haus n
Fundstelle: Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 640, Z. 57
domus.
I.
form und herkunft. Im gothischen ist das wort nur in dem einmal vorkommenden compositum gud-hûs gotteshaus, tempel erhalten und wird sonst durch razn ersetzt; dagegen findet es sich in allen andern alten dialecten übereinstimmend in neutralem geschlecht und in der form hûs, eine form die ihren langen vocal zufrühest im mittelenglischen und im bairischen seit dem 14. jahrh. in den diphthongen umsetzt, so dasz dort house, hier haus entsteht. auf letzterem grunde ruht die nhd. schriftform. das mnl. nnl. wandte sich zur form huys, huis. was die ableitung des wortes betrifft, so ist sein schlieszender consonant als nicht wurzelhafter, als rest eines mittel oder werkzeuge andeutenden suffixes -as, goth. -is, -isa zu nehmen, so dasz das alte hû-s zunächst für hû-is steht und als enger verwandter von ahd. hû-t, mhd. hau-t, mit anderm suffix, gelten musz; die beiden gemeinsame wurzel tritt in den deutschen dialecten mit einfachem anlaut h, der aus älterem k hervorgegangen ist, auf, in den urverwandten sprachen mit dem verstärkten anlaut sk, altind. sku bedecken, bergen, sku-nati er bedeckt, griech. σκευ-ή kleidung, rüstung, σκύ-νιον augenbraue, σκύ-τος haut, leder, lat. scû-tum schild. hiernach hat haus den allgemeinsten sinn eines mittels zum bergen, eines unterschlupfs, einen sinn den wir auch an dem gleicher wurzel entstammenden hü-tte hervortreten sehen werden.
II.
Bedeutung.
1)
haus, allgemein jedes menschlicher wohnung, unterkunft und beschäftigung dienende gebäude. es heiszt ein altes, neues, groszes, kleines, hohes, niedriges, festes, massives, baufälliges haus; aus den fenstern eines altverfallenen hauses. H. Heine 2, 337;
gleich wie ein wolgmaurt hausz verharret,
dran die stein im kalk sint erstarret.
Fischart ehez. (1591) A 4ᵇ;
das haus wird gegründet, gebaut, ausgebaut, erweitert, gemauert, gerichtet, gedeckt, abgebrochen, niedergerissen; Jacob zog gen Suchoth, und bawet im ein haus. 1 Mos. 33, 17; wo der herr nicht das haus bawet, so erbeiten umb sonst, die dran bawen. ps. 127, 1; des vaters segen bawet den kindern heuser, aber der mutter fluch reiszet sie nider. Sir. 3, 11; da will ich mir lassen ein hausz bauen, mit schönen erkern, mit groszen sälen, mit zierlichen kammern. Chr. Weise erzn. 93;
hier hast du aufgesetzet
ohn hoffart, nicht ohn lust, ein haus das dich ergetzet.
Opitz 1, 60;
die räume wachsen, es dehnt sich das haus.
Schiller glocke v. 115;
übermüthig siehts nicht aus,
hohes dach und niedres haus.
Göthe 47, 159,
das neue haus ist aufgericht,
gedeckt, gemauert ist es nicht.
Uhland ged. 61,
man geht, zieht, kehrt ins haus, geht aus dem hause, verläszt, räumt das haus: keret doch ein zum hause ewers knechts. 1 Mos. 19, 2; ich habe das haus gereumet. 24, 31; und wann ich sechs jahr nicht solte aus dem hause gehen. Chr. Weise erzn. 349;
(wird) ausz dem hause ziehen
das er gebauet hat.
Opitz 2, 125;
herein zum saal klein Roland tritt,
als wärs sein eigen haus.
Uhland ged. 335;
und wie ich morgens aus dem haus
tret in die frische welt hinaus.
R. Reinick lieder 193.
eng ist verbunden haus und hof, die allitterierende formel will mit dem wohnhause eines mannes auch den gesammten länderbesitzstand desselben, repräsentiert durch den wirtschaftshof, hervorheben: oder zû me hofe oder zû me hûse, da sie gevangen sîn. Sachsensp. 3, 60, 3; wer denn weibel ist, der sol dann gan zu hus und zu hof. weisth. 1, 42; weler (welcher) ein frävenlich jagt in sin husz und hof, und im nach îllet in sin husz. 83; einem sein hausz und hof geschenden und plündern, disturbare ac diripere domum alicujus. Maaler 214ᵇ; einen in sein haus und hof aufnemen, recipere aliquem domum suam. 214ᶜ; gleicherweisz soll jederzeit alles vermögen, hausz und hof, und das geschlecht sampt der hauszhaltung nach des mannes namen genant werden, ungeacht, das etwa das weib das gröszer theil zugebracht hat. Fischart ehez. (1591) B 5ᵇ; denn seht, eines haus und hof steht gut, aber wo soll baar geld herkommen? Göthe 8, 77; vor einer zu wilden gährung der köpfe haus und hof zu sichern. Gutzkow ritter 2, 349. diese formel erscheint manigfach in sprichwörtlichen redensarten: er hat ein heiszen magen, hat haus und hof verdaut. Schottel 1125ᵃ; haus und hof ist ihm in wein ertrunken. das.; sie hätte mich um haus und hof gebracht, hätt ich das spiel länger getrieben. Lenz 1, 309; etwas kommt einem zu haus und hof, zu gute, eine formel die an das haus als stätte der eigenen wirtschaft anknüpft, wie unten no. 6 (sp. 648) angeführt wird: wie es disem frommen herrn auch zu hausz und hof kam. Mathes. Sar. 22ᵇ; bald nachher nahm ich abschied von einem orte, der mir einen jugendfreund in die arme geführt, meine kenntnisse so erstaunlich bereichert, und mich, welches dir zu haus und hof kommt, so geschwätzig gemacht hat. Thümmel 5, 152; ähnlich: der amtmann .. lachte heimlich als ein wahrer egoist über das ereignis, dasz man so grosze anstalten und aufwand machte, um über dem meer und im mittellande sich frei und thätig zu erweisen, und doch dabei ihm, der auf seiner hufe ganz ruhig gesessen, gerade die gröszten vortheile zu haus und hof bringe. Göthe 23, 226. die redensart wird auch ironisch, im bösen sinne angewendet: es wird dir zu hausz und hofe kommen. dieses braucht man zum guten und bösen wunsche. Schottel 1131ᵇ; es thut mir, wie gesagt, leid für ihn: denn wenn einer der sich der naturforschung ergiebt, und noch nicht abgelebt ist, dasjenige nicht anerkennen will, was ich in meiner farbenlehre mehr oder weniger geleistet, so wird es ihm noch oft zu haus und hof kommen, und er gewinnt moralisch nicht dabei. Göthe an Zelter 162; dies aber alles wird ihm zu haus und zu hof kommen und zuletzt wird er nicht wissen wo er hinaus soll. 269. — Wie haus und hof ist haus und herdstatt allitterierend verbunden: die von Wynön und ouch Oberwynön söllent geben jerlich von ieglichem hus oder herdstat 1 gartenhuͦn. weisth. 1, 179; ferner haus und heim: diewyl Bartlis sachen erlicher schulden halben also gestalten, das er syn huob verkoufen und hiemit mit wyb und kinden von hus und heim kommen müsse. Hotz Zürcher urkundenb. 1, 133 (von 1560);
vil armer leuten seind zu klagen,
den man thuͦt hausz und haim zerschlagen.
