häszlich adj. und adv.
Fundstelle: Lfg. 3 (1870), Bd. IV,II (1877), Sp. 556, Z. 24
mhd. haʒlîch und heʒʒelîch, in zwei bedeutungen.
1)
hasz habend, feindselig, feindlich, holl. hatelijk, gehässig:
sie lieʒen ûʒ den porten gân
und anderhalben in die schar.
die tâten si her unde dar
mit häʒlîchem strîte.
Tristan 474, 13;
er redt und redt, iederman muͦsz im zuͦhören, damit so macht er sich unholtselig das alle menschen im heszlich werden. Keisersberg s. d. m. 75ᵃ. in Schwaben noch jetzt häszlich feind, ungünstig, aufsässig. Schm. 2, 245. auch die neuere schriftsprache hat diese bedeutung noch nicht ganz vergessen: heszlich mit einem umgehen, aliquem indignissime sive pessime tractare. Stieler 787; Konrad fuhr mit häszlichen reden gegen ihn an, nannte ihn einen wollkratzer und federfuchser. Arnim kronenw. 1, 409; wenn auch hier der sinn des wortes schon nach 2, c neigt, was namentlich in einer fügung Freytags geschieht: neulich war eine alte frau im nächsten dorfe krank, kein mensch trug ihr essen, recht häszlich haben sie sich über ihre niederlage gefreut. handschr. 1, 102.
2)
weit gewöhnlicher ist die bedeutung hassenswert, hasz erregend, die im mhd. noch selten ist, und die sich nhd. verschiedentlich abstuft.
a)
selten in voller schärfe: ihr müsset allen menschen häszlich sein. Luther br. 2, 163. als attribut von menschen, die moralische gebrechen haben, und solcher gebrechen selbst: häszlicher mann, wie konnten sie gegen ihn so unfreundlich, so hart, so grausam sein? Lessing 1, 534; heszliche sitten, mores detestabiles, foedissimi Stieler 787; heszliche gedanken, cogitationes spurcae, turpes das.; selbst der sokratische faun in Königsberg kann nicht mit dieser wahrheit und bittern wärme gegen die unterdrückung reden und sie häszlicher darstellen, als sie hier in des Eblis gestalt erscheint. Göthe 33, 58.
b)
vielfach in minder scharfer ausprägung des begriffes, ein gefühl des widerwillens erregend, unlieblich, namentlich von körperlicher gestalt eines menschen: heszlich und ungestalt. Albr. v. Eybe 7ᵇ; häszlich und wüst oder ungestalt machen, turpare Maaler 206ᵇ; weil seine gestalt heslicher ist, denn ander leute. Jes. 52, 14; sy war ein heszliche, uralte frauw. F. Platter 183; war doch in wahrheit ein jeder heszlicher, gräuszlicher und ungeschaffener als der Thersites. Philander 1 (1642) 117; ein heszlicher ungestalter schelm, ein zwerg. 2 (1643) 307; eine häszlichgebildete schwester erzürnt sich über ihren bruder, welcher seine schöne bildung gegen sie rühmt. Rabener 2, 271; da verräth sichs (das laster) im todtenblassen, eingefallenen gesicht und dreht die knochen häszlich hervor. Schiller räuber 1, 3; nicht wahr, ich sehe häszlich aus? kab. und liebe 2, 2; unerfreulich häszliche gesichter schneiden. H. Heine 1, 42; wie grauenhaft wir zu kämpfen hatten mit häszlichen gespenstern, dumpfen eulen und scheinheiligen sündern. 2, 144; im vergleiche den ausgang dieser bedeutung von der oben 2, a hervorhebend: dasz sie sollten schwarz werden, wie die nacht und häszlich wie die sünde. Grimm kinder- u. hausm. 2, 237;
was an im selber ist heszlich,
das macht die liebe seuberlich.
B. Waldis Esop 1, 81, 37;
zum häszlichsten zwerge verschafft dich mein wort.
Bürger 59ᵃ.
von thiergestalten: sahe er ander sieben küe aus dem wasser aufsteigen, die waren heslich und mager. 1 Mos. 41, 3;
welch ein nest voll häszlicher thiere, gröszer und kleiner!
und die mutter dabei, ich dacht es wäre der teufel.
weit und grosz ihr maul mit langen häszlichen zähnen,
lange nagel an händen und füszen und hinten ein langer
schwanz an den rücken gesetzt; so was abscheuliches hab ich
nicht im leben gesehn!
