gutt n.
Fundstelle: Lfg. 9 (1935), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 1477, Z. 6
entlehnung aus lat. gutta bzw. frz. goutte in der bedeutung des französischen wortes (vgl. tripfe, f., als übersetzung dieses frz. goutte teil 11, 1, 2, 637, sowie triefte, f., ebenda sp. 481, und tropf, m., in der gleichen bedeutung); als krankheitsname alem. im älteren nhd. gebräuchlich und vielleicht als euphemismus in geschlecht und form an gut, n., angelehnt, sodasz auch diphthongischer vokal (uͦ, ue) erscheint; die allgemeinste bedeutung ist 'lähmung', die vom schlagflusz (apoplexie, vgl.gutschlag) herrühren, aber auch gichtischer oder epileptischer natur sein kann, vgl.schlag o. guot tactus (voc. v. 1487) Diefenbach gl. 571ᶜ; erlämbt, eines glids onmächtig, vom guͦt oder tropf geschlagen paralyticus Frisius 945ᵃ; der den schlag, das guͦt oder den tropff hat und alle empfindtnusz seiner glideren verleurt attonitus 135ᵇ; einer den das gutt oder der schlag troffen hat paralyticus Megiser pol. (1603) 2, 206ᵃ: starb ain minch, ... als er über den altar wolt gan ..., er (l. es) traff in das gut, er lebt danocht bis nacht und starb darnach städtechron. 25, 75; (da) traff Arnolffum das perli oder guͦtt Öheim Reichenauer chron. 67 Bar.; wider den tropff oder das gut reibet das lam oder geschlagen glid Sebiz feldbau (1579) 70; vom gut geschlagen werden apoplexia corripi Dentzler clav. (1716) 143ᵇ, vgl. Staub-Tobler 2, 553, wo weitere belege; als 'gicht' (?): es (das Wormserbad) heilet alle krankheiten, die von feüchte und kälte härlangen, als da seind der schlag, der tropf oder das gut bei Tschumpert Bündn. 594; für ein brennendes geschwür, karfunkel s. bei Staub-Tobler a. a. o. (beleg v. 1721); als fem.(?) gutt 'epilepsie': von fallender sucht, frais, gut, monsucht, das ist epilepsia Wirsung arzn. 127 bei Fischer schwäb. 3, 970.
gut adj. adv.
Fundstelle: Lfg. 8,9 (1934,1935), Bd. IV,I,VI (1935), Sp. 1225, Z. 49
bonus, idoneus, utilis, nobilis, jucundus, benignus, probus, sanctus. gemeingerm. wort, got. goþs mit der nebenform gods (nach Braune got. gr. § 74 anm. 1 spätgot. schreiberform, nach Streitberg got. elem. § 25 satzphonetische variante), ahd. mhd. guot, as. mnd. gôd, ags. gōd, engl. good, anord. góđr, norw. schwed. dän. god. in süddtsch. maa. mit bewahrtem diphthong guet, guət, guat, im nd. gebiet got, gaut, gut (vgl. anz. f. d. a. 22, 112 ff.) und kurzvokalisch gŭt besonders im hess. u. schles. nd. teilweise mit geschwundenem dental in flektierten formen, vgl. gōn (guten) jung, gōə de̜rn Mensing 2, 423, rhein. wb. 2, 1509 u. anz. 22, 115 f., vgl. schon goen dach in Teweschen hochtydt (1640) in Jellinghaus nd. bauernkom. 233; mit palatalem übergangslaut -j- vgl. rhein. wb. 2, 1509, anz. a. a. o. und ebenso schon goje in Teweschen hochtydt a. a. o. 240. über formen mit -r-, -l- usw. vgl. anz. a. a. o.; vgl. zum ganzen den sprachatlas des Dtsch. reiches, karten nrr. 220 (gut), 221 (gute).
form und herkunft.
1)
formal stellt sich gut als adjektivbildung zu einer idg. wurzel *ghadh- in II. hochstufe mit (wohl partizipialem) o-suffix dar und wäre als idg. wurzeladjektiv *ghādho- ˃ germ. *gōđa- aufzufassen, vgl. F. Schmidt zur geschichte des wortes 'gut' (Leipziger diss. 1898), wenn seine bildung von gr. ἀγαθός geschieden bleibt (s. u. 3); direkte oder zweifelsfreie parallelbildungen fehlen jedoch. den zusammenhang von gut mit dem stamm germ. *gad- in got. gadiliggs 'vetter', as. gaduling 'verwandter, volksgenosse', ahd. gagat, adj. Graff 4, 143, as. gigado 'genosse', ahd. bigatôn Graff a. a. o., mhd. gaten 'passen, paaren', anord. gadda 'zusammenheften', mhd. gate 'genosse, gatte', ags. geador, -gædere 'vereint, zusammen', vgl. nd. gader, und gätlich (vgl. teil 4, 1, 1, 1490), gätlos (ebda 1494), gatter (ebda 1502) hat bereits Grassmann 1863 (vgl. Kuhns zs. 12, 128 f.) erkannt. den gemeinsamen stammbegriff der wortsippe von *gad- erschlosz schon Jac. Grimm (gr. 2, 51) als jungere 'verbinden', der als 'vereinigen, eng verbunden sein, zusammenpassen' bereits als wurzelbedeutung von idg. *ghadh- anzusetzen ist, vgl. Walde-Pok. vgl. wb. 1, 531. grammatischer wechsel ist für gut nicht nachzuweisen; der wechsel der schreibung als gutte, guttin und gude im älteren schles. beruht auf sprachmischung, vgl. W. Jungandreas besiedlung Schles. (1928) 76, 127, 247.
2)
die aus den auszergerm. sprachen beigebrachten urverwandten wörter erweisen, soweit sie überzeugend verknüpft werden, dasz ein teil der bedeutungsstränge des adj. gut in gewissen abschattierungen der idg. wurzelbedeutung oder deren fortbildungen seine parallelen findet, so besonders im slav., vgl. russ. gódnyj 'tauglich' (s.gut I A), russ. prigožij 'gut, passend' (s.gut I A), 'schmuck, hübsch' (s.gut III), niedersorb. gódny 'günstig' (s.gut I C), ksl. godŭ 'passende zeit; zeit, stunde', abg. ŭ-goda 'wohlgefallen', ksl. godinŭ 'gefällig' (s.gut III), lit. gadnus 'geeignet, würdig' entlehnt aus weiszruss. (s.gut I. II); fraglicher bleiben schon lit. guͦda (-u- = idg. -ō-!) 'ehre', lett. guͦds 'ehre, ruhm', guͦdigs 'anständig, ehrbar' (s.gut V), vgl. Berneker slav. etym. wb. 317 f. im skr. bietet sich nur die wz. gadh- in ā-gadh-ita 'angeklammert', pára-gadh-ita 'umklammert' und gádh-ia-s 'festzuhalten' (vgl. Grassmann a. a. o.). dazu noch lit. (aus weiszruss.) gãdas 'vereinigung'. dagegen bleiben lat. habere und verwandte besser beiseite; weitere versuche bei Walde-Pok. a. a. o. 532 f.
3)
der etymologische zusammenhang mit gr. ἀγαθός ist (trotz Jac. Grimms zweifel, gr. 2, 43) viel erörtert, aber nicht hinreichend glaubhaft gemacht worden, da die lautlichen inkongruenzen nur durch gewagte hilfskonstruktionen wegerklärt werden können und auch die bedeutung des gr. wortes eine so prägnante ist wie sie dem germ. gut nicht zukam. Hirts ansatz (vgl.'d. idg. ablaut' [1900] 107) idg. *aghōdh- 'gut', dazu got. gōds und als reduktionsstufe gr. ἀγαθός ist ebenso abzulehnen wie der oft benutzte umweg über das hesychische ἀκαθόν, z. b. Johansson in Bezzenberger beitr. 13, 116 f.; etwas anders zu idg. *ghă̄dh- ein sm̥-ghadh- ˃ ἀκαθός Güntert idg. ablautprobleme (1916) 132. auch die identität von gut als *ghātós mit gr. χάσιος, lakon. χάϊος (*χάτιος), vgl. Lagercrantz in Kuhns zs. 35, 290 f. und Güntert a. a. o., ist schwerlich gültig.
komparation und adverbbildung. die alte komparation, die in allen germ. sprachen erhalten ist, wird von der wurzel idg. *bhă̄d- (vgl. Walde-Pok. 2, 152) gebildet, nhd. besser (vgl. teil 1, 1644 ff.) und best, beste (vgl. teil 1, 1649 f., 1659 ff.), dazu als adv. des comp. basz (vgl. teil 1, 1153 ff.). die anomalie der komparation erklärt sich aus der ursprünglichen begriffsgrenze von gut, das in der bedeutung 'passend' keiner steigerung fähig war. eine allseitige kongruenz der bedeutungsinhalte des positivs und der komparationsformen fehlt bis heute. die folge ist das in den maa. und der kindersprache sichtbare bestreben, die anomalie zu beseitigen und namentlich für bestimmte sonderbedeutungen von gut eine wurzelechte steigerung zu schaffen, die jedoch bestenfalls neben der alten komparation besteht. schon im mhd. setzen diese bildungen ein, sind aber nicht zu allgemeinerer verwendung gelangt:
fürstinne wart nie guoter
danne diu grævinne Irmetschart
Ulrich v. d. Türlin Willehalm 247, 4 Singer;
noch den ist der minneste heilige in himelriche guter und getruwere dan alle menschen mochten wesen heil. regel 19, 25 Priebsch; alsus vindest du an dem einvaltigen aller guͦtesten guͦte, daz got ist Tauler pred. 426, 4 Vetter; der aller guͦtste got 173, 19; die heiligen seind all guͦt, doch ist unser frow die guͦtest und dye gnädigest d. heiligen leben summerteyl (1472) 150ᵇ; mal. in gewissen bedeutungen im schwäb. guter, gutest und mit umlaut güter, gütest, vgl. Fischer 3, 940: eine gütere milch 3, 941; mein feld ist güter als das deine ebda; im schweiz. (kanton Schaffhausen) güeter, güetist, sonst nur scherzhaft und in der kindersprache Staub-Tobler 2, 535; 'güeter (güetest) kommt im physischen sinne in bezug auf speisen und mehr bei kindern vor, besser (best) in allen andern fällen, wo es bas nicht vertritt' Tobler appenzell. 245ᵃ; gueter, guetst in der kindersprache Martin-Lienhart 1, 248, vgl. guder sprich (= besser ausgedrückt) 'mit andern worten' Follmann lothr. 221; jōər, jotstə 'bei beteuerungen und emphatisch' rhein. wb. 2, 1509: heə is goər äs got ebda; et jotste keukche Rovenhagen Aachener ma. 46; meine mutter is gitter als deine (Meiszen) Müller-Fraureuth 1, 452 in der kindersprache, aber auch sonst: gemochter arbeit wor ar giter Rob. Pöschel Gösznitzer bilderbuch (1909) 158; obs. und anderorts namentlich als anrede mei gutster (herre) Müller-Fraureuth a. a. o.; sehen sie, gutester herr lieutenant, nu sind sie mir noch drei mal lieber Holtei erz. schr. 7, 154; na, mein gutester W. Raabe Abu Telfan 124; sie ist ihrem vater guter gewesen als er ihr Hippel lebensläufe 3, 94; dem Copernikus bin ich am gutsten 1, 378; so bin ich dem liederdichter Hans Rist nur noch guter geworden Fr. Ludw. Jahn br. 158 Meyer; mit übernahme des komparativ-r in den superlativ: güatɐr, güatɐrstə Bacher Lusern 264; gütor, gütorst Schmeller cimbr. 127ᵇ; guterst 'der beste' (oberhess.) Estor rechtsgelahrtheit 3 (1767) 1410. im bayr. oberland tritt güetiger, güetigist als steigerung von gut auf, vgl. Schmeller-Fr. 1, 965; sonst hilft sich die sprache bei der komparation von bedeutungen, die besser, best nicht besitzt, durch umschreibung mit mehr, meist. das adv. von gut ist in älterer sprache allein wohl (got. waila, ahd. wela, wola, mhd. wol), was darauf deuten dürfte, dasz gut zufrühest noch keine qualifizierende bedeutung zukam, die auf handlungen hätte bezogen werden können, sondern dasz gut lediglich als adj. in anwendung auf concreta deren gebrauchsfähigkeit feststellte. seit dem 13. jh. tritt im deutschen gut neben wohl als adv. auf, gewinnt aber erst mit dem nhd. seinen vollen umfang als adv.; genaueres s. u. gut VII kopf.
bedeutung und gebrauch. die bedeutungsgeschichte des wortes gut fällt in ihren wesentlichsten abschnitten in vorliterarische zeit und seine hauptbedeutungen lassen sich bereits teilweise (I-IV) im frühesten schrifttum erkennen. entscheidend für die weiterentwicklung zum ethischen begriffsinhalt (V) und für die umbildung zu zahlreichen sonderbedeutungen war der einflusz von lat. bonus und seiner vielfältigen verwendungsarten in theologischer, juristischer und poetischer literatur. der germanische bedeutungsumfang des wortes läszt sich daher nicht mehr bis ins einzelne abschätzen. gerade im gegensatz zu bonus erweist sich die teleologische verwendung (I) mit zweckangabe in abhängiger konstruktion (I A 1) als ursprünglich und läszt sich im sinne 'passend', dann 'geeignet, tauglich, nützlich' unmittelbar aus der wurzelbedeutung von idg. *ghadh- (s. o. 1) herleiten. nach ags. (Beowulf) und anord. zeugnis ist in anwendung auf personen die bedeutung 'tapfer, tüchtig, wacker' (I B) und terminologisch als standesbezeichnung 'edel, vornehm' (II B) früh entfaltet, die bereits für das ältere germ. die entwicklung zum allgemeineren qualitativbegriff (II) voraussetzt, wie ja goþs im gotischen gleicherweise gr. ἀγαθός und καλός vertritt. die bedeutungszweige 'angenehm, freudig' (III) und 'geneigt, freundlich' (IV) sind als psychologisch begründete seitentriebe von gut I aus verständlich, jedoch in den frühesten denkmälern nur spärlich bezeugt. dasz im got. als attribut gottes und Christi durchaus þiuþeigs auftritt, weist aber darauf, dasz die religiös gefärbte bedeutung 'gütig, gnädig' jüngeren lehnursprungs ist; auch 'freundlich' wird im got. trotz lat. bonus (gr. χρηστός) durch sels wiedergegeben (wie bonitas durch seli); doch steht goþs für benignus (Luk. 6, 35), wo es als eigenschaft des herrschers offenbar urtümlicher verwendung entspricht. die ethische bedeutung (V) entwickelt sich, wohl auf der grundlage von I B und I C, unter unmittelbarem einflusz des christlichen sittlichkeitsbegriffes zu ihrem religiösen gehalt, wie die älteste übersetzungsliteratur es verdeutlicht. die entkernung zum bloszen intensitäts- und maszbegriff (VI) ist erst in mhd. sprache zu beobachten.
I.
die genetisch älteste und der etymologisch erschlieszbaren grundbedeutung 'passend' am nächsten stehende hauptbedeutung wird durch den teleologischen charakter des wortgebrauches bestimmt: eine sache, eine person, ein zustand ist gut, weil sie im hinblick auf einen im bebeziehungswort mehr oder minder deutlich erkennbaren zweck als 'passend, zweckdienlich, tauglich, brauchbar', 'tüchtig', 'günstig' usw. erscheinen. gut ist damit zunächst von den ältesten zeiten bis heute als relationsbegriff zu fassen, der stets erst die vorstufe zum absoluten wertbegriff darstellt, und zwar als bezeichnung einer objektiv feststellbaren tauglichkeit.
A.
von dingen aller art und personen allgemein im sinne 'zu einem zwecke dienlich, tauglich, brauchbar, geeignet, verwendbar'.
1)
die funktion als relationsbegriff zeigt sich am deutlichsten da, wo gut mit einer angabe der zweckbestimmung durch bestimmte abhängige konstruktionen oder mit der bezeichnung der an einer sache interessierten person im personalen dativ verbunden ist.
a)
neutral in der bedeutung 'für einen zweck geeignet, passend, tauglich'.
α)
durch präpositionale verbindungen näher bestimmt.
αα)
so seit alters durch zu (vgl. für das got. I A 1 b α), das in neuerer sprache bei substantivischem beziehungswort abkommt und gelegentlich durch als ersetzt wird (s. u.γ); von sachen:
ze sælde unt ze erzenîe guot
was dâ maneges steines sunder art
Wolfram Parzival 792, 2;
die gallen und die lebbern behalt dir, denn sie sind seer gut zur artzney Tobias 6, 6; hat sy von mir in bevelh die gelocheroten teil mit minem alten rock zuͦ verbletzen, so wirts (das tuch) guͦt zuͦ einem decklachen Fr. Riederer rhetoric (1493) a 2ᵇ;
dô was der Hagene wille   niht ze kurzewîle guot
Nibelungen 1856, 4 L.;
(der knappe sprach) zem fürsten: war zuo ist diz guot (der
daz dich sô wol kan schicken? harnisch),
Wolfram Parzival 124, 2;
es ist nichts zu gering, es ist warzu gut Henisch 1795; wenn die kuh den schwanz verloren hat, weisz sie erst, wozu er gut war Binder sprichw. 116; lokal gewendet:
ungefangen fiske
sünd neet goot to diske
Lüpkes seemannsspr. 6;
vielfach mit subst. inf. (bzw. gerundium):
der site was ze trûren guot
Wolfram Parzival 231, 19;
abir das ole ist uneze, doch ist is gut czu buͤrnen Marco Polo 4, 9 v. Tscharner; doch wirt er (der leopard) sô zam, daz er zuo jagen guot wirt Megenberg buch d. natur 145 Pf.; der win ist gut ze trinkenne und ist nüt übele schwabensp. bei Fischer schwäb. 3, 944; oliven die noch nit guͦt ze essen sind drupae Frisius 449ᵇ; zalbar, guͦt zezellen numerabilis 885ᵇ, vgl.guͤt zu senden missilis Diefenbach 363ᶜ; ebenso in neuerer sprache geläufig: das mehl ist zum backen gut; das messer ist gut zum schnitzen usw.; substantiviert: eyer, die auch zur ausbrütung der hüner dienstlich und gut seyn viehbüchl. (1667) 97; von personen:
sî dûhte des, er wære guot
ze herren ir lande
Hartmann Iwein 3808;
mancher fünf oder sechs pfarren ... besitzt, so seiner kunst halben kum zuͦ einem sigristen guͦt wer H. Gebweiler beschirm. d. lobs Marie (1523) 36ᵇ; welcher nit kan lassen wort für orn gehn, der ist nit guͦt zuͦ ainem bevelchhaber G. Mayr sprüchw. (1567) a 5ᵃ; böse weiber sind gut zu bösen sachen Petri d. Teutschen weish. 2, l 4ᵇ; wer zu seinem rath und kanzler tauge, werde wohl auch zu einem domherrn gut genug sein Ranke s. w. 1, 103; mit einschlag von III A 'genehm':
daz sîn (gottes) genâde und sîn gebot
erzeigte wer im wære
guot ze rihtære
Hartmann Gregorius 2988;
gut sein zu im sinne 'dienen als':
ich bin dir zu eim vatter gut
Jac. Ayrer dram. 2, 971 K.;
'brauchbar sein für': (es) hat sich meiner so sehr bemächtigt, dasz ich zu nichts anderm gut bin Wieland s. w. (1795) 13, 34; mit (subst.) inf.: (sie sind) zu nicht anders gut dann zu rauben und stelen Arigo decam. 48 K.; zum schwatzen sind die liebhaber ebenso gut Bauernfeld ges. schr. 1, 3.
ββ)
mit anderen präpositionen; besonders für seit dem älteren nhd. gebräuchlich an stelle von älterem zu: für bittere wasser sind gestoszen corallen gut Sebiz feldbau (1579) 16; bildlich: de het en gut perd för de wage rhein. wb. 2, 1510 'gute fürsprache'; seltener mit anderen präpositionen, wenn der verwendungsort genannt ist: gut auf den tisch, gut ins bett Fischer schwäb. 3, 944, vgl.das er (der papst) nicht gut in ein schuch were, geschweig zum fuszküssen Fischart binenk. (1588) 4ᵇ.
β)
durch einen abhängigen satz: die galle vom fisch ist gut, die augen damit zu salben Tobias 6, 10;
er (der tag) ist gut, sich zu zerstreuen,
zu was anderm taugt er nicht
Göthe 2, 119 W.;
das ist gut, der sau vor den arsch zu gieszen 'ist unbrauchbar' Frischbier preusz. sprichw.² 1, 227; und seind die leusz darzu guͦt, das sie manchem betler zusuchen und zuschaffen machen Lindener rastbüchlein 8 lit. ver.;
die gottesmutter rauchgeschwärzt
ihr eingeräuchert kindlein herzt,
verzeichnet, bunt, doch gut genug,
dasz es dem manne sonder trug
mit andacht so die seele füllt
A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 74;
mit abhängigem genitiv eines verbum in älterer sprache: es ist gut genug vergebens (= zum verschenken gut genug) sprichw. schöne weise klugreden (1548) 155ᵇ, vgl.es ist guet gnueg vergebe Staub-Tobler 2, 537; entsprechend in anwendung auf personen: die anderen sint gut, in clöster zuͦ stoszen, pfaffen, münch und nunnen darusz zu machen Keisersberg bilgersch. (1512) 24ᶜ; ich mein, das Annedorle ist über nacht geblieben im Zainhammer, ... die ist gut nach dem tode schicken O. Ludwig ges. schr. 2, 144.
γ)
in neuerer umgangssprache findet sich ein gebrauch gut als etw. sein, z. b. der stock hier ist ganz gut als waffe; als kindermädchen bin ich dir natürlich gut genug usw.; tor not is n botsmann got (als ehemann) W. Lüpkes seemannsspr. 3.
b)
die vorstellung der tauglichkeit verengert sich in der bedeutung 'förderlich, nützlich, heilsam'.
α)
der bestimmungszweck wird durch präpositionale verbindung mit zu näher bezeichnet, vgl.warzu gut sein rem praebere aliquas utilitates Henisch 1787; 'dienlich, nützlich', vgl. þatei goþ sijai du timreinai galaubeinais got. bibel Eph. 4, 29:
Amor was sîn krîe.
der ruoft ist zer dêmuot
iedoch niht volleclîchen guot
Wolfram Parzival 479, 2; vgl. 2, 18;
(ich) gedâht in mînem muote
waz guot wær zuo des herzen huote
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2169 W.;
mâze ist z allen dingen guot
ebda 2989;
armuͦt ist zuͦ vil dingen guͦt sprichw. (1548) 978; eygen wille ist zu nicht gud prov. Fridanci 74; der ganze vorfall (scheint) zu nichts anderem gut gewesen zu sein, als mich nur noch unzufriedener zu machen Brunner erz. u. schr. 1, 343; wortzu sind doch so viel uberflussiger wort nütz und gut? Luther 8, 527 W.; was einsamkeit wirket ... und wozu sie gut ist Zimmermann üb. d. einsamk. 1, 6; wir brauchen contrast, wahre mängel zu empfinden. diesen giebt uns die englische bühne, und dazu sind die übersetzungen gut Gerstenberg Hamb. n. ztg. 36 lit.-dkm.; spezieller von mitteln, denen eine bestimmte wirkung zugeschrieben wird, namentlich heilmitteln:
er (der adamas) ist ze manegin dingin guͦt
dú mir niht rehte sint bekant
Rud. v. Ems weltchron. 1847 Ehr.;
zue dem so ist der christen bluet
zue vil sachen gar nutz und guet
Endinger judenspiel 26 ndr.;
das kraut ist zu siben dingen gut Frisius 159ᵇ; wenn auch ein viehe die blätter isset, so soll es ihme zur milch trefflich gut seyn viehbüchlein (1667) 50;
wozu es alles schon gut gewesen,
ist aufm gedruckten zettel zu lesen
Göthe 16, 29 W.;
vgl. wô gaud tau sîn wogegen helfen Schambach Gött. 60ᵃ.
β)
das objekt, für das ein ding dienlich ist, wird durch präpositionale bestimmung angegeben; bis in das ältere nhd. kann auch hier zu gebraucht werden, später wird es völlig durch für verdrängt; 'heilsam, wohltätig': si sint auch guot zuo den augen Megenberg b. d. natur 368 Pf.; Wildtpad ain stattl und ain natürlich pad ... ist gut zu den gelidern Ladisl. Suntheim in: Wttbg. vierteljahrsh. jahrg. 1884, 128; das ist ein liquatur, das zun wunden gutt ist Paracelsus opera (1616) 1, 1039 H.; nüt ist gut für d augen, aber nüd für den buch Staub-Tobler 2, 539; so allgemein nhd.: die ruhe (ist) gut vorn schlaff Lehman floril. pol. (1662) 1, 57; z. b. diese tropfen sind auch für den magen gut, für die verdauung gut usw.; hierher: verzug ist für unglück gut (dient, führt zum unglück) Kirchhofer schweiz. sprüchw. (1824) 157.
γ)
das objekt, für dessen vermeidung oder beseitigung eine sache zweckdienlich ist, wird durch präpositionale bestimmung gekennzeichnet.
αα)
mit für:
ist ez mir guot für ungemach
ich gloub swes ir gebietet
Wolfram Parzival 818, 2;
daz was in guot vür den tôt
Hartmann Iwein 5395;
für trûren und für ungemüete ist niht sô guot
als an ze sehen ein schœne frowen wol gemuot
Walther 27, 34;
(der smaragd) ... ist vor di vallende suche gut
Joh. Rothe lob d. keuschh. 2841 N.;
Liebenzell ain stättl und natürlich pad ist für die gelsucht gut Ladisl. Suntheim in: Wttbg. vierteljahrsh. jahrg. 1884, 126;
ein abgefleischtes bein
ist gut für ihren hunger
Stieler geh. Venus 114 ndr.;
do kauft er ihr ein pfauenhut
und der was für die sonnen gut
A. v. Arnim w. 21, 15 Gr.;
wat gaud is vor die hitte is âk gaud vor de külle Schambach plattd. sprichw. nr. 343; (der doktor) verschriewet pillen, dei sit für olles gudd Bauer-Collitz 192ᵃ, so nhd. in volkssprachlicher redeweise verbreitet, z. b. der tee ist gut für den husten usw.; was ist gut fürs zandweh? s hören (aufhören) Staub-Tobler 2, 539.
ββ)
mit wider, gegen:
und wer ess (das horn) in sinen dranck tud,
so ist ess wider di pestilencien gud
Joh. Rothe lob d. keuschh. 3871 N.;
daz ist gar guot wider die kalten huosten Megenberg b. d. natur 367 Pf.; disz ist guͦt gegen dem geschütz A. Dürer underricht (1527) b 3ᵇ; ebenso modern üblich: das präparat ist gegen alle erkrankungen der luftwege gut; die verwendung von gegen statt für stellt die schriftsprachlich gehobenere form dar, weil sie heutigem sprachgefühl logisch exakter erscheint; statt präpositionaler fügung selten mit dativ der sache: heydöchsen ... sampt zihlen gepülfert ... ist disem schadten auch guͦt Herold-Forer Geszners thierbuch (1563) 19.
c)
absolut mit dem dativ der person, 'dienlich, förderlich, nützlich', vgl. altnord.
... at þú ráđ nemir —
nióta mundo, ef þú nemr,
þér muno góđ, ef þú getr —
Hávamál 112, 4 Neckel:
kuot ist mir fone dinemo munde chomeniu ea (bonum mihi lex oris tui) Notker ps. 118, 72; intellectus ist guot dien, die in skeinent 110, 10;
eine wurz i' u geben wil
dâ von ir slâfet: deist iu guot
Wolfram Parzival 580, 21, vgl. 572, 25;
kundestu noch geswîgen   daz wære dir guot
Nibelungen 839, 2 Bartsch;
ich wil mich von dir scheiden
daz ist uns beiden guot
Walther 88, 24;
was er selb sprichet, daz sey im gut oder schade schwabenspiegel ldr. 172 nach Fischer schwäb. 3, 944; was von anfang geschaffen ist, das ist dem fromen gut, aber dem gottlosen schedlich Sirach 39, 30; ain zimliche übung ist dem leib gut G. Mayr sprüchw. (1567) c 1ᵃ; wie der mist den wurtzlen gut ist M. Herr feldbau (1551) 47;
was ist gutes in der welt
das nicht mir gut wäre?
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 384;
sie friszt nicht mehr als ihr gut ist Rabener s. w. 1, 195; deinem alter ist der schlaf gut Tieck schr. 1, 63; wenn dirs gut ist, gern! Müllner dram. w. 2, 56; häufig auch in der zwillingsformel nütz und gut:
sô nemt durch got in iuwern muot
waz iu sî nütze unde guot
Hartmann Iwein 1988;
wüste, der im himmel lebt,
dasz dir wäre nütz und gut
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 318;
und läuft ihnen (den pferden) das übrige blut weg, das ist ihnen gut und nützlich J. Walther pferde- u. viehzucht (1658) 153; der gegenstand der beziehung wird gelegentlich in präpositionaler fügung beigestellt:
daz was gein werdekeit ir guot
Wolfram Parzival 403, 28;
und ist in auch gut an der sele
kl. mhd. fabeln u. lehrged. 129, 153 Rosenh.;
ern tæte swaz im guot wære
vür des siechtuoms swære
Lamprecht v. Regensburg s. Francisken leben 3609 Weinh.;
ein alter gebrauch mit personalem subjekt im sinne 'förderlich, dienlich sein, helfen' findet nhd. keine fortsetzung:
vil gerne wær ich dir guot   mit mînem schilde
Nibelungen 2133, 1 L.;
er bat sî fliziclîchen
daz si im guot wæren
gegen die Stîræren
Ottokar v. Steiermark reimchron. 2313 Seem.
d)
mit persönlichem dativ und der näheren bestimmung dessen, was als 'förderlich, dienlich, nützlich' gilt, in abhängigem subjektssatze bis in das ältere nhd. geläufig: goþ ist imma mais, ei galagjaidau asiluquairnus ana halsaggan got. bibel Mark. 9, 42; ist mir guot, daz du mih kenidertôst Notker ps. 118, 71, vgl. 42, 2; guot wâri imo, thaz giboran ni wâri ther man Tatian 158, 6; es ist dem menschen gut, das er kein weib berühre 1. Kor. 7, 1; es was ime nit guͦtt, das er mir ye understund zudrawen hertzog Aymon (1535) c 2ᵃ; es ist ihnen gut gewesen, dasz er tödt ist worden bono ejus fuit illum occidi Maaler 199ᵃ; entsprechend mit inf.: þata goþ ist mann swa wisan got. bibel 1. Kor. 7, 26; rabbei, goþ ist unsis her wisan Mark. 9, 5, was Luther nach III hin verlagert; mir ist aber guot ze gote haften Notker ps. 72, 28;
... 'nis that',   quađ he, 'mannes reht,
gumôno nigênum   gôd te gifrummienne,
that he is barnun   brôdes aftîhe
Heliand 3015;
guot ist thir zi lîbe ingangen wanaheilan odo halzan, thanna ... Tatian 95, 4; es wäre guͦt einem menschen also zuͦ syn Zwingli dtsche schr. 1, 133; in jüngerer sprache wird statt dessen die unpersönliche konstruktion mit personalem subjekt im abhängigen satz verwendet, vgl. sp. 1259.
e)
nur im mhd. mit partizipialkonstruktion:
von dû ist gewisse
dî heilige misse
uns sundigen alsô gût gehôrt
Hartmanns rede v. glauben 1127 v. d. Leyen;
... mîniu wort
sint iu guot gehôrt
Ulrich v. Eschenbach Alexander 1412 T.
2)
als eigenschaftsbezeichnung bei gegenständen, die einen bestimmten gebrauchszweck besitzen und diesem entsprechen und daher als werthältig gelten.
a)
bei waffen, gerätschaften, schutzvorrichtungen usw., vgl. ags. sigeeadig bil ... gód ond geatolic, gīganta geweorc Beowulf 1562; hēt him ȳđlidan ... gōdne gegyrwan 199, wo aber wie zumeist der begriff 'brauchbar' in die wertvorstellung (vgl. II A) hinüberspielt; vom schwert 'scharf', früh zur formel erstarrt:
mit dem guoten swerte   daz hiez Balmunc
Nibelungen 96, 1 L.;
mit seinem guten und bewährten schwerdt buch d. liebe (1587) 15ᶜ;
wir haben hye tzway guete schwert
altdt. passionsspiele a. Tirol 30 Wack.;
wenn wir nicht auf der wacht zusammen wären
bewies ichs euch mit meinem guten schwert
Müllner dram. w. 3, 12;
daz im ein garzûn widerstiez,
der einen guoten bogen truoc
Hartmann Iwein 3265;
eine gute klinge, ein gut messer una lamma, un coltella di finissima tempra Kramer t.-ital. 1, 578ᵇ; eine gute klinge bin ich, wers nit glaubt probir mich (schwertinschrift um 1700) H. Ziegler geschützinschriften 70; (die löwenjagd) betrieb ich ganz allein, indem ich mit nichts als mit einer guten büchse bewaffnet zu fusz ausging G. Keller ges. w. 4, 70;
mit drîn starken wunden   die er dem künege sluoc
durch eine wîze brünne   diu was guot genuoc ...
Nibelungen 187, 2 L.;
so hert und gut ist sein geschmeid
keiner hand schwert dadurch nie schneid
Laurin 735 Schade;
entsprechend vom material:
und hiez in vaste spengen   mit stâle der was guot
Nibelungen 979, 3 L.;
darzuo von guoten îsen
ein vestez banzier enge
Weinschwelg 406 Schröder;
allgemeiner 'gebrauchstüchtig':
die masboume wurden   veste unde guot
Kudrun 265, 1 M.;
swie guot ir anker wæren,   an daz vinster mer
magnêten die steine   heten sie gezogen.
ir guote segelboume   stuonden alle gebogen
1126, 2;
es (das haus) schützt vor regen, frost und wind
wenn gut nur thüren und fenster sind
E. Baumeister zimmermannssprüche 13;
hertzog Berchtold ... umfieng das dorff mit einer gewaltigen ringmauer und guten gräbnen Tschudi chron. Helv. 1, 50;
ihr schlagt mir eine gute faust, gevatter!
H. v. Kleist 1, 209 Schm.
b)
im allgemeinsten sinne 'geeignet', ohne dasz der gebrauchszweck näher gekennzeichnet zu sein braucht, in vielfältiger anwendung, für die nur beispiele zu geben sind.
α)
auf sachen bezüglich: und gott sahe das das liecht gut war 1. Mose 1, 4; bynnen Dorsey is ene haven, mer se en is nicht alte gud seebuch 18 Koppm.; da gab mir der musikus ... ein stück (mundstück einer klarinette) mit der versicherung, das sei gut, er könne gut darauf spielen H. v. Kleist br. a. s. braut 58 Biedermann.
β)
von tieren, je nach der art ihrer verwendung; vgl. ags. ne gód hafoc geond sæl swingeđ Beowulf 2263, für die jagd tauglich:
dô nam ein alter jägere   einen guoten spürehunt
Nibelungen 933, 1 Bartsch;
us sonnderm vertruwen bitt ich uwer lieb mit flisz fruntlich, mich zu styren mit gutten laithunden (v. j. 1493) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 300; guͦter leithund, der flux auf dem gespor ist Maaler 200ᵃ; man vergleiche: gut werden heiszet allhier: der jäger arbeitet seinen leithund ... aus, dasz er sich hernach ... auf ihn verlassen kann Heppe aufr. lehrprinz (1751) 47; bei tragtieren 'schnell' oder 'stark':
ouch was sîn ros alsô guot,
daz er vil nâch was komen hin
Hartmann Iwein 1060;
wider an, wider an vorterbet manch gut phert proverbia Fridanci 82; do sint gar gute pfert unde mule Marco Polo 3, 24 v. Tscharner;
der schöne sattel macht auch kein gut pferd
Gabr. Voigtländer oden u. lieder (1642) 95;
item ein moller ze Ascha sol haben zwehen gute esel, damit er den nachbauern zu der molen holt weisthümer 6, 41; andere beziehungen: ne gudə hahn wiərd selde fett rhein. wb. 2, 1510; god swien fritt allens Mensing 2, 424; hinsichtlich des nutzwertes: da sind sie (die fische) wiederum fett und gut fischbüchlein 11; ähnlich: sie wissen nicht, was für ein guter vogel sie (die gans) ist Cramer Neseggab 1, 8.
c)
abzusondern ist eine bedeutungsrichtung, bei der der hauptsinn in der brauchbarkeit einer sache liegt im gegensatz zu einer im vorstellungsbereich enthaltenen untauglichkeit.
α)
alt, wenn auch zunächst in übersetzungsliteratur bezeugt, in einer verwendung, bei der es um die unterscheidung zweier klassen von dingen nach ihrem gebrauchswert geht; die nutzbare sorte wird der wertlosen gegenübergestellt; auf grund von Luk. 8, 8: jah anþar gadraus ana airþai godai got. bibel; daz auuar in guota haerda uuarth gasait Monseer fragm. 13 Hench; etliches fiel auf ein gut land Matth. 13, 8;
der grundt ist an im selb so guͦt,
das er so groszen wuͦcher thuͦt
Murner dtsche schr. 5, 142;
'durch tiefpflügen der guet härd ga z verloche und der bös, mager obefür z mache' Friedli Bärnd. 1, 99; etwas anders im technischen gebrauch guter boden: ein boden ist gut, wenn er ... dem pflanzenwachstum günstig ist Lueger 5, 25; pflanzen ..., welche ... als zeichen eines guten fetten bodens angesehen werden Körte sprichw. 377; dein vater ... hat die fünfhundert morgen ... parzelliert, und was von gutem boden übriggeblieben ist, ist nicht viel Fontane ges. w. I 5, 165; bildlich: was sie mir sonst sagen, soll in gutem boden gedeihen Göthe IV 19, 3 W.; swa all bagme godaize akrana goda gataujiþ, iþ sa ubila bagms akrana ubila gataujiþ got. bibel Matth. 7, 17; eyn gud boum brenget gute fruchte prov. Fridanci 44; ob du bist ausgehauen von dem wilden natúrlichen olbaum und bist in gezweygt wider die natur in ein guͦten olbaum erste dtsche bibel 2, 46 Kurr.; daz reich der himel ist gleich eim man der do seet guͦten samen an sein acker 1, 50; das unkraut (musz) ausgejätet werden, welches den guten samen ansteckt Justi Winckelmann 1, 251; namentlich hinsichtlich der verwendbarkeit als nahrung: inti bî stedu sizentê arlâsun thiê guoton in faz, thiê ubilon ûzwurphun Tatian 77, 3; sô ... mag man dann niht wol erkennen die guoten nägel (gewürznelken) von den valschen Megenberg b. d. natur 368 Pf., vgl. gueti nägeli gewürznelken Staub-Tobler 2, 537; gute kräuter herbe mangiabili Kramer t.-ital. 1, 578ᶜ; gute pilze 'eszbare pilze' Müller-Fraureuth 1, 452, vgl.guͦt ze essen seyn und für die speysz ze brauchen Frisius 220ᵃ.
β)
verwendbar, weil noch nicht im zustande der unbrauchbarkeit: dise (wurmstichigen) öphel (sind) ... als schön geschaffen als die guͦten Tauler pred. 185 Vetter; kein gut (= unverdorben) stück fleisch kriegten wir auf den tisch Grimmelshausen Simpl. 285 ndr.; die milch ist nicht mehr gut sauer geworden usw.; disz bad bleibet drey tage gut, sonderlich in winterszeiten Chr. Wirsung artzneybuch 304ᶜ; ein solch erdgestübe soll mit dem kolgestübe vermischt seyn, welches man werfen soll in ein gruben, daselbsten zu feuchten, dasz es lang gut bleibe Ph. Bech Agricolas bergwerckbuch (1621) 314; gut bleibende waaren Jacobsson techn. wb. 5, 766ᵇ; gode waar 'von sachen die haltbar sind' Mensing 2, 424; es ist nicht gut, wenn es nicht frisch ist nequam est nisi recens Serz idiotismen 59ᵃ; vgl. dazu: nig guet due 'sich nicht halten' Seiler Basler ma. 153; namentlich in jüngerer sprache häufig von kleidungsstücken, die noch als brauchbar anzusehen sind: 'ein rock, eine hose, ein strumpf udgl. ist (noch) gut noch nicht zerrissen, noch anständig zu tragen' Fischer schwäb. 3, 943 wie allgemein nhd., vgl.das kleid ist nicht gut vestimentum non est integrum Steinbach 1, 654; z. b. der verlorene hut war noch ziemlich gut; bildlich: in keinen guten schuhen stecken 'übel dran sein' Fischer a. a. o.; vielfach in verbindung mit genug, was meist schon als hart an der grenze der unbrauchbarkeit empfunden wird, z. b. für den bettler ist das hemd noch gut genug; daher redensartlich: guet gnueg ist schlecht gnueg Schmeller-Frommann 1, 963; det is lange jut vor den Brendicke Berliner wortsch. 131.
γ)
umgekehrt 'tauglich' gegenüber dem vorhergehenden zustande der unfertigkeit, unreife usw.: was eyn gutter hocke werdyn wyl, das krommyt sich yn czeiten proverbia Fridanci 43; das mustu 3 oder 4 mahl überfärben, so ist es ... gut J. Walther pferde- u. viehzucht (1658) 153; im bilde:
ein stockfisch wirt auch nimmer guͦt,
den man nit weidlich plewen thuͦt
K. Scheit Grob. 3950 ndr.;
die kirschen sind noch nicht gut le cireggie non sono ancora buone, mature Kramer t.-ital. 1, 579ᵇ; so überhaupt von dingen, die in bearbeitung befindlich sind, meist in negativer wendung, z. b. der kuchen ist noch nicht gut 'ausgebacken', die bohnen werden bald gut sein 'gar', erst wenn die oberfläche gut ist, darf poliert werden 'glatt' usw., im leben der alltagssprache das wort, das eine genauere bestimmung der gemeinten eigenschaft ersetzt durch den bloszen begriff der verwendbarkeit.
δ)
im sinne 'unversehrt':
sol mich tœten ditze wîp?
nu ist mir guot noch der lîp
bî dirre konen niht gegeben
d. böse frau 718 Schr.;
'der guet schueh wenn der andere löcher hat' Staub-Tobler 2, 539; 'die guet mūr der noch nicht baufällige teil einer mauer' ebda; der berg (hat) also gebrannt, dasz in der stadt Catanea nicht ein eintzig haus gut geblieben Chr. Weise pol. redner (1677) 665;
für dem unzyfer nun ist kein kraut gut gebliben
G. R. Weckherlin ged. 2, 160 F.;
'der guet arm im gegs. zum kranken' Staub-Tobler 2, 539; he kreeg em bi de gode hand bei der gesunden hand Mensing 2, 425; 'ungeschwächt': (es) gebührt dem der preis, der ... am ziele unerschöpft bei guten kräften anlangt Fr. L. Jahn w. 2, 26.
ε)
noch anders im sinne 'wiederhergestellt' gegenüber einem durch schädigung geschaffenen zustande, z. b. nu is dat weller (wieder) god Mensing 2, 426; die wunde wird bald gut sein usw.; es wird schon gut bis d heurathst oder stirbst (in Oberösterr.) Wander 2, 184; ähnlich aufzufassen wohl schon: wers erharren kunde, er wurd alles gut prov. Fridanci 63, doch vgl. auchgut werden sp. 1258; geläufig namentlich in der festen verbindung etwas gut tun oder machen 'wiederherstellen, vergüten, ersetzen, entschädigen, bezahlen'.
αα)
gut tun in neuerer sprache veraltend, aber noch ende des 18. jhs. mundartlicher verwendung entsprechend vereinzelt gebraucht, vgl.den schaden gut thun, auf sich nemen Henisch 1788: er (der ratsdiener) hett etlichs gelt in seiner rechnung übersehen, das kind er nit wider gut thun (v. j. 1571) städtechron. 32, xi; (ich werde) wie bisher die kosten (ob mir schon hier deswegen nicht das geringste gut gethan noch von mir gefodert wird) nicht ansehen Leibnitz dtsche schr. 2, 92; soll das abgenommene wieder ersetzen und gut thun (v. j. 1664) bei Fischer schwäb. 3, 948; dasz ... er gehalten seyn wolle, die helfte der unkosten zu einlegung der röhren in seinem hause ... gut zu thun und zu bezalen Menantes neue br. (1723) 674;
man grüst sich arm.   wer thut den schaden gut?
Stoppe Parnass 241;
8 gr. werden für die meile gut gethan Göthe IV 9, 298 W.; und 35 (prozent) wurden ehedem auf dasjenige (linnen) wieder gut gethan, was nach den englischen colonien ausgeführet wurde J. Möser s. w. 6, 90 A.; noch mundartlich bewahrt, s. Staub - Tobler 2, 540, Crecelius oberhess. 445; bildlich:
sie hat vergeben!
nein, ihre thränen
thust ihr nicht gut
Göthe 11, 327 W.
ββ)
gut machen seit dem älteren nhd. bezeugt; im sinne 'ersetzen, vergüten, bezahlen' mit angabe der summe bis ins 18. jh. gebräuchlich: sollen mir gut gemacht werden uff pferdt 14 fl. (v. j. 1580) bei Fischer schwäb. 3, 948; undt erstlich der kays. cammer (ist) gutt gemacht worden 17 178 thl 21 gr 4 hl acta publica 1, 39 Palm; zur erhaltung des zauns sollen dem weibel 3 fl. gut gemacht werden (v. j. 1742) bei Staub-Tobler 2, 540; hierher auch: hat der marktrichter macht ..., bemelte pfennwerth ... hinwek zu nemben und solle niemant nihts dafür guet zu machen schuldig sein (v. j. 1662) österr. weist. 6, 173;
nu, was denkstu, wenn damahlen
ich ihr hätte gut gemacht,
was verliebte können zahlen,
hättestu sie auch bewacht?
Stieler geharnschte Venus 129 ndr.;
bis heute üblich unter angabe des objekts der vergütung: die magdt (hätte) ihr eine elle tuch gestohlen. wann sie ihr das tuch gut mache, wolle sie ... (v. j. 1659) bei Fischer schwäb. 3, 948; was sonst in den gastzimmern verloren gieng, muszte durch mich gut gemacht werden Ph. Hafner ges. lustsp. 1, 70; besonders einen schaden: der grosze gott ... wolle ... den schaden ersetzen und gut machen Chr. Weise pol. redner (1677) 488; es ist leichter, schaden zu verhüten, als wieder gut zu machen Hebel w. 10 Beh.; isoliert:
wolan! mein leid ist auch volbracht,
die schuld bezahlt und gut gemacht
Königsb. dichterkr. 156 ndr.;
wie 'aufwiegen' gebraucht:
den verlust von gut und blut
macht der sold der minne gut
Bürger s. w. 17ᵇ B.;
volksläufig ist gut machen einmal im sinne 'entschädigen', vgl. Martin-Lienhart 1, 248; Hönig Kölner ma. 67ᵇ; Lambert Pennsylv. 75ᵃ; dann namentlich als 'wiedererstatten, vergelten', eine gabe durch eine gegengabe aufwiegen: ha, ihr werdent net auch noch schenken, ich weisz ja net, wie ichs gut machen soll Fischer schwäb. 3, 948; eppes gutt mâchen vergelten, bezahlen lux. ma. 158; wieder jut machen wiedererstatten Brendicke Berl. wortsch. 131, aber auch berlinisch meist als vergelten einer empfangenen freundlichkeit z. b. nich doch, nich doch, det kenn wa ja janich wieda jut machen; weiterhin in moralischer hinsicht 'ein durch eine fehlerhafte handlungsweise begangenes unrecht sühnen': machen sie also ihren fehler wieder gut, so weit es noch möglich ist, ihn gut zu machen Lessing 2, 291 L.-M.; als ob eine schlechtigkeit durch eine tollheit wieder gut gemacht würde A. W. Schlegel in: Athenäum 1, 2, 5; ob ich die himmelschreiende sünde bereuen und gut machen wolle v. Gaudy s. w. 2, 136; die augen machten alles wieder gut, was die nase (durch ihre schärfe) sündigte W. Raabe hungerpastor 1, 32; er ... wollte das unrecht der menschen an dem fremden weib wieder gutmachen Blunck sprung ü. d. schwelle 169; vgl. erem gutt mâchen sühnen lux. ma. 158; etwas anders 'in ordnung bringen': Gelanor hatte zeit, dasz er die sache wieder gut machte Chr. Weise erznarren 142 ndr.; ich konnte ihm nicht begreiflich machen, dasz man viel zeit brauche, um so etwas gut zu machen Göthe 43, 279 W.; neutral im sinne 'aufwiegen, ausgleichen' in negativer richtung ganz vereinzelt: so wir von gote in bosen gedanken werden verlaszen, das geschiet darumbe ..., das die unsubern gedanken unser kleine gutete gut machen und demutic an uns d. veter buoch 17 lit. ver.
d)
im zustande der tauglichkeit, eine bestimmte funktion richtig auszuüben oder ihr zweckentsprechendes ergebnis zu sein.
α)
von körperlichen organen 'funktionstüchtig': auch das der cirurgicus hab ain guͦtt scharpff lautter gesicht H. Braunschweig chir. (1539) 1; was ... dem menschen, der ein gut gesichte hat, nicht kan verborgen sein Sperling Nicod. quaer. (1700) 2, 826; das rosz ... ist jung und starck und hat gute augen, mag darzu wol laufen buch d. liebe (1587) 8ᵇ; ich hab eine sichere hand und ein gutes auge Fontane ges. w. I 6, 5; eine gute nase ... hat der hund, welcher die ferte richtig verfolget Joh. Täntzer jagtgeh. (1682) 1, 12; bildlich: er hat eine guͦte nasen sprichw., schöne weise klugr. (1548) 26ᵇ; redensartlich modern: einen guten riecher haben für etwas; der grosze oren hat oder ein guͦt gehör Frisius 145ᵇ; mit guͦten zänen übel essen sprichw. (1548) 154ᵃ; ain iegleich vogel, der guot flügel hat, daz ist der snell fleugt Megenberg b. d. natur 164 Pf.; es müssen gute bein sein, die gute tage tragen mugen Luther 14, 286 W.; wer hoch anfangt, der musz ein gute stimm haben oder bald aufhören Lehman flor. polit. (1662) 1, 25; indesz ein guter magen weisz sich zu helfen Bremser medic. parömien 291; deinem derben gaumen und guter verdauungskraft Göthe IV 33, 240 W.; er hat auch eine gute hand zum schlagen B. Mayr päckchen satiren (1769) 38; daher heiszt die rechte hand, mit der sich geschickter arbeiten läszt die gute hand: muszt opa de gode hand geben Mensing 2, 425.
β)
vom körper, seinem zustande und aussehen, und einzelnen seiner teile, 'gesund, kräftig': so reiniget sich das loch (der brust) und wächst gut fleisch und heilet bald Gäbelkover artzneyb. (1594) 2, 90; wann man sicht, das im (dem falken) gut vedern wider wachsen Mynsinger v. d. falken 27 lit. ver.; ein gesunder hat gutes blut Fischer schwäb. 3, 941; ein gutes blut, ein langes leben K. Reiser sagen d. Allgäus 2, 569 bei Fischer a. a. o.; übertragen in der redensart gutes blut machen (s.blut teil 2, 170): was soll es guts blut machen, das ein pfaff voll ist und truncken Eberlin v. Günzburg s. schr. 2, 84 ndr.; das soll gewisz gut blut machen, wenn August ... sagt Göthe IV 10, 323 W.; das man warnemen soll, wie die leuth gestaltet und geschaffen sindt, die inn eim luft wohnen, nämlich, ob sie gute lebhafte farb ... haben Sebiz feldbau (1579) 5; wohl hierzu: ein gut angesicht Maaler 199ᵃ; modern: ein gutes aussehen haben; vgl.guter und wolgeschickter naturen vitalis Diefenbach 623ᶜ; es gehört eine übermenschlich gute natur dazu, um so etwas auszuhalten Storm w. (1904) 3, 29; sie schreiben meiner kunst zu, was deine gute natur gethan hat Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 8; etwas anders 'zur gesundheit gehörig': wenn nur die schmerzen weg sind, die guten kräfte werden bald wiederkommen Göthe IV 5, 213 W.
γ)
in anwendung auf die organe geistiger tätigkeit und auf geistige eigenschaften und leistungen überhaupt.
αα)
zunächst im sinne 'imstande, die normale funktion auszuüben': der kaiser het ein edlman im hör ..., der nit alzeit bei gueter vernuft was Wilwolt v. Schaumburg 26 K.; durch göttliche gnad bei gesunten leib und gueter vernunft (testament v. j. 1319) in v. Brandis gesch. d. landeshauptleute 32; (ich) nahm dessen anstatt meines beauteweins so viel zu mir als ich mit guter vernunft zu ertragen getraute Grimmelshausen 2, 426 Keller; so noch mundartlich: er isch bim gude verstand gstorb Follmann lothr. 221; besser gehalten in der wendung gute sinne:
dann solches laster nimpt dahin
vernunft, weiszheit und guͦte sinn
K. Scheit Grob. 1873 ndr.:
welcher mensch wil sich dann unterstehen, der noch bey guten sinnen, ein ander verwandlung der menschen ... zu bestättigen Nigrinus v. zäuberern (1582) 177; der was an dem leibe khranckh, doch von den gnaden des allmechtigen gottes gueter süne v. Brandis gesch. d. landeshauptleute 24; lieber, bist du bei guten sinnen? C. F. Meyer d. heilige¹⁰ 32.
ββ)
dann auf ein überdurchschnittliches masz geistiger kräfte bezogen 'qualitativ leistungsfähig':
das gesichte her (der smaragd) sere stercket,
ein gud gedechtnisse her wercket
Johannes Rothe lob d. keuschh. 2844 N.;
denn es gehortt tzu dem geyst, wer predigen wil ... eyn gutt gedechtnisz und ander naturliche gaben Luther 8, 497 W.; freude über dein gutes gedächtnisz Göthe 21, 10 W.; (die Hessen, die) als Teutsche dennoch von gutem gehirn und verständig seyn Prätorius bericht v. Katzenveite (1665) a 6ᵃ; und war ein weib guter vernunft 1. Sam. 25, 3;
Hiltebrant gut vernunfft da het:
wenn er begund zu mercken,
dasz sich der risz eins schlags erholt,
so sprang er aus den baumen
recht als ein degen solt
Sigenot 148 Schade;
guͦtter verstand dotes ingenii Alberus nov. dict. 79ᵃ;
kurz rede von guoten minnen
diu guotet guoten sinnen (leuten verständigen urteils)
Gotfrid Tristan 12190;
häufiger als guter verstand ist in jüngerer sprache guter kopf: auch ein guter kopf kann unter den mittelmäszigen mit durchschlüpfen Gerstenberg Hamb. nat. zeitg. 7 lit.-denkm.; die guten köpfe aller nationen waren heimlich mündig geworden Novalis schr. 2, 32 Minor.
γγ)
zur kennzeichnung des ergebnisses der geistigen tätigkeit, 'verständig':
ich was mit sehenden ougen blint
und aller guoten sinne ein rint
Walther 123, 35;
die guͦten vernünftigen sinne den weisen man ausz groszer sorge und angste pringen Arigo decam. 33 K.; was sie eben sagten, scheint einen sehr guten sinn zu geben Gerstenberg schlesw. liter.-br. 199; z. b. das alles hat seinen guten sinn; allen denen ze wüssen, die Hieronymum mit gutem urteil lesend Zwingli 1, 141 dtsch. schr.; z. b. der verfasser beweist ein gutes urteil; leviten, die ein guten verstand (verständnis) hatten am herrn 2. chron. 30, 22; etwas anders: über die prosa des guten verstandes Herder 2, 324 S.;
dwil Rom die wyszheit hielt bevor
do gieng ir regiment enbor
ouch guͦt anschleg zuͦ aller zyt
P. Gengenbach 4 Gödeke;
(er) entfernte sich schnell wie einer, der plötzlich einen guten einfall hat Eichendorf s. w. 3, 411; Schiller hat deswegen einen sehr guten gedanken gehabt, dasz er ein kleines stück ... als prolog vorausschickt Göthe IV 12, 143 W.; wiewohl auch hie unter den commenten eyner guten wahl not ist Luther 15, 52 W.; ebenso modern: eine gute wahl treffen, wobei aber II A stark hineinklingt; ähnlich: so zog ich mich mit gutem vorbedacht schweigend unter die leser und zuhörer zurück Kretschmann s. w. 1, 1; indesz die alte den überrest des weins mit gutem bedachte genosz Göthe 21, 38 W.
e)
schlieszlich ganz allgemein 'im zustande des gedeihens, der fülle, der kraft befindlich'.
α)
von konkreten; von vieh und menschen gut bei leibe 'wohlgenährt, fett': ein zart gut kalb 1. Mos. 18, 7; gut bei leib nennt man das wild ..., wenn es nicht mager ist v. Thüngen-v. Train waidm. n. pract. 299; he is god bi fleesch Mensing 2, 425; die frau schīnt guet am līb Staub-Tobler 2, 536; guter bock 'ein rehbock, der stark und feist vom leibe sowie auch stark am gehörne ist' Jacobsson techn. wb. 2, 177ᵃ; hierher: das dasselbe gut darnach also gut ('ertragsfähig') pleibe, das min her aller siner gulte, zinse, felle und recht sicher gnuͤg davon sin moge (urk. v. j. 1483) weisth. 6, 15; von ländern 'üppig ausgestattet, blühend':
sie buent mit geziugon   (joh warun io thes giwon)
in guatemo lante
Otfrid I 1, 66;
in der hofnung ... irgend einen gespaanen anzutreffen, der es mit mir in das gute land ..., da mann brod genug zu essen hätte ..., durch wagen thäte Moscherosch gesichte 2, 25; gut land, feig leut Neander sprichw. 16 Latendorf.
β)
bei abstrakten: der ist ains snellen sinnes und ainer guoten behenden nâtûr (anlage), der lindez flaisch hât an seinem leib Megenberg b. d. natur 50 Pf.; in guter gesundtheit seyn bene valere Frisius 161ᵇ; in guter gesundheit Grimmelshausen 2, 25 K.; unerachtet aller beschwerlichkeiten einer harten ungewohnten lebensart (blieben wir) ... bei guter gesundheit Forster s. schr. 1, 27; namentlich auch vom zustande selbst, 'gedeihlich': das du das ... also versehen und zu guͦtem stande bracht hast Arigo decam. 253 K.; der oberrock war in gantz gutem stand Lichtenberg aphor. 2, 174 Leitzm.; die abgüsse befinden (sich) in vollkommen gutem zustande Göthe IV 32, 160 W.; der gute zustand seiner casse I 22, 8; für uns und des heiligen reichs seligkeit und gut wesen (v. j. 1360) bei Haltaus 1678; als unnser statt Amberg und unnsere bürger daselbs durch bergwerckh lange zeit in ufnem kommen umd in guethen wesen gewest seint (v. j. 1455) bei v. Lori baier. bergr. 46; nachdem sie die sachen in Africa geschickt und zuͦ guͦtem wesen gerichtet hatten Xylander Polybius (1574) 67; mehr nach I A 1 c β hin modern: in gutem zustande 'gebrauchsfertig' z. b. die wohnung befindet sich in gutem zustande.
3)
neben dingen, handlungen usw. zur bezeichnung der wirksamkeit oder zweckmäszigkeit im sinne 'nützlich' oder 'ratsam', vgl.gut, ↗nutz, nutzlich, ersprieszlich, tauglich bonus, utilis, aptus, idoneus, accomodatus Henisch 1785.
a)
bei konkreten dingen mit bestimmter zweckwirkung 'wirksam', dann 'nützlich, heilsam': goþ salt. iþ jabai salt unsaltan wairþiþ, ƕe supuda? got. bibel Mark. 9, 50; samo mit den guoten salbon geheilet werdent die gekniston unte die siechon lichamon Williram 70, 10 Seem.; 'heilkräftig':
wir strichen an die wunden
... die guoten salben nardas
Wolfram Parzival 484, 15; vgl. Hartmann Iwein 3689;
das durch beyn und marck gehet, wie denn die guten salben thun nach yhrer art Luther 19, 607 W.;
eine guote wurzen   nam er in die hant
und eine bühsen   dâ was phlaster inne
Kudrun 530, 2 M.;
allgemein 'wirksam': das lächerlichmachen der nebenbuhler ist überhaupt ein gutes hausmittel bei den weibern Deinhardstein ges. dram. w. 1, 8; mit gutem mittel Frisius 159ᵃ; vgl.alle diese gut heilsame hülfsmittel Fischart binenk. (1588) 123ᵃ; entsprechend in heutiger sprache z. b. ein gutes mittel, die steuermoral wiederherzustellen; es gilt als ein gutes mittel bei venenentzündungen usw.
b)
neben ausdrücken für tätigkeiten, die eine bestimmte wirkung ausüben sollen im sinne 'zweckmäszig, nützlich'; so guter rat, vgl.góđráđr adj. Grípispá 26, 3 Neckel:
... quađ that he is im gôdan râd
seggian mahti
Heliand 4482;
swer volget guotem râte
dem misselinget spâte
Hartmann Iwein 2, 153;
wolte sie (die vernunft) gott einen guten rat gegeben haben Luther 51, 247 W.; der freunde rath ist gut, wenn er wol gerath Petri d. Teutschen weish. 2, N 7ᵇ; da war guter rat teuer! Göthe 21, 36 W.; is der râd gaud? Schambach Gött. 60ᵃ; gute lehre:
ich bedarf wol guoter lêre
Hartmann Iwein 4876;
guͦt ler er (Cato) seinem sun las
liederb. d. Hätzlerin 274 H.;
der sol die farb der pluomen nit grosz achten, sunder die guoten lere Steinhöwel Esop 4 Ö.; erstlich haben boten hieraus eine gute lehre zu fassen Reinecke fuchs (1650) 216; nun habt ihr für diesen tag gute lehren genug Th. Storm w. 1, 9;
du kanst mir guͦt anleitung geben
K. Scheit Grob. 46 ndr.;
seines junckern guten unterricht Grimmelshausen 2, 344 K.; guter dienst: ich hoffet von im vil guter dienst ze haben Arigo decam. 167 K.;
(deshalb) meint ich ein guten dienst zu thun
wann ich euch davon abhülf nun
Fischart geschichtsklitt. 2 ndr.;
die ihr in der that gute dienste leisten Ramler einl. (1758) 1, 39; wir sind hergekommen, euch einen guten dienst zu leisten Gerstenberg schlesw. lit.-br. 150 lit.-dkm.
c)
allgemein bei dingen und zuständen usw., die im zusammenhang der aussage als 'nützlich' bezeichnet werden: darumb wil ich dich zu einem guten handwerck thun buch d. liebe (1587) 7ᵇ; ledig thet er (der esel) keinn guͦten tritt sprichw. (1548) 588; prädikativer gebrauch überwiegt hier: das wasser wer gut, hette es der han nicht umbgeschütt Eyering prov. 1, 278; gut ist in der hand ein spiesz Denis lieder Sineds (1772) 66; ai, wor gât äss de rât! (wie gut ist die rute) Wander 2, 174; zwischen nachbars gärten ist ein zaun gut Binder sprichw. 137; namentlich bei abstrakten: aþþan witum þatei goþ ist witoþ got. bibel 1. Tim. 1, 8;
ein schade ist guot, der zwêne frumen gewinnet
Walther 19, 28;
klosterleben und gelubde möchten vorzeiten gut gewesen sein Luther 23, 421 W.; sweygin ist gut, redin ist bessir, der ym recht tuth prov. Fridanci 84; darumb solche erkandnusz nutz und gut sind Paracelsus op. 2, 507 H.; drey stück und vortheil seindt gut: der jung inn thaten, der mittel im rathen, der alt im gebet Henisch 1795; (die bauern) sprechend, mertzenblust sig nit gut Tschudi chron. helv. 2, 133; ähnlich 'segensreich': unglück ist auch gut Göthe IV 1, 183 W.;
freyheit das best man achten thut
und ist doch auch nit allzeit gut
Eyering prov. 2, 620;
volksherrschaft ist nicht gut
Rückert w. 1, 46.
d)
im sinne 'passend, angemessen, ratsam, tunlich, geziemend, richtig' in bestimmten verbalen verbindungen.
α)
gut dünken zunächst mit personalem akk., für den seit dem älteren nhd. der dativ eintreten kann; doch bleibt der akk. die regel bei pronominalem objekt:
dô daz den künec niht dûhte guot,
dô bekêrte sî ir muot
Hartmann Iwein 5749;
... sô diuht in lîhte guot,
ob ein eit hie wurd zebrochen
darumb daz er an iu gerochen
wurd an disen stunden
Ottokar v. Steiermark reimchron. 4132 Seem.;
du salt unse gote anebete,
daz dunkit mich gut noch unseme sete
Katharinenspiel 130 Beckers;
alse verre alse it uch goyt duͦnket unde ur wille ist Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 6; die hertzogin guͦt bedunckt, ein abscheyd ... zuͦ nemen Wickram w. 1, 18 B.; darnach nit ... jeder alles, das in guͦt bedunkt on grund der ... gschrift an der kanzel predige Zwingli dtsche schr. 1, 116; neutral:
nennt es, so langs euch gut dünkt, nennts verschwörung
Rückert w. 1, 13;
mit dativ der person: dan er wolts do hin furen, wo es im guͦt geduncket Warbeck Magelone 59 B.; folgende anmerkung, von der sie übrigens glauben mögen, was ihnen gut deucht Gerstenberg schlesw. lit.-br. 141 lit.-dkm.;
langt mit den fingerspitzen so viel sprossen
hervor als gut dünkt ihrer wissenschaft
Rückert w. 3, 121;
modern namentlich gut scheinen: es schien ihm jetzt nicht mehr gut, den ehrgeizigen ... M. in Italien fusz fassen zu lassen Ranke s. w. 1, 112.