Zarnckes Brant CXXVIIᵇ;
haus und habe: mein hausz und hab verliese. Fischart ehez. (1591) E 3ᵃ. Der angesessene sitzt, wohnt mit hause: die mit hus da wonten. Ulensp. s. 50 Lappenb.; sich ze hausz setzen, sedem capere Maaler 214ᶜ;
ich und mîn bote wir giengen dan
zwô mîl für ein burc wünneclîch:
dar ûf sô was diu tugende rîch,
mîn vrowe der ich nie vergaʒ.
diu guot mit hûs dar ûffe saʒ.
frauendienst 330, 4;
von dann begund man cheren
gen Mergenburch hin fur sich paʒ.
der maister da mit hause saʒ.
Suchenwirt 4, 82.
Andere formeln, sprichwörter und redensarten. ost, west, das haus am best. Schottel 1135ᵃ; es gehen viel freund in ein klein hausz. 1127ᵃ. wer ein groszes hausz hat, beherbergt den kaiser. Pistorius thes. par. 5, 49; hochzeitshaus ist offen haus. Immermann Münchh. 3, 8; ein mantel und ein haus deckt viel schand. Schottel 1121ᵇ; wer in seinem eigen hause beschneiet oder beregnet, des wil sich gott auch nicht erbarmen. 1140ᵃ; ihm ist ein steinern haus durch den bauch gefahren. 1125ᵃ; ich wil erleben, dasz der das hausz soll von auszen ansehen. Agr. spr. (1560) 167ᵃ; sein haus gehört ihm und andern leuten, habet domum, sed alienis nummis paratam; obligata est creditori. Serz 64ᵇ; wir deudschen haben ein sprichwort .. ein trunken haus speiet den wirt aus. Luther 3, 245ᵃ; und wird hie auch der teutschen sprichwort war: ein volles hausz speiet seinen eigen wirt ausz. Mathes. Sar. 85ᵇ; wir wollen heute rechtschaffen turnieren und das haus zum fenster auswerfen, denn es heiszet doch: frisz, sauf, lebe stets im saus, nach dem tode wird doch nichts daraus. Rist Teutschland 25; das haus soll man stützen, und das geld mittler weil nützen. Pistorius thes. par. 5, 72; es sol ein man haben ein hausz, ein weib, einen ochsen, das ist, ein narung, damit er sich und die seinen aufenthalten künne. Agr. spr. (1560) 160ᵇ;
ein hausz ist ein gut sicherheit
ein zuflucht beid zu fräud und leid:
es ist keim basz als inn seim hausz.
Fischart ehz. (1591) C 7ᵇ;
inn seim hausz ist ein jedes frei,
auszwendig verlassen, forchtsam, scheu.
das.;
wer sein hausz wil halten keusch und rein,
der lasz keine studenten und tauben ein.
Pistorius 10, 38;
ein alt haus fragt nichts nach rauch. Lehmann 96; das haus brennt ihn, i. e. er ist nicht gern daheim. 133; des spötters haus brent auch wol. Schottel 1135ᵇ; ein haus, ein brand. Pistorius 4, 78. einen lauten hört man über neun häuser: das gab ein solches gelächter, dasz mans über das neundte haus hörete. Simpl. 3, 185 Kurz; so laut, dasz mans über drei häuser hörte. kinderkl. 59; einer hat einfälle wie ein altes haus, wo mit den verschiedenen bedeutungen von einfall (1 und 4, th. 3, 170) gespielt wird: er hatte einfälle wie ein altes haus. Hippel 4, 117; der plumpe, ungeschickte fällt mit der thür ins haus:
nicht fallet, wenn ihr jemals freit,
grob mit der thür ins haus.
Göthe 11, 38.
um den höchsten grad der zuverlässigkeit zu zeichnen, sagt man, man baue häuser auf einen: David meinete, er habe an seinem schwiegervater, dem Saul, einen solchen freund, auf welchen er häuser bauen könte. Schuppius 227; ich baute grosze häuser auf dich, und dachte bei mir selbst: nun hab ich einen groszen serviteur, der mir aufwarten sol und musz. 240; ich weisz, und hab ausz erfahrung gelernet, dasz der jenige, der auf groszer herren gnad, und auf desz gemeinen mannes gunst, häuser bauen wolle, der baue nur auf sand, und nicht auf einen felsen. 242; dasz Johann häuser auf ihn gebaut hätte. begebenh. der herren officiers auf werbungen 1, 5. — bei vergleichungen dient haus als bild für groszes, in die höhe ragendes: haus hoch, infinite Serz 65ᵃ; s. auch haustief;
ein kind wie eine mausz,
macht einen hader wie ein hausz.
Pistorius 6, 34.
von haus zu haus ziehen, gehen: von hausz zuͦ haus, von einem hausz zuͦ dem andern, domesticatim Maaler 214ᶜ; von hausz zuͦ hausz gon seiner freünden, domos amicorum obire. das.;
und trägt so mit verdoppelter schnelle
singend sein wasser von haus zu haus.
Rückert 355;
ich möcht als spielmann reisen
weit in die welt hinaus,
und singen meine weisen,
und gehn von haus zu haus.
Eichendorff.
2)
die bedeutung 1 verengt sich in verschiedener weise, indem haus nur eine bestimmte art von gebäuden bezeichnet, auch auf hausähnliche behälter und thierwohnungen bezogen wird.
a)
haus gottes, haus des herrn, tempel, kirche, wie goth. gudhûs, ahd. hûs za pëtônne, templus, gotis hûs templum dei Graff 4, 1050:
und truog in (den sohn) suoʒe, als ir gezam,
mit ir zem gotes hûse alsô.
