 u. 2, 49.
drechseln, bildlich, etwas zierlich und künstlich hervorbringen (vergl. th. 2, 1351): mit einer .. nachtigall gleichenden discantstimme das darauf folgende recitativ herausdrechselte. Felsenb. 2, 344. drehen: eine schraube aus dem holze herausdrehen; übertragen: Lucius, der die wirkung auf mich sah, drehte das ding von der lächerlichen seite heraus. Klinger theater 3, 310;
macht man ein bündnis mit ihm, so bleibt man am ende betrogen;
denn er dreht sich so listig heraus, wer ist ihm gewachsen?
Göthe 40, ...
dringen, intransitiv: leute dringen zum thore heraus; das blut dringt heraus, sanguis erumpit. Steinbach 1, 301; unten dringt das wasser heraus, infra aqua prosilit. das.;
mit gold und nicht mit blei hat Amor dich geschossen,
das ist nun, Flavia, durch hitz in dir zerflossen,
es dringt zun augen rausz.
Logau 1, 105, 42.
transitiv: die threnen der widwen flieszen wol die backen herab, sie schreien aber uber sich, wider den, der sie heraus dringet. Sir. 35, 19. drücken: etwas von einem herausdrücken, exprimere aliquid ab aliquo. Hederich 1249. dünnen: ganze bibliotheken sind damals, den goldschlägern mit ihrem goldschaum nicht unähnlich, aus dem Werther herausgedünnt. Tieck ges. nov. 1, 123. eilen: aus einem orte heraus eilen, proripere se ex loco aliquo. Steinbach 1, 324. eitern: herauseitern, exsaniare, exsuppurare. Stieler 32. erkennen: einen aus vielen andern herauserkennen. Beckers weltgesch. 6, 142. fabeln: sie meinte, Rosa fable aus einem traum heraus. Tieck ges. nov. 1, 137. fahren,
1)
aus einem orte her ziehen, sich schnell bewegen: wenn sie uns entgegen eraus (aus der stadt) fahren, wie vorhin, so wollen wir fur inen fliehen. Jos. 8, 5; da furen die kinder BenJamin er aus, dem volke entgegen. richt. 20, 31. namentlich von hastigen bewegungen der menschen im affect: alle leute ... vom tische aufsprungen und zun fenstern herausfuhren, um zu sehen. avantür. 1, 393; von schnellen bewegungen der thiere: isset man von iren eiern, so mus man sterben, zutrit mans aber, so feret ein otter eraus. Jes. 59, 5; ein groszer fisch fuhr eraus (aus dem wasser). Tob. 6, 2.
2)
übertragen auf gewaltsames kämpfendes vorgehen: denn die unterthanen thüren nicht herausfaren für furcht der oberkeit. Luther 1, 477ᵃ; auch auf freudiges, jubelndes: hie feret Jesaia eraus, und malet den heubtman oder könig dieses königreichs. 3, 180ᵇ. am häufigsten aber auf schnelles, unbedachtes sprechen: wer unvorsichtig er aus feret, sticht wie ein schwert. sprichw. 12, 18; wer seinen mund bewaret, der bewaret sein leben, wer aber mit seinem maul her aus feret, der kompt in schrecken. 13, 3; die schnurre fuhr mir nun so heraus. es ist nichts dran. Lessing 1, 562; oder auf rasche, heftige rede: fare nicht bald er aus zu zanken. sprichw. 25, 8; wenn ein unverständiger grober geselle mit ungestühm herausfähret, so wird ein weiser dargegen seine sanftmüthigkeit spühren lassen. pers. rosenth. 4, 5; endlich fuhr er etwas ungeduldig heraus: warum nennen sie denn Goethe nicht? Göthe 30, 225; dasz nur nicht etwa Knebel in unmuth gegen den prinzen herausfährt, ich möchte nicht, dasz ich gelegenheit zu einer scene gäbe. an frau v. Stein 1, 299; bis eine stimme, die bisher geschwiegen, mit flüchen herausfuhr. Arnim 2, 12;
eh diesz geschieht, fuhr Hüon rasch heraus,
eh soll das grosze rad der schöpfung stille stehen.
Wieland 22, 177 (Oberon 4, 55).
3)
mit einem gefährt aus einem orte her kommen: wir sind mit eigenem geschirr zur stadt heraus gefahren; transitiv: der kutscher fuhr den gast hier heraus. fallen,
1)
eigentlich: der stein fiel aus der mauer heraus; zur thüre heraus fallen, eripere sese foras. Steinbach 1, 371; er macht durch seine kraft die wolken dicke, das hagel eraus fallen. Sir. 43, 16.
2)
übertragen, einen kriegerischen ausfall herwärts machen: da die menner der stad eraus fielen und stritten wider Joab. 2 Sam. 11, 17; die menner namen uber hand wider uns, und fielen zu uns er aus aufs feld. 23; und fielen eraus aus der burg in das heiligthum, den gottesdienst zu wehren. 1 Macc. 1, 38; da fielen Jonathas und Simon aus dem gebirg eraus, und griffen sie an, und schlugen viel tod. 9, 40.
3)
ebenfalls übertragen: er fällt aus seiner rolle heraus. feilen: aus dem rohen klotze einen hofmann herausfeilen. Klinger 4, 90. fitzen: doch was deutlichkeit? die wollte ich ihm gern erlassen, wenn denn nur wahrheit zum grunde läge, die es der mühe lohnte aus seiner verworrenen schreibart heraus zu fitzen. Lessing 8, 131. auch reflexiv: sich heraus fitzen, aus einer schlimmen lage, einer verlegenheit. vgl. fitzen 1, theil 3, 1695. fliegen: der vogel ist aus dem neste heraus geflogen;
die nimmt den deckel ab (vom kästchen). ein hänfling fliegt heraus.
Hagedorn 2, 149;
ich weisz die lügen nicht all, die mir aus dem mund herausflogen. Klinger theater 4, 159. flieszen: so reibt sich daʒ tier an ainem paum, unz daʒ apostêm zepricht und der unflât her auʒ fleuʒt. Megenberg 151, 16; lasz deine brünnen er aus flieszen, und die wasserbeche auf die gassen. sprichw. 5, 16; da flos ein wasser her aus unter der schwelle des tempels. Hes. 47, 1; dis wasser, das da gegen morgen er aus fleuszt. 8; das wasser fleust aus dem teiche heraus, lacus restagnat, emanat aqua e vivario. Stieler 514. übertragen in dem sinne hervorgehen, folgen, in bezug auf vorstellungen: ob der körper die kraft in sich selbst gründen, und was alsdann herausflieszen würde, davon reden wir für jetzt nicht. Kant 8, 163. fluchen, einen fluch ausstoszen: als er plötzlich herausfluchte. J. Paul Titan 2, 216. fordern,
1)
einen aus einem orte herwärts kommen machen:
da gieng ich in das deutsche hausz
und fodert den patron heraus.
B. Waldis 4, 25, 12.
mit sächlichem object: geld heraus fordern; er fordert das buch, das er mir geliehen, wieder heraus.
2)
viel häufiger einen zum kampfe fordern, das heraus geht ursprünglich auf den freien platz, auf dem die zweikämpfe stattfinden: unangesehen keiner war, der das herz hatte, mich heraus zu fodern oder ursache zu geben, dasz ich einen von ihnen gefodert hätte. Simpl. 1, 291 Kurz; also dasz besagter jäger um solcher ursache willen mich auch heraus fodern liesz. 436; einen vor den degen herausfordern, elicere aliquem ad pugnam. Stieler 540; ihn herausfordert als einen berenheuter. Chr. Weise erzn. 835; Carl hat mich also zum zweikampf herausgefordert. Fr. Müller 3, 257; besonders lobte die mutter den freimüthigen ausdruck, wie ich den Goliath herausgefordert. Göthe 18, 26; der obrist hat ihn herausgefordert, er ist hinausgeritten, seinen gegner aufzusuchen. 20, 14. von dieser bedeutung aus auch freier verwendet: einen aufs bretspiel heraus fodern, in aleam aliquem provocare. Steinbach 1, 477; ich fordre alle ihre grübler heraus, einen bessern grund anzugeben. Wieland 19, 60 (Abd. 1, 5); ob er schon in behandlung der orangerie, der blumenzwiebeln, der nelken- und aurikelnstöcke, die natur selbst hätte herausfordern können. Göthe 17, 305. fördern: erze, kohlen aus der grube heraus fördern. vergl. fördern 2, theil 3, 1893. forschen: sie hatte nach und nach die scene, die dem unglück vorher gegangen war, herausgeforscht. Göthe 17, 373. fragen: er hatte ihm allmählich seine leidensgeschichte herausgefragt. fühlen: ich fühlte sein inneres aus der art heraus, mit welcher er das meinige zu ergründen suchte. Klinger 9, 139; durch sie bewegt, theilt man ihnen das eigentliche leben mit; man fühlt es wieder aus ihnen heraus. Göthe 28, 74; sie fühlte absicht heraus. Freytag handschr. 3, 106. führen: wo sind die menner, die zu dir kommen sind diese nacht? füre sie eraus zu uns. 1 Mos. 19, 5; füret er mich heraus zum thor gegen morgen. Hes. 42, 15; ich füre in her aus zu euch, das ir erkennet das ich keine schuld an im finde. Joh. 19, 4; alles, was in der stadt ist, heraus führen, omnia quae urbs continet, evehere. Steinbach 1, 391; einen aus dem gefängnisse heraus führen, aliquem e custodia educere. das. herausführen bergmännisch, etwas beim herausfahren mit aus der grube nehmen. Jacobsson 2, 254ᵇ. übertragen, auszer sich bringen: der gedanke des nutzens führt mich aus mir selbst heraus und gibt mir eine fröhlichkeit, die ich sonst nicht empfinde. Göthe 15, 39. fürzeln:
bisz einsmals er (Lucifer) da uberpürzelt,
und einen teufel heraus fürzelt.
Fischart Jesuiterhütlein 402 Kurz.
füttern: einen verhungerten menschen wieder herausfüttern; der rosskamm füttert das pferd heraus. gabeln, mit der gabel etwas herausnehmen: einen fetten brocken aus der suppe herausgabeln. oft übertragen, er hat etwas, einen profit herausgegabelt. gaffen: er gafft zum fenster heraus. gebären:
durch einen gerneklug, der wenn der geist ihn rürt,
jetzt dieses pralewort, jetzt jenes rausz gebiert.
Logau 1, 64, 57.
geben, in mehrfachem sinne.
1)
hergeben, in bezug auf eine bisher zurückgehaltene person oder sache: das er ime 20 gulden zu zerunge herausgab (von einer geliehenen summe). Wilwolt v. Schaumb. 35; ich habe zwo töchter, die haben noch keinen man erkennet, die wil ich eraus geben unter euch. 1 Mos. 19, 8; gib die menner eraus, die zu dir in dein haus komen sind, denn sie sind komen das ganze land zu erkunden. Jos. 2, 3; gib deinen son eraus, er mus sterben. richt. 6, 30; das ... unsere kamern vol seien, die eraus geben können einen vorrat nach dem andern. ps. 144, 13; das verwahrte herausgeben, promere, proferre ex aliquo loco. Frisch 1, 328ᵃ; das übrige vom gewechselten gelde herausgeben, reddere residuum. das.; er wollte gleich alles herausgeben, den knaben und noch geld darauf, nur euch zu befreien. Göthe 8, 48;
den pfenning geb ich dir wol eben,
kanst mir aber herausz auch geben?
dann ich hab jetzt kein heller nicht.
W. Spangenberg mammons sold A 5ᵇ;
unser zeit und ihr gesinde
fressen geizig und geschwinde
alles auf bisz an den grund:
wetten wil ich, dasz ihr schlund
kürzlich rausz gibt ungedeuet
was sie fressen ungekeuet.
Logau 1, 20, 63;
gieb diesen todten mir heraus! ich musz
ihn wieder haben.
Schiller Karlos 5, 9.
2)
herausgeben, sich äuszern, angeben, sprechen: ich musz doch ein bischen hören, was sie herausgiebt. Weisze kom. opern 3, 27 (jagd 1, 6). in reflexiver fügung: doch weil der kaiser sich so fern heraus gibt, dasz es solle ein unverbindlich gespräch sein. Luther br. 5, 364.
3)
herausgeben, bei gegenüberstellungen, vergleichen: die satire, die freilich so grob und stark als möglich ist und der unpolierten art, wie Hunold gegen Wernicke schrieb, wenig herausgiebt. Gervinus gesch. der poet. nationallitt. (1835) 3, 519.