β)
gut heiszen (achten, sprechen) 'etw. angemessen finden, billigen'; erst frühnhd. zu bezeugen, in der älteren rechtssprache namentlich als subst. inf. 'einverständnis': so ist auch mit guethaiszen der gnädigen gerichtsherrlichen obrigkeit ... iederzeit ... breichig gewest (v. j. 1568) österr. weist. 4, 126;
dasselb kan nit gut heiszen ich
J. Spreng Ilias (1610) 1. ges. 7ᵃ;
ich ... werde ... niemanden zwingen, dasz er meine gedancken müsse gut heiszen Logau sinnged., vorr. 1 L.; schritte, die sie nicht gutheiszen durften Schiller 4, 133 G.; bald würden sie seine thorheit gut heiszen br. Grimm dtsche sagen 2, 43; entsprechend mundartlich, vgl. Lambert Pennsylv. 75ᵃ; Brendicke Berl. w. 131; etwas anders 'das einverständnis erklären': die gesandten aber ... wolten ihm zwar anfänglich solches nicht gut heiszen Olearius verm. reisebeschr. 361; und wollen uns dort verbinden (heiraten) wenn sie meine sehnsucht gut heiszen werden Holston u. Augusta (1780) 143; eps guet heiszen bestätigen Martin - Lienhart 1, 249; er het drei mosen win guet gheiszen zum besten gegeben ebda; gut achten probare Maaler 199ᵃ;
dargegen achtet mancher gut
das leib und seel doch schaden thut
Henisch 1795;
solches gereicht der obrigkeit ... zu kleinen ehren, die heilig schrift und alle vernünftige leute können auch solches nicht gut sprechen J. Mathesius Sarepta (1571) 48ᵇ.
γ)
in präpositionaler verbindung mit für bei verben des meinens, denkens oder sagens im sinne 'passend, geziemend, richtig, ratsam'.
αα)
für gut ansehen bis in das 17. jh. gebräuchlich: wie es inen ... für gueth und ratsam angesehen sein würdet (wird) urk. v. j. 1319 bei v. Brandis landeshauptl. v. Tirol 33; gleichwohl haben sie vor gut angesehen, einen iedweden in seiner eigenen sprache zu beschreiben Chr. Weise erznarren 215 ndr.; vereinzelt mit personalem akk. in vermengung mit gut dünken: das ist, das mich für gut hat angesehen, die partickel der astronomey zu erklehren Paracelsus opera 2, 336 H.
ββ)
für gut halten löst das vorige ab; zufrühest bei Henisch: für gut halten bonum œstimare 1787; die katze hielt das für gut und ging mit br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1895) 31; möge sie (die schützengesellschaft) über mich beschlieszen, was sie für gut hält Brentano ges. schr. 5, 339; die kaiserlichen räthe hielten doch für gut ..., einen andern kenner der jüdischen literatur ... zu rathe zu ziehen Ranke s. w. 1, 185; mit ellipse der präposition: gutt hâlen billigen lux. ma. 158.
γγ)
für gut befinden, finden: endlich wurde vor gut befunden, nach der obrigkeit zu schicken Grimmelshausen 2, 425 K.; niemand aber, der gesetze giebt, ist denselben weiter unterworfen, als er es selbst für gut befindet Rabener s. w. 1, 202; (er) habe ... für gut befunden, bei einer kartenlegerin nachzufragen Holtei erz. schr. 1, 26; mit ellipse der präposition:
mit welchem von ihr zu und aufgeschlossen werden,
wie sie es gut befindt, die schätze dieser erden
v. König ged. (1745) 77;
nach dieser hauszhaltung fand unser held für gut
sich weiter umzusehn ...
Lichtwer äsop. fabeln 65;
man fand für gut, einige arien und gesänge einzuflechten Göthe 21, 196 W.; die frage ... hat keiner der herren vorredner wieder zu berühren für gut gefunden Bismarck pol. reden 4, 357.
δδ)
für gut erkennen: Alexander M. beim Curtio hat es auch vor gut erkannt, daz ein mann seine frau schlagen möchte Chr. Weise erznarren 14 ndr.; sollte für gut erkannt werden, dieses denkmal ... zu den acten der societät zu bringen, so erbiete mich hier am orte, eine genaue lithographische nachbildung zu besorgen Göthe IV 32, 221 W.; vereinzelt: für gut gäben adjicere calculum Frisius 35ᵇ; vor jut erkleeren als richtig anerkennen Brendicke Berl. wortsch. 132.
4)
gut im sinne 'passend, zweckmäszig' gewinnt einen besonderen bedeutungsbereich innerhalb einer sphäre, in der das, was bestimmten objektiv gültigen normen oder durch gesellschaftliche konvention festgesetzten regeln entspricht, als gut d. h. 'ziemlich, schicklich', 'richtig, ordnungsgemäsz' bezeichnet wird.
a)
bei formen menschlichen verhaltens.
α)
gute sitte; zunächst im sinne 'schickliches gebaren':
da schiltet sî vil maneger mite
sô dunketz mich ein guot site
Hartmann Iwein 1872;
versage er iu die reise,   ir sult mit guoten siten
durch iuwer swester liebe   der bete in vriuntlîchen piten
Nibelungen 532, 3 Bartsch;
hie mit sundigt man nicht wider gutte sitten, sondern wider den glauben Luther 8, 546 W.;
dasz jederman gleich spürt und sicht
du habst gelernt guͦt sitten nicht
K. Scheit Grobianus 3349 ndr.;
entsprechend auch in moderner sprache, z. b.: eine solche reklame verstöszt wenn schon nicht gegen das strafgesetzbuch, so zumindest gegen die guten sitten, wo g. s. fast terminologisch das verhalten im rahmen der regeln anständigen geschäftsgebarens ausdrückt; auf der grenze zu V B 1: dieweil er sahe, dasz sie (die jungfrau) gantz züchtig und guter sitten war J. Wetzel reise d. söhne Giaffers 124 lit. ver.
β)
ebenso bei anderen substantiven; mhd. namentlich im bereich höfischer konvention 'geziemend, anständig, fein':
guot gebærde und kiuscher site
den zwein wont vil stæte mite
Wolfram Parzival 414, 23;
sîn leben daz ist höfsch unde guot
Gotfrid Tristan 499;
darzuo gebt mir vier kint,
mit guoter zuht, von hôher art
Wolfram Parzival 8, 5;
(der jüngling) aller guͦter zucht und sitten, dopey schön und liebe ... waz Arigo decam. 131 K.;
swaz ie guoter tugende   an vroun Helchen lac
der vleiz sich vrou Kriemhilt   dar nâch vil manigen tac
Nibelungen 1389, 1 Bartsch;
sy anhangent der lere guͦter tugend Niclas v. Wyle translat. 21 K.; in neuerer sprache vergleichen sich: gutes benehmen, gutes betragen, guter anstand, gute manieren, wobei gut die übereinstimmung mit den regeln des schicklichen verhaltens angibt (anders der gute ton, die gute lebensart vgl. II B): diese leitete die stunden und tage des kindes zum leben, lernen und zu allem guten betragen Göthe 24, 128 W.; der gute ... anstand ist ein äuszerer schein, der andern achtung einflöszt Kant s. w. (1838) 10, 151 H.; ähnlich von einzelnen handlungsformen: so suchte er mich auf eine gute art von Florenz zu entfernen Göthe 43, 114 W.; der nachforschung der elemente unserer erkenntnis ... mit guter manier ausweichen Kant s. w. (1838) 3, 321 H.; der miszbrauch (der pressefreiheit) ... wird unendlich von dem groszen nutzen überwogen, den der gute gebrauch dem gemeinen wesen gewährt Archenholz Engl. u. Italien 1, 9; die schuld (lag) ... an dem gebrauch oder vielmehr an dem miszbrauch, den man neben der guten anwendung davon machte Fr. Schlegel s. w. 2, 15.
b)
allgemeiner bei zuständen des sozialen lebens, die mit ihrem sinncharakter in einklang stehen, d. h. sind wie sie sein sollen, also 'zweckentsprechend, geziemend, gebührend': dann etliche kirchenordnung sind gemacht umb guter ordenung und fridens willen Luther 26, 222 W.;
von frid und einigkeit der alten
und wil sie guͦt ordnung gehalten
K. Scheit Grobianus 1287 ndr.;
von welchen die meisten verwirrungen und zerrüttung guter ordnungen herkommen polit. maulaffe (1679) vorr.; die gemeinde stand in guter ordnung um die kanzel v. Arnim s. w. 2, 311 Gr.; wenn der geselle schon ins madt gehen kann, wann noch die jungfrau im bad liget, so wird eine gute heirat Mathesius hochzeitpr. (1584) 30ᵇ; es ward auch ein gute ehe, dann die history sagt gäntzlich und für gewisz, dasz ihr keins das ander ihr leben lang nie mit einem wort erzürnet hab buch d. liebe (1587) 30ᵃ, heute aber mehr nach III hin als 'glückliche ehe' empfunden; er ist mechtig und helt sein landt in guͦttem fride also Warbeck Magelone 51 B.; thut dasz ein weib ... in gutem frieden? Moscherosch ins. cur. par. 13 ndr.; darumb inn eyner guͦten pollicei sol nit alleyn das arg gestraft, sonder auch das guͦt belont werden Carbach Livii röm. hist. (1551) 27ᵇ; er regierte solches (Bayern) mit guetter rhue fünf jar lanng v. Brandis landeshauptl. v. Tirol 14; — hierzu gehört auch das gute recht, d. h. ein recht, das den forderungen des natürlichen rechtsempfindens oder rechtlicher konvention entspricht: Christus soll sein reich auffs erst ordenen, zurichten und fertigen, das es stehe und gehe ynn gutem recht Luther 19, 167 W.; wenig gesatz, gut recht Lehman flor. polit. 1, 291; etwas anders das recht, das einem zusteht, 'gebührlich': man solt im zu Kolen gut recht doin (sein gutes recht verschaffen) städtechron. 13, 114 (1. hälfte d. 15. jhs.); die eifrigsten vertreter von Adherbals gutem recht überzeugten ... sich davon, dasz Mommsen röm. gesch. 2, 140;
(wo) der Würtemberger zecht
da soll der erste trinkspruch sein:
das alte, gute recht!
Uhland ged. 1, 69;
wir bedürfen dieser deckung nicht, wir stehen fest auf dem boden unseres guten rechtes Bismarck pol. reden 2, 79.
c)
bei modalitätsbegriffen; in älterer sprache gute masze, guter fug, besonders in präpositionaler verwendung 'in ziemlicher weise, in schicklicher art':
wanne god dem menschen gud bescheret
des her gebrucht in guder masse
unnd nicht in vollede adder in quasse
Joh. Rothe lob d. keuschh. 2025 N.;
Mo.: halt fried, er wirds nun bleiben lassn.
Ha.: ja herr, ich thues zu guter massn
Hayneccius Hans Pfriem 83 ndr.;
(mein vater) hat uns ein testament gemacht
und auch das landvolck guter massn
freyheiten drinn genieszen lassn
M. Rinckhart christl. ritter 26 ndr.;
wie kanstu denn hie mit gutem fug raten, das die heimliche verlöbnis ... solle ein ehe bleiben? Luther 30, 3, 225 W.;
es kan dich wol mit guͦtem fuͦg
hosen und wammes decken gnuͦg
K. Scheit Grobianus 1044 ndr.;
oft mehr im sinne 'berechtigt': dann wiewol ich das zuͦthuͦn guͦte fuͦg und mer dann gnuͦgsame ursach gehabt Hutten opera 1, 418 B.;
... mein gelücke thut mir nichts von diesen allen,
was ich ihm mit gutem fuge zugemutet, zu gefallen
Logau sinnged. 582 L.;
(die obrigkeit,) die mich wegen so scheinbarlicher anzeigung mit gutem fug an die tortur werfen dörfte Grimmelshausen 2, 431 K.; (sie sind) so gar ähnlich, dasz sie sich nicht mit gutem fuge in etliche kleinere classen eintheilen lieszen Rösel v. Rosenhof insectenbelust. (1746) 1, 165.
d)
bestimmten objektiven regeln entsprechend.
α)
den sprachgesetzen folgend, 'richtig': nu wil ich sprechen einen sin, den nut ein iekliches verstot und doch sprich ich iemer guͦt tutsch Tauler pred. 144 V.; gottes werck wirken ist nicht gutt deutsch geredet Luther 33, 25 W.; ausz italiänischer sprach in gut hochteutsch gebracht Wetzel reise d. söhne Giaffers 9 lit. ver.; ich hab ihn (den schüler) angezeichnet ..., das er nicht gut latin geredet Orsäus nomencl. meth. (1623) 308;
so hat die barbarey das gut latein zerstükket
und gotisch, wendisch, teutsch mit macht hinein geflikket
Rachel satyr. ged. 118 ndr.;
das gute latein (musz sich) zuweilen von dem gesunden menschenverstande sehr weit entfernen Lessing 10, 336 L.-M.; hierher auch als 'richtig gebildet': kunstrichterey ... ist zum exempel kein gutes wort Klopstock gelehrtenrepubl. (1774) 147; besonders gern präpositional, wobei der begriff des richtigen in den meist drastisch aufgefaszten begriff 'unverfälscht, echt' oder 'grob' übergehen kann:
einer kennt syn gesellen über den zun
und weiszt behendt, was er sol thuͦn;
zu guͦttem tütsch heiszt es ein vertragk
oder gesungen: der habersack
Murner narrenbeschw. 71 ndr.;
communia auf gut lateinisch bedeutet allgemeine dinge Ramler einl. (1758) 3, 261; teutschet Luther dise wort auf gut bulerisch Emser in Luther 17, 1, 6 W.; auf gut schwäbisch: herr magischter, es ischt ein groszer ... Schupp. schr. 27; in spezifischem gebrauch erscheint auf gut deutsch im sinne 'deutlich ausgedrückt': ir seind narren auf gut teutsch gerett Eberlin v. Günzburg s. schr. 2, 9 ndr.; soll wohl auf gut deutsch heiszen: ein sehr fein gebildeter mann H. Beck schachmasch. (1798) 12.
β)
ähnlich so bei kunstwerken, handarbeiten u. dgl., die den regeln der kunst, des handwerks usw. entsprechen, 'kunstgerecht, vorschriftsmäszig': danne daz sy oft und vil lese in geschriften guͦter und zierlicher gedichten Niclas v. Wyle translat. 8 K.;
welche haben ir seel und leben
und reinen guten text darneben
diese aller ehren werd sein
A. Puschmann gründl. bericht 2 ndr.;
gnug, dasz die verse gut, die lieder lieblich gehn
Chr. Weise grün. jug. 172 ndr.;
es ist schwer gute perioden ... zu machen Göthe IV 1, 258 W.; oft hört man sie ... melodisch singen und guten takt halten Bücher arbeit u. rhythm.⁴ 66; redensartliche wendung: gute arbeit leisten, vgl.gott hat jedem in seinem beruf ein rocken angeleget, daran er soll schaffen und gut garn spinnen Lehman flor. pol. 1, 18; hierzu stellt sich auch: rechtsinnig, der ein recht und gute meynung hat orthodoxus Calepinus XI ling. 1005ᵃ; die entsprechende adverbielle verwendung gut evangelisch gesinnt sein usw. vgl. unter VII.
e)
prädikativ seit alters in gebrauch im sinne 'es ist geziemend, billig, richtig': gote sol man jehen, daz ist guot Notker ps. 91, 2;
ich prîse in swâ er rehte tuot
und verswîge sîn laster: daz ist guot
Hartmann Iwein 2494;
was man dem bederben ere tut
das ist billichen unde gut
herzog Ernst D 1831 in: v. d. Hagen dtsche ged. d. mittelalters;
es ist ganz gut, was er thut, dem man wohl will Pistorius thes. paroem. 10, 65;
dasz du in das geheimnisz deiner abkunft
vor mir wie vor dem letzten stets dich hüllest,
wär unter keinem volke recht und gut
Göthe 10, 13 W.;
darum ist es nicht anmaszung sondern recht und gut, wenn ... v. Savigny v. beruf u. zeit (1814) 1; in diesen zusammenhang reiht sich der ausruf des erstaunens das ist gut!, der ironisch verstanden gerade dann gebraucht wird, wenn eine sache nicht ordnungsgemäsz erscheint, vgl. dei ass gutt das ist doch sonderbar lux. ma. 158; redensartlich so ist es gut! oder meist elliptisch gut so! im sinne 'so gehört es sich, so ist es richtig, recht so': s ist gut so, sagte Grete und öffnete schrank und truhe Fontane ges. w. I 2, 394; auch das oft ironisch: got so, broder Liedtke, kannst so leege, kannst so stehle Frischbier pr. spr.² 1, 170.
5)
einen besonderen bedeutungsbereich hat gut seit dem jüngeren mhd. in der sprache des rechts- und geschäftsverkehrs inne.
a)
der ausgangspunkt der bedeutungsreihen 'beglaubigt', 'vollwertig', 'sicher' in bezug auf urkunden, münzen, wertpapiere u. ä. liegt in der bedeutung 'tauglich, wirksam' insofern ein bestimmter juristischer zweck, der der rechtsgültigkeit, zu erfüllen ist.
α)
'beglaubigt, sicher, rechtswirksam': daz si dar uber haben guͦte brieve urk. v. j. 1295 bei Fischer schwäb. 3, 941; nach guten briven und wizzintlichen urkunden andirer kurfürsten urk. v. j. 1354 in: Zeumer gold. bulle 2, 65;
daz uns dhein schad
(geschähe) ... an unsern alten rehten
diu uns mit guoten und mit slehten
hantvesten sint bestætigt
Ottokar v. Steiermark reimchr. 19849 Seem.;
auch 'urkundlich anerkannt': dasz mein gnediger herr von Rieneck ein gut halsgericht hir hab weisth. 6, 13; und hettend all und jeglich vollen und guͦten gewalt von irn herren mit briefen und och insigeln Richental chr. d. Const. conzils 52 lit. ver.; ähnlich: wir musztens geben laut pakt und gutem wort Alexis Roland v. Berlin 1, 115; in verbaler verbindung: gut machen 'verbürgen':
mit gîseln und mit hantvesten
woldens in daz machen guot
Ottokar v. Steiermark reimchr. 46317 Seem.;
bis sie (die verdächtigen) inen umb die sprüch ain bemüegen thuen oder zum rechten guet machen und verpürgen österr. weisth. 5, 648; 'beweisen': die stellen, welche gut machen, was ich gesagt habe Lessing 11, 102 L.-M.; gut geben 'bestätigen': (eine abtwahl) gut geben mit urkund Vadian bei Staub-Tobler 2, 541; für gut bestätigen 'für rechtsgültig erklären': daz ist der recht grundt, das sölcher kauf für guͦt bestettiget ward Jacob Strausz das wuͦcher nemen (1524) dᵇ;
iedoch er sie verbürgen sol
sicher mit guter bürgschaft wol
H. Sachs 2, 9 K.;
in neuerer sprache klingt diese verwendung noch in einzelnen archaisierenden formeln nach im sinne 'sicher, verläszlich': er selbst aber ging mit gutem geleite nach dem Bourbonnais H. Laube ges. schr. 2, 47; unter guter bedeckung und kaiserlichem schutz Scheffel ges. w. 1, 270.
β)
auf münzen, währungen und geldsorten bezüglich.
αα)
'vollwertig, von richtigem gewicht': umbe 120 guͦter pfenninge Tuwinger müntze (v. j. 1317) bei Fischer schwäb. 3, 941; namentlich in formelhafter verbindung mit gebe, genge, geneme, die den begriff 'gangbar, gültig' beifügen: guter und geber Augspurger pfenning städtechron. 22, 336; guͦter und gebir werunge hess. urk.-buch 2, 660; drizechen pfund pfenn. guoter und genger Züricher münz (v. j. 1369) bei Staub-Tobler 2, 538; 4 [[undefined:poundsign]] haller guͦter, gæber und genemer (v. j. 1346) bei Fischer schwäb. 3, 942; so soll man nemen ... ein ducaten und ein ungarschen guldin, die gut sind Tschudi chron. helv. 2, 158; archaisierend:
ich ihn an mich gekaufet hab
für richtig gutes schweres geld
Tieck schr. 1, 135;
vergleichbar: der gute gehalt der münzen (ist) gefallen Rabener s. w. 3, 10.
ββ)
daraus spezieller entwickelt 'echt' gegenüber dem schlechten gelde mit geringem gehalt an edelmatall oder dem falschen:
(hätten wir) ein müntze und guͦt gelt
so stünd es wol in aller welt
sprichw. (1548) 73ᵇ;
trauet mir, mein geld ist gut
Chr. Weise grün. jugend 64 ndr.;
falsch müntz hat ein gepreg eines herren der gute müntz macht Lehman flor. pol. 1, 107; wer geld einnimmt, der thue ... die augen recht auf, dasz nicht zwey- vor viergroschenstücken ... oder sonst falsch geld vor voll und gut mit eingezählet werde J. G. Schmidt gestrieg. rockenphil. 1, 13; übertragen:
hie nimmt der arme Jost solch honigsüszes streichen
für gute gülden an
Rachel sat. ged. 21 ndr.;
auch modern ein gutes zweimarkstück usw. im sinne 'ein echtes, nicht gefälschtes', vgl. Fischer schwäb. 3, 942; gueti banknōt echte banknoten Staub-Tobler 2, 538.
γγ)
vereinzelter im sinne 'gültig, gangbar' gegenüber den auszer kurs gesetzten münzen:
wer die müntze recht nicht kennt, dem ist ieder groschen gut
Logau sinnged. 265 lit. ver.;
dat geld is good gangbar Dähnert 157ᵇ; god geld gültiges geld Mensing 2, 424.
δδ)
terminologisch im sinne 'vollwertig, hoch im kurs stehend' gegenüber der zwar gültigen, aber niedriger bewerteten währung und ihrer münzsorten, vgl. 'gutgeld opp. dem keyserlichen geld, welches alsdann leicht geld heiszt' Scherz-Oberlin 581: dieweyl aber von wegen unser schwachen münzen, die im rych nach der selben wärschaft und halt nit gäng und gäb, unsere kouf- und werbende lüt, so im rych waren koufen und mit gueter rychsmünz zalen müeszend, so sölle von diser ursach wegen unsern kouflüten zuegelassen syn, dasz sy gegen einandern uf guet gelt handlen (v. j. 1568) bei Staub-Tobler 2, 538; dedit 6 [[undefined:poundsign]] 16 β guttes geldes handelsrechn. d. dtsch. ordens 17 Sattler; nach beiliegender rechnung (bin ich) ... 125 thlr. 49 grote gut geld schuldig, welches nach unserem cours ohngefähr macht 135 thlr. Göthe IV 16, 224 W.; es (mache) mehr als 8 thaler im guten gelde aus Ayrenhoff s. w. 1, 21; noch redensartlich: er wirft das gute geld dem schlechten nach Fischer schwäb. 3, 942; bei einzelnen münznamen: 'guter gulden (= 21 groschen) opp. leichter, kayserl. gulden (= 16 groschen)' Frisch t.-lat. 1, 385ᵇ; wir (haben) ... für 50 gute gulden 103 papiergulden erhalten Göthe IV 19, 342 W., weiteres s.gulden teil 4, 1, 6 sp. 1059; guldiner, eine teutsche reichsmüntze und so viel als 16 gute groschen Apinus gloss. nov. (1728) 260; ein andrer musz mir zwar acht gute groschen geben Gottsched dtsche schaub. 3, 283; einen tagelohn von 6-8 guten groschen Bismarck pol. red. 1, 131;
guͦt kronen und dick pfenning schwär
H. R. Manuel weinspiel 3086;
hundert schilling guter güldener pfennig buch d. liebe (1587) 101ᵃ.
εε)
in jüngerer sprache im sinne 'sicher': die besagte summe für den kaufmann M. ... in guten landespapieren H. v. Kleist 4, 88 Schm.; guete schuldbrief, guete zedel gesicherte hypothek Staub-Tobler 2, 538; ähnlich auch: gute papiere mündelsichere papiere, erstrangige primawechsel, aktien solider unternehmungen, wobei aber auch (vgl.δδ) an hohen kurswert oder hohe verzinsung gedacht werden kann; was den wustischen insatz betrifft, so ersuche (ich) dagegen dessen verkauf nicht vorzunehmen, denn da er sicher und gut ist ..., so lassen wir denn diese sache auch auf sich beruhen Göthe IV 29, 51 W.; anders 'verfügbar': gute schulden debiti liquidi Kramer t.-ital. 1, 578ᵇ.
b)
die bedeutung 'sicher, zuverlässig' in bezug auf zeugen, bürgen usw. ruht in der vorstellung, dasz die personen für eine juristische funktion 'tauglich' anzusehen sind; bei zeugen auf grund ihrer stellung, ihrer herkunft, ihres charakters usw., bei debitoren oder bürgen auf grund ihrer wohlhabenheit, ihrer geschäftlichen zuverlässigkeit usw.
α)
bei zeugen oder anderen gerichtlich beeidigten sachwaltern; gute leute fester terminus der älteren urkundensprache, vgl. lat. viri, homines boni, d. h. 'biedermänner'; die formel geht wohl von gut V aus und bedeutet zunächst 'rechtschaffene' und deshalb 'zuverlässige' leute: her (soll) ime sîne kost gelde nâh gûter lûte kure Sachsenspiegel 66 Weiske; das habent och guͦt lút dik und fil hie gesait Elsb. Stagel schw. z. Tösz 109 V.; (man) hat ... etlich in gelubd genomen, aber man hats nit konnen binden, dasz nit sei ... ist jederman guͦt gewesen (zeuge gewesen) städtechron. 29, 48; wie wir bey ein anderen sind gewesen, bist du ein guͦter zeug Frisius 159ᵃ; so sollen sie die sache gründlich und mit guten bewehrten zeugen beweisen Reinicke fuchs (1650) 369; in gegenwart seiner und ihrer guten männer (hat er) 120 mrk. zu erlegen sich erboten nach e. westpreusz. schöppenbuch v. 1642 in: neue preusz. provinzialblätter 12, 333; entsprechend mal.: guter mann, gutmann zeuge bei der trauung, taufe und verlobung Frischbier pr. wb. 1, 260; guter mann kirchlicher trauzeuge Betcke Königsb. ma. 31; in engerer bedeutung von gerichtspersonen, schiedsleuten oder gerichtlich vereidigten sachwaltern, vgl. gute mannen, beidermänner arbitri, boni viri Henisch 1791: der herr foit (vogt) die sachen zuweilen auf gutte leuthe gibt, dan domitte werden viele sachen durch gutte leuthe in der suehne vertragen Olmützer gerichtsordn. 11, wo die bedeutung IV hineinspielt; leut ..., die etwann bluetiges gewant antruegen und iemant sollichs chaufet, die sollen gestraft werden, wie dann weiter durch guete leut erkennt wurde (v. j. 1629) österr. weist. 6, 258; durch gute männer (arbitri) ... einen streit beilegen Hippel s. w. 6, 199; 'beeidigter sachwalter': er brauch ihn erstlich in schweren sachen und verträgen zum guten mann, so wird er ... (17. jh.) Casp. Stein peregrinus 12, 41 bei Frischbier wb. 1, 261; gute männer ..., welche alle beliebte nachbarliche zulagen treulich und fleiszig einsammeln, aufschreiben und ... richtige rechnung geben sollen A. Hartwich geogr. hist. landesbeschr. (1722) 508; 'guter mann, auch geschworener mann, sind beeidigte leute, durch welche die gerichtlichen aussagen der auf grundstücke bestätigten kapitalien geschehen müssen' Klein dtsch. prov.-wb. 1, 174 für Danzig; 'n gooden mann ein als zeuge oder vermittler zugezogener unbescholtener, unparteiischer mann. im letzteren prägnanten technischen sinne ist der pl. goode mannen' Stürenburg ostfries. 73ᵃ.
β)
bei debitoren usw. 'sicher, zuverlässig', auch 'kreditwürdig', vgl. besondere arten der vollmacht sind, wenn ... man einen unter dem vorgeben, dasz es ein guter mann, dem wol zu trauen, bey dem keine gefahr zum anlehn oder creditgeben beweget, davor man allerdings stehen musz Haym jur. lex. (1738) 1280: daz dhain pfleger ... dhainen man nicht vahen sol, der gut zu dem rechten ist (mit rücksicht auf besitz dem gerichte sicher ist) österr. weist. 1, 321; der mann ist gut, warumb solte er durchgehen? polit. bratenwender (1682) 246; glauben sie nur nicht, ... ich wollte sie mahnen — das hat zeit, sie sind mir gut Heine w. 3, 321 E.; der oheim G. war so gut wie sein wort W. Raabe hungerpastor 54; von da aus oft mit dem beisinn 'wohlhabend, zahlungskräftig', vgl.
wills bschulden, wo ich bin so guet
J. Aal Joh. (1549) bei Staub-Tobler 2, 536;
da nun herr St., wie die anderen hier anwesenden Berliner versichern, 'gut' ist Isolde Kurz lebensfluten (1907) 151; mal.: der ma ist gued reich Tobler appenz. 245ᵃ; nu betahl man, dat dröppt ja n goden mann Mensing 2, 424; vereinzelt gut sein 'besitzen': guet sein um 1000 gulden 1000 gulden besitzen Schöpf tirol. 220; bescheiden theil was du gut bist Petri d. Teutsch. w. 2, k 4ᵃ.
γ)
formelhaft in den wendungen von (in) guter hand, aus guter quelle u. ä. im sinne 'verläszlich': der graf von Strahl, uns vielfältig und von guter hand bekannt H. v. Kleist 2, 182 Schm., vgl. dazu auch guter hande leute sp. 1267; wir (machen) uns ein vergnügen daraus, ihnen eine parodie darauf mitzutheilen, die wir von guter hand bekommen haben Lessing 5, 446 L.-M.; sie sind schlecht berichtet, herr M., ich musz es doch zum teufel aus guter hand haben Lenz ges. schr. 1, 229; es liegt in guter hand Schiller 12, 401 G.; modern oft plur.: der küster, da er seine sache in guten händen sah Immermann Münchh. (1838) 3, 43; es ist aus guter quelle Klix bei Wander 5, 1440.
c)
in festen verbalen verbindungen.
α)
wie in b ruht die vorstellung darauf, dasz eine person als 'tauglich' angesehen wird für die verpflichtungen einer zweiten person einzustehen.
αα)
unmittelbar personell gut sein, werden; im sinne 'bürgen, haften' meist mit für: wer wil mir bürge und gut dafür seyn, das sie recht sagen Luther bei Dietz 2, 187ᵇ; wie die alle durch vielgemelten N. also stet und feste zu halten, gelobt und geschworn seind, selbschuldige bürgen und dafür gut wurden seind A. Machholtl formular (1560) 94ᵃ; hiirumme vorwillekorden syk de borghere, dat se wolden guͦd wesen vor allen schaden (v. j. 1450) städtechron. 30, 110;
da für sy mir der künig guͦt,
das mir hie üwer keiner thuͦt
Murner narrenbeschw. 272 ndr.;
scheue dich nicht, sie auf zu nehmen, ich bin dir guht vor ihre ehre Zesen helik. rosent. (1669) 42; für das der H. gegebne (geld) bin ich auch gut Göthe IV 19, 217 W.; ebenso mal., vgl. Mensing 2, 424; etwas anders 'sich einsetzen': weil nun ... Th. auch ihm rund abschlug, für ihn bey Z. gut in worten zu seyn Lohenstein Arminius 2, 923ᵇ; auch 'dafür bürgen, dasz eine gefahr, ein schaden nicht eintritt': gut für alle gefahr sein Reyher thes. 3, 626;
ich wil dir gut vorn schaden seyn
M. Rinckhart christl. ritter 27 ndr.;
sey gut für allem schaden
du aug und wächter Israel
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 298;
dann 'sich für eine eigene behauptung verbürgen, nachdrücklich versichern', oft mit personalem dativ:
du lernst in wol kennen hierin,
vorwar ich dir darfür gut bin
satir. u. pasq. 1, 80 Schade;
da schrieb ich ihr nun was auf, ich bin gut dafür, wenn sie es gebrauchet, so wird sie in 4 wochen keinen menschen ähnlich sehen Chr. Reuter ehrl. frau 28; ich bin dafür gut, dasz niemand ... jemals wieder zu jener alten ... scheinwissenschaft zurückkehren werde Kant s. w. (1838) 3, 295 H.; so mal. verbreitet, vgl. Dähnert 157ᵇ; Schambach 60ᵃ; Hofmann niederhess. 111ᵇ; Christa Trier. ma. 103ᵇ; Martin-Lienhart 1, 248; vereinzelter mit um: die sind mir gutt umb mein vordrung U. Füetrer bayer. chron. 211; ich wil guͦt darumb seyn ad me recipio Frisius 1121ᵇ. gut werden, vgl. der für ein andern guͦt wirt, der für ein andern verheyst Alberus nov. dict. 16ᵃ: dy obgenante fraw unnd (volljährigen) kinder obgenant sindt gudt wordenn vor dy kinder dy noch nicht mundigk seindt (v. j. 1492) Melbacher gerichtsbuch (handschr. quelle); ist dem vogt gut worden, daz er von sollichen geltz wegen nit angelanget werden sol (v. j. 1493) bei Fischer schwäb. 3, 948; wan der schuldig man guet wird oder seiner freund ainer für die wandel (busze), so soll man ihm sein hab nicht anfallen (v. j. 1660) österr. weist. 9, 430.
ββ)
gut stehen ist nicht vor dem 18. jh. zu bezeugen: ein freund ihres bruders ist für ihre hiesigen schulden gut gestanden J. Nestroy ges. w. 1, 58; sie sagte mir auf die letzt, dasz sie sich getraue, mir mit ihrem leben gut zu stehen, dasz das, was ich bis dato geschrieben, gewisz gefallen wird Mozart an d. vater bei Jahn Mozart 3, 45; wenn er ihn umgebracht hätte? ... gut stehe ich nicht dafür, sprach der vorsteher von G. W. Raabe Horacker 103; ebenso mal. in westl. maa., vgl. Hönig Kölner ma. 67ᵇ; Martin-Lienhart 1, 248; Seiler Basler ma. 153; Fischer schwäb. 3, 948; sich gud stelle Follmann lothr. 221; etwas anders im sinne 'einstehen, entschädigen': auch ist hie und da wohl ein zug oder eine scene gelungen, die für das ganze dann gut stehn müssen Tieck schr. 4, 287.
γγ)
gut sagen, gut sprechen seit dem 17. jh. geläufig; isoliert mit akkusativ objekt im sinne 'versprechen':
denck nur, es sey der welt nit neu,
das sie es gut sagt on alle treu
B. Waldis Esopus 2, 291 Kurz;
die regel ist konstruktion mit für oder abh. satz in der bedeutung 'bürgen': als wenn du den bundsverwandten, bürgern und dem regiment nicht allein für deine person sondern auch alle reichsdiener gut sagetest und versicherung tätest Reyher thes. (1668) 3, 626; sagt doch hier gut vor dasjenige, was ich im wirtshausz werde schuldig seyn Schupp schr. 256; wenn sie für meine schulden all gut sagen wollte Schiller 2, 134 G.;
Neptun kann keinem gut für seinen schaden sagen,
der sich in seiner flut auf späten herbst wil wagen
P. Fleming 1, 167 Lapp.;
(ich habe) mich nicht getrauet, für anderer leute arbeit gut zu sagen Jöcher compend. gelehrtenlex. (1725) vorr. § 25; ich könnte nicht dafür gut sagen, dasz in ermanglung eines solchen (königs) die nächste generation nicht republikanisch werden könne Bismarck ged. u. erinn. 1, 173 volksausg.; mal. im nd. und md., vgl. brem.-nieders. 2, 526, Brendicke Berl. wortsch. 131, Schambach Gött. 60ᵃ, Spiesz henneberg. 87; gab darauf seinen dienern befelch, mich in ein wirthshausz zu führen und dem wirth gutzusprechen vor alles, was ich ... verzehren würde Grimmelshausen Simpl. 532 ndr.; dann er hat gut gesprochen, dasz ich mich wiederum gestellen würde Hoffmannswaldau sterb. Socrates (1679) 145; er hot uns vor alles gut gesproche, hörsts? maler Müller w. 2, 31; mal. vgl. Seiler Basler ma. 153; Staub-Tobler 2, 541.
β)
andere verbindungen dagegen sind elliptischer natur und aus zu gut schreiben, haben usw. herzuleiten (vgl.gut subst.).
αα)
gut schreiben einen betrag zugunsten des zahlers auf sein konto schreiben oder auf seine schuld in anrechnung bringen: und soll uns auch dieses nicht in rechnung gut geschrieben werden, dasz die anfangsepoke unsrer dichtkunst die jüngste von allen ist Kretschmann s. w. 2, 38; modern z. b.: den zuviel gezahlten betrag werden wir ihnen für die nächste bestellung gutschreiben; anders im sinne 'durch bürgen sichern': ein gut geschriebener wechselbrief, mit dem auch der bankerottirer zur noth noch hinauslangt Schiller 2, 25 G.; gut bringen: gütigst gesandte m. 46. 80 haben wir ihrem conto bestens dankend gut gebracht hdschr. beleg.
ββ)
gut haben im sinne 'etw. zu fordern haben', vom gläubiger gesagt: es scheint also wohl ... nur ein irrthum zu seyn, wenn sie bey mir noch zwanzig thaler gut zu haben glauben Göthe IV 30, 70 W.; er habe ... bei seinem ältesten bruder, dem fleischer, sechs groschen gut für ein zicklein O. Ludwig ges. schr. 2, 512; den dahler haben se jut Brendicke Berl. w. 131; etwas anders 'sich auf grund einer unbeglichenen forderung schadlos halten durch etwas, was an stelle der bezahlung tritt': wie aber der bapst, der sin verräteri zu Basel guͦt hatt, sölichs vernam, bracht er den obersten patron derselben armaden dahin mit gelt, dasz er siner part was J. v. Watt dt. schr. 2, 32 Götzinger; ich hatte noch schlechte streiche bei dem menschengeschlechte gut, weil ich im voraus dafür gelitten hatte Schiller 4, 70 G.; auch umgekehrt 'schulden': du bist mir 5 m. gut schuldest mir 5 m. Fischer schwäb. 3, 949; vereinzelter: gut behalten noch zu fordern haben Spiesz henneberg. 87.
6)
neben abstrakten, namentlich bei begriffen der äuszeren und inneren erfahrung, bezeichnet gut eine form der tauglichkeit oder zweckmäszigkeit, die sich durch die übereinstimmung von anspruch und erfüllung manifestiert; die bedeutung 'sicher, zuverlässig' geht dann teilweise in den sinn 'genau, richtig', 'überzeugend, begründet' über.
a)
neben begriffen der wahrnehmung u. ä.:
und swaz der jeger seite,
des nam der künec vil guote war
Gotfrid Tristan 3317;
des gesteines nam er guoten war
Otte Eraclius 847;
darumb so thuet guet achtung han
so khönt ihrs desto basz verstahn
Endinger judenspiel 23 ndr.;
so jemand jetzt ausz euch begert
dem feind ein raub zu jagen ab,
derselbig gute achtung hab,
dasz er nicht ferr dahinden bleib
Spreng Ilias (1610) 6. gesang 73ᵃ;
so haben die lieben frommen alten auf alle umbstände dieses tages ... gute achtung geben Prätorius saturnalia (1663) 3; in neuerer sprache wird dafür meist das adv. eingesetzt, vgl.gut aufpassen.
b)
neben begriffen des wissens und kennens u. ä.:
hic non fuit ullus   thes hafon ig guoda fulleist (sichere
nobilibus ac liberis   thaz thid allaz wâr is bestätigung)
cui non fecisset Heinrîch   allero rehto gilîch
de Heinrico 25;
der (ritter) Allessander guͦte kuntschaft het Arigo decam. 67 K.; so sie frembde und unbekand sind, sol man sie heiszen gute kundschaft schriftlich und mündlich bringen Luther 30, 3, 227 W.;
darvon soltu guot wissen han
Endinger judenspiel 56 ndr.;
wiewol wir neben dem guͦt wissens haben, das etlich usz fürsatz den durst überwunden haben H. v. Eppendorf Plinius (1543) 8, 15; der landgraf ward gewarnt von einem manne ..., 'der ... gut wissens darum trage, es sei etwas im werke' Ranke s. w. 3, 24; sie hätten ... um die bündnisz des adels gute wissenschaft gehabt Ziegler schaupl. (1695) 660ᵇ;
und kennt mit guter wissenschaft
was in uns denket und empfindet
Gottsched ged. (1751) 1, 169;
ähnlich in neuerer sprache gute kenntnis, z. b. gute kenntnis aller einschlägigen arbeiten ist bedingung (für den bewerber).
c)
anders bei grund, ursache; zunächst noch bei konkret empfundenem grund in der bedeutung 'zuverlässig': so ist auch unserm glauben not, das er guten sichern grund fur sich habe, damit er der sachen gewis sey Luther 23, 549 W.; denn schrift und guten grund wollen wir, nicht seinen eigen rotz und geifer 26, 323; die bebstlich gesetz (haben) ... kein guͦten grund H. v. Cronberg schr. 5 ndr.; dann mehr im sinne 'beweiskräftig, überzeugend':
dein Danzig, das zwo töchter hat,
mit welchen es fürwahr aus gutem grunde pralet
Gottsched ged. (1751) 1, 274;
vor allem beschwerten sich die städte und zwar mit gutem grunde Ranke s. w. 1, 122; wie 'begründet, berechtigt': (er) warf kurze scharfe blicke in alle winkel, ob ihm nicht jemand guten grund zu ordentlichem zorne geben wollte Eichendorf s. w. 3, 230; da mit im der jude dienet oder guͦter ursache halben dienen müszte Arigo decam. 33; die vorsprache wegen St. will ich bis nach Hamburg, aus guten ursachen, versparen Lessing 17, 401 L.-M.
7)
das urteil darüber, dasz eine handlung ihren zweckmäszigen abschlusz erreicht hat und damit die weitere fortführung als unnütz anzusehen ist, findet in festen konkludierenden formeln seinen ausdruck.
a)
im sinne 'es ist erledigt' als satz es, das ist gut: wann mein herren das gericht wolden hin lassen, so sol man es die gemain anvailen. bestent se es, das ist gut. bestent se es nicht, so sullen es mein herrn lassen, wem se wellen (v. j. 1414) österr. weist. 11, 198; lost er es, das ist guet, lost er es aber nicht ... weisth. 6, 120; meine frau mutter liesz dem kaufmann aber wieder sagen: es wäre schon gut und sie wolte mich wieder zu ihm thun Chr. Reuter Schellmuffsky 12 ndr.;
kompt er drein (ins haus) so ist es gut,
wo nicht, er nicht grosz drumb thut
Gabr. Voigtländer oden u. lieder (1642) 89;
oft elliptisch: nympt sie es an, gutt, wo nicht, so habe sie ... Luther 12, 233 W.; könnt ihr helfen, gut! Klinger w. 3, 122.
b)
anders mit dem beiklang der abwehr gegenüber einer lästigen erklärung, frage u. ä.: er sprach, warumb wiltu zu im? ... sie sprach, es ist gut 2. kön. 4, 23; namentlich durch schon verstärkt: es ist schon gut, alles ist abgemacht ..., belästige mich nicht Bettine dies buch geh. d. kön. 1, 41; 'es ist schon gut, schulmeister', fiel ihm der alte in die rede Immermann w. 1, 11 B.; elliptisch: schon gut! schon gut! dergleichen schwüre sind nichts werth Kotzebue dram. w. 2, 186.
c)
als ausdruck eines einverständnisses mit einem vorschlag, einer bitte, meinung, situation usw.: is god, laat uns man hingahn Mensing 2, 426;
gut, gut, herr Harlequin, ich will hier bleiben stehn
Chr. Reuter Harlequins hochz.- u. kindb.-schmaus 71;
und schreyt man mich gleich oft für dumm und boshaft aus,
gut! ich bin dennoch herr in meinem eignen haus
v. Cronegk schr. 1, 8;
gut! sagte er, so reit ich in die welt, bis ich umkomme Göthe 25, 294 W.; 'gut denn', antwortete Jacob, ... so lassen wir diesen punkt der anklage fahren K. Fr. Cramer Neseggab 1, 22; eine wette? nun gut, so schlagt sie vor Göthe 13, 1, 234 W.;
auch gut! dacht ich, ergriff sie (die vipern) im genicke
Fr. Kind ged. 1, 39;
nach ooch jut mag es drum sein Brendicke Berl. wortsch. 132; etwas anders als feststellung eines tatbestandes:
es fehlt an geld, nun gut, so schaff es denn
Göthe 15, 15 W.
d)
im sinne 'es ist genug', vgl.es ist gut sat est Alberus nov. dict. 394ᵇ; ähnlich bereits mhd.:
ich saget iu vil armuot:
war zuo? diz ist als guot
Wolfram Parzival 257, 30;
herre, dem orse enthaldet nu
enjaget niht mê, ez ist gût
landgr. Ludwigs kreuzfahrt 2145 mon. germ.;
es ist gut, freund! Schiller 3, 119 G.; nu is t god jetzt ist es genug Mensing 2, 426; un damed guəd! Woeste-Nörr. 87ᵃ; jut dem dinge 'genug davon', übergangsformel bei erzählungen Brendicke Berl. wortsch. 131.
α)
aus solcher verwendungsweise versteht sich die formelhafte verbindung etwas gut sein lassen 'etwas beenden, genug sein lassen':
ich sprach: mein hordt, ich gäb ain pfunt,
das du verstündest den willen mein.
sy sprach: das wollen wir guͦt lan sein
und richten uf ainen andern lauf
liederb. d. Hätzlerin 281 H.;
und schikten fruntlich zu bischuf Diderich und hetten in gern underwist, dat er dat het lassen gut sin städtechron. 13, 113; do sprach der bischof Turpin: ich bit uch, land uwern zorn guot sin dtsche volksbücher 61 Bachm.; lasz es doch einmal gut sein, höre doch auf B. Faber thes. (1587) 563ᵇ;
lasz es jetzt gut seyn, Seni! komm herab!
Schiller 12, 205 G.;
nu lasz ock gut sein, a hat sei fett G. Hauptmann weber 40; lor əs gut sin unterlasse es! Hofmann niederhess. 111ᵇ; etwas anders 'es bewenden lassen bei etw., sich zufrieden geben mit etw.', vgl.lasse es gut seyn ne ultra tendas Serz idiot. 59ᵃ: wir müssen aber die zeit und andere gaben gottes nit unnützlich verlieren ... (antwort:) ey herr magister, lasset es guͦt sein Vogelgesang heiml. gespräch 12 ndr.; das ir das zu disem mal guet sein lasset Brandis bei Schöpf tirol. 220; lassen sies gut sein, herr Unwirrsch, ich stehe schon meinen mann W. Raabe hungerpastor 233; losz das ding guet sin gedulde dich Martin-Lienhart 1, 248, vgl. Staub-Tobler 2, 540; spezifisch: lassen set man jut sind seien sie versichert, das kommt ganz anders Brendicke Berl. wortsch. 131; als 'etw. hingehen lassen, dulden': Silenum, der nit muncket und helt Knebel inne, redt auch dem Mida nicht ein, leszt es alles gut sein, was er redet und thut J. Mathesius Sarepta (1571) 14ᵃ; hat jetzt neulich seinem bruder ein weib mit gewalt genommen, das muszte der bruder gut sein lassen H. Megiser chorogr. Tart. (1611) 311; welches er (Sokrates) doch mit groszer langmuth vertrug und gut seyn liesz J. B. Carpzov leichpred. (1698) 100; weil er gern durch bilder das mögliche und unmögliche verwirklichen mag, so liesz ich es gut sein Göthe 24, 216 W.; im sinne 'etw. auf sich beruhen lassen, sich nicht kümmern um etw.': (er) kramte viel wissens aus ..., ich liesz das gut seyn Göthe 19, 13 W.; ich habe über diese sache niemals nachgedacht, sondern sie eben so gut seyn lassen, sie interessirt mich aber für die zukunft mehr IV 13, 325; und so liesz er denn auch alles gut sein und wollte mit grübeln das glück nicht versuchen, das ihm so unversehens über den kopf gewachsen Eichendorf s. w. 3, 414.
β)
die formel kurz und gut, erst mit dem 16. jh. bezeugt, aber wohl älter, heiszt zunächst 'so knapp, dasz das erzählte wirksam bleibt', vgl.kurtz und gut compendiarius Alberus nov. dict. (1540) 89ᵃ: kurtz und gut d. h. wann der schimpf am besten ist, sol mann aufhören sprichw. (1548) 36ᵇ;
disz sey dir gschriben kurtz und guͦt
wie mich das Flaccus heiszen thut
K. Scheit Grobianus 4859 ndr.;
maket äwwer kuort un gudd ... un nit te arig (beim erzählen) Bauer-Collitz waldeck. 210ᵇ; meist am ende der rede im sinne 'um es in kürze zusammenzufassen':
drum kurz und gut: gesegnet sei ...
E. Baumeister zimmermannsspr. 21;
kurz und gut, andre wollen auch die krönung des jungen kaisers mit ansehn Tieck schr. 3, 176; dann überhaupt 'in kürze treffend gesagt': (sie) glauben, kurtz und guͦt, nicht bisz endtlich die heiligen selbs kummen werden J. Nas antipap. eins u. h. (1567) 1, 58ᵇ; so wil ich euch mit enckern rationibus kurtz und guet abfertigen J. J. Schwabe tintenfässl 11; wie soll ich ihnen ... kurz und gut den gegenwärtigen vorstellen? Göthe 24, 175 W.; erweitert zu der bedeutung 'kurzum, kurzerhand, kurzweg':
ich machte kurtz und gut den besten schnitzer lahm
Hoffmannswaldau-Neukirch 5, 210;
anstatt dessen aber ist alles ... flüchtig beurtheilt und in einem spöttischen ton kurz und gut abgewiesen allg. dtsche bibl. 2, 2, 164; ich nahm also kurz und gut abschied Ulr. Bräker s. schr. 1, 69; überhaupt dächte ich ..., sie entsagten kurz und gut dem theater Göthe 23, 81 W.; durch ein schmutziges wetter trug man den leichnam und scharrte ihn kurz und gut ein ohne das allergeringste gepränge W. Raabe hungerpastor 60.
8)
eine besondere verwendung, die bereits im mhd. sichtbar wird, gewinnt gut als glied eines komparativen ausdrucks, der das beschaffenheits- oder wertverhältnis zweier gröszen beschreibt, in so gut als, so gut wie.
a)
zur bezeichnung einer wertgleichheit.
α)
im sinne 'ebenso beschaffen, tauglich, brauchbar wie' in prädikativer fügung mit sein; gebrauch mit dem attrib. adj. tritt nur ausnahmsweise auf: ein krumb holtz gibt so gute hitz als ein gerades Lehman floril. pol. (1662) 1, 351; eine vorstufe dieser komparationsformel bilden vergleiche wie:
daz das mer und ieslîch sê
als guot ('ertragreich') wær als daz beste lant
weinschwelg 293 Schr.;
er wolts im nicht geben, wann er hett das mitt dem schwertt gewonnen und er were als gutt ('geeignet') darzu als er Schiltberger reisebuch 23 lit. ver.; ich bin so gut als du bist Eyering prov. cop. 3, 51; früh zur formel erstarrt zur bezeichnung der wertgleichheit 'ist ebenso viel wert wie, gilt so viel wie': tusint bysante (Byzantiner), die sint also gut als v guldin floren Marco Polo 31 v. Tsch.; so hat her weder eyn pfert von mir als gut als 5 m. handelsrechn. d. dtsch. ordens 36 Sattler; zween und dreiszig alte kreutzer, die sind wol so gut als jetzt ein halber güldengroschen J. Mathesius Sarepta (1571) 169ᵇ und entsprechend relativisch: leth beschrieven den schaden, wo gud ('hoch') de vorlust was Lüb. chron. 2, 602 Grautoff; der ersparte pfennig ist ... so gut als der erworben Petri d. Teutschen weish. 2, n 6ᵇ; das der ehliche stand eben so guͦtt sey als der junckfrawen stand Luther 12, 349 W.; stehet die eiserne mauer nicht fester, ... sie ist nicht so gut als papyren 26, 431; stehler und hehler ist einer so gut als der ander Lehman floril. pol. 1, 137; do ist einer so gut wie der anner Martin-Lienhart 1, 248; sie treiben allerlei hantierung und eine ist ihnen so gut wie die andere G. Keller ges. w. 4, 215; etwas anders 'gleichkommen': wer dem hund das bellen und beiszen nicht wehrt, der ist so gut als hetzt er ihn an Lehman floril. pol. 2, 721; dieses weibergezänck ist wol so gut als ein schauspiel Kramer teutsch-ital. 12, 829ᵃ; so redensartlich: dreimal umgezogen ist so gut wie einmal abgebrannt.
β)
absolut im sinne 'in gleicher weise, in gleicher art beschaffen'; wohl noch als attr. adj. zu fassen, aber deutlich hinüberleitend: daz die holzer und die bach seien ein rechte gemein und der arme als gut recht dar in hat als der reiche weisth. 6, 17;
bein und adern, fleisch und blut
hast du eben auch so gut
Chr. Weise grün. jugend 102 ndr.;
schon rein formelhaft auf der grenze zum adv.: hab ich nicht alle meine leibesbewegungen so gut als jemals Kramer teutsch-ital. 2, 829ᵃ;
er war so gut ein held im sterben als im leben
v. König ged. (1745) 120.
b)
zur bezeichnung einer annähernden wertgleichheit im sinne 'nahezu, beinahe, fast' erst in jüngerer sprache entwickelt; die grenze gegenüber a ist gelegentlich unscharf: dasz sie eine so gut als freywillige erklärung ... thun Lessing 13, 99 L.-M.; meist aber wird die einschränkung deutlich: (die) männer ... hatten auf dem heiszen kies die kleider des jünglings schon so gut als getrocknet Göthe 25, 298 W.; die geschichte der kaiserlichen landgerichte seit dem 14 ten jahrhundert ist so gut als noch gar nicht untersucht Eichhorn dtsche staats- u. rechtsgesch.³ 3, 169; (ein schlosz, das) so gut als in gar keinem style gebaut ist Stifter s. w. 2, 12;
hat einer dreiszig jahr vorüber,
so ist er schon so gut wie todt
Göthe 15, 99 W.;
schon war die capitulation so gut wie abgeschlossen Mommsen röm. gesch. 2, 9; so hab ich dich so gut wie gar nicht mehr Fontane ges. w. I 5, 147; vgl.so jut wie janischt unsinn Brendicke Berl. wortsch. 132.
B.
in spezifischer anwendung auf personen und deren eigenschaften und leistungen steigert sich die in A aufgezeigte bedeutung 'tauglich zu etwas' zum sinne 'tüchtig'; doch bleibt die zweckrichtung der so gekennzeichneten persönlichen eigenschaft noch im vordergrund; seit alters bezeugt, ist diese verwendung besonders im engl. so weit verselbständigt, dasz (im gegensatz zum deutschen) das persönliche subjekt den teleologischen charakter entbehren kann, z. b. a good man 'ein tüchtiger mensch'.
1)
'tüchtig' im hinblick auf eine hantierung oder fertigkeit, die von der person ausgeübt wird.
a)
prädikativer gebrauch mit zweckangabe: wie guot er ie wart in der verbekunst Megenberg b. d. natur 245 Pf.; sehet nach eym man der gutt sey auf seyttenspiel Luther bibel 1, 64 W.;
und das er guͦtt sy uff der pfiff
Seb. Brant narrensch. 75 Z.;
vgl.wenn es gleichs Polen schneiete ..., so wirdt dennoch der hohem.(-eister) in allem gutt genug sein Grunau preusz. chron. 2, 501; modern z. b.: er ist aber als redner gut, so wenig er sonst taugen mag u. ä.; auch mal. entsprechend: er ist gut in der feder Fischer schwäb. 3, 940; ein schüler ist gut im schönschreiben ebda liegt schon auf der grenze zu II; voruszen sīgs (das mädchen) es güets mit werchen, aber im hūs innen chennds nīt Staub-Tobler 2, 536; gut zo machen scattole geübt, schachteln zu machen Schmeller cimbr. 127ᵇ; anders im sinne 'rüstig': gut zu fusz sein: weil ... die ente auch nicht gut zu fusz war br. Grimm kinder- u. hausm. (1895) 31; gaud tau weg Fr. Reuter stromt. 345 Seelm.; übertragen: he is ni god to weg 'nicht ganz richtig, schlecht gelaunt' Mensing 2, 425.
b)
in dieser verwendung auch attributiv 'tüchtig für eine tätigkeit':
des antwurte Hagene   ich pin niht bote guot.
lât mich pflegen der kamere
Nibelungen 531, 1 Bartsch;
ob einer nicht geschickt zur lehr
gibt er ein guten arbeiter
Eyering prov. cop. (1601) 3, 273;
oft negativ gewendet: der ist kein guter mäurer, der ein stein abzunehmen verweigert Lehman floril. pol. 1, 5.
c)
bei berufsbezeichnungen, 'geschickt' in seinem gewerbe: þata insakands broþrum goþs wairþis andbahts Xristaus Jesuis got. bibel 1. Tim. 4, 6;
... gêng fiskari gôd,
Simon Pêtrus, warp an thena sêo innan
angul an ûdeon ...
Heliand 3209;
... swaz der (tiere) von lägere stuont,
di erjageten die gesellen, sô noch guote jägere tuont
Nibelungen 933, 4 Bartsch;
(die provinz) hot gar gute vogeler Marco Polo 4, 21 v. Tsch.; Hiram sandte seine knechte im schiff, die gute schiffleut und auf dem meer erfaren waren 1. kön. 9, 27; hieruf sprechent endeiles meister, sunderlichen di guden arzide, daz endeiles worden danzen, di von heiszer naturen waren Limburg. chron. 64 Wysz; und gab sich usz für einen guͦten artzet zuͦ aller krankheit Eulenspiegel 25 ndr.; viel unfals geschicht, das man nicht gute hebammen hat J. Bugenhagen Braunschw. kirchenordn. (1531) f 3; da war gar ein guter schmid zu Marppach Götz v. Berlichingen lebensbeschr. 68 Biel.; auf eine gute köchinn stelle ich überall aus und gestern ist mir eine vorgeschlagen die sehr gut seyn soll Lessing 18, 188 L.-M.; hier werd ich in gesellschaft eines guten architecten ... die gebäude besehen Göthe IV 8, 41 W.; ähnlich: ein guter griech gnarus linguae graecae Aler dict. 1, 997ᵃ.
d)
ebenso beim nomen agentis überhaupt zur bezeichnung, dasz die betr. tätigkeit zweckentsprechend ausgeübt wird: gute schwymmer ertrincken gerne und gute steyger fallen gerne Luther 11, 117 Erl.; es ligt an einem guten ausleger spricht man Luther 54, 273 W.; du ghevest ein guden vischmenger Tappius adag. cent. sept. (1545) c 7ᵇ; ein guter fürer macht das volck nacher gehen sprichw. (1548) 141ᵃ; guter tänzer Musäus volksm. (1826) 4, 130; en gueter mäder (mäher) Staub-Tobler 2, 536; entsprechend 'guter seegler ein schiff, so das wasser gut schneidet und gut segelt' Jacobsson techn. wb. 4, 116ᵃ; im übergang zu steigernder funktion: gute bancketirer geben gute banckerottirer Pistorius thes. paroem. 254;
dann er ein guͦter schlucker ist,
dem nimmer küler wein gebrist
K. Scheit Grobianus 49 ndr.;
ne gude söper (säufer) äwir ne schleite löper (läufer) rhein. wb. 2, 1510.
e)
dann allgemein von funktionen und verpflichtungen, die eine person in richtiger weise ausführt: hairdeis sa goda saiwala seina lagjiþ faur lamba got. bibel Joh. 10, 11;
(Josef) was thionostman guater   bisuorgeta ouh thia muater
Otfrid I 19, 2;
thô quad imo sîn hêrro: gifih, guot scalc inti gitriuwi Tatian 149, 4; ein guter amptmann ist desz königs unterthan und hertz Lehman floril. pol. 1, 22; das es (das landgut) einen guten hauszvater ... möge ernehren Sebiz feldbau (1571) 1; ein jeder gute haushalter sollte sie (die doppelte buchführung) in seiner wirthschaft einführen Göthe 21, 51 W.; funfzigtausend thaler hat er im vermögen und ist ein guter wirth Rabener s. w. 3, 288; wobei er stets darauf zurückkam, dasz ihr christentum sie nicht einmal dazu befähigte, ihren kindern eine gute mutter zu sein Ric. Huch vita somn. breve⁴ 466; er war keineswegs ein guter gatte Ranke s. w. 14, 42; ebenso ein guter sohn, eine gute tochter sein; vgl.gude dernen en gude das (gast) kommen betits (beizeiten) no hus rhein. wb. 2, 1510; prägnant 'fleiszig': den guten gesellen dürst Eyering prov. cop. 2, 473; bei abstrakten personalia: gut regiment, gute regierung Kramer teutsch-ital. 1, 577ᶜ;
dargegen wo gut regiment
ist über leut und über land
Hans Sachs 2, 20 K.
f)
eine andere färbung gewinnt gut wenn es, nach II hinüberspielend, auf den künstler sowohl hinsichtlich seiner kunstfertigkeit als auch im hinblick auf den wertgehalt des kunstwerks angewendet wird; mehr aufs handwerklich technische zielend 'kunstreich':
dô stuont sô minneclîche   daz Sigemundes kint,
sam er entworfen wære   an ein permint
von guotes meisters listen ...
Nibelungen 286, 3 Bartsch;
gute meister feylen auch Luthers sprichw. 18 Thiele; du bist ein guter flötenspieler Sal. Geszner schr. 1, 54; man will jetzt noch ein guter künstler und dichter sein oder werden wie vor jahrhunderten, die mittel aber, wodurch man zu dem zwecke gelangt sind nicht jedem klar Göthe 47, 19 W.; für einen guten schauspieler gelten 21, 31; es wäre zu wünschen, dasz irgend ein guter dichter sich dieser verse erbarmte und ihnen einen besseren aesthetischen zuschnitt gäbe Bremser med. paroem. 201; ist zeichnung und licht, charakter, farbe nicht bei jedem guten mahler ein harmonisches untrennbares ganze? Fr. Schlegel s. w. 6, 59; mehr von der geistigen bedeutsamkeit gesagt: sie hatte alle guten deutschen und französischen dichter fleiszig gelesen Nicolai Seb. Nothanker 1, 12; etliche dieser kirchen besitzen gemälde von guten meistern Chamisso w. 2, 129; er ist ein ... guter schriftsteller Serz idiot. 59ᵃ; mehr 'geschmackvoll': wenn der kunstrichter nicht sowohl gute schriftsteller als nur blosz gute leser bilden will Lessing 8, 39 L.-M.
2)
als epitheton des kriegers spezialisiert sich gut zur bedeutung 'wacker, tapfer, mannhaft', eine verwendung, die zweifellos bereits der ältesten sprachstufe angehört wie sie auch die hauptsächlichste im Beowulf darstellt; nur das anord. hat sie schwach bewahrt: þu nu arbeidei swe gods gadrauhts Xristaus Jesuis (ὡς καλὸς στρατιώτης) got. bibel 2. Tim. 2, 3; vgl. ags.:
þæt ūre mandryhten mægenes behōfađ
gōdra gūđrinca
Beowulf 2648;
gidan ist es nu redina   thaz sie sint guate thegana
Otfrid I 1, 111;
sie wâren guote knehte
thes keiseres vorevehten
Rolandslied 71 Bartsch;
sô seht ir helme houwen   von guoter helede hant
Nibelungen 195, 3 Bartsch;
daz er und sîne degene   wunder vil der guoten recken valten
Kudrun 1430, 4 M.;
und pflâgens mitten swerten
als guote riter solten
Hartmann Iwein 5345;
do das herr Jacob verstuͦnde, warde er zornig, dan er ein guͦtter ritter war Warbeck Magelone 33 B.; kein gedüldiger frommer mensch gibt einen guten kriegsmann Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) c 2ᵃ; die Russen sind gute soldaten, sie wanken und weichen nicht Campe 4, 467; doch wird in dieser sphäre gut schon früh zum stehenden beiwort in blasser verwendung 'vortrefflich':
... thô sprak eft the landes ward
angegin the godes sunu   gôdumu thegne
Heliand 3249;
Sîvrit was geheizen   der snelle degen guot
Nibelungen 20, 1 Bartsch;
ir minne hât gepfendet
an freuden manegen rîter guot
Wolfram Parzival 769, 13;
gut reuter bey dem weine sasz, oho,
der sich vil stoltzer wort vermasz, do do
Fischart Gargantua (1594) 92ᵇ.
3)
'tüchtig' in hinsicht der gesinnungsfestigkeit und zuverlässigkeit: se ... loveden, se wolden gude cristen bliven städtechron. 7, 33;
so mach ich ihm ein freundlich gesicht;
gute christen die thätens nicht
Göthe 4, 256 W.;
zu geschweigen, dasz es wider die pflicht eines guten bürgers läuft Rabener s. w. 1, 154; dieser auszerordentliche mann würde ... für das muster eines guten staatsbürgers haben gelten können H. v. Kleist 3, 141 Schm.; in manchem guten deutschen erwachte die hoffnung Ranke s. w. 1, 108; vgl. der ist guet, denen kann mer allein schicken Martin-Lienhart 1, 248.
4)
auch ganz allgemein 'tüchtig', ohne dasz der tätigkeitsbereich näher bezeichnet wird, vgl. ags.
Emercan sōhte ic ond Fridlan ond Eastgotan,
frōdne ond gōdne fæder Unwēnes
Widsiđ 114 Holth.:
sô ist da nieman sô guot,
sô wîse noch sô wol gemuot,
die daz gemælde kunnen sehen
pfaffe Amis 521 Lambel;
halt für gut jederman
du weist nicht was ein ander kan
Henisch 1787;
hierher auch ein guter menschenschlag 'tüchtiger menschenschlag'; de greve is uns gelegen, den syn wy guet genoch ('gewachsen') münst. chron. 1, 174 Ficker; du solt mir nicht gut genug seyn, mich eine handbreit erde weichen zu machen Kramer teutsch-ital. 1, 579ᵇ, vgl.ungut 'unfähig' Schmeller cimbr. 127ᵇ; he krichte dän wilddieb jewisse, su jut wor ä niche Jecht mansf. 45ᵃ; du pist mir nicht zi guote dir bin ich schon gewachsen Lexer kärnt. 128; oft auch ironisch im sinne 'allzu tüchtig': der ist auch guet, ich soll enweg gehn, dasz er annen kann Martin-Lienhart 1, 248; ähnlich in Berlin du bist aber jut! 'du bist ja ein ganz geriebener bursche', oder auch: der is jut, der kann so bleiben; das ist mir ein guter schlag von menschen, die jetzt auf der erde wirthschaften! Klinger w. 3, 292.