Tristan 51, 3 (vorher ze kirchen 50, 39);
wî her în gînc in das hûs gotis. Behaims ev. buch, Luc. 6, 4; da aber die priester aus dem heiligthum giengen, erfüllt ein wolke das haus des herrn. 1 kön. 8, 10; es stehet geschrieben, mein haus ist ein bethaus, ir aber habts gemacht zur mördergruben. Luc. 19, 46; wenn .. die gebeugte niedergeschlagene seele ins haus gottes eintritt. Herder zur rel. u. theol. 8 (1828) 32;
weil man wohl, wie dem hause des herrn, auch dem eigenen vorsteht.
Voss Luise, 3. Idylle II;
ohne den genitivischen zusatz: es wird aber allmählig immer dunkler im leeren hause, ... dann und wann steigt leises murmeln aus einer seitenkapelle. H. Heine 2, 349;
noch steigt in jedem dörflein ja
dein heilig haus empor;
die orgel und der chorgesang
ertönet jedem ohr.
Uhland ged. 10.
haus gottes auch von klöstern:
er begunde bescheidenlîchen
sîn armen friunde rîchen
und tröst ouch frömde armen,
daʒ sich got erbarmen
geruochte über der sêle heil:
gotes hiusern viel daʒ ander teil.
d. arme Heinrich 256;
ähnlich steht nhd. haus von einem nicht profanen gebäude: Jacob war ein aufrichtiger mann, und diener im hausz der lehre. Happel ac. rom. 13; von einem geistlichen ordenshause:
da bricht die menge tobend aus,
gewaltger sturm bewegt das haus,
um gnade flehen alle brüder.
Schiller kampf m. d. drachen v. 290.
b)
haus für adliches schlosz, burg, im mhd. häufig, ragt bis ins 17. jahrh. hinein: mhd. tuon dir kunt daʒ ich mich hebe von dem nâhsten mântage von dem hûse da ich alzan ûf bin, und far hin ze dem hûse als du wol weist. frauendienst 32, 12; nhd. uf unser hause ze Nürnberg. urk. Karls IV v. 1347 im anz. f. kunde d. d. vorz. 1865, 92; mein (eines edelmanns) vater hat mir sovil bauren verlassen, die für mich fronen und arbeiten, müssen mir auch korn und weiszen, habern und gersten zufüren, .. so ich auf meinem haus oder schlos brauchen mag. Wickram rollw. 144, 23 Kurz;
Frankenthal, o du veste,
du wol erbautes haus,
ob dir schon kommen fremd geste,
lasz dich nit treiben drausz.
Weller 132;
o Frankenthal, du werthes
und neu erbautes haus.
133;
Würtemberg halt dich veste,
du wol gesegnetes haus.
201;
noch bei Arndt:
drauf stürmten sie Dömitz, das feste haus.
ged. (1840) 196;
er rüstet sich und schirmt sein haus
mit wehr an thürmen und thoren.
s. 203.
ferner gilt haus von den einzelnen hauptgebäuden schlosz- und burgartiger anlagen, in Colditz in Sachsen z. b. das fürstenhaus, saalhaus, kellerhaus; in der landesschule Pforte das fürstenhaus; endlich heiszt auch das rathhaus haus schlechtweg, z. b. in Nürnberg: verhieszen der meister zwen von der andern aller wegen vor Merthein Holzschner und mir auf dem haus. Tucher baumeisterbuch 270, 12.
c)
haus, das taggebäude eines bergwerks, zur wohnung und aufbewahrung von sachen dienend. Jacobsson 2, 234ᵇ; wenn gott nicht das hause und zeche selber bawet. Mathes. Sar. 40ᵃ.
d)
haus, theater: der zwischenvorhang ging in die höhe und er sah das volle haus vor sich. Göthe 19, 203; das haus war gefüllt. 223;
das was vor jahren wir in Lauchstädt brachten,
das ist von euch noch manchen wohlbekannt,
und damals galts ein eng veraltet haus
mit einem neuen freiern zu vertauschen.
11, 327.
e)
haus, das versammlungsgebäude der landboten, dem englischen house of lords, house of commons nachgebildet: das herrenhaus, das abgeordnetenhaus zu Berlin; die adressdebatte beginnt im hause der abgeordneten donnerstag. volkszeitung 1866, no. 196;
indes der freude lallen
das ganze haus durchbricht.
kladderadatsch 1866, no. 41, s. 162.
f)
haus, blockhaus der soldaten (vergl.blochhaus 2, 136, blockhaus 2, 137):
dasz die waginborg vil kostlicher was
von husern und von gezelte.
Liliencron volksl. 2, 85ᵇ.
g)
haus, vom fahrzeuge, schiffe: leicht wie der schwan schwimmen sie in häusern auf den gewässern. Klinger 6, 32;
die schiffer, so ihr hausz auf bloszes meer hinbauen,
und ihren kühnen leib den leichten winden trauen.
Opitz 2, 85.
h)
haus, vom grabe: zwar alle könige der heiden ligen doch mit ehren, ein jeglicher in seinem hause. du aber bist verworfen von deinem grabe. Jes. 14, 18;
aber wohl dir! köstlich ist dein schlummer,
ruhig schläft sichs in dem engen haus.
Schiller elegie auf d. tod eines jünglings v. 50;
ich eile von der schönen erde
hinab in jenes feste haus.
Göthe 2, 119.
vom sarge:
macht kein stolz gepränge
um des todten schrein,
denn sein bett ist enge,
und sein haus ist klein.
C. Gerok pfingstrosen (1866) s. 208;
auch von der urne, die die asche eines todten birgt:
o dasz ich doch geschwundner asche rest,
im kleinen hause, wandernd, immer weiter ...
als büszender mit kurzen schritten trüge!
Göthe 9, 321.
i)
haus von thierwohnungen: caninchen ein schwach volk, dennoch legts sein haus in den felsen. spr. Sal. 30, 26; er bawet sein haus wie eine spinne. Hiob 27, 18; der jäger nennt des bibers wohnung im strome sein haus. Jacobsson 2, 234ᵇ; haus für tauben, enten, schwäne; nest eines vogels: denn der vogel hat ein haus funden, und die schwalbe ir nest, da sie jungen hecken. ps. 84, 4; vogelkäfig:
von goldigen sprossen ein nagelneu haus,
und doch sehnt der vogel ins freie sich hinaus.
viel lieber verhungert im wald und erfroren,
als im goldenen käfig die freiheit verloren!;
haus an der schnecke:
es träget ein schneck für und für
wo sie hingeht ir hawsz mit ihr.