4)
ein buch herausgeben, librum edere; er giebt unterschiedene bücher heraus, edit varios libros. Steinbach 1, 570; ein buch unter seinem namen herausgeben, divulgare librum suo nomine. das.; ein werk herausgeben, opus in publicum dare. Hederich 1250. gehen,
1)
aus einem orte herwärts gehen.
ûʒ dem wald kam er har ûʒ
gegangen vür ein einig hûs.
edelstein 63, 4;
si ritten dem Mutschelbecken
für sein aigen haus:
'Mutschelbeck, bistu dinnen,
so ge zuͦ uns herausz!
Uhland volksl. 315;
also gieng Noah er aus (aus der arche) mit seinen sönen und mit seinem weib und seiner söne weibern, dazu allerlei thier. 1 Mos. 8, 18; niemand gehe er ausz von seinem ort. 2 Mos. 16, 29; sihe, da gehet seine tochter er aus im entgegen. richt. 11, 34; David aber gieng er aus zu inen. 1 chron. 13, 17; wo ir aber in eine stad komet, da sie euch nicht aufnemen, da gehet heraus auf ire gassen. Luc. 10, 10; aus dem bade heraus gehen, de balneis exire. Steinbach 1, 545.
2)
herausgehen, von flüssigen dingen, emanare, effluere: da spaltet gott einen backenzaan in dem kinbacken, das wasser er aus gieng. richt. 15, 19; und wird eine quelle vom hause des herrn her aus gehen. Joel 3, 23; wenn man das auge drückt, so gehen threnen heraus. Sir. 22, 23; alsbald gieng blut und wasser her aus. Joh. 19, 34. — Ferner von andern sachen: du aber wirst viel krankheit haben in deinem eingeweide, bis das dein eingeweide fur krankheit er aus gehe von tage zu tage. 2 chron. 21, 15; dasz mir der schlüssel zu dem maul herausz gienge. Laz. de Tormes 63. in bezug auf gedanken und worte: denn ich schepfe meine liebe nicht aus deiner frömkeit, als aus einem frembden brunnen, sondern aus meinem eigen quellbörnlein, nemlich aus dem wort, welches ist in mein herz gepfropfet, das heist, liebe deinen nehesten. da gehet sie reichlich heraus. Luther 6, 37ᵃ; solche liebe, die heraus gehet von reinem herzen. 2, 493ᵃ; und sol von dannen heraus gehen lob und freudengesang. Jer. 30, 19; was aber zum munde eraus gehet, das kompt aus dem herzen. Matth. 15, 18; denn von innen, aus dem herzen der menschen, gehen heraus böse gedanken. Marc. 7, 21.
3)
an die letzteren beispiele angeschlossen, heiszt herausgehen, mit persönlichem subject, sich äuszern, sich aussprechen: dasz es redlicher und feiner sei, mit der wahrheit herauszgehen. Simpl. 1 (1713) s. 5; lassen sie mich ganz freimütig herausgehn. Engel Lor. Stark cap. 31; dasz du dich scheust, mit der sprache herauszugehen. Gotter 3, 161; ich wurde immer kühner, ging offenherzig heraus und war bis ins detail der wahrheit getreu. Göthe 19, 272; ein mädchen, das einem manne entsagt, dem sie ihre gewogenheit nicht verläugnet, ist lange nicht in der peinlichen lage, in der sich ein jüngling befindet, der mit erklärungen eben so weit gegen ein frauenzimmer herausgegangen ist. 26, 81; ich blamire mich, ... wenn ich mit unserm wehstande ganz herausgehe. J. Paul Tit. 2, 94; gieng endlich damit heraus, dasz er eine tochter in Nürnberg und hier einiges an sie habe. palingen. 1, 35.
4)
herausgehen, in bezug auf charakter und betragen, sich des angeborenen oder anerzogenen entäuszern, anders werden, bei Göthe beliebt: aber warum gehe ich auch aus meinem charakter heraus! 17, 106; als schon wieder neuer besuch eintraf, Charlotten willkommen, die aus sich selbst heraus zu gehen, sich zu zerstreuen wünschte. 134; liesz sich daher gefallen ... dieszmal aus seiner rolle herauszugehen, und statt des vermittlers den vertrauten zu spielen. 185; indessen hatte jeder, der nur ein einzigesmal aus seinem charakter herausgegangen war, ein pfand geben müssen. 18, 188; er war ganz aus seiner manier herausgegangen; von seinen gewöhnlichen scherzen hörte man keinen. 317.
5)
ein buch herausgehen lassen, in publicum dare: es hat .. herr Johann Michael Dillherr von dieser materi, nemlich von der h. sontagsfeier, ein schönes, geistreiches, nützliches büchlein herausz gehen lassen. Schuppius 215; welcher das abcbuch vermehrt und verbessert herausz gehen liesz. 588.
6)
im folgenden ist verwechselung von heraus mit hinaus eingetreten (vergl. sp. 1027): ob ich gleich .. mich vollkommen überzeugt habe, dasz alles auf ein leeres spiel mit begriffen herausgeht. Fr. Nicolai im leben v. Gökingk s. 58. geifern: das ir wider die offentliche schriften ein blawen dunst heraus geifert. Joh. Wigandus ob die newen Wittenberger 22ᵇ. gestalten: etwas aus der rohen masse herausgestalten. gewinnen:
bisz ich dich gar herausz gewinn.
Schwarzenberg 121ᵇ.
gieszen: geld befielt poeten und oratores, das sie alle ihre phrases dich zu loben herausz gieszen. Schuppius 709. graben: das versteckte geld heraus graben, argentum penitus abditum effodere. Steinbach 1, 630;
da wurden erst die söhne klug,
und gruben nun jahr ein jahr aus
des schatzes immer mehr heraus.
Bürger 77ᵃ.
grübeln, eigentlich: kerne aus der frucht herausgrübeln; übertragen: ich dachte hin und her und konnte nichts herausgrübeln. Seume. grunzen: es wäre gut, wir jagten einen knecht hinauf, der sie herausgrunzte. Fr. Müller 3, 27. gucken: herausgucken, prospicere. Stieler 714;
spindel im sack,
stroh im schuh,
hur im haus,
gucken alleweg heraus;
der tod gucket uns zu allen gliedern heraus. Schottel 1124ᵇ;
auf einmahl knarrt ein kleiner fensterladen,
und eine nase guckt heraus
so lang als euer arm.
Wieland 22, 153 (Oberon 4, 15).
häkeln: hätten sie anfangs ihn (den agtstein) mit langen zangen im wasser gesucht und heraus gehäckelt. Lohenstein Arm. 2, 855ᵃ. halsen, aus dem halse heraus schreien: ich bitte euch, läszt er ihn (Shakespeare Hamlet) unter andern zu dem komödianten sagen, sprecht die rede so, wie ich sie euch vorsagte; die zunge musz nur eben darüber hinlaufen. aber wenn ihr mir sie so heraushalset, wie es manche von unsern schauspielern thun: seht, so wäre mir es eben so lieb gewesen, wenn der stadtschreier meine verse gesagt hätte. Lessing 7, 24. hangen und hängen: dasz ihm das hembd hinden und vornen zu den hosen heraus hieng. Simpl. 3, 207 Kurz;
zu Wildbad an dem markte da steht ein stattlich haus,
es hängt daran zum zeichen ein blanker spiesz heraus.
Uhland ged. 358.
transitiv: dort hängt man eine fahne zum fenster heraus. haspeln: bald werd ich wild: soll ich dir jedes wort aus dem hals heraushaspeln. H. L. Wagner kindermörd. 36. hauen: die beume mit der wurzel heraus hauen, arbores radicitus excidere. Stieler 790; einen block aus einem felsen heraushauen; einen aus den feinden heraushauen, hauend befreien. heben,
1)
aus einem orte her heben: den eimer aus dem brunnen heraus heben; den quellenden, geschwollenen, dunkelgrünen frühling, ... der mit kleinen blassen spitzen aus der erde dringt, bis er sich herausgehoben voll glühender blumen, voll wogender bäume. J. Paul Hesp. 3, 139;
du kannst die freude bald erleben,
das kesselchen herauszuheben.
Göthe 12, 193.
2)
der begriff des herwärts tritt mehr zurück, dagegen der des aus mehr vor: herausheben, idem quod ausheben, ex loco tollere. Stieler 807; in verschiedenen wendungen: das (halbmasz) hub der alte bachant in zweien trünken rausz. Katziporus h 2; als sich ihre wortwechslung geendigt, und Simplicius ein glas voll wein heraus gehoben, das er dem Springinsfeld zum willkomm zugetrunken hatte. Simpl. 3, 159 Kurz;
wer nennt das glück noch falsch? mir war es treu,
hob aus der menschen reihen mich heraus
mit liebe.
Schiller Wallensteins tod 5, 4.
man wünsche ... dasz ich mich entschlieszen möchte, sie (aufsätze) aus der monatsschrift, worin sie zuerst erschienen, heraus zu heben, und durch eine eigene ausgabe in die hände mehrerer leser zu bringen. Wieland 29, 8; er hatte ihrem sohn, der als soldat sich sehr brav gehalten, ein ehrenzeichen verschafft, indem er dessen that, wobei er allein gegenwärtig gewesen, heraushob, mit eifer bis vor den feldherrn brachte, und die hindernisse einiger miswollenden überwand. Göthe 17, 384; die hauptgedanken stehen nicht stark genug herausgehoben da. Gött. gel. anz. 1806, st. 50, s. 495; statt dasz die ersten anfangsgründe nur grundsätze .. aus dem ganzen umfange der wissenschaft herausheben sollten. Hugo civ. mag. (1. aufl.) 2, 233. heiszen:
ach gehe, heisz deinen herren rausz.
H. Sachs 2, 2, 19ᵈ.
helfen: ich wil inen her aus helfen aus allen örtern, da sie gesündigt haben, und wil sie reinigen. Hes. 37, 23; furchtsame und weiche herzen, die gerne trost hetten, und sich gerne wolten bekeren, und doch nirgend trost und raht finden können, bis so lange inen gott eraus hilft, und mit seinem wort tröstet. Luther 5, 531ᵃ; sich aus der noth heraushelfen, expedire se aerumnis. Hederich 1251; es wäre gar schlimm, sagte er, gnädige frau, wenn sie sich aus dieser sache nicht heraushelfen wollten. Göthe 18, 280; anstatt dasz er sich auch wohl selbst (aus dem wasser), aber am jenseitigen ufer, heraus hilft. 291; im übrigen steht die sache nicht schlecht und er wird sich allein heraushelfen. Freytag handschr. 3, 25;
(ich) hülfe dir aus deinem grabe
wieder an das licht heraus!
Gökingk 3, 188;
fängt, weil er schon den handel halb vergessen,
sein mährchen stets von vornen wieder an,
und, kurz, verwickelt sich in bündeln und prinzessen,
bis er nicht mehr heraus sich helfen kann.