5)
in anwendung auf die eigenschaften und taten selbst in älterer sprache, doch im ganzen selten, 'tüchtige manneskraft', vgl. ags.:
... sē đe worna fela
gumcystum gōd, gūđa gedīgde
Beowulf 2543;
Sîmon Pêtrus   sprak sân angegin
êno for im allun   habda imu ellien gôd
Heliand 3056;
tho zalta Krist thia herti   theiz alleswio wurti,
baldi sines muates   joh ellenes guates
Otfrid IV 13, 30;
'tüchtige taten', vgl. ags.
swā bealdode bearn Ecgđeowes
guma gūđum cūd gōdum dædum
Beowulf 2178;
dâ tâten guote ritterschaft
niun hundert ritter die wol striten
Wolfram Parzival 214, 19;
auch in neuerer sprache noch vereinzelt unethisch:
auf, ihr brüder,
ehrt die lieder!
sie sind gleich den guten thaten
Göthe 2, 24 W.
6)
die vorstellung der tüchtigen leistung geht vom handelnden subjekt auf die leistung selbst über bei einer bestimmten prädikativen gebrauchsweise, wo gut das akkusativobjekt charakterisiert; so in mhd. sprache in direktem anschlusz an 2 in der formel ez guot tuon 'tapfer kämpfen':
Sîfrit der recke   der het ez guot getân;
des im jehen muosen   alle Guntheres man
Nibelungen 220, 3 L.; vgl. 2072, 1;
der was von riterschefte wunt
und hetz ouch dâ vil guot getân
Wolfram Parzival 46, 19;
diu maget tetz dâ harte guot
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 11016;
aber adverbial gewendet:
si hetenz dicke wol getân
an maneger riterschefte
9140;
für die jüngere sprache ist in fällen wie eine sache gut machen u. ä. die objektsbeziehung nicht mehr deutlich, sodasz gut als adv. eintritt.
7)
neben verbalsubstantiven zur kennzeichnung der tätigkeit entsprechend der funktion des adverbs bei verbaler fügung:
im ist ab guoter helfe nôt
Wolfram Parzival 578, 2;
swer alsô minnen kan, der habe undanc,
und dâ bî guoten dienest übersiht
Walther 96, 23;
ain iegleich gefügel, daz krum klâen hât, daz ist guotes fluges Megenberg buch d. natur 164; ein gut sehen ist halb arbeit Henisch 1795; guͦte wartung bringt ain langkwirig alter Mayr sprüchw. (1567) e 5ᵃ;
... solche kranke
wie du, mein sohn, verlangen gute pflege
Schiller 5, 2, 206 G.
C.
eine weitere abart der teleologischen verwendung beruht darauf, dasz gut den durch einen vorgang herbeigeführten effekt oder den handlungsverlauf selbst in der weise näher bestimmt, dasz er als den zwecken eines beteiligten subjekts angemessen erscheint, d. h. 'günstig, glücklich'; ob schon anord. þenn varđ gott til fjár Möbius altn. gloss. 146 bereits so wie gut werden (vgl. 2) aufzufassen ist oder als subst. neutr. gelten musz, bleibt zweifelhaft, doch spricht die vereinzelung des falles eher für die zweite möglichkeit.
1)
in attributivem gebrauch.
a)
bei konkreten begriffen wie wind, wetter, vgl. vom guͦten oder glücklichen wind Frisius 83ᵃ:
daz ich vor diseme berge   mit guoten winden ûzer not entrünne
Kudrun 1132, 4 M.;
Hetele und die sîne   guoten luft gewan.
si begunden segelen   nâch ir vîanden
846, 2;
inndem stund auf ein guter wind;
der patron wolt abfaren gschwind
H. Sachs 2, 258 K.;
die götter dörfen mir nur guten wind verleihen
Gottsched dtsche schaubühne 2, 11;
gut si uch weder unde wint
Elisabeth 594 Rieger;
daz weter wart gût
gevuge unde ouch linde
passional 48, 78 K.,
s. Urban, der sol gut wetter zum wein geben Luther bibel 4, 118 W.; (Dionysius,) da er den tempel beraubet hatte und gut wetter zu schiffen kreig, das er sich rhümet und sprach: sehet wie gut wetter gibt gott den kirchendieben 19, 380; anders gutes wetter 'schönes wetter' s. unter III A 2; gute reise, fahrt:
man grüezet sunderlingen   die künige und ir man.
wir haben niht guoter reise   zuo dirre hôhgezît getân
Nibelungen 1738, 4 Bartsch;
ir geschach ein guote vart
Boner edelstein 53, 50;
gute fahrt wird den schiffern gewünscht Fr. L. Jahn w. 2, 921; guter weg 'günstiger, sicherer weg': kain conscientz haben, ist ain guͦter weg reich zu werden G. Mayr sprüchw. (1567) e 7ᵃ.
b)
bei begriffen, die einzelne phasen eines handlungsverlaufes ausdrücken wie anfang, fortgang, verlauf, ende u. ä.:
daz anegenge ist selten guot daz bœses ende hât
Walther 83, 39;
guͦte anfang initia bona Frisius 159ᵃ; guter anfang macht guten fortgang Wander 1, 81; guter fortgang hat oft bösen auszgang Lehman floril. pol. 850; sie hatte plötzlich das gefühl, dasz alles einen guten verlauf nehmen werde Fontane ges. w. I 1, 327;
swer ir vîent ist, dem wil si mite
rûnen; daz guot ende nie genam
Walther 53, 12;
wenn ich betracht im hertzen mein,
das allzu schnell und küner rath
kein gut ende nie genammen hat
Hayneccius Hans Pfriem 23 ndr.;
angesehen ... E. May. beger ich nicht volführen noch zu gutem ende bringen (kann) Amadis 1, 19 lit. ver.; formelhaft: fürbas zuͦ gon syn walfart und die volbring zuͦ einem guͦten end Geiler v. Keisersberg bilgersch. (1512) 16ᵇ; wen gleich dy sach nicht eyn guten auszgangk gewünne Hutten opera 2, 190 B.; anders gutes ende als 'erfreuliches, angenehmes ende' siehe unter III A 4.
c)
bei begriffen, die die zeitlichen umstände der handlung angeben wie zeit, stunde, gelegenheit u. ä.; gute zeit: gut tijd tempus fortunatum lune Diefenbach nov. gloss. 360ᵇ; so bedeutet namentlich die formel zu, bei guter zeit zunächst 'zu passender, rechter, gelegener zeit', auch 'zu einem bestimmten zwecke günstiger zeit': ehe er zu bequemer guter tagezeit das läger erreyche Kirchhof milit. disc. (1602) 100; ist er zu gutter zeit da erschienen Xylander Polybius 255; das Pisaner schiffe ... do guͦter zeit meinet zewarten Arigo decam. 93 K.; etwas anders: so besuchten sie mich vielleicht bey guter tageszeit auf ein stündchen, vielleicht im mittage Göthe IV 17, 243 W.; im sinne 'rechtzeitig':
wie man den causenmacher kan
bey guter zeit zurücke treiben
Chr. Weise grün. jugend 43 ndr.;
Fitz versprach zu guter zeit in den hallen des riesenschlosses wieder einzutreffen Göthe 24, 59 W.; spezialisiert im sinne 'frühzeitig':
(du sollst) der erst in d platten greifen
und nemen rausz bey guͦter zeit
das best, an welchem ort es leit
K. Scheit Grob. 635;
darauf nahmen sie bey guter zeit abschied und fuhren davon Chr. Weise erznarren 91 ndr.; it mot gût tyt krammen, dat ein gût hake wêrden sal Tunicius sprichw. nr. 969 Hoffm.;
wer nichtes widerlichs mag hören oder sehen
der mag bey guter zeit hin zu den vätern gehen
Rachel sat. ged. 35 ndr.;
wenn sich die megdlein gut zeit wo für halten, so thun sie gut zeit alten Petri d. Teutsch. weiszh. 2, D d d 3ᵇ; in bezug auf die tageszeit einmal 'frühzeitig am morgen': (ich) wünschte daher, dasz sie sonntags bey guter zeit von Weimar ausführen Göthe IV 32, 33 W.; der herr professor (soll) morgen bei guter zeit den zugang gebahnt finden G. Freytag ges. w. 7, 339; dann 'frühzeitig am abend, noch vor dunkelheit': wir kamen noch bey guter zeit in Schaffhausen an U. Bräker s. schr. (1789) 1, 90; (um) dann noch bei guter zeit die letzten meilen bis zu Manfreds wohnung zurück zu legen Tieck schr. 4, 45; gute stunde, vgl. glücklich oder unglücklich, in einer guͦten oder bösen stund Frisius 158ᵇ:
(Äneas) traf an desz glücks ein gute stund
Spreng Ilias 12. ges. 255ᵃ;
für die proben (musz) ... immer erst die gute stunde kommen Gutzkow ges. w. 4, 128; präpositional formelhaft 'zur günstigen, passenden zeit':
wann sie dann all sind überwunden (vom wein)
so schlafstu auch zu guͦter stunden
K. Scheit Grob. 2077 ndr.;
Gelanor sagte, wo dieses (gesuch) dem fürsten zur guten stunde ist uberreicht worden, so ist kein zweifel, dasz ... Chr. Weise erznarren 186 ndr.; ew. wohlgebornen beyde freundliche briefe beantworte ich zur guten stunde: denn indem mein sohn August seine herreise zurückgelegt hat, so ist das kleine nunmehr vollendete werk eben im begriff die hinreise nach Leipzig zu machen Göthe IV 21, 98 W.; 'zur richtigen zeit, rechtzeitig':
indehm so boll in guter stund
Melampus unser hirtenhund
und dieses war mein höchstes glücke
Stieler geh. Venus 136 ndr.;
zur guten stunde kam ihm Philipp von Hessen zu hülfe Ranke s. w. 2, 151; (er) versäumte, diese rettenden anker zu guter stunde auszuwerfen Fontane ges. w. I 1, 202; bezüglich der tageszeit 'frühzeitig':
schau da, bey guten stunden
ich hab gewachet früh
Spee trutznacht. (1649) 63;
und nach Bodinkthorpe reiten
morgen wir zu guter stunde (vorher in aller frühe)
Fr. W. Weber Dreizehnlinden 341;
etwas anders 'früh genug': frisch voran des morgens den luftigen höhen entgegen ... bedacht zu guter stunde herab zu tisch und obdach, den wettersturm zu meiden und ... die nacht v. Barth Kalkalpen 636; auf die innere disposition des subjekts zielend: doch wird, wenn man zu guter stunde ein paar seiten drinne liest, die geistreiche behandlung immer reizend seyn Göthe IV 13, 346 W.; heute aber sasz ich wieder hier ... und hatte einen guten augenblick IV 3, 95; gute gelegenheit: (die sprichwörter) sproszten und sprieszen plötzlich auf bei guter gelegenheit Körte sprichw. (1837) vi; hätte ich damals geheirathet, damals, als ich so gute gelegenheit (hatte) Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 13.
d)
bei begriffen, die die erfolgsmöglichkeit des handlungsverlaufes andeuten wie zeichen, vorbedeutung, aussichten u. ä., vgl. ein gutes zeichen faustum omen Reyher thes. (1668) 2, 2560: aber das ist nit allweg ein gut zeichen Geiler v. Keisersberg post. 2, 39; (kluchsen) ist ein guͦt zeichen eins unflats K. Scheit Grob. s. 105 ndr.; nach überstandener gefahr hielt er diese begebenheit für ein gutes zeichen Göthe 43, 20 W.; (Götz) hielt das für ein gutes wahrzeichen Ranke s. w. 1, 138;
o, mög es gute vorbedeutung sein
für meiner frauen zukunft
Grillparzer I 6, 13 S.;
ich nehm es als eine gute vorbedeutung Fontane ges. w. I 5, 159; gute aspecten Kramer teutsch-ital. 1, 578ᵃ; das waren keine guten aussichten W. v. Polenz Grabenhäger 1, 5; ähnlich auch: ein glückfal, ein guͦter schick fortuitum bonum Frisius 159ᵇ.
e)
bei begriffen, die den handlungseffekt ausdrücken wie abhilfe, erfolg, wirkung u. ä.; hierher gehört bereits mhd. guot rât werden m. gen. d. sache 'glückliche abhilfe schaffen':
bevindent siz, sô ez ergât,
des wirt danne guot rât
Hartmann Iwein 944;
des sol doch guot rât werden
Wolfram Parzival 340, 13;
der schande würde guot rât
Moritz v. Craûn 1665 Schr.;
nachwirkend in: dem wer noch gut rat zu thuͦn Eulenspiegel 24 ndr.; für den wald fanden wir eine gute auskunft Göthe 21, 35 W.; (sie) verkündigte ihrem bräutigam den guten erfolg ihrer bitten Brentano ges. schr. 5, 44; das blatt wird eine gute wirkung thun Göthe 11, 49 W.; auch als wunsch: wünsche guten erfolg, gute besserung u. ä.: und gute besserung! Geibel w. 7, 141; ich wünsche gute verrichtungen Kramer teutsch-ital. 2, 347ᶜ.
f)
in älterer sprache gutes heil 'günstiges glück, glücklicher erfolg':
zwâre so hâstû guot heil,
gescheidestû mit êren dan
Hartmann Iwein 596;
als wunsch:
ode vart iuwer strâze
mit guotem heile
833;
god hael dy vale Diefenbach 605ᵇ; 'gut heil' ist ein deutscher grusz wie nur irgend einer Fr. L. Jahn w. 2, 921.
2)
in prädikativem gebrauch; die unter 1 angeführten belege sind auch in prädikativer wendung möglich, doch im ganzen bleibt diese weniger häufig; hier kommen daher nur fälle in betracht, die nur prädikativ vorkommen; bis ins 16. jh. mit persönlichem dativ mir wird etwas gut 'es wird für mich günstig, es schlägt mir glücklich aus, es gelingt mir':
iu habt ez eine, werde iu z guot
Hartmann Iwein 854;
wie mancher desz begeren thuͦt,
es wirt im aber nit so guͦt
K. Scheit Grob. 3415 ndr.;
der inen noch für und für feind war und in tröwet, das stettlein zuͦ verbrennen, wa es im möcht so guͦt werden Lindener rastbüchl. 24 lit. ver.; denn ich fürwar sein acht genommen habe, wo es ihm als gut werden mag, er dich von gantzem hertzen anblicken thut buch d. liebe (1587) 236ᵃ; ohne personaldativ, vielfach auch mit pronominalem neutrum als subjekt oder sache:
die sache ist noch ytel guot
Hans v. Bühel königst. 1866 Merzd.;
es mag all sach noch werden gut
Hans Sachs 2, 26 K.;
es habe ein schulmeister nach zwölfjähriger gefängnusz endlich den schlusz erhalten, seine sache wäre gut geworden Chr. Weise pol. redner (1677) 151; alle sachen stehen gut, nur die meinigen nicht samml. v. schausp. (1764) 1, 4;
ir mugt ez dannoch heizen guot
ob erz willeclîchen tuot
Hartmann Iwein 1923;
besonders: es wird gut 'es geht günstig aus': aber (die frau) wol gedacht, es möcht noch guͦt wern Arigo decam. 79 K.; da gedacht Ulenspiegel, daz wil nit gut werden, wöllen die thoren die warheit sagen, so mus ich warlich wandern Eulenspiegel 41 ndr.;
(ich) hoff alles werde gut und recht
Opitz t. poem. 37 ndr.;
s irrt ihn, ohm! das wird nicht gut!
Müllner dram. w. 1, 54;
etwas anders: es ist gut 'es ist im wünschenswerten zustand': wollte gott, ich hätte den unseligen sprung nicht gewagt! alles wäre gut gewesen Gerstenberg Ugolino 250 nat.-lit.; so wäre jetzt alles gut! maler Müller w. 1, 148.
D.
unpersönliche konstruktion es ist gut 'es ist passend, zweckmäszig, ratsam, richtig, nützlich, geziemend' usw. ohne personaldativ tritt bereits in der ältesten übersetzungsliteratur auf; für die gleichfalls alte verbindung mit persönl. dativ vgl. sp. 1231; in der bedeutung treten verschiedene der unter A bis C behandelten nuancen auf, die aus gründen syntaktischen interesses (arten der abhängigkeit) nicht besonders geschieden werden.
1)
mit abhängigem infinitiv: unte ni goþ ist niman hlaib barne jah wairpan hundam got. bibel Mark. 7, 27; aþþan goþ ist aljanon in godamma sinteino Gal. 4, 18; ... gôd is it hêr te wesanne Heliand 3138; ist kuot, ze sagenne dina gnada Notker ps. 91, 3; is ist gut, etwas czu wissen prov. Fridanci 61; es ist guͦt, unglückhaftiger leute müszig gon sprichw. (1548) 158ᵃ; indesz ist es doch gut, hier bey der untersuchung nicht zu streng zu verfahren Klopstock gelehrtenrepubl. (1774) 4; nicht selten mit umstellung unter ellipse des neutr. pron.: die ader aufs creutz ist gut zu lassen, wenn sich ein rosz hat wehe gethan J. Walther pferde- u. viehzucht (1658) 158;
guten worten ist nicht alzeit gut zu trauen
J. Grob dicht. versuchg. (1678) 30;
muste man erst in tausend generationen so weit kommen, es einzusehen, dasz die sprache zu verbessern gut sey Herder 5, 107 S.; von dem, was ich thue, ist nicht gut reden Göthe IV 19, 410 W.; an solche geheimnisse sei nicht gut rühren I 25, 295.
2)
mit abhängigem nebensatze bei selbständigem subjekt.
a)
alt durch dasz eingeleitet; 'es ziemt sich': kuot ist, daz man in lobot Notker ps. 146, 1; 'es ist günstig': is ist gut, das her icht hat prov. Fridanci 70; es ist noch gut, dasz er warnet Grimmelshausen 2, 344 K.; 'es ist zweckmäszig':
wedr ist ez übel od ist ez guot,
daz ich min leit verhelen kan
Walther 120, 25;
es ist nicht gut, das der mensch allein sey 1. Mos. 2, 18; aufs erste were wol gutt, das Luther 12, 12 W.; es were gut, dasz man nicht nur salbte, sondern Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 8; es ist gut, dasz man von zeit zu zeit aus seinen umgebungen zu scheiden ... genöthigt wird Göthe IV 32, 242 W.;
es ist gut und ist recht,
dasz verschiedene kräfte
im groszen staatsgeflechte (sind)
Rückert w. 1, 47;
verkürzte formen: ist gut, dasz also gerathen ist Eyering prov. cop. 3, 109; die herrn ist gut, dasz man sie weit hab sprichw. (1548) 162ᵃ;
gut, dasz Europa christlich worden
Stoppe Parnass (1735) 16;
gut, dasz es die menschen nicht so genau mit einander nehmen Göthe IV 6, 57 W.; 'es trifft sich günstig':
gut, Hafi, dasz du kömmst
Lessing w. 3, 44 L.-M.
b)
jünger ist konditionalsatz mit wenn, doch vgl. mhd.:
ich vürhte, ez sî mir niht guot,
obe ich mit der hôchvart var
Mai und Beaflor 38, 10;
es ist nicht gut, wenn die stüle auf die benck hüpfen wöllen Henisch 277; es were nicht gut, wenn die geisz ein schwantz hett Lehman floril. pol. (1640) 53; es ist gut, wenn wir uns das alles deutlich vorstellen Jung-Stilling w. 3, 29 Gr.; mit konjunktivischem nebensatz vereinzelt:
hæte ich dînem râte
gevolget, daz wære guot
Moriz v. Craûn 1752 Schr.
c)
mhd. in verbindung mit partizipialkonstruktion:
nû râta, degen Sîfrit,   waz des guot sî getân
Nibelungen 312, 4 L.;
daz wær gelâzen alsô guot
Ulrich v. Eschenbach Alexander 486 T.
so ist es auch guet auf den see an beiden orttern ain wenig pley daran gesenket Tegernseer angelb. zs. f. d. a. 14, 165.
II.
aus der vorstellung der tauglichkeit für einen bestimmten zweck entwickelt sich gut als absoluter wertbegriff, der ohne teleologischen beisinn rein den äuszeren oder inneren wert eines gegenstandes oder einer person ausdrückt; da lat. bonus in gleicher funktion gilt, ist nicht auszumachen, wieweit das germ. das adj. als blosze qualitätsbezeichnung selbständig entwickelt hatte; noch auf der grenze zu I steht ags.
standed mē hēr on eaxelum Ælferes láf,
gód ond geapneb, golde geweordod
Walderebruchst. 2, 19 Holth.
A.
in anwendung auf dingliche subjekte, konkrete und abstrakte.
1)
im sinne 'wertvoll, kostbar', besonders von kleidungs- und schmuckstücken, perlen, edelmetallen usw.: manne suohhentemo guotâ merigriozâ Tatian 77, 2; gute perlen Matth. 13, 45; guter stein ist im mhd. fester begriff 'edelstein':
vingerlîn kleine
mit eime guoten steine
Moriz v. Craûn 606 Schr.;
vier unt zweinzec pouge   mit gesteine guot
Nibelungen 558, 1 Bartsch;
hwat thu at thesaru thiodu   thiggean willies
gôdaro mêdmô ...
Heliand 4489;
ich wil es wol gelauben, das er kostliche klainat hab, so er üch so guͦter ring zwen geschenkt hat Fortunatus 115 ndr.; die plenschen tragen die indianer am gestirn für ein zir als hie zu landt die grosen herren guette khetten am hals tragen U. Schmiedel reise n. Südamerika 31 lit. ver.;
von Ninnivê der sîden   si den porten truoc,
mit edelem gesteine:   jâ was er guot genuoc
Nibelungen 850, 2 Bartsch;
dar in si leiten steine;   des wurden guotiu kleit
362, 3;
übermuot und guot gewant
was iu durch mich unerkant
v. d. jungesten tage 579 Will.;
ab wol di kleider sint kostlich unnd gut,
treid di ein mensche an itel ere,
wer kan si ym danne verkere?
Joh. Rothe lob d. keuschh. 812 N.;
hab erst das gute kleid da von den schultern
und umgehüllt dein derbes schifferwams
Grillparzer s. w. 7, 31 S.;
ein böser ris ynn ein guͦt tuch Luthers sprichw.-samml. 4 Thiele, vgl. guttuch, guttüchen von echtem scharlachtuch Schmeller-Fr. 1, 963 und
guͦt lündisch rot von tuͦch er (der rock) was
Hans Folz ebda;
etwas anders 'kostbar wegen seiner heiligkeit' vom rock Christi:
thiu tunicha thiu guata   bi thia ther loz suanta
Otfrid IV 29, 15;
ebenso von stoffbezeichnungen 'kostbar':
joh hete er under brünne   von vil guoten sîden
von Abalîe ein hemede
Kudrun 864, 3 M.;
guot man ist guoter sîden wert
Walther 44, 10;
namentlich von edelmetallen 'wertvoll':
nemet von mir ze minne   ditze golt vil guot
Nibelungen 1559, 2 Bartsch;
zweintzig (striche) von kostbarlichem zin
auch zwölff von gutem gold fürhin
Spreng Ilias 10. ges. 138ᵃ;
die verpfändeten zwei kasten
... glaubten sie voll guten goldes
Herder 28, 510 S.;
dann auch im sinne 'gediegen, echt': auch ist die müntz gefelschet, kain guͦt gold kan man meer finden Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 10 ndr.; jetzt wollen wir einmal sehen, wie die geschenke beschaffen sind, vor allem die probe, ob es gut gold ist Brentano ges. schr. 5, 103; mehr technisch: silberertz ..., wann sie nicht gar gedigen und gut Ercker mineral. ertzt (1580) 3ᵃ; von münzen: gulden gut am golde und swer gnug am gewichte lehnsurk. Schles. 1, 106 Grünh., vgl. Fischer schwäb. 3, 942; gut von gold heiszt zunächst 'kostbar, weil aus gold gearbeitet':
ouch was der zoum rîche genuoc,
daz gereite (sattelzeug) guot von golde
Hartmann Iwein 3463;
mundartlich im sinne 'von echtem golde': guet vom gold Schmeller-Fr. 1, 963; des kreutzl is gued von silber ebda, vgl. Schöpf tirol. 220, Fischer schwäb. 3, 942; auch ohne materialangabe im sinne 'echt von gold bzw. silber': vast köstlich (meszgewänder) von gulden stücken, sammat und damastkt mit guten kreuzen städtechron. 15, 159; e guede haubm haube mit echtem silber oder golde gestickt Schmeller-Fr. 1, 963; guete borten Schöpf tirol. 220; es ist nicht alles gut, was vergoldet ist Fischer schwäb. 3, 942; 'kostbar' auch von spezereien:
(ich habe) ... mîn guote salben vlorn
Hartmann Iwein 3689;
weil solche brü gewürtzet sey
mit guͦter thewrer spetzerey
K. Scheit Grob. 1629 ndr.;
auch sonst vielfach von dingen besonderen wertes: zu Ach hab ich gesehen die proportionirten seulen mit ihren guten capitelen von porfit grün A. Dürer tageb. 64; da sinds eitel flüchtige fladdergeister, bescheiszen die weil viel guts papyrs mit unnützen vergeblichen worten Luther 26, 303 W.; gute prise in der seefahrersprache: was ein deutscher einem ausländer abnimmt, sey immer gute prise Lessing 10, 274 L.-M.; der frachtvertrag tritt auszer kraft, wenn ... das schiff ... für gute prise erklärt wird handelsgesetzbuch § 628; feste formel, wohl aus I A 5 a β entwickelt, gutes geld 'wertvolles geld': wenn er mit seinem guten gelde ... nichts denn leeren wind und nichtige hofnung erkauft Thomasius kl. dtsche schr. 136; ein mann ..., der um sein gutes geld auch ein Mäcenas sein will A. Stifter s. w. 1, 94; mehr quantitativ: dort bepackte ich mich für gutes geld mit tabak Göthe 33, 88 W.; mit affektgehalt nach IV hinüberspielend: mein gutes geld tut mir leid, vgl. Fischer schwäb. 3, 942; dafür ist mir mein gutes geld zu schade u. ä.
2)
'hochwertig, qualitativ hervorstechend', dem äuszeren werte nach; vielfach bei gegenstandsbezeichnungen in betontem gegensatz zu einer geringwertigen art.
a)
in anwendung auf genusz- und nahrungsmittel seit alters: iogiwelîh man zi êrist guotan wîn sezzit inti mit thiu siê foltruncanê sint, thanne thaz thâr wirsirâ ist Tatian 45, 7;
si fuorten rîche spîse   dar zuo guoten wîn,
den besten den man kunde   vinden umben Rîn
Nibelungen 380, 1 Bartsch;
und sandten nach malvasier, den man da guͦt fand Fortunatus 60 ndr.; wo der wein gut ist, darf man kein reif auszhencken Eyering prov. cop. 3, 577; spezifisch im gegensatz zum sauren wein: sy züchend gären vom suren zürichwin zum guͦtten Platter 61 Boos; redensartlich: er drinkt guete wi er ist beim wein lustig Seiler Basl. ma. 153ᵃ; modern: eine gute flasche, einen guten tropfen trinken; ist gut bier, es gilt dir, liebes thier, ein stübgen oder vier Fischart Garg. (1594) 96ᵃ; terminologisch god beer vollbier Mensing 2, 424, vgl. gutbier; gueti oder ganzi milch vollmilch Friedli Bärnd. 1, 483; ebenso in Schlesien, vgl. Martiny wb. d. milchwirtsch. 49; es guetes kaffi kaffee ohne surrogat (Basel) Staub-Tobler 2, 537; e guets kaffe kaffee mit rahm Tobler appenzell. 245ᵃ; gute frische meyesche putter (maibutter) Luther 38, 234 W.;
das brod sei frisch, die butter gut
A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 87;
terminologisch ist gute butter im gegensatz zur kunstbutter (margarine);
dein brot sey weder warm noch alt
geseurt und leicht, nicht gar ohn saltz,
von gutem getreyde wolgebacken
regimen sanitatis (1642) a 4ᵇ;
dat wilk die lehren, ehr, als gode klütjen backen
lust. hochzeit (1708) in: nd. jahrb. 8, 136;
guete leckerli honigkuchen von feinerem mehl Tobler appenzell. 245ᵃ; dasz für das pf. guete fische aber als hecht, forellen, aal, treischen und esch 12 kr. bezahlt werde (v. j. 1790) Staub-Tobler 2, 538;
de mussel is good fis
wenn de anners nix is
Lüpkes seemannsspr. 6;
friske ejere (eier), gude ejere Bauer-Collitz 25ᵃ; wenn ich mir einen neuen tabaksbeutel voll guten ächten ungarischen wünsche v. Gaudy s. w. 13, 89; z. b. eine gute zigarre; feine und gute braugersten sind weiter gefragt kreuzzeitg. v. 16. 8. 34., wo gut wie in moderner handelssprache häufig die zweitbeste qualität bezeichnet; ähnlich spricht man von einer guten sorte, guten marke gegenüber der besten einerseits und der billigen anderseits.
b)
entsprechend bei waren und produkten aller art, oft technisch: ich hab zu Frankhfurt stan lassen in der vast im 49. jar ... meinem wirt: item am ersten (saumtuch) guter arbait 3 tausend und 6 hundert und 55 duczet, item mer 9 hundert und 31 duczet ausschusz Ott Ruland handlgsb. 27 lit. ver.;
die selben schaf gend guͦte wullen
Nikl. Manuel 60 Bächt.;
bonwolle, (die) ... geschowet und von unsern schowern erlobet und guͦt gegeben ist (15. jh.) wttbg. geschichtsqu. 8, 131; wer den nahmen hat, dasz er gut garn spinnet Lehman floril. pol. 1, 326; man unterscheidet (in der baumwollspinnerei) gewöhnlich guten abgang ... (und) schlechten abfall Prechtl techn. encycl. 21, 362; gute libetten ..., kupfer, so von garschlacken durch nochmaliges schmelzen im frischofen gewonnen Jacobsson techn. wb. 2, 176ᵇ; gut erz ... ist reichhaltiges, edles erz 2, 177ᵃ; gut wahr merces, res venalis Henisch 1785; sein dinck ist nit guͦte waar Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 22 ndr.;
gut und schlechte wahren
durch desz meeres tiefe fahren
Schupp schr. a 1ᵇ;
gute ware lobt sich selber, verkauft sich selber
Fischer schwäb. 3, 941;
ein gutes exemplar (des divan) ist für dich bestimmt
Göthe IV 32, 52 W.;
(er) schicket ihnen hiermit eine mittelmäsige scheere, ein gutes messer und leder zu zwey paar pantoffeln. sie sind alle von gutem stoffe
IV 1, 163;
entsprechend modern z. b.
wir verwenden für unsere fabrikate ausschlieszlich gutes material;
etwas anders:
die (dem büttgesellen) entgegenstehende seite heiszt der gute rand, weil das papier von dieser seite ein wenig stärker ist
Jacobsson techn. wb. 7, 30ᵇ;
ähnlich wird bei stoffen die gute seite, die rechte seite, gebildseite usw. von der innenseite unterschieden; diese qualitative sonderung gilt auch für die sprichwörtliche wendung (über ihren ursprung vgl. zs. f. dtsche maa. 3, 279 f.) kein gutes haar, kein guter faden (ist an dem menschen), vgl.wo haut und har bose ist, da wird kein guter peltz aus Luther 19, 514 W.; da ist weder haut noch haar gut Henisch 1788;
an fauler waar
ist kein gut haar
Binder sprichw. 206;
es ist doch keine gute haar an keinem studenten Schoch studentenleben (1657) c 8ᵇ; et is ken gut haͦr an ieme Bauer-Collitz 45ᵃ; kein guete fetzen (faden) an eim lan eine vernichtende kritik üben Staub-Tobler 2, 539, auch kein gutes haar an einem lassen in gleichem sinne.
c)
halb terminologisch in mehr relativer verwendung im sinne 'schön, fein', auch 'neu': item 37 m. 4 scot vor 5 gute panzer Marienb. treszlerbuch 220 Joach.; das gute geschirr das feine porzellan; alle ihre guten kleider und neues hausgeräth im stich lassend A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 264; der gute anzug (neuer anzug) Müller-Fraur. 1, 452; guter rock gala-, sonntagsrock Fischer schwäb. 3, 942; et gud kled rhein. wb. 2, 1512; von hier aus zu verstehen die guet kammer kammer, in welcher das bessere an kleidern und sonstigem hausrat aufbewahrt wird Schmeller-Fr. 1, 963; ein solcher (stammbaum) sei allerdings noch da und befinde sich halbvergessen in der 'guten kammer' Steub wand. im bayr. geb. 27; anders die gute stube, das gute zimmer prunkstube, salon: die sopha- und stuhlkappen aus den guten zimmern Schiller br. 7, 175 Jonas; de gud stuff, gud kamer staatszimmer rhein. wb. 2, 1512; gute stube Sudermann d. hohe lied 312, Müller-Fraureuth 1, 452; (er) war nun erst imstande, sich all der kleinigkeiten zu freuen, die die 'gute stube' schmückten Fontane ges. w. I 3, 290; im sinne 'rein, frisch' bergmännisch gut wetter: gut wetter ist die gute reine luft in der grube Junghans gräubl. ertz (1680) c 3ᵇ.
d)
terminologisch bei zeitbestimmungen wie tag, woche und wochentagsnamen, vgl. Grotefend zeitrechn. 78 f.
α)
im sinne 'hoch, heilig' namentlich bei den festtagen und wochentagen der karwoche und des osterfestes, wo vielleicht die bedeutung V A 2 nachwirkt: de gude weək karwoche rhein. wb. 2, 1512; Westenrieder 224; guder mandag (montag vor ostern) Stralsunder chron. 1, 58; dit schach an deme guden dingstage (dienstag) Schiller-Lübben 1, 520; an dem guden middeweke in der martelweke (v. j. 1383) bei Grotefend a. a. o.; an der guten mittwochen Richental chron. d. Const. conzils 64 lit. ver.; der gut dunstag cena domini Diefenbach nov. gloss. 84ᵃ; item in den spital uff den guden donnerstag in der karwochen (v. j. 1372) urk. in: Limb. chron. 125 Wysz; auf dem guten donnerstag (mögen sie predigen) ... vom osterlamb Bugenhagen Braunschw. kirchenordn. (1531) o 2; so noch mundartlich z. b. rheinisch, vgl. rhein. wb. a. a. o., und schweiz., vgl. Staub-Tobler 2, 539; der gude fritage parasceve Diefenbach 412ᵇ; des goeden vrydags vor paeschen (v. j. 1314) bei Grotefend a. a. o.; das gelt berechente uns der scheffer am guten frytage Marienb. treszlerbuch 340 Joachim; wie die kirche gesungen am guten freitag Luther 20, 334 W., mundartlich s. rhein. wb. a. a. o., Staub-Tobler a. a. o., Knothe schles. 277; am Niederrhein auch gudə sodeschtig rhein. wb. a. a. o.; auch von andern feiertagen gesagt:
up einen gueden Cristusdaich
zo allen drin (er) misse sprach
Gottfrid Hagen reimchron. 128;
in deme guden donredage dyner claren weldighen hemmelvard Schiller-Lübben 1, 540; ene gudə dag ein festtag, gure dags an feiertagen, der gudə dag han zur ersten hl. kommunion gehen, sei gudə dag hon die osterkommunion empfangen rhein. wb. a. a. o.
β)
speziell der gute montag, wohl zu gut III A 2 gehörig, als der blaue montag bei den handwerkern, vgl. Grimm myth.² 113; in Norddeutschland terminologisch für den montag nach trinitatis, den tag des maigangs einiger handwerke, s. Grotefend zeitrechn. 79 f., der zugleich einer der vier jahrestermine ist; meist allgemeiner arbeitsfreie montage und zechtage:
ich guetter montag mach dolkopf
lere peuttel und volle kröpf
meisterlieder d. Berliner hs. germ. fol. 23 nr. 231;
was manche handtwercksleuth ... die die wochen uber mit irer schweren arbeit zusammen treiben, das musz am sonntag oder auffn guten montag versoffen sein Sigismundus Suevus Herodis bancket (1569) c 5ᵇ; disz jar würd ein schalckjar sein von halb hundert guͦten faul montagen Fischart praktik 3 ndr.; bey den handwerckern herkommen und noch übrig sey die gewohnheit einen guten montag zu machen Prätorius philos. col. 184; in neuerer zeit angeblich noch schweiz., s. Grimm myth. a. a. o. und obersächs. nach Müller - Fraureuth 1, 452, hier wohl nur in der bergmannssprache, vgl.so genannte gute montage und andere muthwillige sauftage sind gäntzlich verbothen Chr. Herttwig bergbuch (1734) 134ᵃ; dann übertragen: guter montag 'erntefesttag, so genannt, aber am sonntag gefeiert' Bruns volksw. d. prov. Sachsen 27ᵇ; mehr formelhaft:
de soine, di do geschaich
up einen gueden maindaich
reicht na paischen veirzein naicht
Gottfrid Hagen reimchron. 6276;
auch lediglich guter tag für den 'montag', vgl. Grotefend a. a. o., wo belege, u. Grimm myth. a. a. o.: die prudere mugen ezzen fleisch an deme guten tage auzerhalb des coventes (v. j. 1286) bei Schmeller-Fr. 1, 964; dis geschach do man zalte von Cristes giburte drincehin hundert jar an dem nehesten gutendage (montag?) urk. v. j. 1300 urk.-buch d. kl. Heiligkreuztal 1, 62, doch vgl. auch gutentag 'mittwoch' an alph. stelle.
e)
'hochwertig' in hinsicht auf die spielstärke: ein guͦter steyn im brett sprichw. (1548) 89ᵃ; bildlich: einen guten stein im brett haben (bei jemand) haver un buon patrone Kramer t.-ital. 2, 950ᵇ; behalt ein guͦt blat (im kartenspiel) auf die letzsten lässe sprichw. (1548) 140ᵃ; wer weisz, ob er ein bösz oder gut kart bekompt, hat ers, so sieht ers Lehman floril. pol. 2, 627; so noch heute z. b. ich muszte das spiel verlieren, denn ich hatte keine guten karten.
f)
in der musik und metrik vom 'schweren, betonten' teil des taktes: denn so wie der accent bey tiri auf der zweyten sylbe liegt, so fällt derselbe bey didll auf die erste und kömmt allezeit auf die note ein niederschlage oder auf die sogenannte gute note Quantz anweisung (1789). 69; der gute tacttheil, nehmlich im schlechten tacte die erste minima, das 1 ste und 3 te vierthel Walther mus. lex. (1732) 106 für franz. bon temps de la mesure; ebenso in der metrik vom akzenttragenden taktteil.
g)
als glied einer werteskala ohne substantiellen eigengehalt; so in den schulzensuren: sehr gut, gut, im ganzen gut, ziemlich gut, genügend usw.; weiter in wendungen wie: eine gute zensur erhalten; ein gutes zeugnis ausstellen; eine gute leistung aufweisen und in der sportsprache: in guter form sein, ein gutes rennen machen u. ähnl.
h)
gut machen spezifisch im sinne 'eine hochwertige qualität herstellen, veredeln, verfeinern': kirschen gut machen veredeln Müller - Fraureuth 1, 452; im bilde:
ich war ein wilder reben
du hast mich gut gemacht
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 343;
technisch: die gröbern graupen, welche nicht durch das obere sieb fallen und die gut gemachten graupen in dem 2 ten siebe fallen zur seite heraus Jacobsson techn. wb. 5, 767ᵃ; guet mache mästen Seiler Basler ma. 153.
3)
als epitheton bei städten in verschiedener färbung; zunächst in bezug auf festigkeit und wohlhabenheit, noch gehaltvoll:
wes sint disiu erbe und ditze rîche lant
und ouch die guoten bürge? wie ist er genant?
Kudrun 1226, 2 M.;
ende was ein schedeliche boese vrouwe, alle de cristenheit zo schinnen und goide stede zu verderven städtechron. 13, 183; und ist etwan gewesen ein gute stadt, nun ist es ein clain dorf Schiltberger reiseb. 72 lit. ver.; terminologisch gute städte in Württemberg seit 1811 sieben alte residenz- bzw. reichsstädte mit besonderen rechten, vgl. Fischer schwäb. 3, 942; blasser: der mann stand vielleicht in Boppard oder Greifswald oder in Görlitz, in einer von den guten alten städten Moltke ges. schr. u. denkw. 7, 61; mit affektgehalt ähnlich: alles gute, was sie dem professor V. erzeigen, ist auch mir und der guten universität Jena gethan Göthe IV 21, 111 W.
4)
der wertgehalt bezieht sich auf innere, geistige werte.
a)
'inhaltlich wertvoll, gehaltvoll': þata godo anafilh fastai þairh ahman weihana got. bibel 2. Tim. 1, 14; bei worten und gedanken usw. 'verständig, inhaltsreich, treffend':
... gi ni thurƀun an ênigun sorgun wesan
... hwat gi im than tegegnes skulin gôdoro wordô,
spâhlîkoro gesprekan
Heliand 1900;
Catho hat ... latinisch geredt mit guten, kurtzen wortten Agricola t. sprichw. (1534) a 1ᵃ; es ist ... ein gutes wort im leben ...: wir sollen die liebe, die wir den todten mit ins grab geben, nicht den lebenden entziehen W. Raabe hungerpastor 145; gute gespräch gute sitten erhalten Harsdörfer frauenz.-gesprächsp. 1, a 4ᵇ;
oba wir wollen wahten   mit gidrahton filu rehten
mit githankon guaten   thes Kristes grabes hueten
Otfrid IV 37, 2;
(die zeichnungen) sind ... eine unerschöpfliche quelle guter gedanken Göthe IV 42, 231 W.; 'gehaltvoll' von werken geistiger arbeit: in diesem exemplar stand geschriben: vier guͦtú buͤchlú in H. Seuse dt. schr. 3 Bihlm.; im kloster liesz man dich nit läsen guͦte bücher Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 29 ndr.; gutte bücher ... seyn das brodt unseres verstandes Butschky Pathmos (1677) )( 3ᵇ; wenn sie mir von den neusten, artigen und guten schriften nachricht gäben Göthe IV 1, 202 W.; (er konnte) dabei eine gute predigt ausarbeiten Bahrdt gesch. s. leb. (1790) 1, 15.
b)
namentlich von künstlerischen erzeugnissen, in bezug auf ihre inhaltliche qualität sowohl wie auf den künstlerischen wert:
(der bischof) ... hiez machen ein vil guot werch:
er hiez dî sîne phaphen
ein guot liet machen
Ezzos gesang 2 u. 4;
ähnlich, auf die künstlerische leistungskraft bezogen:
Reimar was guoter kunst an dir verdirbet
Walther 82, 29;
gute schauspiele behalten auch im drucke ihren werth samml. v. schauspielen (1764) 1, 4 vorber.; hier schicke ich dir mein letztes gedicht, ich halte es für gut Göthe IV 1, 152 W.; in guten gedichten herrscht die leidenschaft A. W. Schlegel in: Athenäum 1, 45; bei werken der bildenden kunst: also kan für uns nichts rührenders gefunden werden als ein gutes gemälde von den leidenschaften und handlungen der menschen Ramler einleit. (1758) 1, 75; fänden sich bei seinem tod einige gute clavierstücke Göthe 45, 21 W.; so ist die gute zeit eines künstlers, einer stilperiode usw. die zeit der meisterwerke: die zweite (form) vertritt die gute zeit des stiles O. v. Leixner lehrb. d. baustile (1916) 2, 102; mehr im sinne 'technisch gelungen': für eben diese fehlende originalien und auch für die gute kopien ist plaz gelassen Göthe IV 4, 279 W.; in religiöser hinsicht wertvoll: das lobgesang Marie, so im ix. hundert jar guͦt ist gewesen, (würde) umb dein oder anderer köpf willen hinweg gethon Hieron. Gebweiler beschirm. d. lobs Marie (1523) 7ᵇ; das gebet wil das hertz gantz und allein haben, wenns sol ein gut gebet sein Petri d. Teutschen weish. (1604) 1, a 5ᵃ; bilder aus der schrift und von guten historien ich fast nützlich ... halte Luther 26, 509 W.
c)
hochwertig in hinsicht der geistigen wirkungskraft: das man ynn stedten sollt gute schulen aufrichten, damit man gelerte menner ... aufzöge Luther 15, 360 W.; gute schule macht gute künstler Wander 4, 377;
... in guter schule
hat er des schmeichelns künste ausgelernt
Schiller 12, 475 G.;
ähnlich gute ausbildung, guter unterricht; etwas anders 'als hochwertig erprobt, bewährt': um nach älterer guter methode die schönheiten der alten sprachen kennen zu lernen Göthe 46, 91 W.; z. b. die untersuchung zeigt die gute methode der Rankeschule.
5)
ganz allgemein ist früh eine unprägnantere anwendung entwickelt, die im sinne einer einfachen wertschätzung, oft nur als epitheton ornans, für die verschiedensten sachbezeichnungen und abstracta stattfindet, also 'trefflich, vortrefflich, herrlich'; beispiele dafür:
welon endi willeon   endi wonodsam lîf,
gôd lioht mid gode
Heliand 2138;
ich wil im guot geleite tuon
Wolfram Parzival 720, 15;
stricke mit guten knoten Arigo decam. 249 K.; das pferd gehet einen guten pasz Kramer teutsch.-ital. 2, 183ᶜ;
zuoberst woll er uns verleihen
in die kornböden gut gedeihen
Baumeister zimmermannsspr. 46;
sie befleiszigen sich, ihre gute gaben ... wohl anzuwenden Schiller 1, 15 G.; er hat gar eine gute art von aufpassen, theilnehmen und neugier Göthe IV 4, 79 W.; diesen geistreichen kopf mit so guter art ... entwerfen I 43, 279; mit einschlag von III in der zwillingsformel gut und schön: der tag wächst und so ist alles schön und gut IV 33, 29 W.; häufig ironisch oder doch einschränkend gebraucht: so sind alle piae fraudes der katholischen gut und schön Gottsched neueste 6, 42; brav sein und sich rechtschaffen halten, das ist alles sehr gut und schön Fontane ges. w. I 5, 45; als reines epitheton ornans in älterer dichtung oft nachgestellt:
die guldînen scämel   ob liehtem pfelle guot
Nibelungen 570, 3 Bartsch;
mit deinem grönen krentzlin guͦt
K. Scheit Grob. 33 ndr.
B.
in anwendung auf persönliche subjekte und abstracta, die sich auf personale verhältnisse beziehen.
1)
alt und für das gesamte germ. bezeugt ist gut als bezeichnung des menschen hinsichtlich seiner herkunft und seines standes im sinne 'vornehm, edel, angesehen', vgl. got. manna sums godakunds gaggida landis franiman sis þiudangardja got. bibel Luk. 19, 12, vgl. ags. cynegód Widsiđ 56.
a)
neben abstractis, die einen bestimmten herkunftsbereich oder einen sozialen kreis bezeichnen, vgl. ags.
Gecyste þā   cyning æþelum gód
Beowulf 1870 Holth.;
und altnord.
átta þiónar, øđlom góđir
Sigurđarkv. 70, 4 Neckel;
u. áttom góđa 18, 11:
... ik gisihu that gi sind eđiligiburdiun
kunnies fon knôsle gôdun
Heliand 558, vgl. 254;
diu edlen guoten alten geschlecht von grâfen, herren Zürch. jahrb. 65 nach mhd. wb. 2, 2, 390ᵇ; die selbig frau was von guͦtem edelm geschlechte Arigo decam. 176 K.; die benachbarten orte (hätten) ... als geiseln frauen und jungfrauen von guten geschlechtern gefordert Niebuhr röm. gesch. 2, 286; vil ritter ind knechte van goider art städtechron. 13, 155;
weil er auch einer ist vom adel
von gutem stamm on allen tadel
Hans Sachs 21, 5 G.;
er (wäre) eins hochen guͦtten herkommens Warbeck sch. Magelone 13; in der that ist er von eben so guter geburt als der marquis Lessing 9, 253 L.-M.; kein einziger mensch von gutem stande Gottsched dtsche schaubühne 2, 87; mehr steigernd:
und that mir wie ein gräfin her
als obs von gutem adel wär
N. Manuel v. papst 474 Bächt.;
es waren mit alle dem junge herren von sehr gutem adel darunter Wieland Agathon 2, 107; jünger und ebenso von personen adligen wie bürgerlichen herkommens gebraucht mehr im sinne 'angesehen' gutes haus, gute familie: überbringer dieses mr. H., ein junger mensch von gutem hause und artigen qualitäten Bodmer an Gottsched i. j. 1732 in: zs. d. f. dtsch. unterr. 11, 6; junge leute von gutem hause und sorgfältiger erziehung Göthe 21, 315 W.; mit III 7 c vermischt kaufmännisch ein gutes haus 'eine angesehene, solide firma': so musz ich vorher zeigen, dasz ich nicht unbesonnen in den tag hineinkaufe sondern meine waare aus einem recht guten hause, um kaufmännisch zu reden, oder aus einem recht alten, um heraldisch zu sprechen, ausnehme Jean Paul w. 1, 34 H.; vgl. Fischer schwäb. 3, 941; klassifizierend: in den motiven wie in der sprache steht Plautus in der kneipe, Terenz im guten bürgerlichen haushalt Mommsen röm. gesch. 2, 434; gute familie! ... gehört dem ältesten adel Sachsens an v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 56; das wohlerzogene mädchen aus guter familie W. v. Polenz Grabenhäger 1, 22; spezieller im sinne 'sozial hochstehend' gute gesellschaft oft mit dem beisinn 'ästhetisch kultiviert': was gute gesellschaft genannt wird, ist meistens nur eine mosaik von geschliffnen karikaturen Fr. Schlegel in: Athenäum 1, 2, 4; bey manchem worte, das kein anderer mensch in guter gesellschaft ausspricht Zimmermann üb. d. einsamk. 1, 15; hierzu stellt sich der gute ton als die lebensart der feinen gesellschaft: den sogenannten weltleuten such ich nun abzupassen, worinn es ihnen denn eigentlich sitzt? was sie guten ton heisen Göthe IV 4, 160 W.; der mann, der in den assembleen des guten tons gelitten wird, konnte nie deine parthie seyn Schiller 3, 44 G.; bei vielen gehört es zum guten ton Körner w. 1, 60; das wichtigste stück der guten lebensart ist die dreistigkeit Schleiermacher in: Athenäum 1, 2, 125; formelhaft ist in älterer rechtssprache guter hande leute 'leute vornehmer art': de pauwelun over dem sacrament wart gedragen van twen greven und andern guder hande luden städtechron. 7, 401; guter hande lute und gebur weisth. 6, 101; in die ethische bedeutung hinüberspielend: der ist nicht gar von guter arth, der nicht gedencket an wolthat Petri d. Teutsch. weish. 2, o 3ᵇ.
b)
absolut neben personen; in älterer sprache neben standesbezeichnungen 'edel', vgl. ags. þæt wæs gōd cyning Beowulf 11 Holth.; aus dieser formel hergeleitet:
... sô mag im thes gôdon giwirkean
huldi heƀankuninges
Heliand 901;
tunc surrexit Otdo   ther unsar keisar guodo
de Heinrico 9;
der (jungfrauen) gedâht im eine erwerben   Gunther der künec guot
Nibelungen 325, 3 Bartsch;
owê wer sol nu trœsten   des guoten marcgrâven wîp?
2259, 4;
dô sprach diu guote künegîn
Hartmann Iwein 230;
und solde ich tragen krône,   ze wîbe wolde ich hân
die iuwern schœnen tohter:   des wünschet mir der muot
diu ist minneclîch ze sehene,   darzuo edel unde guot
Nibelungen 1675, 4 Bartsch;
terminologisch gute leute (boni homines) im sinne 'edelleute', namentlich wohl 'ritterbürtige': dissen eyt stavet öme weme id de heren, de stede unde de guden lude heten städtechron. 6, 82; was der dote guter luite, so trugent in die guten, was er ein gebur, so trugent in sine genossen Königshofen in: städtechron. 9, 769; es wirt auch in keiner historien gefunden, das je also guͦtte leutte (fürsten und herren) weren auf ein mall in diser stadt gewesen Warbeck sch. Magelone 31 B.; alda wart der buschof van Coellen verraden ind me goider heren städtechron. 13, 165, vgl. Staub-Tobler 2, 536; ebensowenig deutlich in seiner terminologischen geltung ist gute mannen, vgl.offenbar werden hier die 'guden manne' d. h. die bloszen freyen, der überrest der alten volksgemeine, von den rittern ... unterschieden Savigny gesch. d. röm. rechts 2, 22; als 'edelleute, die keine ritter waren', vgl. J. Grimm rechtsalterth.⁴ 1, 408:
ir ritter und ouch ir guten man
gedicht v. d. gerechtigkeit in: Germania 18, 460;
von papen und moneken, von rittern und gudemann, von buirgern und bauern in Leibnitz scr. rer. brunsv. 3, 411; he was eyn gut mann geboren ebda 2, 257; vgl.gut mensch 'edelmann': ich bruder Alfonsus ein gutmensche von Spangen (Spanien) bei Scherz-Oberlin 582ᵇ; es bittet abermal die gute frawe Hanna von der Dame Luther briefw. 274 Burkh.
c)
dann überhaupt in weiterem sinne 'den besseren ständen angehörig, wohlhabend, angesehen': auf das jar starb hie füll reichs guͦtz folck, als nie erhert was, mer denn armer städtechron. 23, 451; mehr im sinne 'ehrbar', vgl.góđa eina ('nur anständige leute') Hárbarzlióđ 8, 7 Neckel; formelhaft für frum man, biderman: so das wasser ainen weg zerbricht, so soll der gute man hinein fahren mit seinem grund (v. j. 1597) österr. weist. 7, 339;
mir ist harte wol geschehen,
sît ich hie solde gesehen
alsô guote liute
Hartmann Greg. 3107;
o laszt ihn! er ist guter leute kind
Schiller 12, 30 G.;
das mädchen war auch 'von guten leuten' O. Ludwig ges. schr. 2, 338; 'wohlhabend': grosze goldne ohrringe und eine recht massive kette zeigten schon an, dasz sie guter leute kind seyn müsse v. Gaudy s. w. 2, 98; ich bin gottlob es guets būrli, ha schöns vehli und ha mīs zīsli (steuer) zalt Staub-Tobler 2, 536; 'stolz' in dem pflanzennamen guter Heinrich chenopodium bonus Henricus: des unflätigen geruchs halben nennen sie das kreutlin den guͦten und stoltzen Heinrich Bock kräuterb. (1595) 265ᵃ; 'ehrlich' in der alten formel gut machen: landgraf Albrecht ... liesz ... seinen bastardt Ludwigen Apetz ... vom keyser ehelichen und gut machen Binhardus thür. chron. (1613) 206; die landsknecht machten in (den vom galgen gefallenen) einhellig wider gut Kirchhof wendunm. 110 Öst.; ähnlich: sollt er ein jahr und tag aller landtsknecht versamblung meiden ... gleichwol alsdann neben gnugsamer schriftlicher kundschaft seines verhaltens ... für gut wieder angenommen sein Kirchhof milit. disc. (1602) 265.
2)
in schlichtem sinne 'wertvoll' von personen; seit dem jüngeren mhd. namentlich zu gut sein 'zu wertvoll, zu schade sein':
des red nit mer, ich will ze guͦt
dir zu schumpfieren sein
liederb. d. Hätzlerin 249 H.;
mein jüngstes söhnlein ... ist dir nicht zu gut gewesen und du hast ihn auch umbringen lassen Tieck schr. 4, 184; als trophäe in ihrer hand zurückzubleiben, dazu ... bin ich zu gut fürst Pückler briefw. u. tageb. 1, 455; Mac Mahon, der viel zu gut für die Franzosen ... sei Fontane ges. w. I 6, 24; seit dem älteren nhd. gut genug mit dativ des interesses: dise Buchdorfer ... hieszen k. maiestat ain öpfelking ..., wasz inen nyemands guͦt genuͦg, auch ir aygner herr abt ... wasz in zu schlecht Knebel chron. v. Kaisheim 360 lit. ver.; weyl ir kein handwercksgesell guͦt genuͦg war Schumann nachtbüchl. 234 B.; gleich gut sein im sinne 'gleichviel wert sein': wenn wi dood sünd, sünd wi all lieker god Mensing 2, 426; oft in verbalverbindung 'für wert halten, schätzen', vgl. mhd.
dô man mich vür guot erkande
Moriz v. Craûn 438 Schr.;
oder acht man mich nicht so guͦt,
dasz man mirs nicht wol günnen thuͦt
K. Scheit Grob. 723 ndr.;
werd ich von dir gut geschäzt,
nun so ist mein wunsch geschehen
J. Grob dicht. versuchg. (1678) 12;
selten in der konstruktion wie I a α αα (vgl. sp. 1228):
des ist si guot ze lobenne (lobes würdig)
Meinloh v. Sevelingen in: minnesangs frühl. 12, 35;
absolut: mitbürger dieser erde, jeder in seiner art vollkommen und gut S. Geszner schr. (1777) 1, 108.
3)
häufig in blasserer anwendung als lobendes beiwort 'vortrefflich, brav, wacker', vgl. ags. fela gôdra monna chr. 871 bei Bosw.-Toller 482ᵇ:
... he (Johannes) was thâr managumu liof
gôdaro gumono
Heliand 2704;
sô vil gûter lûte
an tichtenne gewesen ist
daz sie ez an mich habent gevrist
Albrecht v. Halberstadt 56 Bartsch;
wolt man in solher spîse wenen
daz er (der löwe) guote liute gæze
Wolfram Parzival 572, 9;
joch schât ez guoten liuten, wære ich tôt
die nâch fröiden rungen
Walther 114, 34;
(Jupiters gewalt) auch über alle menschen gut
auf erden sich erstrecken thut
Spreng Ilias 1. ges., 7ᵃ;
viele gute musikalische leute haben geglaubt, die menschen könnten diesen gesang von den vögeln abgelernt haben Herder 5, 57 S.; die schriftsteller selbst, gute wackere männer aus dem bürgerlichen stande Göthe 40, 176 W.; (er) ist also verschollen wie viele gute männer Hans Grimm volk ohne raum 1, 9; vergleichbar die redensart: (jem. oder gott) einen guten mann sein lassen, im eigentlichen sinne 'wertschätzen' bei Frisius 958ᵃ verzeichnet, dann redensartlich so viel wie 'es dabei bewenden lassen, ihn trefflich zu nennen', d. h. 'sich um ihn nicht weiter kümmern': last unsern herr gott ein guten mann seyn J. Gruter flor. eth.-pol. 3 (1612) 62; nun war er wieder guter dinge ... und liesz gott einen guten mann sein br. Grimm kinder- u. hausm. (1895) 252; nun wolan, du bist auch ein gut kerl Schottel friedenssieg 5 ndr.; oft ironisch: a guater bruader ein netter geselle Jakob Wien. 77ᵇ.
4)
'ehrenvoll, ehrlich' bei abstrakten, die die spiegelung der qualität eines menschen in den augen seiner umwelt bezeichnen, vgl. lat. bona fama; guten liumunt geben famare Diefenbach 224ᵇ: unte von den tugedon quam guot luimunt Williram 42, 6 Seem.;
daz ist gut liumunt
Vorauer Moses bei Diemer dtsche ged. d. 11. u. 12. jhs. 83, 21;
swie gar guot unde hel
âne alles tadels mâs
des erwelten liunt was
Ottokar v. Steiermark reimchron. 23523 Seem.;
ir lieber puele mit falschem lügen sie irer eren und guͦten leymet genomen (hat) Arigo decam. 152 K.; mhd. geläufig guot wort hân, bejagen vgl. mhd. wb. 3, 808: sînen guoten liumunt und sîn guot wort verliesen altdtsche bl. 1, 137;
das bringt dir gar ein gut glimpf
K. Scheit Grob. 1133 ndr.;
auch musz er ein gutt gerücht haben bey den ungleubigen Luther 10, 2, 113 W.;
(dasz er) sich selber ein gutes gerücht bei den menschen erwürbe
J. H. Vosz Odüssee 37 Bern.;
gieb, dasz ich ... des nachbars guten ruf durch kein übles urtheil richte Schmolcke s. trost.- u. geistr. schr. (1744) 1, 4; guter ruf ist goldnen gürtel werth Göthe 45, 52 W.; davon wir deutschen ... nit ein gut geschrey haben in frembden landen Luther 6, 467 W.; seinen christlichen guten geruch lauter und rein ... erhalten Lessing 18, 350 L.-M.; eine pflanzstätte klösterlicher zucht von gutem klang in deutschen landen Scheffel ges. w. 1, 163; besonders guter name: wir mussen dennoch einen guten namen und ehre haben Luther 6, 221 W.; (ich will) meinen guten namen ... bestermahszen verthädigen J. Rist friedew. Teutschl. (1648) 28; noch immer wird bei uns ... guter name für ehre, ruhm und ansehn genommen Fr. L. Jahn w. 1, 337; ich lies drucken, weil man mir schmeichelte, dasz ich leuten gefallen könnte, deren beyfall einen guten namen verschafte Lessing 8, 6 L.-M.; ebenso sich einen guten namen machen 'sich bekannt machen'; mehr in steigernder verwendung gutes lob, vgl.gut lob geben famare Diefenbach 224ᵇ, ein guͦt lob haben bono nomine esse Frisius 159ᵃ:
man hat mich offt geprisen;
solt mein gut lob hie untergan,
het ich noch tausent leibe
sie müsten all daran
Sigenot 9 Schade;
hierzu:
wärt ihr kinder guter ehren,
scheutet ihr so nicht
Stieler geh. Venus 56 ndr.
III.
gut bezeichnet seit alters die eigenschaft, die ein ding subjektiv für eine empfindende person hat und die durch einen psychologischen akt des wohlgefallens, der freude usw. bestimmt wird, also 'angenehm, bequem, vorteilhaft, erfreulich, schön'; in mhd. sprache entsprechen namentlich süeze und liep.
A.
in persönlicher konstruktion attributiv und prädikativ; verhältnismäszig selten bleibt der ältere gebrauch, die beziehungsrichtung dessen, was angenehm ist, durch einen abhängigen infinitiv anzugeben; hierin liegt noch eine brücke zu gut I A 1 zutage:
oben was ein rubîn
darinne beworht als ein huot;
des schîn was ze sehen guot
und gap dem herzen wünne
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 7085;
unz ich kunt gemache
ander hande sache
die ouch guot sint ze hôren
Ottokar v. Steiermark reimchron. 22760 Seem.;
(diese geschichte) nicht minder guͦt ze hörn (ist) als die gesagt gewesen ist Arigo decam. 47 K.; do sint ouch stere gar groz und vet und gut czu essin Marco Polo 8, 21 v. Tsch.; dorumb daz weip sach das holtz daz es was guͦt zuͦ essen erste dtsche bibel 3, 52 lit. ver., vgl. 1. Mos. 3, 6; der pfau ... (ist) gut zu essen Sebiz feldbau (1579) 114.
1)
'angenehm' in hinsicht auf die empfindungen der sinnesorgane.
a)
vom geschmack, vgl. góđa miǫđ Grimnismál 13, 6 Neckel, 'wohlschmeckend' von speisen und getränken:
diu wîsheit in des herzen grunde
smecket rehte als in dem munde
dem guom ein guotiu spîse tuot
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2798 Weinh.;
swer ez az, das er bevant
beidú úbil und guͦt vil gar
Rudolf v. Ems weltchr. 281 Ehr.;
der brunne was küele   lûter unde guot
Nibelungen 979, 1 Bartsch;
ys möchte eyn hunth wol schmeckyn, das dy fladyn gut wern prov. Fridanci 54; sich enthalten von guten bissen Luther 23, 590 W.; isz, mein son, honig, denn er ist gut spr. Sal. 24, 13; wir können uns zwar die guten französischen brühen gefallen lassen Nicolai Seb. Nothanker 1, 57; die vorsichtigen freundinnen (hätten) ... gute bissen herübergesendet Göthe 24, 362 W.; wie schmeckt er dem hauptmann? recht gut, euer majestät, er ist so gut als schön Ayrenhoff w. 1, 27; (der) äärbsfisel (wird) nummen (nur) in em äärigen (irdenen) hafen rächt gued Friedli Bärnd. 2, 458; gern gueti mümpfeli hān 'ein feinschmecker sein' Staub-Tobler 2, 539; (eine speise) ist kalt guet schmeckt auch kalt Fischer schwäb. 3, 950; terminologisch bei obstnamen: gute bir eine bestimmte birnensorte ebda; gute christbirne, in einigen gegenden die zuckeratenbirne Dietrich lex. d. gärtnerei 7, 687; auch die befriedigende menge einbegreifend: tugenden, von deren schönheit ... sich nach einer guten mahlzeit am beredtesten sprechen lässt Wieland Agathon 2, 151; mit einem guten frühstück H. v. Kleist 1, 347 Schm.
b)
vom geruch, 'wohlriechend', vgl. ein guter ruch redolentia Diefenbach 489ᵃ: also die tuiren salben die quekke des guotes stankes Williram 70, 8 Seem.; ein gut gerücht ist besser denn gute salbe pred. Sal. 7, 2;
der guͦt geruch lang drinnen bleibt,
so mans nur wol in d kleider reibt
K. Scheit Grob. 1630 ndr.;
ist er (der mensch) vaiszt, so ist im teur
guͦter attem
liederb. d. Hätzlerin 151;
vier hôhe boume habeten in
guoten smac unde schaten
Konrad Fleck Flore u. Blanscheflur 191 Sommer;
und wird stanck für gut geruch sein Jes. 3, 24; (ein) garten voll guter gerüche Rückert w. 11, 513: redensartlich sich in guten geruch bringen 'sich angenehm, beliebt machen'.
c)
vom gehörseindruck, 'wohlklingend', wobei auszer dem rein sinnlichen wohlklang oft das ästhetische empfinden hineinspielt: lobont in mit zymbon wola skellenten unde guoten chlanch habenten Notker ps. 150, 5;
ir (der nachtigallen) stimme ist lûter unde guot,
sie gebent der welt hôhen muot
Gotfrid Tristan 4757;
wil du guote stimme gewinnen, so nim senef dtsch. arzneibücher 27 Pf.;
dasz mirs an guter stimme fehlt
Ramler fabellese 1, 47;
etwas anders:
das schwert von gutem klang
Uhland ged. 1, 148;
dô sprach der videlære   'swenn ir die seiten mîn
verirret guoter dœne ...'