Fischart ehez. (1591) C 5ᵃ;
s. hausträgerin und schneckenhaus.
k)
haus heiszt auch der samenbehälter des kernobstes, vergl. kernhaus th. 5, 608.
3)
wenn haus auch nur von dem hausflure gebraucht und ihm die zimmer entgegengesetzt werden, so ist das der nachklang jener alten deutschen bauweise, die flur oder diele als hauptraum, zimmer als blosze nebenräume, absperrungen behandelte: bair. im haus, in der hausflur. Schm. 2, 247; düringisch: geh in die stube, ich will im hause auf dich warten; schlesisch: er ging in die stube, ich blieb im hause, abiit in conclave, ego in atrio manebam. Steinbach 1, 715; man begegne jemandem im haus, auf der treppe, es sei eine gesellschaft im zimmer beisammen. Göthe 29, 273.
4)
der menschliche leib, als wohnung der seele, wird einem hause verglichen: wir wissen aber, so unser irdisch haus dieser hütten zubrochen wird, das wir einen baw haben von gott erbawet, ein haus, nicht mit henden gemacht, das ewig ist im himmel. 2 Cor. 5, 1;
disz in der welt geborgtes haus.
Rist h. lied. 4, 224.
so wird auch in traulicher rede der mensch nach seiner äuszern erscheinung in solchen vergleich gesetzt: wie geht dirs, altes haus?; du bist ein braves haus!
dieweil du ein so frommes haus,
so bitt dir eine gnade aus.
A. Kopisch 'als Noah aus dem kasten war'.
5)
haus wendet sich zu der bedeutung wohnstätte, heimstätte, die in einem hause oder in einem theil eines hauses für jemand vorhanden ist: der kranke hütet das haus; schöne weiber im hausz, treibt ir schöne stetz hinaus. aber ungeschaffene weiber hüten des hauses wol, und hats nicht schöne kleider an, so thuts des weniger auszgahn. Fischart ehez. (1591) N 5ᵇ; er gibt im hause unterricht; einen in sein haus nehmen, recipere aliquem tecto suo Steinbach 1, 715; gäste in anderer leute häuser laden. Schottel 1121ᵃ; ich ward mit meinen schwestern in ein gewisses haus gebeten, wohin ich nicht gerne ging. Göthe 19, 279; der nirgends ein haus hat, cui nusquam lar familiaris est. Steinbach; der vater hat den eigenen sohn aus dem hause gestoszen; mein hausz ist mir verbotten, domo exulo. Maaler 214ᵇ; sich im hause trauen lassen, vgl.haustrauung; das begräbnis des N. findet vom hause aus statt; und ein man vermag mehr in seinem hause, denn viere drauszen. Luther 4, 231ᵃ; sie sollen haus und habe mit uns theilen. Lenz 1, 248; ich betrete sein haus nicht wider;
und sein haus ist nicht mehr das meine, wenn er das mädchen
ausschlieszt, das ich allein nach haus zu führen begehre.
Göthe 40, 275.
hier treten vielfach feste formeln auf.
a)
zu hause: in allem was er hatte zu hause und zu felde. 1 Mos. 39, 4; ich esse lieber zu hause etwas schlechtes, als auszer hause delicatessen. Serz 64ᵇ;
gabs lautes zetermordio
zu haus und auf den gassen.
Bürger 25ᵇ;
zu hause sein, weilen, bleiben:
der Agarener weiber trugen
aufm haupt ein schuͦchsol, mit den fugen,
erstlich sie zu erinnern wol,
das ein weib zu hausz bleiben soll.
Fischart ehez. (1591) C 4ᵃ;
der wirt war nicht zu hause. Schottel 1118ᵃ; liebstu gemach, so bleibe zu haus. 1130ᵃ; ich war den ganzen tag zu hause geblieben; ich bin nirgends lieber als zu hause, nusquam commodius vivo quam domi. Serz 64ᵇ; heute hat sich ein wind erhoben, der mich zu hause hält. Göthe 29, 113;
andere hocken zu haus und brüten hinter dem ofen.
40, 260;
ach! sie bleibt gern zu haus und läszt mich immer schwärmen.
7, 104;
nun sitzt mein liebes männelein
zu haus im canapee.
R. Reinick lieder 213.
zu hause sein mit ortsbestimmendem adverbium heiszt geradezu wohnen: ich bin hier zu hause, in diesem hause wohne ich; ze hausz sein, habitare Maaler 214ᶜ.
b)
die formel zu hause sein ist aber auch vielfach in freierer anwendung, zunächst irgendwo heimisch sein (vergl. auch unten no. 7): ich bin hier wie zu hause, prope domesticus sum. Serz 65ᵃ; Erich neu in der krone, Abel seit neun jahren im herzogthum zu hause. Dahlmann dän. gesch. 1, 397;
bons dies! frau gurgelschneiderin!
sie ist hier auch zu hause?
Bürger 48ᵇ;
wie hoch jede wahre neigung zu schätzen sei, in einer welt wo gleichgültigkeit und abneigung recht eigentlich zu hause sind. Göthe 17, 40;
auf den lippen war die stille treue,
auf den wangen lieblichkeit zu hause.
2, 105;
in bezug auf ein wissen, eine kunst: dasz Hilarie bei ihrer groszen jugend schon überall zu hause schien, bei keinem gespräch sich fremd erwies. 22, 86; dieser mann .. war in seinem handwerk, in seiner halbkunst, wie man es nennen will, .. wohl zu hause. 54, 247; doch glaub ich, werd ich in der notariatkunst noch so zu hause sein, dasz ich als ordentlicher testator und erblasser auftreten kann. J. Paul flegelj. 1, 5. in bezug auf den eigenen verstand: er ist nicht recht zu hause, non sanus est. Serz 64ᵇ;
was ist dir, freund? du siehst ja aus
als wärst du noch nicht recht zu haus? (zu einem ganz verwunderten
klausner gesagt).
Wieland 18, 84.
c)
in gleich freier verwendung ist zu hause bleiben, fern, weg bleiben von anderen: ihr graubartiger gesel möchtet wohl mit euren armen leuten zu haus bleiben: dann ihr ja nicht könnet einen hund ausz dem ofen locken. kunst üb. alle künste 9, 17; mit euren einsichten solltet ihr doch zu hause bleiben. Lenz 1, 91;
was denk ich, das falsch ist? das bringe heraus!
nur bleib mir mit wenn und mit aber zu haus!