Wieland 18, 139.
hetzen: heraushetzen, feras e latebris ciere. Stieler 783. holen: siehe ich wil ewre greber aufthun, und wil euch mein volk, aus den selben er aus holen, und euch ins land Israel bringen. Hes. 37, 12; heraushohlen, ducere, ferre in superiorem locum ad aliquem. Frisch 1, 462ᶜ; er pries und rühmte zum scherz die reichen gold- und silberminen, womit man die ganze alte welt erkaufen könnte, wenn man alle beute herausholte. Heinse Ardingh. 1, 244; er holte die kringlen, wie sie gar wurden, heraus (aus einer pfanne). Göthe 28, 64; nicht wir beanspruchen, die verborgene handschrift aus ihrem eigenthum herauszuholen. Freytag handschrift 1, 80. übertragen, wie ausholen 4, th. 1, 887, ausfragen, ausforschen: überdiesz hat er sie noch mit einem geheimnis belastet .. was es ist, weisz niemand aus ihr herauszuholen. Immermann Münchh. 2, 144; 'apropos, Stöcklein, in dieser nacht mach ich, dasz die belagerung übermorgen ein ende hat ..' Stöcklein wollte fragen, und herausholen, — ja jubeln, ich aber sagte, jeder mensch erwarte die nacht. J. Paul Nepomukkirche 139. in bezug auf die arbeit an einer sculptur: vielleicht erlaubte es auch der stein nicht, in den schild oben tiefer hineinzugehen, und so den arm herauszuhohlen, als unten der. kopf des liegenden kriegers herausgehohlet ist. Lessing 8, 125 horchen: und so horchte ich in kurzer zeit von bedienten und soldaten, schildwachen und besuchen so viel (von der französischen sprache) heraus, dasz ich mich, wo nicht ins gespräch mischen, doch wenigstens einzelne fragen und antworten bestehen konnte. Göthe 24, 141. hören: aus deinen worten höre ich einen vorwurf heraus; man kann aus seiner stimme den Norddeutschen heraus hören (aus dem klange der stimme schlieszen, dasz er ein solcher ist); und alles dieses hörtest du aus Mahals reisen heraus? Klinger 7, 20. hungern: (verse) worin Bürger laut ausruft, dasz ein ehrenmann, ehe er die gnade der groszen erbettle, sich lieber aus der welt heraushungern solle! H. Heine 6, 118. bei Bürger steht aber das hier allein correcte hinaus hungern. 79ᵇ. vergl. oben heraus sp. 1027. husten: eiter heraus husten, purulenta etussire. Steinbach 1, 797. jagen: ich wil hornissen fur dir her senden, die fur dir eraus jagen die Heviter, Cananiter und Hethiter. 2 Mos. 23, 28; der deutsche herr brachte jetzt eine tabatiere hervor mit einem niedlichen gemälde von Lilar und fragte Lianen, wie es ihr gefalle ... der lektor erschrak, bog sich dem dosenstücke entgegen und jagte einige urtheile heraus, die die halbblinde in den ihrigen führen sollten. J. Paul Titan 2, 39. kämpfen: lange hatte sich Faust mit den seifenblasen der metaphysik .. herum geschlagen, ohne eine feste, haltbare gestalt für seinen sinn herauszukämpfen. Klinger 3, 3; sie sind dahin, um deren willen ich lebte! ich kann .. durch keine unternehmung sie aus dem nichts herauskämpfen. 4, 256. kehren, wenden: das rauche herauskehren, severitatem adhibere. Stieler 944; wollen die (gelinde mittel) nicht helfen, so wollen wir die rauhe seite heraus kehren. Hoffmann Eviana 212; völlig fremde und gegen einander gleichgültige menschen, wenn sie eine zeit lang zusammen leben, kehren ihr inneres wechselseitig heraus, und es musz eine gewisse vertraulichkeit entstehen. Göthe 17, 353. klatschen: die schauspieler wurden nach schlusz der vorstellung herausgeklatscht. klauben, vergl. th. 5, 1023: ja, heer schultheisz, mein mann ist ein solcher loser mann, nichts kann ich ihm rechtthun, wen ich ihm morgends ein suppe bring, sagt er, er schiesze mir drien, klaubt ihr nur das best heraus. fac. facet. 437; und wo sie nicht öffentlich gescholten werden, da martern sie etwa ein wort on gefehr geschrieben, und klauben eine klage eraus uber ir leiden. Luther 3, 339ᵇ; gar fein haben sie heraus geklaubt aus unsern schriften oder vieleicht aus etlichen hendlen, was sie gerne hetten. 6, 359ᵃ; im gemeinen gespräch läuft viel gutes und viel böses vor, unsere misgünstige aber klauben das böseste heraus. pers. rosenth. 4, 1; wie kluge zuseher auf einem schauplatze nicht nur sehen und hören, sondern ihnen auch das beste an lehre, warnung oder troste herausklauben. Butschky Patm. 954; niemand konnte begreifen wie der menschliche witz auf der einen seite eine gemeine zahl so räthselhaft in worte verschränken, und auf der andern mit solcher zuverlässigkeit solche aus dieser kunstreichen verborgenheit herauzuklauben vermöge. Musäus volksmärch. 308; es ist ein saures und trauriges geschäft, das alte Rom aus dem neuen herauszuklauben. Göthe 27, 210. kleiden:
und flugs ist kaftan, gurt, und alles angethan;
die wirthin spudet sich, ihn recht heraus zu kleiden.
Wieland 22, 206 (Oberon 5, 28).
vergl.heraus putzen. klingeln, durch klingeln herausrufen: der arzt wird in später nacht herausgeklingelt. anders als bild für tönend aussprechen: nun ja doch! hab keinen haspel im maul, wie ihr leut, dasz ich alles so grad herausklingeln könnt. Fr. Müller 1, 254. klingen: das aus allen gallischen hauptstädten herausklingende glockenspiel. J. Paul biogr. belust. 1, 67; aus seinen worten klang ein lob heraus. klopfen: herausklopfen, fores pultando exsuscitare aliquem, somno excire pulsationibus. Stieler 984; gelt herausklopfen, percussionibus pecuniam extorquere. das.; er wird eben so bald einen todten aus dem grabe herausklopfen, als das glück aus dem kabinet eines solchen staatsmannes. Klinger 11, 44; ihn aus dem bette heraus zu klopfen. J. Gotthelf 3, 101. köken, als derber ausdruck für widerliches reden, s. beispiele th. 5, 1567; so stehen auch die poeten bei mir in schlechter estime, welche sich selbst rühmen, wie geschwind sie die verse herausköcken können, wie Homerus seine saalbadereien. Menantes allerneuste art z. poesie 606. kommen,
1)
in eigentlicher bedeutung: wenn nu ein jungfraw eraus kompt zu schepfen. 1 Mos. 24, 43; kamen kleine knaben zur stad er aus. 2 kön. 2, 23; und werdest in den kerker geworfen. ich sage dir warlich, du wirst nicht von dannen eraus komen, bis du auch den letzten heller bezallest. Matth. 5, 26; rief er mit lauter stimme, Lazare kom her aus. Joh. 11, 43; sie sitzen noch an tafel, er wird gleich herauskommen, der minister. Schiller parasit 5, 1;
der hühnerstall steht offen;
wie aber kömmt man hier heraus?
Hagedorn 2, 20.
in etwas modificirtem sinne, zunächst von kindern die geboren werden: sihe, da waren zwilling in irem leibe. der erst der eraus kam, war röthlicht. 1 Mos. 25, 25, vergl. 26; von wasser und wind: aus dem felsen kommt wasser heraus; wind, kom heraus aus den vier orten. Hes. 37, 9 variante; vom laufe eines landstrichs: und kompt von BethEl eraus gen Lus. Jos. 16, 2; von büchern: ich will unterschiedene theologische tractätlein herausz kommen lassen. Schuppius 583; von andern dingen: man weisz, dasz ein minister selten verfasser der schriften ist, die aus seinen bureaux herauskommen. Schiller parasit 5, 8; von dem verbreitetwerden einer nachricht, einer kunde:
Springinsfelds herkunft kommt lächerlich raus,
gehet zu letztens doch wunderlich aus.
Simpl. (1713) 2, 45;
jetzt kommt es heraus, wer der dieb gewesen ist; es ist herausgekommen, dasz du sehr schlechte gesellschaft besuchst. Göthe 24, 332; erstens kommt es leicht heraus, wenn einer zu arg flunkert. Immermann Münchh. 1, 3; sehen sie, Gabriel, da kam der schwindel heraus. Freytag handschr. 3, 348. bezüglich des wechsels von glücksumständen: der mann ist aus seiner vortheilhaften stellung herausgekommen; aus der noth herauskommen, se ex malis emergere. Hederich 1252; ähnlich: (vettern) welche .. aus ihrem wiegenfeste gar nicht herauskommen. J. Paul Levana 2, 109.
2)
häufig auch ist heraus kommen in dem sinne entspringen, hervorgehen als resultat einer anstrengung, einer forschung, einer arbeit: aus dem beständigen poltern kömmt auch nicht viel heraus. Rabener sat. 3, 39; seine lust ist grosz, wenn er fähigkeiten ausübt, die ihm gegeben sind, und wenn auch weiter nichts dabei herauskäme. Göthe 21, 113; errege meinen erben beschwer und gewissenszweifel — was kommt dabei heraus? Immermann Münchh. 2, 143; ich werde hier im hause logieren, so lange der herr vetter in K. ist, das kommt für mich auf eins heraus. Prutz Holberg 430;
du sinnst auf eine grosze that;
was kömmt heraus? was suchst du? friede.
Günther 125.
in bezug auf das geraten künstlerischen schaffens: nach wenig umrisz und zeichnung fing er sogleich am kopf an zu mahlen ... und siehe da! sie kam heraus wie völlig lebendig. Heinse Ardingh. 1, 127; weil die bewegung sonst steif und häszlich herauskommen würde. Göthe 44, 315.
3)
herauskommen, bezogen auf eine eigenthümliche sprechart und mündliche oder schriftliche darstellungsweise: wie seltsam und paradox es herauskomme. Kant 8, 103; 'da sie (schmetterlinge) reden können —' reden? fiel ihm Pedrillo ein. je das musz ja überaus schnakisch heraus kommen! Wieland 11, 222; dasz es sehr hart .. heraus kommen würde, wenn seiner majestät getreue unterthanen (durch ein edict) gezwungen werden sollten, ihren kaffee künftig ohne milchrahm zu trinken. 12, 174; alles was er sagt, kommt drollig heraus.
4)
das loos ist mit einem gewinne heraus gekommen; der spieler ist in dieser ziehung nicht herausgekommen; es war vorauszusehen, dasz er bei dem geschäfte nicht herauskommen würde (seinen vortheil nicht finden würde). kosten: an den (überschickten) weinen hat der onkel meinen jedesmaligen aufenthalt gewisz herausgekostet. Göthe 21, 106. kratzen: einen vers herauskratzen, exsculpere versum. Hederich 1252;
und hatt ein maulwurf unsre kleine wiese
zerstört: du kraztest ihn heraus.
Gökingk 3, 117.
krebsen: einen glückstopf, aus dem jeder andere ganze königreiche herauskrebsen würde. J. Paul Hesp. 1, 90. kriechen: aus den hölen der erde heraus kriechen, prorepere e cavis terrae. Hederich 1252. kriegen: nur das, klagt er, könn er .. nicht herauskriegen, wienach und warum der buchführer das gedruckte allzeit so sehr verfälsche. J. Paul uns. loge 3, 129. vergl. kriegen, th. 5, 2250. künsteln: gepflanzt habt ihr den sinn, dasz der mensch von seinen nächsten abhange, schlicht, gerade, einfach, nicht von fremden, die nur das werk ihrer künstlichkeit mit ihm herauskünsteln, zusammengesetzt. Immermann Münchh. 4, 120. lallen: etwas herauslallen, effutire aliquid balbutiendo. Stieler 1061. langen: geld aus der schatzkammer heraus langen, pecuniam ex aerario promere. Steinbach 1, 973. lappen: weil nun derselbig (fette kalbskopf) zimlich mürb gesotten war, liesz er das eine aug mit zugehöriger ganzen substanz zimlich weit heraus lappen. Simpl. 1, 98 Kurz. lassen,
1)
mit persönlichem object, machen oder erlauben, dasz einer aus einem orte und hergehe: mus aber nu ire kinder heraus lassen dem todschleger. Hos. 9, 13; aus dem gefängnisse herauslassen, e carcere emittere. Steinbach 1, 981;
denn Aeolus der lose mann
der hat ausz lauterm ubermuth
und fürwitz ausz befohlner hut
ohn mein vorwissen seine wind
herausz gelassen.
mückenkr. 1, 640.
2)
reflexiv, herauskommen aus einem orte, hervorbrechen: ob zwar nun die Hanauer gleich lermen hatten, sich zu pferd heraus lieszen und die Croaten mit einem scharmützel etwas aufhielten. Simpl. 1, 166 Kurz; wer sich wider den feind nicht heraus lässet, wird ihn nicht überwinden. pers. rosenth. 3, 27; ferner in mehr übertragener bedeutung, sich geberden, sich bezeigen: weil ich vielmahl mit meinen augen sehen muste, dasz sie sich viel ausgelassener und geiler gegen den kerlen herausz liesze, als die ehrbarkeit einer frommen leirerin zuliesze. Simpl. 3, 262 Kurz; kanstu, so lasse dich heraus als ein palm- oder dattelbaum, und erzeige dich freigebig. pers. rosenth. 8, 151.