Nibelungen 2270, 2 Bartsch;
ich singe iu ze allen zîten   alsô guotez sanc
Kudrun 377, 2 Martin;
last guͦte saitenspil erschallen
Schede-Melissus ps. 117 ndr.;
alte kirchen haben gute geleut Lehman flor. pol. 1, 14; vom harmonischen zusammenklang: gut lut, susz gedon euphonia Diefenbach 213ᵃ; ein guter ton, der wol zesamen stimpt oder lautet canor Frisius 181ᵇ; nicht ... in einen guten ton gestellt immodulatus Calepinus XI ling. 682ᵇ; ein gleiche harmonia gibt ein gute music nicht wann der discant zu hoch ist Lehman flor. pol. 1, 39.
d)
vom gesichtseindruck und dem dadurch vermittelten wohlgefallen:
sus gleiz ez allez vaste:
die steine gegen dem golde nider,
und daz golt gegen in wider.
daz was guot ougenweide;
in allem sînem leide
die gezierde er gerne sach
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 7281;
(die stirn) breit, glat und klar, von farben guͦt,
getemperiert wie milch und bluͦt
K. Scheit Grob. 2139 ndr.;
ein guͦte farb color bonus Frisius 158ᵇ; gut gestalt eugenia Diefenbach 219ᶜ; David war guter gestalt 1. Sam. 16, 12; die gestalt ist oft gut, der kopf ein narr Lehman flor. pol. 1, 37; guter wuchs Lichtenberg aphor. 2, 131 Leitzm.; gutes aussehen von dingen 'gefälliges aussehen'; etwas anders bei verhältnisformen, wo I A hineinklingt: und was ein jung man under driszig jaren von guder lengde Limb. chron. 55 Wysz;
ein guͦt proportz von glidern haben
K. Scheit Grob. 1593 ndr.;
ähnlich auch modern, z. b. fensterreihen und wandflächen stehen im guten verhältnis.
2)
auf das körperliche wohlbefinden im ganzen gehend, 'angenehm, behaglich'.
a)
bei konkreten:
vil guote hereberge   gap man den edelen gesten sint
Nibelungen 1297, 4 Bartsch;
ouch enwirt diu wirtschaft (bewirtung) nimmer guot
âne willigen muot
Hartmann Iwein 2693;
(die königin) ein bette hiez bereiten,
dâ für ein teppech breiten
bî einem guotem fiure
Wolfram Parzival 578, 7;
bey einem guten feuer sitzen nomencl. lat. germ. (1634) 386; ein gutes quartier Hartmann volksschausp. 9; du hättest ein gutes haus, ... ein gutes bett Göthe 45, 22 W.; bildlich: (Ulenspiegel) und der wirt vertruͦgen sich der schalkheit, so das er hinfurt uf ein guͦt bet kam Ulenspiegel 118 Lapp.; 'gesund': alda ist guͦter gemesser luft S. Franck weltbuch (1534) 204ᵃ; 'wohltuend, erfrischend': (die heiligen) trostent sie (die seelen im fegefeuer) mit guteme lufte Lucidarius 61 Heidlauf;
(der könig) ... oft gieng spacieren weit
... zu schöpfen guten luft und wind
Hans Sachs 8, 559 K.;
die gute frische morgenluft ist hereingekommen v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 197; terminologisch gutes wetter 'angenehmes, schönes wetter', vgl.
guote weter linde
heten si ûf al der vart
Mai u. Beaflor 107, 36:
gut wetter ist eine gute gab gottes Luther 26, 234 W.; ein wandersmann ... musz gutes und klares wetter haben Chr. Weise pol. redner (1677) 150; wenn er spazieren gehen will, so ist es niemals gut wetter J. E. Schlegel w. 5, 313; bildlich in redensarten: gut wetter machen besänftigen Seiler Basler ma. 153, um gut wetter bitten 'um versöhnung, entgegenkommen bitten'; ähnlich gute jahreszeit 'die periode des schönen wetters':
... den sohn, welcher schon über die
gute jahreszeit verzeucht
Ramler lyr. ged. (1772) 192;
während der guten jahreszeit Mommsen röm. gesch. 2, 239; ist guter herbst unzweifelhaft Uhland 2, 150.
b)
bei abstrakten wie pflege, bequemlichkeit, genusz, behagen, leben zur unterstreichung der subjektiven wirkung bei der empfangenden person:
(das) brahta imo selben guat gimah   want er scono gisah
Otfrid III 20, 28;
dô er guot gemach gewan
Hartmann Iwein 1783;
die sînen reisgesellen   herebergen bat
der wirt vil minneclîchen   unt schuof in guot gemach
Nibelungen 1164, 3 Bartsch;
und gaffet auf des anderen gut gemach Luther 30, 2, 573 W.; er sie (die schiffbrüchigen) mit guͦter wartung und ruhung labet und tröstet Arigo decam. 108 K.;
... die wîle sult ir gân
in iuwer herberge   und sult vil guote ruowe hân
Nibelungen 1450, 4 Bartsch;
und er sahe die ruge, das sie gut ist 1. Mose 49, 15; in guter still und ruh Micyllus Tacitus (1535) 52ᵃ; wovon ich guten genusz wünsche Göthe IV 21, 17 W.; das wetter war unsern seefahrern so günstig, dasz A. gute musze hatte Wieland Agathon 1, 35; glück also und gutes behagen! Göthe IV 41, 114 W.;
... ir leben daz wart guot
Kudrun 467, 2 M.;
ach, frau, sagt, habt ir nicht gut leben?
Hans Sachs 17, 3 K.-G.;
der hunger ..., der nach essen und trinken und einem guten leben verlangt W. Raabe hungerpastor 260; gesteigert zum sinne 'üppiges leben':
guͦt leben und gesund tag
steen nimmer in einem hag
sprichw. (1548) 1508;
das für einen jüngling ... zu gute und reiche leben E. M. Arndt s. w. 1, 54.
c)
spezieller für gesundheitliches wohlbefinden: womit ich gutes befinden wünsche Göthe IV 41, 65 W.; das zahnweh hat mich gestern abend nicht geplagt und heut früh bin ich recht gut 5, 105, wozu gut zufrieden sein, sich gut fühlen bei dem adv. zu vergleichen ist; mehr objektiv: er ist wieder guet gesund Martin-Lienhart 1, 248.
3)
in anwendung auf zeitbegriffe drückt gut aus, dasz der genannte zeitabschnitt für die ihn durchlebende person 'angenehm' verläuft; namentlich in gruszformeln verbreitet.
a)
gute zeit, vgl.du hast gute zeyt bene tibi est Frisius 161ᵇ:
thaz leben wir, so ih meinu,   mit frewi joh mit heilu
simbolon gimuato   joh eigun ziti guato
Otfrid ad Ludov. 81;
Erec und frou Enîte
hâten guote zîte
Hartmann Erec 8613;
hyerumb ist wol die freuntschaft deren, die sich zu guten und glückhaftigen zeyten beweisen ... dannocht nitt zuͦ verwerfen Hutten opera 1, 448 Böcking; die falschen freunde, so zur guten lebenszeit sich bey uns häufig befinden lassen Prätorius winterflucht (1678) 3; als wunsch:
so zih hin von meint wegn ihr sag;
viel guter zeit, viel guter tag!
Gilhusius grammatica (1597) 98;
ich wünsch ihr viel guter zeit Arnim w. 21, 1; feste formel ist die gute alte zeit, in der das leben in angenehmen formen verlief: man möchte sich gern bequem, fröhlich und auf die dauer einrichten wie in der guten alten zeit Eichendorf s. w. 2, 387; mehr wertend: gewisz ein mann der guten alten zeit Justi Winckelmann 2, 1, 203.
b)
gutes jahr, in älterer sprache für 'glückliches jahr', doch mundartlich noch bewahrt und auch schriftsprachlich als neujahrsgrusz ein recht gutes neues jahr! erhalten:
als vil stern am himel stan
als manig gucz jar gee dich an
fastnachtsspiele 1150 K.;
ein guet seligs jar, wasz schafstu hie? sprachbuch (1423) in: Bayerns mundarten 2, 442; 'vom christtag bis sylvester wünscht man ein gutes jahr, an neujahr selbst ein gutes neues jahr' Fischer schwäb. 3, 946; auch für den neujahrstag selbst: die gab, die du mir geschickt hast zuͦ ainem guͦten jar (v. j. 1510) bei Fischer a. a. o.; s gute jahr bringts (das weihnachten nicht erhaltene geschenk) ebda; dann auch für das neujahrsgeschenk: wenn dir got ein guͦt jor heim zuͦ hus schickt Geiler v. Keisersberg bilgersch. (1512) 84ᶜ; ein schenke oder gaab, die man eim auf einen feyrtag oder auf das neuw jar gibt, ein guͦt jar strena Frisius 1246ᵇ; das gute jahr geben neujahrsopfer sammeln (16. jh.) bei Fischer a. a. o., s. gutjahr an alphab. stelle; vom neujahrswunsch aus in redensarten entwickelt jem. ein gutes jahr haben lassen im sinne 'jem. gutes, angenehmes wünschen', meist aber ironisch 'jem. mit einem wunsche stehen lassen', d. h. 'sich um jem. nicht mehr kümmern': etliche sagen, es geschehe im (dem papste) nit zuͦ gefallen und sie lieszen in wol ein guͦts jar haben Sleidanus reden 82 Böhmer; darum wöllen wir sie ein guts jar lassen haben und es mit den juden halten Fischart binenkorb 171ᵃ; ähnlich ein gut jahr haben 'den abschied nehmen': wöllen wir des sathan? so habe dir ein gut jar mit deiner und meiner geschicklichkeit Luther 30, 2, 618 W.; als verwünschung: ey, das dich ein guͦt jar annkum! was redestu da? reformationsflugschr. 1, 39 Clemen; ein gut jar 'etwas geringfügiges, nichts': weystu ouch, was Christus sey? ja jha, eyn gut jhar wissestu, du werest sunst nicht schwermütig Luther 34, 2, 70 W.
c)
guter tag der tag, den man auf angenehme weise verbringt:
mac ein man danne hân
guoten tac und senfte zît,
der ûf den lîp gevangen lît?
Hartmann Iwein 1749;
namentlich in hinsicht auf essen und trinken in der redensart sich einen guten tag machen: unsere canzleyleute werden sich für den reichlichen überschusz einen guten feyertag machen Göthe IV 15, 165 W.; wenn sie irgend angegriffen sind, faulenzen sie ja und thun sich einen recht guten tag an L. Schücking in: A. v. Droste-Hülshoff br. 345; he hett n goden dag lebt sorgenlos dahin Mensing 2, 242; guter tag 'beim militär ... (der) tag des arrests, wo man volle kost erhält' Fischer schwäb. 3, 950; meist pluralisch gute tage 'wohlleben': und dennoch das beste essen und trinken, faule gutte tage haben Luther 10, 1, 1, 498 W.; man hat aber nit so guͦte tag bey den arbeytern als bey den gelerten Vogelgesang-Cochläus gespräch v. d. trag. Joh. Hussen 24 ndr.; es müssen starcke beyn sein, die guͦte tag künnen ertragen sprichw. (1548) 15ᵃ; die meisten, welche sich zum mönchsstand bequemten, hatten keine andre idee als sich gute tage ohne arbeit zu machen Ranke s. w. 1, 171; mehr auf die ökonomischen verhältnisse gehend, vgl. gude richtage mammona Diefenbach 345ᶜ: sie hatten gute tage gesehen W. v. Polenz Grabenhäger 1, 3; noch anders im sinne 'vergnüglich': Friz wird gute tage mit uns haben Göthe IV 3, 68 W.; nach I C hin 'glücklich verlaufen': eynen gutten tag sal man uf den obent löben prov. Fridanci 48; mehr 'innerlich befriedigend': gestern hatt ich einen guten tag Göthe IV 3, 54 W.; seit alter zeit als wunsch- und gruszformel:
got gebe ir iemer guoten tac
Walther 119, 17;
schœnen morgen, guoten tac
unt süeze zît müezet ir hân
Otte Eraclius 3498 Gr.;
des muoz hêr Walther singen
'guoten tac, bœs unde guot'!
Wolfram Parzival 297, 25;
so solle der schultheisz anfahen zu reden und ihnen (den richtern) einen guten tag wünschen Fronsperger kriegsb. 1, a 5ᵇ; guten tag, meine liebe tochter! ich gebe dir einen guten tag! ollapatrida 238 Wiener ndr.; bei uns heest et: juten dach un juten weech und damit hat et een ende Brendicke Berl. wortsch. 131; guten tag sagen bei der abwesenheit der bewohner einbrechen Ostwald rinnsteinspr. 64; als herausforderung gebraucht:
Everart Neisgin, guden daich!
er Everart Neisgin, wa sit ir?
Gottfrid Hagen reimchr. 3882 (städtechron. 12, 132);
als morgengrusz bzw. für die zeit des wunsches, die morgenfrühe: zweien wächteren jedem 15 β, dasz si von s. Michels tag bis uf osteren den guten tag den burgeren ... singent (v. j. 1595) bei Staub-Tobler 2, 539; et get eweil gudən dag es wird hell rhein. wb. 2, 1512.
d)
bei den verschiedenen tageszeiten in der regel nur in gruszformeln:
daz ich den liuten guoten morgen bôt
Friedr. v. Hausen in: minnesangs frühl. 46, 4;
nû gap im Erec
mit gruoze guoten morgen
Hartmann Erec 3506;
es sind wol viel, die ... sprechen 'guͦtten morgen' zuͦ dem nehisten, dencken aber ym hertzen 'der teufel holl dich'! Luther 12, 355 W.; einen schlimmen guten morgen geben v. Cronegk schr. 1, 25; ihr guter morgen war mir sehr werth, wär er nur nicht ein zeichen einer übeln nacht gewesen Göthe IV 4, 41 W.;
si hiez in guoten âbent hân
Tristan als mönch 2281;
der wolf ihr guten abendt bot
Erasmus Alberus fabeln 82 ndr.;
ey, guten abend, lieber Valcour Schiller 14, 131 G.;
der wirt bôt im guote naht
Wolfram Parzival 242, 22;
got gebe dir, frowe, guote naht
Walther 101, 21;
herre ir sult slâfen gân
guot naht wil ich von iu hân
Garel v. d. blüh. tal 3012;
ade wolan, habt gute nacht
und euch den abendt frölich macht!
Hayneccius Hans Pfriem 84 ndr.;
ich musz ihnen noch ... eine gute nacht sagen Göthe IV 3, 16 W.; präpositional:
sie furen hyn mit gutter nacht
ein yedes do an sein petstat
pfarrer v. Kalenberg 1242 ndr.;
und hiermit zu tausend guter nacht Chr. Weise grün. jugend 213 ndr.; im sinne 'zum abschied':
und als sie (die sonne) es sah schir vollpracht
sprang sie noch ains zu guter nacht
Fischart glückh. schiff 692 ndr.;
(diesen musz) zur guten nacht ich was zum besten geben
Göthe 14, 100 W.;
schlechthin als abschiedsgrusz: das sind die letzte wort als des, der da wil hinweg scheiden und gute nacht oder den segen gibt Luther 45, 623 W.;
so balt ich meinen streich vollbracht,
so heist es dan: ade, gut nacht!
Dähnhardt griech. dramen 1, 76 lit. ver.;
daher gute nacht geben u. ä. mit dat. 'von etw. abschied nehmen, sich lossagen':
wenn aber nun das liecht der sonnen höher steiget,
der lentz gibt gute nacht
Rachel sat. ged. 37 ndr.;
willst du dich darum nur zum götterchor erheben
um aller menschlichkeit gar gute nacht zu geben?
Gottsched dtsche schaub. 1, 214;
auch als 'sterben':
wenn du diesem armen leben
endlich gute nacht must geben
Neumark fortgepfl. mus. poet. lustw. (1657) 1, 66;
doch Sappho kann, wenn sie gleich gute nacht gegeben,
verewiget in ihren schriften leben
B. Neukirch ged. (1744) 284;
absolut mit vokativ 'ade':
ihr waffen, gute nacht! es musz gestorben sein
ebda 32;
wie 'es ist vorbei mit etw.': gute nacht, religion, wenn die untrüglichkeit des pabstes aufgehoben wird v. Einem Mosheims vollst. kirchengesch. 8, 84; alsdenn gute nacht, weiberfeindschaft! Lessing 2, 11 L.-M.; auszerhalb der formelhaften verwendung seltener; von der liebesnacht:
er gedâhte, des lîhte niht geschach,
mit ir vil guote naht hân
Hartmann Erec 6354;
dieweyl sie von der guͦten nacht sagten, die Rinaldo mit der schönen frawen begangen het Arigo decam. 65 K.; wer ausz lieb ein frau nimbt, der nimbt immer gute nacht aber böse tag Lehman flor. pol. 1, 162; vereinzelter 'zu guter nachtruhe':
die herren riten sâ zehant
von dem kunic ze guoter naht
Ottokar v. Steiermark reimchron. 1621 Seem.;
aufs geistige gehend 'unterhaltlich': hoffte heut auf einen guten abend mit ihnen Göthe IV 3, 72 W.;
e)
gute stunde stunde, in der man sich wohlfühlt, vgl. sy laszt im wenig guͦter stunden Frisius 322ᵇ, allgemein gesagt:
kein guͦte stund noch zeit ich hab
ich werck mir selbs das leben ab
K. Scheit Grob. 1562 ndr.;
ich sprach zur guten stunde,
da mirs noch wol ergieng
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 349;
(das mädchen) wird dir manche gute stunde machen können ollapatrida 43 Wien. ndr.; bezüglich des körperlichen befindens, 'schmerzfrei': sy (ist) in disen groszen arbaiten ain gantzes jar ... gewessen also das sy nie guͦtte stund gewan Elsbeth Stagel schw. z. Tösz 115 Str.; wenn Anna an sonnigen nachmittagen eine gute stunde hatte G. Keller ges. w. 2, 69; auf seelische werte bezogen: ich werde gewisz mich jederzeit ... der guten stunden erinnern, die ich das glück hatte, in ihrer gesellschaft zuzubringen Göthe IV 29, 15 W.;
in allen guten stunden
erhöht von lieb und wein
I 1, 117;
im südl. Deutschland redensartlich verbreitet: ein mensch wie die guͦt stund commodus homo Frisius 261ᵇ: denn es war ein mann wie die guͦt stund, der keinen krieg fürnam, dann so er zur gegenwehr greifen muͦst Seb. Franck chron. Germ. (1538) 46ᵇ; es ist die gute stunde selbst: ein mann, den man um den finger wickeln könnte portraits (1779) 221.
4)
im allgemeinsten sinne für alles, was dem menschen gefällt oder wünschbar scheint:
dâ si ensament lâgen
und guoter minne phlâgen
Hartmann Erec 8616;
so auch in älterer sprachstufe gut dünken 'gefallen':
(die frauen) begunden Waten vrâgen   ob in daz diuhte guot,
swanne er bî schœnen   vrouwen sitzen solte
oder obe er gerner   in den herten strîten vehten wolte?
Kudrun 343, 2 M.;
vil ding dem menschen lieben, guͦt duncken und gefallen Arigo decam. 269 K.;
insonderheit dunkt sie gar gut,
zu trinken sein das zarte blut
Fischart flöhhatz (1610) 5ᵃ;
'das buch ist gut heiszt es gefällt mir' studentenspr. in Halle (1894) 52; modern verbreitet: einen guten eindruck machen, haben u. ä.; besonders bei ding, sache:
guoter dinge gnuoge   hei waz man der dâ vant!
vrische kalte brunnen   die vluzzen in dem tanne
Kudrun 1143, 2 M.;
an allen guoten dingen hân ich wol gemeine,
wan dâ man teilet friundes lîp
Walther 70, 33;
er sprach: gotes hulde
ist mir ein übergulde
vor allen guoten dingen
Jansen Enikel weltchr. 3985 Strauch;
gute ding vergisset man bald
das böse kan man besser behalten
Lehman flor. pol. 3, 131;
und Rom als spinne sasz satt im netz der guten dinge W. Schäfer dreizehn bücher (1925) 211; in sprichwörtlichen wendungen: es gilt noch eines umb guter gesellen willen: aller guten ding sollen drey sein Luther 26, 550 W.; aller guten dinge sind drei Herder 5, 193 S.; gut ding wil weil haben Luthers sprichw. 23 Thiele; gut ding wil haben zeit und weil Eyering prov. cop. 1, 731, wo II A stark hineinspielt;
sich treit der werlde sache
vil ofte z ungemache
und aber von ungemache
wider ze guoter sache
Gotfrid Tristan 1866;
date han ihr guet sach grusz an feiernde Martin-Lienhart 1, 248; guete sach han behaglich leben Staub-Tobler 2, 537; der weisz nicht, was gut ist, der schlimmes nicht erlebt hat Wander 2, 175; in bezug auf den ausgang einer handlung 'wünschenswert':
swer sîme rehte unreht tuot
dâ wirt daz ende selten guot
Freidank 106, 21 Gr.;
(das unglück) sich doch ze guͦtem seligen ende gefüget hat Arigo decam. 54 K.; (es) nemmen die teufelsbeschwerer selten ein gut ende volksb. v. dr. Faust 9 Br.; ähnlich auch im sprichwort ende gut, alles gut: wenne das ende gut ist, so ist is gar gut prov. Fridanci 53; ende gut, alles gut Pistorius thes. paroem. 3, 342; besonders von einem sanften und seligen lebensende im gegensatz zum bösen tod, dem gewaltsamen und unbuszfertigen ende:
und hab uns herre in diner huͦt
und mache uns unser ende guͦt
H. v. Bühel Diocletian 9494 K.,
vgl. ähnlich adverbiell gewendet in:
ich bitt durch Christi blut
machs nur mit meinem ende gut
Ämilie Juliane v. Schwarzburg-Rudolstadt bei Fischer-Tümpel 5, 564;
wer dem barfuͦszer orden widerig ist, der stirbt keins guͦten todts Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 158 ndr.; wer ein junckfrau schendet, der stirbt keins guͦten tods sprichw. (1548) 116ᵃ; gute seite 'angenehme seite': jedes übel hat eine gute seite vgl. Rother schles. sprichw. 254ᵇ.
5)
spezieller auf den zustand des gemütslebens gehend geht der begriff gut vom angenehmen, behaglichen zum erfreulichen, freudigen über, eine entwicklung, die bereits in älterer sprache einsetzt, vgl.er (der äther) io in guotemo ist immutabili laetitia renidebat Notker bei Graff 4, 159; tes tu nu trurig pist, tes soltôst tu in guotomo sîn ebda; s. auch got. wen goda (ἐλπίδα ἀγαθὴν) 2. Thess. 2, 16.
a)
inhaltlich neutral ist in älterer zeit mut (herz) als 'gesinnung, sinn', die kraft des adj. im sinne 'freudig, getrost' kommt daher hier zu voller geltung; doch kennt auch das lat. in bonus animus die gleiche verwendung und kann von einflusz gewesen sein, vgl. mit cuatu muatu (cum bono animo) Benediktinerregel cap. 5 in: Steinmeyer kl. ahd. sprachdenkm. 208, ein guter mut bonus animus Frisius 158ᵇ, guds muds animequior Diefenbach 35ᶜ:
lâ guoten muot den bœsen muot von dir vertrîben:
minne got, sô maht dû frô belîben
Walther 37, 28;
sît bî guotem muote!
Ulrich v. Eschenbach Alex. 2593 T.;
guttir mut ist halbir leib (leben) prov. Fridanci 38; S. bot ihm die hand, ... hiesz ihn gutes muthes seyn Nicolai Seb. Nothanker 1, 138;
du trauerst, liebelt er,
sei guten muthes, freund!
Göthe 2, 75 W.;
als abschiedsgrusz: gehab dich wol und pisz guͦtz muͦtes Arigo decam. 192 K.; als adverbialer ausdruck 'lustig, vergnügt', vgl.guͦts muͦts, frölich oder leychtsinnig Frisius 158ᵇ: der baur ... gieng dahin guts muhts Kirchhof wendunm. 2, 420 Öst.; sie aszen und tranken gutes mutes J. P. Hebel w. 2, 85 Beh.; mit guttem mut ynn aller sicherheit zechen und wol leben Luther 30, 2, 160 W.;
runda, runda, das bier ist gut,
... es macht uns einen guten muth
Chr. Reuter Harleq. kindb.-schm. 85;
wir kommen in ainem monat wider, so wellen wir erst ainen guͦtten muͦt haben (dann soll es erst lustig hergehen) Fortunatus 60 ndr.; guter muth secundus nuptiarum dies Scherz 582; im sinne 'zuversichtlich, tapfer, getrost':
doch hab ich mir fürgenommen heut
ich wöll einen guten mut haben
Hans Sachs 5, 47 K.;
so mögen sie bei einen fridtlichen gutten muth sein (18. jh.) österr. weist. 11, 297;
gäbet ihr uns auf der erde
festen sinn und guten muth
Göthe 2, 86 W.;
auch unter den anwachsenden schwierigkeiten behielt er guten muth Ranke s. w. 1, 117; so auch ein gutes herz: sie sprach: 'ich bin unlustig und kan nichts essen', 'ey', sprach ihre basz, 'es wirdt villeicht heind besser, hab nur ein guͦtes hertz!' Schumann nachtbüchl. 219 B.; sie hätten niemahls mehr ursache gehabt, ein gut hertz zu haben Lohenstein Arminius 2, 1061ᵃ; als 'vergnügt, froh' in gute laune, guter humor: mein vater, der guter laune war, ... hatte ... zugesagt Storm w. (1899) 1, 152; heute hat er die gute (laune) Fischer schwäb. 3, 951; ein büchlein, das ... uns in guten humor versetzt Göthe IV 35, 141 W.; ihr mann war guter humor 3, 107; in heutiger sprache besonders gute stimmung sowohl für die zuversichtliche wie für die vergnügte gemütsverfassung; mehr nach IV B hin: damit er ihn in gutem laun haben und ihn zum gnädigen herrn behalten möge Grimmelshausen 2, 357 K.
b)
bei abstrakten, die einen bestimmten, positiv bewerteten gemütszustand angeben, so bei hoffnung, zuversicht und ähnlichen begriffen im sinne 'getrost, freudig, zuversichtlich': jah atgaf gaþlaiht aiweina jah wen goda in anstai got. bibel 2. Thess. 2, 16;
und hetent des vil guoten wân
Tristan als mönch 1482;
etwas anders 'in freudiger erwartung':
der künic in guotem wâne   dô vrœlîchen saz
Nibelungen 659, 1 Bartsch;
so dien ich dir uff guͦten won
liederb. d. Hätzlerin 280 H.;
diu grœste vröude, die wir hân,
deist guot gedinge und lieber wân
Freidank 134, 23 Gr.;
um guot geding und übel leben
wirt vil swacher lôn gegeben
Boner edelstein 22, 5;
habe guoten drost nihil igitur pertimescas Notker 1, 49 P.;
ouch hân ich guoten trôst daran
Gotfrid Tristan 13318;
(er) macht mich guter hoffnung so vol Luther 23, 31 W.; ich (bin) tröstlicher guͦter hoffnung Heyden Plinius (1565) vorr. 4ᵃ;
seid guter hoffnung unverzagt!
Hayneccius Hans Pfriem 27 ndr.;
die fromme, guter hoffnung lebende Maria Göthe IV 34, 10 W.; mehr nach I C hin: erg sthet die sach in einer guten hoffnung Luther 28, 669 W.; von hier an seh ich keine gute hoffnung Göthe IV 4, 16 W.; zu I A 6 c neigend: so ist gute hoffnung zu machen, ihr werdet bald gar catholisch werden Grimmelshausen 2, 359 K.; feste formel guter hoffnung sein 'ein freudiges ereignis erwarten, schwanger sein': als sie zunächst wieder guter hoffnung ward, brachte sie eine tochter zur welt Göthe 43, 18 W.; gude zuversycht inducie Diefenbach 295ᵃ; ohn gute zuversicht diffidenter Calepinus XI ling. 422ᵃ; mehr in verstärkender funktion:
theist thaz minaz heila muat   joh ouh min frewida so guat
in imo sint mir follo   thia mina frewida allo!
Otfrid II 13, 15;
und wie sî beidiu wolten
... guoter vröude walten
Hartmann Iwein 6530;
mit guoten freuden er az
Wolfram Parzival 581, 26;
(er) freuete sich drüber mit der guten freude eines werkmeisters Herder 6, 11 S.
c)
guter dinge sein 'fröhlich sein', nicht vor dem 15. jh. zu belegen, vgl. Hollander zs. f. dtsche wortforsch. 7, 307; die dort 305 ff. versuchte erklärung, die redensart aus gut gedinge (s.b) 'frohe hoffnung' herzuleiten, ist ansprechend, enthält aber noch die schwierigkeit, dasz ein mhd. guoter gedinge sîn im sinne 'lustig sein' nicht nachgewiesen wird; brücken für diese bedeutungsentwicklung wären etwa stellen wie:
mich hat liep gedinge
in den vröuden her behalten
minnesinger 1, 360ᵃ v. d. Hagen;
mir mak min guot gedinge noch die sorge wol vertrîben
1, 295ᵃ;
eine art mittelstellung zeigen noch: sie solten guter dinge und nicht zaghaft sein Schütz hist. rer. pruss. (1592) 1, e 4ᵇ; einen heiszen, muͦtig, frölich und guͦter dingen seyn Frisius 158ᵇ;
gnedige frau, seyt guter ding!
Hans Sachs 2, 37 K.;
prägnant: frölich und guter dinge sein Luther 50, 511 W.; oder da man drüber von hertzen leichtsinnig und gar guter ding ist Mathesius Sarepta (1571) 231ᵇ; unterdessen sind die gäste lustig und guter dinge Olearius verm. reisebeschr. (1696) 55; mittlerweile war Otto der schütz guter dinge zu Cleve Grimm dtsche sagen 2, 187; vereinzelter: das sie den (bösen) man guter ding machten Geiler v. Keisersberg brösaml. (1517) 56ᵃ, wo gute dinge (s. V) im sinne 'rechtschaffene dinge' hineinkreuzt; im 16. jh. auch guter küchlein sein: nachdem ich erfaren, wie das ir guͦter küchlin bei den gesten ... gewesen (seid) schwänke d. 16. jhs. 392 Bobertag; über gut geschirr machen vgl. teil 4, 1, 2, sp. 3893.
6)
auf die gegenstände bezogen, deren artung den gehobenen gemütszustand herbeiführt.
a)
im sinne 'erfreulich'; so alt für evangelium, vgl.gut virkundunge Diefenbach 212ᵃ, guͦt kundung nov. gl. 157ᵇ:
that sea skoldin ahebbean   hêlagaro stemnun
godspell that guoda
Heliand 25;
kuot arende evangelium Notker 2, 107 P.; das evangelium ist als vil als ein guͦte botschaft in tutscher sprach Zwingli dtsche schr. 1, 33;
ich bring euch gute neue mehr
Luther bei Fischer-Tümpel 3, 23;
ebenso von nachrichten aller art:
waz mære hâstû vernomen?
guotiu mære! sage doch wie?
Hartmann Iwein 2207;
e der morig abend kome, ir guͦte mere haben sölt Arigo decam. 210 K.; es ist uns ein änickel geboren ... du verkündest uns guͦtte bottschaft Boltz Terenz (1539) 128ᵃ;
du wirst, das wil ich hoffen
mir bringen gut bescheid
Reinicke fuchs (1650) 368;
einem gute post bringen Kramer teutsch-ital. 2, 224ᶜ; ich bringe gute zeitung mit Ramler einl. (1758) 1, 300; wer will gute wahrsagung? maler Müller w. 1, 117; gute nachricht kommt stets gelegen Wander 3, 840; von da aus übertragen auf den boten, vgl. guͦter bott, der guͦte bottschaft bringt evangelus Maaler 199ᵇ;
ich bin ein engl von gott gesandt
meins ampts ein guͦtter bott genannt
Joh. v. Schwarzenberg büchl. v. zutrinken 41 ndr.;
doch auch in allgemeiner anwendung 'vergnüglich, lustig': wenn wir auch dahin (zum teufel) kommen, so haben wir doch guͦte geselschaft Ambach v. tantzen (1543) a 4ᵃ; bey guter gesellschaft ist gut sitzen Petri d. Teutsch. weish. 2, l 1ᵃ; B. (zeigte) ... in seinen besten jahren in guter gesellschaft einen sehr erfreulichen humor Göthe II 2, 192 W.; gute unterhaltung sei halber weg O. Ludwig ges. schr. 2, 11; wir sind schon eine weile in Zürch und haben ein gutes leben mit Lavatern Göthe IV 4, 151 W.; vergleichbar gut lewens machen spielen Martin-Lienhart 1, 248, mer wend guot leaban thuan wir wollen etwas spielen Schmid schwäb. 246 wohl im sinne 'sich vergnügen'; mit I C sich mischend 'erfreulich': es ist mein unglück, dasz ich ... alles von der guten seite ansehe Göthe IV 1, 201 W.; ich ... freue mich des guten eindrucks IV 41, 129.
b)
im sinne 'lieblich, schön', namentlich von dingen ästhetischer wirkung; ähnlich schon in alter sprache:
... thâr warđ sô wunsam sprâka
sô gôd word undar gumun
Heliand 3133;
sît daz gedenken dar von hinne (an die himmlische
sô süeze ist und sô rehte guot, herrlichkeit)
daz sich der geist entwindet
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2130 Weinh.;
guoter rede (feiner worte) kunnet ir vil
d. heidin 959 Pf.;
besonders von künstlerischen werken:
dur si man singet unde seit
so guot getiht und suez gedœne
Hadlaub in: minnesinger 2, 281ᵃ v. d. Hagen;
unt wisse er, wa
guot sank noch wære
er wurbe vil endelich darna
2, 280ᵇ;
dar umb wel ich springen
und ein gut litgen (liedchen) singen
Alsfelder passionsspiel 56 Grein;
nichts schickt, dünckt mich, nicht sich basz
als gut tranck und gute lieder
Königsb. dichterkreis 23 ndr.;
gut ghemelte anaglifa Diefenbach nov. gloss. 22ᵇ;
dar an si wol geschriben vant
mit guoter schrift wîs unde wort
U. v. Lichtenstein frauendienst 321, 24 L.;
heute ist gute handschrift mehr die leserliche als die eigentlich schöne handschrift und nähert sich damit I A 3; feste verbindung guter geschmack 'der dem ästhetischen feingefühl entsprechende geschmack': derjenige geschmack ist gut, der mit den regeln übereinkömmt, die von der vernunft ... albereit fest gesetzet worden Gottsched versuch (1751) 125, wo noch I A 4 durchschmeckt; der gute geschmack in den künsten Ramler einl. (1758) 1, 7; verstand ist die seele, genie der körper, und die erscheinung beider in einander heiszt: guter geschmack Herder 5, 608 S.; doch kann ich mich nicht enthalten, den guten geschmack zu predigen Göthe IV 1, 181 W.; mehr von der schönen erscheinungsform: (ein) saal, im guten geschmack decorirt I 17, 3; eine recht artige gratulation ..., die einen guten ton hat und überhaupt wohl gerathen ist IV 8, 9.
c)
gute künste 'die schönen künste' übersetzt lat. artes bonae, deren bereich durch die mittelalterlichen artes liberales bestimmt wird: der zirckel aller guten künsten encyclopaedia Calepinus XI ling. 480ᵇ; ein liebhaber der guten künst philologus Golius onom. (1585) 169; demnach wir vil herrlicher exempel haben, wie so ein schön, lustig, herrlich und auch zierlich ding sey umb ein menschen, der in guͦten künsten erfaren ist Montanus schwankb. 3 lit. ver.;
all gute künst sind gottes goben,
glehrte zum reich gotts soll man loben
Fischart s. dicht. 2, 379 Kurz;
dahero ... die tugend und guten künste in aufnehmen gesetzt wurden Lohenstein Arminius 1, 115ᵇ; in freierer anwendung:
heil ihm, der aus lorbeerwäldern
aus des ölbaums stillem hain
heimkehrt — allen guten künsten
bringt er weizen, öl und wein!
Brentano ges. schr. 2, 84;
(es) wurden einige mondscheine aufs papier gebracht, dann sonst allerlei gute kunst getrieben Göthe 32, 40 W.
d)
im sinne 'ergötzlich, erheiternd, unterhaltsam':
ich sünge gern hübeschen sang
und seit ouch guotiu mære
minnesinger 2, 355ᵃ v. d. Hagen;
so waren in irem mund vil hoflicher schimpfrede guͦter schwencken Niclas von Wyle transl. 23 K.; voll schimpfreden und guͦter schwäncken facetosus, jocosus homo Maaler 200ᵃ; gute schwenck facetiae Zehner nomencl. (1645) 8;
verzeuch ein weil und hab gedult,
es ist des guͦten gschwätz hie schuldt;
doch will ich komen jetz behend
sobald ich hab gehört das end
K. Scheit Grob. 2210 ndr.;
ähnlich in neuerer sprache guter witz, gute anekdote: ein guter witz musz den schein des unabsichtlichen haben v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 1, 43; vielfach ironisch gute geschichte 'unerfreuliche angelegenheit': das wird eine gute geschichte werden, seufzte ich innerlich v. Gaudy s. w. 2, 113; ähnlich auch gute possen, zunächst im sinne 'lustig', oft auch ironisch:
das macht uns guter bossen vil
und treibt visierlich affenspil
K. Scheit Grob. 2561 ndr.;
wil sunst ein guͦten possen machen
H. R. Manuel weinspiel 74 ndr.;
ebenso gute streiche 'schlimme streiche': wan sy (die pharisäer) erlagen in kunst, so wendeten sy sich zuͦ schmachworten, ufruͦr und guͦten streichen Judas Nazarei v. alten u. neuen gott 10 ndr.
7)
einen besonderen bedeutungskreis gewinnt gut im sinne 'zufriedenstellend hinsichtlich der ökonomischen lage', geradezu 'ertragbringend, vorteilhaft'; das attribut gut ist hier zwar teilweise als objektive wertangabe auffaszbar, doch überwiegt in den meisten fällen das subjektive moment der wertschätzung.
a)
bei zeitbestimmungen: guotiu jar unde ubeliu feraces annos et steriles Notker 1, 56 Piper; da waren gude jar, da kaufte man uf dem Rine ein gut fuder wines umb echte (acht) gulden Limb. chron. 78 Wysz;
ei was! es war ein gutes jahr, der bauer kann
schon wieder geben ...
Schiller 12, 70 G.;
s war heuer wieder a gudes jahr G. Hauptmann weber 54; goode jaare fruchtbare jahre Dähnert 157ᵇ; item in disen jaren was gude zit von fruchten unde von wine Limb. chron. 34 Wysz; gode tijd wolfeile zeit Dähnert 157ᵇ; guter sommer Fischer schwäb. 3, 941; etwas anders: er ... hatte auch allem ansehen nach keinen guten sommer gehabt Grimmelshausen 2, 20 K.
b)
bei begriffen, die den ertrag selbst bezeichnen: diu lant diu guoten wuocher berent Notker ps. 88, 6; hundertfaltigen guoten wuocher bringen dtsche pred. d. 13. jhs. 2, 52 Grieshaber;
farit im forđ mid thiu,   antfâhit is mieda,
guod lôn at gode,   ni sindun êniga geƀa beteran
Heliand 3484;
vgl.
þvíat af illom manni   mundo aldregi
góđs laun um geta
Hávamál 123, 3 Neckel;
ziu scal iu lon sin thanana guat?
Otfrid II 19, 26;
ich wil aber miete:
wirt mîn lôn iht guot,
ich sage iu vil lîhte daz iu sanfte tuot
Walther 56, 19;
ich wil dir geben guten lon
Hans Sachs 2, 4 K.;
neuere sprache empfindet aber guter lohn, gutes gehalt, gute bezahlung u. ä. mehr als quantitative kennzeichnung, vgl.gut VI;
daz dûht si ein guot gewin
wan si hêt got berâten
J. Enikel weltchron. 9208 Str.;
das er an jedem fuͦder guͦten gewinne hat Straszb. weinzapfordn. 545 Brucker; guͦter und groszer gwün lucrum bonum Frisius 159ᵃ; ich wil die sinnebilder (gemälde) umb meinen stammbaum mit gutem gewinn vergelten Bachmann janua lat. bipatens (1631) nr. 865; München macht einen guten gewinn an dem professor Phillips Brentano schr. 9, 283; gute ernte: gute düngung verspricht gute ernte Herder 23, 8 S., vgl. gute erndte buona raccolta Kramer teutsch-ital. 1, 578ᵇ; guter kauf vom käufer aus 'wohlfeiler kauf', vgl. ein guͦten kauf thuͦn bene emere Frisius 472ᵃ: wollfeul und sehr guets kaufs S. Kiechel reisen 244 lit. ver.; es were ein guͦttir kauf Platter 94 Boos; (der roszhändler) vernomen het wie söliche grosze rosz zuͦ Napolis gar in guͦtem kauffe weren Arigo decam. 78 K.; die muͦtter gibt so guͦten kauf als die tochter sprichw. (1548) 95ᵇ; gut kauf oder guten kaufes wohlfeil Müller-Weitz Aach. ma. 70; vom verkäufer aus 'gewinnbringend': andern gewerbetreibenden (wird) gutes geschäft (gewünscht) Fr. L. Jahn w. 2, 921; Türken ..., die eine gute handlung (handel) mit seide ... betreiben Jung-Stilling w. 3, 32; wen dy kinder und toten czum markte komen, zo wirt her gut prov. Fridanci 53; die spaten merckt werden gern gut sprichw. (1548) 8ᵃ; nachdem die mesz gut gewesen, giengen sie ... in der stadt spazieren Kirchhof wendunm. 1, 182; 'einträglich': das ich dir wil fünfhundert cronen geben und dich dartzu an ain guͦtt ampt schaffen Fortunatus 21 ndr.; diese gute pfründe Göthe 24, 21 W.; ebenso guter posten, gute stellung; du (soldat) bedörftest wohl wieder einen guten krieg, damit du wieder ein wenig zurecht kämest Grimmelshausen Simpl. 4, 246 Kurz; ein alter jaghund macht eine gute jagt Lehman floril. pol. 1, 10; eyiah ich hab ein fast guͦtten fund Boltz Terenz (1539) 77ᵃ; auch modern einen guten fund machen; 'vorteilhaft': ich wüszte für meine schülerinn eine sehr gute partey Gottsched dtsche schaub. (1741) 1, 86; eine sogenannte gute parthie Bauernfeld ges. schr. 1, 124.
c)
zur bezeichnung der günstigen wirtschaftlichen situation, in der sich die person befindet: sie müssen bey guten mitteln seyn Chr. Reuter ehrl. frau 12 ndr.; der schneider befand sich jetzt in guten verhältnissen v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 3, 8; sie nahmen dadurch selbst an gutem wohlstande zu Nicolai Seb. Nothanker 1, 26; in guden heften sein wohlhabend sein Bauer-Collitz 45ᵇ; sin sach guet han wohlhabend sein Staub-Tobler 2, 540; 'vermöglich': sie (war) ein töchtergen aus einem guten kaufmannshaus U. Bräker s. schr. 1, 244; gut machen: der todt und ein braut machen die armen gut, den da gibt man allmosen in den kasten für die armen Petri d. Teutsch. weish. 2, p 2ᵇ; anders 'verdienen': sie hatten heuer e hübsch biszchen gut gemacht Müller-Fraureuth 1, 452.
8)
gut als 'angenehm, erfreulich', verengert als 'ohne schwierigkeit, keine mühe machend' wendet sich in begrenzter anwendung zum sinn 'bequem, leicht'.
a)
bei begriffen wie reise, fahrt, weg, vgl.bane, eyn gut wech planities Diefenbach nov. gloss. 294ᵇ: gud weck umme had keyne krumme prov. Fridanci 40; im bilde: wer ist der, so er vindet sein veind, daz er in lest an dem guͦten weg erste dtsche bibel 5, 107; auf gutem wege sein 'bequem vorwärtskommen, erfreulich fortschreiten': meine freude ..., das geschäft auf so gutem wege zu sehen Göthe IV 41, 45 W.; 'sich in erfreulichem zustand befinden', gesundheitlich: ich war auf recht gutem wege, habe mir aber donnerstag ... ein halsweh geholt 30, 84; seelisch-geistig: der herzog ist auf sehr guten wegen ..., es klärt sich vieles in ihm auf 6, 173; er ... ist gewisz auf einem guten wege der kunst 8, 46; es hat gute wege mit etw. seit dem 17. jh. im sinne 'nicht viel mühe haben, es sich bequem machen mit etwas', 'zu spät sein': wann der vogel ausz dem gebauer ist, so hats mit der wache gute wege Chr. Weise grün. jugend 222 ndr.; von da aus zu verstehen als 'es hat keine eile':
o herr! mit dem hats gute wege!
Pfeffel poet. vers. 2, 45;
noch nicht, erwiderte der geleiter, damit hat es gute wege Fr. L. Jahn w. 1, 462; auch das hat gute wege 'hat keine eile', vgl. Brendicke Berl. wortsch. 132; schlieszlich 'es ist unmöglich': fürs leben gern möchte er den löwen spielen ..., doch das hat gute wege! er bleibt dennoch nur ein nachahmer Kretschmann s. w. 6, 49.
b)
redensartlich gutes spiel haben 'müheloses, leichtes spiel haben': wem das glück wol wil, der hat gut spiel Petri d. Teutsch. weish. 2, A a a 2ᵇ; weil aber die liebe menschheit niemals beysammen ist, so hat die natur gut spiel, sich vor unsern augen zu verstecken Göthe IV 13, 77 W.; vereinzelt mit machen: diejenige (literaturzeitung), die den angreifenden theil spielt, (wird) ... vor dem lieben deutschen publico unrecht behalten und der andern dadurch gut spiel machen 17, 39.
c)
halb terminologisch bei stoffen, die leicht zu verarbeiten und arbeiten, die mühelos zu verrichten sind: guete side leicht zu verarbeitende seide Staub-Tobler 2, 539; e guetes wupp webearbeit, die leicht vonstatten geht ebda; ebenso von rätseln und rechnungen 'leicht zu lösen' (in Zürich) ebda.
B.
in unpersönlicher konstruktion mit abhängigem infinitiv (bzw. gerundium) tritt gut bereits in älterer sprache mit den bedeutungen 'es ist angenehm, lieblich, vorteilhaft, bequem, leicht' auf, doch zeigt erst das nhd. diese anwendung voll entwickelt; der zunächst am satzanfang oder satzende stehende ausdruck es ist gut, wie gut ist (es) rückt früh direkt vor den infinitiv und kommt dem charakter des adv. nahe, sobald die strenge scheidewand zwischen gut adj. und wol adv. fällt; mit flektiertem inf. nach zu: wieo guot ('lieblich') sament dir ze wesenne ist Notker ps. 83, 2;
ez ist ze vehtenne guot ('leicht')
dâ nieman den widerslac tuot
Hartmann v. Aue Iwein 2477;
auch mit personalem dativ:
den frowen ez guot ('bequem') ze sehene was
her nider von dem palas
Wolfram Parzival 387, 19;
mit einfachem inf.: wieo guot ist sament puen (quam jucundum habitare fratres in unum) Notker ps. 132, 1.
1)
im ganzen selten bleibt voranstehendes es ist gut mit abhängigem inf. nebst zu: es ist gut ('vorteilhaft') riemen ausz ander leuth heut zu schneiden sprichw. (1548) 37ᵇ; es ist gut ('leicht') herr zu seyn, wenn einer das recht unter händen hat Petri d. Teutschen weish. 2, A a 7ᵃ;
da ist es gut ('angenehm') zu seyn und hütten aufzubauen
Logau sinnged. 199 lit. ver.
2)
häufiger ohne zu; mit anfangsstellung:
es wer gut ('leicht') schnecken mit dir jagen
Hans Sachs 1, 372;
es ist gut mit kindern spielen (statt mit den fortlaufenden hunden) sprichw. (1548) 159ᵇ; es ist gut ('vorteilhaft') den schnit an fremdem duch lernen Eyering prov. cop. 2, 536; es ist gut ('leicht') geduldig seyn, wann es eim wohl geht J. Gruter flor. eth.-pol. (1610) 1, 33; mit schluszstellung:
gelt einnemen sey allzeit guͦt ('vorteilhaft')
K. Scheit Grob. 2298 ndr.;
gelt zehlen ist gut aus ander leute beutel Friedrich Wilhelms sprichwörterreg. (1577) s 2ᵃ; unglück ahnen ist nicht gut ('angenehm') Müllner dram. w. 1, 4.
3)
gut steht vor dem inf. mit zu: wie ist hie so gar gut ('lieblich') zuͦ syn d. ew. wiszh. betbüchlin (1518) 29ᵃ; wir nahen einer epoche bei der nicht gut ('angenehm') zu verweilen ist Göthe 23, 61 W.; mit objektsdativ: dir ist gut ('leicht') gram zu sein Luthers sprichw. 14 Thiele; de sik loten seggen, den is gut to raden Tunnicius sprichw. nr. 364 Hoffm.
4)
gut steht vor dem inf. ohne zu: es ist ynn eine frembde haut gut ('vorteilhaft') schneiten Luther 30, 3, 210 W.; den es firwar nicht gut ('vorteilhaft') scherczen ist mit solchen klugen herren 19, 275; und ob es zwar gut ('angenehm') in diesem saal wohnen war Grimmelshausen 2, 406 Keller; im winter ist nicht gut wandern Luther gl. zu Matth. 24, 20 bei Dietz 2, 187ᵇ; nach geschehener arbeit ist guͦt feiern K. Scheit Grob. 47 (randglosse) ndr.; mit groszen herren ist nit guͦt kirsen essen, sie schieszen gern mit steinen zuͦ und werfen die stil eim ann kopf sprichw. (1548) 9ᵃ;
nachtigall, wohl ist gut wohnen
in der linde grünen kronen
Brentano ges. schr. 5, 98;
im dunkeln ist gut munkeln, vgl. Bauer-Collitz 24ᵇ; mit personalem dativ: wer gern dantzt, dem ist guͦt ('leicht') pfifen Geiler v. Keisersberg post. (1522) 2, 36ᵃ; den gelarten ist gut predigen Eyering prov. cop. 1, 395; aber einem gelehrten ist gut predigen Tieck schr. 6, 92.
5)
das objekt des infinitivs tritt als subjekt des satzes auf, eine erscheinung, der eine mischung mit dem gebrauch von gut III A zugrunde liegt; meist mit zu:
er sprach: frou, die rede lâz
under wegen belîben.
ich bin niht guot ze vertrîben!
Ottokar v. Steiermark reimchron. 18396 Seem.;
hie dicz gut ('leicht') zu mercken ist,
dasz hie sijhe der ware Crist
Alsfelder passionsspiel 874 Gr.;
was ich dich lern ist guͦt ('vorteilhaft') zu thon
K. Scheit Grob. 409 ndr.;
alte hunde sind nicht gut bendig zu machen prov. Fridanci 41; er wiszte wol, wir weren guͦt zuͦ verfüren von rechtem wesen Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 80 ndr.; in heutiger sprache entsprechend, z. b. das ist gut zu machen kann leicht gemacht werden; seltener ohne zu: es ist ein ding guͦt ('mühelos') schenden, aber bösz nachthuͦn sprichw. (1548) 155ᵇ; wenn ich einen schönen langen hals sehe, musz ich gleich wider willen denken: der ist gut köpfen Göthe 8, 212 W.; frischi wunden sind guet heilen Martin-Lienhart 1, 248; dis ist guet machen ebda.
IV.
gut bezeichnet die sinnesrichtung einer person hinsichtlich ihres verhaltens zu anderen personen und die akte und ergebnisse solchen subjektiven gesinnungsausdruckes nach verschiedenen seiten hin; als grundlage der einzelbedeutungen läszt sich die bedeutung 'geneigt, wohlmeinend, freundlich' ansehen, die das als ausgangsbedeutung erschlieszbare verhältnis des verbundenseins, passens, taugens (vgl. sp. 1228) auf das gebiet des psychischen überträgt; vgl.gut, freundtlich amabilis, benignus, humanus Henisch 1785. diese offenbar bereits in gemeingerm. zeit ansetzende bedeutung verrät noch in den fällen ihre beziehung zur teleologischen verwendungsweise (gut I), wo die sinnesrichtung auf einen bestimmten bereich eingeschränkt bleibt, vgl. wes þū ūs lārena gōd ('sei willig, geneigt zur lehre') Beowulf 269; war die gemain guet ('willig'), das gesetz gottes anzuͦnemen städtechron. 29, 27; ähnlich auch im sinne 'freigebig' (A 1 a) und 'gefällig' (A 1 b γ); vgl. auch ¹güte 3 und gütig 1.
A.
in bezug auf persönliche subjekte alt bezeugt.
1)
in aktiver beziehung; die gesinnung wird durch das handeln der person sichtbar, 'geneigt, wohlmeinend, freundlich, gefällig, gütig, liebreich'.
a)
als vielleicht frühester ansatz dieser bedeutungsrichtung erscheint eine verwendung, die auf die gesinnung des willig gebenden, so des gefolgsherrn gegenüber seinen gefolgsleuten und des gastgebers gegenüber seinen gästen abzielt, vgl. got. gastigoþs φιλόξενος 1. Tim. 3, 2 u. Tit. 1, 8 und gastigodei φιλοξενία Röm. 12, 13; vgl. anord. matgóđr Grímnismál proöm. 28 Neckel; und
fannka ek mildan mann   eđa svá matar góđan
Hávamál 39, 2 Neckel;
als 'freigebig' und darum zugleich 'von huldreicher, gütiger, edler gesinnung' namentlich epitheton des herrschers in der ältesten überlieferung, vgl.
ond ic wæs mid Ĕormanrīce   ĕalle þrāge,
þǣr mē Gotena cyning   gōde dohte;
sē mē beag forgĕaf,   burgwarena fruma,
on þām sĭexhund wæs   smǣtes goldes
gescyred scĕatta   scillingrīme
Widsiđ 89 Holth.;
cyning and cwēn sceolon geofum gōd wesan cod. Exon. 90ᵃ nach Bosworth-Toller 482ᵇ;
wela gisihu ih in dînêm hrustim,
dat dû habês hême   hêrron gôten,
dat dû noh bi desemo rîche   reccheo ni wurti
Hildebrandslied 47.
im got. bietet sich eine stelle ähnlichen charakters in Luk. 6, 35 'gnädig, gütig': wairþiþ sunjus hauhistins, unte is gods ist þaim unfagram jah unseljam, während sonst sels, bleiþs die bedeutung 'gnädig, barmherzig' mit mehr ethischreligiösem gehalt vertreten (vgl. auch sp. 1285); in der as. bibeldichtung klingt diese bedeutung noch nach:
... ik biun thîn êgan scalc,
hold endi gihôrig;   thu bist mîn hêrro sô guod,
mêđmô sô mildi ...
as. genesis 169 Heyne;
... was is helpôno gôd
mannun mildi ...
Heliand 2174 Heyne;
schon im mhd. tritt diese anwendung zugunsten von milte ganz in den hintergrund, doch vgl. noch etwa:
hie het her Iwein
sîne nôt überwunden
unde guoten wirt vunden
Hartmann v. Aue Iwein 3654;
wo in jüngerer sprache gut im sinne 'freigebig' angegeben wird, vgl. Staub-Tobler 2, 535 u. 537, Fischer schwäb. 3, 951, handelt es sich um sekundäre einengung von 2 aus.
b)
allgemein 'freundlich gesinnt, liebreich, wohlmeinend, gewogen, gütig' in prädikativem gebrauch, vgl. in kontrastierung:
ich sprach: 'bist übel ode guot?'
er sprach: 'swer mir niene tuot,
der sol ouch mich ze vriunde hân'
Hartmann v. Aue Iwein 484;
α)
alt mit dem dat. des objekts einem, einer sache gut sein, vgl. anord. þá er þú vart honum íllr þá var hann þér góđr bei Cleasby 210ᵃ.
αα)
mit personalem objekt, 'jem. zugetan sein, freundlich gesinnt sein; jem. gern haben, lieben'; von freundlicher gesinnung im allgemeinen:
that man is nâhiston   niudlîko skal
minniôn an is môde,   wesan is mâgun hold,
gadulingun gôd   endi wesan is geba mildi
Heliand 1450 H., vgl. 3274;
wie solt ich den geminnen   der mir übele tuot?
mir muoz der iemer lieber sîn   der mir ist guot
Walther 26, 11;
(er gebot) daz si dem fremeden kinde
guot unde genædic wæren
Gotfrid v. Straszburg Tristan 3387;
die schwiegern alle diese art haben, das sie ihren schnüren nicht gut sein Barth weiberspiegel (1565) 6ᵃ;
den leuten bin ich von hertzen gut
Chr. Weise erznarren 3 ndr.;
die bauern, die ihm nicht gut sind Rabener s. w. 6, 21; ich bin ihm sehr gut, achte den tapfern mann Klinger w. 1, 73; der geistliche herr sprach dabei freundlich mit allen, sodasz ihm bald ein jeder gut wurde Eichendorf s. w. 3, 92; schwächer, 'gewogen': den symbolikern konnte ich bisher nicht gut seyn Göthe IV 41, 30 W.;
verflucht! der teufel ist mir gut
H. v. Kleist 1, 393 Schm.;
auch mal. allgemein verbreitet, vgl. Fischer schwäb. 3, 951; Müller-Fraureuth 1, 452; Doornkaat-Koolman 1, 655 usw.; häufig eingeschränkter auf erotische zuneigung gehend, doch oft und besonders in heutiger umgangssprache auch von einem schwächeren grade der zuneigung als er in lieben ausgedrückt wird; im rahmen des minnedienstes 'geneigt, hold':
ichn weiz, wes sî mir niht ist guot
Hartmann v. Aue 1. büchl. 98;
prägnanter erst im nhd.:
mein mädgen ist mir gut!
Chr. Weise grün. jugend 27 ndr.;
denn ich bin dem artigen fräulein Amalie so gut Gottsched dtsche schaub. 1, 85;
warum bin ich dem hirtenmädchen
so gut und möchts auf meinen armen
in himmel tragen?
Schubart s. ged. (1825) 2, 36;
liebe Wilhelmine, ... ich bleibe dir herzlich gut in der festen überzeugung, dasz du auch mir noch herzlich gut bist H. v. Kleist briefe an s. braut 81 Biederm.; o, mein einziger Botho, wie schön das ist und wie gut ich dir bin Fontane ges. w. I 5, 187; bistu mi good? 'liebest du mich?' Dähnert 158ᵃ; ich bin ihm so gut, dasz ich ihn fressen möchte Rother schles. sprichw. 157ᵃ.
ββ)
mit sächlichem objekt, 'etw. gern haben, einer sache zugetan sein':
si ist so minneklich unt sældebære
zuht und eren ist si guot
Hadlaub in: minnesinger 2, 284ᵇ v. d. Hagen;
und deiner sprache, liebes glücke,
sind doch die mädgen gar zu gut
Lichtwer Äsop. fabeln (1748) 10;
ich bin dem küssen gar zu gut
Th. Körner w. 2, 134 Hempel;
wir sind der französischen schreibart in mancher absicht recht gut Gerstenberg Hamburg. n. zeitg. 41 lit.-denkm.; dem gelde gut sein geizig sein Müller-Fraureuth 1, 452; anders 'günstig sein, befördern':
sit daz du (minne) also gewaltik bist,
so wis minen vröuden guot
minnesinger 1, 316ᵃ v. d. Hagen.
β)
weniger ausgebreitet in präpositionaler verbindung mit personalem objekt; gut gegen, mit, zu jem. sein, 'jem. freundlich behandeln':
got selbi lerti unsich chuschi undi dimut,
gidult undi wesin widir ubili gut
undi vremidiz leit irbarmin
summa theol. 256 Waag;
sein sie gut gegen arme Göthe 24, 91 W.; umgangssprachlich gern verwendet z. b. meine stiefmutter ist immer gut gegen mich gewesen;
vergib, wenn ich aus angeborner neigung
mit einem jeden gut und froh zu sein,
mich dir verdächtig machte
Göthe 11, 288 W.;
er is gut mit mir 'gut gegen mich' Müller-Fraureuth 1, 452; in anderem sinne 'freundschaftlich mit jemand stehen': gut seyn mit jemand esser in buona Kramer t.-ital. 1, 579ᵃ; sie sind nicht gut miteinander non sono amici 1, 578ᶜ; sie soll doch recht gut mit der gräfin sein Lenz ges. schr. 1, 300 T.; sie sind guet mitenander sind freunde Martin-Lienhart 1, 249; die zwei sind nimmer guet mit einander Fischer schwäb. 3, 951; modern mit zu: sie gewann mit der zeit den mann auch in ruhiger und einfacher weise lieb, denn er war gut zu ihr Paul Ernst d. schmale weg z. glück (1926) 282.
γ)
im sinne 'freundlich, gütig, gefällig' in beschränkung auf ein bestimmtes tun; oft mit nebengeordnetem satz, der den inhalt des handelns näher bestimmt, namentlich in formeln des bittens verbreitet; vor dem 17. jh. nicht geläufig: ist herr pfarrer so gut gewesen und hat uns ... geben ..., was wir gebraucht (v. j. 1692) bei Fischer schwäb. 3, 951; er ist noch so gut gewesen und hat mir ... Kramer t.-ital. 1, 579ᵃ; der herr wolle doch so gut seyn und ... ebda; seyd nun auch so gut und verschafft uns audienz Gottsched dtsche schaub. 1, 469; sey nur so gut und schreib mit einigen worten deine billigung Göthe IV 21, 133 W.; sind se so jut un ricken se n bisken hin Brendicke Berl. wortsch. 131ᵇ; auch mit abhängigem infinitivsatz: ich möchte doch so gut sein, ihm seine mütze ... wieder zu geben Göthe 43, 275 W.; absolut als bittformel: lieber Blum, geb er mir doch einmal ein paar blümchen für den gnädigen grafen! sei er so gut! Gotter in F. L. Schröder hamb. theater (1776 ff.) 2, 209;
a feuer, san s so guat!
K. Stieler ged. 3, 14;
andere wendungen sind seltener: sie sind sehr gut, mir das zu sagen Göthe 23, 83 W.; in der form es ist sehr gut von ihnen, mir das zu sagen in heutiger umgangssprache gebraucht.
c)
im sinne 'gnädig, gütig, hilfreich', 'freundlich' von einer mehr habituellen sinnesrichtung, oft mit einschlag von gut V her.
α)
von gott, Christus und übermenschlichen wesen und mächten.
αα)
als attribut gottes tritt im got. (auszer Luk. 6, 35 s. o. a) nicht gut, sondern þiuþeigs auf, vgl. Mark. 10, 17. 18, ahd. dagegen entsprechend lat. bonus erscheint es bereits geläufig:
thuo im the guoda   god heƀanrîki
sniumo gisagda,   that hie sô weldi
lêstian an then landa
as. genesis 216 Heyne;
... 'thâr thu mi, hêrro mîn', quađ siu,
'nerienderô betst,   nâhor wâris
hêleand the gôdo   than ni thorfti ik sulîk harm tholôn
Heliand 4033 Heyne;
... nu lât thu sie, hêrro the gôdo,
sîđôn thâr sie seliđa fîđen;   nâh sind her gesetana burgî
2825;
firlih ouh mir gethinges,   thes mines heiminges;
wis fater mir joh muater,   thu bist min druhtin guater!
Otfrid III 1, 44;
der Israhelis got wieo guot der ist Notker ps. 72, 1;
got vori bimeinti in disin zwein dingin
al sin lob vuri bringin,
daz er si giwaltic undi gut (d. h. = woliwillic 26)
summa theologiae 23 Waag;
si bat got den guoten   sîner sêle pflegen
Nibelungen 1103, 3 Bartsch;
rîcher got der guote,
wie sol ez mir nû ergân?
Hartmann v. Aue Iwein 5972;
wan got guͦt ist, darumb sint wir und als, daz alle creaturen guͦtz hant, daz ist alles von der wesenlichen guͤte gottes allain Tauler pred. 8 Vetter;
zwar ist stehts unser gott barmhertzig und getreu ...
zu geben ist er gut und zu vergeben güttig
Weckherlin ged. 2, 150 F.;
in ausrufen erstarrt:
ach guter gott im himmel! wie so ruhig
die kinder schlafen! ...
Tieck schr. 1, 81;
ob ich erlaube, frägt sie? guter gott!
soll ich erlauben? und hab nie verwehrt!
Grillparzer s. w. 6, 156 Sauer;
seid mir hold, ihr guten götter!
Fr. W. Weber Dreizehnlinden ¹³⁶ 114;
die gute gottheit Mommsen röm. gesch. (1874) 1, 27;
wenn der gute himmel mir
ewig, ewig doch vergönnte
Bürger w. 5ᵇ B.;
und ein dorf nun — guter himmel!
o mir ahnet, was es sei
Mörike ges. schr. (1905) 1, 26 Göschen.
ββ)
bei der beziehung auf andere übernatürliche wesen und mächte spielt oft die bedeutung I C hinein, insofern ihre gütige gesinnung den glücklichen ausgang einer sache verspricht oder, mit einfärbung von gut V A 3 her, ein sittlich einwandfreies handeln bewirkt: du hast da einen guten engel gehabt Luther 23, 512 W.;
ein guter engel leite deine tritte
Wieland I 3, 157 akad.;
wicht, gude holden penates Diefenbach nov. gloss. 285ᵇ; besonders gute geister gegenüber den schädigenden bösen geistern, vermutlich schon in älterer sprache geläufig (vgl. th. 4, 1, 2, sp. 2635f.), vgl. die gute geister les bons esprits Duez nomencl. (1663) 2: dein guter geist füre mich auf ebener ban ps. 143, 10; wir sind ein paar gute geister und von einiger macht Deinhardstein ges. dram. w. 1, 11;
und wer die götter lachen hört,
als er den liebesmeineid ausgesprochen,
von dem hat sich der gute geist gekehrt
Brentano ges. schr. 2, 444;
ihr guter geist sey immer bey mir und die gegenwart des lieben gesezzes mache mich gut und glücklich Göthe IV 5, 114 W.; auf gutgesinnte menschen übertragen: laden sie einige gute geister ein Göthe IV 5, 19 W.; mein guter genius gab mir im traum ein, mich ... zu entfernen Gleim briefw. 1, 7 Körte; mehr wie αα gute natur in personifikation:
... ich tadle nicht gern was immer dem menschen
für unschädliche triebe die gute mutter natur gab
Göthe 40, 237 W.;
guter stern:
auf dem meer hat er guten stern:
seins todts die erben nicht begern
Mangold marckschiff (1596) b 4;
eh mich ... meine guten sterne
an meines kaisers hof hieher geführt
Schiller 13, 372 G.;
möge sein unternehmen vorwärts gehen, damit in die anarchisch-trübe kunst doch ein guter stern einmal wieder hereinleuchte Göthe IV 42, 163 W.