Bürger 67ᵃ.
d)
bei hause sein, im eigentlichen sinne, wie zu hause: der vogt wuszte dasz der weibel sonst immer bei hause war und nie selber auf den markt gehe. Pestalozzi 2 (1819) 127.
e)
zu hause, mit verben des gehens, bringens, schickens, wie mhd. ze hûs kêren, varn, rîten, laden, biten (wb. 1, 737ᵃ): sie sich zu hausz fügeten. Bocc. (1580) 1, 9ᵇ; da nu Joseph zum hause eingieng, brachten sie im zu hause das geschenk in iren henden. 1 Mos. 43, 26; desselben gleichen mus er uns zu weilen eine plage oder schaden zu haus schicken. Luther 6, 123ᵇ; das bösz ist von ihm selbs auf dem plan, mann darfs nit zu hausz laden. Agr. spr. (1560) 100ᵇ; es ist gut den teufel zu hausz laden, aber übel abzukommen. Schottel 1126ᵇ; der den teufel zu hause ladet, musz ihm werk schaffen. 1131ᵃ; kaum war ich zu hause angekommen. Göthe 19, 309;
ietzund kan es nicht anders sein,
ich muosz zu hausz zum lieblein mein.
fastn. sp. 1013, 15;
also reit er wider zuͦ haus.
Theuerd. 45, 53;
soll ich zu hause wieder gehn,
die haare mir zu berge stehn.
J. C. Göring liebes-mayen-blühmlein (1654) 82;
wenn ich zuvor nach meinem belieben
zu hause werde gehn,
zu hören, wie man hat das hochzeitwerk getrieben,
und alle sachen stehn.
Hoffmannswaldau getr. schäfer s. 59,
man bringe
die königin zu hause. ihr ist übel.
Schiller Karlos 4, 10;
aus einer groszen gesellschaft heraus
ging einst ein stiller gelehrter zu haus.
Göthe 2, 289;
es ist ein schäfer fromm und gut,
der treibet goldne schafe aus,
er hält sie wohl in sichrer hut,
und jedes kommt ihm froh zu haus.
Arndt ged. (1840) 184.
mit einer zum haus fahren, sie heimführen, heiraten, wie nach hause führen, unten h:
du solt mit Elszlin zum hus faren.
fastn. sp. 884, 19,
vorher: für Elszlin heim und machs nit lang.
884, 6.
zum haus sagen: den narren boren, den spiegel zeigen, heiszt eim das wappen visieren, zum hausz sagen, das ers nit lachet, und in summa eim den text lesen, sein kolben zeigen, und sagen wer er ist. S. Frank sprichw. (1541) 1, 11ᵇ; wiltu eim jeden zum hausz sagen, wer er ist, so höre auch wer du bist. 2, 112ᵃ.
f)
von hause: ich komme eben von hause; ich bin den ganzen tag von hause nicht weggekommen.
g)
von hause aus, von der stätte aus, wo man wohnt; in ganz sinnlicher bedeutung: der churfürst aus Bayern selbst .. war gleichsam unser vatter und versorger, welcher uns gleichsam von weitem zusahe, dirigirte, und von haus aus mit seiner klugen und vorsichtigen feder führte. Simpl. 3, 244 Kurz; fürstliche diener von haus aus, solche die an ihrem heimatsorte bleiben, nicht am hofe leben. Schm. 2, 247, vergl. auch Haltaus 834; ist mein vater .. ihrer gnaden bestalter rath von haus aus worden. Schweinichen 1, 25; ehebrecher von hause aus, die den ehebruch nur im eigenen hause treiben: ein ehebrecher von hause ausz sein, das gehet noch wol hin. allein, wann man es so offentlich thun wil, wie der N. von N., das ist allzu grob. Schuppius 466; ihr alter ehebrecher von hause ausz, lasset euch jedes graue haar einen buszprediger sein .. werdet ihr dem teufel ferner dienen von hause ausz, so möchte es unversehens kommen, dasz er euch von hause aus holete. das. anders hat die moderne sprache diese formel gefaszt, sie will damit andeuten, dasz etwas eigenes gleichsam aus dem elterlichen hause überkommen, angeboren ist: in der that .. mit aller unsrer angebornen narrheit, hastigkeit, und schafmäszigen einfalt wären wir doch, von haus aus, wenn man uns unverhudelt liesze, ganz gute leute. Wieland 8, 113; es kommen seelen oder geister auf diese welt, die von haus aus in einen flor eingehüllt zu sein scheinen; alle anstrengung ganz hell zu sehen ist für sie verlorne mühe. Klinger 12, 84; die indische lehre taugte von haus aus nichts. Göthe 6, 44; er taugte von haus aus nichts, war aber drum doch ein excellenter schauspieler. 14, 24; der mensch (d. h. jeder mensch) ist von hause aus thätig. 17, 400; als Däne, als Nordländer ist er blond von hause aus, und hat blaue augen. 19, 178; die weiber, sagt man, sind eitel von hause aus. 22, 45; denn auch bei dem Deutschen ist der charakter gut von haus aus. 45, 246; unser feldjäger ist eine von haus aus gute natur. 261; er setzt voraus, der mensch tauge von haus aus nichts. 56, 171; ein frauenzimmer, was die mannsleute angreifen, pflegt von hause aus angreifische waare zu sein. Immermann Münchh. 1, 137;
du scheinest mir ein künftiger sponsirer,
recht so von haus aus ein verführer.
Göthe 41, 43.
h)
auszerm hause:
daher soll auch eim weib sein bang
wann sie musz aus dem hausz sein lang.
Fischart ehez. (1591) C 5ᵇ,
des vaters alte weine
trink ich recht gern; allein er rückt nicht gern heraus,
er schont das seinige! da trink ich auszerm haus!
Göthe 7, 105.
übertragen auszerm hause sein, nicht recht bei sich, wie oben (sp. 645) nicht zu hause:
du kommst doch über so viele hinaus,
warum bist du gleich auszerm haus,
warum gleich aus dem häuschen,
wenn einer dir mit brillen spricht?
3, 161.
i)
nach hause: worauf sie sich wiederum nacher hausz packen muste. Salinde 64; lasz ihn nur kommen; wir wollen doch sehen, wer den andern nach hause leuchtet. Lessing 12, 410; geh nach hause, packe deine familie und deine sachen zusammen. Wieland 8, 439; als er nach hause kam. das.;
ich weisz den vater noch, ich will nach hause kehren,
bekennen meine schuld, vergieszen wahre zehren.
Opitz 3, 221;
ruhiger wandelte Wilhelm nach haus.
