ha
Fundstelle: Lfg. 1 (1868), Bd. IV,II (1877), Sp. 5, Z. 40
ausruf, der in gröster allgemeinheit einem plötzlichen ausbruche menschlichen gefühls ausdruck leiht. alles uns bewegende unerwartete, ein plötzlicher einfall, freude, schreck, abscheu, unwillen, ausbruch des stolzes oder des hohns, läszt nach einem momentanen anhalten des atems den hauch scharf aus unserm munde entströmen, meist unter voller öffnung der mundhöle, welche den vocal a erzeugt. andere vocale treten dem hauchlaute hinzu, wenn sie das unerwartete, plötzliche, näher characterisieren; so malt hu den schauder, hei das scharfe eindringen auf den gegner bei streit und kampf, he und ho den gröbern, meist unwilligen ruf. das herzliche, volle lachen wird durch das reduplizierte haha, hahaha gegeben, während das feine kichern hihi bezeichnet, mädchenhafter schreck aber oder weibische verwunderung in dem einfachen hi seinen ausdruck findet. alter oder grobes bäurisches wesen dem der reine laut a schwer wird, nimmt für ha hä und lacht hä hä oder he he. — in den partikeln aha, ahi (1, 190. 191), bei denen der ton auf der zweiten silbe liegt, ist das anlautende a nur als reiner vorschlag aufzufassen. ha gilt
1)
als allgemeiner ausruf bei etwas plötzlich auf uns eindringendem, uns überraschendem, sowie bei einer plötzlichen idee, einem plötzlichen entschlusse, wobei, um den verstärkten eindruck zu schildern, auch die reduplizierte form erscheint: ha vatter, was thut ir! Aimon bog. g; ha dachte ich bei mir selbsten. Jucundiss. 209; ha! nun fällt mirs ein! Wieland 11, 219;
ha! meckerte der bock, nichts kann gescheidter sein!
bei meinem bart! mir fiel der streich nicht ein.
Hagedorn 2, 20;
was seh' ich, ha!
Kotzebue dram. spiele 2, 305;
ha ha! nun besinn' ich mich, rief Pedrillo. Wieland 11, 221;
was heiszt es denn, sprach drauf der knabe,
dasz ich fast nichts erkennen kann?
ha ha, nun fällt mirs ein, was ich vergessen habe,
mein vater fängt es anders an.
Gellert 1, 211;
sie schweigt und gräbt getrost — ha ha, nun klingt es hohl.
1, 214.
als interjection gegenüber einer unerwarteten oder auch unverstandenen frage oder anrede kommt ha undvor: hä, he, gleichsam: was sagten sie? in schlesischer mundart Holtei schles. ged. 147; ha in Kärnthen und Baiern Lexer 129, Schmeller 2, 127;
Sc. ach! doctor: hä? Sc. (mit verstärkter stimme) ach!
doctor. was war das?
Göthe 11, 175.
2)
als ausdruck eines freudigen gefühls:
ha! spricht er (der fuchs) sei gegrüszt!
Hagedorn 2, 121;
hört von meiner auserwählten,
höret an mein schönstes lied!
ha! ein lied des neubeseelten
von der süszen anvermählten
die ihm endlich gott beschied.
Bürger 2, 76.
so giebt ha schon in einfacher, meist aber in wiederholter stellung das lachen wieder:
ha! lachte der kaiser, vortreflicher haber!
Bürger abt v. St. Gallen.
ha hae, hahaha interj. gauditiva. liber ordinis rerum von 1429, 31ᵈ; haha da geht es volle wol. Garg. 81ᵃ; Crotus: ha ha he! Witzel: wes lacht ir? Alberus wider Witzeln L 5ᵇ; da fieng der tüffel an lachen ha ha ha und sprach .. Keisersberg sünden d. m. 24ᵇ; gelt mein guter herr Barthold, ich habe sie einmal rechtschaffen angeführt, ha! ha! ha! Möser 9, 132; ha ha ha! ich lache ja. Lessing 1, 577; ha! ha! ha! zum kranklachen. Fr. Müller 2, 112; hahahaha! die arme gnädige frau. Engel Diamant 131. auch hä! hä! hä! mit dem teufel nehmen wir es auch auf. Kotzebue dram. spiele 2, 330; hä! hä! hä! hä! warum so hitzig. 1, 23. Die interjection in dieser anwendung schon früh; so altfries.: dâ spreeck di koningh Kaerl: ha ha, dat land is myn, ende hlackade. Richthofen 439, 16. mhd.
friunt, ich erkenne ouch daʒ hâhâ, hâhâ, hâhâ.
Walther 38, 4.
3)
ausdruck des stolzes, selbstgefühls, eifers, mutes:
les ich aber deine briefchen
und gesänge,
ha! wie werd ich stolz und stumm!
Göckingk lieder zweier lieb. (1779) 103;
ha, ich bin der herr der welt! mich lieben
die edlen die mir dienen.
Göthe 2, 89;
ha! eher musz sich des tyrannen stahl
in dem zu lange schon gesparten blute röthen.
Alxinger Doolin 9, 63;
ha! brummt er, dir will ich das handwerk zeitig legen!
geschmeisze, wiszt ihr, wer ich bin?
Hagedorn 2, 38.
4)
des spottes, hohnes:
ha! wie will ich dann dich höhnen!
Schiller 10ᵃ;
auf ihren bäuchen lagen sie,
und baten leben. ha!
Gleim.
5)
sehr häufig schrecken, abscheu, zorn, unwillen malend: die andern teufeln laufen all aus der helle und schreient 'ha ha ha'. fastn.-sp. 492, 13; sprach er im gantzen zorn 'ha vatter was thut ir'. Aimon bog. e; ha! sollen sie mir die fürchterliche stunde ankündigen. Gotter 3, 29; ha! barbar 87;
ha, ihr hunde, ihr wähntet ich kehrete nimmer zur heimat.
Odyssee 22, 35;
ha, ich hofte zu strafen an Alexandros die unthat.
Ilias 3, 366;
ha sieh! ha sieh! im augenblick,
huhu! ein gräszlich wunder!
des reiters koller, stück für stück,
fiel ab, wie mürber zunder.
Bürger Lenore.
vergl. mhd.:
si (die bauern) riefen alle: ha ha hâ,
jâ du verfluochter bœsewiht,
du treist des kindes hinnen niht.
Reinhart fuchs s. 352;
ir ruofen ist alleʒ ha ha hô!
daʒ ist gein mir sô vîentlîch.
353.
6)
die interjection ha verbunden mit der präp. über oder mit nachfolgendem genitiv: ha über die wonne!; ha über den bösewicht der mich verliesz!; ha des liebevollen barmherzigen vaters, der seinen sohn wölfen und ungeheuern preisgibt. Schiller räuber 1, 3;
ha, der frechen!
Bürger 56ᵇ.
Zitationshilfe
„ha“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/ha>, abgerufen am 19.10.2019.

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