γγ)
älter ist gutes glück; in der regel personifiziert gedacht, wenn nicht der effekt selbst gemeint ist wie in den folgenden fällen, vgl. guot gluck successus Diefenbach 563ᵇ:
wirt mîn gelücke alsô guot
sô mîn herze unt der muot
Hartmann v. Aue Iwein 5517;
got gheve uns guet gelucke, wy werden in allen enden wol getrost recesse u. akten d. hansetage 2, 227;
es geh ihm, wie es woll, er ist gerüst zu leiden
das gut und böse glück
Zinkgref auserl. ged. 62 ndr.;
in der formel zu gutem glück 'glücklicherweise', vgl.zu gut geluck auspicato Diefenbach 63ᵃ: eben zu gutem glück hat der juncker ... sein visier fürgethan Amadis 60 lit. ver.; sie würden aber nicht viel nützliches verrichtet haben, wan nicht zu guten glück ein schäfer darzu gekommen wäre Anton Ulrich v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 32; zum guten glück stand bei den kranichen und reihern ein schmucker silberfasan Scheffel ges. w. 1, 142; sonst ist die personifikation meist ausgesprochener: guͦt glück ist nimmer on dück sprichw. (1548) 151ᵃ;
ist mein gelücke gut,
so will ichs bald erleben
Chr. Weise grün. jugend 54 ndr.;
wir brennen von ergebenheit,
dem guten glücke dank zu sagen
Stoppe Parnasz (1735) 9;
wir sind ohne schuld in diese verwirrung gerathen, das gute glück mag uns wieder heraushelfen Göthe 23, 213 W.; formelhaft mit gutem glück:
von Zürch ein gsellig burgerschaft
mit guͦtem glück und manneskraft
gen Straszburg auf das schieszen fuhr
Fischart glückh. schiff 88 ndr.;
wenn er sein verrähtrisch stük
hett verbracht mit gutem glük
Reinicke fuchs (1650) 182;
auf gut glück 'im vertrauen auf die gunst des glückes' ist nicht vor dem ende des 18. jhs. geläufig: du verlässest mich, ... einer person zu gefallen, welche auf gut glück herum zieht samml. v. schausp. (1764) 1, 71; wollen sie es daher auf gut glück mittwochs wagen und herüber kommen, so sollen sie wohl empfangen seyn Göthe IV 18, 81 W.; gekröpfte weiden ... bezeichneten die richtung, in der sich die fahrt, im übrigen auf gut glück hin, vorzubewegen hatte Fontane I 1, 137; etwas anders im sinne 'ohne überlegung, blindlings': tausend dinge musz man blindlings und auf gut glück annehmen Tieck schr. 7, 228; nunmehr gab es augenblicke, in welchen ... er auf gut glück nach allen seiten hin umhergriff W. Raabe hungerpastor (1864) 2, 23; seltener gutes geschick: eine reihe von ... jubelfesten auf eine ... dankbare weise gegen das gute geschick zu feyern Göthe IV 41, 33 W.
β)
von menschen 'gütig, freundlich':
neinâ hêrre! sist sô guot,
swenne ir güete
erkennet mîn gemüete,
daz si mir daz beste tuot
Walther 14, 18;
als beiname: ich, Otto der guͦtt, gelob und schwer dir Judas Nazarei v. alten u. n. gott 30 ndr.; die guten patres thaten mir alles gutes Jürgen Andersen oriental. reisebeschr. (1696) 129 Olearius; Herder war gar gut, wenn er öfter so wäre, man mögte sich nichts bessers wünschen Göthe IV 5, 132 W.;
o freyheit! freyheit! nicht nur der demokrat
weisz, was du bist,
des guten königes glücklicher sohn
der weisz es auch
Klopstock oden 1, 148 M.-P.;
war sie nicht von hoher gestalt ... und so freundlich, so gut? Klinger w. 4, 22; gott, sie sind immer so gut, frau Dörr. aber was wird nur ihr alter sagen? Fontane ges. w. I 5, 129; o tadel, mein guter feind, singe du meinen grabgesang v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 1, 149; er hett guet ('gefällige') lütt gfunge (gefunden) Seiler Basler ma. 153; vgl. ein guter kerle Fischer schwäb. 3, 951; gott und guete leute haben mir immer geholfen ebda 952; etwas anders mit einwirkung von b her 'wohlmeinend, gewogen', 'liebevoll': kein guete mensch han Staub-Tobler 2, 535; kein mensch, der mitleiden mit ihr hat, sie hat keinen guten menschen (v. j. 1787) ebda; danck für die bratens, wir wollen sie in gesellschaft mit guten wesens verzehren Göthe IV 4, 328 W.; dieses zärtliche, gute, liebliche geschöpf I 21, 30; auch kann ichs nicht verschweigen, wie gut du warst maler Müller w. 1, 117;
sie ist gar zu lieb und gut!
Grillparzer s. w. 7, 132 S.;
so glücklich war ich den abend und du warst so lieb und gut Fontane ges. w. I 5, 154; noch anders: en guete meister nicht strenge Staub-Tobler 2, 535.
γ)
auf die organe der gesinnung übertragen, besonders vom herzen, vgl. mhd. holdez herze; im spiel mit gut V:
doch was ir herze niht sô guot,
sine hæte zorn und unmuot
Gotfrid v. Straszburg Tristan 10253;
von guͦtem hertzen und gemüt amicus ex animo Frisius dict. (1556) 83ᵃ; einem etwas von guͦtem hertzen gäben Maaler 199ᵇ; das ir zuͦ thuͦn die spitalerin verhiesche mit guͦttem hertzen Warbeck Magelone 81ᵃ B.;
so nimm doch meinen grusz mit gutem hertzen an
Chr. Weise grün. jugend 32 ndr.;
ihr mädchen kommt, theilt mit, was euer gutes herz vermag maler Müller w. 1, 117; wie kann tücke in ein auge kommen, wo das herz ... so brüderlich gut ist Gerstenberg Ugolino in: dtsche nat.-lit. 48, 254; im erstarrten genitiv: bemelter könig truͦg wenig guͦts hertzens zuͦ den abten Stumpf Schweizerchron. (1606) 369ᵇ, vgl.herzensgut (teil 4, 2, sp. 1235; ebenso vom gemüt, der seele usw.: gott wolle mir solche leute bescheren, die eben so ein gutes gemüthe ... bey sich führen Chr. Weise polit. redner (1677) vorr.; vgl.en god gemöd gutmütiger mensch Mensing 2, 424; eine gute seele una buon anima Kramer t.-ital. 1, 577ᶜ; die person vertretend:
habt dank ihr götter! auch zu Peckin sollt ich
eine gute seele finden
Schiller 13, 341 G.;
mehr nach 2 a hin: dein vater war übrigens eine gute seele, gott wirds nicht so genau mit ihm nehmen A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 274 Sch., vgl. eine gute seele Fischer schwäb. 3, 951; ähnlich auf die person als ganze bezogen: Hans erkannte zu seiner hohen freude, dasz das Fränzchen in gute hände gefallen sei W. Raabe hungerpastor (1864) 3, 157; streute eine gute hand wermuth darauf Göthe 43, 103 W.
2)
in mehr passiver beziehung; die gesinnung wird durch die art und weise, wie die person sich im umgang mit andern allgemein verhält oder auf bestimmte anforderungen psychisch reagiert, gekennzeichnet: 'gutmütig', 'gutwillig, gutartig', 'versöhnt'; in einigen maa. gilt als gegensatzbildung ungut, vgl. Fischer schwäb. 6, 1, 191, Staub-Tobler 2, 545.
a)
ansätze zur bedeutung 'gutmütig' mit dem nicht seltenen negativen beisinn der gutmütigen schwäche begegnen schon mhd.:
er tete als ein guot man
und liez ez aber hin gân
frauenlist 577 Henschel, vgl. 615;
swâ guot man hât ein übel wîp
unt dâ bî unverwizzen gar, vervluochet sî der lîp!
Reinmar v. Zweter 464, str. 105 R.;
(er) ist zu grund gangen, weiln er zu gut war Schupp schr. 794; oft in sprichwörtlichen wendungen: allzu gut verderbt es gar Henisch 1790; wenn einer gut ist, so hoffirt man ihm gar aufs maul Serz idiot. 59ᵇ; gar zu gut ist liederlich Binder sprichw. 81; zu gud isch e stick von der lidderlichkeit Follmann lothr. 221, vgl. Martin-Lienhart 1, 248; zu jut is halb liederlich Brendicke Berl. 131ᵇ; ol tou gûd îs olermans huntsfût Bauer-Collitz 42ᵇ; hai is sou ghudd, hai dait kainer flaige wat te lehe (zu leide) Firmenich Germ. völkerst. 1, 356; mit anklang an V C 1 als 'brav, aber schwach': ville zu jut vor disse welt Brendicke Berl. 131ᵇ; mit weiterentwicklung zum sinne 'einfältig, dümmlich', vgl. Fischer schwäb. 3, 952: den gedultigen nimpt man alles, das sie haben, heyszt sie narren und guͦte leuth sprichw. (1548) 19ᵃ; möchten ir etwa ein guoten schlechten gsellen nemmen, an dem nützit gelegen wäre (v. j. 1531) bei Staub-Tobler 2, 536; ich bin so gut, so einfältig gewesen und hab es geglaubt Kramer t.-ital. 2, 829ᵇ; ein guter narr un sempliciotto ebda 1, 577ᶜ; en gueter Tscholi ein mensch von fast einfältiger gelassenheit und gutmütigkeit Staub-Tobler 2, 536; e gueter Jokli Martin-Lienhart 1, 248; a aler guder norr Rother schles. sprichw. 338.
b)
jünger erscheint die bedeutungsrichtung 'gutwillig, gutartig, verträglich, geduldig, lenksam, folgsam', die im gegensatz zu a mehr die positive bewertung der sinnesart betont: als der pabst in Frankrich zuͦm keiser kam, dor rit im der guͦtt, duldig keiser entgegen Judas Nazarei v. alten u. neuen gott 28 ndr.;
der meister was zu guter man,
er liesz im dieses auch hin gahn
Fischart 2, 235 H.;
man ist gut, wann es umb den finger gehet, wann es aber einen seine haut trifft, so krümbt sich auch ein wurmb Lehman flor. pol. (1640) 381;
Aiax soll nicht mehr, alsz ich mein,
in dem spiel ihr guts mänlein seyn
W. Spangenberg bei Dähnhardt griech. dram. 2, 68 lit. ver.;
ich bin gut, aber ich kann auch bös seyn, wenn ich will Kramer t.-ital. 1, 578ᶜ; immer kän ma net gutt sein Rother schles. sprichw. 254ᵇ; dor blief mal ener god bi! das soll man sich nun gefallen lassen Mensing 2, 425; hei (der igel) was en guden kerel un konnte olles verdrägen, äwer up sine beine let hei nicks kumen Bauer-Collitz 261ᵃ; s is a gudr man — ja, wenn a schläft Rother schles. sprichw. 264ᵇ; so nhd. ein guter narr, guter irrer 'ein ungefährlicher, harmloser geisteskranker'; in anwendung auf tiere im sinne 'nicht bösartig, fromm', vgl.de brune gohde als pferdename im viermannbuch (17. jh.) Mensing 2, 428; folgsam wie ein gutes lamm Göthe IV 1, 170 W.; z. b. fürchte dich nicht, es ist ein guter hund; noch anders mit affektwert 'brav, lieb': du bist mein alt gut tier O. Ludwig ges. schr. 2, 322; in übertragung auf krankheiten harmloser und ungefährlicher natur: die guten blattern im gegensatz zu den bösen, vgl. Frisch 1, 386ᶜ; ein spitzig und hitzig gewächs am leyb, wie ein guͦte blater, ein kleiner eisz Frisius (1568) 595ᵃ, vgl. guetbläterli hitzbläschen Staub-Tobler 2, 540.
c)
spezifischer im sinne 'versöhnt', namentlich nhd. in verbindung mit wieder; vergleichbar:
Esau wart alse guͦt,
das er vil gar ze guͦte
becherte in sinim muͦte,
swas er zornes ie gewan
Rudolf v. Ems weltchron. 6695 Ehr.;
dann spricht sie honigsüsz, bald wendet sie den muth
und fährt ihn schnaubend an, bald ist sie wieder guth
Rachel sat. ged. 18 ndr.;
wo ist denn die frau mutter? sie sitzt schon am tische und wartet auf sie. kom nur fort Sch., sie ist schon wieder gut Chr. Reuter ehrl. frau 35 ndr.; sie ist in ihre kammer gangen, H., du kannst wieder rauf. nu ist sie wieder gut! O. Ludwig ges. schr. 2, 328; he ward wol weller god Mensing 2, 425; mer sein wieder gut mitenanner Müller-Fraureuth 1, 452; wieder jut werden sich versöhnen Brendicke Berl. 131; ähnlich gut sein als 'sich zufrieden geben': sei nur gut, Hannesle! O. Ludwig ges. schr. 2, 383; mit personalem dativ wie 1 b α verbunden: und wenn mir der vetter nun auch wieder gut wäre Schiller 14, 143 G.; er war so lieb, dasz es nicht möglich war ihm böse zu sein, man muszte ihm wieder gut werden Konstanze Mozart in O. Jahn Mozart 3, 172; mit personalem akkusativobjekt einen wieder gut machen, vgl. einen wiederum gut machen rachettare uno Kramer t.-ital. 1, 578ᶜ: wenn er etwas gethan hat, was ihm verboten worden, so darf ich ihn nur ernsthaft ansehen und er kommt gelaufen und küszt mich, mich wieder gut zu machen Schiller br. 4, 66 Jonas, vgl. Staub-Tobler 2, 536.
3)
zur allgemeinen kennzeichnung dessen, dasz zwischen personen ein verhältnis der geneigtheit, zuneigung, freundschaft, vertrautheit usw. besteht, wird gut als den affektcharakter betonendes beiwort dem personalnomen beigefügt; in jüngerer sprache geht dieser gebrauch in weitem umfange zugunsten des ähnlich verwendeten lieb in eine mehr steigernde funktion über, erhält sich aber in bestimmten wendungen bis in die neuste sprache, oft durch den zusammenklang mit andern bedeutungen gestützt; im mhd. zeigen sich liep, vriuntlich und trût oft als synonyma dieser anwendungsweise. die bedeutungsschwere von gut wechselt je nach dem sinnzusammenhang; als allgemeinster oberbegriff kann etwa 'wohlgesinnt' gelten, der sich nach verschiedenen seiten hin nuanciert.
a)
guter freund; als 'geneigt, wohlgesinnt', dann 'hilfsbereit, treu':
wer hât mich mînes kindes   und iuch des iuwern man
bî also guoten friunden   sus mortlich âne getân?
Nibelungen 1023, 4 Bartsch;
'saget, wer brâht iuch her'?
'guote friunt'! 'nû sagent doch, wer'?
Hartmann v. Aue Erec 9034;
ensament solten wesen
gerne guote vriunde:   sô möhten si genesen
Kudrun 237, 2 M., vgl. 1419, 4;
ein gut gancz freund ist besser dann gold und silber oder edelgestein Otto v. Passau nach C. Schulze bibl. sprichw. 101; wer ein guͦten freund hat, der hat ein guͦt pfand sprichw. (1548) 23ᵇ; schwächer an eigengehalt bei mehr intensivierender verwendung 'vertraut, lieb, intim', vgl. ein geheimer, ein guter freund familiaris amicus, intimus Calepinus XI ling. 545ᵃ: uneinikeit und kriege under guten freunden ze machen, er meister was Arigo decam. 20 K.; so ich doch oft mitten auf dez margkt bey guten freunden zwo oder drey stunden gestanden Hutten opera 2, 81 Böck.;
so man dir gibt ein guͦten bissen
den dir ein guͦter freund thuͦt senden
K. Scheit Grob. 742 ndr.;
da ich itzo dieses schreibe, kömmt von einem guten freunde ein brief J. Riemer polit. maulaffe (1679) vorr.; könnt ihr euch beim guten freunde bedanken Schiller 3, 89 G.; ähnlich als antwort auf den anruf der schildwache im sinne 'wohlmeinend, nichts böses im schilde führend':
(Faust:) wer da? (Meph.:) gut freund!
Göthe 14, 160 W.;
prädikativ gut freund sein 'nahe befreundet sein': Franckreich und teutsche nation (sind) alle zeit gut freund gewesen und (haben) treuwlich gut und blut zusammen gesetzet N. Falckner frantz. chron. (1572) 1, 173ᵃ; mit Hellbach schien sie besonders gut freund H. v. Kahlenberg Eva Sehring 144; er will überall gut freund sein er ist ein schmeichler Staub-Tobler 2, 535; mehr formelhaft in der anrede guter frunt, wer bistu oder von wannen komest? Reuchlin Lukian in: ztschr. f. vgl. litteraturgesch. n. f. 8, 413;
gut freund, gesellen, weib und kind
Hans Sachs 1, 433 K.;
den erbarn und ehrngeachten Hermes von Wingen ... und Lorentzen Gossmann, rathsverwandten und bürgern zu Waldcappel, meinen besondern guten freunden Kirchhof wendunm. 265 Öst.; guter freund, frage lieber: wozu diese ganze schrift? Hippel üb. d. ehe (1774) vorber. v; ihr lieben leute von Köln und guten freunde von Berlin Alexis Roland v. Berlin 1, 24; ironisch: bleib, guter freund! Schiller 3, 28 G.
b)
von stärkerem eigenwert ist die affekttragende bedeutung von gut bei begriffen, die ein nicht ohne weiteres als affekthaltig anzusprechendes verhältnis persönlicher beziehungen ausdrücken, so guter geselle, guter nachbar, guter bekannter usw.; in guter geselle kreuzt besonders stark die bedeutung I B 4 hinein und gewinnt nicht selten die oberhand, doch bleibt meist ein spürbarer rest von affektgehalt zurück; mehr objektiv:
thes dages fuarun thanana   sine drutthegana
gisellon zuene guate   seragemo muate
Otfrid V 9, 4;
vom geliebten:
wol dir geselle guote
daz ich ie bî dir gelak
minnesinger 1, 4ᵇ v. d. Hagen;
meist von freunden und gefährten, nicht das 16. jh. überdauernd:
ez giengen zwen gesellen guot
mit einander dur einen walt
Boner edelstein 73, 1 Pf.;
es kan nyemant recht gedencken,
was wird und eren an im leitt,
der es mit red nit übergeitt
und guͦt gesell wesen kan
liederb. d. Hätzlerin 242 H.;
und (die ritter) beliben darnach guͦtte gesellen Warbeck Magelone 9 B.; der was Oporini und min guͦtter gsell Th. u. F. Platter 88 Boos; in einem stettlin drey burger saszen ..., die alle drey guͦt gesellen mit einander waren M. Lindnere rastbüchl. 24 lit. ver.; im 15. u. 16. jh. mit einfärbung von gut III A 5 u. 6 her im festen sinne 'trauter, lustiger gefährte', besonders als zechgenosse:
die man heizet guot gesellen
die legent wênic guotes vür
Heinrich d. Teichner 231 Karajan;
sol er dann faren zuͦ der hell
so well er syn eyn guͦt gesell
und leben recht mit andern wol
Seb. Brant narrenschiff 57, 10 Z.;
thu fort in allem wollust schweben
mit gutn gesellen nacht und tag!
Hans Sachs 6, 138 K.;
es gilt noch eines umb guter gesellen willen, aller guten ding sollen drey sein Luther 26, 550 W.;
sitz nider, bisz ein guͦt gesell
K. Scheit Grob. 641 ndr.;
guter gesell bei dem wein ist ein böser kindervatter Lehman flor. pol. (1662) 3, 135; mit prävalenz von gut I B:
noch sô sagten sie dâ bî,
daz er ein gût geselle sî
landgr. Ludwigs kreuzfahrt 2626 Naum.;
wan das wasser trybt grosze mülreder mit seiner sterck, auch so trincket gar manicher guͦter gesel den tod daran Eulenspiegel 31 ndr.;
es ist gar mancher gut gesell auf erden,
dem solches nicht kan beygemessen werden
G. Voigtländer oden u. lieder (1642) 105;
ein guͦter nachpaur vicinus bonus Frisius 159ᵃ;
(ich habe) gut nachbauren, freund, maid und knecht
Hans Sachs 1, 439 K.;
ein guter nachbar ist ein edel kleinot Eyering prov. copia (1601) 2, 102; war sich salba lobt, hot ken guda nubber Rother schles. sprichw. 338ᵃ; ein guter bekandter un buon amico Kramer t.-ital. 1, 577ᶜ; modern blasser: es sei nur eine freundschaftliche collation guter bekannten, die hier zufälligerweise zusammenträfen Musäus volksmärchen 1, 61 Hempel;
bleib du im ewgen leben
mein guter kamerad!
Uhland ged. (1863) 248;
er hatte das unglück, sich von der neigung zu der frau eines ... guten gefährten in feld und jagd ... hinreiszen zu lassen Ranke s. w. 1, 224; in ähnlicher verwendung auch auszerhalb fester formelbindung, vgl. ein frund, ein guter gunner amicus Diefenbach nov. gl. 20ᵇ; durch etliche seine guͦt güner Arigo decam. 42 K.;
darffstu eins guͦten gasts zu dir,
so bring Bacchum auch her zu mir
K. Scheit Grob. 47 ndr.;
vergleichbar:
willkommen meine vielgetreuen bürger
aus Orleans! wie stehts um meine gute stadt?
Schiller 13, 194 G.;
all ihr vögel im guten grünen wald! E. M. Arndt s. w. 6, 243 R.-M.
c)
als ausdruck der zuneigung oft als epitheton bei verwandtschaftsbezeichnungen oder bei namen verwandter oder befreundeter menschen:
hier gute mutter! dieses götterbild
ruft mich zu meinem schicksal
Schiller 13, 362 G.;
unsre gute mama hat mich an Starckens handbuch erinnern lassen Göthe IV 1, 168 W.; mein guter vater gerieth darüber in verzweiflung 43, 24;
und wer der zeit vorauseilt, guter bruder,
kommt früh ans ziel
Grillparzer s. w. 5, 42 S.;
grüszet und küsset den guten Gustel Göthe IV 8, 20 W.; ich bin aber krank, meine gute Bettina fürst Pückler briefw. u. tageb. 1, 86; gute Mathilde, lieber Heinrich, das war alles, was sie einander sagen konnten Novalis schr. 4, 160 Minor.
d)
einen besonderen charakter hat gut seit alters als epitheton in der vertraulichen anrede; der anredende drückt durch gut die dem angeredeten wunschmäszig beigelegte eigenschaft des wohlwollens, der freundlichkeit aus, in die je nach der situation auch andere bedeutungen einbezogen werden können;
sie quatun zi in, sos iz zam: 'wes scowot ir thar, guate man?'
Otfrid V 18, 3;
biwaz kerôst thû, guot man,   daz ih thir geba trinkan
Christus u. d. Samariterin 7;
ir guote schifliute,   ir bringet mich ze lande
Kudrun 133, 3 M.;
suochent, guote liute,
in winkeln und under benken
Hartmann v. Aue Iwein 1286;
er sprach 'als ichz iu nbiute,
komt wider, guoten liute'
Wolfram Parzival 208, 30;
guetter man, dir sey bekannt
altdt. passionssp. a. Tirol 21 Wackernell;
o ir gute männer, wie seyt ihr so irr gereiset volksb. v. dr. Faust 61 Br.; wir sind reisende ritter, ihr guten leute, die das unwetter überrascht hat H. v. Kleist w. 2, 217 Schm.; ihr gueti lüt vertrauliche anrede Martin-Lienhart 1, 248;
dar inne werde erlischet, herre guot,
ê du volendest dînen muot
Konrad v. Würzburg Partonopier 7767;
guter junger herr, dergleichen leut packen sich nicht wie ein flüchtiger dieb Göthe 8, 85 W.;
gutes weib, lasz mich weiter schreiten
Klinger neues theater (1790) 1, 9;
ihr pflegt auch zu singen, guter alter Göthe 21, 203 W.; hierher:
guter mond, du gehst so stille
in den abendwolken hin
bei Böhme volksth. lieder d. Deutschen 357;
ironisch: o ihr guten herren apotheker, wie man die simplicia einzelte, so würde denen kranken viel eher geholfen Ettner v. Eiteritz ungewissenh. apot. (1700) 790; spöttisch: o du guter kerle Fischer schwäb. 3, 952; gern substantiviert:
wie meine gute? rätselhaft war sonst
nie deine rede
Schiller 1, 317 G.;
nach kurzer zeit, mein guter, tret ich wieder vor und zwar dieszmal mit wunsch und ansinnen Göthe IV 38, 73 W.
4)
im 15. und 16. jh. ist eine verwendung spezieller art gebräuchlich, die sowohl auf 1 'freundlich, gefällig, freigebig' wie auf dem in erotischer richtung liegenden 2 'lieb, traut' beruhen kann und ins pejorative 'hurerisch' übergeht: der W. was in ainem hausz bey ainer guͦtten dieren (15. jh.) städtechron. 22, 352; die des benanten Schwarzburgers gute diern gewesen ist und büberey mit der gepflogen hat (v. j. 1494) Ulmer einungsbuch bei Schmid schwäb. 246; dasz dieselbig guet dürn mit anderer gespilschaft in die zimbrisch behausung kam Zimmer. chron.² 3, 366 B.; gude dochter (v. j. 1485) 'dirne, prostituierte' K. Bücher Frankf. berufswb. 54ᵃ; do aber die guͦt tochter vernam (von einer dirne gesagt) Fortunatus 100 ndr.; die ain guͦtte gesellin ist und die durch geltes willen irn leib nyeman versagt 98; gute bäszlein (dirnen) Lindener katzipori (1558) 126; wohl hierzu: guətə Lisəl (schimpfwort) in: Frommann d. dt. maa. 7, 471, vgl.das guotli Elsi Kürze und derglychen liederlich frowen (1508) bei Staub-Tobler 2, 537; anders, euphemistisch für 'schädlich, unheilbringend': (die hexe hat) vor dreyen jahren Matthes Herman zwey paar gute kinder, wie sie sie nennet, oder elben zugebracht, derowegen, dasz er ihr einen scheffel korn verweigert (v. j. 1583) in Carpzov pract. nov. rer. crim. (1635) 1, 440ᵃ.
5)
eine vorab in älterer sprache gebrauchte sonderbedeutung ist hier anzuschlieszen, wenn auch ihr ursprung nicht völlig aufgehellt werden kann; vielleicht von gut IV A 2 aus im sinne 'sich viel gefallen lassend, viel erdulden müssend' entwickelt und zur bedeutung 'bemitleidenswert' verengert, doch läge auch verknüpfung mit den den bresthaften leuten zugewandten guten werken (s.gut IV C 3 und V B 3 a α) nahe, vgl. etwa: den armen knechten (almosenbrüdern), die man nennet die brot-durch-got urk. v. j. 1376 in: ztschr. f. d. gesch. d. Oberrheins 12, 14; anderseits könnte für gute leute 'aussätzige' auch von der krankheit aus die bezeichnung erklärt werden, entweder als volkstümlicher euphemismus für 'gefahrbringende, ansteckende menschen' (vgl. oben 4 schlusz) oder als benennung für leute mit einer krankheit, die nicht zum jähen tode führt wie etwa die pest.
a)
seit dem 13. jh. bis in das ältere nhd. hinein gilt gute leute für 'aussätzige', mhd. sonst miselsühtige, ûzsetzige, sundersieche, veltsieche, als fester terminus, vgl. 1 pfd. rappen den armen luͤten in den siechenstuͦben im spital ...; 1 guldin, ye 121⁄2 β für 1 guldin, den guͦten luͤten; mer 1 guldin den armen luͤten im platerhausz testam. a. d. anfang d. 16. jhs. in: ztschr. f. d. gesch. d. Oberrheins 12, 30: gute leuthe in der rothen kirch seelgerätebrief v. 1271 bei Scherz-Oberlin 581; bi den guͦten lúten vor der stadt ze H. urk. v. j. 1296 in: württbg. urk.-buch 10, 547; und setzet den siechen des alten spitals nuͤn untze hellere und zweier cappen zinses, die man git von Drutzenhuse ... und den guͦten luͤten ein phunt hellere urk. v. j. 1318 in: ztschr. f. d. gesch. d. Oberrheins 12, 13 anm.; (ein) knecht, genant Klobelauch ..., der den guten luiten im garten liesz (v. j. 1439) bei Scherz-Oberlin 581; der guten leute sein, werden 'aussätzig sein, werden': ein swester ..., die was der guten leut (15. jh.) bei Fischer schwäb. 3, 952; des alten Deckers weib, so der guten leut sein soll, soll sich schauen lassen ratsprotokoll v. 1528 bei Schmid schwäb. 246; der abbt ward der guͦtten lútt (15. jh.) bei Fischer a. a. o.; auch als zusammensetzung: ist aussätzig oder gehört zu den gutleuten Martin neu parlement (1637) 157, vgl. auch gutleuthaus.
b)
allgemeiner 'bemitleidenswert'; die traditionell für 'bedürftig, arm' hierher gewiesene stelle: Nibelungen 1061, 2 B. gehört indessen zu gut V A 2, was die bearbeitung in hs. C besonders deutlich werden läszt; daher erscheint diese bedeutung für mhd. zeit noch nicht gesichert und ist nicht notwendig die voraussetzüng für a, zumal bei b auch gut IV A 3 c als ein das mitgefühl ausdrückendes epitheton in der anrede hineinspielen dürfte und gut V C 5 nicht weit abliegt; für 'bedürftig' vgl. nur godeman mendicus, qui ostiatim stipem petit Kilian dict. (1623) l 3ᵃ; für leibeigene leute:
ja, täglich mir seind für der tür
die guten leut und bringen für,
wie sie es nit mehr mügen erzügen,
so tüind sie die herren bügen
Myricäus Bercht. rediv. (1630) nach Staub-Tobler 2, 536;
'bedauernswert': der guet mann ist kummen um all syn hab und guet U. Meyer Winterth. chron. v. 1540 -1573 ebda; die gueten sēlen die seelen im fegfeuer ebda.
B.
alt ist auch die beziehung auf formen des subjektiven gesinnungsausdrucks, also abstracta wie gesinnung, meinung, wille u. ä.; vgl. neben den alten bezeugungen für guter wille (s. u. 2) altnord. góđr hugr 'wohlwollen':
ver þú heill, Hymir,   í hugom góđom!
Hymiskviđa 11, 2 Neckel,
s. weitere belege bei Neckel edda 2, 63ᵃ;
... hwanda hie habda starkan hugi,
mildean endi guodan
Heliand 30 Heyne.
1)
fast ganz auf ältere sprache beschränkt bleibt guter mut als 'freundliche gesinnung', vgl. auch nhd. gutmütig:
zalt er managfaltaz guat   ufan sia joh thes ginuag
joh luad sia harto guates   joh suasliches muates
Otfrid V 12, 90;
weder wider mich sîn muot
wære übel ode guot,
desn weste ich niht die wârheit
Hartmann v. Aue Iwein 476;
gap diu minne guoten muot (machte gutherziger)
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 5465 Ben.;
wan das in guͦtem muͦte (in gutem einvernehmen)
einvalteclih in guͦte
dú selbú zal (zählung) alda geschah
Rudolf v. Ems weltchron. 31076 Ehr.;
wie A 2 b: etwas ... dultig und von guͦtem gemüt tragen und leyden animo meliore aliquid ferre Frisius 158ᵇ; mehr nach III A 5 hinüberspielend: der kreis, aus dem diese lieder kommen, ist zwar ein beschränkter, aber heiter, von gutem muth und willen Göthe IV 29, 19 W.
2)
bis in heutige sprache steht guter wille durch; es entspricht lat. bona voluntas, doch ist es kaum entlehnte formel, vgl. altnord. góđvild, f. 'wohlwollen': hann sýndi enn gođvild sína bei Möbius altnord. gloss. 146; meist nicht mehr als 'geneigter, freundlicher, tatbereiter wille', doch gelegentlich an gut V B 1 b angelehnt wie schon in den übersetzungen von Luk. 2, 14: mannam godis wiljins (εὐδοκίας) got. bibel, vgl. unten sp. 1305; vgl. auch gutwillig.
a)
als 'freundlicher, geneigter, wohlmeinender wille', vgl. gunstig gemute, gutis willen susigkeit pietas Diefenbach 433ᶜ:
... al sô hie thia thioda gihôrda
wrêđon wordon,   ne was is willio guod
Heliand 5584 Heyne, vgl. 3972;
ichn weiz wie dîn wille stê
wider mich: der mîne ist guot
wider dich
Walther 60, 21 L.;
ir müget nun wol mein guͦten willen und freuntschaft zuͦ euch vernomen haben Arigo decam. 267 K.; das e. m. von nöten het umbzuͦsehen und zuͦ trachten, aller stend gunst und guͦten willen zuͦ bekomen Sleidanus reden 150 B.; mein guͦter will und neigung gegen euch (wird) weder frembd noch wunderlich beduncken K. Scheit Grob. vorr. 3 ndr.;
des tisches arme kost, den guter wille deckte
Gotter ged. 1, 275;
... 'kommt, dem nachbar
steht die thür des nachbarn offen'!
drauf der greis: 'dem guten willen
besten dank'!
Fr. W. Weber Dreizehnlinden ¹³⁶ 101;
in verbaler wendung:
der helt von Burgonden   in allen guoten willen truoc
Nibelungen 1736, 4 Bartsch;
eim günstig seyn und einen guͦten willen zuͦ im haben etwas diensts zebeweysen Frisius dict. (1556) 160ᵇ; einen guͦten willen zuͦ einer tochter gewünnen animum adjicere ad virginem 94ᵇ; auch guten willen haben, vgl. ich soll hiemit (4 kannen wein) von ihnen verehret sein und ihren guten willen haben Dürer nachl. 112 L.-F.; mit Botschkai im bey den seinen ein guͦten willen gemacht Stumpf Schweizerchron. (1606) 50ᵇ; schon formelhaft in präpositionaler verbindung 'freundlich', vgl. mit guͦtem willen benevole Frisius dict. (1556) 162ᵇ:
mit guotem willen gruozter sî
Hartmann v. Aue Iwein 7953;
'gern':
daz ist och âne mînen zorn
mit guotem willen gar verkorn
Wolfram Parz. 402, 18;
'wohlwollend, nachsichtig': aber fühlen hätte der verfasser sollen, dasz man seine arbeit mit gutem willen lesen musz, deszhalb der ausfall besonders gegen uns nicht am rechten flecke steht Göthe an Schiller 841; ut gauen willen aus gefälligkeit Schambach Gött. 60ᵃ; nach gut IV A 1 c α hin vom willen höherer wesen 'gütig, gnädig': din (gottes) guot willo ist uns skerm unde era Notker ps. 5, 13;
in deme guten willen
entpfienc der vater stillen
die gnade die der sun begienc
Heinrich v. Hesler apokal. 932 H.;
feste formel ist gottes guter gnädiger wille: gottes guͦter gnediger wille geschicht wol on unser gebet Luther 30, 1, 252 W.; von hier aus zu verstehen: s wer e guete gotswill es wäre gut, sehr zu wünschen Seiler Basler ma. 153.
b)
das moment der freundlichen gesinnung kann früh zugunsten einer bloszen inneren bereitschaft zu einem tun zurücktreten; gut drückt dann oft nur den begriff des tatbereiten, freiwilligen handelns aus und wird nicht selten zur bloszen verstärkung:
lât uns stên die mœre,   mir und mînen man.
wir wellen sciere hinnen: des ich guoten willen (ernste absicht) hân
Nibelungen 76, 4 Bartsch;
das der mensche ... vinde des in ime einen wol bereiten guͦten willen, was er wiste das got von ime wolte ..., das er sich darzuͦ zemole bereit vinde, das ze tuͦnde Tauler pred. 139 Vetter, vgl. 137, 27; do die künigin irer gesellschaft guͦten willen vername Arigo decam. 16 K.; sie wöllen meinen hertzlichen gutten willen und meynung, der armen jugent ... nützlich zu sein, christlichen ansehen Mart. Agricola mus. instr. vorr. 4 Eitner; namentlich der tatbereite wille im gegensatz zur mangelhaften oder mangelnden ausführung: so nem ewr genad den gueten willen zusampt meinem werck für guet U. Füetrer bayer. chron. 214 Spiller; es solt an gutem willen villeicht weniger denn bey dem Turcken mangeln Luther 30, 2, 142 W.;
all gutar will wirt ta bewisen
all frait, die fil farmainten,
auch träumten unt for langst farhisen
Fischart Garg. 50 ndr.;
und überall es mir gebricht,
als nur am guten willen nicht
Göthe 16, 152 W.;
das schicksal, welches den guten willen nicht zur that werden liesz W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 246; den guten willen zu etw. haben, einem den guten willen machen Fischer schwäb. 3, 951; mein guter wille ist nix höfliche entschuldigung ebda; in präpositionaler fügung mit (von) gutem willen erstarrt 'mit geneigtem willen, mit einwilligung':
mit mînem guoten willen si tuot in allen aller sorgen buoz
Reinmar v. Zweter 19, 6 R.;
die andere helfte der wandernden Cimbern zohe mit gutem willen der Chautzen ... über den Rhein Lohenstein Arminius 1, 900ᵃ; meinen bedienten aber liesz ich mit seinem guten willen zurücke Rabener s. w. 6, 264; ganz verblaszt: es ist mir abscheulich, etwas von ihrem guten willen zu erhalten, was mich ... verletzt oder beleidigt Göthe IV 19, 517 W.; besonders rechtssprachlich alt im sinne 'freier wille' und präpositional 'freiwillig', vgl. dienstbarkeit usz gutem willen unverpflicht obsequium Diefenbach 389ᵇ, in zusammenrückung guͦtswillens voluntate Frisius (1556) 1404ᵃ; ich (habe) mit guden willen unde vrien wilkore ... werzegen unde uffgelazen al daz guͦt (v. j. 1299) hess. urk.-buch 1, 482 Wysz; das soll der vorgeschribnen pürgen guet willen sein (v. j. 1347) bei v. Brandis landeshauptl. v. Tirol 64; (was er) nicht schuldig ist zu uben, es sei dann, daz er dazselbe tuͦn welle mit seinem guͦten willen (v. j. 1356) bei Zeumer gold. bulle 2, 118; darumb besorget (Saladin), er (der jude) im von guͦtem willen nicht mit sölcher groszer summe gelt ze liebe würde Arigo decam. 33 K., wo die quelle di sua volontà bietet; ähnlich noch heute in gebrauch, vgl.das is mei freier gudr wille Rother schles. sprichw. 302ᵃ; zur leeren füllformel entkernt:
undern arm sluoc er
mit guotem willen daz sper
Hartmann v. Aue Iwein 5026;
der leit sô lûtez krachen gap
als der einen starken stap
mit guotem willen bræche enzwei
Ulrich v. d. Türlin Willehalm 54, 9 S.
3)
gute meinung, gute absicht u. ä., gern in präpositionaler fügung, die in älterer sprache oft durch das subst. mit durch wiedergegeben ist durch guot (s.gut IX B 5); vielleicht schon hierzu: tannan geskihet taz kuot anawanunga eresta dero sih keloube dien misselungen ist (existimatio bona 'wohlwollende beurteilung') Notker 1, 37 Piper;
in guoter meine ich warne iuch alle stunden
Frauenlob 400, 2 E.;
so ich guͦte wolmeinung der leser ... spüren würd K. Scheit Grob. vorr. 7 ndr.; dann der geschrifft halb wer guter meynung geschehen Seb. Brant W. v. Hohensteins waal, anh. zum narrensch. 204ᵇ Z.; etwas thuͦn oder reden in guͦter meynung oder ausz guͦtem hertzen Frisius (1568) 158ᵇ; die weyl es ausz einer gutten meynung und allen kunstbegirigen zuͦ guͦt geschicht A. Dürer underweysung (1525) a 1ᵇ; (die Catten hätten) unterschiedene römische kaufleute, die guter meinung (in friedlicher absicht) zu ihnen kommen, beraubet Lohenstein Arminius 1, 22ᵃ; mit beimischung von gut II B 4:
sie werden unvermerkt die gute meynung,
worauf du jetzo fuszest, untergraben
Schiller 12, 212 G.;
er soll sich vor mir reinigen, er soll
mir meine gute meinung wiedergeben
Grillparzer s. w. 8, 9 Sauer;
etwas anders nach gut I C hin liegend: lassen sie sich in ihrer guten meinung von diesem kritischen werke nichts irren Lessing 8, 39 L.-M.; (die) viel zu gute meinung vom kunstvermögen der alten Etrurier Göthe 46, 71 W.; nur mhd. ist guter wahn als 'freundliche gesinnung':
sin truͦwe, sin stet, sin guͦder wan
is gar an mir zurblichen
Muscatblüt 34, 24 Gr.;
als 'gute meinung': daz bezeichnet die guoten wân und daz guot wort, die man hat von eines guoten menschen heiligen lebene Leyser pred. 41, 9; jung ist gute absicht: (eine) leidenschaft ..., deren herrschaft über ihn allein hinlänglich war, alle guten absichten seines neuen freundes zu hintertreiben Wieland Agath. (1766) 2, 200; betreten darüber ..., dasz der alte seine gute absicht so übel aufnahm E. T. A. Hoffmann s. w. 6, 152 Gr.; wenn du mir nur glaubst, dasz ich in guter absicht gesprochen habe Th. Mann Buddenbrooks (1901) 2, 99; so auch gutes vorurteil, das aber meist nach gut I C hinübergreift: da er von seiner tüchtigkeit ein so gutes vorurtheil gefasset hatte Wieland Agathon 2, 46; könnten sie jedoch einstweilen hier und da ein gutes vorurtheil für die sache erregen und mir irgend jemand anzeigen, der schon vorbereitet wäre und den prospectus freundlich aufnähme ... Göthe IV 19, 419 W.; ähnlich: dann purgierts auch die übertrieben gute einbildung, die man von sich selber hat U. Bräker s. schr. 2, 112; hierzu stellt sich ein gutes andenken, vgl. þatei gaminþi unsar habaiþ god sinteino got. bibel 1. Thess. 3, 6: die reden der ... beamten, die in gutem andenken bei den soldaten standen Mommsen röm. gesch. (1908) 2, 307; behalten sie mich in gutem andenken Göthe IV 4, 181 W.
C.
seit früher zeit werden auch die ausdrucksresultate der geneigten, freundlichen gesinnung wie wort, gebärde, tat durch gut auf die psychische haltung des handelnden subjekts zurückbezogen; gut erhält dann die bedeutung 'aus freundlicher gesinnung stammend', vgl. den entsprechenden gebrauch der ableitungen gütlich und gütig.
1)
von der rede, den worten usw., die eine freundliche gesinnung zum ausdruck bringen:
... siu ni wissa that sia thie suno drohtines
gruotta mid gôdaro sprâkun;   siu wânda that it thie gardâri
wâri
Heliand 5929 Heyne;
diu rede was im ande   und dûhte in niht guot
Kudrun 992, 2 M.;
ir mochtet mir bescheinen
doch mit guoter rede daz
ir mir wêret nicht gehaz
Heinr. v. Freiberg Tristan 1027 Bechst.;
eyne gute rede findet eyne gute stat prov. Fridanci 58;
lützel guoter (güetlîcher var.) sprüche   redet er (Hagen) derzuo
Nibelungen 1500, 2 Bartsch;
am häufigsten und bis heute lebendig gutes wort, besonders im plural; mit einschlag von gut III A 6:
dô gap er mir vil guotiu wort
Lohengrin 1404 R.;
gut wort, arg tück,
vil grüsz, bösz blick,
das ist der sit auf erden
G. Forster fr. teutsche liedlein 19 ndr.;
und sollen kein gut wort mehr von mir hören Luther 30, 3, 470 W.;
jedoch stillt ers (das heer) mit guten worten
Hans Sachs 8, 450 K.;
allzu gute wort haben wenig glaubens Friedrich Wilhelms sprichwörterreg. (1577) a 1ᵃ; wenn ich geklaget, hätte er mirs schon zahlen müssen und der tebel hohl mer kein gut wort darzu Chr. Reuter Schelm. 97 vollst. ndr.; allem ansehn nach werden wir heute von dem herrn baron nicht viel gute worte zu erhalten haben ollapatrida 145 Wiener ndr.; des tages wuszte er sich nicht zu erinnern, an dem der 'wohlthäter' ihm ein gutes wort gegönnt ... hätte v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 10; 'versöhnend':
unbewegt und stolz will keiner dem andern sich nähern,
keiner zum guten worte, dem ersten, die zunge bewegen
Göthe 50, 221 W.;
feste verbindung ist gute worte geben, s. o. Lohengrin 1404: wie er (der papst) ... einem jeden theil guͦte wort geben hat Sleidanus reden 206 B.; er gab ihr so gute wort, dasz endlich Gretel ja sagte Grimmelshausen 2, 365 Keller; um das service zu haben, muszt ich auf der fabrick gute worte geben Göthe IV 20, 83 W.; andere verbindungen in der bedeutung 'fürsprache tun': ein guͦt wort gegen einem verleyhen Frisius (1556) 930ᵇ, vgl. Serz idiotismen 59ᵃ; das sie uns ein guͦt wort gegen irem herren verleyhe Vogelgesang-Cochläus gespr. v. d. trag. Joh. Hussen 26 ndr.; modern besonders ein gutes wort einlegen: ein gutes wort für sie bei euch einlegen Schiller 3, 90 G.; einem e guetes wort zuechen tuen (Basel) dasselbe wie für einen e guetes wort īnleggen (Zürich) jemd. zu gunsten reden, ihn empfehlen Staub-Tobler 2, 537; sprichwörtlich: ein gut wort findet eine gute statt Luthers sprichw. 407 Thiele, vgl. oben prov. Fridanci 58; ein gutes wort findet eine gute statt, aber ein vernünftiges keine Göthe IV 29, 19 W.; ein gutes wort findet ein gutes ort Fischer schwäb. 3, 951; formelhaft mit geld und guten worten, vgl. schon guete wort und alt gelt, das verricht bei der höchern oberkait ... alles Zimmer. chron.² 3, 600 B.; mit gelde und guten worten Micraelius altes Pommerland (1639) 2, 291; vor geld und gute wort Chr. Reuter Schelm. 3 vollst. ndr.; oft ins pejorative umschlagend 'freundlich scheinende, gleisznerische worte': gute wort, nichts dahinter Luther 39, 355 Erl.; guot hofwort und bös käuf M. Frecht (1549) bei Fischer schwäb. 3, 951; guͦt wort müssen böse wahr verkaufen sprichw. (1548) 175ᵃ; betriegen geschicht mit guten worten Lehman flor. pol. (1662) 1, 106; redensartlich sich durch gute worte fangen lassen sich betrügen lassen; fälle entsprechenden gebrauches von gut 'freundlich' auch sonst nicht selten, doch klingt oft gut I C mit hinein: ein gut trost erfrewet das hercze prov. Fridanci 74; die freundlichkeit und der gute trost des wundarztes Göthe 23, 27 W.; wir danken ew. gn. wegen des guten anerbietens tugend- u. liebesstreit in: Creizenach schausp. engl. comöd. 79; gut grusz gibt gut antwort Luther bei Schulze bibl. sprichw. 55; der kaiser begann damit, seinen vorschlag zu erneuern und um gute ('wohlwollende') antwort zu bitten Ranke s. w. 1, 130; modern häufig gute wünsche: der grosze gute wille ruft alle unsere besten guten wünsche Göthe IV 41, 54 W.
2)
von gebärden und körperlichen ausdrucksformen freundlicher gesinnung; mit einschlusz der worte guter grusz:
der guote gruoz der vreut den gast, swenn er în gât
Spervogel in: minnesangs frühl. 25, 5;
guter grusz ist vieler kranckheit busz Neander dt. sprichw. 14 L.; guter grusz ist halbe speisz Lehman flor. pol. (1662) 3, 132;
die tritt mit gutem grusz herein
Göthe 16, 124 W.;
weil ihr durch mich seit gebracht zu diesem glück,
laszt mich genieszen auch biszweil ein guten blick
Zinkgref auserl. ged. 59 ndr.;
dieser (konnte ihn) ... nie wieder mit gutem auge ansehen Fr. H. Jacobi w. 5, 68; einem kein guetes aug gën (geben) unwirsch sein im umgang Staub-Tobler 2, 537; ən Χēoəs augə up aͦinən häbn jem. lieben Böger Schwalenberg. ma. 150; ebenso hd. ein gutes auge auf etwas haben oder werfen im sinne 'etw. gern besitzen wollen'; etwas anders 'freundlichkeit verratend': aus den schönen guten augen Göthe 25, 254 W.; (er wurde) bey dem eintritt in sein haus durch ... die menge und die gute mine der bedienten ... in eine art von verwunderung gesezt Wieland Agathon (1766) 1, 46; (er) brachte sie durch seine ... gemachte lustigkeit dahin, zu allen seinen grausamen erklärungen eine gute miene zu machen Gutzkow ges. w. 4, 43; redensartlich gute miene zum bösen spiel machen, vgl. v. Gaal sprüchw. (1830) 257; sie hatte dieselbe art ..., immer gute miene zum bösen spiel zu machen Fr. v. Reventlow ges. w. (1925) 1127; ihr (der mutter) gutes gesicht war alt, so alt geworden E. G. Kolbenheyer Montsalvasch (1912) 319.
3)
von handlungen und handlungsergebnissen verschiedener art, die durch gut im sinne 'aus freundlicher gesinnung geschehen, wohlwollend gegeben, gern gewährt' u. ä. charakterisiert werden:
endi selbo gibôd,
that sea an friđe fôrin   wiđar fîundo niđ,
thea idisi mid is orlôƀu gôdu ...
Heliand 4213 Heyne;
si kust ir vriunt die næhsten,   swaz si der bî ir vant.
mit guotem urloube   si kômen ûf den sê
Nibelungen 526, 3 Bartsch;
dô wart der rîterlîchen magt
von mir gnâde gesagt
ir guoten handelunge
Hartmann v. Aue Iwein 389, vgl. 6480;
fräulein Reseda, welche so oft im wochenblättchen anzeigt, dasz sie mehr auf gute behandlung als groszen gehalt sehe Brentano ges. schr. 5, 65; die gute aufnahme, welche die erste ankündigung ... gefunden hat Wieland d. deutsche Merkur 1, 3; den 27. ging eine kleine sendung noch von Jena, der ich guten empfang wünsche Göthe IV 34, 10 W.; (ich musz) ein mal meinem hertzen, das gesteckt voll guͦter gedänken und freuntlicher guͦtwilligkeit, ... einen luft geben Hutten op. 1, 449 Böck.; darumme ab ir, sô ir bôse sît, kuͦnnit gûte gâbin gebin ûweren sûnen des Matth. v. Beheim evang.-buch 19 B.; ein gnediger segen und gute gabe gottes Mathesius Sarepta (1571) 1ᵃ inhaltsang.; bey dieser gelegenheit seh ich doch auch, dasz ich diese gute gabe der himmlischen ein wenig zu kavalier behandle Göthe IV 4, 21 W.; einen gar guten brief von meiner mutter hab ich kriegt ebda 12; er tut mir kein gutes stücklein nicht den kleinsten gefallen Fischer schwäb. 3, 951; gute werke u. ä. siehe unten V B 3 a.
4)
gut bestimmt die verhältnisart mehrerer personen zueinander als 'auf freundlicher gesinnung beruhend' und nähert sich dem sinne 'freundschaftlich, vertraut', doch ist auch blassere verwendung als bloszes epitheton des affektwertes häufig; mit vollem gehalt:
ist unser minne âne kraft,
sône wart nie guot geselleschaft
Hartmann v. Aue Iwein 5110;
ich war newlich ynn einer gutten gesellschafft Luther 26, 552 W.; gefärten ..., die under dem schein einer freundschafft, einer guten gesellschaft euch in abwege zu führen begehren Moscherosch insomn. cura par. 24 ndr.; kuche uber den zaun, kuche herwidder, helt gutte gefatterschaft prov. Fridanci 51; man musz etwas thun von guͦter nachbaurschafft wegen sprichw. (1548) 180; dabei hielt man doch auf gute nachbarschaft, ... beging häusliche feste mit einander Ranke s. w. 1, 231;
halten also der Mayn und Rhein
correspondentz und gut verein
M. Mangold marckschiff (1596) b 4;
um zu sehen, ob auch zwischen den erwachsenen ein gutes verhältnisz entstehen könne
Göthe 24, 7 W.;
Paul von Lichtenstein, der in gutem verhältnisz mit Venedig stand, war für einen angriff auf Mailand
Ranke s. w. 1, 118;
einige besitzer benachbarter bergschlösser standen mit den kaufleuten in gutem vernehmen
Novalis schr. 4, 99 Minor;
der kaiser war ... genöthigt, ein gutes vernehmen mit dem papst aufrecht zu erhalten
Ranke s. w. 1, 205;
mir liegt daran, dasz wir in gutem einvernehmen scheiden
Freytag ges. w. (1887) 6, 71;
bei diesem guten einverständnisz in hinsicht der auswärtigen angelegenheiten
Ranke s. w. 1, 114;
hierher stellt sich auch die junge redensartliche wendung auf gutem fusze mit jem. stehen u. ähnl., die ihren ausgang aber wohl von gut I A auf gutem fusz ('solider grundlage') stehen (s. U. Bräker s. schr. 2, 138), auf guten fusz stellen (s. Göthe IV 21, 240 W.) u. ähnl. her genommen hat; heutigem sprachgefühl nach ist auf gutem fusze bedeutungsgleich mit auf vertrautem, freundschaftlichen fusze: Preuszen setzt sich auf guten fusz mit Frankreich Grillparzer s. w. 14, 146 S.; Saturnius und Glaucia waren ... keineswegs auf gutem fusze mit der geldaristokratie Mommsen röm. gesch.¹⁰ 2, 204; war es unvermeidlich, sich mit signor Camilla auf guten fusz zu stellen Justi Winckelmann 2, 1, 182; der verstand und das herz stehen auf sehr gutem fusze v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 1, 36.
V.
gut bezeichnet in anwendung auf menschen, menschliche eigenschaften, handlungen und einrichtungen, zustände und erscheinungen des lebens aller art, dasz ihnen vom standpunkt der ethischen bewertung, sei es nach der in den sittlich-religiösen geboten gottes niedergelegten oder in der philosophischen ethik aufgezeigten morallehre, das prädikat 'dem bereiche des sittlichen zugehörig' zukommt; die moralphilosophisch und moraltheologisch in frühchristlicher zeit schon scharf ausgeprägte ethische bedeutung des lat. bonus hat auf die entwicklung dieser bedeutung von gut nach der christianisierung der Germanen entscheidend eingewirkt, es namentlich dem theologischen verwendungszweck zugeführt; wieweit in vorchristlicher zeit germ. gut ethisch wertenden sinngehalt gehabt hat, läszt sich nicht mehr ausmachen, aber sowohl gut I A 4 'schicklich', I B 2 'tapfer', I B 5 'tüchtig' (nicht I C wie sp. 1228) wie namentlich gut II B 1 'edel, vornehm' und IV A 1 'huldreich, freundlich' enthalten bereits ethische wesenselemente, die die verwendung von gut für die sphäre des sittlichreligiösen empfindens vorbereiten konnten, vgl. eddisch góđr 'ehrlich, anständig':
(der fährmann sagt zu Thor:)
bađat hann hlennimenn flytia   eđa hrossa þiófa,
góđa eina,   ok þá er ek go̜rva kynna
Hárbarzlióđ 8, 7 Neckel.
A.
sittlich gut von personen und den organen der moralischen gesinnung spezialisiert sich nach verschiedenen richtungen je nach den anwendungsgebieten der ethisch bestimmten haltung; der ethisch-religiöse gehalt von lat. bonus übt in der ausbildung der sonderbedeutungen hier einen um so stärkeren einflusz aus, als die differenzierung der moralischen qualitäten nach dem vorbild der lat. theologischen und philosophischen schriften erfolgt; im got. ist die personale verwendung nur in einem einzigen falle und nur in der substantivierung bezeugt: ubilans jah godans (πονηροὺς καὶ ἀγαθούς) Matth. 5, 45, doch fehlt es an einer gröszeren zahl geeigneter vergleichsstellen, sodasz nicht sicher auszumachen ist, ob die christlichen Goten das attributive adjektiv in diesem sinne nicht auf personen angewendet haben, weil sie für diesen gebrauch þiuþeigs benutzten, vgl. Luk. 6, 45: þiuþeigs manna (ὁ ἀγαθὸς ἄνθρωπος); in ahd. zeit ist die ethische bedeutung von gut bei personaler verwendung stark von der religiösen seite her bestimmt und zweigt daher auch spezifisch religiöse sonderbedeutungen ab, vgl. guot probus, sanctus, pius Graff 4, 157 (s. unten 2).
1)
in allgemeiner ethischer verwendung; gut im sinne 'rechtschaffen, tugendhaft, nach den göttlichen geboten und den irdischen gesetzen einen sittlich reinen lebenswandel führend', vgl.gut, ↗sittig moralis Diefenbach nov. gl. 257ᵃ; gut probus, albus, apertus, candidus, dexter, castigatus, honestus, recticors, innocens, integer, inculpatus, justus, purus ab humanis cupiditatibus, illabefactabilis ad impia Alberus nov. dict. (1540) 394.
a)
früh mit stark religiös bestimmtem gehalt hinsichtlich der sittlichen beurteilung nach den geboten gottes.
α)
im gegensatzpaar gut und böse, besonders im hinblick auf das urteil gottes beim jüngsten gericht, vgl.gerecht und ungerecht; substantiviert:
... skêdit that werod an twê
thea gôdun endi thea ubilon
Heliand 4447 H.;
in einerweo gahwelihero steti gascauwont enti gasehant gotes augun guote joh ubile Monseer fragm. 27, 23 Hench;
giwisso, thaz ni hiluh thih,   thoh sint thie liuti missilih,
fehemo muate,   ubile joh guate
Otfrid II 19, 24,
weitere fälle für subst. adj. s. unten gut VIII A 1 a; guot man fon guotemo tresewe sines herzen frambringit guot inti ubil man fon ubilemo bringit ubil Tatian 41, 5;
thea forgriponon gumon   sô samo sô thea gôdun man
Heliand 2591 H.;
di undir iu (Jakobs söhnen) werden guͦt
die sin mine sun in got;
die ubelen ich zersprenge,
elliu genade si in enge
genesis u. exodus 107, 34 Diemer;
der guͦte (mensch) lidet sich darinne (der versuchung) durch got ..., aber der böse enmeinet got nút und vellet in die sunde Tauler pred. 116, 15 V.; der mensch ist nit genuͦg guͦt, der nit bös leut umb sich geleiden mag und in vertragen Geiler v. Keisersberg häslein (1510) D d 2ᵇ.
b)
auch ohne den betonten gegensatz zu böse zeigt gut ein moraltheologisch bestimmtes gepräge, doch ist in älterer sprache die abgrenzung gegenüber c und d oft kaum möglich: guot man inti reht Tatian 212, 1;
... thanan quamun guoda mann,
wordun wîsa   gewitt linôdun
as. genesis 115 H.;
kuot man ih nebin Notker ps. 68, 20;
wanta iagilih tho thar instuant,   thaz ther man scolta wesan guat,
zi guaten sih gizeliti,   ther suntigan so queliti
Otfrid III 17, 47;
ther ther thanne thiob was, inder thanana ginas,
nam sîna vaston: sîdh warth her guot man
Ludwigslied 16;
und were ein iglich mensche alse getruwe und also gut d. heil. regel 19, 24 Priebsch; wie not wer dis manigen guͦten menschen, die in guͦter einvaltikeit ungewarnet uzloͮffent von irme grunde in guͦt schinenden wisen und werken Tauler 36, 1 V.;
und wer auch diss nicht entud,
der ist ein schalk und nicht gud
Joh. Rothe lob. d. keuschh. 1769 N.;
daz also eines guͦten gerechten man sele solt verdampt sein Arigo decam. 29 K.; aber disse (menschen) sind durch und durch gutt Luther 10, 1, 1, 456 W.; ich byn nicht gutt gnug, das du unter mein dach gehist var. zu Luc. 7, 6 bei Dietz 2, 186ᵇ; ähnlich gehaltvoll:
o, ich will gut noch werden, fromm und gut!
Grillparzer 4, 152 S.
c)
allgemeiner, und auch in neuerer sprache die geläufigste verwendung, von dem in einklang mit dem sittengesetz lebenden, moralisch hochstehenden menschen im sinne 'rechtschaffen, ehrenhaft, gradsinnig': der gegensatz ist hier in älterer sprache übel, böse, arg, in neuerer namentlich schlecht: taz ... ubel man an demo guoten geskeinen mag sinen argen willen (posse contra innocentiam quae sceleratus quisque conceperit. Boethius) Notker 1, 32 P.;
daz er (der mann) im selben ein urchunde tuot
daz erne ist reht noch guot
vom rechte 286 Waag;
man wirt bî guoten liuten guot,
bî deme bœse, der übel tuot
Freidank 107, 10 Gr.,
vgl. subst.:
guoten tac, bœs unde guot
Wolfram Parzival 297, 25;
wan liez ich die (die versprochene hilfe) danne,
wie zæm daz guotem manne?
Hartmann v. Aue Iwein 4898;
der guot man, swaz der in guot
und niwan der werlt ze guote tuot,
swer daz iht anders wan in guot
vernemen wil, der missetuot
Gotfrid v. Straszburg Tristan 5;
reht und einvaltis muͦtis
was er der reine guͦte,
in herzen und in muͦte
hat er sih valschis gar bewegin
Rudolf v. Ems weltchron. 5490 Ehr.;
es werden offt von guten und edlen vättern böse unertige kindt ... geboren Carbach Livius (1551) 5ᵃ;
man helt manchen für bösz und manchen für gut,
da man beiden unrecht thut
Henisch 1787;
was würdet ihr nun vorziehen, dasz Racine ein guter mann gewesen wäre ... oder dasz er schelmisch, verräterisch, ehrgeizig, neidisch gewesen wäre? Göthe 45, 15 W.; besonders gehaltvoll:
ein guter mensch in seinem dunklen drange
ist sich des rechten weges wohl bewuszt
14, 22;
all die einrichtungen der natur, die dem guten und gerechten menschen seine seel reifen Bettine dies buch geh. d. kön. 1, 38;
wär nur der mensch erst wahr, er wär auch gut
Grillparzer 8, 11 S.;
gut und arm bleibt hinter der thür,
reich und schlecht kommt herfür
Wander 2, 179;
s kan m guda menscha a schlecht gihn Rother schles. spr. 237ᵇ; besser guet als schön Staub-Tobler 2, 535.
d)
schon auf dem wege zur abgeschwächten bedeutungsgruppe (s. unten C), aber noch mit uneingeschränktem ethischen sinngehalt tritt in neuerer sprache gut als 'brav, wacker, ordentlich, anständig' hervor:
ein edles volk,
das nur durch friedenswerke sinnt und strebt,
gott wohlgefällig, gut und brav zu sein
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 5, 309;
gut und brav gewesen sein, ist das schönste lob auf den leichenstein Wander 2, 179;
ist die mutter gut von sitten,
magst du um die tochter bitten
Binder sprichw. 136;
e guter mann brav, ordentlich Follmann lothr. 221.
e)
eine besondere prägung erfährt gut im rahmen hochmittelalterlicher standesethik; so ist gut in der klassischen mhd. dichtung vielfach ein terminus, der die tatsache umschreibt, dasz die charakterisierte person alle höfischen tugenden und die damit geforderten ethischen qualitäten besitzt; vgl. dazu auch R. Brodführer: untersuchung üb. d. entwickl. d. begriffes 'guot' in verbindung mit personenbezeichnungen im minnesange (diss. Leipz. 1917):
(Gawein,) an dem niht tes erschein
ern wære hövesch unde guot,
der erzeicte getriuwen muot
Hartmann v. Aue Iwein 2699;
ich bin mit rehter stætekeit   eim guoten rîter undertân
burggraf v. Regensburg in: minnesangs frühl. 16, 2;
jâ hœre vil der tugende sagen von eime ritter guot
Dietmar v. Eist ebda 39, 4;
wart ie guotes und getriuwes mannes rât,
sô kum ich mit vröiden hin
Reinmar d. a. ebda 173, 20;
ich wil guotes mannes werdekeit
vil gerne hœren unde sagen
Walther 41, 21;
reiniu wîp und guote man,
swaz der lebe, die müezen sælic sîn
91, 9;
besonders häufig als wertendes epitheton in höfischer epik und im minnesang von der frau, doch schwingt dabei nicht selten auch gut IV A 1 c β mit:
vor gote ich guoten wîben bite,
daz in rehtiu mâze volge mite
Wolfram Parzival 3, 3;
daz gît gelücke und hôhen muot,
op si kiusche ist und guot
128, 2;
sî (Belakane) phlac sô schœner zühte
und was sô wîplîchen guot (von edler fraulichkeit)
d. böse frau 585 Schr.;
hôhe stât mîn muot:
wan al diu werlt noch nie gewan
ein schœne wîp sô rehte guot
Dietmar v. Eist in: minnesangs frühl. 36, 26;
swer guotes wîbes minne hât
der schamt sich aller missetât
Walther 93, 17;
guot wîp in eines jungen mannes muote
diu entwirfet dem sinne vil tugentlîchiu bilde
der von Hohenfels in: minnesinger 1, 208 v. d. Hagen;
vil schœne unde biderbe   darzuo edel unde guot
so weiz ich eine frouwen:   der zimet wol allez daz si tuot
Meinloh v. Sevelingen in: minnesangs frühl. 15, 1;
zur bloszen formel erstarrt:
... waz solde ich einem man
der ie herzen liebe   von guotem wîbe gewan
Nibelungen 1218, 4 Bartsch;
si vil minneclîchiu guote, guot von rehter güete, guot für elliu guoten wîp
Ulrich v. Lichtenstein frauendienst 401, 5 L.;
kunig Teramens tochter die guͦt
Friedrich v. Schwaben 1386 Jell.
f)
in den von a-d unterschiedenen bedeutungen findet oft eine übertragung von der person auf das wirkend gedachte organ der ethischen gesinnung statt; namentlich herz: þai ize in hairtin godamma jah seljamma gahausjandans þata waurd gahaband got. bibel Luk. 8, 15; wola tuo, du thruhten, guot unde reht herza habenten Notker ps. 124, 4;
ir wîplîch herze was sô guot,
ein arke für unkiusche fluot
Wolfram Parzival 477, 11,
vgl.
reinez herze unt reiner muot
sint in aller wæte guot
Freidank 112, 21 Gr.;
aber das hertz ist grosz und gut
Rollenhagen froschmeuseler (1595) d 4ᵇ;
wenn das hertz durch den glauben gut ist, so ist alles gut, was es im glauben thut
Petri d. Teutschen weiszh. 1, f 7ᵇ;
und die unschuld eines guten herzens
regte sich im busen hin und wieder
Göthe 2, 101 W.;
vereinzelter bleiben andere objekte: vone dannan sint mit den wibon bezeichenet die guoton sela, die der in selbon sint consciae iro brode Williram hohelied 52, 38 Seem.; anders:
schwester, schwester! reine gute seele!