Hölty 43 Halm;
dann kehrt man abends froh nach haus,
und segnet fried und friedenszeiten.
Göthe 12, 51;
jüngst pflückt ich einen wiesenstrausz,
trug ihn gedankenvoll nach haus.
47, 79.
nach hause führen, heimführen, heiraten:
wenn er das mädchen
ausschlieszt, das ich allein nach haus zu führen begehre.
Göthe 40, 275.
6)
haus ist die haushaltung, das wirtschaftlich geordnete heimwesen. es heiszt der herr des hauses oder vom hause, die frau des hauses oder vom hause;
des hûses tohter wil ich nemen.
Stricker in Wackern. leseb. 624, 3;
einer aus dem hause, der zur haushaltung gehört;
o, so rettet den herrn des hauses.
Herder zur sch. litt. 6 (1827) 100;
das gibt nen handel:
nur gut, dasz wir die herrn zu hause sind.
Göthe 10, 264;
A. wer nahms, ich bitte sie! .. doch jemand aus dem haus?
7, 86;
ein gesellschaftsspiel war was schenkest du mir ins hausz? Wesenigk böse spielsieben (1702) 17; man hält haus (vergl.halten II, 7, sp. 294): denn auf ebraisch heiszt ein haus nicht allein dach und wende, sondern wo ein hauswirt ist, der da haus helt, weib, kind und gesinde hat. Luther 6, 129ᵃ; mit geringer kost hält man aufs längst haus. Schottel 1134ᵇ; haltet gut haus. Göthe 14, 306;
dann ich weisz nit mehr hausz zuͦ han,
soll es in die harr also bestan.
Berner fastn. sp. von 1522 B 1ᵃ;
soll ablas, romfart und das abgan,
so will ich ein andern hausz lan han.
B 1ᵇ;
er soll ir geben ein gute morgengabe,
hundert schleg alle tage, ...
dar zu hundert eicher knottel ungespalten.
das hilft ausz der maszen wol haus halten,
wo do ist ein ungeduldig weib,
das man domit streich iren leib.
fastn. sp. 516, 29,
und (das eheweib) steht stets an dem klappermark,
das sie erfehrt und richtet ausz
wie ander leute halten hausz.
H. Sachs 1, 521ᵇ (1590 390ᶜ);
also soll auch ein weib vorausz
reinlich und sauber halten hausz.
Fischart ehez. (1591) F 2ᵃ;
ein übellauniger kleiner
boshafter kobold hält in diesem walde haus.
Wieland.
übertragen auf das regiment gottes:
der alte droben hält noch haus,
und schirmt den rechten glauben.
Arndt ged. (1840) 351.
haus halten auch in bösem sinne wüsten, wie hausen (s. das.), wirtschaften ebenso gebraucht wird: hielten mit morden, würgen, erschieszen, also hausz, das (wie dort geschriben steht) ein so weite höll find man kaum, da all die toden hetten raum. Garg. 202ᵃ;
warlich so must nicht halten hausz:
sichstu nicht dein grosz ungemach?
Fuchs mückenkr. 1, 138;
wir wissens noch recht gut, wie er (Salomo)
auf erden haus gehalten.
Bürger 49ᵃ.
ein haus machen, auch ein gutes, groszes haus machen, seine wirtschaft auf groszen fusz stellen: die, um diesen Menippus in sich verliebt zu machen, .. ein prächtiges haus gemacht (habe). Wieland 27, 120; die gastfreiheit derjenigen, die, nach dem üblichen ausdrucke, gute häuser machen, bei denen fremde von stande, sogleich als sie sich zeigen, zutritt .. finden. Garve anmerk. zu Cic. de off. 2. buch, s. 235; als gattin eines mannes, der ein haus machen müszte. Göthe 19, 303; gleich den besten städtern, die ein gutes haus machen. J. Paul flegelj. 1, 38. anders ein groszes haus ausmachen, ein bedeutendes heimwesen repräsentieren: der durch seine reichthümer, seine stelle am hofe, ein groszes, bedeutendes haus ausmacht. Klinger 4, 65. ins haus bringen, zur führung der haushaltung einbringen: die frau hat nichts mit ins haus gebracht; was der man ins hausz brächte und schaffte. Fischart ehez. (1591) F 4; so viel man in das haus braucht, quantum ad necessarium usum sat est. Serz 65ᵃ; sein haus bestellen, was zum haushalte nöthig, anordnen: so bald er fort ist, eile ich mein haus zu bestellen, um wieder bald bei ihnen zu sein. Göthe an Schiller 454; gewöhnlich auf den todesfall des hausvorstandes bezogen: sein haus bei zeiten bestellen, supremis suis mature prospicere Serz 64ᵃ, anknüpfend an die bibelsprache: bestelle dein haus, denn du wirst sterben. Jes. 38, 1;
dasz er kurz sein haus bestelle.
Arndt ged. (1840) 386;
fürs haus arbeiten, für den wirtschaftsbedarf;
die was sie inns haus solten spinnen,
anderen zu verthun gewinnen.
Fischart ehez. (1591) H 1ᵇ;
danach wird freier gesagt: er zeichnet, singt, musiciert fürs haus, wie es für das heimwesen, nicht für die öffentlichkeit genügt. ins haus schlachten, für die bedürfnisse der wirtschaft: ein guter hausvater .. läst daher, nach erfordernden umständen, selbst so viel ins haus schlachten, als er fleisch von zeit zu zeit benöthiget. öcon. lex. (1731) 2180; sein vorhaben war, das frostwetter zu benützen, und so viel ins haus einzuschlachten, als sie haben. J. Paul Qu. Fixlein 185; im hause etwas fertigen, im eigenen haushalte, entgegengesetzt dem kaufen der haushaltungsbedürfnisse: das garn ist im hause gesponnen; die frau läszt sich ihre kleider im hause machen, nicht beim schneider; vergl. hausgesponnen, hausschneider. Die redensart zu hause kommen, die in der allitterierenden formel zu hause und zu hofe kommen (oben sp. 641) in erweiterter gestalt erschien, geht von dieser bedeutung der haushaltung und wirtschaft aus, sie steht in gutem wie in bösem sinne: bemühe dich nicht, ihm einiges böses zu wünschen, denn das wird ihm ohne disz zu hause kommen. pers. baumg. 7, 13; thaten uns ein haufen schaden, welches ihnen nun wieder zu hause gekommen. Heilman Thucyd. 393; solche dienstboten werden oft übel verheirathet und bekommen einen gottesvergessenen ehegatten, der es ihnen wieder zu hause bringet, was sie an ihren frommen herren und frauen verschuldet haben. Scriver seelensch. 2, 277;
dort kombt ein handel (rechtsstreit) mir zu hausz (spricht ein jurist).