3)
häufig ist dann auch reflexives herauslassen im sinne von sich äuszern, mit der sprache herausgehen: die sich so kühn und offenherzig nicht dürfen heraus lassen. Chr. Weise erzn. 352; sich mit seinen gedanken herauslassen, animi sui sensum exprimere. Stieler 1075; weil man den Platäensern verstattet habe, sich weiter herauszulassen, als blos auf die frage zu antworten. Heilman Thucyd. 392; da sie sich gegen das volk nicht herauslassen, und sich dagegen mit etlichen wenigen personen besprechen wolten. 487; als sich nun jedermann nach seiner weise über die unterhaltung herausliesz. Münchh. reisen 104; während der gute magister sich so bescheiden über meine physiognomie herausliesz. Thümmel 6, 32; dasz Eduard sich zu Ottiliens lobe weitläufig herausliesz. Göthe 17, 120; jener liesz sich desto aufrichtiger und weitläufiger heraus. 18, 79; zwar liesz er sich gegen niemand entschieden und umständlich heraus. 24, 57; die sich im reden immer mehr erhitzte, und sich über gewisse besondere dinge herausliesz, die mir zu wissen eigentlich nicht frommte. 25, 285; indessen er sich nun weitläufig darüber herausliesz. 31, 234; ich lasse meine person viel sprechen, sich mit einer gewissen breite herauslassen. an Schiller 488; man nenne sie zwar senatoren, liesz er sich öfter gegen seinen anhang heraus, aber andere besitzen die gewalt. Schiller 810; er fragte nach allem und liesz sich über vieles heraus, was das vermählungfest unmittelbar anging. J. Paul Titan 3, 52;
über diesen punkt,
du weists, hat er sich nie herausgelassen.
Schiller Piccol. 3, 2.
4)
heraus lassen mit sächlichem object, erscheinen lassen, zeigen: dann durch wein leszt mancher herausz, dasz er sonst nüchterer weisz behielt und nicht thet. Fronsperger kriegsb. 1, 43ᵃ; worüber sie ihre liebe (die sie bisher verborgen gehabt hatte) gänzlich herausz lässet. Greflinger Cid A iijᵇ; wann, sprich ich, du mir schaffetest ein kleines städtlein in der insel Atlantide zu einer groszen stadt zu machen, so wolte ich, fürwar, alle kräften meines verstands in dieser sach heraus lassen. Schuppius 742; der körper musz diese oder jene kraft haben und sie .. herauslassen. Kant 8, 104. in bezug auf ein herauszugebendes buch: dasz einer .. ein giftig, verflucht und schamloses pasquil wider mich habe herausz gelassen. Schuppius 685.
5)
herauslassen, wie auslassen, weglassen: den 'hund' musz ich aus der übersetzung (des Homer) heraus lassen. denn sonst schimpfte Achill wie ein deutscher oberster. Bürger 138ᵇ. laufen: das das volk aus allen flecken umbher auf dem lande eraus zu im liefe. 1 Macc. 7, 46; liefen sie her aus in garten. Susanna 26; die meuse sind eraus geloffen aus iren löchern. Judith 14, 11; da soltu den fels schlahen, so wird wasser er aus laufen. 2 Mos. 17, 6; die kuh ist aus dem stall herausgelaufen, vacca aufugit e stabulo. Stieler 1083; mustu ohne verzug die haut creuzweisz eröffnen, .. so wird der unflat heraus laufen. Agricola neue feldschererkunst (1701) 57; aus der stadt lief das nachmittaggeläute der kirche in die grüne warme welt heraus. J. Paul flegelj. 1, 148. — Für hinaus laufen (vergl.heraus gehen 6 sp. 1034): dasz alle diese arbeit auf nichts herauslaufe. Kant 3, 104; dasz er selbst (Fichte) nichts neues und originales hervorbrachte, sondern dasz alles auf eine sehr falsche erklärung .. des kantischen systems herauslief. Nicolai im leben v. Gökingk 65. legen: nasses tuch in die sonne heraus legen, pannum humigatum soli exponere. Steinbach 1, 1018. leiten: das regenwasser heraus leiten, erivare pluvias aquas. Hederich 1252. lesen,
1)
eligere, herauswählen: das beste aus vielen heraus lesen, optimum e multis eligere. Steinbach 1, 1044.
2)
heraus lesen, aus einer schrift, einem buche: das ist, was ich aus seinem conto herauslas. Thümmel 4, 304;
liest doch nur jeder
aus dem buch sich heraus, und ist er gewaltig, so liest er
in das buch sich hinein, amalgamirt sich das fremde.
Göthe 1, 336.
lispeln:
wanns (die kinder) herauszlispeln bald die red
und rufen abba, vatter, ett.
Fischart anmanung 63.
listen: einem sein gelt herauslisten, emungere aliquem argento, defraudare aliquem pecunia. Stieler 1169. locken: das er Jonathan eraus locket auf das blachfeld. 1 Macc. 10, 77; er hat seine meinung herausgelocket, penetravit ad ejus opinionem sciscitando. Stieler 1173; er war es, der diesen morgen zuerst diese nachricht von ihrem kammerdiener heraus zu locken wuste. Schiller parasit 5, 2. lottern: widerumb, was gott nicht ordenet euszerlich, da loddern sie heraus, als weren sie unsinnig. Luther 3, 61ᵃ. lügen: er hat sich herausgelogen, dasz ich dastand, wie ein rechter dummkopf Schiller parasit 3, 1. machen: einen fleck aus dem kleide herausmachen. reflexiv: Joiada der priester macht sich er aus mit den obersten. 2 chron. 23, 14; man will sich aus dem busche nicht herausmachen, post carecta latent, e nido suo evolare recusant. Stieler 1199. marschieren: heraus marschiren, abire, abscedere cum copiis. Stieler 1248. meistern, meisterhaft herausbringen: ich wollte ihr das zum schiebsacke herausmeistern. Chr. Weise keuscher Joseph 111. mustern: niemand war leicht mit musterung dieser waffen beschäftigt, der nicht auch für sich etwas herausgemustert hätte. Göthe 30, 42. volksmäszig sich herausmustern, sich musterhaft einrichten oder aufputzen: auf alle fälle denk ich mich bei dieser gelegenheit herauszumustern, dasz es eine weile hinreicht. 42, 295. nehmen,
1)
etwas aus einem orte und zu sich nehmen: und nam von dannen er aus alle schetze im hause des herrn. 2 kön. 24, 13; da sie das geld eraus namen, das zum hause des herrn eingelegt war. 2 chron. 34, 14; wil her aus nemen (aus dem lande) allen fröhlichen gesang. Jer. 25, 10; barben aus dem hälter heraus nehmen, barbatulos mullos de piscina exceptare. Steinbach 2, 132; einen brand aus dem feuer heraus nehmen, torrem ex igne eximere. das.
2)
reflexiv, sich herausnehmen, sich abheben, auszeichnen von seiner umgebung: er erhob seine stimme, und diese nahm sich so heraus, dasz jeder aufmerkte. Hippel lebensl. 2, 248.
3)
ein anderes ist sich etwas herausnehmen, wo das reflexivum, unterschieden von 2, im dativ steht: es heiszt sich etwas aneignen, wozu man kein recht hat, sich eine freiheit nehmen, die man nicht beanspruchen kann. die formel stützt sich vielleicht zunächst auf einen vorgang bei tische, wenn das bei Steinbach 2, 132 überlieferte sich eine grosze gurke heraus nehmen (sumere sibi tantum ut ...) die sinnlichste fassung enthält. früher aber schon erscheint die abgeblasztere: es kam eine hoffart unter sie, dasz einer wolte gröszer sein als der ander: Petrus hat ihm vielleicht etwas eingebildet wegen seines alters, die beide söhne Zebedei, Jacobus und Johannes werden ihnen etwas herausz genommen haben, wegen ihrer groszen gaben im predigen. Schuppius 650; sich viel herausnemen, multum sibi tribuere, superbum et insolentem esse. Stieler 1365; ein anwald musz sehr auf seiner hut sein, und sich ja nichts herausnehmen wollen. Klopstock 12, 17; nimmt sichs einer heraus, ohne anfrage bei zunft oder volke, irgend jemand einen Mäcen zu nennen. 53; unvermerkt nimmt man sich heraus, die bitten in forderungen zu verwandeln. Wieland 2, 376 (324); er befindet sich in einem zustande, in welchem sich auch der gelehrteste nichts über ihn herausnehmen kann. Kant 2, 377; freiheiten, welche ich mir mit den begebenheiten herausnahm, wird der hamburgische dramaturgist entschuldigen. Schiller Fiesko, vorbemerkung; der oberforstmeister hatte bald nach anfang des stücks seine pfeife angezündet, und nach und nach nahmen sich mehrere diese freiheit heraus. Göthe 18, 139; ich ward, oft freundlich, oft auch spöttisch, über eine gewisse würde berufen, die ich mir herausnahm. 24, 101; wolte ich mir aber eine ähnliche freiheit gegen sie heraus nehmen. 279; ich wollte meinen mann führen, wenn er sich so etwas herausnähme. Tieck 9, 196;
haben sie sich so was raus genommen?
Schiller Wallenst. lager, 11. auftr.
nennen: Hof konnt ich ohne schaden herausnennen. J. Paul Hesp. 4, 168. niesen: herausniesen, sternutatione ejicere. Stieler 1334. nöthen: wie dann dergleichen durch allzugrosze sorgfalt herausgenöthete dinge gemeiniglich auch den augen gezwungen vorkommen. Sandrart academie (1675) 2, 31. nöthigen: wenn ich aus meiner gleichmüthigen heiterkeit herausgenöthigt werde. Göthe 23, 107. peitschen: die bosheit aus einem herauspeitschen. Klinger 6, 60. pipsen: ich habe den äolischen schlauch der leidenschaften halb geöffnet, und einige herauspipsen lassen, die stärksten aber zur aufführung bewahrt. Göthe an frau v. Stein 1, 294. placken: die schuld von einem herausplacken, extorquere ab aliquo debita. Stieler 1459. plappern: unartiger herr major, müssen sie denn alles so herausplappern. Lenz 1, 305. platzen, für plötzliches reden, sei es im affect oder aus unvorsichtigkeit: eher könnten sie herausplatzen, um ihre freunde Ramler, Klopstock und Gerstenberg zu vertheidigen. Nicolai bei Lessing 13, 138 (von 1768); da verschnappt er sich in der hitze und plazte heraus, er wär selbst schon drauf (auf dem ball) gewesen. H. L. Wagner die kindermörderin 31; sie hätten auch nicht so bald herausplatzen sollen. Schiller Fiesko 4, 7; eine heftige nachbarin platzt mit der wahrheit heraus. Göthe 27, 147; der wachtmeister (will herausplatzen). Kotzebue dram. sp. 3, 314; einen, der mit seiner sache auf einmal heraus platzt, sehen sie ganz verblüfft und erschrocken an. J. Paul kom. anh. zum Tit. 2, 91. plaudern: diesen mohren liefert er euer gnaden gebunden aus. er habe schändlich herausgeplaudert. Schiller Fiesko 4, 8. plumpen: wasz im in das maul kompt, da plumpet er mit herausz. Dietrich vorrede zur übersetzung v. Melanchthons trostschrift für alle betrübten herzen (1547) 2. pochen: man musz die leute herauspochen, evocandi sunt homines clamoribus et tumultu. Stieler 1464. in anderm sinne: gelt von einem herauspochen, extorquere pecuniam ab aliquo. daselbst. poltern: ich poltere heraus, indignabundus proloquor, indignabundus erumpo. Steinbach 2, 194; poltert eraus mit mancherlei wilden dunkeln glauben und leren. Luther 3, 101ᵃ. transitiv: bei der ganzen sache ist nur nichts zu beklagen, als dasz der verfasser nach seiner offenherzigen voreiligkeit etwas davon herauspolterte, wie er seit jahren papiere aller art zusammen trage. J. Paul komet 1, xiv. predigen: die pfarrer sollen die wahrheit heraus predigen, und nit heucheln, ministrorum verbi divini munus postulat veritatem praesenti animo, et absque involucris simulationum profiteri concionando. Stieler 1469. in anderm sinne, durch predigen entfernen:
keiner predigt zwar die mängel,
die sie trägt, aus ihr heraus.