Hölderlin ges. dicht. 1, 40 Litzm.;
sô was doch innerhalp der muot
sô reine geartet und sô guot,
daz edeler muot und reiner art
under helme nie bedecket wart
Gotfrid v. Straszburg Tristan 6722, vgl. 17895;
schwartze haar und rother bart
ist selten einer guten art
Duez nomencl. (1652) 101;
wenn sie (die seele) sich auf etwas rechtschaffenes wendet, heiszet es ein gutes und ein edles gemüth Noel Chomels öcon. lex. (1750) 4, 869; Tiberius war eine gute und sittliche natur Mommsen röm. gesch.¹⁰ 2, 84; hierher: sie freute sich innerlich, weil sie einen so schönen ... blick in sein gutes theil hatte werfen können Gutzkow ges. w. 6, 100; feste formel ist guter charakter, vgl. Staub-Tobler 2, 537; warum verirren sie sich in politik? ... sie verderben sich ihren guten charakter Fontane ges. w. I 8, 34.
2)
in älterer sprache hat sich die anwendung von gut in der religiös-sittlichen sphäre zu einer spezifisch religiösen bedeutungsform verengert, die später durch fromm verdrängt wird, aber bis in neuere zeit nachwirkt, vgl. dazu Fr. Schmidt z. gesch. des wortes 'gut' (diss. Leipz. 1898) s. 16 f.; gut V 1 a wird zur bedeutung 'gott wohlgefällig, fromm, heilig' gesteigert, vgl. guot pius, sanctus Graff 4, 157, und dient als ständiges epitheton heiliger personen, namentlich auch solcher, denen das prädikat heilig nicht offiziell beigelegt ist, so der alttestamentlichen frommen, der anhänger Christi im neuen testament sowie der angehörigen des geistlichen standes; doch tritt es auch bei den namen der heiligen oft zu sanct hinzu, vgl.dem guten sant Peter (v. j. 1326) mon. Boic. 6, 415; den guden sent Severin städtechron. 13, 78; den guͦten sanctum Brendanum Lucidarius 1, 16 Heidl.;
dem guoten sante Stephânen
kaiserchron. 13754 Schr.;
diu guote sande Elisabet
Lamprecht v. Regensburg s. Francisken leben 1081 Weinh.;
vgl. auch terminologisch als subst.:
diu kristenheit wær übel beriht,
genüzzen wir der guoten (der heiligen) niht
Freidank 24, 5 Gr.;
bei alttestamentlichen personen:
... thanan mahta he thena gôdon skawôn,
Abraham gesehan ...
Heliand 3360 H.;
thie forasagon (propheten) guate   thie sint ouch alle dote
Otfrid III 18, 30;
wellet ir gihoren   Daviden den guoton
psalm 138 v. 1 in: denkm.³ 31 Müllenh.-Scherer;
Moyses der vrône bote guot
Ezzos gesang 326 Waag;
do sprach Jacob der guͦte
Rudolf v. Ems weltchron. 5519 Ehr.;
mit deutlicher trennung: die guoten liute in der alten ê und die heiligen in der niuwen ê Berthold v. Regensburg 266, 13 Pf.; von neutestamentlichen personen:
... thô habda eft garo
Johannes the gôdo   glau andwordi
Heliand 930 H.;
Lazarus ther guato   ward kumig filu thrato
Otfrid III 23, 5;
mid thiu godesbarnu   endi mid theru gôdan thiornon (Maria)
Heliand 706 H., vgl. 361;
muater thiu guata (Maria)   thaz kind ouh thara fuarta
Otfrid I 15, 11;
ein maget guote (Maria)
uzzer einem edelen chunne
d. hochzeit 188 Waag;
... sô lêrda the hêlago krist
thea is gôdun jungaron ...
Heliand 3225 H.;
es waren aber diese guten jünger (Christi) nicht gar einer ungereimten meinung Abraham a s. Clara w. 4, 251 Strigl; von frommen kirchenmännern:
Gregorius ther guato   er spunota iz gimuato
Otfrid V 14, 25;
daz hôrte der guote Francisk wol
Lamprecht v. Regensburg s. Francisken leben 1141 Weinh.;
der gutt Urrich Zwingle Seb. Fischer chron. 17 Veesenm.; bei geistlichen standesbezeichnungen:
der guote biscoph Guntere vone Babenberch
Ezzos gesang 1 Waag;
Wärbel der vil snelle   den guoten bischof vant
Nibelungen 1427, 2 Bartsch;
hey waz guoter pfaffen   ze sîner pîfilde was
1065, 4;
sît brâht ez ein münich guot
ze Regensburc in die stat
Alber Tnugdalus 44 Wagner;
wæn aber mîn guoter klôsenære klage und sêre weine
Walther 34, 33;
drei vil selig gut pruder gingen ein selig beg (weg) segensspr. d. 15. jhs. in: mitt. d. ver. f. d. gesch. Böhmens 39, 26; guter bruder, ihr schlagt euer gebet ziemlich hoch an Klinger w. 3, 87; ähnlich: got wes wol, wer eyn gut pilgram ist prov. Fridanci 56;
kommt als gute pilger wieder
steiget froh den berg heran,
tief gefühlte reuelieder
künden uns die brüder an
Göthe 2, 30 W.;
fast terminologisch ist guoter man, guote liute für die religiosen, fromme einsiedler u. ä.:
si stuonden ûf und giengen dan,
Parzivâl unt der guote man
Wolfram Parzival 487, 22;
man saitt üns, daz küng Minoss
für in die insal Battmoss
und da wurde ain vil gütt man
Göttweiger Trojanerkrieg 22679 Koppitz;
urbar ûf der erden   teiltes in diu hant,
swâ sô man diu klôster   und guote liute vant
Nibelungen 1061, 2 B.;
er fur in dugenlicher craft
zu den clostern umme.
wa er icht guder lude vant,
die bat der herre so zu hant ...,
daz si in rechter minne
got ufte fur in beden
Elisabeth 4217 R.;
allgemeiner: (ein) heiliger guͦter alter wirdiger man, ein meister der heiligen schrift Arigo decam. 23 K.; aber auch von profanen personen 'fromm':
wirt ein wîp ze gote guot
Lamprecht v. Regensburg tochter von Syon 2845 Weinh.;
nû was ein guot edelman
in der gegene, hiez Johan
s. Francisken leben 3096;
he was en gut man. he gewan enen sone ..., der was oc van siner jugent en wol cristen man unde vor to Rome sächs. weltchron. 264 Weiland; noch vergleichbar: das gebet einer guten mutter holt vom meeresgrunde herauf Lüpkes seemannsspr. 127; formelhaft scheint guter sünder 'buszfertiger sünder':
hie hebent sich von êrste an
diu seltsænen mære
vome guoten sündære (d'un bon pecheor)
Hartmann v. Aue Gregorius 6;
(der betende) sol mit aller andaht dar in ziehen (in das gebet) alle menschen, die armen sunder und die guͦten und die gevangenen des vegfürs Tauler pred. 165, 24 V.; in anwendung auf die göttlichen personen selbst erhält gut im ahd. geradezu die bedeutung 'heilig', doch ist die abgrenzung gegenüber gut IV A 1 c α meist nicht ganz deutlich und darin liegt wohl auch der grund für das frühe absterben dieses bedeutungszweiges:
thuo im the guodo   god heƀanrîki
sniumo gisagda,   that hie ...
as. genesis 216 H.;
... thô sprak waldand Krist,
the gôdo wiđ is jungaron ...
Heliand 3769 H.;
thaz ist uns irougit,   thaz got ist Kristes houbit,
wizist thaz gimuato   theist druhtin unser guato
Otfrid V 8, 16;
niuwiboran habet thiz lant   then himilisgon heilant,
theist druhtin Krist guater,   fon jungeru muater
I 12, 14.
3)
weniger auf die persönliche wertung des subjekts als auf die umschreibung des objektiven wirkens geht gut, wenn es sich um übernatürliche wesen und mächte handelt, deren einflusz das menschliche handeln ethisch bestimmt; guter engel ist zunächst 'der dem göttlichen gebot treu gebliebene engel' gegenüber dem abgefallenen Lucifer und seinen genossen:
dô dî gûtin engili al
ani sâhin den sînin (Lucifers) val
summa theol. 59 Waag;
geschöpfe ..., die von der menschlichen art so ungemein weit abweichen als die guten und bösen engel Bodmer v. d. wunderbaren (1740) 12; dann aber 'der dem reich des göttlichen wirkens angehörende engel, der den menschen zum sittlichen tun leitet':
zwene engele sint bescheiden
einen guten, einen leiden
ein iechelich mensche bi im hat
d. alte passional 337, 48 Hahn;
vielleicht ausz trieb desz bösen feinds, dann darbei kein guter engel gemerckt Kirchhof wendunm. 2, 476 Österley; durch zusprechung des guten engel Moscherosch insomnis cura par. 53 ndr.;
lasz dich den guten engel warnen,
und nicht vom bösen dich umgarnen
Bürger w. 70ᵃ B.,
vgl. aber auch IV A 1 c α ββ; ähnlich guter geist 'dem bereich des sittlich guten angehörender und gutes wirkender geist' im gegensatz zum bösen geist, teufel usw.; ältere belege fehlen, doch ist der bekannte ausruf alle gute geister loben gott den herrn! Göthe IV 27, 224 W., Tieck schr. 2, 243 schwerlich jung, zumal böser, arger, übeler geist alter sprache geläufig ist, s. Lexer 1, 799 und teil 4, 1, 2, 2637 ff.; eine gewisse, wenn auch bedeutungsmäszig mehr zu V A 2 gehörige parallele ist schon:
... enti dâr wârun auh manake mit inan
cootlîhhe geistâ   enti cot heilac
Wessobrunner gebet 9;
neueren datums und abstrakter bildung ist der ausdruck das gute prinzip, eigentlich das prinzip des guten, das gegenüber dem bösen prinzip die allgemeinste seinsform des sittlich guten darstellt: das böse princip erscheint ganz überwunden, das gute aber in ungestörter heiterkeit Fr. Schlegel s. w. 6, 28.
B.
sittlich gut, dem gebot gottes oder dem sittengesetz entsprechend, von gesinnungen, handlungen und zuständen ist wie A in seiner entwicklung und differenzierung von der gleichartigen anwendung des lat. bonus stark beeinfluszt. im got. gibt diese bedeutung von goþs sowohl gr. καλός wie ἀγαθός wieder, nur einmal dagegen in 1. Kor. 15, 33 χρηστός, und ist im gegensatz zur personalen verwendung (s. oben A) überaus häufig, vermutlich im sinne 'schicklich, anständig' (vgl.gut I A 4) auch schon bei den vorchristlichen Germanen in gebrauch gewesen.
1)
von der ethischen gesinnung des menschen und ihren psychischen erscheinungsformen: 'sittlicher vorschrift und göttlicher lehre gemäsz'.
a)
allgemein vom denken und meinen:
... them wastom lêh
hebanas waldand   endi hugi guodan
as. genesis 110 H.;
triuwe und andern guoten sin
Hartmann v. Aue Iwein 2427;
die sie dâ lêren solten, die sint guoter sinne âne
Walther 33, 32;
oba wir wollen wahten   mit gidrahton filu rehten,
mit githankon guaten   thes Kristes grabes hueten
Otfrid IV 37, 2;
noch guot gedanc
im nie gewurzet inne
pseudogotfridischer Marienpreis 4 Wolff;
(ich könnte nun) manchen guten moralischen gedanken ... anbringen Göthe IV 1, 241 W.; auch mundartlich so: 'men chann bi der arbet gueti gidanken han es bedarf nicht des gebetbuches, um religiöse gedanken zu bewegen' Staub-Tobler 2, 537; schwächer: heb gueti gidanken underwegs! ebda; im sinne 'rechtschaffen, ehrlich, aufrichtig': wie ein böser, der ein weib nympt nicht guter meynung, der ehe miszbraucht Luther 26, 209 W.; ein teil sich daran übel verböseret und das usz guͦter einfaltiger meinung H. Zwingli v. freih. d. speisen 4 ndr.
b)
guter wille: sumai þan in godis wiljins Xristu merjand got. bibel Phil. 1, 15; (gott,) forgip mir in dîno ganâdâ rehta galaupa enti côtan willeon Wessobrunner gebet;
... haƀit im gikoranan muod,
willion guodan,   werold-saka mîđit,
farlâtit is lusta ...
Heliand 3453 H.;
si in erdu fridu ouh allen,   thie fol sin guates willen
Otfrid I 12, 24;
moht ir der werke niht begân
ir sollt doch guoten willen hân
Freidank 178, 23 Gr.;
der guͦte wille machet den menschen guͦt Roth dtsche pred. d. 13. und 14. jhs. 53; dise widderwertigkheit hat uns geben der bose geyst, ... die weyl wir nicht haben wollenn bewilligen in seine bose anfechtung, ... unser beyder guͦtten willen zuͦ brechen Warbeck Magelone 48 B.
der tod ist gar ein theurer mann,
fragt nichts nach gutem willen
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 366ᵃ;
umgangssprachlich heute entkernt zur intensivierung 'ernsthafter wille': guter wille macht nicht jung A. v. Arnim w. 22, 16 Gr.; redensartlich: mit einem biszchen guten willen wirds schon gehen!
c)
guter glaube; religiös:
mid leohtu hugi   endi mid gilôbon gôdun
endi mid hluttrun trewun ...
Heliand 290 H.;
in der regel vom allgemeinen sittlichen empfinden aus gewertet 'rechtschaffener, ehrlicher, aufrichtiger glaube': dann der geist Christi ... würt on zwyfel byston allen denen, so solich geschrifft läsen mit guͦtem glouben Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 164 ndr.; besonders in juristischem sinne entsprechend lat. bona fides: welcher ein sölichen esel verkaufen wöllen, der hat wärschaft und guͦten glauben versprechen müssen, dasz er kein mangel wüsse Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 42ᵇ; oft mehr mit objektsvorstellung 'glaube an die rechtmäszigkeit oder richtigkeit': wo das gesetz eine rechtswirkung an den guten glauben einer person geknüpft hat, ist dessen dasein zu vermuten schweiz. zivilgesetzb. art. 2; parallel lat. bona fide häufig in präpositionalen verbindungen: dan wo man nicht alle ding lauter, einfeltig und mit gutem glauben redt und handelt Hutten opera omn. 2, 193 B.; das er solch recht und servitut ... mit guͦtem glauben gebraucht U. Tengler laienspiegel (1544) 20; bei guͦtem glauben bona fide Alberus nov. dict. 23ᵃ; modern noch mit in: was ein aktionär in gutem glauben als gewinnanteil oder als zinsen bezogen hat, ist er in keinem falle zurückzuzahlen verpflichtet handelsgesetzb. § 217; verbal: ich bin auch in guͦtem glauben, daz ('bin fest überzeugt, dasz') H. Gebweiler beschirm. d. lobs Marie (1523) 17ᵃ; auf guten glauben scheint aus einer mischung mit auf treu und glauben entstanden: auf guͦten glauben und treuw empfahen Frisius dict. (1556) 16ᵇ; auf guten glauben handeln trattare di buona fede Kramer t.-ital. 1, 578ᵃ; Hinz folgete ihm (dem fuchs) auf guten glauben Gottsched Reineke fuchs 22 Bieling; wir müssen es blosz auf guten glauben annehmen Gerstenberg briefe über merkw. d. lit. 297 lit.-denkm.; diese wunderbaren kräfte, die uns auf guten glauben versichert wurden Göthe 17, 185 W.; verblaszt: daz (pferd) kauft er und het guͦten glauben, daz es lang leben würd Eulenspiegel 101 ndr.
d)
gutes gewissen, wie lat. bona conscientia, das sittlich lautere, von schuldbewusztsein nicht belastete gewissen, vgl. reines gewissen; zunächst religiös: us hrainjamma hairtin jah miþwissein godai jah galaubeinai unhindarweisai got. bibel 1. Tim. 1, 5; gôt gawizzida Graff 4, 158; von reinen hertzen und von guͦter gewissen erste dtsche bibel 2, 210; wo gut gewissen ist, da ist auch groszer mut Luther 19, 623 W.; ein gut gewissen machet eine grosze zuversicht zu gott J. Arnd nachf. Christi (1631) 4; sonst meist allgemeiner:
dar neben mich zuͦ trösten
mit guͦtem gwissen hab,
das kainer von den bösten
mir eer mag brechen ab
Hutten opera 2, 93 B.;
die miszbrauchung solcher gaben (des trinkens usw.) ... ungestrafft ... zu lassen, (wird) mit guͦtem gewissen nit zu verantworten sein K. Scheit Grob. 5 ndr.; als Clawerten diese beute geriete, das er in eil und mit gutem gewissen achtzig thaler bekam, gedachte er B. Krüger Clawerts werckl. hist. 17 ndr.; in der stille wird jeder sein gutes gewissen preiszen Schiller 3, 515 G.; wenn der verfasser ein gut gewissen hat, warum erwähnt er denn der farben hier auszer der ordnung Göthe II 2, 201 W.; sprichwörtlich: ein gutes gewissen ist ein sanftes ruhekissen, vgl. Wander 1, 1669 f., hierzu: eersame lüt und guͦter conscientz H. Zwingli v. freih. d. speisen 4 ndr.
2)
von menschlichen strebungen und eigenschaften, die einer sittlichen intention entspringen.
a)
allgemein: kuot sint die geluste beide Notker ps. 118, 20; es sint etliche lúte alzuͦhant, alse in in uffstet ein guͦte begerunge eins núwen wesens ..., alzuͦhant so sint sú alse kuͤne ... Tauler pred. 12 V.; der herr schenk mir nur gute triebe Schiller 1, 4 G.; der mensch ist nun einmal ein kentaur und auszer guten antrieben gibt es auch schlechte R. Huch d. fall Deruga (1917) 68; doch wird dabei gefordert, dasz zur ausführung guter intention nur gute mittel in anwendung gebracht werden Brockhaus convers.-lex.¹³ 9, 631ᵃ; mit eindringen der objektsvorstellung gute absicht als die 'absicht gutes zu tun': kein tadelhaftes mittel wird durch eine gute absicht entschuldigt Gerstenberg recensionen 145 lit.-denkm.; vergleichbar:
und ihr verbrechen war ein guter wahn!
Göthe 14, 229 W.;
eine sanfte seele, ein mitleidiges herz krönte ihre übrigen guten eigenschaften Nicolai Seb. Nothanker 1, 18; daz negibet dir nieht ubil minna nube kuot minna Notker ps. 79, 17; fiel ir umb iren hals und thet sie freuntlichen kussen in rechter, guͦtter liebe Warbeck schöne Magelone 68 B.
b)
feste formel ist seit alters gute treue; als eine treue, die im sittlichen bewusztsein des menschen verankert ist, 'aufrichtige, wahre, echte treue' scheint diese formel zunächst dem ethischen sinngehalt von gut ihre prägung zu verdanken, doch ist z. t. schon früh, besonders in präpositionalen fügungen, die entkräftung zur intensivierenden vorstellung fühlbar; vgl. auch lat. bona fides; das subst. treue kann je nach dem zusammenhang verschiedene bedeutungsnuancen enthalten:
... trewa habda he gôda,
ađal and-bâri ...
Heliand 1195 H.;
ir muget sie sehen gerne:   ir triuwe diu ist guot
Nibelungen 1815, 2 Bartsch;
ist iuwer triuwe guot (ist euer versprechen ehrlich)
rittertreue 721 Pfannm.;
under dem schein guͦter treuw und billigkeit Frisius dict (1556) 970ᵇ; präpositional:
si habent uns iu recken   ûf guote triuwe gesant
Nibelungen 1440, 4 Bartsch
daz ir mir werbet sunder twâl
mit guoten triwen umben grâl
Wolfram Parzival 428, 22;
daz guͦt behielt diu frouwe wol
mit guͦten triuwen als man sol
Boner edelstein 72, 21;
wanne allez, daz eu anget, daz main ich mit guten triuen von inwendikeit meinez herzen brief um 1340 bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 4;
wie Luther lehrt mit guten trewen
Fischart s. dicht. 1, 19 Kurz;
daz sy ein sölches, daz er ir in guͦten treuen (aufrichtigem vertrauen) gesaget het, pey ir beleyben liesze Arigo decam. 197 K.; in guͦten treuwen candide Frisius dict. (1556) 180ᵃ, vgl. buch d. liebe (1587) 269ᵈ; als ich das alles zu halten und darwider nit ze thon gelobt und versprochen hab by guten trwen und aides stat paktverschreib. v. 1506 (Konstanz) in: samml. selten gew. pädag. schr. 13, 160; bi miner guͦten trawen Basler urk. 7, 201; ich will ouch den friden ... halten bi guͦten trüwen on allen betrug Tschudi chron. helv. 1, 91; bey guten treuwen und on allen falsch sagen Frisius dict. (1568) 158ᵇ; ausz guͦten treuwen 49ᵃ; ähnlich gutes vertrauen: aber also eins sehr guͦtten vertrauwens Boltz Terenz (1539) 88ᵃ; daher er auch zu ihm ein gut vertrauen hatte A. Olearius persian. rosenthal (1696) 47ᵇ.
3)
von den handlungen und lebensformen der menschen im sinne 'mit dem sittengesetz und den göttlichen geboten in einklang stehend, die forderungen der ethischen maximen erfüllend'.
a)
gutes werk, gute tat u. ä.
α)
zunächst religiös bestimmt: gaskapanai in Xristau Jesu du waurstwam godaim (ἐπὶ ἔργοις ἀγαθοῖς) got. bibel Eph. 2, 10; ei gasaiƕaina izwara goda waurstwa (τὰ καλὰ ἔργα) Matth. 5, 16; thaz sie gisehen iuuaru guotu werc (vestra bona opera) Tatian 25, 3;
... lêstead iuwa gôdon werk,
samnôd iu an himile   hord that mêra
Heliand 1648 H.;
odo (wenn du) werk guatu   joh druhtine gimuatu
wolles io mit willen   fora gote irfullen
Otfrid II 20, 3;
harent ze imo (gott) mit kuoten werchen Notker ps. 4, 4; samo zierent dih guotiu werch in minero anasune Williram hohelied 66, 14 Seem.;
sô der tiuvel niht erwenden kan
guotiu werc an manigem man,
sô ...
Freidank 68, 17 Gr.;
ist daz er (der mensch) guotiu werch begât,
der ist ûf der rehten strâze
Lamprecht v. Regensburg tochter von Syon 1898 Weinh.;
du ahtest niht uf gotes gebot,
guotiu werc, diu warn din spot
v. d. jüngsten tage 128 Will.;
(in Rom) ist weder andacht noch heiligkeit, keinn guͦt werck noch züchtig leben Arigo decam. 32 K.; besonders die kirchlich empfohlenen opera bona, die einzelnen gott wohlgefälligen frommen werke wie fasten, kasteien, almosengeben usw., die das seelenheil fördern sollen: wer in disem grunde in der worheit nut enstot und tete als vil guͦter werke als alle die welt mit einander tuͦt: si werdent alle wurmstichig Tauler pred. 188 V.; ist nott, das söllichs (das lebensende) nieman unberait vinde, das er von diser welt one zuͦversicht guͦtter werk nit schaide G. Oheim Reichen. chron. 9 Bar.;
mein gute werck die golten nicht,
es war mit yhn verdorbenn
Luther bei Wackernagel kirchenl. 3, 5;
doch söllen wir nit zuͦvil hoffen, als mögen wir on glaub, lieb und guͦte werch, besonder on die sacrament, säligkait erlangen Berth. v. Chiemsee t. theol. 16 Reithm.; denn es gilt bei gott gantz niett, erwechst ausz einer ubelriechenden pfützen der angenomen gutten werck Caspar Güttel schutzredt (1522) c 3ᵃ; 'der ungerechte mammon', mit welchem ausdruck man die kirchlichen guten werke ... bezeichnete Ranke s. w. 4, 29; auch als 'durch gelübde verheiszenes werk', vgl.een voerloeper van goeden werken apostata Diefenbach nov. gl. 28ᵇ; kein pilgrim ... könne die strasze ziehn, um sein gutes werk ... auszurichten Ranke s. w. 1, 145; allgemeiner überhaupt 'liebeswerk, wohltätigkeit': die gutten werck der liebe gegen den nehisten Luther 15, 183 W.; wer gute werke übt, soll die linke nicht wissen lassen, was die rechte thut W. H. Riehl d. dtsche arbeit 17.
β)
ohne spezifisch religiöse färbung von handlungen, die den allgemeinen sittlichen normen entsprechen:
der meistir ist guot,
der selbe guotiu werch tuot (= daz reht begât 328)
v. rechte 324 Waag;
es ist kein tugent on fähl und kein guͦt werck on nachteyl sprichw. (1548) 165ᵃ; ein jeder sol sich fleiszen, sein gedechtnus nicht auf grabsteinen, sondern in guten thaten hinder ime zulassen Friedrich Wilhelms sprichw.-reg. (1577) q 2ᵃ, nr. 979; gott lest kein arbeit, sie sey gut oder bösz, unvergolten Lehman flor. pol. (1640) 88; etwas anders im sinne 'edle, hochherzige tat':
singst du einst von dem glück, welches die gute that
auf dem freyeren throne lohnt!
Klopstock oden 1, 88 M.-P.;
vom lohne jeder guten that
Denis lieder Sineds (1772) 101;
uns rührt die erzählung jeder guten that Göthe 23, 3 W.; ähnlich: Faust tröstete sich, durch eine gute handlung die sündige nacht versühnt zu haben Klinger w. 3, 108.
γ)
in ganz abgeschwächter verwendung nähert sich gutes werk auch gut I A 3 c, doch ist in dem beisinn der bewirkten wohltat oder des rechtschaffenen tuns der ursprung von V B 2 a aus meist noch spürbar: vermainten, sy hetten ain guͦt werck volbracht, das sy Theodorum ... mitt ainem weib allso zam hetten gemachet Fortunatus 4 ndr.; ich hatte gar keinen zweifel, weil es eine geistliche art und unentgeltlich, nur um ein gutes werk zu thun, ist Mozart bei O. Jahn Mozart 3, 11; wenn die andre hälfte meines hiesigen aufenthaltes der ersten gleich ist, so werde ich an guten werken arm zurückkehren Göthe IV 10, 279 W.
b)
vom wort als dem ausdruck religiös-sittlicher wesenshaltung; von den worten Jesu im sinne 'heilig':
... stôd ina werod umbi
grôt folk Judeôno,   gihordun is gôdon word
Heliand 3784 H.;
ni habet therer (Christus) ander wort   ni si guat einfolt
Otfrid IV 31, 13;
von menschlicher rede 'fromm, rechtschaffen':
oba thu scowost thaz muat,   thanne nist thaz wort guat,
wanta wantum harto thes,   thaz sie mo batin ubiles
III 20, 139;
an gote lobon ih miniu wort (sermones meos), wanda er gab mir siu, er getuot siu wesen guot Notker ps. 55, 5; noch mundartlich gutes wort für 'gebet': laat uns en god wort spreken laszt uns ein tischgebet sprechen Mensing 2, 424; allgemeiner 'ehrbar':
sîniu wort diu sint guot:
von den scheidet sich der muot
Hartmann v. Aue Iwein 3125;
guet wort bösz that hat sie verblent Brandis tirol. adlers immergr. ehrenkr. (1678) 75; ähnlich: die da nicht gerne hören guette lieder singen C. Spangenberg v. d. musica 3 lit. ver.; spezifisch religiös vom gebet 'fromm, gottgefällig': ich das wol getan und erber schäcz, das wir uns auf den tage ee zuͦ guͦten gepeten ... schicken süllen dann neue fabeln ze sagen Arigo decam. 162 K.; ein gut beet (gebet) Luther bei Dietz 2, 187ᵃ; etwas anders 'aufrichtig, von herzen kommend, innig': das gebet sol kurtz und gut sein Petri d. Teutschen weish. (1604) 1, a 5ᵃ; verwandten sinnes auch in der formel des alten wallfahrtsliedes:
nu ist dîu betfart so guͦt
einzugsleis d. geiszler 5 bei A. Hübner d. dtsch. geiszlerlieder (1931) 174,
vgl. Freidank 133, 17 Gr.
c)
von den lebensformen im ganzen; gutes leben, guter wandel, gute sitte u. ä.:
swâ mensche in guotem lebene ist,
dar kêret der tiuvel manigen list
Freidank 68, 22 Gr.;
(so kommst du) van sunden in ein gudes leben,
das si dir gantz werden vorgeben
Johannes Rothe lob d. keuschheit 5092 N.;
der münch ... ein heiliges guͦtes leben füret Arigo decam. 177 K.; wir haben keyn ander frucht dan unser guett leben Luther 9, 532 W.; darumb werden uns die heiligen in irem guͦtten leben in der schrifft für getragen zuͦ einem exempel Joh. Diettenberger wider d. unchristl. buch Mart. Luth. (1526) f 4; ein guter wandel eutrapelia Diefenbach 213ᵇ; guter wandel buona conversatione Kramer t.-ital. 1, 577ᶜ; und vleiszigen uns guten wandel zufüren bey allen Hebr. 13, 18; die übrigen (mönche) stellen bürgschaften für ihre gute aufführung Raumer gesch. d. Hohenst. 4, 48; ein gut alter ist besser dann eine böse jugent Friedrich Wilhelms sprichw.-reg. (1577) a 1ᵃ, nr. 25; bildlich für sittlich reinen, ehrbaren lebenswandel ist seit alters guter weg in gebrauch:
thuruh is hand-megin   hwiribit thiu sêola,
thie gêst an guodan weg
as. genesis 144 H.;
er gegagenwerta sih wegelichemo der guot neist (omni vie non bone) Notker ps. 35, 5; modern üblich z. b.: ich hoffe, sie werden nun wieder auf den guten weg kommen d. h. ein ehrbares leben führen; von hier aus abgeschwächt: ich ... hoffe ... wieder auf den guten weeg zu kommen Göthe IV 5, 83 W., wo jedoch gut I C 1 hineinspielt; in verwandter bildvorstellung: du bist mein anker an der guten seite des ufers, reiszt der, so sei gott meiner seele gnädig! Bismarck br. an s. braut u. gatt. (1900) 226; gute sitte: riurjand sidu (ἤθη χρηστά) godana gawaurdja ubila got. bibel 1. Kor. 15, 33;
thar duent se uns io zi muate   situ filu guate
maht lesan io in ahtu   werk filu rehtu
Otfrid IV 5, 59;
lânt si (die augen) guote site spehen
und die bœsen übersehen
Walther 87, 19;
swer sich vlîzet guoter site,
dem volget dicke sælde mite
Freidank 108, 23 Gr.;
die gepot gutter sitten Luther 7, 423 W.; Lisabetta (war) ... züchtig von loblichen syten und guͦter gewonheyt vol Arigo decam. 277 K.; so noch sprichwörtlich: böse beispiele verderben gute sitten Wander 1, 304.
4)
bei abstrakten, die die forderungen und vorschriften für die lebensführung ihrem inhalte nach zum ausdruck bringen, im sinne 'die maximen des sittengesetzes und die gebote gottes enthaltend oder zeigend': namentlich gute lehre, gutes beispiel: alands waurdam galaubeinais jah godaizos laiseinais þoei galaistides got. bibel 1. Tim. 4, 6; bî den dûsent skilten hanget ouh allerslahte wîggewâffene biderbero gnehto, daz ist aldaz geruste guoter lêro Williram hohelied 58, 23 Seem.;
swer iu guote lêre gebe
unt selbe iht gæbeclîche lebe,
dâ nemet ir guot bilde bî
Freidank 71, 3;
(herren,) die gut leer und exempel geben
und füren ein unsträflich leben
K. Scheit Grob. 1179 ndr.;
etwas anders 'rechte, reine lehre' religiösen inhalts: man kund nymmer szo viel auszwerffen mit gutter lere alsz die bösen hewbter eyn werffen mit falscher lere Luther 10, 2, 110 W.; ir heiligen sêla, ir dir durhtan birt in gottes minna, stûret mih mit iuweren guoten biliden wie ir die biderbecheit ana ringet Williram hohel. 31, 6 Seem.;
(Christus, der) ... uns manich guot bilede vor begiench
d. hochzeit 895 Waag;
die uns guot bilde solten gebn,
der velschent vil ir selber lebn
Freidank 69, 21 Gr.;
also sollen di kuschen mit irem lebn
den luten gute bilde gebn
Joh. Rothe lob d. keuschheit 956 N.;
ironisch:
das lasz dir sein ein guͦt beyspil!
K. Scheit Grob. 302 ndr.;
das gute beispiel aus dem vaterhause E. M. Arndt s. w. 1, 69 R.-M.; allenn fursten und hern zu einem gutten exempel Luther 7, 603 W.; denen Bernhardus mit guͦtem exempel vorstuͦnd Stumpf Schweizerchron. (1606) 361ᵃ; modern auch gutes vorbild, z. b.: du solltest deinen jüngeren geschwistern ein gutes vorbild sein!, vgl. hê geit hum mit n gôd forbäld föran Doornkaat-Koolman 1, 537ᵇ.
5)
bei abstractis, zuständen und erscheinungen aller art zur kennzeichnung dessen, dasz ihr sinngehalt oder ihre ausdrucksform dem religiös-sittlichen empfinden gemäsz ist.
a)
gutes ding, gute sache; gutes ding, namentlich im plural, das 'sittliche, ethisch vollkommene gut', besonders mit religiösem akzent in älterer sprache:
got, vater êwich, ist daz angengi
allir guoten dingin
summa theol. 2 Waag;
got minnen âne meil
und âne allerleie wanc,
wan der rehte ein anevanc
aller guoten dinge ist
Frauenlob bei W. Grimm Vridankes bescheidenheit (1834) 319;
mehr im sinne 'fromm': abtretten von guten dingen apostatare Diefenbach gl. 41ᶜ; als 'rechtschaffen, ehrlich', auch 'gerecht' seit dem älteren nhd. in gute sache: das gerechte unschuldige lebenn, das niemant unrecht thut odder wie man auff deutsch sagt: eyn gutte sache Luther 7, 622 W.; namentlich von der streitsache, auf deren seite das moralische recht steht: der obsieg folgt nit der guten sach und dem rechte, sondern stehet beym glück und richter Lehman flor. pol. (1662) 2, 806; ein redlicher, auffrechter handel. ein guͦte, eerliche sach causa bona Frisius dict. (1568) 158ᵇ; sich auff seine gute sache verlassen confidere sua causa Reyher thes. (1668) 1, 1322;
die gute sach ihn tröst, solt auch der feind obsiegen
Zinkgref auserl. ged. 63 ndr.;
ein eyd, den streitende partheyen darüber leisten, dasz sie eine gute und gerechte sache zu haben glauben Haym jur. lex. (1738) 214; mit neubelebter hoffnung auf den sieg ihrer guten sache v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 3, 385; anders im sinne 'edle, das ethisch gute betreffende sache': alle stände haben der guten sache mit einer kraft und eintracht gedient, welche fast beispiellos genannt werden kann Thibaut über d. notw. e. allg. bürgerl. rechts 411; dem andenken aller freien helden, die für gute sache streitend einsam unter philistern gesunken sind Brentano ges. schr. 5, 403.
b)
in älterer sprache von der bloszen erscheinungsform im gegensatz zum wahren wesen guter schein, gute gestalt, vgl. auch das noch gebräuchliche frommer schein; verbal erschinen gut sin simulare Diefenbach gl. 535ᵇ: menschen, die ... uzloͮffent von irme grunde in guͦt schinenden wisen und werken Tauler pred. 36, 1 V.;
hât er guoten schîn
und ist guotes willen blôz,
sô ist er Jûdas genôz
d. Teichner 145 Karajan;
wie alle welt durchs gleiszen und guten schein betrogen wird Luther 26, 548 W.; das ir so schädlich und unschristlich verfürt werden under so einem guͦten schein des gotsdiensts Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 22 ndr.; matter:
es ist nichts so gemein
als falsche wort im guten schein
Lehman flor. pol. (1640) 357;
und mit erborgter pracht nimmt oft dein guter schein
auch herzen, die dich sonst verachten müszten, ein
v. Cronegk schr. (1771) 1, 4;
um die seelen zuͦ verfüren mit einer guͦten gestalt (vom teufel) H. Zwingli dtsche schr. 1, 43; (die päpste) suͦchten die höff der fürsten und keiser, warden ir rädt eben wie ietz das volck noch in bruch hat, rieten stäts in iren sach, doch unter guͦter gestalt Judas Nazarei v. alten u. neuen gott 25 ndr.; vergleichen läszt sich noch: dasz er aber mit ihr beständig in keuscher ehe gelebt ..., ist ein gute fabel Hahn vollst. einl. (1721) 2, 197, wo heutige sprache nur fromme fabel verwendet.
c)
allgemein von begriffen verschiedenster bedeutung, deren geistiger inhalt, zweck, art der verwendung usw. vom gesichtspunkt moralischer beurteilung aus als der sphäre der sittlichen werte angehörig bezeichnet werden kann; die vielfalt der möglichkeiten solchen unpräzisen gebrauches gestattet nur beispiele für diese weiteste bedeutung 'ethisch bewertet vortrefflich': haifstei þo godon haifst galaubeinais got. bibel 1. Tim. 6, 12, bei Luther: kämpfe den guten kampf des glaubens;
buent ouh gimuato   zua suester iro guato,
reht inti frithu, thar
Otfrid V 23, 126;
swie geswæslîchen er ez tuot,
dâ ist daz reht vil guot
v. rechte 453 Waag;
swâ man dem ungetriuwen man die triuwe wider gît,
dâ ist daz gerihte guot
Walther 107, 8;
guot ist guot, daz mit schanden nie gewunnen wart
minnesinger 3, 420ᵃ v. d. Hagen;
das gelt syg indifferens, daz ist für sich selbs weder bösz noch guͦt H. Zwingli v. freih. d. speisen 11 ndr.; dasz wier ... uns von unserem guhten zwecke nicht im geringsten werden abhalten lassen Zesen verm. Helikon (1656) 1, a 7ᵇ; heute ist guter zweck halb terminologisch für wohltätiger zweck z. b. für einen guten zweck sammeln eine wohltätigkeitssammlung veranstalten; der moralische wert der handlungen richtet sich nach der intention und nicht nach dem erfolg, doch wird dabei gefordert, dasz ... nur gute mittel in anwendung gebracht werden Brockhaus convers.-lex.¹³ 9, 631ᵃ; (es) ist dér betrug auch gut, so dem der betrogen wird zum besten gereicht, wie eltern die kinder, lehrer die jugend, gewalthaber das gemeine volck und die medici die patienten betriegen Lehman flor. pol. (1662) 1, 105; im sinne 'gerecht' (s. oben gute sache 5 a): wenn dich einst ein guter krieg ins schlachtfeld ruft, deiner heimath, so geh, man wird deinen werth empfinden, wenn die noth drängt H. v. Kleist w. 5, 317 Schm.; im sinne 'redlich, ehrlich': alle guͦte übungen und handtierungen oder gewärb Frisius dict. (1568) 158ᵇ; als 'den sittlichen anforderungen genügend': skal auk is weitwodiþa goda haban fram þaim uta, ei ni atdriusai in idweit jah hlamma unhulþins got. bibel 1. Tim. 3, 7; auch modern in diesem sinne gebräuchlich gutes zeugnis z. b.: über den lebenswandel des zöglings kann ein gutes zeugnis ausgestellt werden, doch klingt meist gut II A 2 g mit; mit neutralem subjekt:
rehte weiz er (gott) im den muot,
ez sî ubil odir guot
v. rechte 457 Waag;
von des (des baumes d. erkenntnis) fruht wart irkant,
swas guͦt und ubil was genant
Rud. v. Ems weltchron. 278 Ehr.;
(menschen,) die nit in in finden ain gunst und ain lieb doch zuͦ dem minsten zuͦ allem dem, daz guͦt und göttlich ist Tauler sermones (1508) 42ᵃ;
so würd bey in (den gemütern) erreget gleich
ihr art und was ist thugentreich,
was in in mütig ist und guͦt
Fischart 1, 255 Hauffen;
es ist alles bösz oder gut, wie der ist, ders thut Henisch 1785;
(hat er) als sohn geehrt meine grauen haare
und immer gethan, was gut und recht?
Kotzebue s. dram. w. 2, 282;
schön, auch gut? du bannst das arge!
doch es trägt dir fluch statt segen
Fr. W. Weber Dreizehnlinden¹³⁶ 52.
6)
unpersönliche konstruktion, die formal von gut I D ausgeht, bleibt bei gut V selten, ist aber in negativer fassung öfter bezeugt:
wars gut und recht, dasz du, ein wackrer sohn,
solang die teure lebte, fromm bemüht
und ihr, der tiefbekümmerten, zu willen,
am strand des meeres wohntest, fern der stadt
und menschen fern, nur kindespflichten übend ...
Grillparzer s. w. 7, 30 S.;
es ist nicht gut, das man den gerechten schindet, den fürsten zu schlahen, der recht regiert sprüche Sal. 17, 26; ez ist net gut zo köden (sagen) luge Schmeller cimbr. 127.
C.
die auf personale subjekte bezügliche ethische bedeutung (gut V A) wird bei einigen verwendungsarten in stark abgeschwächter oder eingeschränkter form weiterentwickelt oder bei ironischem gebrauch in das gegenteil verkehrt; die moralische qualität bezieht sich hier nicht so sehr wie in A auf die gesamte lebensform, sondern wird mehr in hinsicht auf bestimmte einzelne forderungen als gut gekennzeichnet oder für einen konkreten einzelfall als gut aber wirkungslos charakterisiert.
1)
im sinne 'brav, wacker, ehrlich, bieder' von charakter, doch meist mit mehr oder minder deutlichem beiklang von gutmütiger nachsicht gesagt, vgl. ein 'guter mensch' zu sein, ist zwar gewisz ein recht wünschbarer preis — aber dennoch klingt ein unreiner oberton hinein: fast als wäre der so gerühmte ein ganz klein wenig dümmlich oder schwächlich J. Schultz d. philosophie am scheidewege (1922) 111, die ursache dieser entwertung liegt im verrinnen mit gut IV A 2 a; noch nahe an V A 1 d, aber mit gewisser einschränkung, die sonst gern negativ durch nicht schlecht ausgedrückt wird: die Hannah ist unbesonnen, aber gut Lichtenberg br. 2, 4; geizig is er und ein biszchen wunderlich ..., aber eigentlich doch ein guter mann Fontane ges. w. I 5, 129; namentlich in ausdrücken wie gute haut, guter kerl, guter junge u. ä.: du bist noch die alte gute haut Corvini fons lat. (1646) 60; so ehrliche gute häute als wir hat die welt nicht mehr Börne ges. schr. 6, 87; (deshalb) bitte ich dienstfreundlich, man wolle den guten kerl als einen redlichen landsmann passirn lassen Rachel sat. ged. 12 ndr.; B. empfahl dem freunde aufs dringendste eine anknüpfung mit dem 'guten kerl' Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 3, 201; du bist ein guter junge! Fr. L. Schröder dram. w. 1, 5; (er war) ein arger schlingel, aber sonst ein guter junge W. Raabe s. w. II 1, 420; hierher stellen sich auch: ich brauche ihnen die gute seele nicht weiter zu empfehlen, er verdient ihre gnade und unterstützung Göthe IV 9, 167 W.; er hat ein gut gesicht, nur zu wild ist er Storm s. w. 1, 239; mit ironie: er ist ein guter mann, er friszt keine schuhwichse und scheiszt in keine kirche Rother schles. sprichw. 338ᵇ; mehr nach gut IV A 2 hinüberspielend: was überkommt ... denn sonst das gute arme volk für staatehre, indesz ... jeder edelmann sogar im frieden kriegsauszeichnungen erhält Jean Paul w. 37, 32 Hempel.
2)
von kindern 'gehorsam, artig, folgsam', auch hier in mischung mit gut IV A 2 b: danck habe ruthe, du machest gar gutte kinder prov. Fridanci 77; ruͦt macht die kinder guͦt sprichw. (1548) 8ᵇ; gute kinder beschenken und unartige bestrafen Göthe 23, 157 W.; der webet ein gutes webe, der ein gutes kind aufziehet Rother schles. sprichw. 316ᵇ.
3)
im sinne 'unverdorben, harmlos, arglos', auch mit dem beisinn 'leichtgläubig'; besonders von kindern und jungen menschen:
ende deines kindes noth
weil es klein noch ist und gut
Müllner dram. w. 1, 68;
und (du herz) glühtest, jung und gut,
betrogen, rettungsdank
dem schlafenden da droben
Göthe 2, 77 W.;
namentlich in der formel gutes kind:
doch sie weisz nichts hier von, das gute kind
Stieler geharnschte Venus 70 ndr.;
Julie ist ein gutes kind — so wenig eitel — sagen sie das mir zum angehör? Chr. F. Weisze lustsp. 1, 154; aber son gutes kind, das alles ernsthaft nimmt Fontane ges. w. I 5, 121; er ist gut wie ein kind Wander 2, 183, vgl.guet hin arglos Martin-Lienhart 1, 248.
4)
oft mit pejorativer färbung wie 'brav, bieder, einfältig' als milder ausdruck der nachsichtigen geringschätzung, wobei es sich auch mit gut IV A 2 a berühren kann: die guten leute meynen nicht, das gott yhren anschlag wisse, gedencken, er sey gen Calakutten odder ynns morenland gezogen Luther 19, 315 W.; wenn doch die guten leute aufhörten, eine weissagung zu erklären, die nicht erklärt werden kann Jung-Stilling w. 3, 5 Gr.; da behüt euch gott ihr Teutschen, das ihr ja nicht so bald klug werdet, auf das ihr eine gute weile noch gute zärtlinge bleibet und lasset wehrlinge und nehrlinge sein Moscherosch gesichte (1650) 2, 106; und fiel der gute tropff (Ikarus) zur erden Lehman flor. pol. (1662) 1, 223;
er weis, der gute herr, selber nicht,
er thet mir sonst gar gern bericht
Hayneccius Hans Pfriem 2332 ndr.;
er klaget in allen gesellschaften über eure gottlose schriften, davor kein ehrlicher kerl mehr sicher sey ..., der gute herr ist unter dem hute nicht richtig Gottsched vernünft. tadl. 1, 199;
das kommt nun unter einer decke
dem guten leser in die hand
Göthe 1, 11 W.;
wie konnte der mann ... sich besser rächen, als indem er ... mitleidig ausrief: ach, da hat der gute Mozart auch einmal gelehrt thun wollen O. Jahn Mozart 3, 308; der gute Oels danke doch ja gott, dasz man ihn erträgt, und poche nicht auf ein talent, das täglich zurückgeht Göthe IV 20, 317 W.; C. hatte nicht ohne ironie an den 'guten Uhland', wie er ihn zur bezeichnung des 'überwundenen standpunktes' nannte, erinnert Gutzkow ges. w. 3, 219.
5)
häufig verblaszt gut V A zum fast farblosen epitheton, das nur noch die aufgabe behält, die bezeichnete person mit einer ehrenden kennzeichnung ohne besonderen sinngehalt zu versehen; häufig klingt dabei ein ton mitleidigen bedauerns mit, vgl. auchgut IV A 5: der guͦt jude Gianotto antwürt (il giudeo hat die vorlage) Arigo decam. 29 K.; eben so gehet es hie diesem guten Habacuc auch und verdreust yhn seer, das seine lere nicht wil eytel werck und that werden Luther 19, 354 W.; ym mocht aber niemandt gehelffen und starb allso der guͦt Lüpoldus Fortunatus 75 ndr., vgl. der gute mann hat so bald sterben müssen Fischer schwäb. 3, 952; die guten jüngling, nach dem sie desz keisers urtheil vernommen, waren ... etwas erschrocken J. Wetzel reise d. söhne Giaffers 17 lit. ver.; was solte nun der gute juncker thun? Grimmelshausen 2, 334 Keller; der gute mensch soll aus Leipzig und hat kein blut gespien Göthe IV 1, 186 W.;
und verlegen sie (die an fäden gebundenen brotstücke) genau
in den hof der guten frau
W. Busch Max u. Moritz 2;
du machst den guten leuten bang
K. Scheit Grob. 1889 ndr.;
sie werden ... kaum glauben, wie die guten menschen in diesem departement sich beholfen haben Göthe IV 30, 129 W.;
die guten leute zitterten und bebten
Müllner dram. w. 3, 13.
6)
mit einem gut V A entgegengesetzten bedeutungsinhalt bei ironischer verwendung:
daz si den guoten man,
den si dâ kunic hiezen,
wider ûf daz hûs liezen
Ottokar v. Steiermark 96749 Seem.;
darumb wurden die zwen guͦten kärli (die mörder des Ibykus) gefangen Zoleckhofer vilvaltige beschreib. (1564) 10; wäre der gute kerl mit seiner kleinen injurie zufrieden gewesen, so dürffte er ietzt nicht etliche wochen in des barbierers gewalt liegen Chr. Weise erznarren 22 ndr.; da ligts, sprach die guͦt magd, da empfiel ir das kindt am tantz K. Scheit Grob. 3446 (am rande) ndr.; sündigerweise benützt der gute mann auch die porträts schöner fürstlicher damen W. Hauff s. w. 3, 210; modern gern in ironischen ausrufen: doū bist meī en guder kunde! Bauer-Collitz waldeck. 63ᵃ.
VI.
seit mhd. zeit ist die entkernung von gut zum maszbegriff oder zur steigernden kennzeichnung in weiterem umfange zu belegen, vielleicht nicht ohne einflusz der entsprechenden verwendung von lat. bonus; für ältere sprache liegen nur unmittelbar übersetzte fälle ähnlichen gebrauches vor wie die übersetzungen von Luk. 6, 38: gibaid, jah gibada izwis, mitads goda (μέτρον καλὸν) jah ufarfulla jah gawigana jah ufargutana gibada in barm izwarana got. bibel; gebet, thanne gibit iu: guot mez (mensuram bonam), gifultaz inti giwegan, inti ubarfliozentaz gebent in iuweran buosum Tatian 39, 3, vgl. Tauler pred. 336 V.; hier liegt die mehr normierende vorstellung 'richtig, ordnungsgemäsz' (vgl. auch gut I A 4) noch so nahe, dasz ein übergang zur quantitierenden vorstellung 'reichlich' nicht vorauszusetzen ist, doch vgl. für das altengl. we dǣr gōde hwīle stōdon rood kmbl. 140 bei Bosworth-Toller 482ᵇ; ob gut in ward tho giwentit in guota ernust (et factus est in agonia) Tatian 182, 1 bereits intensivierend gedacht ist, bleibt zweifelhaft.
A.
zu bezeichnungen von maszen, gewichten, bei mengen- oder zahlangaben und anderen begriffen, die eine quantität ausdrücken, tritt gut als normbegriff im sinne 'angemessen, richtig, ordnungsgemäsz', dann als maszbegriff 'die maszeinheit überschreitend, reichlich'.
1)
gutes masz als 'richtiges, angemessenes masz', dann 'hinreichendes, genügendes masz' in präpositionalem ausdruck mhd. ze (zuo) guoter mâze; in älterer sprache bis in das 16. jh. gebräuchlich, vgl. im mhd. ebenso verwendetes ze rehter mâze, ze mâze: den arczte dauchte, er zuͦ guͦter masze die ursacher (der) ... krancheit vernomen het Arigo decam. 132 K.; das ander stück, mein leben und personlich wesen, weis ich zu guter maszen selbs wol, das es sundlich ... ist Luther 23, 29 W.; solches ... lateins zuͦ guͦter masz gnuͦg gelachet ward M. Lindener rastbüchl. 33 lit. ver.;
du hast zuͦ guͦter masz gehört
wie ich dich droben hab gelert
K. Scheit Grob. 818 ndr.;
auch ohne zu: wie guͦter masz im 3 buch hievor verzeichnet ist Stumpf Schweizerchron. 303ᵃ, vgl.guͦtermasz 'genügend' (v. j. 1463) Fischer schwäb. 3, 943; als 'ziemlich' in begrenzender funktion:
(er lag) nâ ze guoter mâze (nicht allzu weit)
bî der lantstrâze
Hartmann v. aue Iwein 3365;
im sinne 'erheblich, beträchtlich' als quantitative steigerung:
der risz (riese) der gieng zu guter masz
uber herr Dieterichen;
herr Dieterich mocht mit seim zeichen
nicht an des risen gürtel reichen
Sigenot 85 Schade;
abstrakter 'in hohem masze':
der künec was sinen gesten ze guoter mâze holt
Kudrun 325, 2 M.
2)
bei masz- und mengenbezeichnungen verschiedenster art im sinne 'reichlich, beträchtlich'.
a)
bei längenmaszen, entfernungsangaben oder allgemeinen streckenbezeichnungen:
einer guoten mîle
an der lenge het diu schar
Ottokar v. Steiermark reimchron. 96001 Seem.;
bürden ihm zwei schock parchend auf, gute anderthalb meilen wegs G. Hauptmann d. weber (1892) 17; etwas anders 'grosze meile', die deutsche meile gegenüber der kleineren welschen meile, vgl. 'gut pro longo vel magno aliquando utimur: gut meil i. (idem) lang oder grosz Alberus dict. (1540) 394ᵇ: wol sieben guter, groszer, deudsche meile wegs von der stad Luther bibel 7, 357 Bindseil-Niem.; an der stirnen lasz es einer guten handbreit ledig O. Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 5; ein gutten stainwurf oder bey achtzig schritten geystlich strasz (1521) g 4ᵃ; dar is id deip 30 vademe enen guden bussenschote van dem lande seebuch 24 Koppm.; auf der süder scheeren liegt ein grund, einen guten musquetenschusz vom lande Mansons seebuch (1701) 6; ein guter weg 'ein weg von beträchtlicher länge' bis ins 18. jh. üblich:
diu ime geselleschaft tete
einen guoten wec hin
Hartmann v. Aue Iwein 5553;
Achiron lief hinder sich
ainen guten weg hin dan
Heinrich v. Neustadt Apoll. 5043 S.;
wenn man auch schon einen guhten weg deszwegen reisen solte J. Rist n. t. Parnasz (1652) 85; als er aber schon einen guten weg damit fort ware Abraham a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 15; moderner eine gute strecke:
ich schleppe sie erst eine gute strecke
Göthe 12, 159 W.;
eine gute strecke weiter vorwärts D. Fr. Strausz ges. schr. 3, 12; ebenso guter schritt 'ein groszer, beträchtlicher schritt', meist übertragen verwendet: im verständnis einen guten schritt weiterkommen Lange gesch. d. mat. 22; ähnlich: an solche (luftlöcher) kan man nit in den gewelben beleiben, welche derhalb ... ein gutte weyten haben mussen A. Dürer underr. (1527) b 4ᵇ; auch übertragen gueti wīti han spielraum haben, im frieden gelassen werden Staub-Tobler 2, 539; die anemonen wollen gute weite haben J. C. Sulzer gartenb. (1772) nach Staub-Tobler ebda; dise fisch wachsend ... zuͦ guͦter grösze Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 3, 27;
dasz er (der bauch) sich auszstreck breit und lang
und guten raum hab nach seim willen
K. Scheit Grob. 611 ndr.
b)
bei mengenbezeichnungen, sowohl relativen wie bestimmten.
α)
ein guter teil 'groszer, beträchtlicher teil':
swaz der wîten rîche   uns ist undertân,
der sult ir teil vil guoten   samet Kriemhilde hân
Nibelungen 693, 4 B.;
der Frankfurter druck des renner ersetzt ein michel teil 8268 Ehr. durch ein guttes theil 41ᵃ, vgl. P. Warlies (diss. 1912) 67; ein gut teil (eine ziemliche anzahl) schlaffen 1. Kor. 11, 30; er erschlug einen guͦten theyl eins raths zuͦ Rom Seb. Franck chron. Germ. (1538) 22ᵃ; der kleinste kelch hett 18 marck goldes ..., der gröst ein guͦt teyl mehr 73ᵇ; als sie aber nun des weins ain guͦt theil empfangen hetten M. Lindener rastb. 17 lit. ver.; ein guͦten teil desz tags ad multum diei Frisius dict. (1556) 27ᵇ; (die vettern, die) im begriffe sind, ein gutes teil der viel zerhackten ... grundstücke an sich zu bringen G. Keller ges. w. 1, 13; en gaud dël Schambach Gött. 60ᵃ; auch in der materiellen arbeit steckt nämlich ein gutes bruchtheil geistiger cultur W. H. Riehl d. dt. arbeit 73; als adverbiale bestimmung formelhaft, 'zu einem erheblichen teil, zumeist': ich briefschribender art (die zuͦ guͦtem teil ... in der rhetoric reglen grundt hat) ze pflegen mich üb Riederer rhetoric (1493) a 3ᵃ; 'erheblich, beträchtlich': (um) meinen Faust ... doch wenigstens um ein gutes theil weiter zu bringen Göthe IV 12, 167 W.; sie ein gut teyle getröst was Arigo decam. 108 K.; nur dasz er ein gut theil alberner schreibt Gerstenberg recens. 93 lit.-denkm.; auch zusammengerückt: der stoff ist ein gutteil ernster Scheffel ges. w. 4, 48; namentlich im genitiv, vgl.groszen teils, gröszten teils: das gantze Burgund sampt der statt Lyon und waz umb Lyon herum in Provansen guts teils liget Stumpf Schweizerchron. (1606) 213ᵃ; und warfen guten theils das gewehr von sich v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 195; die ... guten teils unschuldige behaglichkeit E. M. Arndt s. w. 1, 66 R.-M.
β)
ein gutes stück 'ein groszes, beträchtliches stück':
drumb wartent, so gehe ich geschwindt
bring euch darfür ein guet stückh brodt
Endinger judenspiel 34 ndr.;
ein guts stück wegs sind wir nun fro
Fischart glückh. schiff 484 ndr.;
worden dem Heleno zu theyl
ein gutes stuck von seinem reich
Spreng Äneis (1610) 51ᵃ;
unter der aufforderung, ein gutes stück essen, das in der schüssel übrig geblieben war, zu sich zu nehmen H. v. Kleist 3, 229 Schm.; er könnte sich hier ein gutes stück geld verdienen Eichendorf s. w. 3, 33, vgl.e guet stück rëwen Martin-Lienhart 1, 248; en god stück 'reichlich bemessen' Mensing 2, 424; e guder fetze, e guder schmurre 'ein groszes stück' Follmann lothr. 221; entsprechend:
und schneid ein guͦte portz darvon
K. Scheit Grob. 719 ndr.
γ)
eine gute zahl, anzahl, summe u. ä.: eine grosze oder guͦte zal bene multi Frisius 161ᵃ; dasz ir (der schafe) ein gute zal der wolf erhaschte Kirchhof wendunm. 1, 541 Öst.; eine gute zahl, ihrer viel aliquammulti Reyher thes. (1668) 1, 260; sein eheliches beilager (ist) ... im beisein der fürstlichen personen und sonsten in guter anzahl ehrlicher leute gehalten worden v. Schweinichen denkw. 11 Öst.; als der hertzog eine gute anzahlen allerley wahren, sammet, seiden etc. bedurfte Mäynhincklers sack (1612) b 3ᵇ; ich hatte eine gute anzahl sogenannter anakreontischer gedichte verfertigt Göthe 26, 225 W.; ein guͦte summ geltes Arigo decam. 78 K.; mit einer guten summe scudi reiste ich von Mantua Göthe 43, 116 W.; eine gute reihe jahre habe ich auch gelebt Fr. L. Jahn w. 2, 727 E.
δ)
bei bestimmten und unbestimmten mengen- und bei zahlangaben: darmit man inn eim jeden zug auf das wenigste ein gut halben omen wassers herauf mög schöpfen Sebiz feldbau (1579) 12; nimm drey gute hände voll das grüne von den welschen nüssen J. Walther pferde- u. viehzucht (1658) 150; ein gute halb mas wein Grimmelshausen 2, 17 Keller; darbey die pauren nach alter gewonheit ein gut fasz bier zuvertrincken hatten B. Krüger Clawerts werckl. hist. 27 ndr.; (mische) lilii convallii wasser zween gut löffel voll Paracelsus op. 1, 360 H.;
ein gutes glas von dem bekannten saft
Göthe 14, 123 W.;
zur guten hälfte germanischer art und abkunft E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen 3, 101; en gueter zentner Staub-Tobler 2, 539; Krommer, ein guter fünfziger, stand um 1815 im zenith seines ruhmes W. H. Riehl musik. charakterk. 2, 219 (Kr. ist 1759 geb. 2, 215); vor die zahl gerückt: noch gute vierzehn tage habe ich hier zu thun Göthe IV 35, 119 W.; (das lied) ist seine guten dreyszig jahr alt 41, 36; in neuerer sprache ist statt dessen vor die zahlangabe das adv. gut getreten, z. b. er wiegt gut anderthalb zentner, ich komme in gut drei wochen zurück, sie ist gut siebzig jahre alt, vgl. auch sp. 1328.
ε)
von gut III A 7 b ausgehend, aber in nhd. zeit schon vorwiegend als quantitative kennzeichnung empfunden bei unbestimmten angaben über entlohnung, bezahlung, preis, besitz u. ä.; noch mit dem beiklang subjektiver wertschätzung: und dir dartzu aynen guͦten sold geben Fortunatus 43 ndr.; ein ampt ohne guten sold macht dieb Lehman flor. pol. (1662) 1, 18; (der chirurg) sol ... von dem reichen guͦtten lon haischen H. Braunschweig chirurg. (1539) 2ᵃ; ehr und guter lohn seynd zur arbeit scharpfe sporn Lehman flor. pol. 1, 86; ein gutes trinckgelt buch d. liebe (1587) 20ᵃ; für diese nachricht sollst du ein gutes trinkgeld bekommen v. Cronegk schr. (1771) 29; gute belohnung macht willige arbeiter Petri d. Teutschen weiszh. 2, H h 1ᵃ; wer sich eines guten vermögens trösten kan, der darf ... nicht verzweifeln Chr. Weise pol. redner (1677) 6; sie sollen ihren männern eine gute konstitution geben und gut vermögen zubringen Fr. L. Schröder dram. w. 1, 18; objektiv: ir heymsteuer guͦt und nicht klein ist Arigo decam. 99 K.; ayn so kostliche kirchen, ... die er so eerlich begabet hatt mit guͦten zinszsen in ewig zeit Fortunatus 64 ndr.; ein jeder burgersman (soll) ... mit einen gueten opfergelt versechen sein österr. weisth. 6, 210;
um guten preis gemachte kleider
Pfeffel poet. vers. 1, 79;
freylich würde dieser scandal gutes geld eintragen Göthe IV 29, 30 W.
c)
bei zeitangaben und bezeichnungen der dauer, vgl. schon ags. gōde hwīle, s. oben VI kopf; bei unbestimmten zeitangaben, gute weile, zeit 'zeitraum von beträchtlicher dauer':
dâ stuont er guote wîle ob in
weinende unde klagende
Gotfrid v. Straszburg Tristan 18654, vgl. 8487;
er ein guͦt wili sin herz also mit got erkuͦlte H. Seuse dtsche schr. 85 Bihlm.; der abte ein guͦte weyel in der kamern gestanden was Arigo decam. 46 K.; dasz er ... mit gebücktem haupt uberzwerch diesen wald ein gute lange weil einritte Amadis 87 lit. ver.; also war mein printz eine gute weile mit seinen augen an den ihrigen geheftet verblieben A. v. Ziegler asiat. Banise (1689) 299; ohne die mindeste hast zu zeigen, blieb Thiel noch eine gute weile im innern der bude G. Hauptmann bahnw. Thiel (1892) 25; präpositional: vor einer guͦten weyl jam dudum Frisius 641ᵃ; das man in guter weil (für längere zeit) nit waiszt Fortunatus 60 ndr.; sein ampt mündlich und mit guter weile (mit beträchtlicher zeit, in aller ruhe) ... verrichten Moscherosch ins. cura par. 135 ndr.; ähnlich: wir haben gute weile (zeit genug, d. h. wir können es uns bequem machen) Gerstenberg Ugolino 252 nat.-lit.; vgl. schweiz. en gueter rung weile, zeit (Zürich) Staub-Tobler 2, 539; (er) guͦt zeit vor essen kam Arigo decam. 45 K.; also wasz ain gute zeit zwayung in dem reich Knebel chron. v. Kaisheim 66 lit. ver.; ihre königl. majestät (ist) ... schon eine gute zeit hero jämmerlich verführet worden J. Rist friedewünsch. Teutschl. (1647) 24; bis mir ... dieses gelänge, möchte wohl eine gute zeit vorbeystreichen Göthe IV 22, 216 W.; gute zeit im sinne 'frühe zeit' vgl. unter gut I C 1 c (sp. 1256 f.), dazu als nachtrag:
si benimet mir noch guot zît (frühzeitig) den lîp
d. heidin 1390 Pfannm.;
in älterer sprache verbleibt gutes alter 'hohes alter', vgl. eins guͦten alters und wol betaget provecta aetate Frisius 54ᵇ, wohl nach dem lat. bona aetate ebda 158ᵇ:
in guͦtim altir man in (Gideon) sah
von dirre welte scheiden hin
Rudolf v. Ems weltchron. 18961 Ehr.,
vgl.'mortuusque est Gedeon ... in senectute bona' jud. 8, 32; du wirst begraben in eim guͦten alter erste dtsche bibel 3, 87 Kurr.; (David) starb in gutem alter 1. chron. 30, 28; er ist endlich bey gutem alter gestorben Barth weiberspiegel (1565) e 7ᵇ; Theodosius (ist) ... nach langer regierung in guͦtem alter ausz diser zeyt gescheiden Stumpf Schweizerchron. (1606) 192ᵃ; in gleicher verwendung auch guter tagen, guter jahren in erstarrtem genitiv, vgl. guͦter tagen aetate provectus Frisius 1084ᵇ: er ist gsammlet zu synen vätern, als er guter tagen gsyn L. Lavater v. gespänsten (1590) nach Staub-Tobler 2, 540; guͦter jaren, vast alt annis plenus Frisius 1012ᵃ; bei bestimmten zeitangaben: ein guette stund lang Seutter bei Fischer schwäb. 3, 943; als der priester ... eine gute halbe stunde gesungen persian. reisebeschr. 14 in: Olearius verm. reisebeschr. (1696); eine gute, starcke, lange stund Kramer t.-ital. 2, 1026ᵃ; 'wie weit ists von hier?' 'eine gute stunde' Lenz ges. schr. 1, 137; in den turm ist es drei gute stunden W. Hauff s. w. 4, 312; wenigstens hast du in 3 guten monaten nichts nach ihr gefragt Göthe IV 1, 156 W.
d)
im übergang zur intensivierenden anwendung, aber noch auf quantitative gröszen bezüglich im sinne 'beträchtlich grosz, tüchtig, kräftig':
ich muͦsz mich vor ein wenig kröpfen,
dasz ich ein guͦten trunck mög schöpfen
K. Scheit Grob. 96 ndr.;
nach diesem soll sie etliche morgen ein guten trunck keszwasser thun Wirsung artzneyb. (1588) 545ᵈ; sie ... alsobald drey gute zechzüge thut S. v. Birken verm. Donaustr. (1684) 13; ein guter suff in einem athem Hulsius dict. (1618) 2, 59ᵃ; mit einem guͦten schopf oder truncken Frisius 1031ᵇ; auf einen guten rausch gehört ein gute ruhe Lehman flor. pol. (1662) 2, 779; e gueti wëll ein tüchtiger rausch Martin-Lienhart 1, 248; en gueten schluck, e gueti mögi han im trinken und essen bedeutendes leisten Staub-Tobler 2, 539; umgangssprachliche redensart: der hat aber einen guten zug an der kehle, am leibe! u. ä.;
(der betrüger gibt)
für pfeffer mäusedreck, tuht einen guten satz
der silbermüntze zu ...