H. Sachs 3, 1, 115ᵇ;
das euch das nicht zu hause kom
was ich hab propheceit.
B. Ringwald l. w. 306.
hieran schlieszt sich die redensart das führt zu bösen häusern, das bringt nicht vorwärts, sondern ins unglück, und zwar ist der sinn zunächst an das wirtschaftliche verderben angelehnt: der rothe Dieter aber sagte: ich sehe schon, mit euch kann ichs nicht zugleich thun, und wenns einmal zu bösen häusern geht, und der unrechte kommt über uns, so ist mirs nimmer angst für euch, aber für mich. Hebel schatzkästl. 179; so will ich ihn (einen todtgeschlagenen) .. forttragen in den wald und will ihn dort einscharren, sonst gehts zu bösen häusern. 223; so führen doch solche internationale oder richtiger interkantonale kontroversen über die lieblingsgerichte meistens zu bösen häusern. Braun bilder aus d. deutschen kleinstaaterei (1869) 1, 179.
7)
der begriff des hauses als gebäude tritt zurück und die stätte wo das haus steht, hervor; es bedeutet heimatlicher ort, gegend, land wo man ein heimwesen hat oder wo man her ist: anno 1713 .. kam ich zu hause: liesz mich im febr. trauen. Richey der patriot, 3. jahr (1729) s. 285; nach seiner zuhausekunft und glücklich getroffenen heirath. s. 461; er ist nirgends zu hause, homo sine lare. Serz 64ᵇ; sie mag in der gegend von Mailand zu hause sein, und ist in sehr früher jugend .. entführt worden. Göthe 20, 169; diese tage empfand ich wieder viel sehnsucht nach hause. 29, 106; sobald ich nach hause gelange und einigermaszen zur besinnung komme. an Sternberg 112; fremde gesandte haben .. nach hause berichtet. Ranke engl. geschichte 3, 495; der wahre beweggrund darauf einzugehen, lag für die englische regierung in den schwierigkeiten in die sie zu hause verwickelt zu werden fürchtete. 4, 263;
als wir beid im land von haus
in die fremd sein gezogen aus.
Opel u. Cohn 417, 21,
drauszen zu wenig oder zu viel,
zu hause nur ist masz und ziel.
Göthe 2, 257;
die freundin war hinausgegangen
um in der welt sich umzuthun,
doch wird sie bald nach haus gelangen
und auf gewohnte weise ruhn.
47, 179;
Rupert. du kommst
aus Warwand — nicht? Jeronimus. unmittelbar von hause;
doch war ich kürzlich dort.
H. v. Kleist fam. Schroffenst. 3, 2;
fremdlinge stehn sie da auf diesem boden,
der dienst allein ist ihnen haus und heimat.
Schiller Piccol. 1, 2;
überall bin ich zu hause,
überall bin ich bekannt.
macht mein glück im süden pause,
ist der nord mein vaterland.
studentenlied;
mein herz ist groszer trauer voll,
dieweil ich jetzt marschiren soll
und mich von hause wende.
R. Reinick lieder 22;
das ist gewis die gröszte noth,
wer aus der fremde kommt nach haus,
und findet seine liebste todt;
da gehn ihm alle freuden aus.
188.
8)
im freiesten sinne verwenden die dichter haus, es ist ihnen jede stätte, die irgendwie einem hause verglichen werden kann:
es ist zeit
heim zu gehen
in das hausz der ewigkeit.
Opitz 1, 80;
nun ruh ich ewige zeit
im hause des ewigen aus.
Ramler 2, 42,
nach ps. 23, 6: werde bleiben im hause des herrn imerdar;
öffne nie der süszen träume haus.
Arndt ged. (1840) 122;
in Deutschland stand der freiheit haus,
wir baun es tapfer wieder.
s. 234;
und nun springt er (der bach) hinaus
aus dem still grünen haus (dem walde).
R. Reinick 15;
dort in des schilfes dunkelkühlem haus.
150.
9)
haus, übertragen auf die bewohner eines hauses.
a)
allgemein:
das ganze haus greift an, und schämt sich leer zu stehen,
kein sclavenhandwerk ist so schwer als müsziggehen.
Haller schweiz. ged. (1768) 32;
es schläft das ganze haus.
Göthe 7, 61;
ach nein, das ganze haus liegt in dem tiefsten schlafe.
s. 68.
b)
nach haus 6 (sp. 647) die zu einer haushaltung gehörigen, die familie: mit dem hûse sint bemeinet die in deme hûs sint. Windb. ps. 539; er wird befelhen seinen kindern, und seinem hause nach im, das sie des herrn wege halten. 1 Mos. 18, 19; und war kein mensch vom gesinde des hauses dabei. 39, 11; sie fürcht ires hauses nicht fur dem schnee, denn ir ganzes haus hat zwifache kleider. spr. Sal. 31, 21; wenn ein haus (griech. οἰκία, goth. gards) mit im selbs unternander uneins wird, mag es nicht bestehen. Marc. 3, 25; gleube an den herrn Jhesum, so wirstu und dein haus selig. ap. gesch. 16, 31; er machte mich heute am morgen zum regierenden haupt des hauses. J. Paul Fixlein 202; die ländliche familie, der ich befreundet war, hatte verwandte häuser in der stadt, von gutem ansehen und ruf und in behaglichen vermögensumständen. Göthe 26, 34; das ganze Breitkopfische haus, die Stockische familie, manche andere behandelten mich als einen nahen verwandten. 25, 187; es wurde ein familienehrenpunkt, dasz jedes gute haus wenigstens mit einem sohne, neffen, schwager oder vetter muszte prangen können, der die nazionalschaubühne mit einer komödie .. beschenkt hatte. Wieland 19, 267; junge leute von gutem hause und sorgfältiger erziehung. Göthe 18, 315; ein junger mann aus gutem hause. 24, 270; er ward bald der innige freund unsers hauses. 19, 316; wenn ältere geschwister alsdann für die jüngern sorgen, und das haus sich in sich selbst bedient und aufhilft. 17, 283;
so erklär ich ihn für einen propheten,
will ihn mit all meinem haus anbeten.
13, 73;
ach, des hauses zarte bande
sind gelöst auf immerdar;
denn sie wohnt im schattenlande,
die des hauses mutter war.