Tiedge schriften 1 (1796) 32.
pressen, exprimere: den saft aus einer citrone heraus pressen. übertragen: da er durch ein jämmerlich und erbärmlich geschrei von den vorüberreisenden ein paar batzen heraus pressete. Simpl. 3, 304 Kurz; bin ich .. herumb gereist, und habe den tribut, den sie das spesegeld nennen, herausz pressen müssen. Schuppius 746; anlagen (steuern) herausz zu pressen. 747; geld von den bauren herausz pressen ist kein grosze kunst. das.; die Louise hat heute früh von der marquisin d'Obincourt mit groszer müh 36 livres herausgepreszt. H. L. Wagner der wohlthätige unbekannte 17; sie preszte thränen aus den augen heraus; er hat das geheimnis endlich aus ihr heraus gepresst. von mühevollem sprechen: ein paar worte herauspressen. proben: oder wenigstens sind es arcana, dergleichen oft in den zeitungen gepriesen werden, von denen ihr aber die besten herauszuproben wiszt. Göthe 22, 43. putzen,
1)
einen durch angelegten schmuck aus der reihe der anderen heraustreten, hervorstechen machen: auf welchem bald hernach der Dardan erschiene, in gutem geleit und wol herausz gebutzt. Amadis 145; als sich nun der armselige bub so köstlich anfing heraus zu butzen. Galmy 228; ein theil war aufs prächtigste heraus geputzt, das ander ganz bettelhaftig angethan. Simpl. 2, 131 Kurz; seidene docken, die sich, fremden augen zu gefallen, herausputzen, wie die krambuden. Otho 325; wann frauen und jungfrauen sich herausz butzen. Schuppius 206; wenn ein Kallias dahin gebracht wird, dasz er wie ein liebling der Venus heraus geputzt ist. Wieland 1, 334 (281); die freunde kamen auf den marktplatz, einen unregelmäszigen raum, dessen kleine häuser sich durch bunten anstrich herausgeputzt hatten. Freytag handschr. 1, 60;
wie nichtig ist doch auch den adels namen führen?
ist dieses nicht sich nur mit frembden federn zieren?
wann adel einig heist von eltern edel sein,
so butzet mich herausz ein angeerbter schein,
und ich bin, der ich bin.
Opitz 3, 287.
2)
etwas durch putzen entfernen: flecken aus dem kleide herausputzen. quellen: wasser so heraus quillet, scaturiens aqua. Hederich 1253; nun standen wir wirklich auf der breitartiggewundenen erstarrten decke, die sich aber so weit vorwärts erstreckte, dasz wir die lava nicht konnten herausquellen sehen. Göthe 28, 67. bildlich: denn als éin stern um den andern aus der schattierten tiefe herausquoll. J. Paul uns. loge 3, 104; die kleinen tückischen mausaugen, — die haare brandroth, — das kinn herausgequollen. Schiller kab. u. liebe 1, 2; von worten und empfindungen: worte des trostes quollen ihm aus dem innern heraus; sehen und denken nicht einmal, das es so müsse geliebet sein, das es von inwendig heraus quelle. Luther 6, 37ᵃ. ragen: herausragen, eminere. Stieler 1506; ein schnitt im schuch, den er minders truckens halben drein gekerbet hat, also das die filzsocken herausz ragten. Garg. 238ᵇ; ein wenig über das wasser herausragen, super eminere paullum extra aquam. Hederich 1253; Virgil läszt die schlangen doppelt um den leib, und doppelt um den hals des Laokoon sich winden, und hoch mit ihren köpfen über ihn herausragen. Lessing 6, 410. rauschen:
mir hat geträumt, ich klopf auf den busch:
da rauschte der hirsch heraus, husch husch!
Uhland ged. 303.
räuspern: eine art der husten, als welche sich nicht in der kehle lassen bezwingen, sondern herausgereuspert werden. Brandt bericht vom leben Taubmanns s. 25. rechnen: ein facit, einen überschusz heraus rechnen. rechten, reflexiv, sich aus einem rechtsstreit herauswickeln. bei Stieler 1553 als volksmäszige rede: er hat sich hineingerechtet, und mag sehen, wie er sich wieder herausrechte. recken: uber wen wolt ir nu das maul aufsperren, und die zunge heraus recken? Jes. 57, 4; da sie es von im fodderten, recket er die zunge frei heraus, und strecket die hende dar. 2 Macc. 7, 10; den arm heraus recken, brachium extendere, projicere. Stieler 1507. reden,
1)
proloqui: sihe, nu redestu frei heraus, und sagest kein sprichwort. Joh. 16, 29; heraus reden, was man gedänkt, proloqui cogitata. Steinbach 2, 237.
2)
reflexiv, sich durch reden von einer schuld, einem verdacht befreien: denn ob er gleich ... sich vor der gesellschaft so ziemlich herausgeredet hatte, so konnte er sich doch selbst seine schuld nicht verleugnen. Göthe 19, 69. reichen, intransitiv: lagerten sich disseid am Arnon, welcher ist in der wüsten, und eraus reicht von der grenze der Amoriter. 4 Mos. 21, 13. transitiv: reiche mir das buch zum fenster heraus. reiszen,
1)
gewaltsam aus etwas her bringen: das sie uns nachfolgen eraus, bis das wir sie eraus von der stad reiszen. Jos. 8, 6; er wird dich reiszen aus dem weiten rachen der angst. Hiob 36, 16; gleich wie ein hirte dem lewen, zwei knie oder ein ohrleplin aus dem maul reiszet, also sollen die kinder Israel eraus gerissen werden. Amos 3, 12; die zähne heraus reiszen, dentes evellere Steinbach 2, 268; aus der verdrossenheit, in der ich einen tag nach dem andern kümmerlich hingelebt hatte, mich herauszureiszen. Göthe 7, 124;
ja deren leben selbs schon in des würgers rachen,
die reiszet sie (gottes hand) heraus.
Weckherlin 246.
2)
häufig die formeln einen aus der noth, aus der gefahr herausreiszen, auch nur kurz einen herausreiszen: ich bin bei im in der not, ich wil in er aus reiszen. ps. 91, 15; sich aus der gefahr heraus reiszen, extrahere se incolumem. Hederich 1253; ich würde noch stecken, wenn du mich nicht herausgerissen hättest, haererem, nisi tu me expedivisses. das.
3)
technisch: dasz man die platte mit dem ganzen chemischen grunde bedeckte, und mit einer nadel die lichter herausrisz. Göthe 43, 101, in bezug auf glasmalerei. reiten: wir sehen von hier auf die stadt, jetzt reitet einer zum thore heraus; aus dem trupp herausreiten, progredi, armisque et equo se praesentare extra turmam. Stieler 1602. renken: dasz das pferd die schenkel wider herausz (aus dem wasser) renkt. Garg. 235ᵃ. repsen: herausrepsen, eructare Stieler 1605. retten: bei diesem umgange wurde ich durch gespräche, durch beispiele und durch eigenes nachdenken gewahr, dasz der erste schritt, um aus der wässerigen, weitschweifigen, nullen epoche sich herauszuretten, nur durch bestimmtheit, präcision und kürze gethan werden könne. Göthe 25, 88; auch glaubte man einen augenblick, dasz sie es (das schiff) innerhalb der strömung bewegten und hoffte es bald aus derselben herausgerettet zu haben. 28, 235; der welt? wie lieb ist mirs, dasz ich mich heraus gerettet habe. 57, 125. richten: welchs ein weitleuftig verwirret ding ist, das sich nicht heraus zu richten ist. Luther 2, 493ᵃ. rinnen: er reis den fels, das wasser eraus rann. Jes. 48, 21. rücken,
1)
intransitiv, procedere: vor die festung herausrücken, extra munitiones procedere, aus dem treffen heraus rücken, extra aciem procurrere. Steinbach 2, 304; bildete mir die sache so erbärmlich ein, dasz mir mitten in meinen traurigen liedern und melodeyen die thränen herausz rucken und das weinen dem singen den pasz verlegen wolte. Simpl. 1, 365 Kurz.
2)
transitiv, einen oder etwas heraus rücken: es kompt die zeit uber euch, das man euch wird eraus rücken mit angeln, und ewer nachkommen mit fischhecklin. Amos 4, 2;
dein brief hat mich heraus
gerückt aus dieser engen gegenwart,
und trunken seh ich schon das künftige
verwirklicht!
Schiller Macbeth 1, 11.
3)
formelhaft, in bezug auf zahlung oder mittheilung: er will nicht mit dem gelde heraus rücken, pecuniam solvere moratur. Steinbach 2, 304; meine zudringlichkeit .. nöthigte sie endlich mit der sprache herauszurücken und mir zu entdecken, dasz ... Göthe 23, 97; da er sieht wie ich die sache nehme, so ruckt er auch heraus. an frau v. Stein 3, 186; aber ich werde nicht herausrücken (mit dem gelde). Kotzebue dram. sp. 2, 328; nun wie? wird mein präsent bald herausrücken? Schiller Fiesko 2, 4. rufen,
1)
jemand aus einem orte herbeirufen: was vor ein esel hat mich so ungestümm herausgerufen, quis homo tam tumultuoso sonitu excivit subire foras? Stieler 1629; die sturmglocken werden gezogen, die bürger herausgerufen, unsere partei zu nehmen. Schiller Fiesko 3, 5; sind sie es schon wieder, der mich hat herausrufen lassen? parasit 5, 2.
2)
in minder sinnlicher bedeutung: alle diese wunder der kunst, diese riesenwerke des fleiszes sind aus ihm (dem menschen) herausgerufen worden. Schiller 1005.
3)
heraus rufen, zum kampf, wie heraus fordern (sp. 1032): so zuversichtlich ruft Fiesko den himmel heraus? Schiller Fiesko 4, 14;
es ruft der zorn des schwerbeleidigten
der fürsten alte schwüre jetzt heraus.
Iphigenie in Aulis 1, 1;
und fürchterlich rief er die tapfersten
des Griechenheers zum gegenkampf heraus.
Bürger 151ᵃ.
rütteln: herausrütteln, excutere. Hederich 1253. sagen: heraussagen, effari, profari, palam eloqui. Stieler 1666; ich wil reden von der angst meines herzens, und wil eraus sagen vom betrübnis meiner seelen. Hiob 7, 11; ich wil euch eraus sagen meinen geist, und euch meine wort kund thun. spr. 1, 23; darnach sagt er seinen rath und lere heraus und beweisets mit der heiligen schrift. Sir. 39, 11; und sagt dürre heraus, schickt mich imer unter die erden hin ins grabe. 2 Macc. 6, 23; wie lange heltestu unser seelen auf? bistu Christ, so sage es uns frei heraus. Joh. 10, 24; da sagts inen Jhesus frei heraus, Lazarus ist gestorben. 11, 14; das man aufs allerdeudlichst und völligst eraus sage, allein der glaube on werk macht from. Luther 5, 144ᵇ; das ist noch nichts! antwortet Springinsfeld: ich sage das halbe nicht heraus, wie mirs ums herz ist. Simpl. 3, 189 Kurz; etwas klärer heraussagen, liquidius et enarratius eloqui. Stieler 1667; etwas unerschrocken heraussagen, loqui aliquid praesenti animo. Hederich 1253; wenn es nicht erlaubt sein kann, alle arten von einwürfen frei und trocken herauszusagen. Lessing 10, 11; dasz ich es sehr deutsch heraus gesagt, wie wenig ich mir daraus mache, können sie mir auch glauben. 12, 457; musz ich es denn heraussagen, was das ganze männervolk ... meinem stolz nicht abdringen sollte? Schiller Fiesko 4, 12; M. Fabrice will mich zur frau und ich — W. sags heraus, du schlägst ein? Göthe 7, 140; frei heraus zu sagen, was einer auf dem herzen hat. Immermann Münchh. 2, 5;
den so du kommest heim zu hausz,
so sag das new geschrei herausz.
grobianus (1568) Cᵃ (b. 1, cap. 5);
denn dein herz ist getroffen und mehr als gewöhnlich empfindlich.
sag es gerad nur heraus.
Göthe 40, 274.
saugen: wenn ich nicht Epiktets handbuch als einen schlangenstein an mich und meine wunden legte, damit der stein den moralischen gift heraussaugt. J. Paul Hesp. 1, 43;
streng ist heute die luft; und mancherlei hab ich zu ordnen,
ehe die sonn aus der erde den gestrigen regen heraussaugt.
Voss 2, 106 (idyll. 6, 54).
schaffen: ein dichter solle alle seine stoffe aus sich selber herausschaffen, das sei originalität. H. Heine 11, 206. in dem sinne von besorgen: schaffe mir einen stuhl heraus. schalken: herausschalken, comminisci aliquid callide et subdole. Stieler 1717; er wird wol noch was herausschalken, aliquam stropham inveniet. das. schallen: von drinnen schallt musik heraus; ewigkeit! dauer! schallt ein sinn heraus? Klinger 3, 16. scharren: einen todten herausscharren, eruere mortuum. Hederich 1253. schauen, prospectare. Steinbach 2, 392;
als bald er nun gen Straszburg kam,
auf das ainmaisters haus,
do schaut der oberst maister
zuͦ ainem fenster herausz.