Rachel sat. ged. 50 ndr.;
an Wilhelm habe ich fortgefahren, vielleicht thut er diesmal einen guten ruck Göthe IV 7, 60 W.; he hett n goden settdidal einen sehr dicken hintern Mensing 2, 424; en gueter schueh stark gemessener fusz Staub-Tobler 2, 539.
B.
bei der verwendung als mittel der steigerung bleibt nur noch ein funktioneller wert zurück, der den sinngehalt des beziehungswortes intensiviert; in neuerer sprache geht dieser gebrauch von gut zugunsten anderer adjektive stark zurück.
1)
bei ausdrücken objektiver art als gradbezeichnung wie 'tüchtig, kräftig, gehörig' in steigernder funktion gebraucht:
ain prügel, den nymm in die hannd,
gib deinem herren guͦt straich
in den ruggen und in die waich
liederb. d. Hätzlerin 292 H.;
dasz ich wie ein edler Spartaner wol einen guten streich ausstehen kan Rachel sat. ged. 4 ndr.; wyr musszen yhn myt eynem vater unszer eyn gutten puff geben Luther 27, 445 W.; und greif den fordersten bei dem har und gab im einen guͦten rupf Eulenspiegel 12 ndr.; ich wolt im nachreiten und im ein guͦt schlappen (ohrfeige) schlagen 65; gabe ihr eine gute maultaschen mit der hand Mäynhincklers sack (1612) a 2ᵃ; dasz sie ihren bräutigam mit guten schlägen zu dem altare begleitet Chr. Weise pol. redner (1677) 782;
dasz er on kertzen schlafen gieng
und guͦter beulen vil entpfieng
K. Scheit Grob. 2388 ndr.;
die bildnisz haben ettlich schendlich gehandellt ..., die wol eyner guten straff werd weren Luther 10, 2, 33 W.; einem einen dichten, guten, scharfen verweis geben Kramer t.-ital. 2, 1307ᵇ; denn das er gute, fette, starcke lügen auslesst Luther 18, 191 W.;
folgt mir nur nach in guter eyl!
Gilhusius gramm. (1597) 41;
obwohl die sache ... noch lange nicht zum ziel gediehen, so war sie doch in guten zug gebracht Ranke s. w. 1, 88; damit diesz mich nicht treffe, will ich auf guter hut sein Herder 3, 44 S.; deswegen bleibt doch immer ... der gute unterschied Jean Paul w. 4, 69 H.; dis isch e guder dreck eine kleinigkeit Follmann lothr. 221; adverbial gut ding 'tüchtig': das crucifix ist auch eynmal der stecken gewesen, damit man ine gut ding abgeschmiert hat Fischart binenk. (1586) 177ᵃ; meist zusammengerückt: der schwartz hund laufft guetding J. Pauli (1519) bei Schmeller-Fr. 1, 964; mit dem gaiszelstecken guetding zugeschlagen (v. j. 1657) bei Fischer schwäb. 3, 965; noch mundartlich: ich habe a gutding (recht sehr) geweint Klein prov.-wb. 1, 172; der Natz hat uns schon oftmalen gutding geholfen Rosegger schr. I 13, 218, s. auch unten guting an alphabet. stelle.
2)
in entsprechender anwendung auch bei begriffen aus einer mehr subjektiven sphäre; ob hier gut noch einen eigenen bedeutungsklang enthält oder lediglich steigerungsmittel ist, läszt meist nur der sinnzusammenhang des ganzen abschätzen, weswegen ähnliche belegfälle auch anderorts verzeichnet sind: er sölle von innen in guͦtem friden bliben Tauler pred. 173 V.;
sollicher weisz Troya die statt
vor dir noch guten friden hat
Spreng Ilias (1610) 98ᵃ,
vgl. auch sp. 1241 f.;
gluck zu, gluck zu, mit guter rhuͦ
vollbringet frisch und gsund die reisz!
Fischart glückh. schiff 214 ndr.;
der fette hahn schlief noch in guter ruh Grimm dtsche sagen 1, 193, vgl. sp. 1272; er het nit guͦten lust, allen tag mit den feinden zuͦ fechten Eulenspiegel 33 ndr.; guten lust und sondere neigung zum feldbau Sebiz feldbau (1579) 37; damit du deine stunde nicht ganz bey dir verloren habest, hätte ich gute lust ..., dir eine kleine lehre mit nach hause zu geben Wieland s. w. (1794) 13, 140; doch habe ich immer noch gute lust, hier länger zu verweilen Göthe IV 19, 386 W., vgl. sp. 1277 f.; er daran ein gut vergnügen hatte A. Olearius persian. rosenthal (1696) 45; do von dir sol ein guͦte genügen geschehen Arigo decam. 21 K.; sie wolle an dem ein guͦt benugen haben Warbeck sch. Magelone 16 B.;
lieben gesellen, habt guetten fleisz!
altdtsche passionssp. a. Tirol 51 Wack.;
da lase der könig den brief mit gutem fleisz buch d. liebe (1587) 93ᵇ; gut strenckhait, das ubel zu straffen zelus Diefenbach gl. 635ᵃ; einer dame ..., der es einkömmt, sie in gutem ernste zu lieben Lessing 2, 386 L.-M. (die handschr. hat in allem ernste); auch ihm bot er ... die hand zum frieden, es scheint in gutem ernste Mommsen röm. gesch. 2 (1908) 322, vgl. sp. 1310; die ausführliche fabel von der Pasiphae ist mit gutem vorbedacht in die geschichte des Cephalus und der Procris verwandelt worden Ramler einl. (1758) 1, 408.
3)
nach ihrer verwendung im nhd. stellt sich die verbindung zu guter letzt hierher; die herleitung aus zu guter letze 'als erfreuliche abschiedsgabe, erfreuendes andenken' (vgl.gut III A 6) ist nicht unwahrscheinlich, vgl. A. Richter dtsche redensarten⁴ (1921) 130; da letze auch 'ende' bedeutete, war der sinn 'zum guten ende, zum guten schlusz' (vgl.gut III A 4) leicht erreichbar, doch ist der ausdruck wohl unter dem einflusz von VI A 2 c bereits im älteren nhd. zur steigerungsformel 'zu allerletzt, ganz zum schlusz' verallgemeinert, vgl.was wol ansetzt, laszt gern guͦte letz ('findet ein spätes ende, läszt sich viel zeit'), quae sero contingunt magnifica, zu: spat obs ligt lang sprichw. (1548) 8ᵃ:
so wil ich euch ein täntzlein klein
zu guter letzt (ehe ich gehängt werde) vor hören lahn
A. Dietrich baurenknecht (1618) b 4ᵇ;
doch wolte ich zu guter letze s. Johannis segen noch trincken
Grimmelshausen 2, 374 Keller;
dasz er mir zu guter letzt
mein begräbnisliedt gemachet
S. Dach 761 Öst.;
da befahl Josef seinen brüdern noch zu guhter letzte, sie solten seinen vater nicht sagen, dasz er von ihnen verkauft worden Zesen Assenat (1679) 282;
ich hab es tausend mahl zu guter letzt geküst
Hoffmannswaldau-Neukirch 2, 32;
ich will sie (die wahrheit) auch noch zu guter letzt sagen J. E. Schlegel w. (1761) 3, 587; er wird also zu guter letzte noch einmal alle seine kräfte anstrengen Jung-Stilling w. 3, 247 Gr.; dasz wir die wort- und klangwiederholung zu guter letzt noch hinausbringen Göthe IV 37, 51 W.; bevor mr abzogen zu guter letzte sangen mr nochs bluttgerichte G. Hauptmann d. weber (1892) 40.
VII.
adverb zum adjektiv gut ist seit alter zeit wohl (s. sp. 1227); nach F. Bechs angeblichem nachweisvon R. Bechstein Gottfrieds v. Straszburg Tristan² 1, 183 (anm. zu 5236) zitiert, aber nicht auffindbarsoll guot um die mitte des 13. jhs. als adv. schon geläufiger sein, was jedoch starke zweifel verdient; diu guote gemuote Tristan 5236 enthält das adj., wie der stete gemute graf Rudolf d 7 Gr. und den senften gemuͦten ebda kᵇ 29 erweisen, und statt diu suoze gemuote Hartmann v. Aue Iwein 7300 legt auch die überlieferung das adj. süeze näher; die belegstellen im mhd. wb. 2, 1, 256 f. lehren, dasz im mhd. zu gemuot sowohl das adj. wie das adv. treten kann, je nachdem person oder funktion (vgl.wol gemuot ebda 2, 1, 268, baz gemuot 2, 1, 256) im sinnvordergrund steht. eine ähnliche doppelung zeigt sich in der formel ez guot tuon (vgl. sp. 1255) neben ez wol tuon (Hartmann v. Aue Erec 2260, Kudrun 184, 2), wo objekt und verbum rivalisieren; solche doppellösungen bereiten ebenso wie die seit dem 14. jh. auftretende feste zwillingsformel wol und gut der umbildung des adj. zum adv. den boden; zunächst gut I A 7 a entsprechend: antwurtt in der wirt herauz oder wil in verantwurten, wol und gut! (anf. d. 14. jhs.) weisth. 6, 116; redent si dann und khoment uber ain mit unns, das uns der gelt, den wir von den Putschen ehmaln gehabt haben, von in widerkhert wirdt, der an uns genügt, wol und gut! (v. j. 1337) in: v. Lori baier. bergr. (1764) 10; wollen si williklich die pfrönden lassen, wol und gut! Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 188 ndr.; qualifizierend: wer alles wol und guͦt rede sprichw. (1548) 176ᵇ;
vor dieser zeit und noch anjetzt erscheint,
wie gutt und wol, herr Höpner, ihr mich meint
Tscherning dtsch. get. frül. (1642) 125;
so mundartlich gepaart: t is bî mî to hûs all gôd un wol ten Doornkaat-Koolman 1, 655; als verstärkung (s. unten F 2 a): he hätt t good un woll vergäten Stürenburg 73; got on wahl Leithäuser Barmer ma. 61ᵃ; auch unverbunden: wol gut, saget er, ich wil sie besehen Amadis 74 K.;
wol gut! weil gott sein reich den kindern anverspricht,
erbt jene welt allein, und diese welt erbt nicht
Logau sinnged. 35 E.;
umfänglich tritt gut als adv. im frühnhd. auf, doch beruht ein groszer teil der fälle auf umbildung ursprünglich adjektivischer oder substantivischer wendungen, z. b. gute acht geben (vgl. sp. 1248) zu gut acht geben: der ... geb gut acht auf die propheten und aposteln J. Mathesius Sarepta (1571) 43ᵃ;
und gut acht nemen aller sachen
H. R. Manuel weinspiel 73 ndr.;
vgl. weiter es ist mir zu machen gut (s. sp. 1282) zu ich habe gut machen (s. unten C 7), kein gut tun zu nicht gut tun (s. unten A 1 c β), mhd. einem guot (subst. n.) tuon zu einem gut (neben wohl) tun (s. unten A 1 c δ) usw.; der prozesz der ablösung von wohl durch adverbiales gut schreitet noch in neuerer sprache fort, sodasz wohl als qualifizierendes adv. stetig zurücktritt; in heutiger sprache sind z. b. die um 1800 noch geläufigen verbindungen es schmeckt, riecht, klingt wohl (vgl. teil 9, sp. 968 und Adelung 4 [1801] 1591) nicht mehr möglich und durch es schmeckt, riecht, klingt gut ersetzt (s. unten C 1), was sich nd. im 15. jh. bereits anbahnt, vgl. gud rukende crut anetum (voc. v. 1417) Diefenbach nov. gl. 23ᵇ.
A.
aus gut I als adverb entwickelt.
1)
entsprechend gut I A bzw. B.
a)
bei verben, die eine technische oder künstlerische fertigkeit bezeichnen (vgl.gut 1 B 1 d), als ausdruck dessen, dasz die tätigkeit in zweckentsprechender, richtiger weise ausgeübt wird; meist mit der qualitativen wertung verbunden; häufig mit dem verb zusammengerückt, vgl. komp.-typ. 1 d: aber dise meyster und richter muͦsz er (der baumeister oder schreiber) leiden und eben die, die es so guͦt zu bauen und zu schreiben nimmer mehr vermöchten sprichw. (1548) 50ᵃ;
viel fürsten fechten gut und herrschen doch nicht wohl
Besser schr. (1732) 1, 4;
... man sollte nicht glauben,
dasz ein jüngerer mann so gut zu reden verstünde
J. H. Vosz Odyssee 38 Bern.;
unter mir wohnte eine wäscherin, die mir sehr gut kochte Göthe 43, 235 W.; wenn Goldoni gut übersetzt würde, das wäre ein schatz für unsere sprache Gerstenberg recens. 56 lit.-denkm.; gut gebrüllt, löwe! gut gelaufen Thisbe! gut geschienen, mond! Shakespeare 7, 341; gut ist sie gemauert (die steinsäule), noch im sommer 1873 zeigte Peter sie mit stolz den besuchern des Rainthales Barth Kalkalpen 587; in adjektivische fassung umgebogen: brennet es, sie haben guͦte gemaurte heuser darfür sprichw. (1548) 66ᵃ; er ... spielte ein gutes klavier Schubart leb. u. ges. 1, 5.
b)
ebenso bei allgemeineren tätigkeitsbezeichnungen: hastu es gut eingebrockt, so isz es gut aus Eyering prov. (1601) 1, 389; lassen sie mich das gut vollenden, was gut angefangen ist Göthe IV 8, 41 W.;
wir ziehen rasch von dannen,
wie wehrt die landwehr gut
Schneckenburger dtsche lieder 21;
gut gekauet
ist halb verdauet
Bremser med. paroem. 219;
'der rahm (wird) über die morgenmilch gegossen und mid der chellen gued zertriben' Friedli Bärnd. 2, 398;
werd nehmen grüne linsen, gut
mit zehn pfund reis gemischt
K. Bücher arbeit u. rhythm.⁴ 181;
na, binde man alles gut zusammen Fontane ges. w. I 5, 127; so bei rezepten und gebrauchsanweisungen häufig verwendet, z. b. gut umrühren, gut verreiben, gut reinigen, gut trocknen lassen; berufssprachlich vielfach in festen technischen wendungen im gebrauch: 'gut abkommen bedeutet, wenn beim abdrücken des feuergewehrs die richtung desselben auf dem zielpunkt geblieben ist' Behlen forst- u. jagdkunde 3, 518; 'ist das grattier gued troffens, so wird es gleich ausgeweidet' Friedli Bärnd. 2, 223; 'gut geflossene (zinnschlacken) sind mehr glasartig und leicht' Lampadius hwb. d. hüttenkde (1801) 1, 92; 'gut gelagert sagen (die roszhändler) ... von einem pferde, wenn es gerade auf seinen füszen stehet' Jacobsson 5, 767ᵃ; 'gut treiben (heiszt) ..., wenn bey dem treiben das geschmolzene bleywerk, ohne sich zu verschlacken, auf der aschenkapelle rein flieszt' 4, 433ᵃ; 'der schriftgieszer nennt böse buchstaben solche, die nicht oder nur schwer bei gewöhnlicher behandlung gut fallen, d. h. sich nicht vollkommen und rein ausgieszen' Prechtl techn. encycl. 16, 574; 'gut gefallene presse (heiszt) die zweyte warme presse, welche das tuch bei der appretur erhält' Jacobsson 2, 177ᵃ; ein sehr gut wirkender, dauerhafter und leicht nachzuschärfender vierschneidiger senker (in der bohrmaschine) Prechtl techn. encycl. 21, 574.
c)
etwas gut machen 'etw. in richtiger, zweckmäsziger weise ausführen'; das adv. ist hier wohl aus dem prädikativen adj., das zum akkusativobjekt gehört, herausgebildet: so man solche gepeu recht und gut macht, darf man das in vil jaren nicht pessern A. Dürer etl. underr. (1527) e 4ᵇ; man sol ein ding nit zu guͦt machen sprichw. (1548) 136ᵇ; hastus gut gemacht, so wirstus gut finden Eyering prov. (1601) 3, 7; er machts eben so gut egli fà altrettanto Kramer t.-ital. 2, 829ᵇ; sie haben ihre sache ... gut gemacht Göthe 21, 152 W.; das hast du einmal gut gemacht Alexis Roland v. Berlin 1, 25; das macht der guat das ist nicht übel Jakob Wien. 77ᵇ; nach gut I C hinübergreifend als abschiedsgrusz im nd. und md. verbreitet machs gut, machts gut!, vgl.machts gut fatela galantemente Kramer t.-ital. 1, 579, z. b. Schambach Gött. 60ᵃ, Bauer-Collitz wald. 42ᵇ, Hofmann niederhess. 111ᵇ, Lambert Pennsylv. 75ᵃ u. ö.; mehr nach gut III A 4 hin:
deiner sorge schwere last
nimt er weg, macht alles gut
Paul Gerhardt in: Fischer-Tümpel 3, 320;
gott macht es gut Arndt s. w. 4, 6 R.-M.; etw. kurz und gut machen vgl. unter gut I A 7 d β (sp. 1250).
d)
gut tun ist genetisch anderer herkunft; in dieser verbindung setzt sich zumeist das subst. gut fort (s.gut, n., A 3 b); vereinzelter liegt echtes junges adverb im wechsel mit wohl vor (s. u. ε).
α)
gut (daran) tun mit abhängigem objektsatz, 'rätlich, nützlich, zweckmäszig verfahren', vgl.wohl (daran) tun; vergleichbar schon: diewijl Anthea mit so groszem zug kam, hettest du guot gehept, vor dinem unglück ze sin Morgant 277 Bachm. (nach frz. tu avois beau éviter ton malheur);
der den schöpffer weisz zu schaffen, thäte wol so gut daran,
wenn er eine welt auch schaffte, die ein solches glauben kann
Logau 543 E.;
gut daran tun mit inf. in neuerer sprache gebräuchlich: ich (mache) euch darauf aufmerksam, dasz ihr gut daran thut, möglichst bald ... dies haus zu verlassen E. Carlssen stadtjunker v. Braunschweig (1882) 306; hat Homer nicht also gut gethan, dasz er 'seiner göttin nicht so offenbar eine körperliche grösze gab, die alle natürliche maasze weit überstiege?' Herder 3, 119 S.; wer die (privilegien) antastet, der würde ebenso gut thun, einen schlafenden ... wolf bey den ohren zu zupfen Klinger w. 3, 45.
β)
gut tun im sinne 'nützlich, rätlich, ersprieszlich sein, etwas taugen', und oft mit übergang zu gut I C 'günstig ausgehen' in negativer wendung mit sächlichem subjekt, ist aus der älteren formel kein gut tun (s.gut IX A 1) zu adverbialer fassung entwickelt: hohmut thut nimer gut, und kan nichts denn arges draus erwachsen Luther bibel 5, 70 Bindseil-Niem.;
welches doch die lenge nit that guͦt
und mag ouch nit erlitten werden
schweiz. schausp. 3, 16 Bächt.;
spate rew thuͦt selten guͦt Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 30 R.; es ist solch ding eine rechte ... kätzerey und wird in die harre nicht gut thun Moscherosch insomn. cur. par. 36 ndr.;
das plaudern thut nicht gut, man wird zu sehr zerstreut
Körner w. 4, 8 Hempel;
es thut selten gut, wenn der autor sich unterfängt, dem geneigten leser genau zu beschreiben, wie diese oder jene ... person ... ausgesehen E. T. A. Hoffmann s. w. 12, 18 Gr.; vereinzelt mit persönlichem subjekt: ein bekümmert mann thut selten gut (nimmt selten ein gutes ende) Henisch 1795; positiv gewendet nur gelegentlich: ich will fleisig seyn, das thut gut Göthe IV 5, 243 W.; anders guet tüen fügen, passen Schöpf tirol. 220.
γ)
gut tun mit persönlichem oder personifiziertem subjekt im sinne 'sich ordnungsgemäsz, geziemend, schicklich betragen', an gut I A 4 a anknüpfend, ist wie β ausschlieszlich aus der substantivformel kein gut tun (vgl.gut IX A 2) hervorgegangen; 'ordnungsgemäsz arbeiten, im richtigen zustande sein': item dasz sie aus dem schnabel ihren koth wissen von sich zu geben, wenn der bauch nicht gut thun wil Prätorius winterflucht (1678) 130; im waasen will er (der pfirsichbaum) nicht gut thun, sondern wässerige und ungeschmacke früchte bringen v. Hohberg georg. cur. aucta (1715) 3, 339ᵇ; vom menschen, auch mit einschlag von gut V B, 'sich schicklich, anständig betragen': da sie ein liederlicher mensch sind, der nirgends gut thut G. Stephanie d. j. s. lustsp. (1771) 284; der platzschuster ist ... ein gemsenwildschütze gewesen und hat überhaupt in seiner jugend ... nicht gut gethan A. Stifter s. w. 5, 1, 210 S.; mit personalem objektsdativ im sinne 'gehorchen': die zither, ... mit der sie mich sonst einzuschläfern pflegte, wenn ich ihr nicht gut thun wollte Gotter ged. (1787) 3, 545;
so lang ein edler biedermann
mit einem glied sein brod verdienen kann,
... doch thut ihm endlich keines mehr gut
Bürger s. w. 79ᵇ B.;
an gut II A 1 anknüpfend bergmännisch: 'gut thun, ... von lagerstätten: erze enthalten' Veith bergwb. 256:
es thut kein gang so gut
er hat denn einen eisernen hut
(d. h. er gehe denn nach oben in einen eisensteingang aus)
Dannenberg-Frantz bergm. wb. 183.
δ)
gut tun mit persönlichem objektsdativ im sinne 'gutes erweisen', vgl. daneben wohl tun, leitet sich ebenso aus dem subst. her (vgl.gut, n., A 3 b): die aber das evangelion Christi lieb haben, ... das böse vermeiden und dem nechsten gut thun und sein bestes gedencken, warumb solten die nit oft zum sacrament gehen? J. Bugenhagen Braunschw. kirchenordn. (1531) c 2; elliptisch: wir sollen gut thun die uns hassen Luther 10, 3, 222 W.; allgemeiner: ek dôe mînen vâder gôd 'ich behandele meinen vater gut' Schambach Gött. 60ᵃ; auch präpositional mit gegen: darumb sollen wir gegen allen menschen guͦet thuon, dieweyl wir zeyt haben zum verdienen Berthold v. Chiemsee t. theol. 570 R.
ε)
jung aus gut I A 1 c als adv. hergeleitet mit personalem objektsdativ gut tun im sinne 'heilsam sein, helfen' vgl.wohl tun: die kalten umschläge ... hatten ihm gut getan Gutzkow ritter v. geiste 1, 112; das Lauchstädter bad ... hat ihnen früher doch ganz gut gethan Göthe IV 19, 367 W.; de kaffe deit enen god Mensing 2, 427; 'nützlich sein, gebühren, verdienen': die herren sollten nur einen tag und eine nacht das leben führen, das ich drei wochen lang ausgestanden habe, es würde ihnen gut thun W. Raabe s. w. II 1, 458; von hier aus zu verstehen: emm guet gnueg thue 'einem (im schlimmen sinne) gehören, es verdienen' Tobler appenzell. 245ᵃ, vgl. modern als ausdruck der schadenfreude: das tut dir gerade gut!
e)
bei verben der äuszeren und inneren erfahrung entsprechend, gut I A 6 (sp. 1248) im sinne 'genau': Leviathan, der so gut wuszte, was dem satan gefiel Klinger w. 3, 34; (ich) erinnere mich recht gut Schiller 12, 69 G.; von allem war er gut unterrichtet Göthe 33, 12 W.; ich kenne ihn gut lo conosco benissimo Kramer t.-ital. 1, 579ᶜ; der bruder hatte ihn weislich nicht darin eingeweiht, weil er ihn zu gut kannte O. Ludwig ges. schr. 1, 157; Rudolf ... sah aber alles und paszte gut auf Fontane ges. w. I 5, 132; ohne bedeutungsgehalt mehr intensivierend 'vollständig': ich begreife nun recht gut, wie Flaxmann der abgott aller dilettanten sein musz Göthe 47, 245 W.
f)
zu gut I A 4 a im sinne 'geziemend, schicklich, anständig' (vgl.gut tun d γ): und wenn er sich immer gut aufführt A. v. Arnim s. w. 1, 251 Gr.; in heutiger sprache geläufig sich gut benehmen, betragen.
2)
zu gut I C im sinne 'günstig, glücklich'.
a)
bei verben, die einen handlungsverlauf bezeichnen, wie angehen, gehen, fahren u. ä.: die invention gehet gantz gut an Chr. Reuter ehrl. frau 9 ndr.; wie gut es zwischen uns sich anliesz, ersiehst du daraus, dasz wir mit einer umarmung endigten Göthe IV 39, 237 W.; die sache ging gut durch ihre treue pflege und wartung Ramler einl. i. d. schön. wissensch. (1758) 1, 294; wenn alles gut geht, wünsch ich ihn wohl auf eine stunde zu mir Göthe IV 8, 24 W.; gesteigert in fester wendung das geht noch einmal (mal) so gut, wobei sich der sinn oft nach gut III A 8 hin verlagert: wenn die Luise mithalf, ging es noch mal so gut beim brotbacken oder einschlachten H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 42; nachdem es mit der erklärung der himmelsbewegungen nicht gut fortwollte Kant 3, 12 akad.; wenn ihr den zum muster nehmt, so werdet ihr gut dabey fahren Klinger w. 3, 85.
b)
bei verben, die ein handlungsergebnis oder einen zustand ausdrücken: es war ein glück für sie, dasz diese ungestempelten tage die meiste zeit für sie ... gut ausfielen Hippel lebensl. 1, 26; man ... wünschte sich ... glück, so gut aus einem schlimmen handel gekommen zu seyn Klinger w. 3, 72; ah, da bist du ja auch, rief ihm dieser entgegen, das trifft sich gut Tieck schr. 4, 260; s steht nicht gut ums schiff Müllner dram. w. 3, 67; modern z. b. sein prozesz (seine sache) steht nicht gut.
3)
entsprechend gut I A 8 in komparativen ausdrücken verbalen charakters.
a)
allgemein mit komparierten verben oder nomina im sinne 'in gleicher weise, ebenso wie'; so gut als: nachdem es aber nicht zu ändern war, musten sie ... so gut als es die zeit und der ort lidte, in schlachtordnung stellen Lohenstein Arminius (1689) 1, 37ᵃ;
ich weisz so gut als du den zunder deiner sinnen
Hoffmannswaldau-Neukirch 1, 3;
(er) hielt leider auf diese weise das falsche so gut als das wahre fest Göthe 22, 140 W.;
wir haben auch unsern helden fürwahr,
so gut als wie die groszen,
die uns wie nichts verstoszen
Rückert w. 1, 58;
etwas anders 'mit gleichem recht': sie könnte ... eben so gut die Bravethei heiszen als die Heiterethei O. Ludwig ges. schr. 2, 12; so gut wie: (Newton) setzte ihm (dem lichte) auch bedingungen entgegen so gut wie wir Göthe II 2, 11 W.;
hört seine letzten lehren an;
er hats so gut wie ihr gethan
und kennt des glückes grenzen
I 4, 87;
oft ohne relationsadverb: er ... tröstete mich, so gut es zeit und gelegenheit zuliesz Grimmelshausen Simpl. 33 ndr.;
man schreyt, so gut es sich nur fügt
Stoppe Parnasz (1735) 7;
das ist die wahre weisheit ..., seine schuldigkeit thun, so gut es gehen will Göthe 45, 11 W.; sie wissen ja ..., so gut sie es wissen Arndt s. w. (1892) 2, 6; z. b. was ich heute zu tun versäumte, kann ich eben so gut morgen noch nachholen.
b)
schon frühnhd. mit ellipse des zweiten vergleichsverbum bei kann, vermag, weisz; mit als und unbestimmtem objekt: der baumeyster macht es wie es im gefellt, ein buͦchschreiber auch also guͦt als ers kan sprichw. (1548) 50ᵃ; als er den zwirn einfädeln konnte so gut als er es je gekonnt hatte br. Grimm kinder- u. hausm. 2 (1850) 124; ohne unbestimmtes objekt: ich excusirte mich so gut als ich kunte Chr. Reuter ehrl. frau 26 ndr.; ein hund ... fiel über den dieb her, der sich mit dem degen so gut vertheidigte als er konnte Göthe 43, 149 W.; und ohne relationsadverb:
liebe mich und treib mich an
dasz ich dich so gut ich kann
widerumb ümbfang und liebe
Paul gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 300;
ich ... tröste mich so gut ich kann Caroline 1, 3 Waitz; blasser im sinne 'soweit möglich': ich faszte mich in meiner wuth so gut ich konnte und wartete Göthe 43, 48 W.; bei modern gebräuchlichem so gut ich es vermag bleibt objektsausfall selten; so gut ich (es) weisz verbleibt im älteren nhd.:
wer aber dein herr nicht content,
und spräch, dien mir zu disch behend:
so rhat ich dir, so guͦt ichs weisz,
du thuͦst was er dich selber heisz
K. Scheit Grob. 1580 ndr.;
mein hertze soll dir grünen
in stetem lob und preis,
und deinem namen dienen,
so gut es kan und weisz
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 324.
B.
aus gut II adverbial gebildet bei verben aller art im sinne 'vortrefflich' als allgemeinster ausdruck einer wertbezeichnung, die oft zur bloszen steigerung verblaszt; die fülle der möglichkeiten gestattet nur beispiele: fräulein Ulrike ist ... zurückgekommen, hat gut gesehen und erzählt gar wacker Göthe IV 41, 192 W.; die tanzenden (kamen) doch nicht aus dem takte, so gut hatten sie ihre schule gelernt Klinger w. 3, 30; da in allen allgemeinen sprüchen, sie mögen noch so gut durchdacht sein, etwas unfaszliches ... liegt Göthe II 6, 11 W.; gut gesagt, mylord Fr. L. Schröder dram. w. 1, 40; guet gegeben gut geantwortet Martin-Lienhart 1, 248; reiseberichte und sagen ..., die ... mit den allerältesten andeutungen gut übereinstimmen Ritter erdk. 1, 168; Kayser läszt sich gut an, ich hoffe, sein leben hier soll ihn geschmeidiger machen Göthe IV 5, 56 W.; der stallmeister halte sich gut I 25, 35; wir ... wurden recht gut erzogen E. M. Arndt s. w. 1, 12 R.-M.
C.
aus gut III als adverb gebildet.
1)
entsprechend gut III A 1 bei verben der sinnlichen empfindung:
mir schmäkket nichts so gut als wasz ich selber esse
Angelus Silesius cherub. wand. 122 ndr.;
gelt ock alter, du weeszt, was gut schmeckt? G. Hauptmann weber (1892) 39; guđ rukende crut anetum (gl. v. j. 1417) Diefenbach nov. gl. 23ᵇ; all wat good rükt, kummt vun mi, seggt de apteeker un harr in de büx scheeten Schütze holst. 3, 313.
2)
nach gut III A 2 vom körperlichen befinden in verbalen wendungen; mit dem verbum substantivum mir ist (nicht) gut 'ich befinde mich gesundheitlich (nicht) wohl' neben häufigerem gebrauch mit wohl besonders mundartlich und umgangssprachlich: (Marthel:) is dir ni gutt, Rusla? (Rose:) o ja, mir is gutt! G. Hauptmann Rose Bernd (1904) 133; s mer als nit guet 'ich fühle mich fortwährend unwohl' Martin-Lienhart 1, 248; es ist mir wieder gut Fischer schwäb. 3, 956; persönlich gewendet: ech sen (gar) net gut bin krank, ech bön nicks jet gut bin gar nicht wohl und ähnl. redensarten, vgl. Müller rhein. 2, 1512; ik bün ni god 'mir ist übel' Mensing 2, 425; auf das geistige wohlbefinden übertragen: dem es et net gut 'der ist wohl verrückt' Müller rhein. 2, 1513; gelt s ist dir nit guet 'das ist nicht wahr' (d. h. du bist wohl nicht bei verstand) Martin-Lienhart 1, 248; vgl. ähnlich Müller rhein. 2, 1513; umgangssprachlich geläufige wendungen sind: sich gut fühlen, z. b. der kranke fühlte sich gestern wieder nicht so gut; ech föhle mech net gut Müller rhein. 2, 1512; gut zufrieden sein, z. b. ich bin heute gar nicht gut zufrieden (fühle mich unwohl); hierzu stellt sich: der gesang und die ansprache hat mir wieder gut gemacht (hat mein befinden gebessert) E. Strausz freund Hein¹⁰ 138; er findet guet druf 'er befindet sich daraufhin wohl' Martin-Lienhart 1, 248; eigentlich war es nur verkältung ... nun geht es wieder gut und ich treibe mein wesen wieder fort Göthe IV 29, 218 W.; sachlich hierher gehörig, doch eher von gut I A 2 d β ausgehend: er war ganz gesund und sah sehr gut aus A. Stifter s. w. 2, 241 S.
3)
zu gut III A 4 gebildet vom wünschbaren zustande, angenehmer lebenslage.
a)
in festen verbindungen.
α)
seit dem älteren nhd. bis ins 19. jh. in der negativen formel es wird mir nicht so gut (vgl. mhd. ez wirt mir alsô wol) im sinne 'ich komme in die angenehme lage, es wird mir vergönnt': käme Christus selber wider ..., es würde im kaum mehr so gut, dasz man in im kuͦhstall sein leger haben liesz K. Scheit Grob. 4 ndr.; dem fürsten R. aber, welcher auf dieser wallstatt gerne eine ruhmwürdige heldenbaare erlanget hätte, ward es nicht so gut, dasz er sterben mochte Lohenstein Arminius (1689) 1, 43ᵃ; es wird ihm nicht so gut, seinen entschlusz in einer anderen seelenlage noch einmal anzuschauen Schiller 6, 79 G.; welches ... der theologischen facultät nicht so gut wird Kant w. (1838) 1, 220 Hartenst.; ähnlich: denn es kömmt mir nicht so gut Chr. Weise grün. jugend 63 ndr.;
pfui! dasz es nie so gut
mit mir vorhin geschehen
Königsberger dichterkr. 29 ndr.
β)
es gut haben 'in angenehmen umständen leben' seit dem frühnhd. geläufig: wie es die gerechten zuletzt gut haben werden weish. 2, 16; der guͦt fürst liesz beschehen: mächten sis guͦt, so hetten sis guͦtt Judas Nazarei v. alt. u. n. gott 29 ndr.; viertens habens auch auf den reisen gut diejenigen, welchen die kunst zu singen ein ansehen machet Olearius persian. rosenthal (1696) 54; ich wollte es auch einmal so gut haben wie andere menschen Lessing 18, 259 L.-M.; auch mundartlich verbreitet, vgl. z. b. Seiler Basler ma. 153, Fischer schwäb. 3, 950, Brendicke Berlin. wortsch. 131ᵇ, er het s zue guet ist verwöhnt Martin-Lienhart 1, 249; ironisch: ich heff di jümmer seggt, du schusst dat nalaten, nu hesst du t so god Mensing 2, 426; prädikativ gewendet: in hanns guoter Lexer kärnt. 128; von hier aus gebildet es gut bekommen, kriegen 'in angenehme verhältnisse kommen', vgl. Fischer schwäb. 3, 950; auch es bei jem. gut haben, bekommen ist heute verbreitet.
γ)
es geht mir gut, vom gesundheitlichen und wirtschaftlichen wohlbefinden gesagt, ist erst jung bezeugt: erem gutt gin genesen lux. ma. 158; mir ging es zu gut, das konnte nicht dauern Göthe 45, 81 W.; o mir gehts auch in der stadt gut v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 17; als abschiedsgrusz verbreitet lasz dirs gut gehen! vgl. Mensing 2, 427.
δ)
es tut gut 'es ist angenehm' neben häufigerem es tut wohl scheint erst spät von A 1 c β her auf gut III A als adv. übertragen: du weiszt nicht, wie gut das thut maler Müller w. 1, 126; nach schwerer arbeit tut es gut sich hinzulegen Crecelius oberhess. 445; es tut gut es ist angenehm Müller-Fraureuth 1, 452.
ε)
es sich gut geschehen, sein lassen im sinne 'sich etwas gutes gönnen, üppig leben' bleiben seltener neben noch gebräuchlichem wohl:
so ein guter baron hat nix zu essen,
während der böse baron sich gut geschehen läszt
J. Nestroy ges. w. 3, 72;
er schwelgte und liesz sich gut seyn Klinger w. 3, 85; vgl.sech et gutt si lôssen 'gemächlich leben' lux. ma. 158.
b)
ebenso in allgemeinerer verwendung: betracht, daz got dyn herr ist und das du syn knecht bist. ist er nun din herr, wie mocht er dich denn nit guͦt haben (gut halten) Geiler v. Keisersberg bilgersch. (1512) 29ᶜ;
merke wohl: die bringer werden
gut in brot und bier gehalten
Fr. W. Weber Dreizehnlinden 300;
es ist des nachts still und gut schlaffen Luther 18, 158 W.; wei sek gut bedet, dei slæpet gut Bauer-Collitz 10ᵃ; häufiger wunsch schlaf gut!; kann man gut zur miethe wohnen, warum soll man sich sein eigenes haus anschaffen? Hippel üb. d. ehe (1792) 35; wer gut webt, der gut lebt G. Hauptmann weber (1892) 10; ich sitze gut, sagte die katze, da sasz sie auf dem speck Wander 2, 180; da wäre ich gut daran, hier einen buckligen leib und die seele nach dem tode in alle winde S. Brunner erzähl. u. schr. 1, 276; ein kerl, mit dem sichs gut zusammen war H. v. Kleist 1, 330 Schm.
4)
aus gut III A 5 als adv. entwickelt im sinne 'froh, heiter':
ihm war gar gut zu muth, als hett er nie betrübt
ein eintzigs waszerchen ...
Reinicke fuchs (1650) 136;
bin ich nicht immer gut aufgelegt gewesen? und wo ist meine heiterkeit hergekommen? S. Brunner erzähl. u. schr. 1, 325; so gut gelaunt sein, z. b. ich bin heute besonders gut gelaunt;
dann ist der gut gelaunte sänger
mitunter auch ein kinderfänger
Göthe 1, 183 W.;
vgl. auch gutgelaunt an alphab. stelle; anders, in bezug auf die innere freudigkeit oder bereitwilligkeit 'gern':
alle Ohnwitzer mögen sie gut leiden
Kortum Jobsiade (1799) 2, 187;
wenn er seinen spasz hatte mit jemand, den er gut leiden mochte, so stiesz er den mit der lockeren faust in die seite Anzengruber ges. w. 3, 48; was sagst du zum Wilhelm? Verena war verlegen. 'gut mag ich ihn', sagte sie lächelnd E. Zahn helden d. alltags (1907) 18.
5)
zu gut III A 6 als adv. vom ästhetischen eindruck 'schön, hübsch', vgl. mit übertragung von 1 a γ her: nim die harfen, ... machs gut auf dem seitenspiel und singe getrost Jes. 23, 16; meist vom optisch vermittelten eindruck: wie gut sie schreibt! kalligraphisch gewisz und orthographisch beinahe Fontane ges. w. I 5, 155; besonders in festen verbindungen gut lassen, stehen, aussehen u. ä.: eine säule in der Adrienne würde ja wohl so gut lassen als eine im faltigten kleide Kästner verm. schr. (1753) 1, 121; die frauen beteuerten, diese tracht lasse ihm vorzüglich gut Göthe 22, 15 W.; utverschamt lett nig good unverschämtheit kleidet nicht Schütze holst. 50;
ich dreht den ring, — den grafenhut
hat ich sogleich, er stand mir gut
Cl. Brentano ges. schr. 5, 75;
übertragen: herr Abel, euch steht es auch gut, wenn euch so grob begegnet wird Tieck schr. 3, 179; aim guet asto gut stehen, von kleidern Seiler Basler ma. 153; der hirsch wird durchaus nicht schön genennet, sondern: er siehet gut aus am leibe Döbel jägerpr. (1754) 1, 19ᵇ; sie (die ringe) sahen sehr gut aus Göthe 43, 86 W.;
dich kleidet reiz und milde gut
Mastalier ged. (1774) 55;
die bärenmützen der grenadiere nehmen sich sehr gut aus Solger nachgel. schr. (1826) 1, 52; die blühenden bäume und das junge gelbgrün zwischen und vor den alten grauen felsen, den finstern fichtenwäldern machten sich sehr gut Göthe IV 20, 71 W.; das kupfer thut im ganzen sehr gut und ist in seinen theilen fürtrefflich gestochen 12, 279.
6)
an gut III A 7 als adv. angeschlossen für die kennzeichnung der ökonomischen lage einer person 'zufriedenstellend, vorteilhaft'; vgl.es geht mir gut oben C 3 a γ: denk ock ä mich, wenn dersch watt gutt gihn Rother schles. sprichw. 250ᵃ; verbreitet in moderner sprache sich gut stehen, vgl.sech gutt štôen 'wohlhabend sein' lux. ma. 158; gut schtehn Lambert Pennsylv. 75ᵃ; als frau Hinkel hörte, dasz er den Alektryo so gut hätte verkaufen können, machte sie dem Gockel bittere vorwürfe Cl. Brentano ges. schr. 5, 56; sie dankt noch dem himmel dafür, wenn sie ihr geld so gut an den mann bringt Deinhardtstein ges. dram. w. (1848) 1, 8; aus kaufmännischer vorstellungswelt entwickelt im bilde gut angeschrieben sein bei jem. 'in jemandes gunst stehen': dieses kerlchen war ... bei den frauen ... gut angeschrieben E. M. Arndt s. w. 1, 28 R.-M.
7)
im sinne 'mühelos, bequem, leicht' hat sich adverbialbildung aus gut III A 8 früh entwickelt, der wohl gut B den weg gebahnt hat, indem sich alte unpersönliche konstruktion mir ist etwas zu machen gut in die persönliche ich habe etw. gut machen umbog; vereinzelt noch mit zu: ein mit messen (messern) unde bussen (büchsen) heft den nakeden gût to vorslân Tunnicius sprichw. 471 Hoffm.; sonst ohne zu: du hast gut reden Luther 46, 110 W.; ha, sagt sie, ihr habt gut sagen, were dem fasz der boden ausz Fischart Gargantua 155 ndr.;
du hast gut reden, dacht ich, zum geleite
gab dir ein gott die gunst des augenblicks
Göthe 3, 25 W.;
da hatte freilich der teufel gut machen Luther 26, 197 W.; er hat guͦt reich werden sprichw. (1548) 79ᵇ; der dichter ... hat gut nach einem ideal arbeiten, der kunstrichter hat gut nach ideen urtheilen Schiller 14, 4 G.; ich hatte gut schwärmen, alle diese bilder erreichten sie nicht Klinger w. 1, 243; im sinne 'leicht, aber erfolglos': aber die beiden hatten gut winken, Kramer kehrte sich nicht daran S. Brunner erzähl. u. schr. 2, 28; aber auch auszerhalb dieses festen gebrauches nicht selten: sintemal ... alle gemächte äuserlich entweder dieselbe anmuth oder verdrüszligkeit zeugen, die dem künstler in seinem gehirne gesteckt, wenn ihm die arbeit entweder schwer oder gut von händen gegangen Lohenstein Arminius (1689) 1, 86ᵇ; wie mit der zeit und jaren die mannschaft in eim dorf, also hett auch, wie gut zu gedencken, die summ des viehes zugenommen Kirchhof wendunm. 2, 295 Österl.;
das sagt sich gut, allein es übt sich schwer
Grillparzer s. w. 5, 157 S.;
in negativer wendung abgegriffener 'nicht so einfach, kaum': der witz läszt sich freilich nicht gut wiedergeben, denn er ist zu derb H. Steffens was ich erlebte (1840) 1, 180; ein ancien ministre (kann) nicht gut wieder vor das barreau treten und processe führen wie früher Gutzkow ges. w. 7, 314; ähnlich: die charakterentwicklung ... kann das rhetorische nicht gut brauchen O. Ludwig ges. schr. 5, 206; so in heutiger sprache formelhaft das ist nicht gut möglich!
D.
aus gut IV als adv. abgeleitet seit dem frühnhd. im sinne 'freundlich, liebreich'.
1)
zu gut IV A bzw. B gehörig.
a)
formelhafte wendung ist es gut meinen, 'freundlich gesinnt sein, freundschaftliche gesinnung hegen', vgl. wohlmeinend: ich meyne es ohn zweyffel gutt Luther 12, 232 W.;
gleichwol verzeih mir mein unglimpf
das ich zu bekant mit dir schimpf,
ich maint es gut ...
Fischart glückh. schiff 58 ndr.;
dasz alles, was die rosengenossen würken, hertzlich guht gemeinet sein sol Zesen helikon. rosenthal (1669) 28; indem es die sonne dergestalt gut mit uns meynete Schnabel insel Felsenburg (1731) 4, 241; jut meinen liebkosen Jecht Mansf. 45; auch ins pejorative umschlagend bei einem miszverhältnis von absicht und wirkung: sie meinen es gut und werden mich noch umbringen Göthe 22, 127 W.; s war guat gement, s it halt schlacht ausgfalln Ruckert unterfr. 67; nach gut V B hin 'ehrlich': aber sein (des papstes) grimmigkeit ereugt sich so dan am allermeisten, wan er ... sich stellt als meynet er es guͦt und trewlich Hutten opera 1, 384 Böck.; er meinte es treu und gut Stifter s. w. 3, 147 S.; mit persönlichem objekt präpositional durch mit verbunden:
ich mein es hertzlich gut mit dir
J. Spreng Ilias (1610) 5ᵇ;
dann ich seh in allen dingen
wie so gut ers mit mir meyn
Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 347ᵃ;
deinem alten freund und lehrer, von dem du weiszt, dasz ers gut mit dir meint Fontane ges. w. I 6, 9; vereinzelt mit objektsdativ: schauen sie, ich mein ihnen s gut Nestroy ges. w. 2, 233.
b)
entsprechend in anderen wendungen gleichen sinnes gebräuchlich: und kan dyr wol die sprüch, die du am besten gefasset hast, ausz den händen nehmen, das dyrs feylet, wenn du es gleych guͦtt ym synn hast Luther 12, 363 W.; ihr seid mir ein schöner hahn, herr candidate, der alte hats gut mit euch im sinn, er wird euch schön den text lesen W. Raabe hungerpastor (1864) 3, 88; in gleicher bedeutung üblich es gut mit jemand vorhaben; verblaszt 'die absicht haben': ich gedachte: auf eine luge gehöret ein maultasche. hats auch gut im sinn, ihme eine solche mitzutheilen Grimmelshausen 2, 379 Keller;
und wie ihr wolltet allen gut
Göthe 16, 65 W.;
ists nicht gut gemacht, so ists doch gut gedacht Henisch 1795; ich dachte gut von ihm Göthe 22, 170 W.; hier schicke ich dir einen brief meiner mutter, daraus du sehen kannst wie gut sie denkt IV 12, 151; schlecht gebetet ist doch gut gedenkt Fischer schwäb. 3, 951; 'freundschaftlich': lassen sie uns einander gut gesinnt bleiben fürst Pückler briefw. 1, 271; 'gnädig' zu gut IV A 1 c α γγ:
der königliche gast erstaunet,
dein glück ist heute gut gelaunet
doch fürchte seinen unbestand
Schiller 11, 231 G.;
so auch von der aufnehmenden person: ein ding ist nicht bös, wann mans guͦt versteht sprichw. (1548) 58ᵃ; er maint es gut, es wills aber niemand gut verstehn Henisch 1795; nehmen sies gut auf, dasz ich für ihre gesundheit besorgt bin Göthe IV 5, 30 W.; dat nehm he em nich god af das nahm er ihm übel Mensing 2, 427.
2)
'freundlich' vom reden und handeln entsprechend gut IV C 1-3, z. b. einem gut zu reden, zusprechen: sie redete ihm gut zu und bat ihn viel: er wäre noch jung G. Frenssen Jörn Uhl (1902) 166; einem guet reden schmeicheln Martin - Lienhart 1, 248; der herzog geht auf Dresden, er hat mich gar gut eingeladen mit zu gehn oder zu folgen Göthe IV 6, 50 W.; deswegen gehet man sehr freundlich und gut mit ihnen (den leithunden) um Heppe jagdlust (1783) 1, 39; man (musz) den burschen noch gut behandeln E. Carlssen stadtjunker v. Braunschweig (1882) 117;
er (gott) hat die kleinen kinder gut
und hält so treue wacht
E. M. Arndt s. w. 3, 287 R.-M.;
alle haben mich gut empfangen br. v. u. an Herwegh 13; etwas anders: (sie) war nicht gut auf sie zu sprechen Brentano ges. schr. 5, 185.
3)
nach gut IV C 4 als adv. von dem verhältnis zweier personen; besonders im formelhaften ausdruck (sich) gut stehen u. ä.:
wenn ein mensch mit gott gut steht,
der steht wol, wenns übel geht
Logau sinnged. 44 E.;
er steht gut bei der frau amtmannin Rabener s. w. 4, 120; wie oft haben die römischen nuntien ... ihm (Heinrich I V.) vorgetragen, dasz er sich schmeicheln dürfe, mit beiden parteien gut stehen zu können Ranke s. w. 9, 83; modern üblich sich mit jem. gut stellen 'jemandes gewogenheit erwerben'.
E.
adverbbildung aus gut V bleibt seltener: sie (die fertigkeit) ist nichts als eine leichtigkeit, gut oder schlecht zu handeln Ramler einl. i. d. schön. wiss. (1758) 2, 21;
wirke gut, so wirkst du länger,
als es menschen sonst vermögen
Göthe 2, 24 W.
F.
im anschlusz an gut VI adverbial als maszbegriff oder steigerungsmittel verwendet.
1)
als maszbegriff im sinne 'reichlich'.
a)
neben verben: ich dachte wunder, wie gut versehen ich wäre Göthe 43, 77 W.; seine tafel war so gut besetzt Klinger w. 3, 113; er bezahlte mir sie gut Göthe 43, 75 W.; der rogg hett god geben (reichlich korn gegeben) Mensing 2, 427;
der muasz guat pulver und blei mittraͦgn
A. Hartmann volksschausp. 18;
vgl.gut gewogen, z. b. der sack hat gut gewogen 50 pfund, entsprechend gut gemessen u. ä.
b)
besonders neben zahlangaben, vgl.gut VI A 2 d δ:
Glatmund wird verstand und wiz hundert jahre gut bewahren,
weil er solche beide pflegt in der jugend sehr zu sparen
J. Grob dicht. vers. (1678) 70;
und 40 000 mann warens gut, welche die flucht nahmen Chr. Reuter Schelmuffsky 32 ndr.; (wanderer:) wie weit ists hin? (frau:) zwei meilen gut Göthe 2, 176 W.; seiner kräftigen statur wegen war das tier von Heilmann erstanden worden, der gut seine zwei centner in den sattel brachte W. v. Polenz Grabenhäger 1, 33; dat îs gût hundert dāler wǟrt reichlich 100 taler Bauer-Collitz 42ᵇ; dat gellt hunnert god in de föftig mark reichlich 150 mark Mensing 2, 427; guet tusig ad minimum mille Schmidt id. Bern. 33; 'früh': des morgens gut um achte (la mattina a buon'otta) Göthe 43, 221 W.
2)
in intensivierender funktion.
a)
neben verben, den begriffsinhalt allgemein steigernd: die fabeln des la Fontaine haben ihr glück sehr gut gemacht Ramler einl. i. d. schön. wiss. (1758) 1, 292; dem theater recht gut angemessen Gerstbnberg Schlesw. lit.-br. 159 lit.-denkm.; denn weisz auf schwarz sticht gar gut ab maler Müller w. 1, 127; die bauern fuhren gut Holston und Augusta (1780) 171; wer gut schmiert, der fährt auch gut Binder sprichw. 174; kan ə guəd raffe, so kan ər a guəd zaln Schmeller-Fr. 1, 963; da hätte man sehen sollen, wie die beiden einander (beim prügeln) gute gaben Kuhnau music. quacks. 165 lit.-denkm.; dat hesst em god geben Mensing 2, 427; dein junge ist scheu, weil ihn die andern ein paarmal gut durchgedroschen haben A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 270 Sch.
b)
neben adjektiven als steigerungsmittel, besonders in obd. mundarten geläufig; mhd. adjektivisch empfunden, vgl.er (der sattel) was guot (echt) hagenbüechîn Hartmann v. Aue Erec 7501; guͦt kindische sitten stehen wol an eim kind und seind ein guͦt zeychen sprichw. (1548) 63ᵇ; wie inen dann der prophet Jeremias am 9. capitel solches gut rund sagen darf Jac. Gretter erkl. d. ep. s. Pauls a. d. Römer (1566) 144; darum haben sie so gut rond on vil omwicklens dasz kind getaufft Fischart binenkorb (1581) 187ᵇ; er ist recht guͦt edel von rechtgeschaffnem adel, aber also arm, daz er bluͦten möcht sprichw. (1548) 73ᵇ; ich konte aber auf fleisziges nachforschen nichts anders erfahren, als dasz er zwar gut edel von geburt, aber hingegen so blutarm gewesen, dasz er sich elend behelfen müssen Grimmelshausen simpl. schr. 1, 23 Tittm.; so ist doch gnädiger fürst und herr gut kundtlich, offenbar und beweiszlich Mich. Herr feldbau (1551) 3ᵃ; es ist gut kühl diesen morgen J. Gotthelf Uli d. knecht (1846) 370; do ist gut warm Martin-Lienhart 1, 249; bear ist gut lustec steen wer kann fröhlich sein Schmeller cimbr. 127ᵇ; des is guəd richti Schmeller-Fr. 1, 963; dar steet gut reş of der steht sehr zeitig auf Gusinde poln. Oberschles. 171ᵃ; geat nasz sehr nasz, geat lânzem sehr langsam Haltrich siebenbürg.-sächs. 43ᵃ; kaufmännisch bei farbbezeichnungen, z. b. des rohkaffees gut grün 'intensiv grün' gegenüber blaszgrün; auch als milderndes beiwort 'ziemlich': was sich der gestrenge herr einbildet, da meint er guet keck, ich werde ihm nachlaufen A. v. Bucher s. w. 4, 242; vgl. Schmeller-Fr. 1, 963, Schöpf tirol. 220.
c)
etwas anders aus gut I B 3 entwickelt; wo das adjektiv die beschaffenheit der gesinnung bezeichnet, noch gehaltvoll 'treu': also sind zu unser zeit viel leute gut evangelisch, aber sie halten das evangelium nicht werd, das sie ir leib, leben ... in fahr setzen Luther 28, 369 W.;
Mars beweiset alle stunden,
dasz er gut catholisch sey
Logau sinnged. 128 E.;
sagen sie ... meinen kameraden ..., ich sei gut österreichisch geblieben Körner w. 3, 264 H.; farbloser im sinne 'echt, unverfälscht', vgl.er ist guet von hie (ein echter Straszburger) Martin-Lienhart 1, 248: die lieb Grandgurgel ... soff gut prelatisch Fischart Garg. 73 ndr.; ebenso Jude und Türkin, obgleich in gut altdeutscher manier à la Cranach veduttenmäszig hingestellt Hebbel br. 6, 143 W.;
... wer wollte nicht viel lieber
an einen sichtbarn feind, für den er stehen kann,
und auf gut ritterlich es mit ihm nehmen an,
als einen matten tod im faulen bette leiden
P. Fleming dtsche ged. 1, 49 L.;
wo ich dich ... recht auf gut berlinisch im schwelgen finde Göthe IV 39, 103 W., vgl. 6, 297; z. b. er redete ihn (auf) gut bairisch an.
d)
feste zwillingsformel mit steigernder funktion im sinne 'vollständig, ganz gewisz' ist gut und gern, die aus älterem gut und gar entstellt scheint: wyle doch guͦt und gar nach im leben notdurftig ist, daz wir unser gemüt mit sorgen, arbait und müdi belestiget etwenne hier von berüffent Niclas v. Wyle translat. 14 K.;
an frässmern (den brei) gutt en goar
an liss mich ne a bissa
D. Stoppe ged. (1729) 5;
o freund, dasz in des Lorchens gärtnerei
die liebe gut und gern die erste pflanze sei,
das weiszt du ...
Kl. Schmidt poet. br. (1782) 102;
deutsche hexameter, freund, lassen sich gut und gern verfertigen Bürger w. 176ᵃ B.; schon um 6 uhr glaubte sie aufstehen zu müssen. gut und gern hätte sie sich noch eine stunde gönnen dürfen Gutzkow zaub. v. Rom 3, 34; die wolln behaupten, de weber kennten gut und gerne auskommen, se wern blosz zu faul G. Hauptmann weber (1892) 40; mundartlich meist als quantitative steigerung gebraucht 'reichlich': das sinn jût unn jä̂ren zwä scheffel Jecht Mansf. 45; eine stunde weit ist es gut und gerne (derbe stunde) Albrecht Leipz. 127ᵇ; vgl. Brendicke Berl. w. 131, Reuting Höchst. 20: das reh hier, das hat seine dreiszig fund. aber gutt un gerne, kann ich ihn sagen G. Hauptmann biberpelz (1893) 18; auch umgestellt: dat sen gern on gud 50 steck Müller rhein. 2, 1513.
VIII.
substantivierungen des adj. gut mit adjektivischer flexion begegnen seit ahd. zeit.
A.
als m. und f. substantiviert für personen oder sachen, deren hervorstechende eigenschaft durch gut gekennzeichnet wird, vgl. auch ags. wæs endedæg gōdum (den tapferen) gegongen Beowulf 3036 Holth.
1)
alt und bis in gegenwärtige sprache die geläufigste personale substantivierung aus gut V A abgeleitet.
a)
der sittlich vollkommene mensch, der den religiössittlichen forderungen gottes entspricht; oft in gegensatz zum bösen (vgl.gut V A 1 a und b), s. alte belege auf sp. 1299:
die vriunde an dem râte
daz sint die tougen guote,
wan sie uns helfent bringen
zuo den christenlîchen dingen
d. hochzeit 376 Waag;
die guoten enphahent vröuden leben,
die übelen varent der helle grunt
v. d. jungesten tage 370 Willoughby;
wan dem guten gypt und tut
daz man nennet geistlich gut
und riche geistliche gabe
md. Hiob 10580 Karsten;
syd das vil widergangen würt iren bösen meinungen und anschlegen, scheltend sy das evangelium, das aber die guͦten nit erlyden mögend, sunder wider sy strytend Zwingli v. freiheit d. sp. 21 ndr.; der gute wird erben auf kinds kind, aber des sünders gut wird dem gerechten furgespart spr. Sal. 13, 22.
b)
allgemeiner wie gut V A 1 c 'der rechtschaffene, ehrliche, moralisch hochstehende mensch': nu suochent, chad si, die guoten summum bonum, daz peiden gelicho erboten ist, kuoten ioch ubelen mit temo ambahte dero tugedo Notker Boethius bei Hattemer 3, 168ᵇ;
... ir dekeinir das niht lat
guter noh unguͦter,
si slahin vater und muͦter
so si beginnent alten
Rudolf v. Ems weltchron. 1550 Ehr.
(er) bat die tumben und die wîsen,
guot und unguot, sich bewîsen,
wie er möhte baz geleben
Lamprecht v. Regensburg s. Francisken leb. 3260 Weinh.;
... es ist ye der valschen lob
so den guͦten gat fräd ab
liederb. d. Hätzlerin 245 H.;
wâ der guote hât gemeinschaft
mit den guoten
Ulrich v. Eschenbach Alex. 22451/52 T.;
denn die gutten würden dadurch nur träger, die bösen aber ... schlimmer Lohenstein Arminius (1689) 1, 74ᵃ;
habt ihr thränen, die ganz des guten innerstes rühren
... so weint!
Klopstock oden 2, 102 M.-P.;
sowohl sie als ihre landsleute wuszten sich, bey dem hiesigen aufenthalte, die achtung aller guten zu gewinnen Göthe IV 33, 73 W.;
aufmerkend hört ich da manch kluges wort,
was der verständge denkt, der gute wünscht
Schiller 14, 284 G.;
entsprechend gut V A 1 d in höfischer verengung des begriffes:
daz gevüeget wol diu guote
minnesinger 1, 72ᵇ v. d. Hagen;
blasser 'keiner, der als wacker bezeichnet werden kann':
sîn keiserlîchez houbet zimt ir (der krone) alsô wol,
daz si ze rehte nieman guoter scheiden sol
Walther 18, 33;
er sprach: ichn habe genâden niht:
swem mîns dienstes nôt geschiht
und swer guoter des gert,
dern wirt es niemer entwert
Hartmann v. Aue Iwein 6003;
mit pejorativer färbung entsprechend gut V C 4: wie viel darf man nicht laut sagen, um nicht von den dummen guten gesteinigt zu werden Niebuhr leben 2, 494; selten mit einschlag von gut I B 4 für den tüchtigen, strebsamen menschen: der gute macht den guten, der schlemmer macht den schlemmer Henisch 1785; vereinzelt nach gut II B 3 hin: die guten aller zeiten bestrebten sich, das schöne als eine darstellung des wahren und guten anschaubar zu machen Herder 22, 9 S.
2)
weniger häufig aus gut IV A substantiviert.
a)
zu gut IV A 1 b für den freundlichen, gütigen, hilfreichen menschen:
... vor allem aber
hätts ihn (das volk den Nathan) den guten nennen müssen
Lessing 3, 36 L.-M.;
lasse beim grabe des guten verlassene redliche weinen
Göthe 2, 136 W.;
wie nenn ich dich?   verruchter, milder, guter?
Grillparzer s. w. 5, 196 S.;
etwas anders, nach gut IV A 2 hin: hei îs ken gûder nit ('man kann ihm nicht trauen') Bauer-Collitz Wald. 42ᵇ.
b)
entsprechend gut IV A 1 c α für gott: ihr seyd zu unruhig zum gebeth, und könnt an den guten und barmherzigen nicht ohne furcht und unruhe denken J. M. Miller pred. f. landvolk (1776) 1, 15;
o ich glaube! guter! vater deiner kinder;
glaubend, glaubend tret ich deinem throne nah
Hölderlin ges. dicht. 1, 38 Litzm.;
anders, mehr nach gut V A 2 hin, 'der heilige' von Christus:
ak gêng imo thô the gôdo   endi is jungaron mid imu
friđu-barn godes
Heliand 2381 Heyne.
c)
entsprechend gut IV A 3 b γ und c als affekthaltige bezeichnung für eine vertraute, geliebte oder geschätzte person:
müde von dem gartenfleisz: vom pelzen
junger apfelstämm und kirschenruthen
ruh ich aus zur seite meiner guten
Schmidt v. Werneuchen alman. für 1802, 85;
wenn die gute nun kommt vor den hohen stengel getreten
Mörike ges. schr. (1905) 1, 121 Göschen;
erst ergötzte der gute sich daran Göthe 25, 237 W.; ich warte keine neuen briefe von dir ab, meine gute, um dir zu schreiben G. Forster s. schr. 9, 6; und nun, mein guter, seid uns willkommen! A. Schnitzler d. grüne kakadu (1899) 19.
3)
von sachen unter ellipse der sachbezeichnung, so z. b. vom wein zu gut II A: en schoppen (vom) gueten (d. h. wīn) Staub-Tobler 2, 541, wo weitere belege dieser art.
B.
substantivierung des adj. neutr. mit artikel und schwacher flexion das gute ist ahd. und mhd. selten, weil das substantivisch flektierte neutr. ohne artikel (s. u.gut, n., A) den gebrauch beherrscht, im nhd. aber besonders in jüngerer sprache ausgebreitet.