Schiller glocke.
hierher fällt eine redensart die rechten häuser finden, vor die rechte schmiede gehen: ich kenne menschen, die gar nichts als ein paar jahreszahlen im kopfe hatten, und damit in Berlin die rechten häuser zu finden wuszten, und jetzt schon ordentliche professoren sind. H. Heine 1, 237. haus, geschlecht, im genealogischen sinne:
so schreiten keine irdschen weiber!
die zeugete kein sterblich haus!
Schiller kr. des Ibykus.
c)
in prägnantem sinne, edles fürstliches geschlecht; es kann das mit dem alten haus für burg, schlosz (oben sp. 643) zusammenhängen: aus welchen stämmen und geschlechtern oder häusern meine ankunft herflieszen. Schweinichen 1, 21; meine gegen ewerem churf. haus und person tragende demüthige wahre lieb und trew. Wekherlin dedicat. zu den weltlichen gedichten; dann so bald es dahin kommet, das eine gnadfraw, und müszig sein will, alsbald fanget das gut an abzunemen, und das haus oder geschlecht in ein verderben zu kommen. Fischart ehez. (1591) V 2ᵃ; als der krieg zwischen den beiden fürstlichen häusern, Cassel und Darmstadt, angieng. Schuppius 253; der graf .. dankete vor die sonderbahre affection, welche er auf sein hausz geleget. Talander Olorena (1694) 485; ich sah manch stolzes haus, das die augen über deine abkunft zugeblinkt hätte. Göthe 10, 97; jenes grosze reiche haus hatte vergebliche versuche gemacht, einer hoffnungsvollen erbtochter unterhaltende und wetteifernde gespielinnen zu verschaffen. 17, 374;
er wirt sein von einem groszen haus
dan solchs sein tugent weiset aus.
historia Magelonae spielweis B vᵇ;
man weisz, dasz Hollstein zwar ein hausz der helden ist,
die man ins sternenbuch der ewigkeit musz schreiben.
Philander v. d. Linde verm. ged. (1710) 173,
der Howard und der Percy edle häuser,
ob ihre häupter gleich gestürzt, sind noch
an helden reich.
Schiller M. Stuart 2, 8;
sie scheinen mir aus einem edlen haus,
sie sehen stolz und unzufrieden aus.
Göthe 12, 108;
Konradin. der gepriesne held,
der meinem haus ein halb jahrhundert lang,
in glück und noth, mit rath und that, gedient.
Uhland ged. 181.
d)
haus, die zuhörerschaft eines theaters:
wie der vorhang an der trauerbühne
niederrauschet bei der schönsten scene,
fliehn die schatten — und noch schweigend horcht das haus.
Schiller melancholie an Laura.
e)
haus, die gesammtheit der landboten (s.haus 2, e, sp. 644): die absicht, ein gemischtes system von wahl- und berufsconsuln durchzuführen, .. fand durchaus den beifall des hauses. preusz. jahrb. 20. bd. s. 551; das haus tritt in die tagesordnung ein; das haus schreitet zur abstimmung; der könig hat die auflösung des hauses verfügt.
f)
haus, inhaber und personal eines groszen handelsgeschäfts, dessen betrieb in einem eigens dafür bestimmten hause geschieht (vergl.handelshaus, handlungshaus): ein haus (so nennt der kaufmann sein comptoir). Kant 10, 354; als ächter kleinhändler steht er in seiner ausschnittbude, voll von gewerbsneid gegen alle groszen häuser, absonderlich gegen das grosze haus in Rom, das viele tausend buchhalter und packknechte besoldet und seine faktoreien hat in allen vier welttheilen. H. Heine 2, 336. eigens von dem einzelnen besitzer eines solchen geschäfts: Jakob Oehrmann ist kein verächtlicher mann: er hatte in Amsterdam 4 jahre als börsenknecht gedient .. darauf wurd er scharrend und schindend ein gutes haus, indem er keines machte (spielend mit der bedeutung 6 oben sp. 648), und stieg zur würde eines siegelbewahrers von einem ganzen ritterschaftlichen siegelkabinette, das auf den adlichen schuldscheinen zerstreuet aufgepappt sasz. J. Paul Siebenk. 1, 4.
10)
eine nähere bestimmung des hauses rücksichtlich des besitzers oder vorstandes geschieht bei gröszeren häusern gern dadurch, dasz man den betreffenden namen in den nominativ dazu setzt, um auf diese weise die volle abhängigkeit des hauses von seinem herrn zu zeichnen.so wenn haus in eigentlichem sinne (1 und namentlich 2, b sp. 643) steht: da er aufs gebirge Ephraim kam zum hause Micha. richter 17, 8; sammt den alterthümern des hauses Chigi. Herder zur sch. litt. 19 (1830) s. 142; besonders aber dann, wenn haus die familie bezeichnet: ein man vom hause Levi. 2 Mos. 2, 1; darumb hab ich dem hause Eli geschworen, dasz diese missethat des hauses Eli solle nicht versünet werden. 1 Sam. 3, 14; zu der zeit wird das haus Juda gehen zum haus Israel. Jer. 3, 18; er liesz das ganze haus N. grüszen; wenn haus handlungshaus bedeutet: das haus Frege, das haus Rothschild.
11)
haus in der technischen sprache gehäuse: so der hohle theil einer axt, haue, der den stiel aufnimmt. Schm. 2, 247. Tobler 280ᵇ. danach ist der zweite theil des wortes axhosel manubrium asciae, der th. 1, 1046 unerklärt gelassen ist, aus hüsel, häusel entstellt; ferner der block oder das querholz, in dem die stemmleisten am rüstwagen eingefügt sind, s. kipfhaus th. 5, 781. bei den schiffern das haus des kompasses, der behälter in dem er sich befindet; vom behälter des glühenden erzes beim glockengusz:
der meister kann die form zerbrechen
mit weiser hand zur rechten zeit!
doch wehe, wenn in flammenbächen
das glühnde erz sich selbst befreit!
blindwüthend, mit des donners krachen
zersprengt es das geborstne haus.
Schiller glocke.
12)
astrologisch: der himmel wirt von den alten ausgetheilt in sieben häuser. Herr feldbau 9ᵇ; da musz man acht haben, in welchem haus oder zeichen des himmels der mon sei. 5ᵇ;
da thut es noth, die saatzeit zu erkunden,
die rechte sternenstunde auszulesen,
des himmels häuser forschend zu durchspüren,
ob nicht der feind des wachsens und gedeihens
in seinen ecken schadend sich verberge.
Schiller Piccol. 2, 6.
Zitationshilfe
„haus“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/haus>, abgerufen am 20.04.2019.

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