Uhland volksl. 319;
eine junge, im blauen gewand kniende frau schaut, eine ziege melkend, aus dem bilde heraus. Göthe 39, 195;
und er kommt ans finstre räuberhaus;
eine holde jungfrau schauet heraus.
Uhland ged. 213;
dort ist ein fenster zugefallen,
vielleicht hat sie herausgeschaut.
243.
da dachte er: haha, schauts da heraus (sieht es so aus, steht es so)? Hebel schatzkästl. 156. schäumen: es schäumet eine feuchtigkeit heraus, humor inde aliquis exspumat. Steinbach 2, 393. scheiden: das silber aus dem erze heraus scheiden. scheinen: herausscheinen, effulgere. Hederich 1253;
wie sehr (eine verstorbene frau) ...
an ehrbarkeit und tugend
für aller ihrer jugend
herausz geschienen hat.
Opitz 2, 126.
schicken: er hat seinen bedienten zu uns heraus geschickt. schieszen,
1)
intransitiv: aus seinen munde faren fackeln, und fewrige funken schieszen her aus. Hiob 41, 10; das gemütte mus vilmehr ein auge auf dasjenige legen, welches die herren zu bergen bemühet sein, als nicht auf das, so sie lassen heraus schüszen. Butschky Patm. 535.
2)
transitiv, durch schieszen (nach der scheibe) gewinnen: einen preis herausschieszen; er hat sich einen becher heraus geschossen. schiffen. aus den klippen heraus schiffen, ex scopulis enavigare. Steinbach 2, 412. schimmern: aus etwas herausschimmern, emicare ex aliquo. Hederich 1253. schinden: wer guten anatomischen sekzionen an deutschen kinnen beigewohnt oder obgelegen, der wird noch wissen, wie wenige lachmuskeln, an denen Sterne oder Musäus hätten ziehen können, er allzeit herausschund. J. Paul auswahl a. d. teuf. pap. 1, xxii. bildlich: geld aus einem herausschinden. schlagen,
1)
transitiv, durch schlagen heraustreiben: einen aus dem hause herausschlagen, domo ejicere, evannare et extrudere foras. Stieler 1822; einen zan herausschlagen, edentare, dentilegum facere aliquem. das.; technisch: man hatte ... um mit dem bau vorwärts zu kommen, bereits an der entgegengesetzten ecke den grund völlig herausgeschlagen, ja schon angefangen die mauern aufzuführen. Göthe 17, 101. auf den krieg bezüglich: aus dem lager herausschlagen, castris aliquem exuere. Stieler 1822; reflexiv: ungeachtet die Russen sich aus ihren unglücklich gewählten stellungen herausschlugen. Beckers weltgesch. 13, 338. übertragen: nur mit dir kann ich leben .. es liegt von jeher in meiner seele und dieses hats herausgeschlagen, gewaltsam herausgeschlagen — ich liebe dich! Göthe 7, 141. ferner: wir müssen aus der waare einen möglichst hohen preis herausschlagen; er sucht geld aus ihm herauszuschlagen.
2)
intransitiv: die flamme schlägt zum fenster heraus; die blattern schlagen heraus, pustulae, variolae eminent, expelluntur, eliciuntur. Stieler 1822; der schwanz, der aus dem meere herausschlägt. Göthe 39, 37; thaten sich schnell die flügelthüren eines begeisterten konzertsaales auf, und herausschlagende harmonieen wehten vorbei. J. Paul Titan 3, 46. schlauben, enthülsen: wie sich die geister aus dem körper herausschlauben, so werden sie sich auch beim weltgerichte aus dem staube machen. Hippel lebensl. 2, 282. schleichen: heimlich aus dem hause herausschleichen, ex aedibus clam evadere. Steinbach 2, 444. schleppen: er schleppt sachen aus dem zimmer heraus. schliefen: fragt der pfarrer, wann es (das kind) heraus geschloffen (geboren) wäre? Katziporus Y 4ᵇ. schmeiszen:
auch der (mann)
ward nun so in die glut hineingestoszen;
da fiel ich ungefähr ihm in den arm; ...
bis wiederum, ich weisz nicht was, uns beide
herausschmisz aus der glut.
Lessing 2, 263.
schmücken (vergl.heraus putzen):
und dieser weiberheld mit seiner knabenschaar,
herausgeschmückt mit seiner lydschen mütze.
Schiller Dido 41.
schneiden: ein christ begerte von einem juden zu Constantinopel fünf hundert ducaten zu entlehnen. der jud liesz ihm solche zukommen, mit dem vorbeding, dasz er ihm nach verflossenen zahlungs termin an statt wuchers zwo unzen fleisch von seines leibs glieder einem herausz geschnitten solte folgen lassen. Zinkgref apophth. 2, 152; die zunge herausschneiden, exsecare linguam. Hederich 1254. übertragen: ein (dramatisches) stück aus der moralischen welt, ohne allen überflusz und alles fremde angehänge herausschneiden. Klinger 12, 16; ein rundes eisengitter in der kirchenmauer schnitt aus dem ganzen himmel nichts heraus als die schimmernde zerbrochne scheibe des mondes. J. Paul uns. loge 2, 164; dasz ich einen gewissen äuszerst wichtigen umstand aus seinem männlichen alter herausschneide und sogleich jetzo aufsetze. 3, 127. schnellen: es gelang mir einigemal die kleinsten dieser zarten geschöpfe (fische mit der angel) ... in die luft herauszuschnellen. Göthe 22, 194. schöpfen: herausschöpfen, effundere, evacuare. Stieler 1911. schrauben, eigentlich: das docht mehr aus der lampe heraus schrauben. übertragen: wer sich stafelweise herausschraubet (aus seinen schulden), der nimt die angewohnheit der spahrsamkeit an sich. Butschky Patm. 344. schreiben: dachte mir nun alles was mir höchst wohlgefällig sein würde, wenn Gretchen es mir schriebe. ich glaubte alles so aus ihrer gestalt, ihrem wesen, ihrer art, ihrem sinn herausgeschrieben zu haben, dasz ich mich des wunsches nicht enthalten konnte, es möchte wirklich so sein. Göthe 24, 268. schreien:
man rucket in ihr schanz und gezelt ...
da schrei herausz das tartarisch gesindt,
sie wolten sich ergeben geschwindt.
Adrian mittheil. 378 (von 1601).
in anderm sinne: fieng eine von unsern hünern erbärmlich an zu schreien ... mein kind, fieng endlich der selige mann zu mir an, die henne schreit nichts gutes heraus, es mag nun bedeuten, was es will. Gellert 3, 161. schütteln: solt ich den selben blunder allen herausz schüteln, ich het ain ganz jar darvon zuͦ predigen. Keisersberg geistl. spinn. (granatapfel 1511) P 1ᶜ; das die ecken der erden gefasset und die gottlosen er ausgeschüttelt werden. Hiob 38, 13. schütten: wenn ich denn des inne werde, so schütte ich mein herz heraus bei mir selbs. ps. 42, 5. schwimmen: herausschwimmen, enatare. Hederich 1254. schwingen: Claudine ... wird so zu sagen ganz neu ausgeführt, und die alte spreu meiner existenz herausgeschwungen. Göthe 29, 142. schwitzen: aus dem baume schwitzt harz heraus; einen saft herausschwitzen, liquorem exsudare. Hederich 1254. sehen: aus den fenstern heraussehen, prospectare ex fenestris. Hederich 1254; die Nethinim aber woneten an Ophel, bis an das wasserthor, gegen morgen, da der thurm er aus sihet. Neh. 3, 25; die hartherzige kälte Jarnos, die ihm aus den augen heraussehe. Göthe 18, 313. durch sehen etwas ergründen: der anblick war weder unterrichtend, noch erfreulich, aber eben deswegen weil man nichts sah, verweilte man um etwas heraus zu sehen. 28, 32. sehnen: noch habe ich nicht gefragt, wie sie in diese gesellschaft gekommen sind ... so viel hoffe ich und sehe ich, dasz sie sich heraus sehnen. Göthe 18, 311. senden: dasz von zeit zu zeit eine prinzessin aus dem königlichen hause heraus ins land gesendet werde. Göthe 23, 92. setzen, eigentlich: einen stuhl vor die thüre heraus setzen; wir setzen uns vor die laube heraus. in gewöhnlicher rede: der wirth setzt seinen miether heraus, zwingt ihn zum verlassen der gemietheten wohnung. übertragen, hervorheben, in einer darstellung, einer schilderung: da er mir denn den werth und die würde dieses documents (der goldenen bulle) sehr deutlich herauszusetzen wuszte. Göthe 24, 248; er wuszte mich zu allerlei artigem und schicklichem zu bewegen, was gerade am platz war, und meine geselligen talente herauszusetzen. 25, 143; ich weisz nicht, wie ich sogar auf die molusken kam, und allerlei wunderliches von ihnen herauszusetzen wuszte. 26, 162; hier werden die groszen vortheile derer welche der see anwohnen herausgesetzt. 241. in anderer weise und reflexiv, sich aus einem kreise absondern: durch diese unerhörte forderung (Fichtes, dasz man sein system auch ohne beweis für wahr halten solle), setzte er sich selbst aus der classe der philosophen heraus in die classe der finstersten schwärmer. Fr. Nicolai in v. Gökingks leben 59. sieden: auf gelegne zeit macht er ein grosz feur, und henkt einn kessel mit wasser darüber, und schütt die kese darein, und seudt die butter und das feiszt herausz. Agr. spr. 171ᵇ. spazieren: herausspazieren, exspatiari. Hederich 1254. speien: wer gott im herzen sitzet, wer will den herausspeien? J. Böhme Aurora (Stuttg. 1835) 147. speisen: dasz der genäschige affe die sämmtlichen käfer, die er hie und da abgebildet gefunden, (aus einem bilderwerke) herausgespeist habe. Göthe 38, 152. sperren: gleichwol wähnet wieder Klinger, dasz in allen werken volkeigenthümlichkeit erscheine, nur in den deutschen keine; was aber eben als unsere deutsche sperret fremde leser heraus? J. Paul vorsch. der ästh. 3, 28. spicken: ich spickte endlich meine rede so künstlich und prächtig heraus, dasz mich der buchdrucker alsobald anredete, ihm einen calender aufzusetzen. Simpl. 2, 275 Kurz. spielen: von den kleinen bestimmungen ... die der strom der rede, auch wohl ganz unwillkührlich, aus ihm herausspielet. Lessing 10, 52; reflexiv: meine freunde, mit denen ich mich aus den kinderjahren herausspielte. K. Chr. Engel wir werden uns wiedersehen (1787) s. 13. spinnen: die kalte, unfruchtbare staatsaktion aus dem menschlichen herzen herauszuspinnen. Schiller Fiesko, vorbemerkung; ich hatte aus mir selbst zu viel heraus zu spinnen, als dasz ich auf etwas auszer mir nur acht gehabt hätte. Thümmel 2, 305; menschenkind, warum willst du einen (bart) haben? das buch Rasiel lehret, dasz der bart gottes eilf tausend und fünfhundert rheinische meilen lang ist: lasz ab, da dein kinn doch keinen herausspinnt, der nicht kürzer wäre als einen sabbatherweg. J. Paul ausw. aus des teuf. pap. 1, xi. spitzen: nur eine fast spitzige feder spitzte sich aus diesem eiderdunen-ehebett etwas heraus, und konnte stechen. J. Paul leb. Fibels 124. sprechen: und spricht dürre eraus, wo Christus leib nicht da were, so bliebe es brot. Luther 3, 370ᵃ. sprengen: hierauf ohne verzug sprengt Arcalaus ... sehr wol gerüst herausz. Amadis 356. sprieszen: heraussprieszen, progemmare. Stieler 2098. springen: aus dem bette heraus springen, e lecto prosilire. Steinbach 2, 647; sihe, das wasser sprang er aus von der rechten seiten. Hes. 47, 2; das ihm das blut zu mund, nas und ohren herausz sprang. Simpl. 1, 22 Kurz; das blut sprung hoch aus dem leibe heraus, sanguis alte exsultabat e corpore. Hederich 1254. übertragen: also wo ein bruderschaft sich erhebt, sollen sie sich also lassen ansehen, dasz dieselben für andere menschen heraus springen, für die christenheit mit beten, fasten ... etwas besonders zu thun. Luther 1, 208ᵇ; der kontrast springet auch um so besser heraus. Klinger 12, 160. spritzen: also dasz ... das rote blut auszer irem leib herausz spritzt. Amadis 405. sprossen: heraussprossen, fruticare. Hederich 1254. spülen: diese kostbarkeiten ... die die regellosen bewegungen meiner zunge etwan ans land heraus gespület. J. Paul lit. nachl. 4, 48;
was hab ich nicht gedacht! was hab ich nicht gefühlt!
und jenes bild ist hier noch nicht herausgespült, ...
das bild, dem sich mein herz in tiefer ehrfurcht neigte.