1)
die häufigste verwendung stellt sich zu gut V im sinne 'das sittlich vollkommene':
a)
religiös-ethisch für das tun und handeln, das den geboten gottes und dem sittengesetz entspricht, in betontem gegensatz zum bösen als dem sündhaften tun, oder abstrakter für das prinzip des religiös-sittlichen:
want er thaz ubila firmeid   joh iz garo thana sneid;
thaz guata steit gihaltan   joh mag sih baz giwaltan
Otfrid V 25, 50;
von dem holze des lebenes   des guͦten und des ubeles
von dem holze der gewizzene   vindet hie geschriebene
genes. u. exod. 9, 23 Diemer;
alsô kleine schat ez iht,
dô der man daz guote sagt
Ulrich v. Eschenbach Alex. 22461 T.;
hasset das böse und liebet das gute Amos 5, 15;
hierausz ein mensch soll undterscheyden,
das gut zu thun, das bösz zu meyden
H. Sachs 2, 20 K.;
die tödtliche weiszheit zu scheiden in das gut und böse Paracelsus opera (1616) 2, 336 Huser; dadurch man ... das angebohrne böse und guthe des hertzens sehen kan Ph. Zesen rosenmând (1651) 39; da tritt sodann das gute und böse gleich ans licht Herder 17, 12 S.
b)
allgemeiner das sittlich vollkommene überhaupt, so vom tun selbst: wann wunnicklich und ere und frid eim yglichen der do wirckt das guͦt erste dtsche bibel 2, 16 Kurr.;
die gedanken nur sind wahr,
und die liebe, die du fühlest,
und das gute, das du thust
Grillparzer s. w. 7, 132 S.;
vergleichbar: aber alles wurde ihm zum guten ausgelegt U. Bräker s. schr. (1789) 2, 263; abstrakter 'das sittlich vollkommene' als erscheinungsform: das guͦt leidt wol ie not, aber nimmer den tod sprichw. (1548) 177ᵃ; so befinden wir, dasz die gerechtigkeit alles gute nicht allein erwerben, sondern auch zu gewisser erhaltung bestätigen müste Chr. Weise pol. redner (1677) 47; das schlechterdings und in aller absicht gute, nämlich das moralische Kant w. (1838) 7, 50 Hartenst.
c)
oft in gegenüberstellung mit anderen prinzipien, namentlich dem wahren oder schönen: das wahre sey das, so mit dem verstande, und das gute das, so mit dem willen gottes ... übereintrifft Leibniz dtsche schr. 2, 35; diese form des wahren und guten ... ist schönheit Herder 17, 377 S.; die wissenschaften haben das wahre zum gegenstand, die künste das gute und das schöne Ramler einl. i. d. schön. wissensch. (1758) 1, 53; das schöne gefällt ohne alles interesse, ... das gute ... durch einen begriff Schiller 10, 53 G.; das gute und schöne, die kraft etc. an demselben erkennend O. Ludwig ges. schr. 5, 106.
d)
anders zu gut IV B 5 b formelhaft unter dem schein des guten (vgl.guter schein sp. 1310) im sinne 'unter dem deckmantel der rechtschaffenheit, des redlichen vorhabens': so ist auch demselben tausendlistigen meyster (dem teufel) leycht und putz müglich zuthun gewesen unter dem schein des guͦten den abtrünnigen menschen von got ... in unzcelich unuberwintliche stricke ... zcufuren Jac. Strausz beychtpüchlin (1523) a 2ᵇ.
2)
im ganzen jung ist das gute als ableitung von gut III A 4, wofür sonst gutes (s. u.C) und in älterer sprache gut (s. u.gut n. A) eintritt, als 'das, was dem menschen an wünschbarem, erfreulichem, angenehmem zuteil wird'.
a)
allgemein vom erfreulichen zustand, oft in gegensatz zum übel: ein gesätz, das natürlich (von natur) dem übel feind ist und dem guͦten hold sprichw. (1548) 90ᵇ; es könnte dieses kurze gute so grosz seyn und das langwierige übel so klein, dasz dennoch das gute überwöge Leibniz dtsche schr. 2, 41; das gute hat seinen ursprung vielmals einem übel zu danken Rabener s. w. 1, 151;
ich habe manchen tag getrauert,
dasz alles so vergänglich ist,
und dasz das gute selbst nicht dauert,
und dasz man sein so bald vergiszt
Hoffmann v. Fallersleben ged.⁹ 31;
nach gut I C hin 'glück': wäre nicht zu besorgen, dasz er ... im widrigen den reichsstab würde lassen aus der hand fallen, im guten aber sich versteigen Lohenstein Arminius (1689) 1, 183; ähnlich etw. zum guten wenden 'zu einem erfreulicheren, günstigeren zustand bringen':
wer nun vest hofft
dem gehets offt
glükwunderlich von händen,
gott kans zum guten wenden
Reinicke fuchs (1650) 89;
(er) überliesz sich gern der hoffnung, noch alles zum guten wenden zu können Eichendorf s. w. 3, 324; er kenne am genauesten meine ganze lage und werde noch alles zum guten lenken U. Bräker s. schr. (1789) 1, 207; das in der kirche drüben geschlossene vornehme ehebündnis war nicht zum guten ausgeschlagen Storm ges. schr. (1884) 2, 93.
b)
enger gefaszt von einzelnen tatsachen oder handlungen, die den erfreulichen zustand herbeiführen:
dû bewîsest mich des guoten
bî der krummen ruoten
Ulrich v. Eschenbach Alex. 1917 T.;
alle ... lobten gott, den geber alles guten maler Müller w. 1, 60; jenes manigfaltige gute, das kunst und wissenschaft ew. durchlaucht verdanken Göthe 46, 5 W.; ist einer indiscret, so musz ich es hingehen lassen und auf das gute, was ich stiften wollte und sicher stiften werde, trotzen G. Forster s. schr. 8, 36; so häufig als wunsch: heil, gesundheit und alles gute zuvor, wo sie dieser brief auch antrifft Göthe IV 8, 235 W.; mehr verdinglicht: es geht mir so gut, dasz mich es nur offt betrübt das gute nicht theilen zu können 8, 25 W.; zu gut III A 1: es soll nicht heiszen, wie von den wirthen zu Seldwyl, die alles gute selber fressen und den fremden die knochen vorsetzen G. Keller ges. w. 5, 15; zu gut III A 4: das Krügern zugedachte gute hat sich zufällig gesteigert, er möge nun dessen genieszen Göthe IV 42, 162 W.; dem herrn pfarrer lasse ich mich recht schön für die geige und für alles gute miteinander bedanken S. Brunner erzähl. u. schr. 1, 55; ich verspreche mir alles gute von meinen zukünftigen zöglingen Spielhagen s. w. 1, 3; das gute, das eine gute 'der erfreuliche umstand', z. b. das eine gute hatte seine vereinsamung, dasz der dichter nun die unterbrochene arbeit an dem schauspiel wieder aufnahm; noch mehr nach gut III A 7 hin als 'vorteil': freilich das gute hat die enge französische ordnung in der wortfügung, dasz sie den ungestüm und den unmittelbaren ausbruch kühner sprünge des gedankens und der rede hemmt und zügelt E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen 1, 398.
c)
die redensart des guten zu viel tun geht zunächst in negativer formulierung von 1 b aus: ich wil zuwarten, meine vermessenheit gerne gestrafft und verdampt haben, aber noch ist das auch war, man kan des guten nicht zu viel thun Luther 30, 2, 270 W.; man kan des guͦten nit zu vil thuͦn nulla facietas rerum honestarum sprichw. (1548) 38ᵃ; auch dativisch gewendet: dem guten kan man nicht zu viel thun Spanutius sprichw.-lex. (1720) 595; dann meist auf 2 b angewendet 'zu viel des erfreulichen, angenehmen'; im spiel mit gut I A 1 b:
... zu der gesundtheit köstlich ist,
sich brechen alle monats frist,
ein mal aufs wenigst: merck mich nun,
des guͦten nicht zu viel kanst thun
Scheit Grob. 1015 ndr.;
das er wol zusehe, er dem guten nicht zu vil thue Seutter roszarznei (1599) 7; besonders vom allzu reichlichen genusz von speisen und namentlich alkoholischer getränke, vgl. ich habe des guten zu viel gethan liberalius me invitavi Serz idiot. (1797) 59ᵃ: man hatte den wein nicht gespart ... und wenn der alte amtmann des guten ein wenig zu viel getan hatte Göthe 28, 21 W.; sah ich ihn aber bei mir oder sonstwo, so hatte er gewöhnlich schon des guten zu viel gethan Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 7, 131; auch variiert: als die gesellschaft in die freie luft kam, merkte fast jedes, dasz man für diesen abend des guten zu viel genossen hatte Göthe 22, 209 W.; en huet des gudden zevill 'das ist mehr als man ertragen kann' lux. ma. 158; he hett dat gode to vel hatt 'er ist betrunken' Mensing 2, 427.
3)
zu gut II gebildet von dingen und zuständen, die einen wertgehalt besitzen.
a)
für konkrete dinge 'wertvolles' gegenüber dem wertlosen (vgl.gut II A 2): und der mage der kochet die spise und teilet das grobe, das böse von dem guͦten Tauler pred. 294, 7 V.;
kein artzt purgieret so gar mit heyl,
er nimpt desz guten auch ein theil
Petri d. Teutschen weiszh. (1604) 2, L l 3ᵃ;
man bewere alles und behalte das guͦtt C. Hedio chron. Germ. (1530) 6ᵃ;
alsdann wird das gut' erkannt,
wenn es ist aus der hand
Spanutius sprichw.-lex. (1720) 595;
das alte sprichwort, dasz das beste der feind des guten ist A. Stifter s. w. 14, 142 S.; traurig, dasz jedes gute in der welt eine unvollkommenheit im gefolge hat K. Gutzkow ges. w. 7, 443; rein qualifizierend:
sondern eins guten dich bedenck
Spreng Äneis (1610) 70ᵃ.
b)
entsprechend gut II A 4 für geistige und sittliche werte:
ir ist sô vil, die des nu pflegent,
daz sî daz guote z'übele wegent
Gotfrid v. Straszburg Tristan 30;
dasz sein herz ... dem zuge zu allem groszen und guten nicht verschlossen gewesen, zeigen hundert stellen seiner schriften Herder 17, 32 S.; jeder nachdenkende mann (habe) für das gute und grosze laut zu reden Thibaut notw. e. allg. bürgerl. rechts (1814) 405; gern vom charakterlichen wert: dieweil stündlich zu geschehen pfleget, dasz die kinder denen eltern immer eher in der unvollkommenheit als im guten nachschlagen Riemer polit. maulaffe (1679) widmung; sie (hätten) alle anlagen zu einem glücklichen volke ..., wenn ein gesetzgeber das viele gute anzuwenden wüszte A. v. Haller Usong (1771) 23; auch die stimme ist oft der freywillige ausdruck unsers characters, und sie wird also auch das gute und fehlerhafte desselben an sich nehmen Lavater physiogn. fragm. (1775) 1, 31.
4)
zu gut IV B in festen präpositionalen verbindungen, die aber auch artikellos mit starker flexion auftreten (s. u.C) und den älteren gebrauch des substantivisch flektierten subst. neutr. (s. u. IX B) teilweise ablösen.
a)
im guten 'in gewogenheit, freundschaft, freundlichkeit'; die doppelte möglichkeit im guten oder in gutem führt auch zu der mischform in guten: der künig batt yn, das er das thäte und kain gelt dar an sparete, er wölt daz gegen ym und den seinen in allem guͦten erkennen Fortunatus 137 ndr.; eur lieb hat ... vernomen, dasz ain ersamer rat ... den im truck ausgangnen ratschlag, die religion belangende, in allem guͦten angenommen städtechron. 32, 41; wohl aufnehmen, in allem guͦten vermercken in meliorem partem accipere Faber thes. (1654) 21ᵇ; ich nehme solches in allem guten auf schausp. engl. comöd. 279, 28 Creiz.; in allem gooden 'freundlich' Dähnert 158ᵃ; auch im guten? (ein frag, ob man auch guts von ihm gesagt hab) Henisch 1787; nun gedenke meiner im guten Göthe IV 32, 243 W.; aber so lasz sich der herr nur im guten sagen Nestroy ges. w. 2, 175; besonders gegenüber gewaltättigen methoden, vgl. in der güte, in güte unter ¹güte 3 d β γγ):
wil er in guten folgen nicht,
ist ihm was ergers zugericht
Hayneccius Hans Pfriem 1516 ndr.;
hye frag ich dich in gueten, obs mit der sprach ... auszerrucken wilst J. J. Schwabe tintenfäszl (1745) 67; dreck! werds gehn (geben), aber nich im guden. wo wer a so was im guden gangen? G. Hauptmann weber (1892) 61; im guten 'auf freundliche, friedliche art' Müller-Fraureuth 1, 452; da s beter in goden as mit störtigkeit Mensing 2, 427.
b)
mit guten in gleichem sinne bleibt seltener: sundern hefft de gemelte legation mit allem guden voraffschedet script. rer. Livoniae 2, 64; soll ich nicht mitreisen, so sagt mir es nur mit guten, ich will von hertzen gern zu hause bleiben Chr. Weise erznarren 11 ndr.; mit goden 'im guten' Mensing 2, 427; mit goden 'gutwillig' Dähnert 158ᵃ.
c)
in verwandten wendungen: Xenophon hält mehr davon, dasz man ihnen (den pferden) die lippen mit den fingern niederdrucke, das thut ihnen nicht wehe und behält sie beym guten (in williger verfassung) J. Walther pferde- u. viehzucht (1658) 21; artikellos: welche beyde stücke von alters her für sehr nöthig geachtet worden, das neugierige volck bey guten zu erhalten J. J. Mascou ges. d. Teutschen 2 (1737) 65; vgl. 67 u. 206; Stine versuchte zum guten (zur versöhnung) zu reden Fontane ges. w. I 5, 38.
C.
substantivierung des adj. neutr. mit starker flexion ohne artikel gutes oder mit unbestimmtem artikel ein gutes tritt seit ahd. zeit auf, bleibt aber bis in das ältere nhd. selten, wo es das substantivisch flektierte neutr. (s.gut, n., A) ablöst; ahd. nach lat. bona auch im plur. guotiu.
1)
die ausgebreitetste verwendung erwächst aus gut III A, indem gutes all das bezeichnet, was dem menschen angenehm, wohltätig, erfreulich, wünschbar, vorteilhaft und vielfach mit einschlusz von gut I A 1 förderlich, ersprieszlich erscheint.
a)
die handlungen, mit denen jemand etwas angenehmes erwiesen wird, wohltaten, freundlichkeiten usw., vgl. anord. ok vill þú af hánom gott geta Hávamál 44, 3 Neckel.
α)
in fester verbindung gutes tun; meist mit personalem objektsdativ 'jem. eine wohltat erweisen': cuatiu, dei du mir tati Graff 4, 158; habent lieb üwer finde, thuont denen guͦts die üch hassent Geiler v. Keisersberg bilgersch. (1512) b 6ᵇ; wegere dich nicht, dem dürftigen guts zu thun spr. Sal. 3, 27;
wir dürffen keins geleids noch schutz
gott bhüt uns und thut uns als guts
durch sein günstige lieb und gnad
H. Sachs w. 1, 31 K.;
dat se keinem minschen, so lange alse die roverie gewaret, mehr gudes dohn wolden script. rer. Livoniae 2, 143;
nun seh und lern ein jederman,
wie sehr viel gutes uns gethan
der bräutgam unsrer seelen
Paul Gerhardt in: Fischer-Tümpel 3, 306;
beym freunde war ich jetzt, zur freundin kumm ich nun;
hier that der tag mir guts, dort wird die nacht es thun
Logau sinnged. 65 E.;
thut er euch denn nichts gutes? Göthe 45, 10 W.; in besonderer verengung auf den sinnlichen genusz bezogen: seinem maul guts thun far del bene alla sua bocca Kramer t.-ital. (1702) 2, 32ᵇ; meist reflexiv gewendet wie 'sich gütlich tun':
es ist die mäszigkeit die mutter aller tugend,
die uns, je minder wir uns guts thun, gutes thut
Chr. Warnecke poet. vers. (1704) 23;
nun will ich schlafen! will mir gutes thun mit schlafen Klinger w. 1, 83; auch zeigte er ihm einen keller, darin lag commiszbrot, bier, branntwein, tabak und pfeifen, der gute bärenhäuter war froh und thät sich ein gutes in solcher buchkammer Brentano ges. schr. 5, 463; in mischung mit sich etwas zu gute tun (vgl. VIII B 1 c β ββ), sich etwas zum guten thun darsi un pò di buon tempo Kramer t.-ital. 1, 580ᵃ; auch präpositional verkoppelt mit an: lasset uns gutes thun an jederman, allermeist aber an des glaubens genossen Gal. 6, 10; es kann dir meinethalben nirgend übel gehn, dasz du guts an mir gethan maler Müller w. 1, 118; absolut verwendet:
ob in wol afterrew tuͦt pinden,
das er nun geren ain guͦtz tätt,
so ist es worden mir ze spät
liederb. d. Hätzlerin 247 H.;
wen du gutes thust, so denk nicht dran Eyering prov. (1601) 3, 449; die macht gutes zu thun ohne einschränkung Th. Abbt verm. w. (1768) 2, 18; spezialisiert: se schall wat godes doon 'sie ist schwanger' brem.-nieders. 2, 526; zu gut I A 1 selten, im sinne 'nützliches hervorbringen': sintemal keyn erdrich ... mag ungebauen guts thun Sebiz feldbau (1579) 455.
β)
mit anderen verben verbunden oft weniger konkret die einzelne wohltat als allgemeiner das erfreuliche oder ersprieszliche geschehen überhaupt: wuo mihhiles mêr iwer fater, thie in himile ist, gibit guotu inan bitentên Tatian 40, 7;
sie sprach 'nieman enmac
guotez verdienen (sich ein verdienst erwerben) umb den man,
der ganze triuwe nie gewan'
Ulrich v. Eschenbach Alex. 483;
er (Christus) schut guts ausz und nimbt ubel drumb heim Luther 17, 1, 264 W.; du wirst auch keinen freunde finden, der dir also vill guͦttes beweyset als ich Warbeck Magelone 58 B.; sehwet einer guͦts, so schneidt er nichts bösz sprichw. (1548) 146ᵇ; gutes mit gutem vergelten ist ein wolstand Henisch 1795; bey welchen (arbeiten) ein ehrlicher, geschickter ... mann so viel gutes stiften kann Rabener s. w. 6, 189; er ... zeigte ihm, wie viel guts der einzelne mensch wirken könnte Klinger w. 4, 53; hierzu: was gutes auf erden unterbleibt, ... das siehe du als einen ruf von gott selbst an K. L. v. Haller rest. d. staatswiss. (1816) 1, 29.
γ)
gern in formelhaften gruszfragen verwendet: was habt ihr gutes darin zu schaffen? Amadis 113 K.; ähnlich: lieff er zu sehen, was sie guts machten Fischart Garg. 321 ndr.; wie gehet es sonsten auf der universität? sind auch viel bursche daselbst? was machen sie guts? Schoch stud.-leb. 36 Fabr.; was schafft ihr gutes? hub Ekkehard das gespräch an Scheffel ges. w. 1, 208; nu, wat hefft ji goods um de hand? Mensing 2, 424; was mache sie guts? 'wie befinden sie sich' Schmidt Straszb. 47ᵃ.
b)
besonders von der empfangenden person aus gesehen die erscheinungen, zustände, verhältnisse, ereignisse, dinge, die den charakter des erfreulichen, angenehmen haben.
α)
allgemein: wer ein ehefraw findet, der findet was guts spr. Sal. 18, 22; ein grosze schar ... die mir eeren und guͦts günnen Hutten opera 1, 412 Böck.; in den landen ... da pin ich gewesen manichs jar und han guts und args versucht, davon vil ze sagen were Schiltberger reiseb. 79 lit. ver.; was hätten die Deutschen sich nunmehr denn für gutes zu versehen? Lohenstein Arminius (1689) 1, 24ᵇ;
wiederfehrt ihm (dem don Juan) guts zur stund
schweigt er fein und wischt den mund
G. Voigtländer oden u. lieder (1642) 89;
kinder und alte wüszten nicht zu schätzen, was ihnen gutes täglich begegnete Göthe 21, 18 W.; von keinem haben wir etwas gutes zu erwarten v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 135; Therese hofte gutes von einer kleinen entfernung aus ihrer eltern haus Caroline br. 1, 29 Waitz; man stritt ... ob der anschlusz an den zollverein was gutes wäre H. Laube ges. schr. 1, 147; det hat ooch sein jutes Brendicke Berlin. w. 132ᵃ; i han ke guds meh 'ich bin sehr besorgt' Follmann lothr. 221; also doch ein gutes beim übel A. v. Droste-Hülshoff br. an L. Schück. 132. alles gute (s. oben B 2 b) und gutes in formaler addition gelegentlich alles gutes: denn weil wir uns selbst ... alles gutes gönnen, so erfreuen wir uns Gottsched vernünft. tadl. (1725) 2, 222; so wahr mir gott alles guts gebe Heine w. 3, 327 E.
β)
besonders häufig als inhalt von wünschen: du solt inen weder glück noch guts wündschen 5. Mos. 23, 6; meinen willigen dienst und alles guts zuvor, wirdiger ... herr doctor in: Luther 26, 539 W.; gott bewar dich wol, es begegne dir alles guͦts bene sit tibi Frisius 161ᵇ; sie wissen nicht, wie lieb ich sie habe, wie viel gutes ich ihnen wünsche A. v. Droste-Hülshoff br. a. L. Schücking 267; negativ gewendet: das dich nimer guͦts angon müsz, du thuͦst als die schelck all pflegen zuͦ thuͦn Eulenspiegel 82 ndr.
γ)
in festen negativen verbindungen nichts gutes, wenig gutes:
wir wern nichts gutes an ihm erleben
H. Sachs 1, 57 K.;
armut und geitz treibt zu nichts guts Petri d. Teutsch. weiszh. (1604) 2, j 6ᵇ;
wir kundten uns nichts guts versehn
Spreng Äneis (1610) 56ᵇ;
stumm führte ich sie nach hause und erwartete mir nichts gutes Göthe 25, 149 W.; ach mutter, du quälst mich und richtest nichts gutes damit an Fontane ges. w. I 6, 4; ich hab nix guets uf der welt Martin-Lienhart 1, 248; die schroffheit dieses kammes, die abgehackte gestaltung seiner gipfel verspricht in der that dem bergwanderer wenig gutes Barth Kalkalpen 549;
ihr eltern, thut die kinder zu der heurat nicht zwingen,
denn es thut ja selten ein wenig gutes bringen
Mittler dtsche volksl. 578;
formelhaft wie (als wie) nichts gutes; zunächst im sinne 'wie etwas, das nichts erfreuliches, angenehmes bedeutet', vgl.es riechet als wie nichts gutes questo rende (ne viene) un odore di cosa non buona Kramer t.-ital. 1, 580ᶜ: die haut fing mir an zu gucken (jucken) wie nichts guts Chr. Reuter Schelmuffsky 96 vollst. ndr.; ein förmliches rennen von sechs rittern, ... wobei die hiebe auf den harnischen klatschten wie nichts gutes Grillparzer s. w. 20, 63 S.; dann zur bloszen steigerungsformel entstellt 'auszerordentlich, heftig': das arme vieh hat sich am widerrisz gedruckt wie nichts gutes Shakespeare 6, 41;
wenn wie nichts guts dich schilt ein wicht
Rückert ged. (1841) 234;
so mundartlich verbreitet, vgl.ass all niks gôds 'auszerordentlich' Danneil 67ᵇ; he regeret as niks godes 'er lärmt und poltert als ein unsinniger' brem.-nieders. 2, 526; he höllt hus as niks goodes 'er lärmt als wenn er rasend ist' Dähnert 158ᵃ; əs get wī al nyšt guds 'es geht sehr gut' Hofmann niederhess. 111ᵇ; wy all neisd guds 'tüchtig, sehr' Christa Trier. 103ᵇ; do gehts wie all nix gutes Martin-Lienhart 1, 249 usw.
δ)
namentlich von bevorstehenden oder erwarteten ereignissen gebraucht:
o weh, mich andtet nichtsen guts
H. Sachs 2, 36 K.;
wie lang ists schon helle,
mir ahnet nichts guts
Brentano ges. schr. 6, 314;
also hast du bewerung der naturlichen meister, das die cometen nichts guts bedeuten M. v. Kemnat chron. Friedr. I. 88 Hofm.;
das deutet gutes, laszt uns eilen denn!
Grillparzer s. w. 5, 9 S.;
dat bedüdt nix godes Mensing 2, 428;
was hör ich? o disz wird was gutes prophezeihn
v. König ged. (1745) 44;
der anfall verspricht mir aber für die zukunft nicht viel gutes br. v. u. an Herwegh 36.
ε)
zu gut III A 6 von erfreulichen, angenehmen nachrichten, vgl.etwas guͦts bringen, eine guͦte bottschafft verkünden apportare bonum Frisius 159ᵇ:
sihe do, gespan, was bringt der guts?
Hayneccius Hans Pfriem 31 ndr.;
zu vernemen, was man guts neues sagte Grimmelshausen 2, 421 Keller; fragte die wirthin: was denn guts neues in der stadt Venedig paszirete? Chr. Reuter Schelmuffsky 102 vollst. ndr.; guten abend, Pinkus. nun? was guts? G. Stephanie d. j. s. lustsp. (1771) 124; was bringen sie mir gutes? Göthe 23, 7 W.
ζ)
präpositional verbunden mit einschlag von gut I C etwas zu gutem kehren, bringen, wenden, kommen u. ä. 'eine sache zum erfreulichen, glücklichen ende führen' (vgl.zum guten sp. 1332 f., zu gute sp. 1345):
du solt es zuͦ guͦttem keren,
deinen schaden sech ich nit gern
Friedrich v. Schwaben 1217 Jell.;
der herr und alles hauszgsind dacht,
ir sach wer nun zu guͦtem bracht
K. Scheit fröl. heimfart j 1ᵇ;
glücklich sol dirs erspriszen
zu gutem als gewend
Schede-Melissus ps. 202 ndr.;
ain rath het inen zuͦgesagt, die sach nimer zuͦ gedenken, und (sie sei) zuͦ guͦtem komen und hingelegt worden städtechron. 29, 31; ich kan fur war nit gedencken, das daraus etwas möcht ... zu guttem kommen Reuchlin augensp. (1511) 18ᵃ.
c)
verdinglich aus gut III A 1 a 'gute speise und trank, delikatesse, leckerei', vgl.etwas gutes essen mangiare cibi delicati Kramer t.-ital. 1, 580ᵇ:
kompt etwas guͦts (auf den tisch) so spitz dich drauf,
dasz du ertapst die beste speisz
K. Scheit Grob. 825 ndr.;
eszt und trincket etwas guts,
und last waldvöglein sorgen
Gabr. Voigtländer od. u. lied. (1642) 61;
was sie guts auf die nacht würde zurichten lassen Grimmelshausen 2, 340 Keller; dank, mein herr wirth. nun, was kann ich ... heute gutes bei euch haben? Tieck schr. 3, 57; ich möchte etwas gutes und ein biszlein viel Fischer schwäb. 3, 950; als 'naschwerk, konfekt':
bringt es (das Christkind) ihnen (den kindern) guts genug
und ein schönes bilderbuch
Heinr. Hoffmann-Donner Struwwelpeter 1;
ebbes guhds 'süszes zuckerwerk' Laven ged. i. Trier. ma. 235; guts 'bei kindern alle zuckerbäckerware', guts 'nennt auch die hausfrau ihr kleines weihnachtsgebäck' Reuting Höchst. 20; jots 'leckerei' Rovenhagen Aach. 46; guets Martin-Lienhart 1, 249; auch mit angabe der sache:
was hastu guts von wiltpret gefangen
Gilhusius gramm. (1597) 81;
was es nur gutes gäb an äpfeln und trauben ... wär alles dein maler Müller w. 1, 132.
2)
zu gut IV gebildet für den gesinnungsausdruck, der aus wohlwollen, freundlichkeit, freundschaft hervorgeht, also gegenüber 1 mehr auf die subjektive motivation der handelnden person bezogen, im sinne 'freundliche meinung, absicht'.
a)
von dem inhalt der gesinnung selbst, vgl.gut IV B.
α)
allgemein: der nichts guttis gedenckt Luther grund u. urs. (1521) b 1ᵇ;
dar ick my gudes to verleth,
dat was de genne de my verreth
Husemann spruchsamml. 89 Weink.;
so aber mein ich alles liebs und guts
Fouqué held d. nordens (1810) 1, 24.
β)
besonders in präpositionalen verbindungen; alt ist in gutem 'in wohlwollender gesinnung': taz se in guotemo sin (ut judices faciat benevolos) Graff 4, 159; aber nach gut III A 5 hin verschoben bei Notker, s. sp. 1276; im sinne 'in freundlicher meinung, in freundschaft': alle die meinen und die meiner in gutem gedencken volksb. v. dr. Faust 116 Br.; ir wöllen ... mich euch in allem guͦttem lassen bevolhen sein S. Lotzer bei Fischer schwäb. 3, 951; auch in gutem? Friedrich Wilhelms sprichw.-reg. (1577) a 1ᵇ;
... in gutem will ich hoffen!
Grillparzer s. w. 6, 87 S.;
gestern aszen wir ein gerüchte sauerkraut ... mit einander in allem gutem, denn wir geben einander den gantzen tag kein bösz wort Ollapatrida 143 Wien. ndr.; 'in freundlicher absicht': der Stouffacher gedacht wol, dasz er (der landvogt) in nit in gutem frage Tschudi chron. Helv. 1, 235; ich sag dir in guetem 'in guter absicht' Martin-Lienhart 1, 248; von der aufnehmenden (passiven) person 'freundlich, willig':
nimb also disz (das buch) in guͦtem an,
und bleib allzeit ein grobian
K. Scheit Grob. 4873 ndr.;
verste in gutem (v. j. 1525) bei Fischer schwäb. 3, 951; häufig im gegensatz zur gewaltsamen oder gerichtlichen auseinandersetzung; 'freiwillig':
mich freuts, dasz ihr in gutem euch gefügt
Schiller 12, 254 G.;
'friedlich': (der) entschlusz, sich anderwärts entweder mit gewalt oder in gutem niederzulassen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 130; mit, in gutem sich vertragen accordarsi Kramer t.-ital. 1, 581ᵃ; sich in jutem verdrajen 'ohne prozesz vereinigen' Brendicke Berlin. w. 131ᵇ; kommet in gutem miteinander ab Fischer schwäb. 3, 951; mit anderen präpositionen: dasz mit gutem nichts mehr ausz ihnen vorzubringen Wickram rollw. (1579) 63ᵇ; wolt ihr mit gutem gehn, so thuts J. Ayrer dram. 1954 K.; er solte ... den V. mit gutem oder gewalt in Syrien führen Lohenstein Arminius (1689) 2, 1125ᵇ; wöllest ... zuͦ guͦtem annemen das, so ich dir freuntlichen und treuwer meynung rhaten wil Wickram w. 1, 21 B.; die muͦter aber (war) ... wirdig, das man ir zuͦ guͦtem gedencke Zürcher bibel (1531) 328ᵃ; us guetem 'aus güte' Martin - Lienhart 1, 248; dat hett se ut goden daan 'in guter absicht' Mensing 2, 428; (um ihn) bey gutem zu erhalten Musäus volksmärchen (1788) 4, 153.
b)
namentlich vom gesinnungsausdruck durch wort und rede (s.gut IV C 1), vgl. ich red guͦts, segne benedico Alberus nov. dict. (1540) 28ᵃ, guͦts von einem sagen benedicere alicui Frisius 161ᵇ: des fyndes munt reth ... zelden gutis prov. Fridanci 50; je mehr man einem bösen menschen guts sagt, desto gröszer wird die boszheit Lehman floril. polit. (1662) 1, 116; der papst sagte viel gutes von mir Göthe 43, 121 W.; sie hätte gern etwas freundliches und gutes zu Minna gesagt H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 60.
c)
von den handlungen, die aus freundlicher gesinnung hervorgehen, vgl.guts umb einen beschulden, eines huld verdienen demereor B. Garth lex. (1657) 192ᵃ: unsere ... brüderliche dienste und was wir sonsten mehr liebes und guttes vermögen zuvore acta publ. 1, 13 Palm;
mein weib zu ehren hochgeneigt,
hat euch alls liebs und guts erzeigt
Spreng Ilias (1610) 181ᵃ;
also ... seind wir erbietig, euch ... alles liebs und guts zuerzaigen Weckherlin ged. 1, 18 F.; do ist liebs und guets hinden und vornen Martin-Lienhart 1, 248; mir waren die augen ... zuwider gewesen und auch jetzt noch schienen sie mir nichts gutes zu versprechen Storm ges. w. (1899) 1, 75; euch traue ich auch nichts gutes zu Barth Kalkalpen 563.
d)
auf die freundlich gesinnte person übertragen in der wendung jemand (wer) gutes u. ä.: grüszen sie Lavatern, ... auch Schlossern und wen sie gutes begegnen Göthe IV 6, 382 W.;
und niemand gutes gab mir einen blick:
die jungen herrn, die hoch nach fenstern schielten,
erniedrigten nach mir nicht ihr genick
Rückert w. 3, 119.
3)
zu gut V B von dingen, handlungen und eigenschaften, die den sittlichen maximen entsprechen.
a)
allgemein: wuo mugut ir guotu sprehhan, mit thiu ir ubile birut Tatian 62, 10; mich bedünket nichtz guͦtz weder irer wort noch werke Arigo decam. 32 K.; als geschriben steet, das aufrecht christen durch gewonheyt haben söllen geyebt sinn, zuͦ erkennen guots und pösz Berthold v. Chiemsee t. theol. 15 R.;
die götter in dem himmel hoch
so guts und bösz erkennen noch
Spreng Äneis (1610) 2. ges., 53ᵃ;
schimpfflich gutes lehren, heist dem bösen glimpfflich wehren Fischart 2, 16 Hauffen; (ich) wuste weder gutes noch böses zu unterscheiden Grimmelshausen Simpl. 9 ndr.; also wahres und gutes miteinander vernichtiget würden Leibniz dtsche schr. 2, 35; das musz einen befestigen, dasz man mit allem guten bleibender und näher wird Göthe IV 5, 1 W.; es (gebe) ein absolut gutes nicht Lange gesch. d. material. 15.
b)
spezieller die sittlich guten handlungen: min wercke, als ain ding mer arges dann guͦtes lerende Niclas v. Wyle translat. 13 K.;
und gar nichts guts hast thon (getan) vor mir
H. Sachs 1, 25 K.;
drumb thut er (der gottlose) gutes mit verdrusz,
dasz er mit frewden doch thun solte
D. v. d. Werder buszpsalm. (1632) d 3ᵃ;
(niemand kann ohne gottes gnade) etwas guts und rechts wollen oder vollbringen
Lehman flor. pol. (1662) 1, 33;
... keiner ist,
der gutes thut, und sein (gottes) gesetz erfüllt
Giseke poet. w. (1767) 12;
nach 1 a α hin:
... denn gott lohnt gutes, hier
gethan, auch hier noch
Lessing 3, 18 L.-M.;
vom lebenswandel: die ... dienen guten leuten und sehen alsdenn viel gutes engl. com. u. trag. (1624) g 5ᵇ.
c)
als sittliche intention oder eigenschaft: ich weisz, dasz in mir nüt guͦts wonet Zwingli dtsche schr. 1, 61; die natuͦr keert eim ein laster zuͦ guͦtem oder zu tuͦgend Frisius 1393ᵃ; da ist nichts guts, kein ehr und redligkeit Henisch 1788; o ich arme frau! nun sol nichts gutes an mir seyn Chr. Weise grün. jugend 234 ndr.;
von andern völkern borgt das schlimme nicht,
wei weisz, ob euch erreichbar ist ihr gutes
Grillparzer s. w. 6, 166 S.;
über seinen charakter jedoch hüllte man sich ins unklare, wollte nicht viel gutes wissen G. Keller ges. w. 2, 24; 'redliche absicht', vgl. nichts gutes im sinn haben disegnare qualche furbaria Kramer t.-ital. 1, 580ᶜ: wers licht scheut, hat nichts gutes im sinn Schulze bibl. sprichw. 166.
4)
von gut II hergeleitet unhäufiger; besonders auf geistige erzeugnisse bezogen, entsprechend gut II A 4, im sinne 'etwas, was einen geistigen wert besitzt'; vom kunstwerk:
wurde ich von der guoten vro,
waz ich danne guotes noch der werlte sunge!
minnesinger 1, 318ᵇ v. d. Hagen;
was soltistu guttis schreyben Luther auff d. ubirchristl. buch (1521) J 2ᵃ; desz geringsten namen, der irgend etwas guts und artiges geredt oder geschrieben Zinkgref apophthegm. (1628) a 5; wan sie in den schrancken der gottesforcht bleiben, so können sie zehen mahl mehr guts schaffen als einer der nicht studiret hat Moscherosch insomn. cura parent. 47 ndr.; etwas gutes von eigener erfindung hervorgebracht zu haben G. Stephanie d. j. s. lustsp. (1771) vorr. 3; wenn in dem ganzen buche nichts gutes ist, so sind wenigstens die worte des alten schriftstellers gut Rabener s. w. 1, 146; es (das buch) ist in dem lieben Deutschland verschollen und mit vielem andern, gutem und nützlichen von den sandwehen des tages zugedeckt Göthe IV 32, 242 W.; gelesen hab ich schon viel, und was mehr ist, viel gutes Caroline br. 1, 92 Waitz; anders zu gut II B 2 in fester verbindung etw. gutes halten von jem. 'wertvolles an jem. finden, jem. für wertvoll halten', vgl. die leut haltind guͦts von mir Frisius 1419ᵃ; das myrs leyd ist, was ich yhe guͦttis gehalten ... habe vom bapst Luther 10, 2, 233 W.; ähnlich: sie waren ... eifrige vaterlandsfreunde, lieszen an den Franzosen nichts gutes gelten A. Stifter s. w. 5, 1, 355.
5)
zu gut VI A 2 b β gehört (um) ein gutes im sinne 'ein beträchtliches stück', wo ursprünglich wohl ellipse des maszbegriffes, wie stück, teil vorliegt: umb ein guͦts elter seyn Frisius 54ᵇ; doch weisz ich auch einen eingang von dieser seite, wo wir um ein gutes näher gehen Göthe 24, 63 W.; bei der die gutmütigkeit die weibliche ränkesucht um ein gutes überwog W. v. Polenz Büttnerbauer 1, 107; sind wir ein guts dahinden blieben Frischlin bei Fischer schwäb. 3, 943;
ich gab ir noch ein guts an schlaf (schläfe)
H. Sachs 5, 233 K.;
ein guͦts witziger dan sein meister Frisius 952ᵇ; so hat sich doch das volck gemeinlich ein guts vor tag ... an gedachte orth (den circus maximus) begeben Grasser schatzkammer (1610) 351; es wird ein gutes kosten costara del buono Kramer t.-ital. 1, 580ᵇ; ein gutes teurer Fischer schwäb. 3, 943; vereinzelt in gleichem sinne etwas gutes: so hat er (der hundsaffe) ... zän wie der hund, ist gantz wild ..., etwas guͦts grösser dann ein hund Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 7ᵇ.
6)
bildungen zu gut I A 1 sind im ganzen unhäufig, aber doch belegbar.
a)
im sinne 'nützliches, taugliches, förderliches', oft von 1 a nicht deutlich zu trennen, vom ergebnis eines zweckbestimmten tuns, vgl. vermegenlichait zu guottem facilitas Diefenbach gl. 222ᵃ: zweyffelt nicht, weyl ewer gebet auf des sons blut gegründet ist, es dringe durch alle himel und richte viel gutes ausz Mathesius ausgew. w. 1, 104 Lösche; es wird überhaupt in gar manchem gutes und vortreffliches geschehen können Göthe IV 27, 224 W.
b)
an diese verwendung angeschlossen hat die alte verbindung zu gute (s.gut IX B 1) im älteren nhd. bis ins 18. jh. hinein auch die form zu gutem (guten) im sinne 'zum nutzen, vorteil' entwickelt, vgl. von gott zu guͦtem gegeben donatus Frisius 448ᵇ; meist mit personalem objektsdativ, vereinzelter mit abhängigem genetiv: dise und jene spysz ..., weliche aber gott zuͦ guͦtem den menschen ... geschaffen hat Zwingli v. freih. d. sp. 8 ndr.; uns und unsern nachkommen zu gutem (v. j. 1566) weisth. 6, 79; die getreuen dienste, die er seinem vaterland zu gutem in krieg und friedenszeiten erwiesen hatte J. B. Schupp schr. (1663) 492; in fester paarung mit nutz: wo durch die gwercken ... dem paw zu nutz und guetten, etwas betracht und fürgenomen wirdet (v. j. 1532) in: v. Lori baier. bergr. (1764) 214; andere ... mögen von dieses priesters that urtheilen wie sie wöllen, und sam sie zu nutz und guͦtem des reychs geschehen sey Stumpf Schweizerchron. (1606) 242ᵇ; an typischen verben besonders mit kommen, seltener gereichen: demselben (menschen) kumbt auch das leiden Cristi oder ander gnad gots nit zu guotem Berthold v. Chiemsee t. theol. 375 R.; und unsere gemüther ... haben diesen unfehlbaren vortheil über alle andere hertz, dasz das übel ihnen zu gutem gereicht Weckherlin ged. 1, 61 F.; oft auch an das schwach flektierte subst. adj. neutr. (s. o. B) angeglichen als zu guten: so alles ... der herrschaft Guettenberg, auch gemainen markt zu gueten und nuzen geschechen soll (17. jh.) österr. weist. 6, 187; zu gueten der minderjährigen (v. j. 1669) bei Schmeller-Fr. 1, 964, vgl. noch mundartlich: ze gueten 'ihm zum frommen' Schöpf tirol. 220; auch mit artikel versehen: dasz thu ich dir alls zu eim guten A. Dietrich baurenkn. (1618) a 8ᵇ; ich weisz, dasz dessen befehle zu meinem guten abgezielet sind Hunold neue br. (1723) 281; in gleicher weise neben zu gute halten (s. u. IX B 1 a ε), zu gute haben (s. u. IX B 1 c γ): dasz es ja die frau zu gutem hielte, thut sie, dasz er ein fremdling wer buch der liebe (1587) 214ᵃ; wann ich es deiner dummheit nicht zu guten hielte ... so wollte ich dir den hals umdrehen Ph. Hafner ges. lustsp. 1, 20; nun hab ich einen überzähligen dummkopf zu guten Bauernfeld ges. schr. 1, 36; mundartlich entsprechend sich etw. zu gute tun (s. u.gut IX B 1 c β): darup do ikk mi recht wat to goden 'darauf bilde ich mir nicht wenig ein' Dähnert 158ᵃ.
IX.
der folgende abschnitt enthält die fälle der substantivisch flektierten substantivierung (s.gut, n.), in denen gut nicht mehr ohne weiteres als substantiv erkennbar ist; diejenigen, welche zu adverbialen wendungen umgebogen wurden, stehen unter gut VII.
A.
von dem substantivisch flektierten subst. adj. neutr. auszerhalb präpositionaler fügungen hat sich bis in heutige sprache nur in mundarten und dialektisch gefärbter umgangssprache die verbindung kein gut gehalten, die sonst durch nichts gutes oder nicht gut ersetzt ist.
1)
im sinne 'kein nutzen, kein vorteil' (zu gut I A 1 bzw. III A 7):
fein langsam, wie faulhenszlin thuͦt,
von eylen kam doch nie kein guͦt
K. Scheit Grob. 1687 ndr.;
(seit) die kauffleut kauffmanstrew verlieszen,
Jüden der herrn vormünder hieszen,
ist in der welt kein gut gewesen
Petri d. Teutsch. weiszh. (1604) 2, R r 8ᵇ;
er konte noch in etwas gedult tragen, weil in der gegenwärtigen sache eilen kein gut bringen möchte Chr. Weise pol. redner (1677) 235; bes. in fester verbindung mit tun:
zwar zweifel tett noch nye chain guͦt
liederb. d. Hätzlerin 54 H.;
dasz es in (den geizigen) kein guͦt thuͦt sprichw. (1548) 65ᵃ; wann sie lang mit den cavallieren conversirt haben, dencken sie endlich, das ding thue kein gut J. B. Schupp schr. (1663) 4; gleichwie eilen mehrentheils kein gut thut und schlechten nutzen bringet Sperling Nicod. quaer. (1718) 1, 40;
o weh, o weh, ein sacrilegium! o weh,
das thut kein gut
Fouqué altsächs. bildersaal (1818) 1, 103;
du willst wein trinken. und weiszt er thut dir kein gut O. Ludwig ges. schr. 3, 86; so mundartlich bewahrt, doch schon oft im wechsel mit der wendung ins adverbiale nicht gut tun (s. sp. 1321): kan guat tuan 'schlecht enden' Jakob Wien. 77ᵇ; kein gut tun 'nachteil und unglück bringen' Crecelius oberhess. 445; es thut kein gut 'bringt schaden' Spiesz henneb. 87; dat dait kain guəd 'bringt keinen segen' Woeste-Nörr. 87ᵃ; dat will keen good doon 'das reicht nicht aus' Mensing 2, 427; in das adjektivisch flektierte subst. adj. neutr. überführt: von eilen kam nie kein guͦts sprichw. (1548) 25ᵃ.
2)
kein gut tun mit persönlichem subjekt schlieszt sich an gut V A 1 d, aber auch gut IV A 2 b an im sinne 'sich rechtschaffen, brav, anständig betragen':
ihr thut kein gut, ihr böszewicht,
wan man euch nicht zuboden schlegt
Gilhusius gramm. (1597) 73;
solche müsziggänger, welche in der jugend kein gut haben thun wollen und sich muthwillig in armut gestürtzet haben J. B. Schupp schr. (1663) 341; dasz die unterthanen kein gut thäten, wenn sie viel geld hätten Chr. Thomasius kl. dtsche schr. 138; er ... hatte in seiner jugend kein gut gethan v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 193; ebenso mundartlich, vgl. kain guet tuen Schmeller-Fr. 1, 965; er thuat kan guat 'er ist von sehr schlechter aufführung, schlechtem lebenswandel' idiot. austr. (1824) 78; der pue tuot kan guot Lexer kärnt. 128; der junge will nich (oder kain) gut tun Müller-Fraur. 1, 452; he will keen good doon 'er will sich nicht schicken' Mensing 2, 427; auch von tieren 'störrisch sein': so bald sie mercken, das man sie vil zuschlagen und zu poltern begert, wöllen sie darnach keyn gut mehr thun Sebiz feldbau (1579) 599; in das adjektivisch flektierte subst. adj. neutr. umgebogen: (sie) klagen, wie das gesinde gar kein guts thun wölle D. Schaller theol. heroldt (1604) 72;
ich hab mein leben kein guts gethan
und habs auch nicht im sinn
Mittler dtsche volkslied. 560.
3)
zu gut III A 4 mit personalem objektsdativ 'eine wohltat, etwas angenehmes erweisen':
darumb gelaub ich, er thu ir kein gut
fastnachtsp. 2, 544 K.;
doch hat sie ihm auch kein gut gethan
J. Ayrer dram. 1, 553 K.
B.
feste präpositionale verbindungen.
1)
zu gute, in neuerer schreibung zugute, früher auch zu Gute geschrieben, vgl. Göthe 9, 246 W.; zu Gut Herder 23, 411 S.
a)
zu gut I A 1 (bzw. nach gut III A 7 hinüber) im sinne 'zum nutzen, vorteil', vgl. niener zuͦ guͦt und unnütz Frisius 119ᵃ.
α)
mit dem dativ der person, vgl.gut I A 1 c und d:
wir sculun uns zi guate (zum heil)   nu keren thaz zi muate
Otfrid II 5, 1;
nach gut III A 4 übergleitend: mir ze guote (zum wohlgefallen) bin ih got, dir ze freison nebin ih din got Notker ps. 49, 7;
und wie si mit dem bluͦte
in solten da ze guͦte
bestrichin du ubirtur
Rudolf v. Ems weltchron. 10511 Ehr.;
des grundpuechs, das wier ... allen unsern underthan zu guet fürgenomen ... haben (v. j. 1494) österr. weist. 6, 229; minen jungern zu guͦt ... hab ich sölicher translaciones etwa vil gemachet Niclas v. Wyle translat. 9 K.; zuͦ guͦt dem vatterland ... verteutschet Xylander Polybius (1574) vorr.; weil er (gott) den baw der welt dem menschen zu gute gesetzt Olearius persian. reisebeschr. (1696) 1; dasz dieselbe (Luthers schriften) in gewisse tomos zusammen gedruckt und den nachkommen zu gute erhalten würden Leibniz dtsche schr. 2, 389; ihm (Sickingen) und dem groszen haufen des deutschen volks zu gut schrieb Hutten jetzt ... deutsch Herder 16, 284 S.; mundartlich variiert: das ist mer nicht zi guote 'das kommt mir wohl zu, darum braucht man mich nicht zu beneiden' Lexer kärnt. 128.
β)
zu gute kommen erscheint als feste formel im sinne 'zum nutzen, vorteil, heil gereichen':
sol daz heizen guot, daz nieman hie ze guote kumt?
der Marner 116 Strauch;
die mhd. belege spielen oft mehr nach gut I C oder gut III A 4 hinüber ('zum erwünschten, glücklichen ziel'):
... daz enkam den niht ze guote,
von den si den schaden nam
d. klage 68;
auf das die gütte, die er bey yhm selber hatt, auch andern lasse bekandt werden und tzu gutte komen Luther 10, 3, 287 W.; ist also fast nichts an den ziegen zu finden, welches dem menschen nicht zu gute käme viehbüchl. (1667) 65;
... kommts nicht dem herrn zu gut,
wenn sein kriegsvolk was auf sich halten thut?
Schiller 12, 51 G.;
einem botanischen institut ..., welchem der ertrag dieses grundstücks zu gute kommen sollte Göthe IV 10, 137 W.; das ... war ... den Hohen Vietzern mehr als einmal zugute gekommen Fontane ges. w. I 1, 62; mit ellipse der präposition:
was einer früh um viere thut,
das kommt ihm nachts um neune gut
Binder sprichw.-schatz 59;
mit persönlichem subjekt 'zu hilfe kommen':
Maria, gotis muter, bis du ein loserin,
so kum ouch uns zu gute, wan wir gevangen sin
sp. v. d. zehn jungfr. 513 Beckers.
γ)
zu gute werden u. ä. 'zum nutzen, heil und segen gereichen', vgl.at góđo gøraz Helgakv. Hiǫrv. 33, 11 Neckel:
... joh ward uns iz zi guate
Otfrid IV 32, 3;
werdent tir is tie friunt ze guote (zum schutz), du ne sist unsichure (an praesidio sint amici) Notker bei Graff 4, 163; de Düdschen darna ock also, alse se segen, dat idt den Schotten alles to gude wordt, begunden erem exempel to volgende script. rer. Livon. 2, 100; aber Oreste und Augustulo wurd die untrewe nicht lange zu gutte Kantzow chron. v. Pomm. 22; mit anderen verben:
in rehtemo muate   erge uns iz io zi guate,
thaz wir io muazin blide   wesan scalka sine
Otfrid III 20, 141;
was das ie ze keinir vrist
reht, guͦt unde wol getan,
so müzes iuh ze guͦte irgan
Rudolf v. Ems weltchron. 19105 Ehr.;
ezn habe deheiniu grœzer kraft
danne unsippiu selleschaft,
gerâte sî ze guote
Hartmann v. Aue Iwein 2705;
dô sluoc des gelückes kür
mir ze guote, im ze arge vür
Ulrich v. Eschenbach Alex. 5093 T.;
wer untrewlich handelt, dem gehet es ein weil zu gut Agricola sprichw. (1534) c 1ᵃ;
horet auch, ir herren, minen raid,
der gar woll zu gude gaid
Alsfeld. passionssp. 2467 Gr.;
bemühungen, ... welche der ganzen nation zu gute gehen Göthe 41, 1, 116 W.; es gelange denn zu gottes ehren im menschlichen herze zu gute J. Böhme schr. (1620) 2, 62;
das ims zu gut
nit spreiszen mag
G. Forster fr. t. liedl. 10 ndr.
δ)
in transitiven verbindungen zu gute kehren, wenden, bringen, geben in älterer sprache im sinne 'zum nutzen, heil, segen bringen, gedeihen lassen':
cheret thaz in muate   bi thia zuhti iu zi guate
Otfrid S. 25;
ze ubele noch ze guote wanton sie beneficia dei Notker bei Graff 4, 163;
(die weisheit) ... trœstet den muot
mit allen den dingen,
diu man kan ze guote bringen
Lamprecht v. Regensburg tohter von Syon 2801 Weinh.;
ähnlich zu gute geben: wenn wir von einem reden, dem gott das gedeien gibt zu seiner narung, so sprechen wir gott gebs im zu gut G. Edelman hochzeitspred. (1580) N n 5ᵇ; nachbar Alex, ihr habt, gott geb euchs zu gute, nicht zu klagen Schoch stud. leb. (1657) h 6ᵇ; anders, wie zum besten geben (zu gut III A): bruchstücke, die sie mir zu gute gaben Thümmel reise 2, 46; vergleichbar: to gaue râen 'gut rathen' Schambach Gött. 60ᵃ.
ε)
zu gute halten u. ä. mit personalem dativ 'jem. etwas nicht als nachteil, als schuld, zu hoch anrechnen; etwas nicht übel nehmen, nachsehen, verzeihen', vgl.zu gut halten dare veniam B. Faber thes. (1587) 253ᵇ, du wollest mir zu gut halten quod pace tua dixerim Henisch 1789, einem ein verbrechen hingehen lassen, eins zu gut halten amittere alicui unam noxiam Reyher thes. (1668) 313: were nu eine finsternis drynnen, so wirstu mirs wol zu gut halten, das ichs nicht treffe Luther 26, 447 W.; aber gott kan denen, so busze thun ... viel zu gut halten J. Mathesius Sarepta (1571) 83ᵇ; er wolle ihr ... zu gut halten, wie sie ihn auch geschmähet Grimmelshausen 4, 563 Keller; einem poetischen (übersetzer) aber musz man ... schon eine kleine abweichung zu gute halten Gottsched crit. dichtk. (1751) 6; herr Dreisziger, man musz es seiner jugend zugute halten G. Hauptmann weber (1892) 77; mit ellipse des dativ:
... 'wer an der thür?'
'halt zu gut, ich brenge für,
wahnt nicht der meister Juncker drin?'
Rinckhart christl. ritter 27 ndr.;
der leser ... wolle ... zu gutt halten Butschky Pathmos (1677) vorr. )( 4ᵇ; vereinzelt mit anderen verben: zu gut nemen, auszlegen accipere in bonam vel optimam partem Henisch 1789; diesem (dem glücke) müste man wie einem narren alles zu gute haben Lohenstein Arminius (1689) 2, 1046ᵃ;
war etwa Mars wo from, so kehrt es ihm zu gute;
es ist gewisz geschehn ausz unverdachtem mute
Logau sinnged. 75 E.
b)
zu gute machen (bringen) im sinne 'zu einer nutzbaren, gebrauchsfähigen sache machen', besonders bergtechnisch 'aufbereiten, scheiden' schlieszt sich wohl an gut I A 2 c γ an: die hüttenherrn, so hütten gehabt und da die ertze geschmolzen und zu gutt gemacht, haben auch gewisze ordnung und sonderliche satzung gehabt Hardanus Hake bergchron. (1583) 25; dasselbige (zinn) kan nicht ein jeder gemeiner goltschmidt oder probirer zu gut machen und scheiden Ercker mineralertzt (1580) 34ᵇ; wie man ein jedes erz solle und könne gewinnen, aufbereiten und zu gut machen Mathesius Sarepta (1571) vorr.; schiffe, welche die erze ... (bringen), um zu gute gemacht zu werden Ritter erdk. 2, 666; in substantivierungen: er erzählet ... das zugutmachen der erze allg. dtsche bibl. anh. 1-12, 303; als wenn sich die chemie blosz mit zugutmachung der erze ... beschäftigte allg. dtsche bibl. 53, 619; in gleicher bedeutung: der prozesz (fällt) mit der zugutebringung silberhaltigen bleies zusammen Karmarsch-Heeren 4, 127; allgemeiner 'nutzbar machen': und da gleich etwas in die scheuren bracht ward, wuchs es dennoch aus, entbrant aufeinander, oder kundte doch nicht zu gute gemacht werden H. Megiser ann. Car. (1692) 498; dem poeten schadet der aberglaube nicht, weil er seinen halbwahn, dem er nur eine neutrale gültigkeit verleiht, mehrseitig zu gute machen kann Göthe 41, 2, 55 W.; auch 'verwirklichen': zu gute gemacht wurde dieses durch die ... nach wahrheit strebenden männer Ritter erdkunde 1, 33; etwas anders zu gut I A 2 c β die verbindung zu gute halten 'in gebrauchsfähigem zustande erhalten': auch die zerunge der stadt an allen stedten bas zu gute halten, dan biszhero geschehen ist bei Strenge-Devrient stadtr. v. Eisenach 65; item sal auch keiner nichtz verkauffen, ... er sal es dem andern zufur anschiben und das selbige als dan jar und tag zugute halten chron. d. stadt Ellbogen 11 Schles.
c)
an gut III A angeschlossen für die erfreuliche, angenehme, vorteilhafte sache, zu der etwas gebracht wird, oder den erfreulichen zustand.
α)
allgemein in verschiedenen verwendungen; schon ahd. belegbar:
so bluama thar in crute   so scono theh zi guate
Otfrid I 16, 24;
ruore dine hende unde bruche sie ze guote Notker ps. 91, 2;
sus teilte ich in mîm muote
und wânde weln ze guote
und hân des michel leit genomen
pseudo-Hartmann v. Aue 2. büchl., 634;
etw. zu gute bringen, kehren 'etw. in einen wünschbaren, erfreulichen zustand bringen', vgl.gut III A 4:
ich bring ez wol ze guote
Ulrich v. Eschenbach Alex. 2594;
ir hant mich ofte gêret
und ze guote gekêret
mîn dinc sô volleclîchen
Hartmann v. Aue Iwein 7534;
nach gut III A 5 hinüber zu gute werden 'in einen erfreulichen zustand kommen':
mein seel empfindet groszen schmertz
und wird kein mal zu gute
B. Ringwaldt handbüchl. (1586) c 1ᵃ;
zu gut III A 2 c persönlich gewendet: ek kan nich drup (derbî, dâbî) to gaue wëren 'ich kann nicht dabei genesen, mich erholen' Schambach Gött. 60ᵃ.
β)
in fester verbindung zu gute tun mit personalem objektsdativ 'jem. etwas als eine angenehme, erfreuliche, vorteilhafte sache geben', vgl.zu liebe tun.
αα)
allgemein:
due uns thaz zi guate   blidemo muate
Otfrid Salom. 43, vgl. IV 37, 20;
swaz ich ir gedienen kan, si tuot mir niht ze guote
minnesinger 1, 111ᵇ v. d. Hagen;
waz wollent ir mir (Judas) zuͦ gude duͦn (als belohnung bieten)?
ich geben uch Jhesum, Marien suͦn
schausp. d. mittelalt. 1, 99 Mone;
wo man ein undankbar herz findet, da vergehet lust und liebe, dasz man ferner helfen und solchen leuten etwas sollte zu gut tun Luther 6², 26 Erl.; ich will deinem männchen kein leid, sondern euch beiden etwas zu gute thun J. Mosen s. w. 8, 475; dem ehrlichen alten Panzacchi ... musz man doch auch etwas zu gute thun Mozart bei O. Jahn Mozart 2, 553; ohne objektsdativ:
swaz ich ie tete ze guote (gewann),
daz verlius ich ganzlîche
erzähl. u. schw. 30 Lambel.
ββ)
reflexiv im sinne 'sich etwas gutes, eine erquickung verschaffen', meist auf materielle genüsse bezogen: allwo sie sich nunmehr was zu gute thun und das biszherige leid ablegen wolten J. Riemer pol. maulaffe (1679) 72; wenn ich gleich noch so verliebt bin, so thue ich mir gleichwohl auch was zu gute ollapatrida 35 Wien. ndr.; ich verschlosz das zimmer ... und that mir etwas zu gute Göthe 25, 136 W.; Schlüters sind gesund und ... sehr heiter, sie thun sich etwas zu gute A. v. Droste-Hülshoff br. a. L. Schücking 209; ebenso mundartlich: ik wil meî maͦl wuot te gûde doun Bauer-Collitz waldeck. 42ᵇ; zu jute dhun 'gütlich thun' Brendicke Berl. w. 131.
γγ)
zu besonderer bedeutung entwickelt sich etw. zu gute tun auf etw. 'sich in bezug auf etw. eine schmeichelei sagen; sich etwas einbilden, stolz sein auf etw.'; nicht vor dem 18. jh. zu belegen: wo sich neid, hochmuth und die überhebung unsrer zeiten, auf die rechnung der verdienste des vergangenen alters etwas zu gute thut Gottsched d. neueste 7, 529; so viel er sich auf seinen alten vater zu gute thut, so stolz bin ich auf meine liebe tante Rabener s. schr. 3, 288;
der mond schminkt sich und stiehlt der sonne stralen,
thut auf gestohlen brod sich wunderviel zu gut
Schiller 1, 244 G.;
das bild ging zur belustigung der gesellschaft herum, weil sie vergasz, dasz der urheber sich vielleicht etwas zugute that auf dasselbe G. Keller ges. w. 6, 86; hei doüt sek wuot drup te gûde 'er ist stolz darauf' Bauer-Collitz 42ᵇ; gelegentlich mit über: wir haben nachher uns oft was drüber zu gute gethan Göthe 8, 25 W.
γ)
handelstechnisch zu gut III A 7 (sp. 1280) in bestimmten wendungen bedeutet zu gute 'zum vorteil; als guthaben, forderung', vgl.zu gute komen prevenire ('übervorteilen') Diefenbach gl. 458ᶜ (15. jh.); vergleichbar auch zu gute lassen 'vorteil, vorsprung lassen; nachstehen': dasz es (das maultier) auch in seinem sinn den rossen mit lauffen ... nichts zuͦ guͦt lassen wolte Heyden Plinius (1565) 228; ähnlich zu gute gehen 'zum vorteil gereichen': damit dem kauffer, weil er im herauszschmeltzen desz silbers einen abgang leiden musz, die ubrigen pfundt ... in seinem kauf zu gut gehen Ercker mineralertzt (1580) 13ᵃ; zu gute schreiben 'als guthaben buchen', vgl. einem so viel geld zu gut schreiben notare qualche somma in credito ad uno Kramer t.-ital. 1, 580ᵃ: du kannst diese nun an Bucklen auszahlen und ich will sie dir zu gute schreiben Göthe IV 5, 89 W.; sie ... lassen sich für die vorschüsse, die sie geben, eine provision zu gut schreiben Gutzkow ges. w. 5, 97; zu gute haben, behalten 'als guthaben haben, behalten': wenn ich mich aber alle acht tage resignire, so hab ich es freilich bei dreyhundert und fünf und sechzigen zu gute Göthe 24, 125 W.; der alte mann hat zwei groschen zu gute für die uhr, die er mir gestern ausgeblasen hat Gutzkow ritter v. geiste 4, 143; so mundartlich verbreitet, oft bildlich: i ha selb no z guet 'habe es noch zu erwarten' Seiler Basler ma. 153; eps ze guet han 'geld ausstehen haben' Martin-Lienhart 1, 249; en hoit nach eppes bei mir ze gud Gangler Luxemb. 489; ik heff noch enen togui Mensing 2, 423; aus der beyliegenden rechnung sehen sie, dasz sie nach abzug der 200 laubthlr. bey mir noch zu gute behalten Göthe IV 11, 228 W.; ähnlich: dem künstler, mit dem ich in abrechnung stehe, habe ich 15 dukaten zu gute gethan 30, 44; häufiger elliptisch gut schreiben, gut haben usw., vgl. sp. 1248.
d)
im anschlusz an gut IV C bezeichnet zu gute besonders in älterer sprache, dasz die handlung den ausdruck freundlicher gesinnung bezweckt oder den zustand freundschaftlichen einvernehmens herbeiführt.
α)
bei verben des sagens und denkens; ahd. zi guote nennen u. ä. übersetzt lat. benedicere:
(Zacharias) was ein ewarto,   zi guate si er ginanto
Otfrid I 4, 2;
dero rehton geburt wirt ze guote genamot (benedicetur) Notker ps. 111, 2; ze guote gechattost du dina erda (benedixisti) ps. 84, 2; zi guote sprechan 'freundlich, gnädig anreden':
so ist themo gotes drute   gisprochan zi guate,
Moysene in ware   themo wizodspentare
Otfrid V 8, 35, vgl. zi guate gruazen II 15, 24;
zu gute gedenken 'in freundlichkeit gedenken, in gutem andenken behalten':
gedæhte man ir ze guote niht,
von den der werlde guot geschiht,
sô wære ez allez alse niht
Gotfrid v. Straszburg Tristan 1;
meister Jordan prediger ordens (sô sein got zuo guot [gnädig] gedenk) Megenberg buch d. natur 196 Pf.; liebir meistir ..., gdenckt mein zuͦ guͦt, ee es mitag würt, ich scheid darvon Eulenspiegel 110 ndr.; ähnlich in negativer formel:
daz ich ir guoten guete
ze guote niht vergezzen wil
minnes. 1, 73ᵇ v. d. Hagen.
β)
bei verben des aufnehmens und empfangens 'freundlich aufnehmen':
selbon Krist thar betota   joh sinaz wort ouh lobota
intfiang iruz zi guate   mammuntemo muate
Otfrid III 11, 26;
swer guote rede ze guote
und ouch ze rehte kan verstân
Gotfrid v. Straszburg Tristan 4632;
sælic sî diu mir daz wol verstê ze guote
Walther 109, 3;
allergnedigste junckfrauw, ich nim euweren schimpff gern zuͦ guͦt Wickram w. 2, 299 B.; in zusagung der steuern hat man die gesandten zu gut genommen quelle bei Schmeller-Fr. 1, 964; anders 'vorlieb nehmen, sich zufrieden geben mit etwas': die (söhne) muesten sich alles erbs ... für sich und all ir nachkomen verzeihen ..., muesten ains auf ainem schaitlein (wie man spricht) von so vil land und leuten ... zu guet nemen Turmair w. 5, 165 L.;
nembt mit mir armen gsellen z gut
Schmeltzl hochzeit z. Cana (1543) 18ᵃ.
γ)
bei verben des schaffens vom herzustellenden zustand freundlicher gesinnung; subjektiv:
man macs ûz übelem muote
bekêren wol ze guote
unde niht von guote
bringen ze übelem muote
Hartmann v. Aue Iwein 1880;
das er (Esau) vil gar ze guͦte
becherte in sinem muͦte
swas er zornes ie gewan
Rudolf v. Ems weltchron. 6696 Ehr.;
dâmit er ze guote bræhte
die vîntschaft und den hâz
Ottokar v. Steiermark reimchron. 3500 Seem.;
objektiver 'freundschaft, einvernehmen':
sus brâht siz in ir muote
ze suone und ze guote
und machte im unschult wider sî
Hartmann v. Aue Iwein 2051;
der redt sampt mit im und bracht die sach zuͦ guͦt zwischen des und seins vatters (15. jh.) städtechron. 4, 122; alsz ers (den aufruhr) nu nicht ... konte wieder zue guete machen, ist der Fritz Hans uff dem predigstuel gestiegen und das volck vermanet 27, 153; etwas anders 'in wohlmeinender absicht':
tuost du daz ze guote,
sône wîze ich dir dar umbe niht
Walther 50, 29;
ähnlichen sinnes im schles. sich zu gute geben 'sich beschwichtigen lassen, sich beruhigen, sich zufrieden geben', vgl. Knothe schles. 277, Rother schles. sprichw. 254ᵃ: gieb dich zu gute, mein junge, für dich ist noch nicht jede aussicht verschwunden Holtei