Göthe 40, 199.
c)
dann weiter in bezug auf gebahren, treiben, kleidung: ich bat ihn herzlich, er möge doch mir gegenüber diese häszliche hülle aufgeben und der fürst sein. Immermann 2, 16; man redet von einer häszlichen angewohnheit, einer häszlichen krankheit, einem häszlichen husten; heszliche geberden, motus deformis, agrestis, turpissimus Stieler 787;
ich sehe zweene haufen
der weiber auf ihm gehn, und Bassaris auch laufen
mit heszlichem geschrei.
Opitz 1, 444;
der pfau schreit häszlich, aber sein geschrei
erinnert mich ans himmlische gefieder,
so ist mir auch sein schreien nicht zuwider.
Göthe 47, 48;
wie häszlich läszt dir nicht die leichte gelbe weste.
Zachariä 1, 50 (renommist 2. ges.);
und du warfst in begeisterter wuth den becher hinüber,
dasz er am schädel ihm, häszlich vergossen, erklang.
Göthe 1, 309.
in bezug auf geruch, gehör, geschmack, gefühl: diese blume hat einen häszlichen geruch; die speise schmeckte häszlich; wie häszlich fühlt sich eine schlange an!; das klingt häszlich. Sicherer lorelei (1870) 1, 18; in bezug auf dinge die ein unschönes aussehen gewähren: das ist ein häszliches haus; ein häszliches bild; der marktplatz dieser stadt ist nicht schön, eher häszlich zu nennen; wie ist das gold so gar vertunkelt, und das feingold so heslich worden? klagel. 4, 1; häszliche eingeweidt, die greüwlich sind anzesähen, atrocia exta. Maaler 206ᶜ;
zum häszlichen und schönen
läszt mit der zeit das auge sich gewöhnen.
Wieland 4, 235;
häszlich soll schön, schön häszlich sein.
Schiller Macbeth 1, 1;
fair is foul, and foul is fair;
daher auch das wort den sinn unrein, schmuzig annimmt: heszlich, unfläthig, unrein, squalidus, foedus, spurcus Frisch 1, 447ᶜ; heszliche kleider anhaben, sordidis vestibus indutum esse. Stieler 787; häszliche wäsche, unreine Adelung; übertragen: eh das herzblut eines Doria diesen häszlichen flecken aus deiner ehre wäscht. Schiller Fiesko 1, 13; die lügen ist ein häszlicher schandfleck an einem menschen. Sirach 20, 26.
d)
die bedeutung von häszlich ändert sich in der weise, dasz der begriff widerlich mehr zurücktritt und nur das unangenehme, arge, böse sich geltend macht; so in bezug auf wind und wetter: es mag schön oder häszlich wetter sein, meine gewohnheit bleibt auf jeden fall um fünf uhr abends im palais royal spazieren zu gehen. Göthe 36, 3; auch sonst: er strauchelte und that einen häszlichen fall; für sein langes ausbleiben bekam er häszliche vorwürfe.
e)
an letztere bedeutung angeschlossen, steht häszlich adverbial = arg, sehr: gleichwohl gieng es ihnen auch nicht ohn schaden ab, dann die von der mauren sie heszlich mit geschütz schädigten. Garg. 256ᵇ; er stach im damit ein heszlich schlirgeschwär auf, welchs in ... heszlich plagte. 238ᵃ; das viel frembdes unvernünftigen vihes auf den .. salzacker kommen, denselben sehr geschendet und so heslich zertretten hat. Schiltbürger (1599) s. 72; so excipirt er wider ihn, machet ihn heszlich aus, bringts für den richter. Ayrer proc. 2, 10; dieweil sie beide auf einmahl so häszlich betrogen worden. Philander 2 (1643) s. 313. mundartlich verstärkt häszlich geradezu den begriff eines nachfolgenden adjectivs: dat is häszlich schön, dat is 'n häszlich goden kärl, ein sehr guter mensch. Danneil 75ᵇ; ebenso hennebergisch. Fromm. 5, 183.
Zitationshilfe
„häszlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/h%C3%A4szlich>, abgerufen am 20.07.2019.

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