Göthe 7, 75;
ich kann die halben gläser ...
hinunter schlucken,
eh ich den schaden
wieder aus meinen gliedern
rein heraus zu spülen
im stande bin.
11, 155.
spüren: nur eine Baxterische nase konnte es aus dem texte herausspüren. Wieland übers. v. Horat. sat. (1794) 1, 179. stacheln: der faule bruder will nicht heraus, man musz ihn wie den bären herausstacheln. Fr. Müller 1, 309. staffieren: sie lassen sich von geschickten putzmacherinnen heraus staffiren. Göthe 38, 176. stechen:
die weil ein feder heraus sticht.
H. Sachs 3, 2, 93ᶜ;
die austern heraus stechen, aus der schale ( Adelung). stecken: er steckte den kopf zum fenster heraus. stehen: die räume zwischen den gebäuden, ja die zerdrückten gebäude selbst wurden ausgefüllt, allein mauerwerk mochte hier und da noch herausstehen. Göthe 28, 39; er forderte, dasz an die spitze jedes fingers (von einem handschuh) eine katzenkralle befestigt werde ... 'und dasz mir die krallen grosz und steif herausstehen'. Freytag handschr. 2, 12. stehlen: einen bürger aus dem kreise seiner familie herauszustehlen. Schiller 791ᵃ; reflexiv: ich stehle mich heraus vor die thüre; mhd.
nu het ouch sich vil gar verholn
Parzival her ûʒ verstoln.
Parz. 703, 22.
steigen: und nach inen sahe ich andere sieben dürre .. küe her aus steigen. 1 Mos. 41, 19; aus den schiffen heraussteigen, exscendere e navibus. Hederich 1254;
Venus,
als sie, vom schaume des meers noch tröpfelnd, die fluthen herausstieg.
Zachariä 1 (1772) 279.
stellen, reflexiv, erst in ganz moderner sprache für sich zeigen, sich ergeben: seine unschuld wird sich herausstellen; die untersuchung hat seine volle schuld herausgestellt; auch transitiv: das stellt meine unschuld heraus. stöbern: ich will einmal meine tochter herausstöbern (aus dem bette). H. L. Wagner kindermörderin 33. stochern: hinter einem pult über liniirten büchern zu sitzen, zinsen einzutragen und reste herauszustochern. Göthe 18, 81. stoszen: man sties sie (Moses und Aaron) heraus von Pharao. 2 Mos. 10, 11; einzelen nach ein ander, wil ich sie fur dir er aus stoszen, bis das du wechsest, und das land besitzest. 23, 30; ich wil euch von dannen eraus stoszen, und den frembden in die hand geben. Hes. 11, 9; einen zum hause herausstoszen, aliquem ex aedibus expellere. Steinbach 2, 728. häufig in bezug auf hastiges oder eifriges sprechen: die worte über einander herausstoszen, convolvere verba magno cursu. Hederich 1254; und dann: er stöszt gotteslästerung heraus, maledictum in deum facit. Steinbach 2, 729; der ... stöszet ohne scheu heraus, was ihm in sinn kompt. pers. rosenth. 1, 1; während der mönch alle die herrlichen .. sachen über das angesicht des teufels begeistert herausstiesz. Klinger 3, 173;
Morus ist zwar wol kein narr, nur, das manchen wunder nimmt,
dasz er alles stöst heraus, was ihm in die backen kümt.
Logau 2, 180, 13.
stottern: als der kammerherr sie (die näheren umstände) herausgestottert hatte. Klinger 10, 82; nach und nach kam er heraus gestottert. Woldemar 94. strahlen: damit aber das göttliche um so schöner aus dem dunkel herausstrahle. Klinger 12, 78. streben: Gustav empfand die hand, die in seiner pulsierte und aus ihr herausstrebte. J. Paul uns. loge 3, 86; weil alle gewänder (bei einer bildsäule) knapp anliegen und die umrisse des körpers nicht mit herausstrebenden ecken und spitzen verdecken. Böttiger lit. zust. 2, 122. strecken: und der cherub strecket seine hand er aus zwischen den cherubim, zum fewr. Hes. 10, 7; der knabe streckt die zunge heraus, puer linguam exserit. Steinbach 2, 731; die schnecke streckt sich aus dem gehäuse heraus, cochlea ex domicilio se exserit. das. streichen,
1)
herausstreichen bezieht sich zunächst (wie ausstreichen 2, theil 1, 991) auf das hervorheben eines bildes (federzeichnung, holzschnittes) durch colorieren, bedeutet daher in verbindungen, die diese beziehung noch deutlich zeigen, auszeichnen, hervorheben schlechthin: wie dann eben dieses ackerleben Virgilius .. und Horatius .. mit lebendigen farben herausz gestriechen haben. Opitz 1, 152; weil die alexandrinischen (verse), wegen ihrer weitläuftigen der ungebundenen und freien rede zu sehr ähnlich sind, wann sie nicht ihren mann finden, der sie mit lebendigen farben herauszustreichen weisz. poeterei 50; aus dem newen testament wil ich dis mal nichts füren, denn darin ist von der heiligen göttlichen dreiheit oder dreifaltigkeit alles klerlich und gewaltiglich bezeuget, das im alten testament nicht so helle heraus gestrichen, aber doch auch gewaltiglich angezeigt ist. Luther 6, 546ᵇ; recht und wol ists gethan ... das man den bapst getrost heraus streiche, als den erzfeind unsers herrn und heilands. 8, 207ᵇ; wann sie (die feder des gelehrten) sich unternimmt, die tugenden zu loben, so wird sie dieselben auch solcher maszen erheben, wunderbarlich fürbilden und herausz streichen, dasz ... Butschky Patmos 5; Homerus weisz seine götter und göttinnen mit schönen gliedmaszen herauszustreichen, indem er sagt, die Juno habe schöne weisze arme. Guirsfeld hist. rosengeb. 982.
2)
herausstreichen hieran angeschlossen, heiszt putzen, schmücken, schön kleiden: eine schöne hur die sich rausz streicht. Kirchhof wendunm. 44ᵃ;
er mues sy (die frau) klaiden und raus streichen.
meisterl. MS. fol. 23, no. 217.
3)
am häufigsten, und in der modernen sprache ausschlieszlich gebräuchlich, hat sich die abgeblaszte bedeutung lobend hervorheben, auszerordentlich loben, verherrlichen ergeben (vgl. ausstreichen 3, theil 1, 992): er sagt ihm von der Chariclia, die er also lobet, und ihre schöne so hart herausz strich. buch d. liebe 214ᶜ; weil Judith .. die jenige that, so Simeon und Levi an den Sichemiten begangen, .. lobet und herausz streicht. Opitz 3, 68; seine tugenden über die maszen heraus streichen. pers. rosenth. 2, 8; du hast die reichen mit sehr hohem und übermäszigem lob heraus gestrichen. 7, 20; der löwe weisz seine tugend und kraft gewaltig heraus zu streichen. Lokmans fab. 7; eines ehrlichen hochgelahrten manns halben, dessen wolverdientes lob ich in einer sonderbaren occasion herausz striche. Schuppius 661; hat seine kriegestahten vor andern nicht herausgestrichen. Butschky kanzl. 360; man ist gewohnt, die schönheit in der natur zu bemerken und herauszustreichen. Kant 8, 225; der ruf ... hatte euch so zahnarztmäszig herausgestrichen. Göthe 8, 72; ich will dich herausstreichen! 11, 15; mit einem kaufmann, der seine waare wohl herauszustreichen und durch einen gefälligen vortrag den leuten angenehm zu machen wisse. 16, 293; in hoffnung, dasz sein freund ... die vortrefflichen gaben des jungen mannes herausstreichen sollte. 18, 58; indem sie nun meine liebesepistel auf das beste herausstrichen. 24, 264; da nun ein solcher schriftsteller die seinigen, denen er ergeben ist, die sache, der er anhängt, nicht loben und herausstreichen darf. 26, 217; so soll er in eben den wischen .. seine Alceste herausgestrichen, nicht herunter und lächerlich gemacht haben. 33, 271; es schickt sich nicht, dasz ich ihn herausstreiche. Tieck 5, 92;
das wolbeschriben lob, mit dem mich deine gunst ...
für andern herauszstreichet.
Weckherlin 691.
strömen: ein recht aus dem innern herausströmendes lachen. E. T. A. Hoffmann 1, 170. stürzen: die herausgestürzten eingeweide in den bauch zurückdrücken. Klinger 3, 147;
weise sprachen das recht an diesen geselligen thoren,
helden stürzten zum kampf für die Penaten heraus.
Schiller spaziergang v. 89, 90.
stutzen: wobei alle derbheit doch immer zu einiger anmuth herausgestutzt erschien. Göthe 23, 205. suchen: etwas aus den alten jahrbüchern heraussuchen, eruere aliquid ex annalium vetustate. Hederich 1255. tanzen: ich möchte das artige junge weib gern aus ihrer melancholei heraustanzen (ihr einen ball geben). Lenz 1, 137. thun,
1)
machen dasz etwas herauskomme: da thet er die hand er aus, und nam sie (die taube) zu sich in den kasten. 1 Mos. 8, 9; als sie itzt gebar, thet sich eine hand heraus. 38, 28; (die stangen) sollen in den rinken bleiben, und nicht heraus gethan werden. 2 Mos. 25, 15; thut er aus den unflat aus dem heiligthum. 2 chron. 29, 5; und solt dein gerethe er austhun. Hes. 12, 4;
am himmel ist kein stern,
dem ich dem freund nicht gönnte.
mein herz gäb ich ihm gern,
wenn ichs heraus thun könnte.
Rückert ges. ged. 1, 351.
2)
reflexiv für herausgehen, heraustreten: tyrannen und falsche propheten haben uberhand genomen, die haben sich eraus gethan, und lassen sich sehen, und gehen im schwang. Luther 3, 301ᵇ; eine eule .. dorft sich vor forcht der andern vögeln am tag nicht wieder (aus der scheune) herausz thun. Kirchhof wendunm. 162ᵃ.
3)
herausthun für sich putzen, schmücken: ich werde mich über die maszen prächtig heraus thun. Schoch stud.-leb. J 2. tragen: Mose trug die stecken alle er aus von dem herrn fur alle kinder Israel. 4 Mos. 17, 9; trug mein gerete er aus. Hes. 12, 7; als er aber nahe an das stadthor kam, sihe, da trug man einen todten heraus. Luc. 7, 12; das sie die kranken auf die gassen her aus trugen. apostelgesch. 5, 15; die beute aus der feinde häuser heraus tragen, praedam ex hostium tectis egerere. Steinbach 2, 833; wenn mich meine mutter manchmal (in die speisekammer) hineinrief, um ihr etwas heraustragen zu helfen. Göthe 18, 22;
er ritt für ein frau würtine haus,
die schöne maget treit im wein heraus.
Uhland volksl. 274 (als druckfehler steht herauf).
träufeln: heraustreufeln, roratione transire. Stieler 2329. treiben: und Jhesus gieng zum tempel gottes hin ein, und treib heraus alle verkeufer und keufer im tempel. Matth. 21, 12; einen aus dem vaterlande heraus treiben, patria aliquem expellere. Steinbach 2, 856; die geschichte einer tyrannenherrschaft, welche die edeln geschlechter vertilgt, eine hohe und reiche bildung heraustreibt und verdirbt, vor allem die herrscher selbst mit wenigen ausnahmen entmenschlicht. Freytag handschr. 1, 20:
wer will was lebendigs erkennen und beschreiben,
sucht erst den geist heraus zu treiben,
dann hat er die theile in seiner hand,
fehlt leider! nur das geistige band.
Göthe 12, 96.
in anderm sinne: mein vater mahlt der donna Solina portrait. sie musz genau getroffen werden. meines vaters kunst verzweifelt, den groszen geist herauszutreiben. Klinger theater 2, 159. treten: im zimmer blieb es stille. endlich trat die wirthin heraus. Göthe 17, 388;
er reit zuͦ Nürnberg fürs schmids haus:
hör, lieber schmid, trit zuͦ mir herausz!
Uhland volksl. 341;
heraus in eure schatten, rege wipfel
des alten, heilgen, dichtbelaubten haines,
wie in der göttin stilles heiligthum,
tret ich noch jetzt mit schauderndem gefühl.
Göthe 9, 3;
da erhub sich der könig heraus zu treten.
40, 161;
ist diesz ein dolch, was ich da vor mir sehe,
den griff mir zugewendet? ......
es ist nichts wirkliches. mein blutiger
gedanke ists, der so heraustritt vor das auge.
Schiller Macbeth 2, 3;
die gedärme treten bei den brüchen heraus, intestina in herniis excedunt. Steinbach 2, 850;
dasz selbst ihm aus
dem kopf heraus
die augen treten.
Gökingk 1, 240;
aus sich heraustreten, wie herausgehen 4, sp. 1033: wie könnte denn irgend einer sich anmaaszen, aus sich selbst herauszutreten? Fichte reden an die d. nat. 437. triefen: heraustriefen, exstillare. Stieler 2328. trinken: da sparet er sich nicht, asze und tranke sein theil redlich heraus. Laz. de Tormes 41;
ich setz das gläslein an den mund,
trinks heraus bis an den grund.
Gödeke u. Tittmann liederb. 134, no. 126.
trotzen: er hat gleichwol das gelt endlich herausgetrotzet, pecuniam tamen importunitate sua tandem expressit ab eo. Stieler 332. wachsen: es wächst ein zweig heraus, ramus egerminat. Steinbach 2, 913; ein kugelform, ... in welcher so er zu wenig blei darin güsse, würde ein glünsgin (spalt) darinnen werden, wa er zuvil, würde ein knöpflein herausz wachsen. Zinkgref apophth. 2, 40; herauswachsen, als ein gewächs oder geschwür am leibe, extuberare. Hederich 1255; weil der constitutionalismus als solcher eine reine doctrin ist, von welcher sich doch im eigentlichen sinne nicht sagen läszt, sie sei aus dem mittelstande herausgewachsen. Frantz kritik aller parteien 99. wagen: der feind hat sich aus dem lager heraus gewagt. wähnen:
sie hielten uns für götter nie; allein
für das doch, was wir sind. nun haben sie
uns aus der wesen reih herausgewähnt.
undinge sind wir ihnen!
Klopstock 9, 116.
walzen, wälzen: etwas herauswalzen, evolvere aliquid. Hederich 1255. wanken:
jungfrauen, eurer stimme tyrischen laut
hab ich im innern des palasts vernommen,
und wanke nun mit alterschwerem tritt
zu euch heraus.
Schiller 238ᵃ (Phöniz.).
wehen: herauswehen, erumpere. Stieler 2460. weichen: wer in Judea ist, der fliehe auf das gebirge, und wer mitten drinnen ist, der weiche heraus. Luc. 21, 21; die aus dem centrum des lebens herausgewichene entwickelung. Kritzler humanität u. christenthum 2, 96. weisen: man hat uns hier heraus gewiesen. wenden: die linke seite an einem kleide herauswenden, interpolare vestem. Stieler 2504; das rauche herauswenden, severitatem adhibere, gravitate uti. das. werfen: und die drinnen wehreten sich nicht, worfen nicht einen stein eraus. 1 Macc. 2, 36; worfen in und alle die mit im waren, mit steinen zu tod, darnach hieben sie in zu stücken, und worfen sie heraus. 2 Macc. 1, 16; sie namen in und tödten in, und wurfen in her aus fur den weinberg. Marc. 12, 8; dasz ein jeder, der nur 3 oder 4 auszländische wörter, die er zum öftern nicht versteht, erwischt hat, bei aller gelegenheit sich bemühet dieselben heraus zu werfen. Opitz poeterei 30; aus dem raht herauswerfen, senatu movere. Stieler 2551; blut aus dem munde herauswerfen, cruorem ex ore ejectare. Steinbach 2, 1035;
die geisz mit allen vieren schart,
warf mit dem grasz herausz den sandt.
B. Waldis Esop 4, 25, 17;
und sag ir dein anligen gar,
das sie dein gneigten dienst erfahr,
sag denn schmeiszkeiln und grobe grumpen,
und würfs herausz mit ganzen klumpen.
grobianus (1568) C 2ᵇ (b. 1, 5).
wichsen: seh er nur, dasz meine ansprüche immer mehr nach seinem geschmacke sind: so wichst er sich künftig immer besser heraus. J. Paul herbstblum. 3, 87. wickeln, transitiv: das eingehüllte herauswickeln, involutum evolvere. Steinbach 2, 991; Fixlein wickelte gewisz nicht selten die beichtgroschen und ärndtepredigt-gefälle aus bedruckten papierchen heraus. J. Paul kom. anh. z. Titan 1, 43; wenn er seine erdichtungen wirklich aus den angeführten stellen herausgewickelt hätte. Lessing 6, 270. reflexiv: welcher aber allgemach sich wird herausz wickelen (aus den schulden), der macht ein gewonheit der häuszligkeit, und mit diesem fleisz hilft er dem gemüth und vermögen. Schuppius 739; er sucht sich noch mit einer andern ausflucht herauszuwickeln. Kant 8, 142; wenn etwas miszräth oder anstosz gibt, da sucht er die schuld auf andere zu wälzen und hat auch eine geschicklichkeit, sich mit solchem anschein herauszuwickeln. Arnim 2, 337. wimmeln: ir land wimmelte kröten er aus. ps. 105, 30. winden, reflexiv: wie soll ich mich aus diesem labyrinth heraus winden?; transitiv in übertragener bedeutung, durch fragen herausbekommen:
(ihre amme) wuszt endlich weg zu finden,
das seltsame geheimnis, das sie nagt,
aus ihrer brust heraus zu winden.
Wieland 22, 173 (Oberon 4, 50);
niemand, sagte sie, konnt es aus mir herauswinden, wem die sachen allemal gehören. J. Paul Siebenkäs 2, 18. wirken: nachdem nu alle menschen sünder sind, der sünde und dem tod ... unterworfen, ist es unmüglich, das ein mensch sich aus seinen kreften oder durch seine gute werk eraus wirke. Luther 5, 15ᵃ; je mehr er fürnimpt, sich selbs eraus zu wirken, je erger es mit im wird. das. wischen,
1)
intransitiv: man kompt zum loch, der fuchs fährt ein, die schlange hernach, und zeigt ihm alle gelegen heit, indesz wischt der fuchs heraus. Schuppius 836;
im nabel ist sie (die seele) gern zu haus,
nehmt es in acht, sie wischt euch dort heraus.
Göthe 41, 325;
so wischte ich mit einer pistoln heraus. Simpl. 1, 220 Kurz; so bald ich solches gesagt, wischte einer von meinen herrn mit dem sebel heraus, mir das reden zu legen. 2, 218; ist denn etwas geschehen? meine liebe frau, ich will mit meiner niesewurzel gerne heraus wischen. Chr. Weise betrog. betrug 37.
2)
transitiv, durch wischen entfernen: flecke, schmutz aus einem kleide heraus wischen. wollen s. oben sp. 1027. wühlen: wenn die unterirdischen schätze des landes herausgewühlt würden. Göthe 18, 148. wurgen, würgen: diesem mus er (gott) das bein gesund machen, den reich machen, dem sol er recht laszen und thun, wie sie mügen, auch durch sich selbs und andere, sich heraus würgen. Luther 1, 86ᵇ; glauben sie, dasz mir ein liebhaber gleichgültig sein konnte, ... der eine so zärtliche liebeserklärung, wie sie in seinem briefe finden, nach allen regeln der rhetorik herauswurgte? Rabener sat. 3, 140;
kaum dasz der weite schlund das erste wort gebahr
(es satzte müh genug, den gram heraus zu würgen).
Günther 494;
(ein verpesteter dampf, der) die verruchte hexe kizelt,
bis sie hustend die schwarze seel herauswürgt!
Voss 3, 113.
zahlen: geld herauszahlen, bei einer abrechnung. zählen: dort saszen wir, zählten noch einmal und immer noch einmal, ob wir nicht die sechs reichsthaler herauszählen könnten, allein es waren und blieben nur drei. Riehl culturgesch. nov. 370. zaubern: hieraus entfaltet sich ein trieb, alles was von vergangenheit noch herauszuzaubern wäre zu verwirklichen. Göthe 49, 19. zerren: einen pfeil heraus zerren, avellere spiculum. Stieler 2316; aus dem hause heraus zerren, domo vi extrahere. daselbst;
(welche hexe) sich kühe melkt durch ständer,
dasz die nachbarin blut statt milch herauszerrt.
Voss 3, 110.
ziehen,
1)
intransitiv: die menner in Sichem ... zogen eraus aufs feld. richt. 9, 27; und der philister lager zog er aus fur Michmas uber. 1 Sam. 13, 23; da sie ubers blachfeld ans gebirge kamen, zogen gegen inen eraus die schützen. Judith 6, 7; aus der stadt heraus ziehen, ex oppido emigrare. Steinbach 2, 1110.
2)
transitiv mit persönlichem object: da die Midianiter, die kaufleute, fur uber reiseten, zogen sie in (Joseph) aus der gruben. 1 Mos. 37, 28; die besatzung aus der stadt heraus ziehen, praesidium deducere ex urbe. Steinbach 2, 1110;
tanzmeister. wie jeder doch die beine lupft!
sich wie er kann herauszieht!
der krumme springt, der plumpe hupft
und fragt nicht wie es aussieht.
Göthe 12, 228.
mit sächlichem object: kumpt der amman und mag das scheff (schiff) mit zwai fingern herusz ziehen. weisth. 3, 740; er aber wachet auf von seinem schlaf, und zog die geflochten locke mit nagel und flechtband eraus. richt. 16, 40; sie zoch das heubt Holofernis her aus. Judith 13, 18; wenn es (das netz) aber vol ist, so ziehen sie es eraus an das ufer. Matth. 13, 48; zoch eraus zween grosschen, und gab sie dem wirte. Luc. 10, 35; welcher ist unter euch, dem sein ochse oder esel in den brunn fellet, und er nicht als bald in her aus zeucht am sabbathtage? 14, 5; er ziehet das kraut samt der wurzel heraus, extrahit herbam radicitus. Steinbach 2, 1110; einen dorn herausziehen, so einem im fusze stecket, revellere spinam vestigio pedis alicujus haerentem. das.;
er zog herausz sein blankes schwert
und stach sich in sein herze.
Uhland volksl. 223;
und schlosz auf ire schleierlad,
und zohe herausz die gelben schleier.
B. Waldis Esop 4, 28, 15;
in übertragenem sinne: etwas aus einem buche heraus ziehen, aliquid ex libro excerpere. Steinbach 1, 1110; aus quadratischen gleichungen die wurzel herausziehen; so trat er seinen beweis an und zog vier lange flüche, als eben so viel syllogistische figuren heraus. J. Paul Hesp. 3, 12. zischen: (der minister) zischte mit seinem hellen, kreischenden stimmchen eine der plattesten, abgeschmacktesten erbärmlichkeiten heraus. Klinger 10, 19. zupfen: graue haare aus dem barte herauszupfen;
A. du spinnst ja, wie ein daus!
B. man musz wohl, denn ein schocker dreiszig
zupft man nicht gleich heraus.
Gökingk 3, 83.
zwacken: zwackt eraus meine wort, wo es in dünket, schmiert dran seinen gift. Luther 1, 368ᵃ; es gilt aber nicht ein wort heraus zwacken, und darauf pochen. man mus die meinung des ganzen texts, wie er aneinander hanget, ansehen. 3, 38ᵇ; ist das nicht ein tolküner geist, der got so frech in seine wort greift, und heraus zwackt, was im gefellet? 64ᵃ. zwängen: das wiesel zwängte seinen leib aus der schmalen spalte heraus. zwingen: wer die nasen hart schneuzt, zwingt blut er aus, und wer den zorn reizet, zwingt hadder er aus. sprichw. 30, 33; die pfennige mit guten worten herauszwingen, expalpare argentum ab aliquo. Stieler 2669; indem sie einerleiheit der tugend und glückseligkeit zu ergrübeln suchten, waren sie nicht einhellig, wie sie diese idealität herauszwingen wollten. Kant 4, 231; (länder) welche sich beständig an einander reiben, um ... die funken des unsterblichen ruhms herauszuzwingen. Klinger 10, 4.
Zitationshilfe
„heraus“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/heraus>, abgerufen am 16.10.2019.

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